SW-2012-1 Höllental - St. Antoni - Blauen

von: veloträumer

SW-2012-1 Höllental - St. Antoni - Blauen - 28.01.15 20:07

SW-2012-1 Schwarzwald Süd: Über die großen Höhenbadeseen zur Höhenrekordkuppe im Süden

Höllental – Schluchsee – St. Antoni – Wiesental – Kandertal – Blauen

3 Tage | 294 km | 4315 Hm

Der Südschwarzwald ist für mich bereits recht schwierig zu erreichen und bedarf i. d. R. zweier Bahnfahrten. Die Tour beinhaltete wunderbare Stimmungen des Spätsommers, bereits vom Weinherbst angestochen, mit den fruchtreifen, wohlriechenden Streuobstwiesen, wie sie typisch für den Süden sind und mir besser gefallen als manche einsame Dunkelwaldpiste im Norden. Höhepunkt gab es natürlich einige, wobei mir besonders an den neuen Strecken lag, die da waren das Höllental (per Rad regulär nur auf Umwegbergstrecke zu durchfahren), der St.-Antoni-Pass, die Hügellandschaft bei Kandern/Tegernau und das Kandertal mit dem Hochblauen als Gipfelpunkt. Als überraschend hübsch erwies sich eine Halbhöhenroute bereits weit unterhalb des Hochblauen von Badenweiler über Lipburg nach Steinenstadt.

Fr 7.9. Stuttgart – Böblingen – Herrenberg – Mötzingen – Hochdorf – Altheim – Schopfloch – Glatten – Loßburg – Alpirsbach || per Bahn || Freiburg
97 km | 19,1 km/h | 5:04 | 995 Hm
AE (McDonalds): Big Mac, Chicken Nuggets, PF, Orangensaft 8,80 €
Ü: C Hirtzpark 0 €

Um nicht den Freitagnachmittag in Zügen zu verbringen, bin ich eine Teilstrecke bis in die Dunkelheit geradelt, um dann mit der Bahn den Sprung in den Südschwarzwald in Freiburg zu schaffen. Der erste Halbtag ist also mal wieder kein atmosphärischer Genusstag, sondern eine strategische Annäherung nach Süden. Gegen Mitternacht ist es selbst in Freiburg recht schwer, noch etwas Passables zu essen zu finden. Der Besuch eines amerikanischen Fastfood-Restaurants am Bahnhof war dann doch sehr der Not entsprungen, zumal der Laden alle Zeichen einer unfreundlichen Bewirtung in sich trug. Ausgangs Freiburgs finden sich gleich mehrere Campingmöglichkeiten, wobei ich mir bekannten Weg in die Nähe der Jugendherberge suchte.

Sa 8.9. Freiburg – Kirchzarten – via Radweg Höllental – Alpersbach (1052m) – Hinterzarten – Erlenbruck (944m) – Bruderhalde – Feldberg-Bärental – Aha/Schluchsee – Äulemer Kreuz (1138m) – Bernau-Oberlehen – Rotes Kreuz (1090m) – Todtmoos-Weg – St. Antonipass (1051m) – Zell im Wiesental – Gresgen-Wigge (700m) – Tegernau
97 km | 13,3 km/h | 7:13 h | 1855 Hm
AE (Ochsen): Kürbiscremesuppe, Zigeunerschnitzel, Spätzle, Salat, Rw 22,30 €
Ü: C wild 0 €

Wenn der Morgennebel nach über den Auen der Dreisam liegt, wird auch eine solch bescheidene Strecke wie zwischen Freiburg und Kirchzarten zu einem Bild velosophischer Poesie. Erreicht man schließlich das Höllental über das sinnbildliche „Himmelreich“, muss sich der Radler erstmal wieder mit der Diktatur der Autogesellschaft auseinander setzen. Denn das Höllental bzw. die Bundesstraße hat Exklusivstatus für Motorenantriebe – Pedaleure unerwünscht. Ob das nun das Glück oder das Leid des Radlers bedeutet, vermag ich abschließend nicht eindeutig zu werten. Doch die für Radler – weitgehend auf Piste – verlaufende Route darf man getrost als gelungen und landschaftlich genussvoll bezeichnen. Anspruchsvoll ist sie aber – weit mehr, als die Straßentalroute nach Hinterzarten wäre – ist diese ja auch eine Bahnroute zugleich. Zwar meist durch Wald, aber doch immer wieder mit herrlichen Ausblicken über das Höllental hinweg oder auf weite offene Schwarzwaldwiesen, dreht sich die Route zwischenzeitlich vom Tal weg bzw. hinter den Berg. Dabei überfährt man ein bzw. zwei Hochpunkte, die zusätzliche Höhenmeter erfordern, die man wieder bis Hinterzarten verliert.

Hinterzarten selbst ist vielleicht schon ein wenig zu brav und kokett, aber doch noch wehrhaft dem Massentourismus nicht erlegen – also rundum hübsch. Die Erlenbruckhöhe verhindert den Talblick nach Süden, der sich sodann auf den Titisee ergibt – gleich als touristische Zentrum der Region schon von weit oben zu deuten. Erfreulich fährt man Richtung Feldberg (Ort) auf einer kleinen Nebenroute weitgehend unbehelligt. Der Schluchsee ist für Naturbader sicherlich die bessere Wahl gegenüber Titisee – es gibt einige Buchten, u. a. eine schöne, leicht versteckte Badewiese nahe Unter-Aha.

