Re: Neues vom Schwarzwaldboten

von: veloträumer

Re: Neues vom Schwarzwaldboten - 01.01.16 21:03

Der Bote ist zurück…

„Das Forumsjahr 2015 wird ein Schwarzwaldjahr. Bereits jetzt sind zwei Treffen anberaumt, Ende Februar das Wintertreffen Nordschwarzwald, von Natalie (natash) organisiert, und zu Himmelfahrt das große Jahrestreffen in Offenburg in der Ortenau am Schwarzwaldrand, von Roland (ro-77654) auf den Weg gebracht“, so schrieb ich eingangs meines SW-Sammelfadens hier vor ca. einem Jahr. Beide Treffen sind mittlerweile lieb gewonnene Radgeschichte wie es auch noch weitere Tagestour-Einladungen gab, das mythische Mittelgebirge im Südwesten gemeinschaftlich zu erradeln. Nicht weniger habe ich selbst wieder einige neue Strecken erkundet, neue Stimmungen zu verschiedenen Jahreszeiten eingefangen. Insgesamt rückte ich 2015 sechsmal für Kurzreisen zwischen Tannenwald und Weinbergen aus – soweit ich mal alle Höhenzüge des Breisgaus auch dem Schwarzwald zuschlage. Während die erste Jahreshälfte kaum passendes Radreisewetter arbeitnehmerfreundlich eröffnete, stand man im dritten Quartal oft verunsichert vor instabilen Wetterlagen, die immer wieder flexible Zielgebietsänderungen oder Routenkürzungen erforderten. Die Spätsaison hätte dann rein klimatisch noch viele Möglichkeiten eröffnet, aber auch nur eingeschränkt, wenn man an die landschaftliche Szenerie denkt. Da setzte ich doch andere Prioritäten.

Eher eine nüchterne An- und Abreise mit Handschuhen bestimmte das Wintertreffen in radlerischer Hinsicht, dessen sparsame Eindrücke ich im entsprechenden Treffpunktfaden bereits wiedergegeben habe. Unglücklich endete die letzte Kurzreise Anfang November mit einem Abbruch nach einem Tag, weil das Rad in einen technischen Streik trat. Was ich hier in nächster Zeit noch nachreiche, steht noch nicht fest, da ich mich alsbald mehr dem neuen Radjahr widmen möchte (ggf. muss ich auf Folgejahre vertrösten). In jedem Fall stelle ich jetzt und bald folgend die beiden, unmittelbar über eine Heilige verknüpften Mai-Touren vor, darunter nochmal ein kleiner Rückblick auf das Offenburger Forumstreffen, und wohl noch eine dritte Tour, die wiederum die zweite ergänzt.


SW-2015-1 Schwarzwald Nord/Mitte „Simplicissimus“ mit der „französischen“ Ottilie

Stuttgart – Nagoldtal – Schönmünz-/Langenbachtal – Mummelsee/Hornisgrinde – Heidenbachtal/Sohlberg – Ortenau-Weinstraße/Renchtal/Offenburg – [Mont-Ste-Odile/Canal du Rhône au Rhin] – Brandeck – Mooskopf – Peterstal – Wolftal – Freudenstadt

