Zum EV 6 und bis Mulhouse

von: Fricka

Zum EV 6 und bis Mulhouse - 10.09.16 19:56

Nachdem wir den EV 6 schon benutzt hatten, um die Donau entlang in die Ukraine zu fahren, war es irgendwie logisch, die andere Hälfte auch noch zu erkunden.....

15.5. Samstag

Mal wieder geht es mit Verspätung los. Einen Tag später als geplant. Mittags statt Morgens. An der Abreise müssen wir definitiv noch üben. Glücklicherweise fährt der Zug nach Koblenz jede Stunde. Am Samstag eines langen Wochenendes haben wir eigentlich nicht mit überfüllten Zügen gerechnet. Zumal bei mäßigem Wetter. Diese Rechnung geht aber nicht auf. Der Zug füllt sich schnell. Aus der gemütlichen Fahrt am Rhein entlang wird also nichts. Wir finden keinen Sitzplatz. Zudem haben wir bald Verspätung, nachdem wir ein Weilchen vor Wiesbaden herumstehen. Aufgeholt wird dann nichts mehr. Als wir in Koblenz einlaufen, ist der Anschlusszug weg.

Kein Problem, sagte die Schaffnerin. Einfach den geplanten Bahnsteig anlaufen. Da fahren immer wieder Züge nach Köln. Es steht auch einer da. „Bitte einsteigen und die Türen schließen.“ Hilfreiche Hände verfrachten unsere schwer beladenen Räder durch eine hochgelegene Tür. Direkt dahinter treffen wir auf eine Menschenmenge. Irgendwie finden wir Platz. Weit weg vom Fahrradabteil. Und ohne die Möglichkeit, es zu erreichen. Um uns geht es hoch her. Allein in Sichtweite sind drei Junggesellenabschiede in Aktion. Die irgendwann erscheinende Schaffnerin kontrolliert die Fahrkarten und schafft die Leute aus der 1. Klasse, die sich dorthin gerettet haben.

In Köln finden wir ohne Probleme einen fast leeren Zug nach Aachen und fallen erleichtert auf die Sitze. Als wir in Aachen ankommen, ist es 18 Uhr. Und es nieselt ergiebig. Was tun? In Aachen zelten? Wäre kein Problem. Wir wollen aber noch ein Stück fahren. Eigentlich noch 40 km. Zuerst einmal fahren wir in die Stadt und kehren ein.

Richtung Belgien stellen wir fest, dass es besser gewesen wäre, das Navi mal vorab auszuprobieren. Die Stromversorgung funktioniert nicht. Wir fahren also auf Verdacht. Ohne großen Erfolg. Nach Bewältigung diverser erheblicher Steigungen sind wir in erster Linie klatschnass. Und es dämmert. So biegen wir gerne ab, um einem Campingschild zu folgen. Es führt uns auf den Campingplatz in Sippenlaeken. Wir bauen unser Zelt im Regen auf der Zeltwiese auf und lassen uns in der zugehörigen Gaststätte nieder. Geht doch. Bestimmt ist morgen besseres Wetter.
von: Friedrich

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 10.09.16 21:31

In Antwort auf: Fricka
Der Zug füllt sich schnell. Aus der gemütlichen Fahrt am Rhein entlang wird also nichts. Wir finden keinen Sitzplatz. Zudem haben wir bald Verspätung, nachdem wir ein Weilchen vor Wiesbaden herumstehen. Aufgeholt wird dann nichts mehr. [...] Um uns geht es hoch her. Allein in Sichtweite sind drei Junggesellenabschiede in Aktion. Die irgendwann erscheinende Schaffnerin kontrolliert die Fahrkarten und schafft die Leute aus der 1. Klasse, die sich dorthin gerettet haben.

Bei dem Lesen dieser Zeilen muss ich zwangsweise an Mike Supancic denken grins.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 11.09.16 09:45

Passt gut. So war das. Jeder in diesem Zug verhielt sich irgendwie regelwidrig. Wir standen an einer Stelle, wo Fahrräder nicht erlaubt waren, so eingeklemmt, dass all die Leute, die in dem völlig überfüllten Zug nach einem Plätzchen suchten, drüberwegsteigen mussten. Die anderen beschäftigten sich mit Gröhlen, Saufen und Kotzen. Das einzige, was störte, war aber, die paar Leute, die sich in die völlig leere 1. Klasse gerettet hatten.

Wir waren immerhin dankbar, dass man uns nicht vor die Tür setzte.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 11.09.16 09:51

16.5. Sonntag

Erfreulicherweise scheint die Sonne. Die nasse Wiese dampft. Wir packen zusammen. Vor Abfahrt kaufen wir im Campingladen noch Baguette und Wasser. Wer weiß, was wir am Sonntag an offenen Läden finden.

Die Landschaft gefiel uns schon gestern abend im Regen. Bei Sonne ist sie noch schöner. Sieht allerdings etwas anstrengend aus. Sehr hügelig. Wir fahren Richtung Hombourg und hoffen, auf den RaVel 38 zu treffen, einen Bahnradweg, der uns nach Lüttich bringen soll. Zahlreiche große und kleine Gruppen von Rennradlern sind unterwegs. Einige überholen um Haaresbreite. Sehr unangenehm. Dazu kommt uns ein Konvoi von ca. 50 Oldtimern entgegen. Wir stehen am Straßenrand und winken.

Hinter Hombourg kreuzen wir irgendwann den RaVel und biegen auf ihn ein. Er ist nicht befestigt, lässt sich aber gut fahren, obwohl er von den gestrigen Regenfällen noch aufgeweicht ist. Wir haben einen weiten Rundblick und versuchen in der Ferne das Meuse-Tal auszumachen. Wir fahren jetzt ständig bergauf. Vorbei an den üblichen Bahnradweg-Accessoires wie einladende Gaststätten in gewesenen Bahnhöfen. Weil Sonntag ist, sind auch hier etliche Radler und Wanderer unterwegs. Der Radweg ist gut ausgeschildert.

Als wir an einem Hinweisschild auf einen Flohmarkt vorbeifahren und viele parkende Kombis Kleinbusse usw. sehen, biegen wir ab. Wir vermuten einen Bratwurststand. Der Flohmarkt findet auf dem Gelände eines ehemaligen Viehmarkts statt. Ehemalig? Kann noch nicht lange her sein. Überall liegt Mist herum. Die Verkäufer haben ihre Handelsware auf dem Betonboden ausgebreitet und sitzen daneben. Viele Kunden sind nicht zu sehen. Überall wird zusammengepackt. Das Zeug wird direkt vom Stand zu den Containern vor der Halle gebracht. Hier warten wieder andere, die sich aus den Containern heraussuchen, was sie meinen, gebrauchen zu können.

Tatsächlich gibt es auch einen Bratwurststand. Damit ist für das Mittagessen schon einmal gesorgt. Wir sind zwar an vielen Supermärkten vorbeigekommen. Aber keiner hatte geöffnet. Und das mitgenommene Wasser hat eine Temperatur erreicht, die man bei Badewasser komfortabel finden würde.

Irgendwann erreichen wir den höchsten Punkt und nun geht es genauso ausdauernd ab- wie vorher aufwärts. Bald ist der Weg auch asphaltiert. Die Strecke nach Lüttich verringert sich zügig. Auf einmal endet der Weg abrupt. Da er das auf der Karte auch tut, habe ich mir eine Straße in Lüttich herausgesucht, die zum RaVel 1 gehört, dem wir ab hier folgen wollen. Das Navi funktioniert nach einigem Gebastel endlich zuverlässig. So sind wir schnell unten im Tal.

Es folgt ein Gekurve um die vielen Hauptverkehrsstraßen zu über- und unterqueren, die noch zwischen uns und der Meuse liegen. Und auf einmal haben wir sie erreicht. Es führt kein Weg direkt dran entlang. Aber zwischen den Häusern durch, sehen wir sie. Die Wohnhäuser lassen wir bald zurück, um durch nicht endende Industriegebiete zu fahren. Bzw. durch den Hafen. Obwohl Sonntag ist, ist hier heftig Betrieb. Keine Rede von Industriebrachen. Es lärmt, qualmt, staubt und stinkt. Große LKWs werden mit Schrott beladen.

Der RaVel 1 ist mal ausgeschildert, mal nicht. Ausgeschildert meist, wenn es sowieso einen gut erkennbaren Radweg gibt. Häufig geht es aber Straßen entlang und über unübersichtliche Kreuzungen – das natürlich stets ohne Wegweisung. So richtig den Weg verlieren, kann man natürlich nicht – rechts die Meuse und links endet das Tal seitlich schnell, aber schön ist irgendwie doch anders.

Die Gewerbebetriebe dünnen sich mit der Zeit etwas aus, bleiben aber allgegenwärtig. Uns wird klar, dass wir keinen, der von uns herausgesuchten Campingplätze mehr erreichen werden. Aber auf den RaVel-Karten sind zusätzliche eingezeichnet. Allerdings existieren die nicht unbedingt tatsächlich.

Kompliziert ist immer wieder das Überqueren der Brückenauffahrten. Irgendwann geraten wir auf die andere Seite. Mehr oder weniger unabsichtlich. RaVel 1 ist aber meistens auf beiden Seiten. Also bleiben wir dort. Hier ist das Tal schmaler, so dass es gleich bergauf geht. Bald sehen wir auf der anderen Seite ein Kernkraftwerk. Und danach kommen wir auf Huy zu. Der Ort hat eine sehr eindrucksvolle Silhouette. Burg, Kirchen, alles da. Nur haben wir jetzt keine Zeit mehr. Wir brauchen eine Übernachtungsmöglichkeit. In einem Dorf, gleich hinter Huy, mit dem schönen Namen Bas Oha ist einer eingezeichnet. Wir fragen ein paar Passanten, ob der tatsächlich existiert. Sie sind unterschiedlicher Meinung. Aber jedenfalls liegt er direkt an der Meuse. Schließlich kommen wir auf Bas Oha zu. 1,5 km noch. Da ist die Straße Richtung Ort gesperrt. Eine Umleitung führt steil in die Höhe. Wir folgen ihr trotzdem und stehen sozusagen „plötzlich und unerwartet“ vor einem vergammelten Campingschild an der Einfahrt zum Platz. Ein paar Dauercamping-Wohnwagen stehen drauf. Menschen sind nicht zu sehen. Jetzt am Sonntag Abend ist offensichtlich niemand mehr da.
Als wir auf der Wiese unser Gepäck abladen, erscheint der Platzwart und bittet uns in sein Vorzelt. 8 € möchte er von uns haben. Duschwasser ist frei. Wir bauen unser Zelt auf und gehen in der ungewöhnlichsten Dusche dieser Reise duschen. Es gibt reichlich heißes Wasser in einer Art selbstgebastelten Hütte mit sehenswerten Do-it-yourself Installationen. Die Bodenbretter biegen sich bedenklich durch, halten aber noch. Der ganze Boden ist so schief, dass das Wasser durch den Raum bis zur Tür läuft, die offen stehen muss, da es sonst drinnen kein Licht gibt.

Wir kochen uns unser Abendessen und verbringen eine sehr ruhige Nacht.
von: Oldmarty

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 11.09.16 11:48

Das war bestimmt der RE Koblenz-Wesel, glaub da habe ich schon mit meinem Rad in jeden Einstiegsbereich gestanden.Bin immer öfters F-KO mit Rad gefahren und von da dann nach DU mit dem Zug (Familie usw). Für die ganze Strecke radeln hatte ich da nicht die Zeit gehabt. Von Fr bis So ist da das Radabteil sowieso immer voll.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 11.09.16 12:03

Meine letzte Zweiradfahrt in der Art. Deshalb habe ich mich bisher gescheut, das aufzuschreiben.....
von: Oldmarty

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 11.09.16 13:37

In Antwort auf: Fricka
Meine letzte Zweiradfahrt in der Art. Deshalb habe ich mich bisher gescheut, das aufzuschreiben.....



Bald kommen halt die 3-Rad Fahrten dazu schmunzel
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 11.09.16 13:51

Stimmt. Deswegen bin ich da jetzt auch entspannter. Waren gerade drei Tage durch die Eifel unterwegs. Ging ganz gut. Das Trike rollt. Die ersten 500 km habe ich rum. Nur Übernachtungen im Zelt sind noch undenkbar. Das ist mein nächstes Ziel.
von: Oldmarty

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 11.09.16 14:24

die komme auch noch, nur nichts überstürzen da
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 12.09.16 10:46

17.5.2015 Montag

Wir wachen erholt und entspannt auf. Und stellen fest, dass wir zum Frühstück weder etwas dabei haben, noch in diesem Ort etwas kaufen können. Es gibt also nur einen Kaffee vor dem Aufbruch. Wir folgen weiter der Meuse und nutzen die nächste Brücke, um wieder auf die andere Seite zu kommen. In Andenne finden wir eine geeignete Brücke und auf der anderen Seite einen großen Supermarkt, wo wir uns ein umfangreiches Frühstück zusammenkaufen. Wir picknicken auf einer Bank in der Nähe – bereits im Schatten. Die Sonne ist heftig. Und wir haben noch genug von gestern.

Richtung Namur lockert sich die Industriebesiedlung zunehmend auf. Wir müssen noch etliche Betriebe umkurven, aber so langsam wird der RaVel 1 zum Flussradweg auf dem ehemaligen Treidelpfad. Nun zunehmend mit verkanteten Betonplatten belegt. Gleichzeitig frischt der Wind auf, der natürlich von Westen kommt. Also aus unserer Fahrtrichtung. Über die Platten rumpelnd, müssen wir uns mächtig ins Zeug legen.

Die Meuse ist von diversen Lastschiffen befahren. Etliche liegen auch am Ufer. Langweilig wird die Strecke nicht. Trotzdem freuen wir uns, als Namur in Sicht kommt. Hier mündet die Sambre in die Meuse, der wir ab hier weiter nach Westen folgen wollen. Auch Namur hat wieder eine vielversprechende Stadtsilhouette. Dekorativ thront die Burg über der Sambre-Mündung. Kurz davor überquert eine Brücke die Meuse. Daneben liegt die Altstadt.

Wir schieben unsere Räder über die Brücke und genießen von hier aus die Aussicht. Anschließend machen wir einen Stadtbummel. Schön mal aus der Sonne und dem Wind zu sein. Die Straßen sind sehr belebt. Überall sitzen die Leute in Straßencafes. Wir bald auch.
Das Wetter wird schlechter. Der Westwind frischt ordentlich auf, so dass einem allerhand um die Ohren fliegt. Der Himmel bewölkt sich. Leichter Regen setzt ein. Zeit aufzubrechen. Wir beschließen, in Floreffe zu campen. Von da aus könnten wir es morgen bis in die Nähe der französischen Grenze schaffen.

Wir fahren Richtung Sambre, überqueren sie und biegen wieder auf den RaVel 1 ein. Der führt ab jetzt direkt am Ufer entlang . Mit einem Belag aus großen verkanteten Betonplatten. Die Sambre ist deutlich schmaler als die Meuse. Folgerichtig fahren hier kleinere Lastkähne. Dazwischen die typischen Urlaubs-Leihboote. Wir halten kurz an einer Schleuse, an der ordentlich Betrieb ist und sehen dem munteren Treiben zu. Die Freizeit-Kapitäne haben durchaus Schwierigkeiten, die Schleuse zu treffen. Sehr unterhaltsam.
Hier ist wieder viel Industrie und wenig Idylle. Neben dem Radweg führt eine stark befahrene Straße entlang. Praktisch. Bald passieren wir eine Tankstelle und nutzen die Gelegenheit, mal Luft in die Reifen zu schaffen. Zu Hause haben wir das irgendwie versäumt.

Bald danach erreichen wir den Abzweig nach Floreffe. Der Campingplatz hier liegt nicht am Fluss, sondern oben auf dem Berg. Seit Bas Oha haben wir keinen mehr am Ufer gesehen. Die Bergankunft ist also unvermeidlich. Unser Navi, das zu Steigungen ein entspanntes Verhältnis hat, führt uns gleich erst einmal steil nach oben und wieder nach unten in den Ort. Ein bißchen weiter hätten wir den ebenerdig erreichen können. Wir finden eine Bäckerei und kaufen Baguette und Croissants zum Frühstück. In Sachen Abendessen sind wir schon versorgt.

Nun geht es aufwärts. Und aufwärts. Und aufwärts. Und steiler aufwärts. Bald sehen wir von oben auf die Abbaye de Floreffe herunter. Ein imposanter Anblick. Und weiter geht es steil aufwärts. Wir verlassen den Ort und sehen weit über uns ein Gehöft liegen. Zuerst müssen wir noch komplett hoch bis zum Grat. Dahinter geht es steil abwärts. Und links von uns sehen wir in einiger Entfernung den Campingplatz liegen.

Wir werden freundlich empfangen. Die Dauercamping-Anwesen sind verlassen. Sonst ist niemand da. Die Platz-Kneipe hat noch einige Gäste. Da der Himmel nach Wolkenbruch aussieht, bauen wir erst einmal das Zelt auf. Wir haben freie Platzwahl und überlegen, wo wir denn wohl Morgensonne haben werden. Das Sanitärgebäude ist eine Baustelle. Eine Toilette und eine Dusche mit Münzeinwurf sind benutzbar. Die Aussicht von der Toilette aus ist dank fehlender Außenwand überaus beeindruckend.

Als wir auf der Terrasse der Kneipe noch ein Bier trinken wollen, treibt uns ein Wolkenbruch ins Gebäudeinnere. Es gibt freies W-lan. Wir sehen also nach dem Wetterbericht. Fein. Morgen soll es Westwind mit 60 km/h geben. Also werden wir versuchen, früh aufzubrechen, da es morgens meistens windstill ist.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 13.09.16 08:38

18.5. Dienstag

Auch hier war es nachts völlig still. Der Regen hat allerdings ordentlich gerauscht. Morgens ist alles klatschnass. Der Himmel bedeckt. Es macht also keinen Sinn, darauf zu warten, dass das Zelt trocknet. Wir frühstücken zügig und reisen ab. Beim Abwärtsrollen brechen wir alle Rekorde, kommen aber unten leider nicht an der gleichen Stelle an. Dank Walkie-Talkies finden wir uns schnell wieder – beim Bäcker. Gleich um die Ecke erreichen wir die Sambre mit ihrem Betonplatten-Begleitweg und machen uns rumpelnd und hoppelnd auf den Weg.

Man sieht jetzt zwar links und rechts auf grüne Hügel, aber am Fluss passieren wir immer noch Industriebetrieb um Industriebetrieb. Bald frischt auch der Wind auf und wird immer stärker. Das Rumpeln auf den Betonplatten ist derart mühsam, dass wir irgendwann auf die begleitende Straße ausweichen. Leider biegt die bald ab und führt uns oben um den nächsten Ort herum. Schließlich brauchen wir das Navi, um aus den Hügeln heraus zur Sambre zurückzufinden. Dort überquert der RaVel den Fluß.

Weiter geht es über die geliebten Betonplatten. Der Gegenwind wird immer stärker. Ab und zu ist der Radweg gesperrt. Entgegenkommende Radfahrer versichern jeweils, „vous pouvez passer“ und das machen wir auch. Aber irgendwann ist der Radweg so effizient abgesperrt, dass man tatsächlich abbiegen muss. Dort steht ein Umleitungsschild. Aber nur dieses eine. Danach keines mehr. Unsere Versuche, wieder zurück an die Sambre zu kommen, scheitern. Schließlich landen wir auf einer Hauptverkehrsstraße Richtung Charleroi, die einer Autobahn von km zu km ähnlicher wird. Wir retten uns schließlich über eine Ausfahrt wieder in ruhigere Gefilde.

Nach einer Umfrage unter Passanten bekommen wir schließlich eine Auskunft, die uns wieder an die Sambre zurückführt. Inzwischen führt die durch einen dichten Industriegürtel. Die Betonplatten sind bröselig und teilweise überwachsen. Mehr und mehr Müll liegt herum. Die Szenerie ist gespenstisch. Dummerweise fliegt der Müll wegen des starken Windes auch durch die Luft. Gemeinsam mit all dem Staub. Kohlenpott. Einige Berge sehen verdächtig nach Abraumhalden aus.

Immerhin führt der RaVel uns auf diesem Weg zuverlässig bis in die Innenstadt. Unser Versuch, hier ein bißchen bummeln zu gehen, scheitert allerdings. Zunächst einmal erwischt es mich bei der Durchfahrt unter einer breiten Brücke. Ein Styroporblock fliegt mir in die Speichen des Vorderrades. Wenn dafür genug Platz gewesen wäre, hätte ich jetzt einen Salto geschlagen. So haut es mich gegen den Brückenpfeiler. Resultat: ein paar blaue Flecken und Schürfwunden. Glück gehabt.

Vor allem auch, um aus dem Wind herauszukommen, nehmen wir den nächsten Abzweig Richtung Stadt. Wir überqueren zunächst eine Art Uferpromenade. Überall ist der Verkehr extrem. Auch mit dem Rad gibt es kein Durchkommen. Charleroi wirkt insgesamt heruntergekommen. Die meisten Straßen sehen so aus, dass wir uns hier eigentlich nicht aufhalten möchten. Bald machen wir uns also auf die Suche nach unserem neuen zu begleitenden Wasserweg: dem Canal Central.

Irgendwann finden wir ihn und setzen unseren Weg Richtung Norden fort. Dadurch gibt es keinen Gegenwind mehr. Und da der Kanal eng von Bergen gesäumt wird, auch keinen Seitenwind. Es fängt ein bißchen an zu tröpfeln und bald darauf schüttet es wie aus Eimern. Wir flüchten unter den Leitstand einer Schleuse unter dem auch schon andere stehen. Irgendwann wird aus dem Wolkenbruch wieder ein Tröpfeln. Wir ziehen uns unser Regenzeug an und fahren weiter.

Bei Luttre ist ein Campingplatz eingezeichnet. Eigentlich haben wir keine große Lust mehr auf Gegenwind, Regen und Betonplatten. So halten wir interessiert Ausschau. Der Platz liegt direkt am RaVel. Sieht nett aus. Auf der anderen Kanalseite, bequem durch eine Brücke erreichbar, lockt ein Supermarkt. Und zwischen beidem biegt der Kanal Richtung Westen ab. Schon in der Kurve werden wir vom Wind schier rückwärts geblasen. Also beschließen wir, frühzeitig Schluss zu machen. Wir kaufen uns etwas Nettes für die Abendmahlzeit ein und suchen noch eine Tankstelle auf, um uns mit Brennstoff zu versorgen. Durch den Ort erreichen wir den Platz. Viel los ist hier nicht. Einige Dauercamping-Gehöfte. Ein Wohnmobil. Und wir. Das Sanitärhaus ist sauber und bietet ordentliche Toiletten und Duschen mit viel warmem Wasser. Was will man mehr.

Na gut. Eine Regenpause wäre nicht schlecht. Wir sitzen erst unter einem Baum und dann unter dem Vordach der Rezeption, um unser Essen zu kochen.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 14.09.16 08:50

19.5.2015 Mittwoch

Alles trieft. Zelt. Wiese. Bäume. Aber es hat aufgehört zu regnen. Vom Campingplatz aus kann man über eine Planke direkt auf den RaVel gelangen. Wir rumpeln also bald wieder entspannt über die Betonplatten. Natürlich bei Gegenwind, der sich heute aber im erträglichen Rahmen hält. Vermutlich wird das bis Saint-Nazaire so bleiben, da wir bis dahin beständig Richtung Südwesten unterwegs sein werden.

Bei Seneffe verzweigt sich der Kanal. Geradeaus geht es nach Brüssel. Wir biegen mit dem Canal du Centre nach Westen ab. Etwas später gibt es wieder eine Verzweigung. Hier führen sozusagen beide Kanäle nach Rom. Inzwischen sind mehr Radfahrer mit uns unterwegs als an den vergangenen Tagen. Keine Reiseradler. Eher Regionalverkehr. Aber immerhin ist nun der RaVel besser ausgeschildert, was bei diesem Verzweigungs- und Brückengewirr nicht schlecht ist. Der Wegweisung folgend landen wir auf der linken Seite der rechten Verzweigung.
Mit der Zeit stellen wir fest, dass der Kanal im Vergleich zur Landschaft immer höher liegt. Bald sogar hoch über den Dörfern seitlich. Dazu ist er hier neu ausgebaut. Schließlich stehen wir staunend vor einem gewaltigen Schiffshebewerk, dem Ascenseur Strépy Thieu. Tief unter uns setzt sich der Kanal fort. Der Radweg endet abrupt. Nachdem wir das Bauwerk von oben ausreichend bewundert haben, kehren wir um, um einen Weg nach unten zu suchen. Von unten sieht das Hebewerk nicht minder eindrucksvoll aus. Kurz danach mündet der andere Kanal wieder ein. Auch mit einem Hebewerk, nur nicht ganz so hoch. Das ist das historische Hebewerk. Sehr nett anzusehen. Wir legen eine Picknickpause auf einer Aussichtsterrasse ein.

Am Rand gibt es mal wieder reichlich Industrie. Ein Zementwerk. Kiesgruben, die einen fabelhaften LKW-Verkehr auslösen. Hafenanlagen. Wenig Idylle. Mons lassen wir links liegen. Zwar ist zu vermuten, dass das Nato-Hauptquartier vielleicht nicht mittig in einer Industriestadt liegt, aber wir wollen das nicht mehr ausprobieren. Keine Lust mehr auf belgische Städte. Wir wollen nach Frankreich.

Wir kommen nun flott voran. Der Kanal verzweigt sich noch einmal. Beide Abzweige führen in Richtung Schelde, auf Französisch „Escaut“. Wir nehmen den linken, südlicheren Abzweig. Ein Stück kommen wir noch weiter, dann ist der Treidelpfad nicht mehr befahrbar und wir weichen auf Straßen aus. Wir fahren ein Stück südwärts und erreichen bei Quièvrain die französische Grenze. Sofort werden die Straßen besser und die Orte sehen nicht mehr so ärmlich aus. Geradewegs geht es nun nach Valenciennes.

