Re: Neues vom Schwarzwaldboten

von: veloträumer

Re: Neues vom Schwarzwaldboten - 03.01.16 23:25

SW-2015-2 Schwarzwald Nord/Mitte/Süd „Glaswaldsee – Glottertal – Rosskopfrunde“ mit der „deutschen“ Ottilie

Stuttgart – Neubulach/Martinsmoos – Altensteig/Wörnersberg – Grüntal/Freudenstadt – Wolftal/Burgbachwasserfall – Glaswaldsee – Holdersbach-/Übelbachtal – Geißberg/Streitberg – Nimburg – Glottertal – Ibental – Freiburg – Roßkopfrunde – unbekannte Freiämter Berge & Täler – Haslach

4 Tage | 346 km | 5855 Hm

Digitale Orientierung: SW-2015-2 Glaswaldsee – Glottertal – Rosskopf

Wie gegen Ende des letzten SW-Berichts zu lesen, lag mir an einem Exkurs zum Glaswaldsee – eigentlich ein Wander- oder MTB-Ziel. Einige Besonderheiten ließen sich weiter einbauen wie der Burgbachwasserfall – ein pittoreske Gefällerscheinung, quasi auf dem Wege zum Glaswaldsee gelegen. Das bekannte Glottertal entging mir bisher in den wesentlichen Teilen – es entpuppt sich als eine besonders augenfällige wie hübsche Mischung aus Weinregion und Schwarzwaldkultur. Eine urige Nebenverbindung findet sich von St. Peter durchs Ibental. Nach einem überraschenden Wiedersehen mit einem Forumsianer – selbst vom Offenburger Meeting noch on tour – ging es auf der Roßkopftour erneut zur Ottilie – diesmal am Ebneter Berg verehrt, gleichwohl Herrin über heilendes Wasser. Schwierig dann die Route in neuerlichen Wetterturbulenzen abzuschließen, sei aber noch auf interessante Wegevarianten verwiesen, wo es auch mal trockener sein könnte und dann schön ist.

Fr 22.5. Stuttgart – Böblingen – Aidlingen – via Aischbachtal – Holzbronn – Bad Teinach Bhf. – Neubulach – Martinsmoos (632m) – Berneck – Altensteig – Wörnersberg – Pfalzgrafenweiler – Sattelacker (736m) – Hallwangen
AE (Bella Italia, Pfalzgrafenweiler): Antipasti (Käse, Wurst), Tagliatelle Sardellen/ Tomate, Rw 15,50 €
Ü C Königskanzel 0 €
92 km | 16,3 km/h | 5:38 h | 1390 Hm

Zwar gelangte ich natürlich wieder ins Nagoldtal, doch ging es hier gleich ab und auf über die alte Bergminenstadt Bulach. Das heute durchaus sehenswerte Neubulach blieb diesmal recht rüde von mir unbeachtet. Auch hier die Anstiege durchaus anspruchsvoll, führt eine Variante zurück in Nagoldtal mit Altensteig an Berneck vorbei. Etwas abseits der Hauptrouten, präsentiert sich markant der Burgberg über einem idyllischen Dorfteich. Gleich wieder steigt dann kräftig die Wörnersbergroute an. Die Straße führt zum Ort, der auf einer offenen Höhe liegt, Radeln kann man aber auch direkt am Zinsbach entlang, was ein paar Höhenmeter einsparen würde, aber nicht nach Wörnersberg führt. Beide Routen laufen in der oberen Zinsbachmulde zusammen, aus der man erneut aufsteigt auf eine parallele Hochebene, die von Pfalzgrafenweiler. Da ich sonst auf geschlossene Wirtshäuser stoßen würde, besuche ich schon mir bekannten Italiener erneut, um die Reststrecke zum Camping oberhalb Hallwangen mit einer Nachtfahrt zu erreichen.

Sa 23.5. Hallwangen – Grüntal – Freudenstadt – Laufenbrunnen (808m) – Oberer Zwieselberg (845m) – Bad Rippoldsau – Burgbachwasserfall – Seebachstraße – Glaswaldsee (839m) – Seebensattel (785m) – via Seltigweg – Schapbach – Holdersbach – Kohlplatz (725m) – St. Romaner Höhe (725m) – Übelbach – Wolfach – Hausach – Steinach
FR (Cafe Pause, Freudenstadt): Frühstücksbuffet 13,90 €
AE (C-Rest.): Schweinerückensteak, Spargel, Rösti, Rw, Cafe 23,80 €
Ü: C Kinzigtal 12,50 €
88 km | 12,6 km/h | 6:59 h | 1480 Hm