5 Tage | 444 km | 5935 Hm

Digitale Orientierung: SW-2015-1 Simplicissimus



Mythen und Sagen sind ein beliebter Spiegel des Schwarzwaldes, doch liegt ihm auch ein zeitkritischer Spiegel zugrunde, ein Narr, ein Schelm, ein Satiriker – gar ein Utopist. So ging der Vagant Simplicissimus (auch: Melchior Sternfels von Fuchshaim) in die Geschichte der Literatur ein, ein wegweisender Roman – gar der Anfang des Genres des Prosaromans, den Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen verfasste. Grimmelshausen, der aus Hessen stammte und den der Dreißigjährige Krieg an verschiedene Orte verschlug, fand im Renchtal seinen Frieden, zunächst in Gaisbach, heute ein Ortsteil Oberkirchs, und später in Renchen, wobei er gleichermaßen in der unteren Gerichtsbarkeit diente wie auch als Gastwirt sich versuchte. Sein Simplicissimus erlebte dabei die mystischen Orte von Mooskopf oder Mummelsee als Waisenknabe in der Obhut eines Einsiedlers. Simplicissimus begehrte gen die Privilegierten seiner Zeit und ihrer Gier auf. Seine Gedanken sind moralische Utopien für eine gerechtere Welt, indem er die Abscheu gegen Krieg artikuliert und die Heuchelei der Mächtigen entlarvt und sich an die Seite der armen Bauern stellt. Er ist jedoch alles andere als ein Robin Hood, der das Gütliche brachte, als vielmehr der kritische Zeitgeist, der kaum eine Gruppe von seinem spitzzüngigen Spiegel ausnahm. So bekommt auch der teutsche Michel sein Fett ab. Nicht aber ließ er es aussichtslos erscheinen, dass der verrohte Mensch zum Licht zurückfinden könnte. Da sind wir wieder bei der Utopie, deren moralische Gültigkeit auch heute noch nichts verloren hat. So hörte und lernte der noch junge Knabe in der Einsiedelei das Lied der Nachtigall, in welchem es heißt:

„Ob schon ist hin der Sonnenschein,
Und wir im Finstern müssen sein,
So können wir doch singen
Von Gottes Güt und seiner Macht,
Weil uns kann hindern keine Nacht,
Sein Lob zu vollenbringen.“


Die Tour – so klar – wandelt auf den Spuren von Grimmelshausen und seinem Simplicissimus, mit dem Mummelsee als einer der wichtigen Handlungsorte des Romans, mit dem Mooskopf und Grimmelshausen-Denkmal (unterhalb des Mooskopfes, am Wander- und Fahrweg), einem wichtigen Inspirationsort, mit Oberkirch als seinem langjährigen Wohnort mit seiner Familie (10 Kinder, dortiges Museum nicht besucht) und Renchen, seinem Wohnort der letzten Lebensjahre, wo sich Denkmal, Grabstein, das Simplicissimus-Haus (Museum auch nicht besucht) sowie drei Brunnen zu seinen Ehren befinden. (Zwar hatte ich die Orte schon vormals besucht, jedoch nie in einer Tour so verbunden.) Es versteht von selbst, dass auf einer solchen Tour einem auch der eine oder andere Moosgeist erscheint, ohne dass sich hier dafür ausreichend Erklärungen formulieren lassen. Andere Erscheinungen der dritten Art werden der elsässischen Odile (auch Ottilie) zugeschrieben, deren Verehrung auf dem Pilgerberg Mont-Ste-Odile besonders gehuldigt wird. Dortiges Wasser verspricht besondere Heilkräfte, derer sich eine Gruppe des Forumstreffens versichern wollte. Ob der ausreichenden Segnungen der Vortage schien jedoch die Wirkung des Odilien-Wassers begrenzt. Die Wundererscheinung war vielmehr, dass es in der Höhe möglich war, Spiegeleier auf einem gewöhnlichen Fahrradsattel zu braten:



Mi 13.5. Stuttgart – Böblingen – Aidlingen – Deckenpfronn (569m) – Wildberg – Schönbronn – Wart (593m) – Altensteig – Nagoldtalsperre (Erzgrube)
AE (GH Seeheiner): Bier, Schweinebraten, Knödel, Rotkohl, Schwarzwaldbecher, Cafe 23,40 €
Ü: C Nagoldtalsperre 0 €
76 km | 17,8 km/h | 4:14 h | 925 Hm

Do 14.5. Erzgrube – Göttelfingen – Urnagold (820m) – Schönegründ – Schönmünzach – Seibelseckle (956m) – Mummelsee – Hornisgrinde (1164m) – Brandmatt – Schönbüch (625m) – Busterbach – Ottenhöfen – Sohlberg (665m) – Lautenbach – Oberkirch – Brandstetter Kapelle (322m) – Durbach – Ortenberg – Offenburg (Gifizsee)
AE: SV/Grillabend
Ü: C Gifizsee 14,50 €
99 km | 12,9 km/h | 7:40 h | 1915 Hm