Unser Reiseführer vermutet dort keinerlei Sehenswürdigkeiten. Endlos geht es einen Radweg entlang. Die Straße daneben ist stark befahren. Irgendwann landen wir im Stadtzentrum. Und – Überraschung – finden eine attraktive Stadt vor, so dass wir erst einmal eine Runde durch die Innenstadt drehen. Sowas hatten wir auf der ganzen Reise bisher noch nicht.
Um von Valenciennes nach Cambrai zu kommen, müssten wir einfach nur der Schelde folgen. Aber irgendwie biegen wir zu oft falsch ab und landen in den Hügeln seitlich des Scheldetals in Saulzoir. Von hier aus geht es immer geradeaus nach Cambrai. Über einen Hügel nach dem anderen. Wir werden müde. Cambrai ist nicht ganz so imposant wie Valenciennes, hat aber ein Camping Municipal. Und wir die Adresse. Unser Navi führt uns also auf direktem Weg dorthin. Was auch Zeit wird. Es dämmert längst. Ist also schon wirklich sehr spät. Wir kaufen noch ein. Etwas unheimlich. Um den Laden herum bricht eine Schlägerei aus. So sind wir froh, als wir das Tor des Platzes erreichen. Hier ist es still. Niemand mehr in der Rezeption. Das Sanitärgebäude ist neu und steht freundlicherweise offen. Dahinter stehen viele Wohnmobile, vor denen noch Menschen sitzen. Und im Hintergrund einige Zelte. Da stellen wir uns dazu.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 15.09.16 08:33

20.5.2015

Am Morgen um 9 Uhr ist auch niemand in der Rezeption. Obwohl laut Aushang ab 8 Uhr geöffnet ist. Wir stehen gerade mit unseren Rädern davor, als ein Gemeindeangestellter erscheint. Ohne zu zahlen, möchte er uns verständlicherweise nicht abreisen lassen. Kassieren „kann“ er aber auch nicht. Der Preis hängt aus. Wir einigen uns schließlich insoweit, als ich ihm das Geld gebe und er mir eine Quittung. Er kann das Geld dann an den eigentlichen Hüter des Platzes weitergeben. Auf der Quittung prangt der Gemeindestempel. Mir reicht das. Er ist aber immer noch unzufrieden. Ich müsse eine Rechnung bekommen. Sonst gehe das nicht. Ich muss ihm noch meine Adresse aufschreiben, damit man sie zuschicken kann. Was auch tatsächlich inzwischen geschehen ist.

Nicht weit vom Platz treffen wir auf die Schelde und ihren Seitenkanal. Wir können dem Kanal noch ein Weilchen folgen. Hier ist der Uferweg perfekt asphaltiert. Alles grünt und blüht. Die Vögel zwitschern. Urlaubsgefühl kommt auf. In Marcoing verlassen wir den Kanal. Der Radweg endet hier. Und der Kanal knickt nach Osten ab. Auf Straßen geht es weiter. Zunächst auf einer kaum befahrenen durch idyllische Dörfchen.

Wir nähern uns der Somme. Schon gestern sind wir immer wieder an Kriegsgräberstätten vorbeigefahren. Auch heute passieren wir einen nach dem andern. Dabei überwinden wir Steigung um Steigung, um aus dem Scheldetal hinüber zum Sommetal zu kommen. Ab Gouzeaucourt wird der Verkehr dichter. Und in Fins landen wir auf einer stark befahrenen Straße Richtung Peronne.

Schon von weitem sieht man das breite Sommetal liegen. Zügig geht es jetzt abwärts durch den üblichen Gürtel aus Vororten, Gewerbegebieten und Umgehungsstraßen. Von Peronne sind wir auf Anhieb begeistert. Ein hübsches Städtchen mit mittelalterlichem Kern. Es gibt Geschäfte jeder Art, viele Straßencafes und Restaurants, eine Burg, Museen, Kirchen – und zwei Campingplätze. Wir würden gerne etwas Essen. Aber es ist schon zu spät. Da ist man hier streng. Vor dem Abend wird es nichts, aber auch wirklich nichts essbares mehr geben. Nachdem wir das öfter erleben, geben wir den Versuch auf und kaufen lieber ein und kochen selber.

In Peronne aber beschließen wir, zunächst zu campen und anschließend am Abend noch einmal einen Stadtbummel zwecks Abendessen zu unternehmen. Der C Municipal hat geschlossen. Der andere ist gut besetzt. An der Rezeption ist niemand. Wir suchen uns ein Plätzchen am Zaun zum Kanal und richten uns ein. Wir waschen unsere Wäsche und hängen sie in die Sonne. Und sitzen bald so gemütlich mit Blick aufs Wasser, dass wir beschließen, den Abend hier zu verbringen. Auf dem Kanal fährt die Walhall vorbei. Ein Schiff, dass wir seit Namur immer wieder getroffen haben. Ab Peronne aber dann nicht mehr. Die ganze Zeit fuhr es ohne Ladung. Auch jetzt noch.

Wieder zu Hause habe ich das Schiffchen im Internet gesucht, weil ich wissen wollte, warum man solche langen und komplizierten Touren ohne jede Ladung unternimmt. Die Walhall ist schon sehr alt. Zu Beginn ihrer Karriere wurde sie noch getreidelt. Von Pferden, die einen Stall an Deck hatten. Heute ist sie eine der letzten ihres Typs und noch gut unterwegs. Damals war sie längst über den Canal du Rhone au Rhin zum Rhein zurückgekehrt, hatte verschiedene andere Touren ausgeführt und dampfte gerade mit riesiger Bugwelle schwer beladen rheinaufwärts. Das Schiff nutzt den Vorteil, auch sehr schmale Kanäle befahren zu können. Es ist verstärkt worden für große Lasten und transportiert hauptsächlich Maschinenteile, die auf der Straße nur schwer zu bewegen wären. Dafür lohnen sich anscheinend auch lange Anfahrten.
von: StefanS

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 15.09.16 10:41

In Antwort auf: Fricka
Am Morgen um 9 Uhr ist auch niemand in der Rezeption. Obwohl laut Aushang ab 8 Uhr geöffnet ist. Wir stehen gerade mit unseren Rädern davor, als ein Gemeindeangestellter erscheint. Ohne zu zahlen, möchte er uns verständlicherweise nicht abreisen lassen. Kassieren „kann“ er aber auch nicht. Der Preis hängt aus. Wir einigen uns schließlich insoweit, als ich ihm das Geld gebe und er mir eine Quittung. Er kann das Geld dann an den eigentlichen Hüter des Platzes weitergeben. Auf der Quittung prangt der Gemeindestempel. Mir reicht das. Er ist aber immer noch unzufrieden. Ich müsse eine Rechnung bekommen. Sonst gehe das nicht. Ich muss ihm noch meine Adresse aufschreiben, damit man sie zuschicken kann. Was auch tatsächlich inzwischen geschehen ist.

Für solche Fälle habe ich inzwischen immer ein Blatt Papier dabei, aus dem ich eine kleine Papiertasche bauen kann. Da kommt dann der Betrag rein, außerdem schreibe ich ein paar freundliche Worte samt Name, Adresse und Platznummer drauf. Wenn ich morgens losfahren will, kommt die in den Briefkasten an der Rezeption und los geht's. Einmal ist bisher auch tatsächlich eine Rechnung gekommen.

Viele Grüße,
Stefan
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 16.09.16 10:17

21.5.2015

Die Sonne scheint. Das Zelt ist trocken. Die Wäsche auch. Als ich in die Rezeption gehe, um für die Nacht zu bezahlen, wird es ungemütlich. Die Dame dort ist eindeutig empört und will das Verbrechen aufklären. Wenn sie nämlich nicht in ihrem Häuschen sitzt, schließt sie das Tor ab, sagt sie. So können wir mit unseren Rädern nur über den Zaun geklettert sein. Dass am Tor ein Zettel hängt, dass man sich, bei unbesetzter Rezeption installieren solle – „wir kommen dann vorbei“, sei ungültig. Irgendwann regt sie sich so weit ab, dass sie unser Geld entgegen nehmen kann. Und wir reisen ab.

Wir planen heute nur eine halbe Etappe. Die Somme entlang nach Amiens. Dazu folgen wir zunächst der D1 über Biaches und Herbecourt nach Cappy, wo wir an einem hübschen Plätzchen eine Frühstückspause einlegen. Es ist warm geworden. Die Sonne scheint. Das macht sich an den Steigungen bemerkbar. Die Somme haben wir bisher nicht gesehen. Als wir sie nun in Richtung Bray überqueren, treffen wir auf einen Radweg, der am Seitenkanal entlang von Peronne her kommt und hier endet. La veloroute de de la vallée de Somme. In unserer Richtung findet sich nichts. Wir fahren also rauf nach Bray. Dort besichtigen wir erst einmal die eindrucksvolle Kirche.

In Ortsmitte treffen wir einen Wegweiser Richtung Veloroute. Es geht wieder ins Tal und über die Somme. Am Ufer entlang gibt es dort einen Weg. Zwar keinen Wegweiser, aber wir versuchen es trotzdem. Es geht durch Wasserwelten mit reichlich Vogelbesatz. Einige Angler sitzen am Ufer. Der Weg wird immer schlechter. Aus zwei Reifenspuren wird eine. Die Löcher werden immer tiefer, das Gras immer höher. Schließlich schieben wir. Irgendwann erreichen wir eine Schleuse, an der eine Straße die Somme kreuzt. Auf beiden Seiten gibt es einen Picknickplatz. Und während wir es uns gemütlich machen, kommt ein Schiff angetuckert, um sich schleusen zu lassen. Ein historisches Schiff. Mit brauner Besegelung und einem Kräutergarten an Deck. Aus England. Der Schleusenmeister wartet schon. Er ist mit dem Auto angereist. Von einem Kasten aus steuert er die Schleuse.

Über Morcourt, Cerisy und Le Hamel geht es weiter. Der Radweg ist jetzt ausgeschildert, auch wenn er zunächst über Straßen führt. Wir passieren einige nette Schlösser mit Schautafeln. Während nach dem Krieg offensichtlich von den Dörfern nicht mehr viel übrig war, blieben die Schlösser erhalten. Die brauchten die Militärs zum Wohnen und Verhandeln. Schließlich biegt der Radweg auf den Treidelpfad ein. Er ist hier offensichtlich neu angelegt und nett gestaltet. Die Oberfläche lässt keine Wünsche offen. Regelmäßig gibt es Rastplätze mit blütenweißen Steinbänken.

In Corbie machen wir einen Abstecher in die Stadt und sehen uns die Kirche an. Weiter geht es am Ufer entlang. Hier ist jetzt viel Radverkehr. Große Gruppen, darunter etliche Schulklassen folgen dem Uferweg. Auf dem Kanal fahren allerhand Boote. Meistens Urlauber. Wir sind schneller. Und natürlich werden sie auch jedesmal durch die zahlreichen Schleusen aufgehalten.

Der Radweg führt uns bis in die Mitte von Amiens. Von der Seite kennen wir die Stadt noch nicht. Mit dem Auto waren wir schon öfter dort. Die Fahrt den Uferweg entlang hat relativ lange gedauert, da wir jeder Flussschlinge gefolgt sind. Als wir an der Kathedrale ankommen, ist es kurz vor 18 Uhr. Wir freuen uns, dass wir noch hineinkönnen, bevor sie schließt. Wir finden sie immer wieder eindrucksvoll.

Anschließend holen wir uns in der Touri-Info gegenüber noch einen Stadtplan und lassen uns zeigen, wie wir zum Campingplatz kommen. Nach einem ausführlichen Bummel durch die Fußgängerzone, wo wir verschiedene Besorgungen erledigen, wenden wir uns stadtauswärts. Der Platz liegt in der Nähe des Kanals. Er ist relativ groß, relativ teuer und ziemlich belebt. Jetzt am Freitagabend. Hauptsächlich von Wohnmobilen. Es stehen aber auch mehrere Zelte mit Fahrrädern daneben drauf. In den Duschen herrscht sozusagen „Landunter“. Aber man wird sauber. Mehr wollen wir nicht. Den Abend über reisen noch viele weitere Wohnmobile an.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 17.09.16 08:51

22.5.2015 Samstag

Unsere diversen Nachbarn laufen nun alle in Fahrrad-Montur herum. Rennräder werden bereitgestellt. Es bilden sich Gruppen. Nachdem wir unseren Hausstand auf die Räder verladen haben, kann ich also leicht fachmännischen Rat in Sachen heutiger Reiseroute einholen. Unsere Räder werden neugierig inspiziert. Einige möchten sich unbedingt damit fotografieren lassen. Eine Gruppe Tandemfahrer formiert sich ebenfalls.

Unser Navi bringt uns komplikationsfrei quer durch Amiens bis nach Salouel, wo wir auf die Selle treffen, der wir weiter folgen. Wir unterqueren die Autobahn und treffen auf ein breites Tal, wo wir mehr oder weniger in Sichtweite der Selle durch idyllische Dörfchen folgen. In Plachy-Buyon wechseln wir auf die andere Flussseite und folgen der D8. Langsam wird das Tal enger und die Straßenführung dadurch welliger.

Es ist ruhig und grün. Wir halten an einer alten Kirche, um auf einer Bank gegenüber ein Picknick einzulegen. Kaum mal fährt ein Auto vorbei. Bald ändert sich die Landschaft. Wir nähern uns der Quelle der Selle, die hier Celle heißt. Fontaine-Bonneleau ist da schon ein vielversprechender Ortsname. Wenn auch orthografisch etwas originell. Die Quelle liegt aber erst bei Catheux. Von hier aus geht es nun durch ein langgezogenes Tal steiler nach oben.

Es gibt hier begleitend eine stillgelegte Bahnstrecke, die als Wanderweg ausgebaut ist. Wahrscheinlich hätten wir sie nehmen sollen. So müssen wir uns etwas abmühen, erreichen aber bald Crèvecoeur-le-Grand. Ein Wallfahrtsort wie der Name schon vermuten lässt. Das Städtchen sieht recht nett aus, wir fahren aber nur durch, da wir den Nachmittag in Beauvais verbringen wollen.

Hinter Crèvecoeur geht es auf einer gut ausgebauten und stärker befahrenen Straße weiter über eine Art Hochebene, die kontinuierlich in Richtung Beauvais abfällt. Man hat einen weiten Fernblick. Und wir nehmen eine erhebliche Geschwindigkeit auf. Bald kommen die Türme von Beauvais in Sicht.

Wir bummeln durch das Stadtzentrum, bewundern die Fachwerkhäuser, und erledigen ein paar Einkäufe. Irgendwann treffen wir auf die Touri-Info. Tatsächlich gibt es in der Nähe von Beauvais keinen Campingplatz. Der nächste liegt in Besles – 15 km in die falsche Richtung. Das ist uns zu weit. In unserer Richtung liegt der nächste noch weiter entfernt. Trotzdem entschließen wir uns dazu, den aufzusuchen.

Zunächst einmal besuchen wir aber noch die spektakuläre Kathedrale. Es steht nur der Chor. Aber die meisten anderen Kathedralen würden da reinpassen. Weiter ist nicht gebaut worden, da von Anfang an Einsturzgefahr bestand. Heute wird sie von riesigen Stahlkonstruktionen gehalten.

Da es nun schon nach 18 Uhr ist, brechen wir auf. Der Übernachtungsplatz liegt in Le Coudray Saint-Germer. Unser Navi wird uns da schon irgendwie hinbringen. Außerdem haben wir in der Touri-Info einen Radwegplan bekommen. Wir folgen einem davon, der so etwa in unsere Richtung führt. Nachdem wir durch einige Dörfer gekurvt sind, fahren wir durch den Wald auf einem Weg, der irgendwie nach Bahnradweg aussieht. Jedenfalls ist er gut ausgebaut und führt durch relativ ebenes Terrain.

Wir kommen am Parc Saint-Paul vorbei. Ein riesiger Vergnügungspark, der praktischerweise gerade schließt, als wir vorbeikommen, so dass wir uns durch eine Menschenmenge schieben müssen, die auf dem Weg zu den Parkplätzen ist. Daneben befindet sich ein ebenso riesiges Einkaufszentrum, in dem wir uns mit dem versorgen, was wir am Abend kochen wollen. Und dem nötigsten für das Frühstück.

Wir folgen dem Radweg weiter, weil er sich so gut fährt. Er führt zwar nur in etwa in unsere Richtung, aber immerhin. Erst bei La Chapelle-aux-pots biegen wir ab Richtung Saint-Aubin-en-Bray. Es geht sanft aufwärts. Als unser Navi meint, dass es nicht mehr sehr weit sei, baut sich vor uns ein Berg auf. Sollen wir da etwa noch drüber? Vor uns sehen wir die Straße, die die Steigung mit einer langgezogenen S-kurve nimmt. Weiter und weiter geht es nach oben. Le Coudray liegt nicht auf der anderen Seite, sondern oben drauf. Als wir den Ort erreichen, ist es schon spät.

Im Dorf gibt es einen Wegweiser Richtung Camping à la Ferme. Ein passendes Schild hängt irgendwann an einem Tor. Das Gras auf dem Weg dahinter ist etwa einen Meter hoch gewachsen. Wir arbeiten uns durch. An einer Hütte hängt ein Schild mit „Reception“. Aber es ist niemand zu sehen. Auf dem Platz gibt es etliche leere Stellplätze mit Hecken drumherum. Die meisten sind nicht gemäht. Auf etlichen lagert Müll. Auf der anderen Wegseite gibt es die üblichen Mobilhomes. Zwei sind belebt. Eine Frau erklärt uns, wir sollten uns nur einfach niederlassen. Vielleicht käme irgendwann jemand, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall würden wir niemanden stören.

Leider haben wir kein Benzin mehr. Können also nicht kochen. Als unsere Nachbarin das feststellt, bringt sie uns einen Topf Tomatensuppe. Dazu haben wir Baguette und Käse. Auf der Parzelle stehen zwei Gartenstühle. Wir machen es uns gemütlich. Natürlich nicht vor dem Duschen. Wir finden ein kleines Sanitärhäuschen, das überraschend liebevoll gestaltet ist. Nach einer heißen Dusche sieht sowieso die Welt gleich ganz anders aus.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 18.09.16 09:15

23.5.2015 Pfingstsonntag

Auch am Morgen taucht niemand auf, bei dem man sich anmelden könnte. Es sieht nach einem strahlenden Sonnentag aus. Das Zelt ist allerdings nass. Wir brechen frühzeitig auf. Im Dorf sammeln sich mehrere Radsportgruppen. Offene Läden oder eine Bäckerei entdecken wir nicht. Wir haben beim Frühstück die Radwegkarte studiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir von hier aus hinunter ins Tal der Epte rollen können, die irgendwann in die Seine mündet. Also sozusagen eine bergab-Etappe. Schnell finden wir den richtigen Abzweig und sausen ins Tal.

Minuten später sind wir in Sérifontaine an der Epte, der wir nun bis an die Seine folgen wollen. Zunächst bleiben wir auf der Straße, in der Hoffnung hier irgendwo einen offenen Laden zu finden. Woraus nichts wird. Aber immerhin finden wir eine Tankstelle. Als ich beim Bezahlen auf die Frage nach unserem Ziel antworte, dass wir nach Saint-Nazaire wollen, werde ich angestaunt. Das sei doch weiter als 100 km weg. So weit könne kein Mensch Rad fahren.

Kurz drauf entscheiden wir uns doch dafür, den Radweg zu nehmen. Anscheinend mal wieder ein Bahnradweg. Leicht und kontinuierlich geht es abwärts. Durch grüne Landschaft. Schlösser auf den Hügeln, verträumte Dörfer.

Bei Gisors biegen wir Richtung Stadtmitte ab. Auf der Suche nach offenen Läden und Abwechslung. Das mittelalterliche Stadtbild ist hübsch. Die große Kirche sieht vielversprechend aus. Aber wegen eines mehrstündigen Pfingstgottesdienstes muss eine Besichtigung ausfallen. Wir kaufen in einer Bäckerei noch warmes Baguette. Und lassen uns in einem Cafe am Fluss mit Blick auf die Kirche nieder. Es sind viele Menschen in Feiertagsstimmung unterwegs.

Die Stadt zu verlassen und den Radweg wiederzufinden, gelingt uns nur dank Navi. Der Radweg fährt sich weiterhin gut. Leicht bergab durch die grüne Landschaft bis wir bei La Roche-Guyon die Seine erreichen. Hier endet der Radweg und wir folgen nun der Straße nach Vernon. Leider hält sie Abstand von der Seine. Aber das nächste Dorf ist Giverny. Bekannt dadurch, dass Claude Monet hier gewohnt und gearbeitet hat. Haus und Garten ist jetzt Museum. Wir würden uns beides gern ansehen, erkennen aber, dass das an einem Pfingstsonntag-Nachmittag nicht klappen wird. Unabsehbare Menschenmengen wollen das auch. Die Warteschlange reicht von beiden Ortsanfängen bis zum Gartentor.

Im Dorfgebiet kann man nur schieben. Es geht zu wie auf einem Rummel. In jedem Haus ist entweder ein Andenkenladen oder eine Galerie. Überall hängen Reproduktionen von Monets Bildern. Und die Gärten geben sich aller Mühe, dazu zu passen. Zum bunten Getüpfel auf grünem Grund. Die Jahreszeit tut das Ihrige.

Vom Ortsende aus gibt es einen Fußgänger-/Radweg nach Vernon. Das Gedränge ist aber so groß, dass wir bald abbiegen und lieber auf der Straße weiterfahren. Vernon liegt auf der anderen Seite der Seine, so dass wir sie nun samt allerhand Schiffen drauf endlich in voller Pracht zu sehen bekommen. Hier, jenseits von Paris hat sie eine beachtliche Breite. Die Stadt selber ist mittelalterlich, idyllisch zum Bummeln – und heute ebenfalls völlig überfüllt. Es findet eine Art mittelalterlicher Rummel statt.

Wir wollen jetzt über einen Zug Hügel aus dem Seine-Tal ins Eure-Tal wechseln. Auf unserer Karte ist hier nur eine Hauptstrecke eingezeichnet, von der man uns abrät. Zu stark befahren. Bergauf ist das nicht schön. Aber Alternativen gibt es auch nicht. Da es nur eine Straße gibt, nehmen wir also grob die Richtung bergauf in Angriff. Kann dann schließlich nicht falsch sein. Es geht steil nach oben. Relativ lange. Und wir stellen bald fest, dass es hier jede Menge Straßen gibt. Und uns nicht alle davon ans Ziel führen. Das Navi muss also wieder helfen. Das letzte Stück landen wir doch noch auf der Hauptstrecke. Bergab ist das nicht weiter schlimm.

In Pacy-sur-Eure hat offensichtlich ein Radrennen stattgefunden. Die Teilnehmer schieben noch ihre Räder spazieren. Die Hauptstraße ist mit Girlanden geschmückt. Und diverse Läden haben geöffnet. Wir können also unsere Vorräte so ergänzen, dass Abendessen und Frühstück nach Wunsch ausfallen werden. Auch hier gibt es eine Art Rummelplatz, wo heftig gefeiert wird. Wir machen uns allerdings bald auf den Weg, da wir bis zum nächsten Campingplatz noch allerhand Kilometer zurücklegen müssen.

Auch hier soll es einen begleitenden Radweg geben. Der Einstieg ist allerdings erst einmal nicht zu finden. Nach mehreren Versuchen nehmen wir die Straße. Der Verkehr ist dünn. Der Fluss nicht zu sehen. Das Tal aber nicht zu verfehlen. Wir treten tapfer in die Pedale. Ein Gewitter zieht auf. Wir werden schneller und schneller. Kurz vor dem Zielort Ézy-sur-Eure finden wir auch noch den Radweg, können ihn jetzt aber nicht mehr so richtig schätzen.

Im Ort findet sich keinerlei Hinweis auf einen Campingplatz. Die reichlich herumstehenden Einwohner haben auch noch nie von einem gehört. Was sie nicht hindert, uns reichlich Ratschläge bezüglich der einzuschlagenden Richtung zu geben. Nur einig sind sie sich nicht. Wir kehren also erst einmal nicht um, sondern fahren weiter und erreichen auch bald ein Campingschild. Es zeigt zurück. Nein, da war nichts. Das hätten wir gesehen. Die Mannschaft eines Döners gibt uns schließlich den richtigen Tipp und bald stehen wir am Tor.

Eine große grüne Wiese an der Eure. Darauf einige Anwesen, teils aus Zelten, teils aus Wohnwagen, mit den üblichen Firmenautos daneben. Wanderarbeiter. Handwerker auf Montage. In einem Mobilhome wohnt der Hüter des Platzes, der sogleich herbeieilt, um uns freudig zu begrüßen. Im aufziehenden Gewitter mit heftigen Böen bauen wir Zelt und Tarp auf. Gerade noch vor Einsetzen eines Sturzregens gehen wir duschen und sitzen dann unter dem Tarp und kochen. Boeuf Bourguignon mit Ratatouille.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 19.09.16 09:40

24.5.2015 Pfingstmontag

Am Morgen verlassen wir den Ort schon früh. Niemand ist unterwegs. Läden und Bäcker haben geschlossen. Ein Stück geht es noch die Eure entlang. Nun auf dem gut ausgebauten Radweg. An der Mündung der Avre in die Eure biegen wir Richtung Muzy ab. Der Abzweig ist gut ausgeschildert. An der Avre gibt es keinen Radweg. Das Flüsschen ist eher ein Bach, das Tal schmal. Eine kaum befahrene Nebenstraße durchquert kleine Dörfchen.
Hier ist anscheinend das Zentrum der französischen Windkraft-Gegner. Schilder mit Aufschriften wie „Éoliens – non“ hängen überall. Sogar ein kleines gallisches Hüttendorf passieren wir. Die Sonne kommt durch und wir verzehren unsere letzten Vorräte bei einer Rast auf einem gemütlichen Kirchplatz. Hier gibt es sogar einen Wasserhahn, so dass wir uns einen Kaffee kochen können.