Auch die unmittelbare Umgebung Freudenstadt bietet noch neue Aspekte. In Hallwangen nach unten abgetaucht, windet sich über Grüntal eine überraschend andere Routen mit Alleen und Wiesen in Richtung Freudenstadt. Was beim Camping gespart, darf nunmehr – nicht zum ersten Mal – Café Pause einstreichen. So gut gefrühstückt geht es zunächst umgekehrt zum Finale der Vortour SW-2015-1 hinunter ins Wolftal. Im Ortsteil Burgbach zweigt die bald steile Burgbachstraße zu ein paar Höfen ab. Kommt man mit den Wadenmuskeln kaum noch gegen die Steigung an, ist man eher schon zu weit gefahren. Zuvor geht ein Fußpfad ab, wo man das Rad irgendwie abstellen muss. Zwar stößt man später auf einen breiten Forstweg, der radelbar ist, dessen Verzweigung zum Wolftal allerdings unklar bleibt und wenn, einen weiten Umweg beschreiben müsste. So oder so müssen die letzten Meter ohnehin auf einem Steig zum Wasserfall erklommen werden, der sich wie aus dem Himmel gefallen über mehrere größere Fallstufen ergießt. Unter den Schwarzwälder Wasserfällen einer der mächtigsten und imposantesten, nicht aber ohne Zier und mystisch stimmungsvoll in Farnwald eingebunden.

Nur wenig später zweigt die Seebachstraße zum Glaswaldsee ab. Die Straße endet noch deutlich vor dem See, ist zunächst ein anspruchsvoll ansteigender Versorgungsweg für mehrere Höfe mit schönen Schwarzwaldwiesen. Vom Parkplatz darf der Radler weiter über zunächst passable Piste. Der Seeweg zweigt dann von der Piste ab – eigentlich nicht mehr radelbar und wohl auch nicht gewünscht. Das Rad muss so überwiegend geschoben werden, bis man eine Kante im Wald erreicht, wo sich der Karsee auftut. Nur unmittelbar vom Ufer sind die Blicke frei – von Wandergruppen meist gut besucht. Sicherlich ein archaisches Kleinod, aber seine Schönheit ist doch recht beschränkt ob der Tannenwaldhänge, die ihn eng umschließen und dem Seespiegel kaum mehr dunkel bis braun moderig schimmern lassen. Er erinnert auch an manchen kleineren Vogesensee, die sich gleichwohl gerne unscheinbar geben.

Weiters sind zunächst eher leichtere Pistenwege bis zum Seebensattel zu bewältigen. Danach werden manche Zweige unübersichtlich, auch nicht immer schön zu fahren. Schließlich verwirren Schlammrinnen, Holzstapel und Forststraßen, sodass ich in zwei Sackgassen gerate, bevor ich die langatmige Talfahrt finde. Es wäre ggf. leichter, über Freiersberg bergauf den Austritt zu finden. Da und dort wäre eine bessere Beschilderung sinnvoll. Landschaftlich bieten diese Waldpisten allerdings keine Bereicherung – egal wo man langfährt. Ich halte es daher durchaus für sinnvoll, den Glaswaldsee nur als Stichroute zu fahren und den selben Weg zurück zu wählen. Wer einige sausteile Passagen nicht scheut, findet aus dem Wolfal raus eine erhebliche Abkürzung nach St. Roman über Holdersbach. Die Straße wird irgendwann Piste, auch dort noch steile Stücke, weniger aber als auf Asphalt zuvor. Mit der St. Romaner Höhe gewinnt man wieder mehr Teilaussichten auf halboffene Wiesen, zu denen sich im Übelbachtal mehr hübsche Gehöfte gesellen (Fast-Rundkurs Übelbachtal – Kinzigtal s. a. SW-2010-2).

Einst bildete Wolfach ein Zentrum der Floßwirtschaft mit einer eigenen Schifferschaft, wobei die Flößer für die Schiffer arbeiteten, die selbst als Handelsherren die Holzwirtschaft leiteten. Das Holz aus dem Schwarzwald gelangte so in die Städte am Rhein bis nach Rotterdam. Es war eine der wenigen Einkommenserwerbe, die der agrarisch benachteiligte Schwarzwald und ohne größere Städte bot. Die mit Weidenzweigen verbundenen Flöße erreichten gar eine Länge von bis zu 600 Metern. Nicht nur, aber besonders durch die Eisenbahn ebbte die Bedeutung der Flößer bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ab und endet kurz vor der Bismärckischen Jahrhundertwende. Nur wenige solcher Floßlängen sind es dann noch zu fahren in bereits gut bekannten Abschnitten des Kinzigtals bis nach Steinach, wo sich der Camping direkt am Bachlauf bereits in der Anfahrt des nächsten Seitentales befindet.