Nach den Wintereindrücken stellt sich die Nagoldtalsperre in ganz anderem Bild dar. Überschäumendes Grün und Türkissilber umbricht die Ufer, der Seespiegel oben und kein Hauch rote Erde mehr zu sehen. An der Nagoldtalsperre gibt es einen Wohnmobilparkplatz mit WC, wo auch eine offizielle, aber ganz kleine Zeltwiese sich befindet. Die Nutzung ist kostenlos. Die ohnehin auf den Nachmittag begrenzte Fahrt ließ sich nicht mehr verlängern, derweil ein Gewitter nicht nur drohte, sondern sich auch kräftig niederließ. Die Zeit konnte ich dann aber fürs Abendmahl nutzen.

Es gibt von der Nagoldtalsperre bzw. unterhalb oder oberhalb davon verschiedene Möglichkeiten, den Bergkamm mit der Nagoldquelle zu erklimmen. Eine sicherlich nicht einfache, weil unrhythmisch teils auch sehr steil ansteigende Variante führt über Göttelfingen, eine zumindest in den oberen Regionen hübsche Variante mit Pferdekoppeln und Blumenwiesen. Die kurze wellige Hochebenenfahrt bleibt ähnlich wie auf der Winterreise in Wolken, Niesel und Nebel nur halb sichtbar. Mehrfache Kleiderwechsel erschweren immer wieder die Weiterfahrt an diesem Tag; zumindest in der zweiten Tageshälfte bleibt es trocken. Schon fast unwirklich taucht ein Erdbeerstand in Besenfeld wie eine Fata Morgana auf – kaum zu glauben, dass solch kühles Waschküchenwetter gleichzeitig Erdbeerzeit sein soll.

Auch wenn es nur kleine Lichtaufheiterungen sind, offenbaren sie doch das Schönmünztal in prächtigen goldgrünen Moosfarben, die Flusssteine ebenso überziehen wie die sich alt beugenden Äste der Flusswachbäume. Mancher Orten sind dreifache Wegeoptionen – Straße, Radweg und fahrbarer Wanderweg. Die Straße reicht aber – Verkehr ist wegen der Sackgassenregelung hier kaum welcher. Der Schönmünz lässt sich wohl noch weiter folgen, die zur Schwarzwaldhochstraße durchführende Straße folgt aber weiter oben dem Langenbach. Noch an der Schönmünz findet sich ein abgelegener Waldcamping, einige Gasthöfe verteilen sich – alle mit unsicheren Öffnungszeiten. Soweit Autos unterwegs, suchen die meisten Hinterlangenbach, ein etwas größerer Weiler, u. a. mit dem Forsthaus Auerhahn, ein etwas feineres Café und Speiseraum. Dort muss man vorbei, von anderen Wegealternativen wurde mir von Einheimischen eher abgeraten. Die offizielle Straße endet kurz nach dem Auerhahn mit einem Wanderparkplatz. Dort geht es aber asphaltiert weiter, die Schranke ist auch nicht immer geschlossen – Radler dürfen so oder so durch. Während man nach Hinterlangenbach in mehreren Schüben, auch mit Flachteilen aufwärts fährt, steigt man nunmehr konstant kräftig auf. Unweit der Schranke überschreitet man auch die Grenze des noch jungen Nationalparks Nordschwarzwald. Es gibt einige Ausblicksmomente, mehrheitlich Wald. Letztlich ist der untere Teil der Route der landschaftlich attraktivere.