Zügig kommen wir nach Nonancourt. An der Zufahrt gibt es einen Satz der üblichen Supermärkte, die auch geöffnet haben, so dass wir uns mit allem versorgen können, was wir heute brauchen möchten. Das Tal wird jetzt noch idyllischer. Die Häuser und Höfe sehen eher nach Wochenend-Domizilen aus. Viele sind sehr herausgeputzt. Die Straße folgt nun weniger der Avre. Immer wieder geht es hinauf auf die Hügelkämme und wieder herunter. Uns wird warm.

Das Sträßchen teilt sich die Richtung nun mit der N12, die Autobahn-ähnlich ausgebaut ist. Es wird immer schwieriger, sich davon fernzuhalten. Wir kommen nur noch langsam voran. Schließlich aktivieren wir das Navi. Es hat zwar keine Ahnung von Topografie und lässt keinen Hügel aus, aber es hält uns immerhin fern von der Hauptverkehrsstraße während wir uns Verneuil sur l’Avre, dem nächsten Zwischenziel, weiter annähern.

Die Häuser sind inzwischen eher Landsitze. Das Wetter allerdings wird nicht besser. Der Wind pfeift uns immer stärker entgegen. Es fängt an zu nieseln. Irgendwann kommen wir doch unaufhaltsam auf Verneuil zu. Ein Traktor erzeugt beim Pflügen eine riesige Staubwolke. Und beim zwangsläufigen Überqueren der N12 lernen wir das Fürchten. Aber dann sind wir doch im Stadtzentrum. Der Kern von Verneuil ist mittelalterlich. Es gibt eine eindrucksvolle Kirche, in der wir einige Zeit verbringen. Wobei wir es genießen, mal aus dem Wind zu sein. Diverse andere Touris sind hier auch unterwegs.

Anschließend würden wir gerne irgendwo einkehren. Eigentlich haben wir schon keine Lust mehr, noch großartig weiterzufahren. Aber hier gibt es keinen Campingplatz. Der nächste wäre in La Ferté Vidame. An dem imposanten zentralen Platz hat nur ein einziges Bistro geöffnet. Da man draußen nicht mehr sitzen kann, ohne durchnässt davonzuwehen, sind die Plätze im Inneren stark frequentiert. Wir finden ein freies Eckchen und beschließen, einen heißen Tee zu trinken und Erkundigungen über den weiteren Weg einzuziehen.

Einheimische sind hier knapp. Aber schließlich finden wir einen Radfahrer im bunten Dress, der sich hier auskennt. Nach La Ferté gibt es die D941, die schnurgerade dorthin führt. Von der Entfernung her gut zu bewältigen. Stark befahren? Keine Ahnung. Es ist Pfingstmontag. Also wohl erträglich. Nach Süden. Also der Wind nicht mehr von vorne. Steigungen? Hm, das ist natürlich relativ. Im wesentlichen nicht. Schwer vorstellbar. Aber in der Richtung liegt die Perche. Eine Landschaft, von der wir noch nie gehört haben. Eine Ebene.

Das Navi hilft uns aus der Stadt. Wir müssen wieder die N12 überqueren. Diesmal freundlicherweise mit Hilfe einer Ampel. Die Straße ist kaum befahren. Führt kerzengerade durch eine leicht gewellte landschaftlich genutzte Ebene. Nach der bisherigen kurvigen Bergtour macht uns das Spaß. Wir fliegen geradezu dahin.

La Ferté ist so bald erreicht. Scheint ein hübscher Ort zu sein. Aber der Tag ist um. Wir biegen gleich am Ortseingang in Richtung CP ab. Der Platz ist ausgeschildert. Es geht ein Stück durch den Wald und vorbei an einem eindrucksvollen Schloss mit großem Park. Vom Schloss steht nur noch die Vorderfront. Der Campingplatz liegt im Park. Er beherbergt einige Wohnmobile. Eine Gruppe Motorradfahrer, die die Mobilhomes besiedelt und für uns gibt es eine Zeltwiese, auf die man vielleicht zwei Zelte stellen könnte. Wir haben sie für uns.

Die sanitären Anlagen sind neu und sauber. Es gibt reichlich heißes Wasser. Und so sitzen wir bald im zugehörigen Restaurant und beschließen den Tag mit einem Bier.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 20.09.16 08:51

25.5.2015 Dienstag

Das Wetter ist besser. Die Sonne kommt heraus. Ausgeschlafen, sauber und mit Prospekten und einer Departements-Radwegkarte versorgt, brechen wir auf. Wir wissen jetzt, dass die Perche die Heimat der Percherons ist – der größten Pferde der Welt. Sie stehen hier überall auf den Weiden und sehen prächtig aus.

Es bleibt erst einmal eben und geht durch den Wald. Natürlich nicht lange. Bald reihen sich wieder die Hügel. Trotzdem sind wir schnell in Longny-au- Perche. Auf dem Marktplatz erwerben wir uns ein Frühstück und setzen uns in die Sonne. Es herrscht munteres Treiben. In der Kirche findet eine Beerdigung statt.

Wir folgen jetzt der Commeauche bis zu ihrer Mündung in die Huisne. Alles, was hier fließt, landet irgendwann in der Loire. Das Tal ist sehr schön. Den Fluss bekommen wir nicht zu sehen. Er fließt tief unter uns. Die Straßenführung auf halber Höhe beschert uns schöne Aussichten über die umliegende Landschaft. Es ist wenig Verkehr, das Wetter gut, der Gegenwind moderat, Landschaft und Dörfchen idyllisch/mittelalterlich. Wir kommen zügig voran.

Bei Boissy-Maugis treffen wir auf die Huisne und finden Wegweiser in Richtung Voie Verte. Wir überqueren die Huisne und biegen in einen Bahnradweg ein. Hier ist ein kleiner Rastplatz ausgebaut. Aber es ist noch etwas zu früh für eine Mittagspause. Der Weg lässt sich gut fahren, liegt überwiegend direkt am Flussufer und führt durch grüne Landschaft.
In Condé-sur-Huisne endet der Radweg. Auch hier gibt es wieder einen schön ausgebauten Rastplatz, den wir nun nutzen. Unsere Departements-Karte meint, dass es einen weiteren Radweg bis Nogent-le-Rotrou gibt. Ansonsten könnten wir auch die Straße nehmen. Wir erkundigen uns im Ort und man beschreibt uns den Weg zum Beginn des Radwegs. Der ist nun das genaue Gegenteil von dem komfortablen Weg, den wir bis hierher hatten. Es geht aus dem Huisne-Tal steil hoch bis auf die umgebenden Berge. Na gut. Sehen wir das Tal mal von ganz weit oben. Das hat auch seinen Reiz.

Auf Nogent zu geht es wieder abwärts. Der Ort ist recht groß. Wir fahren eine Bahnlinie entlang und durchqueren ein großes Gewerbegebiet. In Zentrumsnähe biegen wir ab. Wir wollen uns das Stadtzentrum ansehen und hoffen auf eine Touri-Info. Bald werden wir wieder eine Departementsgrenze überqueren und hätten dann gerne wieder eine passende Karte, um Radwege und Campingplätze finden zu können.

Es gibt recht imposante Gebäude. Und auch eine Touri-Info. Man hat dort gerade alles in Kartons verpackt, um umzuziehen. In dem Karton, in dem sie sein müssten, liegen die gesuchten Karten vom Nachbar-Departement leider nicht. Da kann man nichts machen. Die Stadt ist eng und stark befahren. Wir machen uns also lieber wieder auf den Weg zurück zur Huisne, um ihr weiter zu folgen. Die Nebenstrecke folgt der Bahnlinie bis Le Theil, kurz vor der Grenze zum Departement Sarthe. Es bewölkt sich und ab und zu setzt leichter Regen ein. Aber auch diese Straße ist kaum befahren und wir kommen gut voran. Le Theil ist bald erreicht.

Ein deutlich kleineres Örtchen als Nogent. Wir kaufen ein, um unsere Vorräte zu ergänzen. In der Touri-Info sucht man eifrig nach der gewünschten Karte, die man auch „eigentlich“ im Angebot hat. Uneigentlich lässt sich aber keine auftreiben. Aber man meint, dass wir in La Ferté Bernard einen Campingplatz finden werden.

Zur Orientierung haben wir jetzt noch unsere Straßenkarte. Und das Navi. Beide meinen, dass uns jetzt nichts anderes übrig bleibt, als die D323 zu nehmen. Die ist ziemlich dick eingezeichnet und auch real ordentlich ausgebaut. Der Verkehr ist reichlich. Und es wird sehr schnell gefahren. Es gibt einen Seitenstreifen. Die Straße führt schnurgerade nach La Ferté Bernard. Da wir uns hier nicht lange aufhalten wollen, stellen wir geradezu einen Geschwindigkeitsrekord auf. Dazu kommen immer mehr Steigungen. Und natürlich fällt auch der Seitenstreifen weg. Ungemütlich.

In La Ferté-Bernard fahren wir also erleichtert ab und erreichen bald darauf die Innenstadt. Sofort sind wir begeistert von der hübschen Altstadt. Die Stadtmauer ist noch fast intakt. Es gibt einen imposanten Torbau, viele alte Fachwerkhäuser, eine Kirche, hübsche Plätzchen und Cafes. Und natürlich auch eine hilfsbereite Touri-Info, in der man umfassend ausgestattet ist und sogar deutsch spricht. Wir nehmen die Unterlagen für einen Stadtrundgang mit. Und erfahren, dass es zwar einen Camping-Platz gibt, der aber wegen Umbauarbeiten geschlossen sei. Der nächste ist in Tuffé. Und bis dahin sind es noch etliche Kilometer.

Trotzdem machen wir erst einmal den Stadtrundgang uns sind weiterhin begeistert von dem netten Örtchen. Wir trennen uns ungern. Aber das muss jetzt sein. Um den Ort in der richtigen Richtung zu verlassen, brauchen wir das Navi. Es geht weiter das Huisne-Tal entlang, in dem jetzt auch noch die Autobahn verläuft. Es gibt aber eine Nebenstrecke, die näher an der Bahnlinie verläuft. Die Strecke zieht sich. Eigentlich haben wir keine Lust mehr. Der Tag war lang genug. Wir zählen die verbleibenden Kilometer rückwärts. Irgendwann kommen wir in Tuffé an. Der Ort ist überraschend groß. Es gibt von Anfang an Camping-Schilder. Wir müssen aber zunächst noch den Ort komplett umfahren, bis wir an dem See ankommen, wo der Platz liegt. Der ist überraschend gut ausgestattet. Ergänzend zum See gibt es einen Pool. Der Verwalter sitzt noch in der Rezeption und begrüßt uns freudig. Wir bekommen eine Parzelle zugewiesen. Der Platz ist gut besetzt. Nur Radler gibt es außer uns keine.

Wir waschen noch unsere verschwitzte Wäsche und hängen sie auf eine Leine, kochen und sitzen am See, um den Sonnenuntergang zu beobachten.
von: StefanS

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 20.09.16 10:38

In Antwort auf: Fricka
Le Theil ist bald erreicht. [...] Zur Orientierung haben wir jetzt noch unsere Straßenkarte. Und das Navi. Beide meinen, dass uns jetzt nichts anderes übrig bleibt, als die D323 zu nehmen. Die ist ziemlich dick eingezeichnet und auch real ordentlich ausgebaut.

Da gibt's doch ne gemütliche kleine Straße auf der anderen Seite der Huisne. Ich erinnere mich, dass ich genau dort mal nen Speichenbruch hatte (was aber nicht an jener speziellen Straße gelegen haben dürfte).

Viele Grüße,
Stefan
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 21.09.16 09:23

26.5.2015 Mittwoch

Wir starten guten Muts in den sonnigen Morgen. Unsere Wäsche ist über Nacht draußen auf der Leine getrocknet. Auch das Zelt ist völlig trocken. Eine Premiere. Es wird Sommer. In zwei Tagen wollen wir an der Loire sein. Das gibt uns Schwung. Genauso wie das Gelände. Zunächst einmal geht es zügig abwärts ins Huisne-Tal, wobei wir Autobahn und Bahnlinie queren.

Bis Le Mans ist es nicht mehr weit. Dort mündet die Huisne in die Sarthe, in deren Tal wir die Loire zu erreichen gedenken. Laut Karte gibt es einen Radweg „La Sarthe à vélo“. Bis Yvré-l’éveque kommen wir relativ zügig voran. Dann wird die Orientierung schwieriger. Das Gelände wird hügelig und ist dicht besiedelt, die Straßenführung schwer zu verstehen. Wir folgen jetzt den Straßenschildern erst Richtung Le Mans, dann Richtung Zentrum. Wie immer ist die Einfahrt in die Stadt nicht so ganz lustig. Wir kehren in einer Art Burger-Laden ein, auf der Suche nach Internet und Toiletten. Und freuen uns über die Klimaanlage. Draußen ist es überraschend warm geworden.

Auch die Einfahrt nach Le Mans ist nicht besonders spaßig. Es geht durch stark befahrene Straßen, die so schmal sind, dass für uns kaum Platz ist, aber als wir schon brummig werden, stehen wir auf einmal auf einmal vor den Quinconces. Gigantische moderne Bauten. Ein riesiges Kino. Ein Theater. Viele Menschen. Scheinbar auch eine Tagung. Und gegenüber ragt die Altstadt auf. Wir sehen direkt auf den Chor der Kathedrale.

Wir schieben unsere Räder hoch zur Kathedrale und parken sie auf dem mittelalterlichen Platz davor im Schatten. Eine Weile sitzen wir auf den Eingangsstufen. Schön ist es hier. Noch schöner wäre es natürlich, wenn der Vorplatz nicht zum Parken vieler Autos genutzt würde. In der Kathedrale ist es dämmrig und kühl. Auch hier sitzen wir eine Weile und ruhen uns aus.

Die Altstadt dahinter ist einfach beeindruckend. Eine unübersehbare Fläche voller Fachwerkhäuser. Eines schöner als das andere. Läden, Bistros, Restaurants und auch hier viele Menschen. Die Altstadt liegt an einem Hang. Wahrscheinlich hätten wir unsere Räder besser stehen lassen. Irgendwann sind wir wieder an der Kathedrale und machen uns an den Abstieg zum modernen Stadtzentrum. Wir suchen die Touri-Info. Besonders viel Hilfe bekommen wir dort nicht. Die Karte zum Sarthe-Radweg ist vergriffen. Auf dem Stadtplan zeigt man uns zumindest den Einstieg. Danach sei es ganz einfach. Wir werden sehen.

Auch in den Geschäftsstraßen hier unten ist es nett zu bummeln. Aber wir haben noch ein Stück vor uns. Unter der Altstadt führt eine breite Straße durch einen hohen Tunnel. Da müssen wir durch. Auf der anderen Seite treffen wir auf die Sarthe, überqueren sie und biegen nach links ein, um ihr zu folgen. Der Blick zurück auf die Altstadt ist atemberaubend. Wir schieben also erst einmal ein Stück, um ihn zu genießen.

Wie man es uns geraten hat, überqueren wir am Yachthafen die halbe Sarthe und durchqueren eine Art Freizeitpark, in dem viele Menschen in der Sonne liegen. Dann wird es unübersichtlicher. Es gibt keine Ausschilderung. Und auch keinen Radweg in dem Sinne. An der Sarthe stehen nun riesige Plattenbauten. Später kleinere Häuser. Und bald geht es die Sarthe entlang nicht mehr weiter. Wir schalten unser Navi ein und wechseln auf die D 51. Der Verkehr hier ist recht stark. Dazu gibt es ordentliche Steigungen. Ungemütlich.
Da es sich um den Feierabendverkehr handelt, sind wir froh, dass wir nicht mehr besonders viele Kilometer vor uns haben. In La Suze-sur-Sarthe gibt es einen Campingplatz. Der nächste ist dann relativ weit entfernt, kommt also nicht mehr in Frage.

Angekommen im Ort, ist der Platz ausgeschildert. Mal wieder ein Municipal. Der Hüter wohnt in einem Mobilhome und ruft uns zu, wir sollten uns irgendwo „installieren“, er habe schon Feierabend. Ein Stück weiter ist die übliche Wohnwagen-Ansiedlung mit einigen Klempnerautos daneben. Die Wiese ist groß. Wir versuchen zu raten, wohin die Morgensonne wohl scheinen wird und bauen dort unser Zelt auf. Das örtliche Hallenbad liegt nebenan. Ist aber geschlossen.
Die sanitären Anlagen sind recht basic, aber nutzbar. So sitzen wir bald vor unserem Zelt und kochen.
von: Juergen

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 21.09.16 09:54

Ich hab ja keine Ahnung, welches Navi euch immer ins Nirwana schickt. Doch wenn Du magst, könnte ich dir das Garmin erklären. Dauert ca. intensive 3 Stunden und Du bist fit.

Referenzen hier im Forum liegen vor. schmunzel

Bin froh, dass Du den Bericht schreiben kannst.
Danke
Jürgen
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 21.09.16 10:26

Nicht ins Nirwana. Nur gerne über jeden Hügel.

Wir hatten auf dieser Tour den vorgeplanten Track gleich hinter Aachen verlassen und sind dann speziell nach Frankreich ziemlich so gefahren, wie es uns gerade einfiel. Haben abends oder morgens mal kurz auf die Straßenkarte gesehen, um die Grobrichtung einzuhalten. Und für die Feinplanung die Radweg-Detail-Karten der Touri-Infos benutzt. Das ging eigentlich ganz gut.

Das Navi ist ein schlichtes uraltes Auto-Navi, über Nady betrieben, dass wir benutzen, um aus Städten herauszufinden, Autobahnen zu vermeiden oder bestimmte Adressen aufzufinden. Dazu hatten wir Autokarten für die Grobrichtung. Und ab EV 6 dann ein Bikeline und einen Satz EV 6-Karten. Das Bikeline war mächtig veraltet. EV 6-Karten, obwohl neu gekauft, die vorletzte Ausgabe, die auch nicht wirklich stimmig war. Der EV 6 war, solange er Loire-Radweg war, meistens gut ausgeschildert. Der EV 6 häufig nicht so. Ging aber auch, da es schwer ist, Flüsse/Kanäle wirklich nachhaltig zu verfehlen. In den Städten war häufig gar nichts markiert. Da waren wir dann doch froh über unser Navi.

Und ja. Ich schreibe jetzt bereits wieder zehnfingrig. War ein hartes Training. Aber hat sich gelohnt.
von: Deul

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 21.09.16 10:31

Das sind ja gute Nachrichten. Nicht aufgeben.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 22.09.16 08:59

28.5.2015

Heute werden wir die Loire erreichen. Entsprechend freudig packen wir unsere Sachen zusammen. Die Rezeption ist jetzt besetzt. Wir dürfen bezahlen. Die Frau des Hüters möchte raten, wo in Frankreich ich aufgewachsen bin. Sie könne es nicht einschätzen und sei normalerweise stolz darauf, das auf jeden Fall zu können. Ich gebe ihr einen Tipp. Nicht „aufgewachsen“, nur zeitweise in Frankreich gelebt. Nun will sie natürlich wissen, wo. Avignon. Oh Schreck. So spreche ich nicht. Ich kann das zwar halbwegs glaubwürdig imitieren, käme aber nie darauf, das in anderen Gegenden Frankreichs zu tun. Sie findet, ich hätte einen bretonischen Akzent. Das finden die meisten. Der norddeutsche Einschlag? Und wenn man wisse, dass ich deutsche sei, könne man deutlich erkennen, dass ich spräche „comme Romy Schneider“.

Weiter geht es die Sarthe entlang. Wir folgen teils der den Fluss begleitenden Nebenstraße, teils einsamen Feldwegen. Die Strecke ist ausgeschildert. Weniger als Sarthe-Radweg. Aber die Strecken zu den an der Sarthe liegenden Orten für Radler sind ausgewiesen. Die Straße ist nicht besonders befahren. Und die anderen Wege führen durch kleine Dörfchen und idyllische Landschaften. Alles ist sattgrün mit den bunten Tüpfeln der blühenden Feldblumen. Schön. Zumal bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Der Gegenwind ist da wie immer. Das haben wir nicht anders erwartet, da wir beständig Richtung Südwesten unterwegs sind. Aber ab Saint-Nazaire! Da geht es nur noch nach Osten bzw. Norden. Da werden wir auf der ganzen Strecke Rückenwind haben. Wir freuen uns schon drauf. In drei Tagen werden wir dort sein.

Die Strecke ist zwar schön, macht es uns aber nicht immer leicht, uns zu orientieren. Nebenflüsse erfordern lange Umwege. Dazu kommen Baustellen. Die Umleitungen sind für Radler indiskutabel umständlich. Wir umfahren also meist die Absperrungen. Ab und zu mal die Räder durch Baugruben zu tragen oder über Geröllfelder zu schieben, macht uns weniger aus. Die Arbeiter winken uns meist freundlich durch.

In einem kleinen Örtchen biegen wir seitwärts ab, weil dort ein Wegweiser steht in Richtung eines Aussichtspunktes. Schon das Dörfchen ist ganz reizend. Mit Schloss natürlich, in Privatbesitz mit vielen Verbotstafeln. Die Aussicht ist sehr eindrucksvoll. Man sieht über das weite Tal der Sarthe, die wir bisher selten gesehen haben auf die Abtei im nächsten Ort. Eigentlich suchen wir nach einem Plätzchen für ein Frühstück. Das finden wir hier nicht. Alles verboten. Zudem lockt uns die Abtei.

Zurück auf der Straße geht es nun steil abwärts. Die Abtei steht auf einem Felsen an der Sarthe. Den Radwegschildern folgend überqueren wir auf einer schmalen Brück die Sarthe nach Solesmes. Bereits in Sichtweite der Abtei Sainte Cécile. Ein Riesenkasten. Am schönsten vermutlich von außen. Was wir nicht überprüfen können, da man sie nicht besichtigen kann. Im Ort finden wir einen Bäcker. Und bald sitzen wir gemütlich an der Sarthe auf einem Picknickplatz. Mit Blick auf die Abtei natürlich.

Kurz hinter Solesmes liegt Sablé-sur-Sarthe. Ein etwas größerer Ort mit Einkaufsmöglichkeiten. Einem malerischen Hafen. Einer großen Kirche. Einer Burg hoch oben drüber. Und einer Altstadt. Wir gehen also zunächst einmal einkaufen. Wir wüssten gerne, wie der Radweg weitergeht. Weshalb wir nach der Touri-Info suchen. Es gibt ein paar Schilder. In Stadtmitte hören sie auf. Als wir fragen, wie es weitergeht, erfahren wir, dass sie oben an der Burg liegt. Wir sollen einfach die Treppen hoch. Und schon sind wir da. Da die Treppen Schieberinnen haben, schaffen wir uns samt Rädern hoch, um dort festzustellen, dass die Touri-Info erst in mehreren Stunden öffnen wird.

Die Touri-Karte mit dem Radweg, die wir gerne hätten, hängt allerdings im Schaukasten. So merken wir uns also soviel wie möglich, schieben unsere Räder über die Treppen wieder nach unten, überqueren die Sarthe und folgen weiter den Fahrrad-Wegweisern.
Das Tal ist hier eng geworden. Der Fluss fließt in einem tief in eine höher gelegene Ebene eingeschnittenen Tal. Folgerichtig geht es aus dem Ort heraus erst einmal steil nach oben. Am Golfplatz vorbei. Durch allerhand Wald. Auf schmalen Wegen oben entlang. Und schließlich runter in den nächsten Ort, der unten am Fluss liegt. Das wiederholt sich ein paarmal. Schön ist es hier. Und still. Wenn wir manchmal nicht so recht wissen, wo es lang geht, richten wir uns nach der begleitenden Bahnlinie.

Hinter Pincé trifft der Radweg auf die D 159 und folgt mit ihr zusammen der Bahnlinie. In Morannes sind wir mal wieder unten an der Sarthe und sitzen ein Weilchen am Fluss. Auch der Ort ist sehr einladend.

Étriché, Tiercé – wir kommen voran. Die D 52 ist jetzt stärker und stärker befahren. Angers kommt näher. Speziell an den Steigungen wird es unangenehm. Der Karte nach wird die Straße irgendwann zur Schnellstraße. Es ist laut, staubig, viele Lkws brettern an uns vorbei. In einem der Orte sehen wir auf einen Busplan und biegen dann an einer Brücke ab, um über einen ziemlich schlechten Weg auf eine weniger befahrene Parallelstrecke nach Angers zu wechseln. Es geht durch einen sumpfigen Wald und die Mücken lehren uns mal ordentlich das Fürchten. Anhalten, um mal auf die Karte zu gucken, fällt hier aus.
Im nächsten Ort finden wir die ersten Wegweiser in Richtung Centre und folgen ihnen. Wie immer dauert es lange, bis wir im dort ankommen. Vororte und Gewerbegebiete wechseln sich ab. Aber irgendwann sind wir in der Altstadt. Dort steigen wir ab und schieben durch die Fußgängerzonen. Eine belebte, schattige Innenstadt mit hübschen Lokalen. Wir setzen uns in ein Straßencafe und ruhen uns aus.

Angers liegt nicht an der Loire. Deshalb wollen wir hier nicht übernachten, obwohl es innenstadtnah einen Campingplatz gibt. Praktischerweise können wir uns jetzt wesentlich besser orientieren, da uns Bikeline Loire dabei hilft. Zusätzlich haben wir die EV6-Karten. Wir wollen von hier aus nach Saint-Nazaire weiter, aber auf dem Rückweg nicht mehr nach Angers kommen. Und so statten wir jetzt also der Kathedrale einen Besuch ab. Und umrunden auch das interessante Schloss an der Maine mit den auffälligen gestreiften Rundtürmen. Besichtigen können wir es nicht, da es bereits geschlossen ist.