So 24.5. Steinach – Vorderer Geißberg (610m) – Schweighausen – Streitberg (469) – Pflingsteck (510m) – Mußbach – Teningen – Nimburg – via Feuerbachweg – Denzlingen – Glottertal – St. Peter (716m) – Ibental – Kirchzarten – Freiburg-Littenweiler
AE (Waldcafe): 2 Flammkuchen (Speck/Zwiebel, mediterran), Rw ca. 18 €
Ü: C Möslepark 12,50 €
90 km | 14,0 km/h | 6:27 h | 1265 Hm

Wie noch später zu zeigen ist, bestehen vielfältige Alternativen, Breisgau und Freiburger Becken zu erreichen. Zunächst darf man sich herrlicher Hügelwiesen erfreuen, der Milchtransport funktioniert hier noch bodenständig, indem die Bauern ihre Milch mit Handkarren an die Hauptstraße schieben, wo der Milchlaster zur vereinbarten Zeit erscheint und die Milch des jeweiligen Hofes so aufnimmt. Die Idylle ist aber nicht ganz ungefährlich. So muss man damit rechnen, dass hier der Bachdatscher sein Unwesen treibt. Von ihm ist überliefert, dass er den nächtlichen Spätheimkehrer zunächst am Bachlauf länger des Weges folgt, ihm dann aber auf die Brust springt und bis zum Morgengeläut der Betglocke festhält. Da hatte ich Glück, dass ich nicht beim des Mattenbauern Kreuz zu später Stunde vorbei lief, derweil dort der Bachdatscher seine Untat ausführen soll.

In Welschensteinach, der Heimat der Bachdatscher Zunft, findet sich eine erste Verzweigung, deren Alternative ins Schuttertal führen würde. Dort soll aber das Eckgutsweible herumgeistern, ein altes runzeliges Weiblein, dass sich frevelhaft Grund und Boden aneignete. Ich entschied mich daher der steileren, aber sicheren Variante. Strebt man weiter auf am Mühlsbach, fällt bald die Entscheidung landschaftlich schwer an einer weiteren Verzweigung – für die Geißbergstraße nach Schweighausen (wiederum Schuttertal, aber mit weiterer Bergquerung auch in den Oberrheingraben und Kaiserstuhlregion; hier gefahren) oder über Höhenhäuser nach Biederbach (und weiter ins Elztal; stelle ich in einer nächsten Tour vor). Beide Routen lassen sich oben über eine Höhenstraße um den Geißberg verbinden bzw. in der Richtung noch ändern. Beide Strecken sind reizvoll, die Geißbergstraße dabei sicherlich etwas verkehrsreicher und daher in den Stunden vermehrten Ausflugsverkehrs eher zu meiden (Motorräder).

Bevor man die Ebene bei Teningen erreicht, liegen aber noch ein paar Hügel dazwischen. Von Schweighausen geht es zum Streitberg durch Buchenwald hinauf, in der Steigung aber geringer als die Geißbergroute. Man braucht dann eine etwas wellige Höhenroute, bevor man via Landeck (Burgruine) nach Teningen abtaucht, um schließlich den Nimburger Baggersee in der Ebene zu erreichen. Die Burg Landeck wurde wohl im 13. Jahrhundert von Walther I. von Geroldseck als Vogt des Klosters Schuttern erbaut, bereits aber 1525 von Bauern in Brand gesetzt und nicht wieder aufgebaut . Von Nimburg gelangt man recht idyllisch entlang des Feuerbachs fast bis Denzlingen durch den Auenwald Teninger Allmend. Das Glottertal ist dann unten sehr belebt mit Weinstuben, Gasthöfen und mehr, durch die Weinberge aber idyllisch gehalten, gleichwohl die meisten Häuser schon im Schwarzwaldstil. Im Oberglottertal nimmt dann die Steigung entsprechend stark zu, immerhin ist die Strecke auch die Kandelanfahrt von Süden und St. Peter liegt auf über 700 m, wobei der Hügel zuvor noch etwas höher zwei Täler trennt.