Ob Nationalpark oder nicht, das Brummen der Schwarzwaldhochstraße kündigt nicht nur das Ende des Leidens der Steigung an, sondern auch den motorisierten Ausflugstourismus um das Schwarzwaldklischee, dass sich am Mummelsee in allen kommerziellen Ausschmückungen entfaltet. Nicht mal die miese Witterung kann die Kirschwasser-, Schinken- und Bauernbrotkioske von solchem Andrang schützen, sodass ich auf eine evtl. Brotaufstockung meines Proviants verzichte. Um den Mummelsee trauen sich dann doch nur wenige Autofahrer und Bustouristen – zu giftig pfeift der Schelmenwind des Simplicissimus über den Seespiegel. Erstaunlich schluckt er alle Geräusche…


So sind es die Geister vom See!

Sie schweben herunter ins Mummelseetal –
sie haben den See schon betreten –
sie rühren und netzen den Fuß nicht einmal –
sie schwirren in leisen Gebeten –
O schau,
am Sarge die glänzende Frau!

Jetzt öffnet der See das grünspiegelnde Tor;
gib acht, nun tauchen sie nieder!
Es schwankt eine lebende Treppe hervor,
und – drunten schon summen die Lieder.
Hörst du?
Sie singen ihn unten zur Ruh'.

(aus „Die Geister am Mummelsee“ von Eduard Mörike)

Auf Asphalt lässt sich hier der Hauptturm der Hornisgrinde erradeln, oben verzweigen sich Stein- und Bohlenwege. Das Hochmoor ist in diesen Zeiten ziemlich fahl, nur das Wollgras vermag ein wenig die Flächen zum Leuchten zu bringen. Archaische Krüppelkiefern krümmen sich über dem nährarmen Boden, und halten den horizontalen, grimmeligen Windflüchen stand. Die geschobene Passage zum SWR-Turm war dann eher eine nicht empfehlenswerte „Abkürzung“ – man kehre besser auf selben Wege zurück.

Auf der Straße zwischen Untersmatt und Sasbachwalden verzweigen sich einige interessante Strecken, die man schnell im Abfahrtsrausch übersehen kann. Eine nicht einfache, aber liebliche von Schwarzwaldwiesen bekleidete Bergroute zweigt in der Kehre Straubenhofmühle ab. Diese führt nach Seebach bzw. Ottenhöfen – gleichermaßen Orte mit weiteren Auffahrtsmöglichkeiten zur Schwarzwaldhochstraße (Ruhestein). Von Ottenhöfen erreicht man Ruhestein über die Allerheiligen-Straße. Diese angefahren, eröffnet eine weitere ruhige, aber auch steile Abzweigung an der Benzmühle zum Sohlberg hoch. Ist die Auffahrt durch Wald kaum aussichtsreich, berauscht die Südwestseite nach Lautenbach umso mehr mit halboffenem Wiesengelände, leicht südländisch angehaucht. Ebenfalls denkbar wäre ab Sohlberg eine Höhenvariante nach Allerheiligen.

Von Lauterbach blieb mir für eine verträgliche Uhrzeit zu den Lagerfeuern am Gifizsee mit trink- und spruchfreudigen Forumsianern nur noch die kleine Halbhöhenroute am Rande der Ortenauer Berge, wobei die Brandstetter Kapelle ein lieblicher Weinbergpass ist – nur fehlte ein wenig das Sonnenlicht, die Rebenblätter zum Leuchten zu bringen. Am Gifizsee war alles, wie es etwa zu erwarten war. Als ärgerlich entpuppte sich die Schlüsselhaft, sodass man nicht unorganisiert das Gelände verlassen konnte. Man steht hinter Gittern und kommt nicht mal zum anliegenden Restaurant. Ich überlebte trotzdem mit ein paar Schmarotzerwürstchen, die mir als Abgesandter des Simplicissimus wohlwollend zugesteckt wurden.