Es ist schon nach 18 Uhr als wir die Maine überqueren, um an ihr entlang die Loire zu erreichen. Es geht durch einen ausgedehnten Erholungspark, der jetzt, nach Feierabend, entsprechend belebt ist. Es gibt Fußwege. Und Radwege, getrennt in Mountainbike und sonstige Wege. Häfen. Badestellen. Joggingrouten. Große Wiesen. Alles sehr schön gestaltet. Erst am Lac de Maine entlang, dann wieder am Fluss kommen wir nach Bouchemaine, also der Maine-Mündung in die Loire.

Wir bewundern die Loire, wie sie so breit und mächtig mit ihren vielen Sandbänken daliegt, möchten aber jetzt gern irgendwo zu Wiese kommen. Der eingezeichnete CP liegt gleich hier an der Mündung. Und Überraschung: Es ist ein Wohnmobilstandplatz. Dazu ein besonders hässlicher. Eine kahle Fläche. Ein vergammeltes Sanitärgebäude. Mist. Zwar gibt es auch ein Plätzchen für Zelte, für das wir ein Parkmärkchen ziehen könnten, das uns Zutritt ins Sanitärgebäude verschaffen würde. Aber hier ist es nicht schön. Ein Blick auf die Karte und Abreise. Jetzt die Loire entlang Richtung Atlantik.

Wir stellen fest, dass wir nunmehr auf einem vorbildlich ausgebauten und ausgeschilderten Radweg angekommen sind und freuen uns an dem Blick auf Loire und Bouchemaine. Nicht lange. Nach Passieren der Base nautique ginge es theoretisch ein Stück durch den Ort. Aber dort wird gefilmt. Nach Deko spielt der Film in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts in einer schönen Kulisse. Aber: „Betreten verboten“. Wir dürfen hier nicht weiter. Während wir ein bißchen ziellos herumfahren und überlegen, wo es wohl weitergeht, kreuzen wir zufällig den Radweg und folgen ihm senkrecht nach oben. Da es inzwischen milde dämmert, fragen wir uns, ob wir wohl noch auf dem richtigen Weg sind. Es geht ordentlich nach oben. Durch ein Gebiet, in dem riesige Mücken herumsummen und gleich wieder genauso steil abwärts zurück an die Loire.

Ein kurzes Stück zwischen Fluss und Bahn entlang, die Bahn kreuzend nach Savennieres. Schon wieder ein ausnehmend hübscher Ort. Mit interessanter romanischer Kirche. Jetzt vermutlich geschlossen und Zeit haben wir auch nicht. Genauso wenig wie dazu, hier in reizender Umgebung ein Glas Wein zu trinken. Wieder geht es steil nach oben und über den Chemin de l’Aiglerie hinüber nach La Poissonière, dem Ort mit dem CP. Wir treten kräftig in die Pedale. Im Ort angekommen geht es bergab, den Camping-Schildern nach. Unter der Bahn durch. Und neben dem Yachthafen liegt der Campingplatz. Zwei Wohnmobile stehen drauf. Weiter hinten einige Zelte mit Klempnerautos. Eine Rezeption gibt es nicht. Ein kleines Sanitärhäuschen mit einem Anschlag zu den Gebühren. Alles ist neu und sauber. Ab und zu donnern Züge vorbei.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 25.09.16 10:42

29.5.2015

Unser Plan ist, zügig nach Saint-Nazaire zu radeln, dort einen Ruhetag am Atlantik einzulegen, ein Stück der Küste zu folgen und im Bogen wieder zurückzukehren. Gutgelaunt machen wir uns also auf den Weg. Nach wenigen Metern ist klar, dass das eine anstrengende Sache wird. Uns steht eine steife Brise entgegen. Jeder Kilometer muss erkämpft werden. Dafür ist die Landschaft schön. Der Loire-Radweg führt direkt hinter dem CP entlang, um weiter dem Loire-Ufer zu folgen. Der Blick auf die Loire ist schön. Da werden wir uns auch nie dran satt sehen.

Ein Stück weiter wechseln wir auf die Straße, um weiter am Ufer entlang bis zur Brücke über den Fluss nach Chalonnes-sur-Loire zu folgen. Wir haben inzwischen Mangel an Ess- und Trinkbarem. Benzin für den Kocher brauchen wir auch. Deshalb wollen wir nicht an Chalonnes vorbei wie der Radweg, sondern in der Stadt nach Einkaufsmöglichkeiten sehen. Die Loire ist hier dreiteilig. Dreimal müssen wir eine lange, schmale Brücke überqueren, auf der die Autos uns nicht überholen können. Bei starkem Seitenwind. Grenzwertig.

In der Stadt finden wir im Gewerbegebiet eine Ansammlung von Märkten jeder Art vor, so dass wir alles bekommen, was wir suchen. Auf dem Rückweg zur Brücke halten wir an einer Tankstelle, die in einer Zeitnische gelandet zu sein scheint. Zwei uralte Zapfsäulen auf dem Bürgersteig. Hier tankt man mit Bedienung. Eine ältere Frau kommt herbei und besteht darauf, unsere Benzinflaschen zu füllen, nimmt das Geld dafür in Empfang und bringt uns 3 Cent Wechselgeld zurück.

Gut versorgt, überqueren wir die erste Brücke noch einmal. Der Radweg geht auf der Insel weiter. Vorbei an idyllischen Häusern und Gehöften in üppigen Gärten. Und am Lenin-Cafe. Es hat geschlossen. Lenin ist nicht da. Schade. Im Bikeline steht, es sei Kult, hier einzukehren. Immer schön gegen den Wind fahren wir bis zum Ende der Insel, wo wir über eine Brücke an das linke Ufer zurückkehren. Über dem Ufer thront hier Montjean-sur-Loire. Wir lassen es links liegen und fahren weiter.

Nun geht es einen Straßendamm entlang mit schönem Überblick über die Loire. Der Gegenwind frischt immer weiter auf. Jeder Meter muss erkämpft werden. 13 km bis zum nächsten Ort. Wir sind also froh über die Abwechslung als wir in Saint-Florent-le-Vieil ankommen. Ein hübscher Ort. Das große Restaurant hat geschlossen. Wir setzen uns dort auf eine Bank und frühstücken. Eine große Kirche thront über dem Ort. Eine dekorative Hängebrücke führt über die Loire. Und unten, an einem Anleger, liegt ein Boot für Ausflugsfahrten.

Der Radweg führt ein Stück am Ufer entlang, streift kurz die Straße und führt schließlich durch eine weite Aue. Ein Jakobsweg ist hier auch unterwegs. Wir treffen einige schwer bepackte Pilger. Der Weg zickzackt fröhlich und ist alles andere als gut ausgeschildert. Dazu kommen einige Baustellen, deren Umleitungen nicht gekennzeichnet sind. Es dauert also nicht lange, bis wir uns verfahren haben. Wir handeln uns einige zusätzliche Kilometer ein und sind entsprechend froh, als wir endlich wieder auf dem richtigen Weg sind.

Bei La Rabotière folgen wir also nicht dem Loire-Radweg auf seiner weiten, schottrigen Tour durch das Hinterland, sondern nehmen geradeaus die direkte Straße, die kurz vor der Brücke nach Ancenis wieder auf den Radweg trifft. Wir müssen die Brücke nehmen. Sie ist schmal und stark befahren, wie ihre Vorgängerin in Chalonnes. Der starke Wind kommt im Brückenbereich von der Seite. Das macht Spaß. Ich kann mein Rad kaum in der Spur halten. Bei Gegenverkehr bleiben die Autos hinter mir. Fehlt er, drängeln sie sich vorbei. Ich bin heilfroh, als ich am anderen Ufer ankomme.

Zeit für eine Pause. Wir fahren vom Flussufer hoch in die Stadt, sehen uns die Altstadt an, froh mal etwas im windgeschützten Bereich unterwegs zu sein, kaufen uns Kuchen in einer Bäckerei und setzen uns auf eine Bank mit Aussicht. Wir beratschlagen, wie wir weiter vorgehen wollen. Die eine unserer Thermarestmatten ist zwei Tage vorher delaminiert. Es geht schnell. Man kann sie wegen der entstandenen großen Beule nicht mehr nutzen. Schlafen auf dem Boden ist der Laune nicht förderlich. Und wie wir auf einer Werbetafel gesehen haben, gibt es in Saint-Géréon, einem Nachbarort, einen Decathlon. Wir beschließen, danach zu suchen und uns eine Billig-aber-immerhin-Matte zu kaufen.

Saint-Géréon ist schnell gefunden. Im Gewerbegebiet fragen wir uns durch. Und erwerben eine Matte. Richtung Loire zurück, unterqueren wir irgendwo die Bahn und sind wieder auf dem Weg. Es folgt eine neue Variante. Ein separater Radweg, erst befestigt, dann nicht mehr, immer die Bahn entlang. Mal auf gleicher Höhe, mal unten am Fluss, immer geradeaus.
Irgendwann geht es wieder unter der Bahn durch und in einem Bogen durch das Hinterland auf Oudon zu. Besonders rasant kommen wir bei dem Gegenwind nicht voran. Da wir bis kurz vor Nantes wollen, um die Strecke bis zum Atlantik in zwei Tagen zu schaffen, fallen Stadtbesichtigungen heute eher aus. Mit einer Schlaufe geht es also hoch zur Brücke – same prodecure as before – nur dass der Wind noch stärker geworden ist. Bitte nicht mehr soviele Brücken…..

Laut Bikeline geht es drüben steil hoch auf den Berg und genauso steil wieder runter. Tatsächlich ist die Ecke aber entschärft worden. Der Radweg führt unten durch einen Auenwald. Und da bleibt er auch. Es gibt nur geringfügige Steigungen in ein Dörfchen, bevor es durch eine weite Ebene geht, in der in großem Stil Gemüse angebaut wird. Teils, wird gepflanzt, teils geerntet. Und riesige Sprenger sind unterwegs. Sie verwandeln den Radweg in eine Schlammbahn und so richtig Lust auf Vollbad haben wir auch nicht. Dazu ist es nicht warm genug. Jedenfalls sieht es sehr appetitanregend aus.

Am Wegesrand liegt ein großes Zelt- und Hüttenlager. Die Wanderarbeiter, die hier tätig sind. Es sieht ziemlich wild aus. Ein Stück noch die Loire entlang und über die nächste Brücke. Eine Zitterpartie, aber die letzte heute. Weiter geht es nun auf einem gut ausgebauten Radweg direkt am Ufer. Nantes ist nicht mehr weit. Wir zählen die Kilometer, um den Campingplatz von La Sainte-Luce nicht zu verpassen, da wir durch einen Wald am Ort vorbeifahren. Und schon sehen wir ein Schild. Eingang für Radfahrer, direkt vom Loire-Radweg aus.

Wir schieben unsere Räder auf das Gelände. Neben der Rezeption ist ein kleines Bistro. Eine junge Frau heißt uns herzlich willkommen und trägt uns ein. Für Radfahrer entfällt die Kurtaxe. Dazu gibt es einen Willkommens-Cocktail. Sie bringt uns zu einem heckengesäumten Stellplatz mit Tisch und Bank. In der Reihe gibt es noch mehr davon. Ein englisches, ein französisches Ehepaar und ein deutscher Alleinradler haben ihre Zelte schon aufgebaut. Es gibt beheizte Sanitärräume und ein großes Aufenthaltszelt mit allerhand Ausstattung.

Das Zelt ist schnell aufgebaut. Wir gehen duschen, trinken unseren Cocktail und holen unsere Zutaten für das abendliche Kochen im Gemeinschaftszelt. Die anderen sitzen schon dort. Wir kommen schnell ins Gespräch. Die anderen sind alle in der Gegenrichtung unterwegs. Schön, endlich aus dem Wind zu sein.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 26.09.16 08:22

30.5.2015
Wir verlassen diesen gemütlichen und gastfreundlichen Platz ungern. Wäre eine nette Ecke für einen Ruhetag. Und wir sind seit Aachen unermüdlich unterwegs. Aber eigentlich möchten wir den Ruhetag doch lieber am Atlantik genießen. Insofern packen wir zügig und machen uns auf die Socken. Die anderen sind bereits auf und davon.

Wenig später kommen wir nach Nantes. Laut Bikeline müssen wir hier lebensgefährliche Kreisverkehre umschiffen. Wir können uns eigentlich nicht so recht vorstellen, dass wir Großstädter im Nanter Verkehr das Fürchten lernen. Und tatsächlich ist das auch nicht so. Der Radweg ist gut ausgeschildert, führt Radwege entlang und überquert breitere Straßen grundsätzlich beampelt. Gut sieht sie aus, die Stadt, von der Loire aus. Es gibt etliche eindrucksvolle moderne Bauten und wir biegen natürlich auch Richtung Innenstadt ab.

Die Kathedrale können wir natürlich nicht links liegen lassen. Wir umrunden das Schloss und machen halt im Schlosshof. Danach bummeln wir durch die Fußgängerzone bis wir wieder zum Loire-Ufer kommen, wo ein großer Markt stattfindet. Unsere Räder schiebend, kommen wir hier kaum durch. An seinem Ende finden wir den Radweg wieder und folgen ihm stadtauswärts. Nach kurzer Zeit folgen wir der für Fahrräder freigegebenen Busspur. Das lässt sich gut fahren, aber schön ist natürlich anders.

Kurz vor Unterquerung der Autobahn treffen wir auf einen Lidl, wo wir uns erst einmal mit Vorräten eindecken. Die Strecke wird jetzt ausgesprochen unidyllisch. Verfallene Wohnviertel und endloses Gewerbe wechseln sich ab. Dazu schlägt der Weg Haken, deren Sinn sich uns nicht wirklich erschließt. Irgendwann müssen wir mit der Fähre auf die andere Seite, wo wir bis zum Atlantik bleiben werden. Da sie uns am ersten Anleger vor der Nase wegfährt, nehmen wir die zweite. Dazu geht es noch einmal reichlich durch die Industrielandschaft. Und etliche stark befahrene Straßen entlang.

Die Überfahrt mit der Fähre ist nett. Mit uns zusammen sind noch mehrere Reiseradler unterwegs, genauso wie uns auch ständig welche entgegenkommen. Eine große Gruppe jung-sportlicher Rennradler setzt mit uns zusammen über. Sie sind mit reichlich Zacken unterwegs, kehren aber in jede Bar am Wegesrand ein, so dass sich das wieder ausgleicht und wir sie fast bis zum Meer immer wieder treffen.

In Le Pellerin geht es zunächst im Schwarm von der Fähre und einen schmalen Uferweg entlang, bis wir aus dem Ort herauskommen und nun einen Kanal entlang fahren. Erst auf der rechten, dann auf der linken Seite. Der Wind steht uns verlässlich entgegen. Und man kann den Radweg bis zum Horizont liegen sehen. Etwas unabwechslungsreich. Vorsichtig ausgedrückt. Ab und zu kommt von hinten ein E-Bike angerauscht, saust vorbei und verschwindet eine Stunde später in der Ferne.

Gefühlte Stunden später passieren wir La Roche, das größtenteils aus einem Campingplatz, einer Outdoorbasis und einer Touri-Info besteht. Die meisten Reisegenossen kehren hier ein. Wir wollen jetzt nur noch ankommen und fahren weiter. Schließlich erreichen wir die Durchgangsstraße und kurz darauf Paimboeuf und damit die Loire. Die Loire ist jetzt breiter geworden. Drüben liegt viel Industrie und es sind reichlich Schiffe unterwegs. Wir setzen uns auf eine der wenigen Bänke neben einen Angler, um ein paar Kekse zu essen. Es ist kalt und wir werden fast davon geblasen. So schwingen wir uns bald wieder auf unsere Räder.

Dem Radweg auf seinen weiten Umwegen zu folgen, fehlt uns jetzt die Geduld und wir nehmen den direkten Weg über die Straße. Die ist stark befahren, hat aber einen Seitenstreifen. Die Brücke über die Mündung sehen wir erst relativ spät. Wir kennen sie natürlich von Fotos. In Wirklichkeit ist sie so nur schwer zu fotografieren. Die Industrie dominiert sehr stark. Dort, wo die Brücke ansetzt, finden wir in der Mitte eines Kreisels eine Stele. Hier beginnt der EV 6. Und einige andere Fernwege laufen durch.

Am Strand von Saint-Brevin herrscht zwar kein Badebetrieb, aber es sind viele Menschen unterwegs. Erfreut atmen wir die Meeresbrise ein. Wir wollen hier weiter südwärts und uns einen schönen CP am Strand suchen, um später im Bogen wieder an die Loire zurückzukehren. Hierzu bieten sich die Vélodyssée oder der Vélocéan an. Zunächst einmal versuchen wir, so nahe wie möglich am Strand zu bleiben. Die Küste ist ziemlich durchgehend bebaut. Was als CP ausgeschildert ist, sind hier zumeist große Mobil-Home-Anlagen. Bald erreichen wir den Ort mit dem netten Namen Saint-Michel-Chef-Chef.

Unser Ziel für heute ist Préfailles. Ein kleiner und jetzt völlig verschlafener Badeort an der Pointe-Sainte-Gilda. Am Hafen gibt es einen CP, wo man uns aber nur entsetzt ansieht und meint, für Menschen wie uns habe man keinen Platz. Besonders einladend sieht es dort auch nicht aus. Und so landen wir auf dem Camping Eléovic. Er liegt auf einer Klippe über dem Meer, vom Ort aus Richtung Leuchtturm. Er ist mäßig belegt und komfortabel ausgestattet, inklusive Hallenbad und Restaurant. Wir bekommen einen Platz direkt am Zaun mit umfassendem Meeresblick und bauen unser Zelt auf. Der Wind pfeift und es sieht nach Regen aus. Wir hängen also gleich das Tarp zwischen die Bäume.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 26.09.16 16:45

31.5.2015
Es regnet in Strömen. Wir frühstücken unter dem Tarp. Eigentlich wollten wir unsere Wäsche waschen. Wir beschließen, noch zu warten, ob das Wetter besser wird. Also hängen wir uns unsere Regenklamotten über und laufen, die Strandpromenade entlang, Richtung Cap. Über dem aufgewühlten Meer sieht man ein wildes Wolkenpanorama. In der Ferne liegt die Insel Noirmoutier. Ein erfrischender Spaziergang. Bis wir am Leuchtturm sind, sind wir total durchnässt.

Dort gibt es etliche Fischrestaurants, die sehr einladend aussehen. Menschenmengen sitzen an den Tischen und essen. Leider ist nirgendwo ein Platz zu bekommen. So kehren wir auf einem anderen Weg heim. Unter unserem Tarp ist es ungemütlich. Der starke Wind verteilt den Regen gleichmäßig. Wir setzen uns ein Weilchen in den Aufenthaltsraum neben dem Restaurant und schlafen auf dem dortigen Sofa gleich ein.

Erfrischt wieder aufgewacht, kaufen wir uns Märkchen für Waschmaschine und Trockner, um unsere Wäsche salonfähig zu machen. Den Nachmittag verbringen wir im überdachten, geheizten Schwimmbecken. Und abends laufen wir Richtung Ort. Auch ein schöner Spaziergang, aber die Idee, dort einzukehren, müssen wir canceln. Der Ort liegt mit seinen hübschen Ferienhäuschen aus der Zeit, in der der Badetourismus begann, völlig verlassen. Und so gehen wir früh schlafen.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 27.09.16 06:55

1.6.2015

Das Wetter ist besser. Der Regen hat aufgehört. Der Wind bläst immer noch heftig vom Atlantik her. Heute wird er uns mehr oder weniger voran schieben. Zunächst folgen wir weiter der Küste. Einen direkten Weg dran entlang gibt es zwar nicht, aber immer wieder Ausblicke. Und ein paarmal folgen wir auch dem Abzweig zu einem Strand. Bald kommen wir in Pornic an, einem hübschen Badeörtchen. Hier tobt nun auch das Leben. Viele Menschen sind an den Stränden unterwegs.

Nach einem kurzen Blick auf das örtliche Schloss biegen wir am Hafen entlang Richtung Ortszentrum ab. Der Hafen liegt in einer Flussmündung. Es ist Ebbe. Schiffe und Boote liegen auf dem trocken gelaufenen Grund.

Da sich die bei Decathlon gekaufte Isomatte als völlig unzureichend erwiesen hat, würden wir sie gerne umtauschen, also wieder dort vorbei. Mit etwas Glück und Rückenwind könnten wir das heute schaffen. Nach einem Blick auf die Karte beschließen wir, uns von unserem Navi direkt nach Nantes lotsen zu lassen. Im Weg sind hierbei lediglich Wasserflächen und der breite Industriegürtel um Nantes. Das Gelände ist teilweise leicht hügelig, aber im wesentlichen eben.

Es ergibt sich eine nette Fahrt durch ziemlich verlassene landwirtschaftliche Gegenden und kleine Dörfchen. Nach nicht allzuviel Zeit kommen wir am Fähranleger in Le Pellerin an. Da uns die Fahrt auf der gegenüberliegenden Seite bis zum nächsten Fähranleger nicht besonders gefallen hat und auch, um etwas Abwechslung zu haben, folgen wir nun der Alternativroute auf dieser Seite. Die Strecke ist mal mehr mal weniger ausgeschildert, aber deutlich idyllischer als die Hauptstrecke. Der Straßenverkehr ist weit entfernt. Die Loire bald auch. Die Umgebung grün. Hoch und immer höher über das Tal hinaus geht es und irgendwann verlieren wir den Radweg. Als wir uns nun abwärts halten, kommen wir bald am Fähranleger an. Wir genießen die erneute Fähren-Ruhepause.

Am anderen Ufer kennen wir den Weg schon. Kombiniert mit starkem Rückenwind führt das dazu, dass wir sehr bald im Zentrum von Nantes sind. Die Innenstadt kennen wir schon. So beschließen wir, diesmal auf die Insel in der Loire zu fahren und uns dort die Machines de l’isle anzusehen. Es stellt sich raus, dass hier Montags Ruhetag ist, aber es gibt trotzdem genug zu sehen. Skurrile Bauten, nette Kneipen, allerhand geparkte Maschinen, Kunstwerke und Werkshallen, in denen an neuen Attraktionen gebaut wird. Dazu eine schöne Aussicht auf die Loire und die Innenstadt von Nantes.

Der berühmte große Elefant hat gerade Waschtag. Er wird abgekärchert und geputzt. So können wir ihn uns in Ruhe aus der Nähe ansehen. Faszinierend die großen Lederohren und vor allem die Hydraulik.

Irgendwann beschließen wir, weiterzufahren, um zu versuchen, noch vor Ladenschluss bei Decathlon vorbeizusehen. Zügig verlassen wir Nantes und nehmen bei fast schon extremem Rückenwind rasant Fahrt auf. Bald haben wir Mauve-sur-Loire erreicht, wo es zum ersten mal über die Brücke geht. Das ist bei diesem Wind endgültig nicht mehr lustig. Ich bin heilfroh, als ich lebendig drüben bin. Ab geht es durch die Gemüseebene. Auf dem Weg liegt allerhand mittel-beschädigtes Gemüse. Das Abendessen ist also gesichert.

Ein Katzensprung bis zur Brücke nach Oudon. Ich versuche es mal mit Schieben. Neben der Fahrbahn gibt es eine Art super-schmalen Bürgersteig. Mit dem Wind ist es so erträglicher. Aber leider fahren die Autos nun so dicht vorbei, dass ich sie vermutlich alle sauber gewischt habe. Auch keine gute Methode zur Brückenquerung. Auf der Gegenseite schieben auch mehrere Reiseradler.

Von Oudon aus geht es wieder die Bahn entlang. Auch das lässt sich zügig fahren und bald sind wir in Ancenis. Aus dieser Richtung kommend, sehen wir den Campingplatz, biegen aber aus, um zu Decathlon nach Saint-Géréon zu fahren. Auf den letzten Drücker kommen wir bei Decathlon an. Nachdem wir erklärt haben, nur schnell etwas umtauschen zu wollen, lassen sie uns zu meinem Erstaunen noch rein. Der Umtausch selber ist problemlos. Wir zahlen etwas zu und bekommen eine Isomatte, die der Thermarest-Neoair in Abmessungen und vor allem Dicke ähnelt. Nur ist sie wesentlich billiger. Und entsetzlich sperrig und schwer.

Der Campingplatz in Ancenis ist riesig. Eine große Jugendgruppe wird gerade in einem Zelt abgefüttert und bespaßt. Für uns hat man dadurch wenig Zeit. Auch hier gibt es einen Accueil à vèlo. Also eine abgegrenzte Fläche für Radler. Mit Tischen und Bänken, Wäscheständer und einem großen Aufenthaltszelt mit Mikrowelle, Kühlschrank, etc. Zwei Radler sind schon da, die aber anscheinend nicht zusammen gehören. Weder miteinander noch mit uns wechseln sie ein Wort. Wir sind froh, aus dem Wind zu kommen.

In Mobil-Homes in der Nähe sind noch mehrere Radlergruppen untergekommen, was man an den Rädern sieht, die an den Veranden lehnen. Duschen ist schwierig. Die Jugendgruppe ist dort angekommen und besetzt alles, was zu haben ist.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 28.09.16 08:50

2.6.2015

Auch heute weht der Wind stramm vom Atlantik her. Frühstück gibt es im Gemeinschaftszelt und beim Zusammenpacken tun meine Wäscheklammern gute Dienste. Alles, was nicht festgebunden ist, saust quer über den Platz davon. Wir sind guter Dinge. Der Westwind wird uns zügig zurück nach Angers bringen. Mit Isomatten sind wir jetzt wieder komfortabel ausgestattet. Wenn auch die neue eine halbe Fahrradtasche einnimmt und da auch nur reinpasst, wenn man sehr genau rollt. Und bald sind wir in Chalonnes, wo das Weltkulturerbe Loiretal beginnt. Weshalb wir eigentlich unterwegs sind.