Zwar ist es ein leichtes, von St. Peter nach Stegen über das Eschbachtal hinunterzuradeln, jedoch lohnt ein weniger bekannter Umweg übers Ibental. Dazu muss man in St. Peter nochmal etwas höher steigen, bevor man über eine enge, fast schluchtige Straße launig in die Dreisamaue vorstoßen kann. Ein Einheimischer meinte sogar, ich solle lieber die Eschenbachstraße nehmen, weil das Ibental zu gefährlich sei. Nun, es gab weit schlimmere Straßen in meiner Radhistorie – der Schwarzwälder ist im internationalen Vergleich doch etwas verwöhnt. Nicht auszuschließen, dass der Schwarzwälder auch glaubt, je mehr Geschwindigkeit eine Straße zulässt, desto sicherer der Weg – ein beliebte Chimäre der Postmoderne. Schließlich konnte ich ja auch dem Bachdatscher und dem Eckgutsweible aus dem Wege gehen. Um den Erfahrungshorizont zu mehren, suchte ich in Freiburg den Camping Möslepark, sind mir doch weitere Campings in der Umgebung bereits bekannt wie Hirzberg-Camping quasi zur anderen Talseite, der überteuerte Kirchzarten-Camping oder Sonnland im Westen, ohnehin zu weit samt einer kompletten Stadtdurchquerung. Nicht zuletzt wollte ich mal einen Blick auf das Hostel mit Wellnessanlage werfen, soweit ich mal alternativ ohne Zelt dort übernachten wollte. Zu meiner Überraschung traf ich auf den Forumskollegen Jürgen, der es von Offenburg in einer Woche nicht gerade weit geschafft hatte. Er ist ein Meister des slow cycling – ganz nach dem Vorbild der genussreichen Slow-food-Bewegung aus dem piemontesischen Bra. Somit ein amüsant geselliger Ausklang mit einer Flammkuchenparade.

Mo 25.5. Freiburg-Littenweiler – Ebnet – St. Ottilien (480m) – Sieben Linden – Grottenweiher – Obere Roßkopfstufe (624m) – Wildtal – Leheneck (323m) – Heuweiler – Waldkirch-Kollnau – Harnischwald – Lindenbühl (462m) – Obersexau – Gscheid (450m) – Untertal – Siegelau – Wolfsgrube (660m) – Oberspitzenbach – Am Bäreneckl (626m) – Selbig-Eckle (648m) – Biederbach-Dorf – Bauset-Höhe (570m) – Uhlsbach – Finsterbach – Biereck (585m) – Haslach 20:25 h || 22:50 h Stuttgart
76 km | 10,8 km/h | 7:01 h | 1720 Hm

Von Ebnet führt eine Waldstraße nach St. Ottilien mit einem beliebten Ausflugslokal. Steiler kann man auch einen Waldweg bemühen – er führt dann leidensgerecht an Büßer-Bildstöcken vorbei. So erreiche ich per Straßenumweg den Gasthof mit Kapelle nur geringfügig vor der Familie, die ich unten am Parkplatz bei der Verzweigung noch befragte. Nicht nur dürfen beide Wegepassanten im selben Haus einkehren, auch darf man den Finger ins heilende Wasser der Ottilie halten, wenn man in den Kerker der Kapelle hinunter geht. Die Kapelle wurde bereits 679 errichtet und1508 vom Bischof von Konstanz geweiht. Trotz aller Bedeutungen hier blieben die Wirkungen unbestimmt – eher hatte ich das Gefühl, als seien dadurch himmlische Schleusen für die zweite Tageshälfte aktiviert worden. Sonstige Wunder blieben schließlich aus. Für die Roßkopfrunde ohne Heilige Ottilie kann man noch vor dem Gasthof von der Straße eine Piste abzweigen – sie erlaubt einen kürzeren Übergang nach Norden. Von der Heiligen Ottilie hingegen führt ein Panoramaweg eher flach bis abfallend oberhalb des Dreisamtrichters von Freiburg. Das Panorama öffnet sich aber nur an wenigen Aussichtspunkten, da sonst Wald im Wege steht. Da der Fußgänger auch noch zahlreiche Auf- bzw. Abstiege zur Stadtmitte findet, ist der Weg via Sieben Linde recht belebt und beliebt – auch als Fitnessstrecke für Jogger oder Biker.

Die strammen Wanderer hingegen begehen die Roßkopfrunde in diversen Varianten, wobei ein ins Tal führender Weg bei Grottenweiher dann doch viele Wanderer ableitet, sodass der Weg über oder kurz unter dem Rosskopf einsamer ist. Hier begegnete ich einigen Mountainbiker, für die dies eine Herausforderung ist. Die Kuppe selbst habe ich nicht beradelt – das ist nicht unbedingt reiseradtauglich. Im weiteren Verlauf habe ich mich immer etwas Richtung der Hügel nach Osten orientiert, ohne jedoch den Nordzeiger außer Acht zu lassen. Gelegentlich hilft auch nachfragen, z. B. führt eine Abkürzung mit „Geheimroute“ durch ein Gehöft (erlaubte Durchfahrt). Eine weitere Halbhöhenroute um den Hornbühl hingegen ist nicht zu finden – zumindest nicht mit üblichem Trekking-Rad. Die einzige Hornbühlzufahrt als Stichroute gibt es dann doch nur von Nordwest, was nicht ins Tageskonzept passte. Der Himmel machte mittlerweile Druck mit immer dunkleren Wolken.

