Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse

von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 18.09.16 09:15

23.5.2015 Pfingstsonntag

Auch am Morgen taucht niemand auf, bei dem man sich anmelden könnte. Es sieht nach einem strahlenden Sonnentag aus. Das Zelt ist allerdings nass. Wir brechen frühzeitig auf. Im Dorf sammeln sich mehrere Radsportgruppen. Offene Läden oder eine Bäckerei entdecken wir nicht. Wir haben beim Frühstück die Radwegkarte studiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir von hier aus hinunter ins Tal der Epte rollen können, die irgendwann in die Seine mündet. Also sozusagen eine bergab-Etappe. Schnell finden wir den richtigen Abzweig und sausen ins Tal.

Minuten später sind wir in Sérifontaine an der Epte, der wir nun bis an die Seine folgen wollen. Zunächst bleiben wir auf der Straße, in der Hoffnung hier irgendwo einen offenen Laden zu finden. Woraus nichts wird. Aber immerhin finden wir eine Tankstelle. Als ich beim Bezahlen auf die Frage nach unserem Ziel antworte, dass wir nach Saint-Nazaire wollen, werde ich angestaunt. Das sei doch weiter als 100 km weg. So weit könne kein Mensch Rad fahren.

Kurz drauf entscheiden wir uns doch dafür, den Radweg zu nehmen. Anscheinend mal wieder ein Bahnradweg. Leicht und kontinuierlich geht es abwärts. Durch grüne Landschaft. Schlösser auf den Hügeln, verträumte Dörfer.

Bei Gisors biegen wir Richtung Stadtmitte ab. Auf der Suche nach offenen Läden und Abwechslung. Das mittelalterliche Stadtbild ist hübsch. Die große Kirche sieht vielversprechend aus. Aber wegen eines mehrstündigen Pfingstgottesdienstes muss eine Besichtigung ausfallen. Wir kaufen in einer Bäckerei noch warmes Baguette. Und lassen uns in einem Cafe am Fluss mit Blick auf die Kirche nieder. Es sind viele Menschen in Feiertagsstimmung unterwegs.

Die Stadt zu verlassen und den Radweg wiederzufinden, gelingt uns nur dank Navi. Der Radweg fährt sich weiterhin gut. Leicht bergab durch die grüne Landschaft bis wir bei La Roche-Guyon die Seine erreichen. Hier endet der Radweg und wir folgen nun der Straße nach Vernon. Leider hält sie Abstand von der Seine. Aber das nächste Dorf ist Giverny. Bekannt dadurch, dass Claude Monet hier gewohnt und gearbeitet hat. Haus und Garten ist jetzt Museum. Wir würden uns beides gern ansehen, erkennen aber, dass das an einem Pfingstsonntag-Nachmittag nicht klappen wird. Unabsehbare Menschenmengen wollen das auch. Die Warteschlange reicht von beiden Ortsanfängen bis zum Gartentor.

Im Dorfgebiet kann man nur schieben. Es geht zu wie auf einem Rummel. In jedem Haus ist entweder ein Andenkenladen oder eine Galerie. Überall hängen Reproduktionen von Monets Bildern. Und die Gärten geben sich aller Mühe, dazu zu passen. Zum bunten Getüpfel auf grünem Grund. Die Jahreszeit tut das Ihrige.

Vom Ortsende aus gibt es einen Fußgänger-/Radweg nach Vernon. Das Gedränge ist aber so groß, dass wir bald abbiegen und lieber auf der Straße weiterfahren. Vernon liegt auf der anderen Seite der Seine, so dass wir sie nun samt allerhand Schiffen drauf endlich in voller Pracht zu sehen bekommen. Hier, jenseits von Paris hat sie eine beachtliche Breite. Die Stadt selber ist mittelalterlich, idyllisch zum Bummeln – und heute ebenfalls völlig überfüllt. Es findet eine Art mittelalterlicher Rummel statt.

Wir wollen jetzt über einen Zug Hügel aus dem Seine-Tal ins Eure-Tal wechseln. Auf unserer Karte ist hier nur eine Hauptstrecke eingezeichnet, von der man uns abrät. Zu stark befahren. Bergauf ist das nicht schön. Aber Alternativen gibt es auch nicht. Da es nur eine Straße gibt, nehmen wir also grob die Richtung bergauf in Angriff. Kann dann schließlich nicht falsch sein. Es geht steil nach oben. Relativ lange. Und wir stellen bald fest, dass es hier jede Menge Straßen gibt. Und uns nicht alle davon ans Ziel führen. Das Navi muss also wieder helfen. Das letzte Stück landen wir doch noch auf der Hauptstrecke. Bergab ist das nicht weiter schlimm.

In Pacy-sur-Eure hat offensichtlich ein Radrennen stattgefunden. Die Teilnehmer schieben noch ihre Räder spazieren. Die Hauptstraße ist mit Girlanden geschmückt. Und diverse Läden haben geöffnet. Wir können also unsere Vorräte so ergänzen, dass Abendessen und Frühstück nach Wunsch ausfallen werden. Auch hier gibt es eine Art Rummelplatz, wo heftig gefeiert wird. Wir machen uns allerdings bald auf den Weg, da wir bis zum nächsten Campingplatz noch allerhand Kilometer zurücklegen müssen.

Auch hier soll es einen begleitenden Radweg geben. Der Einstieg ist allerdings erst einmal nicht zu finden. Nach mehreren Versuchen nehmen wir die Straße. Der Verkehr ist dünn. Der Fluss nicht zu sehen. Das Tal aber nicht zu verfehlen. Wir treten tapfer in die Pedale. Ein Gewitter zieht auf. Wir werden schneller und schneller. Kurz vor dem Zielort Ézy-sur-Eure finden wir auch noch den Radweg, können ihn jetzt aber nicht mehr so richtig schätzen.

Im Ort findet sich keinerlei Hinweis auf einen Campingplatz. Die reichlich herumstehenden Einwohner haben auch noch nie von einem gehört. Was sie nicht hindert, uns reichlich Ratschläge bezüglich der einzuschlagenden Richtung zu geben. Nur einig sind sie sich nicht. Wir kehren also erst einmal nicht um, sondern fahren weiter und erreichen auch bald ein Campingschild. Es zeigt zurück. Nein, da war nichts. Das hätten wir gesehen. Die Mannschaft eines Döners gibt uns schließlich den richtigen Tipp und bald stehen wir am Tor.

Eine große grüne Wiese an der Eure. Darauf einige Anwesen, teils aus Zelten, teils aus Wohnwagen, mit den üblichen Firmenautos daneben. Wanderarbeiter. Handwerker auf Montage. In einem Mobilhome wohnt der Hüter des Platzes, der sogleich herbeieilt, um uns freudig zu begrüßen. Im aufziehenden Gewitter mit heftigen Böen bauen wir Zelt und Tarp auf. Gerade noch vor Einsetzen eines Sturzregens gehen wir duschen und sitzen dann unter dem Tarp und kochen. Boeuf Bourguignon mit Ratatouille.