Zunächst einmal geht es wieder über die Brücke. Der Seitenwind ist genauso heftig wie der Verkehr. Über die nächste will ich unbedingt schieben. Wieder kürzen wir den Radweg ab, indem wir geradeaus die viel kürzere und praktisch unbefahrene Straße nehmen. Dort, wo wir wieder auf den Radweg treffen, kommt eine Gruppe von drei Schweizer Ehepaaren den offiziellen Radweg entlang. Wir fahren zusammen weiter. Einen flotten Stil. Der Wind schiebt und wir spornen uns gegenseitig an. Bald sind wir in Saint-Florent-le-Vieil. Hier kehren die Schweizer zum Mehrgangmenü im Viele-Sterne-Restaurant ein. Für sie sind Restaurants und Hotels hier zu Spottpreisen erhältlich. Wir essen Baguette und Käse auf einer Bank am Flussufer und fahren bald weiter.

Nach Montjean-sur-Loire geht es jetzt die uns schon bekannte schnurgerade Straße auf dem Damm entlang. Dummerweise Richtung Nord-Ost. Der Westwind kommt jetzt von schräg hinten und ist eher unangenehm. Gegenüber von Ingrandes biegt die Loire Richtung Süd-Ost. Das ist windtechnisch auch nicht besser. Die meisten Radler kommen uns entgegen und finden den Wind überhaupt nicht komisch. Einige denken an Abbruch. Einige meinen, so etwas sollte auf einem Premium-Radweg eigentlich verboten sein.

Über die Basse-Ile fahren wir nach Chalonnes. Wieder am geschlossenen Cafe Lenin vorbei. Da uns gerade danach ist, setzen wir uns an einen der Gartentische, um kurz Pause zu machen. Das Cafe sieht aus, als hätte es für länger geschlossen. Am Ende der Insel noch kurz über die Brücke und schon kennen wir uns aus, fahren zu den Supermärkten und frequentieren auch wieder die Miniaturtankstelle. Als die Tankwartin drauf besteht, uns auf die überreichten 1,5 € auch noch herauszugeben, gehe ich ihr nach, um ihr den Weg zu verkürzen. Und siehe da: sie betreibt hinter der Zapfsäule eine kleine Kneipe.

Zurück über die erste Brücke folgen wir den Loire-Radweg-Wegweisern. Eine überflüssige Tat. Das andere Ende der Insel, das hier noch umrundet wird, ist ziemlich reizlos. Und zum Dank dürfen wir den reichlichen Rückenwind hier auch noch einmal von vorne genießen. Auf heftigem Kopfsteinpflaster.

Zügig über die beiden nächsten Brücken kommen wir auf die Dammstraße und sind bald wieder in La Possoniere, wo wir vor kurzem übernachtet haben. Direkt neben dem CP liegt der örtliche Hafen mit einem sehr hübschen Rastplatz, schöner Aussicht und im Moment geschlossenem, aber vielversprechend aussehenden Kiosk. Auch über den Berg nach Savenniere kommen wir fix und gönnen uns nun eine Besichtigung der romanischen Kirche dort, sowie ein Glas Wein auf dem idyllischen Kirchplatz, wo schon etliche Radler sitzen.
In Bouchemaine passieren wir den Abzweig ins Zentrum von Angers. Der Tag ist nicht mehr besonders jung. Und die Strecke hier auch nicht sehr einladend. Die große Stadt liegt zwar nicht an der Loire, aber irgendwie doch. Es gibt viel Verkehr, eine merkwürdige Wegführung und irgendwie ist der Rückenwind nicht mehr zuverlässig.

So quartieren wir uns auf dem Campingplatz in Pont-de-Cé ein. Er ist relativ belebt. Neben uns zelten zwei Radler, die sich heftig streiten und damit auch bis zu ihrer Abreise nicht mehr aufhören. Sie scheinen hier zu starten und kommen weder mit ihrem Zelt, noch mit ihrem Kocher, noch mit ihren Rädern zurecht. Irgendwie nervig.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 29.09.16 07:52

3.6.2015

Es nieselt zunächst noch ein wenig. Aber das Wetter soll heute gut werden. Rund um uns her werden Fahrräder fertig gemacht. Die Tagestourer sind schneller so weit. Die Reiseradler, die erst noch Zelt und Gepäck verstauen müssen, brauchen etwas länger. Überall ist man gut gelaunt. Dank Massenstart müssen wir nicht lange suchen, um wieder auf den Loire-Radweg zurückzukommen. Immer den anderen nach. Bald nachdem wir die Autobahn unterquert haben, treffen wir wieder auf die Loire und fahren auf dem Damm an ihrem Ufer entlang. So naturbelassen die Loire ist, so aufwändig ist sie eingedeicht.

Vor La Daguenière treffen wir auf eine stärker befahrene Straße, die uns auf dem Damm sozusagen ablöst. Der Radweg biegt ins Dorf ab und zickzackt anschließend, durch eine landwirtschaftlich genutzte Ebene, immer entferntest parallel zur Bahnlinie. Wir passieren einige Dörfer und diverse Gehöfte.

An der Bahn entlang erreichen wir Saint-Mathurin. In der Ortsmitte gibt es einen hübschen Platz mit Kirche und allerlei Läden. Wir versorgen uns in einer Bäckerei und setzen uns auf eine der Bänke. In einem Cafe ist eine deutsche Reisegruppe zu Rad eingekehrt. Wir klönen ein bißchen, machen uns aber bald auf in Richtung Loire und überqueren den Fluss auf einer Brücke. Der Wind ist heute erträglich. Aber – Überraschung – wir haben nun Ostwind.

Am anderen Ufer liegt Saint-Rémy-la-Varenne mit seiner Probstei. Wir besuchen zunächst die zugehörige romanische Kirche und machen dann einen Spaziergang auf dem Klostergelände. Viel ist nicht mehr zu sehen. Das Refektorium und das Wohnhaus des Priors, die von Bikeline angepriesen werden, können wegen Bauarbeiten nicht betreten werden.

Im Bogen bergab geht es zurück an die Loire. Am Ufer entlang fahren wir über Le Thoureil und Besse nach Gennes. Der Radweg verlässt das Ufer und führt steil nach oben. Wir fragen uns ein wenig, wo es hingeht. Vielleicht zu einem Aussichtspunkt? Aber oben angekommen, stehen wir vor einem Supermarkt. Sowas kann man natürlich auch immer gebrauchen. Aber baut man da extra einen Radweg hin? Laut Bikeline können wir jetzt über die Hügel weiterfahren, um dem starken Verkehr unten an der Uferstraße zu entkommen. Wir hatten dort gar keinen bemerkt. Da wir aber schon mal hier oben sind, versuchen wir es mal. Der Weg geht ordentlich auf und ab. Durch den Wald. Ohne jede Aussicht.

So nehmen wir bald einen Abzweig Richtung Loire. Unten auf der Straße ist überhaupt kein Verkehr. Dafür sind hier sehr schöne Dörfer. Romanische Kirchen. Schlösser. Alles aus dem gleichen Stein gebaut. So haben wir uns den Loire-Radweg vorgestellt. Hier bleiben wir.
Die Wolken haben sich längst verzogen. Es wird heiß. Richtig heiß. Wir nähern uns Saumur und verlieren gleich mal den Weg. In einem Gewerbegebiet winkt ein Decathlon. Da ist es kühl. Wir wandern ein bißchen zwischen den Regalen auf und ab. Und fragen schließlich nach dem Weg in die Stadt. In der Innenstadt ist es schattig und kühl. Das Schloss thront oben drüber. Da müssen wir nicht hin. Das kennen wir schon. Auch in der Pferde-Show waren wir vor einigen Jahren schon. Wir haben also keine Pflichten und bummeln ein bißchen herum.
Wir verlassen Saumur am Loire-Ufer entlang. Die Strecke ist eine Variante. Eigentlich führt der Weg oben durch die Weinberge. Wozu wir gerade keine Lust haben. Die Uferstraße ist hier tatsächlich stark befahren, hat aber einen Radweg. In Souzay-Champigny biegt der Weg aufwärts in den Ort ab. Auch darauf haben wir eigentlich keine Lust, aber einige andere Radfahrer überreden uns. Und es lohnt sich. Der Ort ist in den Felsen geschlagen. Hier wurde früher der Stein abgebaut, aus dem all die Häuser, Kirchen und Schlösser errichtet wurden. Nun führt der Radweg durch die Höhlen. Bald schieben wir. Soviel gibt es zu sehen.

Als wir die Höhlen verlassen, sind wir mal wieder oben in den Weinbergen gelandet. Besonders toll ist die Beschilderung hier auch nicht. Die Straße oben ist öde. Wir biegen wieder ab und landen nach einigen Versuchen unten auf der Uferstraße. Ab hier gibt es jetzt mal wieder eine Radweg-Variante direkt am Ufer entlang. Unbefestigt und nicht besonders toll zu befahren. Dafür sehr mückenreich.

Montsoreau ist ein hübscher quirliger Ort. Hier gibt es einen Campingplatz, diverse Läden und den Abzweig nach Fontevraud. Dort wollten wir eigentlich morgen hin. Heute ist es zu spät. Ein Schloss gibt es natürlich auch. Das gehört sich hier so. Da der CP direkt zwischen stark befahrener Straße und Schrottplatz liegt, beschließen wir, noch einen Ort weiter nach Candes-Saint-Martin zu fahren. An den Ort, wo der heilige Martin gestorben ist.

Candes-Saint-Martin ist ebenfalls sehr malerisch mit einer großen aber geschlossenen Kirche in der Mitte. Die Straße verengt sich hier so, dass wir einige Zeit brauchen, den Ort zu durchqueren. Hier liegt der Campingplatz an der Vienne, die hier in die Loire mündet. Es sind nur wenige Camper anwesend. Der Platz ist etwas verfallen. Aber zum Übernachten langt es……
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 30.09.16 09:05

4.6.2015

Auch heute ist wieder mit über 30 Grad zu rechnen. Wir möchten von hier aus als erstes einen Abstecher nach Fontevraud machen. Wir kennen die Abtei zwar schon, würden sie aber gerne noch einmal sehen. Wir verzichten darauf, nach Montsoreau zurückzufahren, um den von Bikeline vorgeschlagenen Weg für diesen Abstecher zu nehmen, sondern entscheiden uns für den direkten Weg über die Straße. Sobald wir die Loire verlassen geht es bergauf. Trotz der frühen Uhrzeit brennt die Sonne schon ganz nett. Ein Stück abwärts und schließlich wieder bergauf durch den Ort. Läden und Kneipen haben noch geschlossen. Reisebusse sind schon fleißig unterwegs. Wir gehören mit zu den ersten, die das Gelände betreten.

Die Abtei bildet den größten zusammenhängenden Kloster-Komplex Europas. 1100 gegründet war die Anlage lange Zeit Gefängnis. Wie zum Beispiel auch Clairvaux. Bis auf ein übersichtliches Museum hat man alle Erinnerungen an die Gefängnis-Zeit entfernt. Dadurch wirkt alles etwas steril. Frisch gereinigt. Wie ein Neubau. Kahl natürlich auch. Das trägt zur Monumentalität erheblich bei. In der Kirche befinden sich einige Gräber. Zum Beispiel das von Richard Löwenherz. Weshalb unsere Kinder hier vor Jahren stark beeindruckt waren. Aber auch das von Eleonore von Aquitanien. Neben der Kirche gibt es noch einige museal genutzte Räume am Kreuzgang und am Ende das Küchengebäude mit seinen unzähligen Schornsteinen.

Für den Rückweg fahren wir doch über Montsoreau. Das erspart uns die lange Steigung. Und so kommen wir auch noch einmal nach Candes-Saint-Martin. Die Kirche zum Gedächtnis des heiligen Martin ist jetzt geöffnet und innen schön kühl. Die Geschichte seines Todes lässt sich auf einer Tafel nachlesen. Sie war mir so in der Form nicht bekannt. Der Heilige ist tatsächlich hier gestorben. Er wurde später nach Tours überführt.

Ein Stück weiter überqueren wir die Vienne und biegen von der Straße, die weiter der Loire folgt ab, die Vienne entlang in Richtung Chinon. Hier geht es durch den Wald. Die Vienne rauscht. Es ist schattig und kühl. Sehr angenehm zu fahren. Bald biegen wir ab in Richtung Savigny-en-Veron, Dort müssen wir uns entscheiden, ob wir nach Chinon wollen. Da wir dort schon mehrfach waren, biegen wir ab, um wieder an die Loire zurückzukehren. Der Hakenschlag des Loire-Radwegs an dieser Stelle dient nach unserer Vermutung dazu, uns den Anblick des Kernkraftwerks am Ufer zu ersparen. Einen anderen Sinn können wir nicht entdecken.

In Avoine machen wir einen kurzen Stop an einem Supermarkt. In Le Néman biegen wir ab, um die Straße entlang zum Chateau d’Ussé zu fahren. Diese Strecke ist durchaus fordernd. Es geht ordentlich auf und ab. Und das bei der Hitze. Wir stellen fest, dass es Sommer geworden ist. Es ist nicht nur heiß. Die Landschaft ist nicht mehr grün, sondern gelb. Die Luft ist voller Insekten. Je später der Tag, desto mehr landen sie in Augen, Mund und Nase. Und ertrinken im Schweiß, der ständig die Haut bedeckt. In dieser Massivität haben wir das noch nicht erlebt. Abseits des Flussufers ist es etwas erträglicher.

Das Schloss von Ussé steht fotogen wie immer am Hang. Es ist in Privatbesitz, was sich speziell in gigantischen Eintrittspreisen niederschlägt. Wir haben schon auf früheren Reisen gelernt, dass die Schlösser meist von außen am schönsten sind. Innen gibt es diverse Räume. Ritterrüstungen. Man muss sie nicht alle gesehen haben. Wir sind also mit umfangreicheren Besichtigungen sparsam. Insofern kehren wir gegenüber im Cafe ein und gönnen uns etwas kaltes zu trinken.

Endspurt. Wir überqueren die Brücke vor dem Schloss in Richtung Loire und biegen an ihrem Ufer auf einen Dammweg ein. Mal direkt an der Loire, mal ein Stückchen weg, durch etliche Orte und Örtchen, sehr geradeaus geht es dahin. Der Weg zieht sich. Endlich biegen wir in Richtung Brücke nach Langeais ab. Dort wollen wir übernachten. Wir statten dem Schloss einen kurzen Besuch ab und suchen dann den Campingplatz auf, der neben einem Schwimmbad liegt, was uns gut gefällt. Aber leider – geschlossen.

Kommando zurück, aus der Stadt, über die Loire, zurück auf den Dammweg. Nach der Unterquerung der Autobahn treffen wir auf die Mündung des Cher. Der Loire-Radweg folgt ab hier dem Cher, der parallel zur Loire verläuft. Auch hier ein Dammweg. Vorbei am Schloss Villandry, das wir morgen besichtigen wollen bis nach Savonnières, wo der nächste CP liegt. Der Ort ist ganz nett. Wir kaufen uns noch frisches Baguette.

Der Campingplatz ist fast leer, ob wohl recht ordentlich ausgestattet. Wir bauen unser Zelt auf, gehen duschen und kochen uns was Nettes.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 01.10.16 10:11

5.6.2015

Heute geht es erst einmal zurück nach Villandry. Das dortige Schloss kennen wir noch nicht. Es ist berühmt für seine opulenten Gartenanlagen. Und wenn wir schon mal da sind, gucken wir uns das Schloss auch von innen an.

Es liegt direkt an der Straße, nicht weit von der Vienne. Schon jetzt, am frühen Morgen wimmelt es von Besuchern. Busse, Autos, Motorräder, eine endlose Reihe Fahrräder. Wir stehen eine Weile an, um Eintrittskarten zu erwerben und betreten dann als erstes die Gartenanlagen. Die Bewässerung arbeitet mit Hochdruck. Alles ist sattgrün. Zuerst einmal klettern wir hoch auf ein Plateau, um dort von einem Pavillon aus einen Überblick zu gewinnen. Es gibt Ziergärten, Gemüsegärten, Kräutergärten und einen Wassergarten. Alles penibel instand gehalten und barock. Also regelmäßig gestaltete Karrees. Besonders innovativ der barocke Gemüsegarten, wo bunte Bilder aus Rotkohl und Salat gepflanzt sind. Das habe ich so noch nicht gesehen. Der Garten ist groß und will erwandert werden. Fleißige Gärtner sind überall unterwegs.

Auf dem Flyer steht, dass alles streng ökologisch korrekt begärtnert wird. Das finde ich spannend. Wie geht man wohl mit dem Buchsbaum-Zünsler um? Oder ist er hier etwa noch nicht angekommen? Doch, ist er. Die Buchsbaum-Hecken, die all die Karrees umgeben, sehen schlimm aus. Man will sie gegen Ilex tauschen und hat das auch teilweise schon gemacht. Schade irgendwie. Aber gegen die Biester ist kein Kraut gewachsen.

Als wir genug Grün gesehen haben, gehen wir hinüber zum Schloss. Im 20. Jahrhundert wurde es praktisch komplett ab- und wieder aufgebaut. Ein vielversprechender junger Spanier, der eine Oligarchentochter aus den USA geheiratet hatte, kaufte 1906 das Schloss. Noch heute ist es in Privatbesitz. Die Innenräume, die besichtigt werden können, sind nett, aber nicht wirklich spektakulär. Es gibt die obligatorische Gemäldesammlung zu besichtigen und schöne Ausblicke auf die Gärten. Auch der junge Schlossherr tritt auf. Was man an den knicksenden dienstbaren Geistern erkennt. Außerdem ähnelt er dem Gemälde seines Ahnherren stark.

Über Savonnière geht es weiter Richtung Tours. Zunächst an der Stadt vorbei, immer der Vienne folgend. Nach Unterquerung einer Schnellstraße biegt der Radweg noch einmal weiter weg von der Loire ab. Wir umrunden einen Golfplatz, umrunden einen See, durchqueren einen Park und biegen schließen ab Richtung Zentrum. Der Radweg führt um den See herum zur Brücke über die Vienne. Hier liegen die Menschen im Gras. Im Schwimmbad ist Hochbetrieb. Sehr verlockend bei der Hitze.

Nachdem wir zwecks Orientierung in einem Cafe etwas Erfrischendes getrunken und den Stadtplan im Bikeline studiert haben, suchen wir zunächst die Altstadt auf. Hier ist es sehr touristisch. Aber die Fachwerkhäuser sind wunderschön. Dazwischen gibt es zahlreiche hübsche Einkehrmöglichkeiten. Aber man hält sich natürlich streng an die Essenszeiten. Und gerade ist keine. Also sind alle Restaurants geschlossen.

Am Rand der Altstadt besuchen wir Saint Martin. Die Kirche ist weder alt noch schön. Und überfüllt durch Dutzende Schulklassen. Am Eingang hängt das Poster mit der überall üblichen Warnung vor Taschendieben. Auf der Straße tummelt sich allerhand Volk, das wenig vertrauenerweckend aussieht. Wie gehen also getrennt in die Kirche, da wir unsere Räder nicht allein lassen wollen.

Wir hatten uns für diese Reise zwei gleichschließende Abus-Rahmenschlösser geschenkt. Verbunden mit einer Kette, mit der man sie sowohl zusammen als auch an irgendetwas anketten kann. Das eine der beiden Schlösser verabschiedete sich schon nach wenigen Tagen, so dass wir die Räder jetzt mit dem anderen zusammenketten müssen. Ohne Möglichkeit, mit der zweiten Kette beide zusammen an einem Lichtmast oder Ähnlichem zu befestigen. Irgendwie kriegen wir das im weiteren Verlauf der Reise dann doch hin. Alles eine Frage der Organisation. Wir machen es immer noch so. Auch nach einem halben Jahr ist Abus der Umtausch noch nicht gelungen.

Als ich die Kirche betrete, entscheiden sich die Menschenmengen spontan, sie zu verlassen. Es ist still und dämmrig. In der Krypta ist das Grab von St. Martin. Wenn er auch nicht mehr drinliegt – ein eindrucksvoller Platz, um an diesen Helden meiner Kindheit zu denken.
Zurück durch die Altstadt machen wir uns auf den Weg zur Kathedrale Saint-Gatien. Dort führt auch der Loire-Radweg vorbei, den wir hier wieder aufnehmen wollen. Zunächst besichtigen wir natürlich ausführlich die Kathedrale. Hier gemeinsam, da der Vorplatz sehr ruhig ist. Ein kleiner schattiger Park verlockt uns zu einer Rast. Genauso wie diverse andere Radfahrer und Wanderer. Hier führt der/ein Jakobsweg vorbei. Alle sehen ziemlich müde aus. Die Hitze fordert ihren Tribut. Kein Gedanke dran, dass hier Räder geklaut werden könnten. Die Solidargemeinschaft wacht.

Weiter geht es zur Brücke über die Loire. Der Radweg führt drüber und dort zunächst mit dicken Steigungspfeilen durch Weinberge, später weit weg von der Loire eine als stark befahren gekennzeichnete Autostraße entlang. Amboise, unser Ziel für heute, liegt auf derselben Seite wie Tours, direkt an der Loire. Dorthin führt eine Alternative. Also nehmen wir die.

Am Ufer führt eine unglaublich befahrene breite Straße entlang. Es gibt zwar einen Radweg, aber irgendwann biegen wir seitlich ab, weil es uns einfach zu laut und zu stickig ist. Laut Karte kommen wir quer durch die Stadt irgendwann auch nach Montlouis-sur-Loire. Und dabei sicherlich auch an einem passenden Supermarkt vorbei, um uns für den Abend einzudecken. Hier ist weniger Verkehr. Aber die Fahrt durch die vielen Vorstadtviertel ist ziemlich langweilig und zieht sich. Erst gegen Ende treffen wir auf Supermärkte. Beim Discounter sind gerade Flugtage. Oben am Himmel fliegen drei Formationsüberschallflugzeuge mit dem entsprechenden Lärm und blau-weiß-roten Kondenzstreifen. In der Ferne zieht ein Gewitter auf und grollt vor sich hin.

Schließlich kreuzen wir den alternativen Loire-Radweg und folgen ihm wieder. In einer Schlaufe geht es steil hoch zur Ortsmitte von Montlouis-sur-Loire. Unversehens schieben wir die schweren Räder eine steile Rampe hoch. Aber es lohnt sich. Oben finden wir ein hübsches Örtchen mit interessanter Kirche und einem eindrucksvollen Ausblick über das Loire-Tal. Und wo wir jetzt schon mal hier oben sind, führt der Weg weiter durch die Weinberge. Ohne Blick auf die Loire. Auf und ab über diverse Hügel. So richtig wissen wir jetzt die Landschaft nicht mehr zu würdigen. Wir sind müde. Es ist immer noch heiß. Die Insektenplage erreicht ein Rekordausmaß. Und das Gewitter kommt näher. Der uns entgegenstehende Ostwind frischt zu massiven Böen auf. Wir würden jetzt gerne in Amboise ankommen.

So verlassen wir die Hügel und nehmen entschlossen unten die Straße. Auf Amboise zu findet sich an ihrer Seite ein Radweg. Wir nehmen das Rennen auf. Wär doch gelacht, wenn wir nicht vor dem Gewitter unser Zelt aufgebaut bekommen. Der Radweg führt am Ufer entlang. Die Straße längst hoch über uns auf dem Damm. Amboise kommt in Sicht. Der Radweg führt nun über extremes Kopfsteinpflaster. Der Campingplatz liegt auf der Insel in der Loire. Wir müssen zunächst unter der Brücke durch, bis wir ein ganzes Stück dahinter eine Auffahrtsmöglichkeit finden. Die Brücke ist stark befahren und sehr eng. Böen kommen hier von der Seite. Wir nehmen den Fußweg. Es sind nur noch wenige Fußgänger unterwegs. Drüben finden wir Wegweiser und sofort darauf den Campingplatz.

Da stehen wir nun also in der Rezeption. Bedeckt mit Schweiß, Staub und unzähligen Fliegen. Die Rezeptionistin telefoniert. Sie erklärt der Besatzung eines Wohnmobils, dass sie nach 22 Uhr nicht mehr auf den Platz kommen. Zwanzig Minuten später tut sie das immer noch. Wir werden brummig. Aber irgendwann dürfen wir bezahlen und bekommen einen Platz zugeteilt. Hier ist auch die Zeltwiese durchnummeriert. Der Platz ist riesig. Und gut besucht.

Wir haben keine Lust, mutterseelenallein mitten auf einer Wiese, weit ab von den Sanitärgebäuden zu campen und ziehen um zwischen die anderen zeltenden Radler. Die haben das anscheinend schon genauso gemacht. Wir bauen unser Zelt neben einem netten niederländischen Paar auf. Und bis wir vom Duschen zurückkommen, ist das Gewitter Geschichte. Viel Regen hat es nicht gegeben. Wir kommen schnell mit unseren Nachbarn ins Gespräch. Sie sind mit dem Zug nach Nantes gefahren und wollen jetzt über den EV 6 und dann weiter den Rhein aufwärts zurück in die Niederlande fahren. Die anderen Radler sind so zahlreich, dass es nun nicht mehr möglich ist, mit jedem einen Schwatz zu halten.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 02.10.16 06:25

6.6.2015

Das Schloss von Amboise kennen wir schon. Wir erfreuen uns also an der Ansicht von außen über dem Fluss. Und beschließen, einen Spaziergang durch den Ort zu machen. Der Ort ist gut besucht. In den Cafes ist kein freier Stuhl zu finden. An der Schlossmauer ist eine Bühne aufgebaut für ein Blasmusik-Festival. Eine irische Kapelle marschiert gerade auf und beginnt zu spielen. Neben der Bühne macht ein Clown Riesen-Seifenblasen. Sommerbetrieb.

