China (Qinghai): AmnyeMachen u. der blaue Mohn

von: wal

China (Qinghai): AmnyeMachen u. der blaue Mohn - 08.10.17 10:08

Meine diesjährige Tour in China sollte eine Art thematische Fortsetzung meiner Sichuan-Tour sein, sozusagen, um nun auch noch das tibetische Gebiet "Amdo" kennenzulernen (also die heutige Provinz Qinghai). Ausnahmsweise konnte ich in diesem Jahr bereits im Juni/Juli frei nehmen, so dass ich endlich auch einmal den blauen Mohn (Tibetmohn) finden wollte und überhaupt das tibetische Hochland einmal im Sommer erleben konnte.

Start- und Ende der Qinghai-Tour war die Stadt Xining.

Die Quelle des Gelben Flusses

Der Bus aus Xining hält nach 8 Stunden Fahrt einfach am Straßenrand mitten in dem tibetischen Städtchen Maduo, 4270m Höhe. Die anderen Fahrgäste sind schon längst weitergegangen, als ich noch das Fahrrad herrichte. Als nächstes gilt es: Essen, Unterkunft finden, Einkaufen für die nächsten drei Tage. Schnell finde ich mich zurecht, esse erst eine Portion leckere Nudeln, kaufe dann in einem der vielen Kramläden ein paar Lebensmittel und packe dann in Ruhe meine Sachen im Zimmer einer Familienunterkunft.









Interessanterweise habe ich keinerlei Probleme mit der Höhe, so dass ich am späteren Nachmittag noch das Kloster am Ortseingang besuche, sozusagen als Startpunkt meiner Radtour in der chinesischen Provinz Qinghai (tibetisch Amdo).







Am nächsten Morgen geht es los, zunächst auf einer kleinen Asphaltstraße 30 km in Richtung Ngoring See, dann auf Piste weiter. Auf der Hochebene hier habe ich keine längeren Steigungen zu bewältigen, aber es gibt zahlreiche kleinere, oft auch steile Hügel. Mich umgibt typisch zentralaisatische Landschaft: grünes Gras, blauer Himmel, weiße Flöckchenwolken.







Wanderfalken und Bussarde brüten auf ihren Horsten, vereinzelt sehe ich Gazellen und Wildesel. Jetzt im Sommer gibt es auch immer wieder hübsche bunte Blumen.







Routiniert finde ich meinen Rhythmus. Wie üblich nimmt der Wind im Laufe des Tages zu, so dass ich am Nachmittag zunehmend gegen starke Böen ankämpfen muss. Ich beobachte auch einige Gewitterzellen über dem See, bleibe aber zunächst verschont.











Ich komme so gut voran, dass ich an diesem Tag noch bis zum Aussichtspunkt mit der Rinderkopf-Stele radeln möchte, was einer Tagesetappe von 90 Kilometern entspräche. Als ich dann am späten Nachmittag das Kloster am Fuß des Hügels mit dem Monument erreiche und von dort die letzten 5 Kilometer in Serpentinen 350 Höhenmeter hinauf muss, stelle ich die meine Entscheidung kurzzeitig dann doch nochmal in Frage. Der Wind ist jetzt so stark, dass ich bergauf im Gegenwind nicht mehr fahren kann, und jetzt mühsam schieben muss.



Dafür gibt es dann nach jeder zweiten Kehre einen kräftigen Windschub von hinten, der aber die anstrengenden Schiebepassagen nicht ausgleichen kann. Zwei Stunden brauche ich für diesen Anstieg, dann bin ich oben und genieße den Blick über das Qinghaiplateau.





Irgendwo dort hinten im Sumpfland entspringt der Gelbe Fluss, der dann die beiden Seen Kyaring Tso und Ngoring Tso speist und dann m Zickzack-Kurs nach über 5000 Kilometern das Chinesische Meer erreicht. Hier auf 4610 m habe ich das Gefühl, direkt die Wolken greifen zu können. Fasziniert beobachte ich das Wettergeschehen: Gewitterzellen entstehen wie aus dem Nichts, lösen sich wieder auf, dann scheint die Sonne zwischen den Wolken hindurch, dann treibt ein heftiger Graupelschauer über mich hinweg und kurz darauf trifft die Abendsonne genau die Stelle wo ich sitze und wärm sehr angenehm.





Ich beschließe, mein Zelt hier oben aufzubauen um am nächsten Morgen den Sonnenaufgang zu genießen. Da ich den ganzen Tag über keine Probleme mit der Höhe hatte, bin ich zuversichtlich, dass ich die Nacht auf 4600 m, also meine zweite Nacht überhaupt, gut überstehen werde.





Die Nacht war kalt, das Zelt und das Gras sind morgens mit Raureif bedeckt. Die Sonne geht gerade über dem Kyaring See auf, der Himmel ist fast wolkenlos. Ich fühle mich gut, muss aber dringend meinen Wasservorrat auffüllen. Schnell bin ich die Serpentinen wieder hinuntergeradelt und begebe mich nun auf einen kleinen Rundkurs zwischen den beiden Seen, bevor es nach Maduo zurück geht. Am Kyaring Tso fülle ich meinen Wasservorrat auf. Ein Tibeter hatte mir gesagt, wer das Wasser vom Kyaring Tso trinkt, würde ein hübsches Gesicht bekommen und ein langes Leben haben. Wie auch immer, das Wasser ist klar und macht einen sauberen Eindruck. Ich habe es jedenfalls gut vertragen.









Da ich gerne an einem der Seen zelten möchte, baue ich nachmittags das Zelt am Ufer des Ngoring Tso auf. Die Sonne wärmt zwar, aber der kalte Wind macht es dann doch recht unangenehm.



Ich beobachte die Vögel: Rostgänse, Möven, Uferschwalben und meine Lieblingstiere, die Himalayastreifengänse. Leider sind die Streifengänse sehr scheu.




(Fortsetzung folgt...)