Fr 15.5. Offenburg – Durbach – Brandstetter Kapelle (322m) – Oberkirch – Lautenbach – Oberkirch – Renchen – Appenweier – Offenburg
AE: SV/Grillabend
Ü: C Gifizsee 14,50 €
61 km | 17,0 km/h | 3:34 h | 470 Hm

In den anspruchsvollen Routen hatten sich einige Forumsianer geradezu überboten. Die bösen Geister des Schwarzwaldes lachten Tränen so dicke, dass die Berge in Wolken verschwanden – selbst vom Mooskopf keine Spur. So wurden die Bergtouren zu Hornisgrinde etc. im wortwörtlichen Sinne ertränkt. Glücklich musste ich mich so schätzen, tags zuvor noch die milde Variante der Schwarzwaldhexen erlebt zu haben. Ertränken war dann wohl auch das Stichwort für den Besuch des Oberkircher Winzergeschäftes, in dem sich ein bekannter Forumist als lebende Weinflasche einkleidete. Nicht nur dort sorgte die Shopping-Tour für Genüsse unter dem Dach, blieb der Freiluftgenuss am ganzen Tag sehr bescheiden. Der Guide Robert weihte uns noch ein bisschen in die Firmen- und Familiengeschichte Burda ein. Die Geschichten abends am Feuer hingegen vertrieben mit den lokal erstandenen Promillegetränken alle bösen Schwarzwaldgeister.

Sa 16.5. Offenburg – Fegersheim – Boersch – St-Nabor – Mont-Ste-Odile (764m) – Barr – Westhouse – Canal du Rhône au Rhin – Eschau – Offenburg
AE: SV/Grillabend
Ü: C Gifizsee 14,50 €
129 km | 19,4 km/h | 6:39 h | 845 Hm

Die milderen Geister und Erlösertropfen vermutete ein Teil der Forumsianer eher im westlichen Nachbarland. Der Trupp stach so folglich durch die Rheinebene, um einen heiligen Berg in den Vogesen zu erklimmen. Mein Gaul muckte ein wenig rebellisch, als wolle er sich dem Heiligenschein verweigern. Ein Ohrenzwicker hatte sich gleich dazu noch im Schuh platziert, den ich erst am Fuße des Berges abschütteln konnte. Auch Mont-Ste-Odile hatte ich schon innerhalb meiner Vogesentouren einmal erkundet – allerdings zu einer anderen Auffahrt. Große Unterschiede bestehen nicht, da zu allen Seiten viel Wald, vor allem Buchen. Die Nordanfahrt ist wohl noch etwas uriger, feuchter. Die Wirkungen der Heiligen Odile waren offensichtlich sehr unterschiedlich, wie oben schon angedeutet, konnte man Spiegeleier braten, während eine Forumsianerin über plötzliche Eisstarre in den Fingern klagte. Man sollte den Heiligen nicht trauen. Die Fahrt am Rhein-Rhone-Kanal sorgte für stimmungsvolle Bilder fast zum Abschluss. Eine weitere Forumsianerin fand das zu langweilig und sorgte mit einer Panne für eine gekonnte Handwerkereinlage, working peolpe aus dem Rheinland. Auch dieser Tag verglühte in glimmenden Geschichten an gut geblasenem Feuer.

So 17.5. Offenburg – Durbach – Brandeck-Lindle (495m) – via Pionierweg – Heizenäckerle (519m) – Matzebene (558m) – Späneplatz (635m) – Geißschleifsattel (830m, Mooskopf/Grimmelshausen-Denkmal) – Ramsbacher Holzplatz (775m) – Schäfersfeldpass (752m) – Peterstal – Freiersbergsattel (740m) – Schapbach – Bad Rippoldsau – Oberer Zwieselberg (845m) – Laufenbrunnen (808m) – Freudenstadt 21:19 h || 22:44 Stuttgart (Schwabstraße)
AE (Olivero, FDS): Pasta del Monte, Rw, Cafe 14,80 €
79 km | 11,9 km/h | 6:39 h | 1780 Hm