Wir gehen weiter durch nach Clos de Luce. Leonardos Wohnsitz in Amboise. Er kam hierher auf Einladung des französischen Königs, um für ihn Schlösser zu bauen. Im Gepäck hatte er u.a. das berühmte Gemälde von Mona Lisa. Das Gehöft liegt etwas außerhalb in einem großen Park. Im Hof ist ein Laden und ein Restaurant. Die Räumlichkeiten sind zu besichtigen. Die Ausstattung ist ziemlich prächtig. Das Gebäude übersichtlich. Im Keller ist eine Ausstellung von Modellen der Erfindungen Leonardos. Die Leonardo-Brücke. Ein Hubschrauber. Ein Raddampfer. Eine Flugmaschine. Die Umsetzung seiner Zeichnungen. Sehr interessant.

Im Park gibt es die Modelle noch einmal in groß. Ein netter Spaziergang, auf dem es immer wieder was zu sehen gibt. Man kann die Modelle auch ausprobieren. Jemand will gerade mit dem Hubschrauber abheben. Im Prinzip müsste der funktionieren. Aber der Antrieb mit Menschenkraft reicht nicht. Obwohl wir den Piloten zu Höchstleistungen anspornen. Ein vorbeikommender Ingenieur rechnet gleich mal nach und erklärt die Lage für aussichtslos.

Schließlich kehren wir zu unseren Rädern zurück, die wir an der Schlossmauer geparkt werden. Nr. 8, der insgesamt 14 Blaskapellen spielt inzwischen. Wir finden zwei freie Stühle in einem Cafe und hören ein Weilchen zu. Sommerferienstimmung kommt auf.

Da uns die Fahrt durch die Hügel gestern nicht so gefallen hat, nehmen wir die Brücken über die Loire und fahren hoch zur Straße, die ab hier auch nicht mehr als stark befahren markiert ist. Auch hier ist es hügelig, aber gut zu fahren. Der Verkehr ist übersichtlich. Die Loire nicht zu sehen. Auf der einen Seite liegen Felder, auf der anderen ist es eher waldig. Wir passieren Dorf um Dorf. Die Strecke zieht sich. Bei Onzain biegen wir ab Richtung Loire. Am Ufer verläuft eine stark befahrene Straße. Auch auf der Brücke ist viel Verkehr. Wir setzen uns erst einmal zu einem Picknick ans Flussufer. Wo wir nicht die einzigen sind. Die Straße stört zwar. Und das Ufer ist auch nicht idyllisch. Aber der Blick auf das Schloss von Chaumont-de-Loire ist schön.

Gleich nach Überqueren der Brücke geht es links ab, auf unbefestigtem Weg direkt an der Loire entlang bis zur Mündung des Beuron. Dort folgt der Radweg dem Nebenfluss nach Candé-sur-Beuron. Ein hübsches Städtchen. Hier treffen wir auf diverse Radler, die etwas desorientiert unterwegs sind und schließen uns dem an. Irgendwie klappt es mit der Ausschilderung nicht so richtig. Es geht an der Außenkante diverser Ortschaften entlang bis Chailles. Dort biegen wir ab Richtung Loire und treffen dort auf die Straße Richtung Blois. Der Verkehr ist heftig. Es gibt aber einen Radweg.

Direkt am Ufer fahren wir auf die Brücke zu, auf der eine Baustelle ist, wodurch der Verkehr schwer ins Stocken kommt. Es staubt maximal. Dazu all die Autos. Eine Sauerstoffmaske wäre jetzt nett. Außerdem sind wir froh, als wir heil drüben ankommen. Wir retten uns über eine Fußgängerampel und schieben unsere Räder in die lebendige Fußgängerzone in Richtung Schloss. Das Schloss liegt reichlich oben drüber. Und so ketten wir unsere Räder bald an eine Laterne, um zu Fuß weiterzugehen.

Im Schloss gibt es diverse Bereiche, die besichtigt werden können. Wir gucken uns einige davon an, verlieren aber bald die Lust. Es ist heiß. Und der Trubel ist uns zu viel. Wir sehnen uns ins Grüne zurück. Also wieder auf die Räder und rüber über die Brücke. Noch einmal nackter Horror. Drüben würde jetzt theoretisch ein Radweg am Ufer entlangführen. Da ist aber keiner. Wir fahren die Straße entlang, unter einer Hauptverkehrsstraße durch, finden am Kreisel wieder Wegweiser und irgendwie nach Vineuil. Dort kaufen wir ein. Und wollen weiter dem Loire-Radweg nach Chambord folgen.

Irgendwie klappt das nicht. Ort liegt direkt neben Ort. Aber auf den Nebenstrecken gibt es keine Ortsschilder, so dass wir nicht so recht wissen, wo wir sind. Bis wir auf das von Saint-Claude-de-Diray stoßen. Wir sind ziemlich weit weg von der Strecke. Also folgen wir jetzt den Auto-Wegweisern Richtung Chambord. Verkehr ist hier sowieso nicht. Weitere Schikanen des Radwegs, den wir in Huisseau wieder treffen, lassen wir aus. Das Tageslicht geht zur Neige. Und das will um diese Zeit was heißen. Es ist schon sehr spät.

Eine lange schnurgerade Straße führt durch den Wald zum Schloss. Und da steht es im Licht der untergehenden Sonne romantisch beleuchtet. Dran geklebt an das riesige Märchenschloss ist eine Art Zelt mit Bühne. Da findet gerade ein Kongress statt. Wir umrunden das Schloss auf diversen Wegen und genießen auch die riesige Parkanlage. Nachdem wir diverse Karten und Anschläge studiert haben, finden wir die richtige Schneise nach Muides-sur-Loire. Dort wollen wir unsere Zeltnachbarn wiedertreffen.

Es dämmert jetzt schnell. Wir treten kräftig in die Pedale und sind bald dort. Der Campingplatz liegt, wie eingezeichnet, direkt neben der Brücke, unten an der Loire. Es geht steil bergab durch einen riesigen Fliegenschwarm. Dicke Fliegenwolken hängen über dem Platz. Die Rezeption ist nicht mehr besetzt. Wir lassen uns neben unseren Bekannten nieder. Auch sonst verteilen sich diverse Radler-Quartiere auf der Wiese.
von: barbara-sb

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 03.10.16 14:46

Hallo Fricka,

so zwischendurch ein Gruß und ein bravo. Ich folge Dir mit großem Interesse und erlebe zum Teil auch die eigene Tour nach...

Alles Gute
Barbara
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 07.10.16 18:37

7.6.2015

Ein ruhiger Sonntagmorgen. Kein Frühstück. Im Ort gibt es keinerlei Laden, keine Kneipe. Man verweist uns auf Mer, den nächstgelegenen größeren Ort. Bisher hatten die Supermärkte am Sonntag vormittag geöffnet. Unterschiedlich lange. Also kein Problem. Wir machen uns auf den Weg nach Mer, überqueren die Loire. Am anderen Ufer biegt der Radweg nach rechts ab auf den Uferdamm. Geradeaus führt nur noch eine Autostraße mit Fahrradverbot. Wenn wir kurz vor dem Verhungern wären, würden wir das vielleicht ignorieren. Aber es ist noch früh. Wir fahren den Uferdamm entlang.

Der Blick auf die Loire ist schön. Die Landschaft weit und kaum besiedelt. Wir fahren schon seit einiger Zeit Richtung Nord-Osten. Von dort kommt der Wind. Ab Orleans geht es Richtung Süd-Osten. Das ist nicht mehr weit. In der Ferne taucht ein Kernkraftwerk auf. Das ist Saint-Laurent-des-Eaux. Bei Chinon sind wir an Avoine vorbei. Das ist das erste französische Kernkraftwerk überhaupt. Der Weg war dort so geführt, dass man es praktisch nicht sah. Das ist hier nicht so. Wir fahren lange drauf zu. Es liegt auf einer Insel in der Loire. Der Radweg geht direkt gegenüber entlang. Wir halten uns in solcher Nähe nicht gerne auf. Die Franzosen lieben Kernkraft und picknicken hier bevorzugt.

Ab hier ist der Uferweg unbefestigt, aber gut fahrbar. Das Kernkraftwerk haben wir jetzt im Rücken, also wieder freien Blick auf die Natur. Eine schöne Etappe. Problem: Wir müssen einkaufen. Also biegen wir auf der Höhe von Tavers ab Richtung Ort, der hier nicht weit entfernt ist. Der Ort ist ganz nett. Aber wir biegen auf die Durchgangsstraße Richtung Süden ein, weil dort laut Reklameschildern mehrere Supermärkte liegen. Es ist weiter als gedacht. Und erheblich abwärts. Zusätzliche Höhenmeter an Hauptverkehrsstraßen schätzen wir eigentlich nicht so. Das riesige Einkaufszentrum ist im Bau. Oder Umbau. Jedenfalls geschlossen.

Wir machen kehrt. Fahren zurück nach Tavers. Durch Tavers durch. Keine weiteren Läden. Wir bleiben auf der stark befahrenen aber breiten Durchgangsstraße. Bis nach Avaray ist es nicht weit. Ein Supermarkt kommt in Sicht. Sonntags geschlossen. Oh. Die Zeit schreitet voran. Wir treten in die Pedale. Da muss doch noch was kommen. Beaugency. Wir fahren kurz am Schloss vorbei. Hübsch. Aber alles hat geschlossen. Sogar die Bäcker. Weiter. Durch mehrere kleinere Orte ohne Infrastruktur kommen wir irgendwann nach Meung-sur-Loire. Es ist jetzt fast 12 Uhr. Wir fahren am Abzweig Richtung Ortskern und Brücke, über die der Radweg ans andere Ufer führt, vorbei. Und siehe da: Ein Colruyt. Die Kette kennen wir noch nicht. Ein Discounter aus Belgien. Geöffnet.

Der Laden ist wirklich basic. Und stark frequentiert. Es ist ein schlichter Schuppen. Kein Vergleich mit Aldi und Lidl, die es hier auch häufig gibt. Aber es gibt alles, was wir brauchen. Und unglaublich günstig. Wir staunen.

Nun haben wir wieder Ferien. Wir sehen uns Meung an. Das Schloss ist ein mittelalterlicher Festungsbau. Ein Bischofspalast von erheblicher Ausdehnung. Daneben ist Markt. Wir kaufen uns ein paar Spezialitäten zum Knabbern und lassen uns auf einer Bank vor der Kirche nieder. Die Kirche ist ebenfalls imposant. Wir statten ihr einen Besuch ab und machen uns wieder auf den Weg. Orléans lockt.

Wir überqueren die Loire und biegen drüben gleich wieder in einen Uferweg ein. Wir kommen flott voran und bald auf Orléans, dass auf der anderen Seite liegt, zu. Bald nach Unterquerung der Autobahn sehen wir die Pont de l’Europe, über die wir ins Stadtzentrum wollen. Eine todschicke nagelneue Brücke. Insofern natürlich auch mit bequemem Radweg. Drüben biegen wir auf die Uferpromenade ein. Die Innenstadt liegt jetzt links von uns.
An der neunbögigen historischen Brücke biegen wir Richtung Zentrum ab. Während Tours eher mit seinen hübschen Fachwerkhäusern besticht, ist die Bebauung von Orléans aus Stein. Es gibt etliche prächtige Straßen. Wir fahren ein bißchen herum bis wir auf die Kathedrale treffen. Auf dem Vorplatz ist es ähnlich ruhig wie auf dem in Tours. Wir setzen uns auf eine Brunnenkante und essen den Kuchen aus der Konditorei nebenan. Es ist so heiß, dass viele ihre Füße in das Wasser hängen lassen. In der Kathedrale ist es kühl. Sie ist mit großen Fahnen dekoriert.

Zurück auf der Ufer-Promenade folgen wir ihr noch ein Stück weiter, bis der Loire-Radweg nach links abbiegt, um über eine Schlaufe auf die kombinierte Auto-Bahnbrücke zu klettern. Eine breite Spur für Fahrräder gibt es dort auch. Am anderen Ecke der Brücke geht es abwärts und ans Flussufer zurück. Unbefestigt führt der Weg jetzt durch eine Freizeitzone. Gefühlt ist jeder aus der Umgebung, der laufen kann, hier in der Flussaue mit zahlreichen Seen, Kiosken, Kinderspielplätzen, Sandstränden und diversen Freizeitangeboten zu finden. Auch schiebend kommen wir kaum voran.

Ein paarmal sehen wir noch Wegweiser. Dann nicht mehr. Ist das hier wirklich der Loire-Radweg? Es geht über sandige Hügel. Teilweise stark bergauf und bergab. Durch eine unübersehbare Menschenmenge. Wahrscheinlich sollte man sich hier Sonntags nachmittags eher nicht mit Rädern durchquälen. Irgendwann müsste der Radweg rechtwinklig abbiegen. Und siehe da, er tut es. Und wird wieder zu einem erkennbaren Weg. Mit den bekannten Radweg-Schildern. Wir sind immer noch richtig.

Bald fahren wir auf einen hohen Damm. Die Strecke ist wieder asphaltiert. Wir haben einen weiten Blick in die Landschaft. Auch hier tummeln sich auf den Sandbänken der Loire diverse Menschen. Es wird auch wieder geangelt. Gelegentlich sind am landseitigen Fuß des Deiches Parkplätze. In ihrem Umfeld sind dann wieder viele Fußgänger unterwegs. Es geht jetzt nach Süd-Osten. Der Wind hat passend dazu gedreht, um wieder frontal auf uns zuzukommen. Und er hat ordentlich aufgefrischt. Der Tag ist weit fortgeschritten. Eigentlich würden wir jetzt in Jargeau übernachten wollen. Aber ebenso eigentlich haben wir uns mit unseren neuen Reisegenossen in Chateauneuf-sur-Loire verabredet. Also einen Ort weiter. Was hier knapp 10 km bedeutet.

Der Campingplatz sieht wenig verlockend aus. Der Ort auch nicht. Also entscheiden wir uns zur Weiterfahrt. Irgendwann kommen wir erleichtert in Chateauneuf an. Der Campingplatz liegt noch vor der Brücke in den Ort. Auch dieser Platz ist ziemlich groß. Die Nutzer reisen gerade überwiegend ab und haben hier wohl ihr Wochenende verbracht. Einchecken kann man nicht mehr. Die Chefin verweist auf morgen. Wir haben auch keine Lust mehr. Die Niederländer sind schon da. Wir sitzen noch ein wenig zusammen und tauschen uns über die Ereignisse des Tages aus.
von: Axurit

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 07.10.16 19:32

In Antwort auf: Fricka
Durch mehrere kleinere Orte ohne Infrastruktur kommen wir irgendwann nach Meung-sur-Loire. Es ist jetzt fast 12 Uhr. Wir fahren am Abzweig Richtung Ortskern und Brücke, über die der Radweg ans andere Ufer führt, vorbei. Und siehe da: Ein Colruyt. Die Kette kennen wir noch nicht. Ein Discounter aus Belgien. Geöffnet.
In Meung-sur-Loire sollte es doch Sonntag Vormittag einen Markt geben, zumindest war das so als Kommissar Maigret dort seinen Ruhestand verbracht hat und auch als ich zum letzten Mal dort war. Ist allerdings beides schon ein paar Jahre her.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 08.10.16 10:14

Bingo. Siehe oben.

Zitat:
Wir sehen uns Meung an. Das Schloss ist ein mittelalterlicher Festungsbau. Ein Bischofspalast von erheblicher Ausdehnung. Daneben ist Markt. Wir kaufen uns ein paar Spezialitäten zum Knabbern und lassen uns auf einer Bank vor der Kirche nieder.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 08.10.16 10:21

8.6.2015

Gleich morgens haben wir ein Problem. Wir wollen bezahlen. Das macht 16 €. Ein Kreditkartenzeichen an der Glastür. Aber, wie man uns mitteilt, erst ab 20 €. Wir wollen mit einem 20 €-Schein bezahlen. Nein, es muss passend sein, man hat kein Wechselgeld. Wir leider auch nicht. Dann wollen wir eben 20 € bezahlen. Am liebsten per Kreditkarte. Aber das ist nicht zulässig. Mehr Geld als nach Tarifliste kann man nicht angeben. Wir sollen in den Ort fahren und Geld abheben. Passendes mitbringen. Also wechseln. Klasse. Das ist ein erhebliches Stück Strecke. Und so unfreundliche „Wirte“ haben wir bislang auch noch nicht getroffen. Wir wollen wieder auf den Platz und jemanden suchen, der uns wechselt. Unsere Nachbarn sind zum Beispiel noch da. Nein, die Gäste dürfen nicht belästigt werden.
Also fahren wir zur Brücke zurück, über die Brücke, rauf in den Ort. Und warten, bis die ersten Geschäfte öffnen, damit uns jemand wechselt. Dann das ganze retour. Ein toller Start in den Morgen. Und das, wo wir jetzt auch bald am Ende der Weltkulturerbe-Tour angekommen sind. Ab dann ist es bestimmt nicht mehr so sehenswert wie bisher an der Loire. Die schon viel schmaler geworden ist.

Brummig geht es los. Aber nur bis in den Nachbarort Germigny-des-Prés. Dort steht eine kleine karolingische Kirche. Wir sind immer wieder begeistert von all den romanischen Kirchen hier und können keine auslassen. Aber karolingisch ist noch einmal älter. Sowas trifft man wirklich selten. Sogar die Öffnungszeiten passen. Als wir dort ankommen, fährt gerade ein Reisebus ab. Wir kreuzen noch kurz die deutsche Busladung. Und schon sind wir allein auf dem Gelände. Die kleine Kirche ist wunderschön mit ihren Alabaster-Fensterchen. Es gibt auch reichlich Info-Tafeln, wo man sich informieren kann, was an der Kirche noch Original ist und was eher der Phantasie der Restauratoren entsprungen ist.

Wir folgen also weiter dieser Binnenlands-Alternative des Loire-Radwegs direkt nach Saint-Benoit-sur-Loire. Hier steht die Abbaye de Fleury. Eine noch existierende Benediktiner-Abtei mit dem Grab des Heiligen Benedikt himself. Wie kommt der denn hier her? War der nicht Italiener? Ja. Aber nach seinem Tode wurde er hierher überführt. Die romanische Basilika ist groß und eindrucksvoll. Die Insassen des deutschen Reisesbusses nehmen im Inneren gerade an einer Führung teil. Wir begrüßen uns nun schon als alte Bekannte.

Wir folgen der Straße weiter bis Les Places, wo wir wieder auf die Loire samt zugehörigem Radweg treffen. Und bald darauf erreichen wir Sully-sur-Loire, wo das Weltkulturerbe endet. Ein niedliches Märchenschloss. Sehr hübsch anzusehen. Der Reisebus ist auch schon wieder da. Wie wir kaufen sich die Leute der Reisegruppe ein Picknick, um im Schlossgarten zu Mittag zu essen. Sie fahren erstaunlicherweise Loire abwärts. Den nächsten Tag wollen sie von Blois aus eine Radtour unternehmen. Von unserer Reise sind sie natürlich ganz begeistert. Sie wollen hier in Sully übernachten. Wir natürlich nicht.

Zwischen Schlosspark und Loire durch geht es weiter am Ufer entlang. Die Loire ist übersichtlich geworden. Jetzt sieht man ab und zu Kanus. Flussabwärts unterwegs oder auf Sandbänken lagernd. Und natürlich die zugehörigen Verleihbetriebe. Es sind weniger Menschen unterwegs. Es wird wieder ländlich. Sehr erholend. Die Strecken zwischen den Orten werden länger.

Bei Saint-Gondon verlässt der Radweg das Flussufer, führt zunächst in den Ort und weiter landeinwärts bis Saint-Florent, von dort aus über Lion-en-Sullias wieder ans Ufer zurück. Ein weiter Umweg, auf dem nichts zu sehen ist. Wir schlagen mal wieder einen weiten Haken um ein Kernkraftwerk. Hier Dampierre-en-Burly. Dabei geht es auch noch über mehrere Anhöhen. Nicht sehr motivierend der Ausflug.

Kurz darauf breitet sich am anderen Ufer Gien aus. Mit der bekannten vielbogigen Brücke davor. Eine Postkartenansicht. Natürlich fahren wir auch rüber und sehen uns den Ort an. Gute Gelegenheit, mal irgendwo einzukehren. Für die Weiterfahrt müssen wir wieder weg vom Ufer und hoch über die Hügel. Am Ufer ist mal wieder eine Hauptverkehrsstraße. Die Orte sind ganz nett, aber nichts Besonderes und wir werden müde. Wir haben heute auch schon genug gesehen. Hier oben sind die romanischen Kirchen abgeschlossen.

So freuen wir uns, als es wieder abwärts nach Briare geht. Der Ort liegt auf der anderen Loire-Seite. Und über dem Fluss geht es diesmal auf einer Kanal-Brücke. Der Kanal ist schmal. Auf beiden Seiten sind Spaziergänger unterwegs. Die Brücke ist wirklich sehenswert. Drüben ist ein Hochhafen. Wenn man das so nennen will. Einen Campingplatz hat der Ort auch, aber wir wollen noch weiter.

Theoretisch würden wir jetzt schnurgeradeaus an einem Seitenkanal auf unbefestigtem Weg bis zum nächsten Ort fahren. Aber warum auch immer – verpassen wir den und landen auf einem stark überwachsenen Weg direkt an der Loire. Schönere Ausblicke kann man nicht mehr haben. Wenn auch die Mücken etwas stören. Außerdem können wir hier kaum fahren. Das ist eher ein MTB-Singletrail. Hoffentlich führt der überhaupt irgendwo hin. Ab und zu braust ein MTB vorbei und so wissen wir wenigstens, dass es hier auch nach Chatillon geht. Aber für uns nicht zu machen.

Sowas glauben wir natürlich grundsätzlich nicht und kämpfen uns weiter. Vor allem braucht man hier eine spezielle Technik, den 2 m hohen Brennnesseln ausweichen. Schließlich sind wir ärmellos und mit kurzen Hosen unterwegs. Irgendwann wird der Weg zweispurig und bald drauf landen wir auf üblem Kopfsteinpflaster in Sichtweite einer Brücke über die Loire, gesäumt von einem Campingplatz. Man grüßt uns etwas verblüfft. Wir grüßen freundlich zurück. Die Plackerei hat uns spektakuläre Fotos von diesem „typischen“ Abschnitt des berühmten Loire-Radwegs eingebraucht. Ein bißchen Off-Road muss ab und zu mal sein.

Wir fahren noch einen Ort weiter bis Bonny-sur-Loire. Im und um den Ort gibt es diverse Wegweiser zum Campingplatz. Die führen uns erst einmal hoch in den Ort, einmal drum herum und schließlich wieder an die Loire zurück, wo der Platz liegt. Verkehrsgünstig gelegen. Bahn und Hauptverkehrsstraße sorgen für die passende Geräuschkulisse. Wir suchen uns einen Platz, der hinter einem Lärmschutzwall liegt. Ein jüngeres Paar zeltet dort noch. Und mehrere Wohnmobile stehen im Kreis. Der Andrang ist überschaubar. In der Mitte ist ein großes Areal abgezäunt. Mit Bänken, Tischen, Wäscheleinen und Fahrradständern. Der Accueil Vélo. Da hätten wir theoretisch zelten sollen. Die sanitären Einrichtungen sind neu und ordentlich. Irgendwann kommt ein Gemeindeangestellter zum Kassieren vorbei.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 09.10.16 08:40

9.6.2015

Heute wollen wir ein ordentliches Stück vorankommen. Sehenswürdigkeiten kündigen sich nicht so an. Wir überqueren mal wieder die Loire. Am Ufer entlang geht es auf das nächste Kernkraftwerk zu. Erst auf befestigtem Weg, dann auf ziemlich schlecht befahrbarem. Ein Stück vor dem Kraftwerk biegen wir Richtung Belleville ab. Neben der Durchgangsstraße geht es sehr hübsch den Kanal entlang. Das erinnert uns an den Beginn unserer Reise. Auch auf diesem Kanal tuckern Urlauber-Schiffchen vor sich hin.

An der nächsten Kreuzung biegt der Radweg wieder ab Richtung KKW, um Kurs auf das dortige Informationszentrum zu nehmen. Darauf haben wir wenig Lust und beschließen, weiter der Straße und dem Kanal zu folgen. Das ist mal ein bißchen Abwechslung. Die Loire fließt jetzt nach Süden. Bzw. kommt uns aus dem Süden entgegen. Folgerichtig haben wir heute auch Südwind. Wie Passanten uns erklären, ein Wind, den es hier eigentlich nie gibt. Wir sind darauf mental schon irgendwie vorbereitet.

Die Straße entlang kommen wir zügig voran. Ab und zu gibt es nette Ausblicke auf den Kanal. Bald durchqueren wir Léré. Und bei Bannay treffen wir wieder auf den Radweg, der nun auch der Straße folgt. Langsam wird uns die Straße langweilig und so biegen wir Richtung Saint-Satur und Sancerre ab. Dazu geht es ordentlich bergauf. Der Doppelort sieht aber recht vielversprechend aus. Die Straße ist so schmal, dass es alternierenden Verkehr gibt. Das ist für uns immer relativ schwierig, da wir dabei die Autos aufhalten und es häufig in der Grünphase nicht schaffen, die Engstelle zu passieren. Aber diesmal erreichen wir heil und gesund die Kirche in der Ortsmitte. Nachdem wir sie uns angesehen haben, beschließen wir, doch wieder Richtung Loire zu fahren. Der starke Verkehr hier macht keinen Spaß und kostet Nerven. Also das ganze wieder rückwärts. Und runter geht natürlich immer schneller als rauf.