Das Äulemer Kreuz überquere ich auch schon zum zweiten Male, doch erlebe ich es heuer ungemein lieblich und erstaunlich autoarm. Wer zur Passhöhe mal am Abend vom Rad fallen sollte, findet eine Schutzhütte dort, wenngleich keinen Gasthof. Weiter geht es ab und auf und ab und auf. Über den St.-Antoni-Pass verkehrt nur wenig Volk, die Straße zudem wegen Baustellen aktuell nur eingeschränkt für Autos befahrbar. Die Ostseite ist landschaftlich vergleichsweise bescheiden, die unscheinbare Passhöhe – so ist bei dem Namen zu vermuten – den Heiligen gewidmet. Ich verweigere mich dabei einer näheren Kenntnis. Der Höhepunkt ist eigentlich die Westabfahrt, die man also besser auffahren sollte. Das Tal ist schmal und schluchtig, sehr berauschend mit Bergbach, recht weit unten bei Häg auch ein relativ mächtiger Wasserfall zur Seite.

Im Wiesental spürt man den Süden noch deutlicher, eine gewisse Milde des Rheins scheint einem entgegen zu strömen, wenngleich noch eine Ecke weit weg. Über das betriebige Zell im Wiesental geht es wieder einsamer über eher offene Hügellandschaft hinüber ins Kleine Wiesental, welches Tegernau recht eng umschlingt. Im Ort fand sich eigentlich nur eine zuverlässige Gaststube, wo gleich auch noch ein Musikverein aus der fernen Eifel ein Jahresfest feierte – wie jedes Jahr im selben Schwarzwaldort. Getanzt wurde aber nur nach Schlagermusik aus Kunstgeräten – in meinen Ohren nicht gerade der Wohlklang eines Sommerabends. Vielleicht auch deswegen sorgte sich der Bürgermeister höchstpersönlich um mein Wohl und führte mich per Ortsbegehung zu geeigneten Plätzen, wo ich mein Zelt aufstellen kann (so ihm bekannt, welche Häuser samt Gärten gerade unbewohnt).

So 9.9. Tegernau – Salneck-Weideschuppen (695m) – Endenburg (541m) – Scheideck (541m) – Kandern – Marzell – Egerten (925m) – Blauen (1165m) – Lipburg – Rheintaler Höhe (478m) – Feldberg – Schliengen – Steinenstadt – Auggen-Hach – Müllheim – Heitersheim – Gallenweiler – Kirchhofen – Schallstadt || per Bahn || Stuttgart
100 km | 15,3 km/h | 6:15 h | 1465 Hm
AE (Karlsruhe-Bhf): Lahmacun m. Dönerfleisch, Bier 7,30 €

Die nun folgende Hügelroute, anspruchsvoll, aber nicht schwer, enthält keinerlei besonderer Naturwunder, vielleicht ein Steinbruch noch zu Anfang – doch zeichnet sich die Strecke durch gerade sein liebliches Landschaftsbild mit bäuerlicher Idylle und beschaulichen Streuobstwiesen aus. Unterbrochen gelegentlich von Hainen, schattig wieder auf der Straße nach Kandern, erreiche ich diesen Ort, der historisch betrachtet eigentlich ein Rüstungszentrum mal gewesen ist. Im 16. Jahrhundert gab es Bergwerke und Hüttenbetriebe, die Schmiedeisen, Öfen, aber auch Kanonenkugeln fabrizierten. Ansässige Bergwerksverwaltung wurde unter der altdeutschen Bezeichnung „Weserei“ bekannt, die heute als traditionsreiche Gaststube des feinen Geschmacks weitergeführt wird. Ich musste mich aber mit einem Spätfrühstück einer Bäckerei zufrieden geben, was aber auch mundete.

Durch die Länge des Kandertales ist der Anstieg lange unbedeutend, gegen Egerten dann stärker und ebenfalls bis zum Hochblauen dann anstrengend. Irgendwo im Kandertal fand ich einen Begleiter aus Bayern, der sich abseits seiner urlaubenden Familie in der Rheinebene etwas auf dem Radl austoben durfte. Das Kandertal überzeugt mehr unten, oben zum Hochblauen eher wieder schwarzwälderisch bewaldet. Ganz oben natürlich weites Panorama – der Triumph der Bergfahrt. Felsiger, alpiner dann die Abfahrt nach Badenweiler, aber auch schattig.

Noch oberhalb von Badenweiler kann man nach Sehringen oder Lipburg abzweigen. Eine hübsche Turmuhr in Lipburg leitet die Fahrt in Halbhöhenlage am Hang ein, an Schafen vorbei, der Duft der reifen Fürchte hier überall greifbar, die Pflaumen, die Äpfel, Walnüsse und alsbald Rebstöcke so weit das Auge reicht. Die Sorten sind vielfältig, man kann das Ganze auch studieren, weil mit Schildern erklärt. Sicher: Die Chardonnay-Traube schmeckt auch ungegoren. Da meine Seele vom sündigen Mundraub geschwärzt, wollte ich mich noch in einem See reinwaschen, was im Baggersee mit Karibikblau bei Steinenstadt gut möglich ward. Überraschend erradelte ich noch einige kleine Hügel auf der Finalroute, da man abseits der Hauptverkehrsadern immer wieder querende Hohlwege findet. Und das Markgräfler Land ist einfach wunderschön – güldener Spiegel, dein Land, deine Seele, du trägst ihn in dir – du, den du trinkst, zum Genusse, zum Gesange, zum Gedichte, du, der Reine, du, der den Teufel vertreibt und lockt das Weib – du, der Wein aus dem Kruge!

Musikvorschlag zur Bildergalerie: Johannes Mössinger „The Yellow Way-Poetry“ (5:31 min.), Pianist und Komponist aus Karlsruhe, in Freiburg lebend, mit einem dicken Fuß in New York, Grenzgänger zwischen Klassik und Jazz; Aufnahme 2011 HGBS-Studio, Villingen (ehemals MPS).

Bildergalerie Tour SW-2012-1 (90 Fotos, bitte auf Bild klicken):