Zwar blieb eine kühle Grundtemperatur, wie der Abend zeigte, doch erwärmte die Sonne erstmals der Tage in sommerliche Hitzegrade. Auch wenn sich der Ortenauer Schwarzwald zunächst mal undurchdringlich scheint, sind der Wege viele. Eigentlich schon für die Anreise gedacht, besteht ein Übergang von Durbach über Brandeck-Linde unterhalb des Brandeckkopfes nach Ohlsbach. Während der Parkplatz bei der Linde mit Auto auf Asphalt von Ohlsbach anfahrbar ist, besteht vom Durbachtal zur Linde weitgehend nur eine Piste, die aber stabil ist. Es sei zudem erwähnt, dass hier gefahrene Route über Brandeck-Linde zum Späneplatz gleichermaßen über Durbachtal mit zwei Gasthäusern (Hohenberg, Hohenrain) zu erreichen ist, wohl bis Parkplatz Tiefenspring asphaltiert – also insgesamt weniger Piste als auf dieser Variante. Hat man Brandeck-Linde erreicht, folgen weitere Steigungen, auch wenn es eine Halbhöhenroute ist. Zeitweilig gibt es auch kleinere Höhenmeterverluste, eine kurze Strecke war auch etwas matschig. Den Geißschleifsattel mit dem Grimmelshausen-Denkmal kann man auch direkter erreichen, muss aber dann mit schlechter Wegstrecke vorlieb nehmen.

Bin ich seinerzeit (SW-2010-2) weiter über Kalikutt ins Renchtal gefahren, führt die Route diesmal über eine Höhenroute zum Schäfersfeldpass des Nordrachtales. Es gibt auch hier nochmal Verzweigungen – so erwischte ich wohl nicht die Route mit dem Kriegerdenkmal. Teile der Route sind zuweilen recht schottrig und mühsam zu fahren, wie auch ein Höhenmeterverlust im letzten Abschnitt durch erneuten Anstieg wieder aufgefangen werden muss. Einige Lichtungen unterbrechen die Waldansichten, teils gibt es ausgesprochenen Mooswald. Im späteren Verlauf stößt man auf eine Abflugrampe für Gleitschirmflieger mit überdimensionierten Aussichtsbänken und Blick auf das Renchtal.

In Bad Peterstal lädt der blaue Tempel zur Wasserkostprobe ein. Nicht genug, genehmige ich mir noch Gutes im Café Räpple mit eigenen Kaffeekreationen. Auch eine Schwarzwald-Hochzeit geht mit auf die Reise. Sie ist aber nicht sehr treu und haltbar… Der Freiersbergsattel schließt als einer der wildesten, engsten Passstraßen im Schwarzwald an. Zu beiden Seiten verlangt er aber ordentlich Körner. Zur Passhöhe gibt es eine Kreuzung mit dem Westweg und experimentelle Wege sind auch zum Glaswaldsee denkbar, die ich aber aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr angehen möchte. Nach dem wilden Südlabyrinth schließe ich also mit dem recht gemäßigten, aber sich lang ziehenden Anstieg durchs obere Wolftal mit Abzweig nach Freudenstadt bei Klösterle, insbesondere dort dann eine ziemlich eintönige Tannenwaldfahrtüber Zwieselberg. Abschluss bei einem empfehlenswerten Italiener in Bahnhofsnähe (Brücke über andere Seite).

Einst der Simplicius alias Simplicissimus Steine in den Mummelsee warf und ihm Seegeister erschienen, die ihn ins Innere der Erde und gar zum König der Gewässer führten. Auf seine Untat des Steinewerfens auf des Königs Unterwelt um gefürchtete Strafe angesprochen erwiderte Simplicius: „Ich kann mit keiner größern Straf belegt werden, als dass ich sterbe, sintemal ich aber seithero so viel Wunder erfahren und gesehen, die unter so viel Millionen Menschen keiner das Glück nit hat, würde mir mein Sterben ein geringes, und mein Tod vor gar keine Straf zu rechnen sein.“

Welch eine Radreiseweisheit!

Musik: SaltaCello „The Bear, The Mouse And A Foxtrott” (3:54 min, evtl. Werbung vorgeschaltet) mit Peter Schindler, piano, aus Altensteig, und Peter Lehel, sax, aus Karlsruhe.

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