Der Radweg führt Richtung Saint-Thibault und biegt kurz vor der Brücke ab auf einen unbefestigten Dammweg. Nun geht es durch Felder mit viel Wasser im Blick. Neben der Loire gibt es Teiche und Seen. Sehr entspannend. Die meiste Zeit ist der Weg ganz gut zu fahren. Manchmal auch weniger. Wir legen Kilometer um Kilometer zurück. Orte gibt es nur in der Ferne. Irgendwann werden wir freudig begrüßt und sehen da ein Ehepaar mit zwei Fahrrädern und einem Anhänger – die kennen wir doch. Ja, die haben wir in Nantes getroffen. Sie sind vom Atlantik her aufgebrochen, wo sie wohnen und wollen auf dem EV 6 bis an den Rhein, dann weiter nach Hamburg. Wovor sie sich ein wenig fürchten, weil sie ausschließlich Französisch sprechen. Sie fuhren von Nantes aus nach Osten, wir nach Westen. Sie hatten also einige Tage Vorsprung. Jetzt haben wir sie wieder eingeholt. Sie sind gerade am Flicken. Und erzählen, dass das ihre Dauerbeschäftigung sei.

Wir fahren zusammen durch die weite Landschaft und klönen ein bißchen. Da vergeht die Zeit schneller. Und so überqueren wir gutgelaunt die Brücke über die Loire nach La Charité-sur-Loire. Auch dieser Ort sieht sehr hübsch aus, wie er da so am Ufer liegt. Drüben geht es in eine kurze Straße auf eine riesige Kirche zu, wo wir unsere Räder abstellen. Unsere Reisegenossen sind abgebogen, um Freunde zu besuchen. Wir setzen uns in ein Straßencafe. Das ist immer angenehm. Der Wind bläst ein bißchen ungemütlich.

Da sehen wir, wie 2 Ehepaare ihre Räder vor der Kirche zusammenketten. Das sind die Schweizer, die wir zwischen Nantes und Angers getroffen haben. Wir sind alle etwas überrascht über das Treffen. Die vier fahren mit äußerst sportlichen Rädern einen äußerst sportlichen Stil. Und dank des Wechselkurses können sie Frankreich sozusagen ohne weiteres aufkaufen und tun das auch. Es wird nur im besten Restaurant am Platze einkehrt und in möglichst hoch dekorierten Hotels abgestiegen. So auch hier: Wir setzen uns mit einem Baguette und etwas Käse auf eine Bank. Die anderen suchen das einzige Restaurant vor Ort auf, um sich zum Viergang-Menü zu setzen.

Wir besichtigen stattdessen die Kirche mit anhängendem Kloster. Von der Straße aus geht man durch ein riesiges Portal, das mal Eingang einer riesigen Kirche war. Heute geht in deren ruinösen Resten des gewaltigen Mittelschiffs der Ort weiter. Umflattert von Tauben, die es sinnvoll erscheinen lassen, einen Helm zu tragen. Der Kircheneingang in die immer noch sehr große Kirche ist weiter nach hinten gerückt. In der Kirche riecht es sehr feucht und muffig. An einigen Ecken stehen Baugerüste.

Hinter der Kirche steigt das Gelände stark an. Hier haben diverse Ausgrabungen stattgefunden. Im Moment klettert darauf eine Schulklasse herum. Eine weitere tobt im ehemaligen Kreuzgang. Von hier aus führt eine Tür in eine angrenzende Schule. Eine weitere bringt uns in das ehemalige Kloster. Wir finden ein umfangreiches Labyrinth. Viele Räume sind bereits instandgesetzt. Es gibt einen Gang mit Werkstätten und Läden, der allerdings etwas verlassen wirkt. Veranstaltungsräume in größerer Zahl. Auch verlassen. Und schließlich kommen wir wieder bei den Rädern vor der Kirche an.

Während wir zurück Richtung Brücke schieben, realisieren wir noch einmal (steht im Reiseführer), dass Charité das Zentrum des französischen Gebrauchtbüchermarktes ist. Jedes zweite Haus enthält ein Antiquariat. Zurück über die Brücke biegen wir gleich wieder auf einen unbefestigten Uferweg ein, um unser meditatives Radeln durch unendliches Grün wieder aufzunehmen. Den Blick auf die Loire mit ihren vielen Sandbänken, Inseln und Nebenarmen schätzen wir immer noch sehr. Wobei jetzt lange Strecken durch eine Sumpflandschaft oder einen Auenwald verlaufen, abseits vom Flussufer.

Irgendwann passieren wir Marseilles-lès-Aubigny und später liegt auf der anderen Flusseite Fourchamboul, wo es einen Campingplatz gibt und wir in den Vororten von Nevers angekommen sind. Für ein Nachtlager ist es aber noch viel zu früh. Und ins Zentrum von Nevers wollen wir auch nicht. Wir kennen es schon. Und es liegt weitab vom Radweg. Ab Nevers haben wir kein Bikeline mehr. Hier endet der Loire-Radweg, obwohl der EV 6 der Loire noch weiter folgt. Ab jetzt müssen wir unsere EV 6-Karten benutzen.

Wir verlassen jetzt das Loire-Ufer und wechseln auf den Treidelpfad des Canal Latéral de la Loire. Die Strecke fährt sich gut. Bald sind wir auf der Höhe von Cuffy und fahren weg vom Kanal zur Allier-Mündung in die Loire. Wir sehen von oben drauf herunter. Sehr eindrucksvoll. Beide Flüsse sind annähernd gleich breit. Hier oben gibt es eine Art EV 6-Denkmal. Und ab jetzt gibt es die gewohnte Loire-Radweg-Ausschilderung nicht mehr, sondern EV 6-Wegweiser. Mal mehr mal weniger.

Der Canal Latéral überquert den Allier auf einer Kanalbrücke. Wir gucken uns dort oben um und sehen zu, wie sich einige Schiffe hochschleusen lassen. Der Höhenunterschied ist beträchtlich. Wir hätten drüber schieben müssen, um weiterhin dem EV 6 zu folgen. Irgendwie haben wir das aber nicht verstanden und folgen der Straße. Schnell stellen wir fest, dass dies die Umgehungs-Schnellstraße um Nevers ist. Nicht wirklich etwas für uns und so nehmen wir die erste Ausfahrt und landen in Gimouille. Der Kanal, an dessen Ufer der EV 6 verläuft, hoch über unseren Köpfen. Irgendwo werden wir schon eine Auffahrt finden.

Erst einmal kurven wir im Ort herum. Dort begegnen wir an der interessanten, aber leider verschlossenen romanischen Kirche einer Gruppe deutscher Radler, die hier auf dem Bahnhof ihren Zug verlassen haben und nun bereits seit Stunden nach dem EV 6 suchen. Wir können ihnen helfen. Gerade sind wir an einem Wegweiser vorbeigekommen. Erleichtert machen sie sich in Richtung Atlantik auf.

Wir folgen nun weiter dem Kanal. Der Weg ist gut ausgebaut. Der Kanal mäandert als wäre er die Mosel persönlich. Hier sind viele Radfahrer aus Nevers unterwegs. Auch einige Wanderer mit Jakobsmuscheln am Rucksack. Wir unterqueren einige Brücken, auf denen das Leben tobt. Schließlich die Autobahn und ihre Zubringer. Irgendwann sind wir am Abzweig zum Campingplatz. Der lockt uns immer noch nicht. Wir fahren weiter.

Laut unserer Karte sollen wir hier den Kanal verlassen und zunächst einen kleinen Bogen bis Chevenon fahren. Danach nochmal dasselbe in größer über Saint-Parize-le-Chatel bis Fleury-sur-Loire. Das erinnert an den Moldau-Radweg. Steil hoch weg vom Flussufer, wieder runter, über die Brücke und das ganze von vorn. Erst einmal bis Chevenon. Dort ist ein Campingplatz eingezeichnet. Wir fragen die Radler in der Nähe, ob wir dorthin auch am Kanal entlang fahren können. Bis Chevenon auf jeden Fall. Steht auch auf einem Wegweiser. Danach kennen sie sich nicht mehr aus. Und die Einheimischen wissen auch nicht, ob es dort einen Campingplatz gibt.

Wir radeln also gemütlich am Kanal weiter. Es ist schattig. Ab und zu kommt eine Schleuse. Oder eine Brücke. Urlaubsboote fahren in beiden Richtungen. Etliche haben schon zur Übernachtung am Ufer angelegt. Das würden wir nun langsam eigentlich auch gerne. So sind wir froh, als wir an der Brücke nach Chevenon ankommen. Ein Boot legt dort gerade an. Der Ort liegt einiges höher und sieht nicht nach viel Infrastruktur aus. Einkaufen würden wir auch noch gerne. Schließlich finden wir den Dorfladen. Dort versichert man uns verbindlich, dass es den Campingplatz nicht mehr gibt. Wir müssen weiter bis Décive. Das ist noch ein ordentliches Stück. Immer am Kanal entlang immerhin.

Im Laden treffen wir einen jungen Franzosen. Er will ans Schwarze Meer. Mit komplett ladenneuer Edelausstattung. Wild campend. Er will sich jetzt bald ein Eckchen am Kanal suchen. Er macht sich Sorgen wegen des Donau-Radwegs. Ich möchte wissen, wovor genau und erwarte Geschichten von wilden Straßenhunden und ähnliches. Aber nein. Er hat Angst vor Bayern. Vor den Menschen, die kein Französisch sprechen. Und den entsetzlichen Gewittern dort.

Abwärts Richtung Kanal kommen uns die Leute aus dem Schiff entgegen, das unten angelegt hat. Sie suchen ein Restaurant. Wir biegen wieder auf den Radweg am Kanal ein und machen uns auf den Weg. Ein Stückchen weiter baut drüben am Ufer unsere neue Bekanntschaft ihr Zelt auf. Wir folgen weiter dem Kanal. Ich zähle die Schleusen und Brücken und versuche zu raten, wieviele davon es pro Kilometer gibt. Der Weg zieht sich. Es ist schon spät. Wir sind müde. Wir passieren Fleury und Avril-sur-Loire. Und irgendwann kommt Décize in Sicht. Wir verlassen den Kanal und radeln Richtung Zentrum, immer auf der Suche nach einem Camping-Schild. Wir müssen uns aber durchfragen. Jedenfalls existiert der Platz. Er ist groß und schön dämmrig wegen der vielen Bäume. Gras ist kaum zu finden.

Die Rezeption hat natürlich schon geschlossen. Daneben gibt es Gemeinschaftsräume und eine Küche. Hier sitzen viele Camper. Sie erklären uns, wir dürften nicht auf den Platz, ohne dass Madame uns genau angibt, wo wir hindürfen. Wo sie ist, weiß keiner. Wir schieben also unsere Räder am geschlossenen Schlagbaum vorbei. Und schon ruft sie uns zu ihrem MobilHome. Wir sollen uns irgendwo niederlassen und morgen vorbeikommen.

Wir zelten also „irgendwo“ und gehen duschen. Die Sanitäranlagen sind neu und überraschend komfortabel. An anderem – außer einem Abendessen – haben wir kein Interesse mehr.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 10.10.16 08:05

10.6.2015

Heute werden wir früher oder später bis Digoin kommen. Dort verlassen wir die Loire in nordöstlicher Richtung. Und folgen dem Canal Central. Zuerst einmal gibt es ein umfangreiches Treffen vor dem örtlichen Supermarkt. Alles versorgt sich für den Tag. Der Langstreckenradler in spe ist da. Die Schweizer. Und viele andere bekannte Gesichter. Da unsere Karte gestern so überhaupt nicht zur Wirklichkeit passte, vergleichen wir sie mit der der Schweizer. Und siehe da. Die haben eine neuere Auflage. Faszinierend. Ich übertrage die Veränderungen in unsere.

Bis Gilly-sur-Loire gibt es keinen Treidelpfad für den EV 6. Er folgt wieder dem Moldau-Prinzip. Zunächst führt er weit nach Norden, dann schlägt er Haken. Auf dem Campingplatz hat man uns empfohlen bis nach Gannay-sur-Loire die Straße zu nehmen. Das spart Kilometer und Steigung. Die Straße ist wenig befahren. Wir kommen schnell voran. Aber es ist langweilig. Bei Gannay biegen wir also ab, überqueren die schmalgewordene Loire, biegen wieder in den Radweg ein und fahren nach Cronat. Auch die Straße entlang, aber steil nach oben. Langweilig ist das nicht. Aber zu sehen gibt es eigentlich auch nichts. Oben angekommen, machen wir kurz Rast und beschließen, auch auf dieser Seite nicht den Radweg-Mäandern zu folgen, sondern der gerade geführten Straße.

Hier ist der Verkehr nicht ohne. Vor allem brummen viele Lastwagen an uns vorbei. Dazu verläuft die Straße nicht eben, sondern über einen Hügel nach dem anderen. Die Steigung ist beträchtlich. Von oben hat man dafür eine weite Aussicht in das bergige Land. Die Strecke bis Bourbon-Lancy müssen wir uns hart erarbeiten. Dort treffen wir wieder auf den Radweg, der jetzt auch die Straße entlangführt. Nun allerdings nicht mehr direkt auf der Fahrbahn, sondern etwas seitlich versetzt, wo es sich schon viel besser fährt.

Bei Gilly fahren wir wieder auf einen Treidelpfad am Canal Latéral de la Loire auf. Der wird uns bis Digoin bringen. Erholsam, so eben zu radeln. Das Leben auf dem Kanal sorgt für etwas Unterhaltung. Wir passieren Schleuse um Schleuse und kommen damit immer weiter nach oben. Bei vielen Brücken geht es jetzt nicht mehr unterdurch, sondern oben drüber. Damit wir in Form bleiben. Wir kommen relativ früh nach Digoin, machen aber Schluss für heute. Ein Horizont-füllendes Gewitter zieht auf. Wir biegen Richtung Stadt ab. Ein Angler zeigt uns den richtigen Weg und so kommen wir direkt auf den Campingplatz an der Loire zu.

Daneben liegt ein öffentliches Freibad. Und auch der Platz hat einen Pool. Viele Kanus türmen sich am Fluss. Es gibt hier eine Einsetzstelle. Vorne stehen etliche Autos, die dort wohl auf die Rückkehr ihrer Insassen, die mit Kanus unterwegs sind warten. Wir werden sehr freundlich empfangen. Für Radler gibt es einen Extra-Streifen direkt am Zaun zur Loire. Garten-Tische und –Stühle kann man sich dorthin mitnehmen. Und dort stehen schon viele Zelte mit Rädern daneben. Eine Großfamilie mit diversen Anhängern. Verschiedene französische Paare. Ein französischer Radler, der aus der Türkei kommt und auf dem Weg nach Hause ist. Der wildcampende Langstreckenradler, der das Wildcampen aufgegeben hat. Ein deutsches Paar, dem wir unterwegs schon öfter begegnet sind und noch einige andere. Sieht nach einem gemütlichen Klön-Abend aus. Dafür sind die sanitären Anlagen mal wieder sehr basic. Zum Schwimmen kommen wir nicht mehr. Das Gewitter treibt uns unter unser Tarp. Eine Weile sitzen wir noch im W-lan-versorgten Aufenthaltsraum.

11.6.2015 Donnerstag
Wir sind müde. Der Platz ist gemütlich. Wir könnten mal wieder waschen. Und der Pool wartet auch. Wir nehmen uns eine Auszeit und legen einen Ruhetag ein. Während wir uns ausruhen, läuft das Wetter zu großer Form auf. Die Gewitter legen kaum mal eine Pause ein. Die Zeiten der heißen Tage und der warmen Sommernächte sind erst einmal vorbei. Was auch seine angenehmen Seiten hat.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 11.10.16 08:35

12.6.2015

Nach einer kurzen Runde durch Digoin, verbunden mit den nötigen Einkäufen, haben wir schnell den EV 6 am Ufer des Canal du Centre gefunden. Zusammen mit dem Kanal werden wir die Wasserscheide zwischen Loire und Rhone überwinden. Also die zwischen Atlantik und Mittelmeer. Auch hier ist der Weg, den es auf unseren Karten gar nicht gibt, wieder gut ausgebaut und angenehm zu fahren. Wenn wir auch langsam schon etwas kanalisiert sind. 100 km pro Tag am Kanal entlang, zudem durchgängig auf der linken Seite, hinterlassen ihre Spuren. Obwohl der Weg so breit ist, dass er auch von Autos befahren wird, merke ich, dass ich zunehmend äußerst links fahre, um nicht in den Kanal zu fallen, was schlechterdings unmöglich ist. Die Routine Brücke-Schleuse in relativ regelmäßigen Abständen stellt sich schnell wieder ein. Seit wir „kanalisieren“ geht es aufwärts. Wir sind gespannt, wann wir die Passhöhe erreichen.

Zunächst einmal kommen wir nach Paray-le-Monial. Der Kanal führt wie immer mit Abstand am Ort vorbei. Einen Reiseführer für diese Ecke haben wir nicht dabei. Aber man sieht große Kirchtürme von weitem. Jedenfalls biegen wir ab Richtung Ortsmitte. Es lohnt sich. Hier gibt es ein Kloster, das dem Herz-Jesu-Kult geweiht ist. Einer der meist bepilgerten Wallfahrtsorte Frankreichs, von dem wir noch nie gehört haben.

Wir besuchen die zugehörige romanische, riesige Basilika und die Bauten drum herum. Es ist gerade eine größere Feier im Gange. Menschenmengen bevölkern Kirchen, Nebengebäude und Park, obwohl es inzwischen regnet. Im Park hinter der Basilika findet eine Open Air-Messe mit unglaublich vielen Menschen statt. Pilger lassen sich an der Pilgerunterkunft registrieren.

Auch die mittelalterliche Innenstadt mit diversen Türmen und Kapellen ist sehenswert. Dazu ein sehr schönes Renaissance-Rathaus. Nur auf eine Pause in einem der Straßencafes haben wir wegen des Regens keine Lust. Durch einen noch größeren Park auf der anderen Seite der Basilika verlassen wir Paray-le-Monial in Richtung Kanal wieder. In diesem Park hat Papst JPII mal eine Messe abgehalten. Allerhand Denkmäler erinnern daran. Der Hügel, auf dem der Altar stand, ist noch zu erkennen. Nach all dem Trubel tauchen wir gerne wieder in die Stille am Kanal ein.

Nun biegt der Kanal ab. Nach Digoin war es zunächst noch weiter Richtung Südosten gegangen. Ab jetzt werden wir bis an den Rhein in nordöstlicher Richtung unterwegs sein. Der Wind hat vorsorglich schon nach den heftigen Gewittern in diese Richtung gedreht, so dass wir ihn wie gewohnt von vorne haben. Hier endet der Treidelpfad-Radweg und wird stattdessen zur Straße. Folgerichtig ist er jetzt nur noch eine Variante des EV 6. Der Hauptweg schlauft seitwärts in die Hügel. Wir bleiben auf der Straße. Autos sind hier kaum unterwegs.

In Saint-Aubin-en-Charolais kreuzen wir den Radweg. Die zum Ort passenden Charolais-Rinder haben wir schon seit einiger Zeit grasen sehen. Wir sind seit einiger Zeit durch Burgund unterwegs. Der Kanal windet sich elegant zwischen den Hügeln aufwärts. Schleuse um Schleuse. Das hat was von Bahn-Radweg. Der Kanal steigt gleichmäßig, wodurch er immer mal wieder hoch über dem umliegenden Gelände unterwegs ist. Manchmal ist er auch eingeschnitten.

Seitlich in den Hügeln sehen wir das Chateau de Digoine. Der Radweg führt direkt daran vorbei. Wir biegen also vom Kanal ab und radeln aufwärts Richtung Schloss. Schließlich kommen wir durch eine Allee auf den Haupteingang zu. Davor ist Schluss. Das Schloss ist in Privatbesitz. Wir fahren weiter durch die Hügel nach Palinges. Es ist Mittag. Tiefe Ruhe liegt über dem hübschen Ort. Ein Markt wird gerade abgebaut. Wir nutzen die Gelegenheit, uns frisches Obst zu kaufen und rasten auf einer Bank.

Nach einigen Umwegen finden wir die Straße am Kanal wieder und nähern uns nun Montceau-les-Mines. Das dauert eine Weile. Die Stadt ist groß. So müssen wir zunächst endlos durch ärmliche Vororte und Industriegebiete bis wir uns der Innenstadt nähern. Immer am Kanal entlang. Hier gibt es Drehbrücken in geradezu holländischer Bauweise. Sehr hübsch. Aber das ist auch schon das einzige, was hier hübsch ist. Die Innenstadt mit ihrer Fußgängerzone gibt nicht viel her. Aber, zurück am Kanal, durchqueren wir ein Gewerbegebiet mit Supermärkten jeder Art.

Kaum sind wir beim großen A, bricht ein ordentlicher Wolkenbruch los. Wir machen es uns unter dem großen Eingangsvordach bequem und sehen den Leuten beim Nasswerden zu. Die Straße, den Kanal entlang ist jetzt deutlich stärker befahren. Eine Schnellstraße gibt es parallel in Hörweite. Von Schleuse zu Schleuse geht es bergauf. Der Kanal hält sich tapfer. Immer wieder schlauft er sich um die Hügel herum. Einmal führt uns der Weg kurz weg vom Kanal. Dann zwängen sich Radweg, Schnellstraße und Bahnstrecke mit dem Kanal durch eine enge Schlucht. Der Radweg oben drüber. Die Landschaft wird spektakulär. Wir strampeln stramm nach oben. Es geht wieder bergab. Eine Schleuse fliegt vorbei. Hoppla. Die war „andersrum“. Der Kanal ist über die Wasserscheide.

Bei Saint-Julien-sur-Dheune halten wir an einem Rastplatz. Picknick im Nieselregen ist etwas ungemütlich. Aber es gibt eine Hütte und eine spektakuläre Aussicht in Richtung abwärts. Schleuse an Schleuse führt der Kanal steil den Berg hinunter. Ein älterer Mann hat sich mit Rad und Reisegepäck auf die verkehrte Kanalseite verirrt. Wir winken ihn herüber. Sonst kommt er nicht durch die Engstelle. Er keucht. Ein Spanier. Kommt vom Schwarzen Meer und will jetzt nach Spanien zurück. Soweit wir das beurteilen können. Er spricht ausschließlich Spanisch.

Wir verzichten natürlich auf die Radstrecke durch die Hügel und sausen neben den Schleusen abwärts. Das ist doch mal ein Spaß. Die Schiffe, die sich da rauf oder runter schleusen lassen wollen, müssen wohl einiges an Zeit mitbringen. Ein mühsames Geschäft. Je weiter wir nach unten kommen, desto weniger spektakulär ist natürlich die Aussicht. Aber der Gedanke, jetzt bis zur Saone Gefälle zu haben, baut auf. Wir haben für heute wieder eine lange Strecke geplant.

Die Straße am Kanal entlang ist jetzt bis Saint-Léger-sur-Dheune sehr stark befahren und nicht besonders breit. In Kombi mit dem ausdauernden Nieselregen ist das nicht so richtig lustig. Wir sind bereits nass bis auf die Haut. Gut, dass es immer noch sommerwarm ist. In Saint-Léger gibt es anscheinend einiges an Tourismus. Wir kaufen uns frisches Baguette für den Abend. Nach dem Einstieg in den Radweg am Kanal, den es ab hier wieder gibt, müssen wir etwas suchen. Aber bald genießen wir die ruhige Fahrt durchs Grün. Auf der anderen Kanalseite führt die Straße entlang. Aber wir sehen sie meist nicht.

Wie immer ziehen sich jetzt die letzten Kilometer für heute. Speziell der Regen nervt. Dabei ist es landschaftlich schön. Die Dörfer sind hübsch. Burgund halt. Hier wird viel Rad gefahren. Die Tour de Bourgogne sieht interessant aus auf Schautafeln und Flyern. Bei Santenay ist der Abzweig der Variante über Beaune. Aber da wollen wir diesmal nicht hin. Wir planen in Chagny zu übernachten. Einen Ort vorher biegen wir vom Kanalweg ab, um auf der Straße in den Ort zu kommen. Häufig sind die Campingplätze vom Radweg aus nicht beschildert.

Nach einigem Rumkurven finden wir den Platz. Ein holländischer Platz. Voller Holländer. Einige englische Autokennzeichen sehen wir auch. Es wird gefeiert. Heute ist Freitag. Mit viel Mühe finden wir noch ein freies Eckchen. Ohne Tarp zum Draußensitzen geht es mal wieder nicht. Dafür sind die Sanitäranlagen ziemlich üppig. Weniger schön, dass die Nacht über extrem gefeiert wird. Das nimmt überhaupt kein Ende. Aber wir sind müde genug und schlafen irgendwann ein.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 12.10.16 08:44

13.6.2015

Morgens sind wir etwas gerädert. Immerhin hat der Regen erst einmal aufgehört. Und heute geht es weiter bergab. Dazu wechseln wir vom Kanal an die Saone. Und der Doubs kommt in Sicht. Nette Aussichten. Die Fahrt den Kanal entlang Richtung Chalon-sur-Saone ist angenehm. Es regnet nicht mehr, ist aber nicht heiß. Die Sonne scheint. Viele Menschen sind unterwegs, was sicher am Wochenende liegt. Es geht abwärts genug, um sehr zügig voranzukommen. Auf dem Kanal sind diverse Boote unterwegs, so dass für Unterhaltung gesorgt ist.