Die weit verstreute Gemeinde Freiamt bietet ein Eldorado an Varianten durch halboffenes, liebliches Schwarzwaldhügelland. Sicherlich reicht das von mir so bezeichnete über die Gemeindegrenzen hinaus. Gemeint ist eigentlich das gesamte Gebiet zwischen Freiamt, Schuttertal, Kinzigtal, Gutachtal und Elztal – der Bergkamm zur Oberrheinebene hingegen ist landschaftlich durch einen dichten Waldgürtel schon wieder etwas verschieden. Es geht also retour wieder ähnlich zur Hinreise in den Bereich des Geißbergs, nur diesmal vorbei auf einer östlicheren Linie. Schon das erste Seitental der Elz über Lindenbühl ist ein herrliches Wiesental – allerdings mit eine heftigen Rampe nach oben hin. Zwischen Sexau und Gutach im Elztal liegt die Passhöhe Gscheid – immer wieder gerne ein alternativer Hügelweg zum flachen und betriebigen unteren Elztal. Auch der Gasthof oben erfreut sich immer mehr großer Beliebtheit. Erste Tropfen gemahnen aber Gewitterdrohungen.

Es folgt ein ziemlich anstrengendes Auf und Ab durch stets freundlich winkende Schwarzwaldwiesen, jetzt aber stark dunkel getragen unter einem grauen Schleier. Die Anfahrt von Biederbach nach Hintertal sei bereits vorgemerkt für eine Folgetour. Hier steil abzweigend nimmt man die Bausetstraße. Man kommt so bis zur Passhöhe, muss danach aber auf Asphalt verzichten auf dem Weg hinunter nach Uhlsbach. Dortiger Wegzustand ist auch nicht gerade von bester Qualität. Dort erwischt mich ein hartes Gewitter, nur den härtesten Schauer mildere ich in einem Tannenhain ab. Donner und Wasser brachten mich etwas um den Verstand, sodass ich ein wenig die Orientierung verlor. Der geübte Radler fährt einfach auf Asphalt abwärts, ohne sich die Häuser von Uhlsbach anzuschauen (Ungenauigkeit auch in meiner Karte). Ziel ist Finsterbach – hier war es wortwörtlich zu nehmen. Die Finsternis schien das Werk eines schwarzwäldlerischen Hexensabbats zu sein, der im Ort gerade tagte.

Ein letzter Anstieg wartet zum Biereck hoch, unten steil, oben abgeflacht. Die Höhenpassage ist dann ordentliche Piste. Direkt am Biereck bekommt man Bier – na klar. Nicht zufällig gibt es hier die Gaststätte. Wie einer Tafel zu entnehmen, war das Hirtenbubenleben noch 1935 eine hartes Brot aus Pflichten, die täglich erst gegen 22 Uhr mit dem Heimtrieb der Tiere endeten. Der Lohn war nur Kost und Logis, wohl aber gab der Bauer am Pfingsttag ein sattes Trinkgeld dem Hirtenbub, der alsbald nach dem Kirchgang zum Schellenmarkt und Hirtenbubenfest am Biereck aufbrach. Wohl kaufte und tauschte er nicht nur Glocken für die Herde dort, wie man hier das Bubenfest etwas bieder beschreibt. Bereits früher aber stellte der Pass einen wichtigen Übergang von Kinzigtal zum Elztal für die Fuhrleute dar, die hier gerne einkehrten und ihr Tiere stärkten. Am Höhengasthof, der heute seine Tranistbedeutung verloren hat, werden aber gerade die Feststühle eingeräumt, denn das Pfingstgeschäft dürfte heuer recht feucht zerflossen sein. Es geht nicht direkt hinunter ins Tal, sondern etwas wellig noch über eine Hochebene (dort auch Anschluss zum Heidburgpass möglich), bevor der Talschuss folgt. Alles keine angenehme Angelegenheit, ist es nicht nur nass, sondern auch reichlich kühl. Aus der Ortenaubahn heraus sieht man tief hängende Wolken wie selten – es könnte gar in den Pyrenäen sein. Und doch war es mal wieder „nur“ Schwarzwaldgenuss. Der Radlbub dürfte wiederkehren.

Musik: Kraan “Sarahs Ritt durch den Schwarzwald“ (3:29 min)

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