Sehr bald nähern wir uns also Chalon. Hier verlässt der EV 6 den Kanal, um irgendwann entlang der Saone weiterzuführen. Wir sehen einen letzten EV 6 –Wegweiser. Dann nichts mehr. Am Kanal standen ständig welche. Die Fahrt durch die Stadt sollen wir anscheinend allein hinkriegen. Wir versuchen zunächst so zu fahren, wie es auf der Karte abgebildet ist. Aber natürlich klappt das nicht so wirklich. Für eine Stadtdurchquerung passt der Maßstab nicht. Als nächstes versuchen wir, Richtung Innenstadt zu fahren. Da waren wir noch nie, obwohl wir schon oft an Chalon vorbeigefahren sind. Das gestaltet sich etwas anstrengend. Die Stadt liegt am Hang. Und die Straßen sind breit und stark befahren.
So kaufen wir uns erst einmal was zu essen und machen eine Pause in einem Park. Auf mehreren anderen Bänken sitzen Reiseradler mit ähnlichen Absichten. Ein echter Treffpunkt.

Und die Innenstadt ist jetzt gleich nebendran. Lebhaft, weiträumig, modern. Nichts besonderes. So brechen wir bald wieder auf und machen uns dran, die Saone zu suchen. Dafür benutzen wir vernünftigerweise unser Navi und routen den nächsten Ort am EV 6 an. Das ist kein Zauberwerk. Zuerst sehen wir die Saone unten im Tal liegen, dann tauchen wieder Wegweiser auf und bald geht es über eine grüne Wiese auf die Saone zu.

So ein Fluss ist eine nette Abwechslung vom Kanal. Im Unterschied zur Loire gibt es keine Sandbänke. Dafür sehr dekorative rote Peilstäbe für die Schifffahrt. Die Ufer sind tief grün. Es gibt hier keinen Deichweg. Man ist so ziemlich auf Höhe des Wasserspiegels unterwegs. Auf dem Weg zum Ufer stehen diverse Warnungen vor einem Befahren bei Hochwasser. Soviel geregnet hat es nun aber auch wieder nicht. Keine Gefahr.

Der Uferweg ist zunächst nur unbefestigte Variante, während die Hauptstrecke fern vom Ufer die Straße nimmt. Überwiegend sind die Wege aber gut befahrbar. Teilweise ist der Ausbau auch offensichtlich fortgeschritten. Auf der Karte unbefestigt dargestellte Abschnitte sind asphaltiert. Solche in Planung inzwischen fertiggestellt. In den meisten Orten sind Campingplätze eingezeichnet. Hier ist es offensichtlich wieder touristischer.

Bei Verdun-sur-le-Doubs mündet der Doubs in die Saone. Der Ort liegt malerisch dazwischen. Nach einer Runde durch den Ort, in dem es bedauerlicherweise keinen geöffneten Bäckerladen gibt, lassen wir uns auf einer Bank in der Sonne nieder und genießen die weite Aussicht über beide Flüsse. Zwei Bekannte, die wir seit Digoin immer mal wieder gesehen haben, gesellen sich zu uns. Allzuweit wollen wir alle heute nicht mehr. Es sitzt sich zu schön in der Sonne. Und wir sind weit vor unserem Zeitplan.

Der Radweg führt uns zunächst über Saunières an den Doubs, ein Stück daran entlang und wieder zurück nach Charnay-les-Chalon an der Saone. Der Abstand zwischen beiden Flüssen ist hier nicht groß. Die Saone entlang, die in der Sonne funkelt, kommen wir bald nach Seurre und beschließen, hier zu übernachten. Auf der Karte sind drei Campingplätze eingezeichnet. Einer davon existiert tatsächlich. Die Gegend ist wunderschön. Der Platz liegt direkt am Wasser. Aber er ist leider aus der Nähe ziemlich schmuddelig. Über einer Wohnwagenburg flattert die Fahne der Hells Angels. Mehrere Kampfhunde zerren an ihren Ketten, die lang genug sind, um den Weg praktisch unbegehbar zu machen.

Wir lassen uns, wie die anderen auch, weiter hinten nieder. Es ist viel Platz. Da ein Gewitter aufzieht, spannen wir unser Tarp auf. Neben dem Platz liegt ein aufwändiges Schwimmbad mit vielen Rutschen. Es ist geschlossen. Keine Ahnung, wann hier Saison ist.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 13.10.16 08:29

15.6.2015

Die Nacht über hat es geschüttet. Auch am Morgen prasselt der Regen noch auf das Zelt. Am Sanitärgebäude hängt der Wetterbericht: Heute starker Dauerregen. Wollen wir weiterfahren? Nein, eigentlich nicht. Der Platzwart öffnet eine leere Garage, um den Radlern das Kochen und Essen im Trockenen zu ermöglichen. In der Rezeption gibt es eine Sofaecke, Internet und eine Bibliothek. Wir sagen bescheid, dass wir einen Tag länger bleiben wollen. Eine Parzelle weiter. So dass wir unser Tarp vernünftig aufspannen können.

In der Garage treffen wir zwei junge Leute, die auf dem Weg ans Schwarze Meer sind. Und auch sonst gibt es allerhand auszutauschen. Viele Wohnmobile mit Rädern drauf stehen hier. Die Bewohner machen mit den Rädern Tagesaufflüge. Alles in allem ist es ganz gemütlich. Unser Zelt hat mit solchem Wetter kein Problem.

Am Nachmittag lässt der Regen nach. Alle machen sich auf die Socken. Wir auch. Richtung Besancon. Hinter dem Zaun des Campingplatzes fließt direkt der Doubs. Folgt man ihm abwärts, kommt man nach Besancon, ohne über den Berg zu müssen. Zunächst auf der Hauptverkehrsstraße noch bis zum nächsten Kreisel bergab – etwas heftig. Aber dann geht es geruhsam zu. Vor dem Tunnel biegen wir ab in die Stadt. Ohne Gepäck auf dem Rad fühlen wir uns wie Touristen. Die Stadt ist angenehm zu durchwandern. Es gibt etliche eindrucksvolle Gebäude. Und viele Cafes. In einem kehren wir ein. Das Ufer des Doubs ist neu gestaltet. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Stadt.

Und irgendwann ist es Zeit, heim zu fahren. Wir kaufen uns noch ein schönes Abendessen ein und kehren auf den Campingplatz zurück. Gut ausgeruht sitzen wir abends draußen, während die Nachbarn in ihren Wohnmobilen fernsehen. Laut Sanitärgebäude-Wettervorhersage soll es um 22.10 anfangen zu regnen. Und siehe da – das tut es. Auf die Minute genau und mit großer Vehemenz.
von: Juergen

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 13.10.16 08:44

............. ich blick gerade nicht durch.
Ihr seid nachmittags von Seurre nach Besancon und zurück gefahren? Das sind 180km.
Hab ich was verpeilt? weinend
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 13.10.16 13:09

Wir sind nachmittags vom Campingplatz in die Stadt gefahren. Und zurück.
von: Axurit

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 13.10.16 13:47

In Antwort auf: Fricka
Wir sind nachmittags vom Campingplatz in die Stadt gefahren. Und zurück.
Eben. Euer letzter Campingplatz war in Seurre zwinker. Im Bericht fehlt offenbar eine Etappe.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 13.10.16 13:57

Stimmt. Entschuldigung.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 13.10.16 14:07

Die fehlende Etappe:

14.6.2015

Da heute Sonntag ist, müssen wir vormittags einkaufen. Das ist jetzt eingeübt. Trotzdem fahren wir erst einmal los. Den Weg, der auf der Karte eingezeichnet ist über Lechatelet nach Pagny-la-Ville finden wir nicht. Am Saone-Ufer ist jedenfalls keiner. Wir entschließen uns also, den direkten Weg nach Pagny-le-Chateau zu nehmen. Besonders idyllisch ist der nicht. Aber wir sind schnell über die Autobahn, die hier gekreuzt werden muss und gleich darauf im Ort. Dort biegen wir nach links ab, um wieder auf den Radweg an der Saone zu treffen, was sich als lohnend herausstellt. Es gibt eine interessante Kirche und auch sonst ist das Dorf sehr hübsch. Jenseits der Saone liegt Pagny-la-Ville und der Radweg kommt genau dort über die Brücke, wo wir wieder auf das Flussufer treffen.

Bis Saint-Jean-de-Losne sind es jetzt 13 meditative Flusskilometer. Wir treffen zahlreiche Spaziergänger und Angler. Überall herrscht sonntägliches Treiben. Bei der Einfahrt in den Ort finden wir einen Colruyt und können unsere Einkäufe erledigen. Es ist recht warm. Im Ortszentrum findet ein Volksfest statt. Wir werfen nur einen kurzen Blick drauf und legen dann zügig das restliche Stück bis Saint-Symphorien-sur-Saone zurück. Hier zweigt der Canal du Rhone-au-Rhin ab. Mit einer Schleuse und einem großen Hinweisschild.

Wir überqueren den Kanal auf einer Brücke und biegen drüben auf den Treidelpfad ein. Die Strecke ist wieder perfekt ausgebaut. Bis wir die Departementsgrenze überschreiten. Ein großes Schild mit Jura l’inattendu. Was irgendwie auch stimmt. Mit dem Jura hatten wir nicht gerechnet. Aber mit so schlechtem Zustand des Radwegs auch nicht. Der Bootsverkehr ist stärker geworden. Deutsche, niederländische und belgische sind auch dabei. In den Schleusen ist reger Betrieb.

Bei Abergement-la-Ronce endet der Treidelpfad, so dass wir abbiegen müssen. Wir fahren einen Bogen über Damparis nach Tavaux. Es geht weg vom Kanal nur milde bergauf durch den Wald. Das Tal ist immer noch weit. Wir unterqueren die nächste Autobahn und erreichen bald darauf Dole. Das Tal ist hier deutlich enger. Der Ort türmt sich eindrucksvoll über dem Kanal auf. Das Panorama wird noch durch einen lebhaften Yachthafen verschönt. Wir beschränken uns drauf, uns Dole von hier unten aus anzusehen.

Weiter geht es am Kanal. Der Doubs verläuft jetzt parallel. Mal ist er mit dem Kanal identisch. Oder andersherum. Mal verlaufen sie getrennt. Auf der rechten Seite erheben sich bewaldete Berge. Links verläuft eine Nebenstraße und ein Stück weiter die Autobahn. Die Schleusen sind zum Teil außer Betrieb gesetzt. In diesen Becken baden diverse Menschen. Am Ufer ragen Felsen auf, die beklettert werden. Eine wunderschöne Landschaft. Kombiniert mit Sonntagsstimmung. Auch viele Radler sind in großen und kleinen Gruppen unterwegs.

Von der Planung her wollen wir in L’Isle-sur-le-Doubs übernachten. Dem letzten Campingplatz vor Mulhouse. Die halbe Strecke bis dahin wäre ein Stück vor Besancon. Der letzte eingezeichnete Platz vor Besancon bei Osselle. Da wir schon gelernt haben, dass die eingezeichneten Plätze nicht unbedingt existieren, stellen wir uns eine Übernachtung bei Dampierre vor. Zunächst einmal passieren wir den Platz bei Orchamps, direkt am Doubs-Ufer. Aber wir wollen noch weiter. Den bei Dampierre gibt es anscheinend nicht. Oder wir finden ihn nicht. Also Osselle. Inzwischen sind wir auch müde.

Bei Osselle liegt ein Freizeitpark an einem Seeufer. Alles ein bißchen vergammelt. Und von Menschenmassen überlaufen. Zelten darf man direkt am Strand. Es gibt Toiletten, die mit den Badenden geteilt werden müssen. Und eine Dusche mit Kaltwasser ohne Tür. Für diese Pracht sollen wir 18 € bezahlen. Faszinierend. Eigentlich haben wir dazu keine Lust. Und wir hätten auch gern eine schöne heiße Dusche. Es nieselt nämlich mal wieder seit einiger Zeit. Wir beschließen, diesem Nepp nicht Vorschub zu leisten. Unterstützt durch den Dreck rundum. Und schwingen uns wieder auf die Räder. Man ruft uns noch nach, das würde uns noch leid tun. Jetzt käme kein Campingplatz mehr.

Wir sind noch nicht weit gekommen, da zieht ein heftiges Gewitter auf. Es blitzt und donnert. An einem Flussbogen flüchten wir vor dem einsetzenden Wolkenbruch in einen Unterstand, um das Gröbste abzuwarten. Von da aus sehen wir zu, wie diverse Ausflügler das Tal entlang gerannt kommen, um neben uns in ihre Autos zu steigen. Erst einmal sind wir ganz entspannt. Aber bald fangen wir an zu frieren. Wir sind klatschnass. Da haben wir auch keine große Lust, trockene Sachen auszupacken und zu durchfeuchten. Das würden wir lieber im Trockenen tun. Es tropft immer stärker aus allen Richtungen. Der Regen wird schwächer. Er wechselt von Wolkenbruch auf starken Regen.

Wir haben im Grunde keine Alternative als schnellstens nach Besancon zu fahren. Es ist schon relativ spät. Also los. Nass sind wir sowieso. Und beim Radeln wird uns warm. Wir passieren einen kleinen Ort und kommen nach Thoraise. Immer noch den Kanal entlang. Vor uns türmt sich ein Berg auf. Oben drauf und drum herum liegt Thoraise. Unfreundlicherweise verschwindet der Kanal in einem Tunnel. Den Ausgang kann man nicht sehen. Neben dem Kanal bleibt ein Weg. Aber Schilder verbieten seine Benutzung. Sollen wir trotzdem? Lieber nicht.

Der Radweg turnt über den Berg. War also wohl nichts mit „schnell nach Besancon“. Aber was man raufklettert, kann man auch wieder runterfahren. Und bald sind wir an der Stelle, wo der Kanal den Tunnel wieder verlässt. Hier ist er so wirksam abgesperrt. Da wären wir nicht rausgekommen. Gut, dass wir das gar nicht erst versucht haben. Noch 17 km bis Besancon.

Viel kriegen wir von der Strecke, die sicher sehr schön ist, nicht mehr mit. Der Regen rauscht. Die Brille beschlägt. Das Wasser läuft in die Augen. Aber wir gehen davon aus, dass wir in Besancon leicht ein Hotelzimmer finden. Irgendwann türmt sich der Berg mit der Zitadelle vor uns auf. Wieder tunnelt der Kanal unter durch. Nur dass wir diesmal mittunneln dürfen. Während der Doubs in einem großen Bogen um die Innenstadt fließt. Wir biegen ab vom Kanal und kommen auf ein Schild Richtung Campingplatz zu. Gute Idee. Da brauchen wir nicht mühsam ein Hotel zu suchen.

Aber der Weg ist weit. Und es geht eigentlich nur bergauf. Immerhin ist uns nun warm. Neben uns verläuft die Straßenbahnstrecke. Und irgendwann kommen wir oben an. Nun geht es noch einmal auf einer Hauptverkehrsstraße rasant bergab und direkt in die Einfahrt von Hallenbad und Campingplatz. Bald steht unser Zelt mit dem Tarp davor. Man hat uns einen Platz zugeteilt, der ein sehr spitzwinkliges Dreiecke ist. Gegenüber zelten zwei junge Männer in Begleitung einer älteren Frau, die unermüdlich mit dem Auto kommt und wieder davon fährt. Erst essen die beiden noch friedlich. Dann schlagen sie brüllend aufeinander ein.

Die Bewohner der umliegenden „Gehöfte“ versuchen mäßigend einzugreifen. Ohne Erfolg. Es klingt, als dresche jemand auf einen Boxsack ein. Zwischendurch rollen sie am Boden herum. Als beide gemeinsam auf unser Zelt fallen, rufe ich ihnen zu, sie sollten das lassen. Naja. Irgendwann holt jemand den Platzverwalter. Bzw. will das tun. Der möchte aber lieber in seinem Büro bleiben. Er will eine Beschreibung der beiden. Das geht nicht so richtig. Die äußeren Merkmale, mit denen das leicht ginge, darf man nicht mehr benennen. Das ist in Frankreich offenbar genauso wie in Deutschland. Der gute Mann weiß aber offensichtlich sowieso, wen wir meinen und ruft die Polizei. Bald ist Ruhe.

Die Duschen erweisen sich als ausgesprochen komfortabel. Und bald liegen wir im Zelt und hören dem Rauschen des Regens zu.
von: Juergen

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 13.10.16 14:28

Jetzt blick ich durch. schmunzel
Kleiner Tipp: Seit letztem Herbst fährt ne Straßenbahn aus der Stadt bis zum Carrefour am CP. Da kannste dir den Buckel sparen. Wir sind übrigens am Doubs entlang zum CP geradelt schmunzel
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 13.10.16 15:36

Wir sind in die Stadt gefahren, weil wir ein Hotelzimmer suchten wollten. Dort stießen wir auf die Campingschilder. Die führten uns über den Berg. Da der Platz dann am Doubs lag, brauchten wir nicht besonders viel Kreativität, um gemütlich den Fluss entlang wieder in die Stadt zu fahren. Der Weg ist völlig problemlos.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 14.10.16 08:44

16.6.2015

Heute geht es nach L’Isle-sur-le-Doubs. Unweigerlich. Mal sehen, wen wir da so alles treffen, wenn das die Ultimative Etappe vor Mulhouse ist. Also wieder die Schnellstraße hinunter zum Kreisel, rechts ab und vor der Brücke wieder links. Schon sind wir auf dem Radweg. Ab und zu laufen Doubs und Kanal nebeneinander her. Meistens gibt es nur den Doubs. Es geht aufwärts. Der Doubs rauscht regelmäßig Wehre hinunter. Die Boote passieren die Schleusen.

Unsere Wohnmobil-Campingplatznachbarn wollten heute alle nach Baume-les-Dames. Und von dort aus mit dem Zug zurück. Wir treffen aber niemanden. Und Baume-les-Dames haben wir bald erreicht. Es liegt idyllisch in den Hügeln, so dass wir eine Runde durch den Ort drehen. Er gefällt uns allerdings von außen besser als von innen. Wir kaufen uns also ein nettes Picknick ein und machen uns auf die Suche nach einem Plätzchen für eine Mittagspause.

Es folgt die längste Strecken zwischen zwei Bänken, die wir auf dieser Tour hatten. Irgendwann glauben wir nicht mehr dran, noch eine anzutreffen. Als sich der Radweg vom Ufer entfernt, um uns auch einmal eine nette Aussicht über das Tal von oben zu ermöglichen, packen wir unsere Helinox-Stühle aus, um uns in der Sonne auszuruhen. Einige Spaziergänger kommen vorbei. Es herrscht friedliche Sommerstimmung.

In Clerval suchen wir mal wieder eine Tankstelle auf und beantworten nun schon routiniert die Fragen danach, wo denn der Motor an unseren Rädern sei. Beim Tanken passiert es. Der nächste Wolkenbruch rauscht runter. Dach haben wir genug über uns. Wir überlegen, solange irgendwo einzukehren, das Angebot ist aber nicht groß. Und alles hat geschlossen. Zu spät zum Mittag essen. Nichts zu machen. Das nimmt man hier ernst.

Als der Regen nicht aufhört, brechen wir irgendwann wieder auf, um möglichst zügig nach L’Isle-sur-le-Doubs zu kommen. Dem letzten Campingplatz vor Mulhouse. Landschaftlich ist es ohne Zweifel schön. Aber ohne Scheibenwischer an der Brille sieht man nicht viel. Einige Radler kommen uns entgegen. Besonders gut ist die Stimmung nicht. 17 km sind es noch.

L’Isle-sur-le-Doubs liegt im strömenden Regen. Mal wieder ein größerer Ort. Kanal und Fluss fließen durch. Ein malerischer Hafen ziert die Innenstadt. Und den Campingplatz haben wir schnell gefunden. Wir sind klatschnass. Der Regen hat keinen Moment nachgelassen. Wir mieten uns also unsportlicherweise ein Mobilhome. Wir drehen die Heizung auf, hängen unsere Sachen zum Trocknen auf, nehmen eine heiße Dusche, kochen uns was zu essen und genießen den Feierabend.
von: Deul

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 14.10.16 10:03

Beaume les Dames hat uns auch nicht gefallen. Ist viel zu Autolastig. Montbeliard war dagegen richtig schön.

Etwas abseits vom Doubs gibt es noch nen Campingplatz bei Altkirch.

Viele Grüße
Detlef
von: Juergen

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 14.10.16 12:38

In Antwort auf: Fricka
.Als der Regen nicht aufhört, brechen wir irgendwann wieder auf, um möglichst zügig nach L’Isle-sur-le-Doubs zu kommen. Dem letzten Campingplatz vor Mulhouse.
Für die nächste Planung hilft dir sicher der CP bei Montbeliard. Der Camping les grands Ansanges liegt traumhaft schön am Ufer des Doubs und hat riesengroße Duschen, Wamas und Trockner. Natürlich ist er auf den OSM Karten eingezeichnet.
von Ingo: Sonnenuntergang am CP
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 14.10.16 12:45

Isle sur le Doubs war in Ordnung. Lag direkt am Doubs. Was einem bei Regenwetter auch nicht viel bringt. Und die Etappe nach Mulhouse war in Ordnung. Alle, die wir unterwegs trafen waren fest davon überzeugt, dass es dazwischen keinen Platz gibt. Wobei das Unterteilen einer Tagesetappe auch niemand anstrebte. Am kompletten Eurovelo 6 gibt es ständig Campingplätze.
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 15.10.16 08:41

18.5.2015

Beim Frühstück stellen wir fest, dass wir sowohl noch Zeit als auch noch Lust auf eine Fortsetzung der Reise haben. Und am Samstag ist das Eröffnungsfest des 300. Karlsruher Stadtgeburtstag. Gute Idee. Wir kaufen Tickets über ebay. Ansonsten sind die schon vergriffen. Buchen ein Hostel-Zimmer in Schlossnähe in Karlsruhe. Und kontaktieren unsere dortigen Freunde. Wie sich rausstellt, wollen die nicht auf die Feier. Aber treffen könnten wir uns mal wieder.

Für die Weiterfahrt haben wir wenig Infos. Aber der Eurovelo 15 geht in die Richtung. Zusammen mit dem Radweg L’Alsace à vélo. Also dann wollen wir mal. Wie immer haben wir Schwierigkeiten, Mulhouse ordnungsgemäß zu verlassen. Wir folgen zunächst dem Kanal, an dem wir gekommen sind. Zusammen mit etlichen anderen Radlern. Irgendwann endet der Treidelpfad und wir müssen unsere Räder eine steile Böschung hinaufschieben. Oben landen wir auf einer Hauptverkehrsstraße. Brav halten die Autos an und winken uns rüber. Wir routen also das nächste Ziel an: Otmarsheim. Dorthin ist es nicht weit und vielleicht ist es mal möglich, die romanische Kirche dort zu besuchen? Wir waren schon mehrfach vergeblich dort.

Diesmal haben wir doppelt Glück. Die Kirche ist geöffnet. Drinnen regnet es nicht. Und nebenan gibt es dann auch noch ein Cafe. Den stärksten Regen warten wir hier ab. Unsere Radwege sind beide hier auch unterwegs und so machen wir uns auf den Weg nordwärts. Die Strecke ist relativ reizlos. Es geht Autostraßen entlang. Häufig durch Gewerbegebiete. Unsere Versuche, näher an den Rhein zu kommen, scheitern. Meistens nieselt es.
So freuen wir uns, als Neuf-Brisach in Sicht kommt. Die Festungsstadt. Ein Meisterwerk von Vauban und gut erhalten. Innerhalb der Festungsmauern liegt eine, ebenfalls von Vauban geplante, Idealstadt. In deren Mitte ein großer Exerzierplatz, den wir zu einer Pause nutzen. Eine geführte größere Radtour tut desgleichen.

Etwas weiter nördlich können wir uns mal wieder einem Kanal anschließen, der uns nach Straßburg führen wird. Zunächst einmal wird er von der Schifffahrt nicht mehr genutzt. Die Schleusen sind verlassen. Der Wasserlauf ist häufig durch umgefallene Bäume versperrt. Überhaupt sieht es ein bißchen so aus, als verlaufe der Kanal direkt durch einen Urwald. Der Radweg ist aber halbwegs unterhalten und gut befahrbar.

So kommen wir gut voran. Irgendwann ist der Kanal wieder nutzbar. Der Urwald-Effekt entfällt. Campen wollen wir in Erstein. Dort ist ein CP in Kanalnähe. Wir biegen an einer Brücke auf die zugehörige Straße ein, passieren ein großes Industriewerk, eine Sucrerie. Der Platz liegt vor dem Ort an einem See. Hauptsächlich gibt es hier Dauercamper. Es ist also nicht viel los auf dem sehr großen Areal. Der Chef verkauft nebenbei Mobilhomes. Und vermietet auch welche. Wir dürfen uns einen Platz aussuchen. Vermüllt sind sie alle. Wir räumen den mit dem besten Baum für das Tarp und bauen unser Zelt auf.

Anschließend fragen wir den Chef, ob es in der Nähe Einkaufsmöglichkeiten gibt. Klar. Gibt es. Also machen wir uns auf den Weg. Kaum im Ort angekommen, gibt es mal wieder einen Wolkenbruch, den wir im Supermarkt abwarten. Das freundliche Personal bringt uns Stühle. Als der Regen etwas nachlässt, fahren wir zurück zum Platz. Inzwischen ist es nach 18 Uhr und der Chef hat das Tor verrammelt. Der Platz ist über 2 m hoch umzäunt. Wir rufen im Büro an. Niemand mehr da. Da wir nicht im Regen vor dem Tor übernachten wollen, versuchen wir schließlich über den Zaun zu klettern. Da kommt der Chef angespurtet. Er lässt uns rein, aber nun sind wir keine Freunde mehr.

Unablässig rauscht der Regen runter. Wir machen uns also auf die Suche nach einem netten überdachten Plätzchen. Am See gibt es ein riesiges geschlossenes Restaurant mit großer überdachter Terrasse. Hier treffen wir zwei amerikanische Radler mit gleichen Absichten. Wir lassen uns an einem der Tische nieder, kochen, essen, trinken unseren Rotwein und erzählen uns von unseren Radreisen.
von: Juergen

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 15.10.16 09:03

Liebe Fricka,
jetzt fehlt noch der 17. Mai (L'Isle-sur-le-Doubs nach Mulhouse ) lach
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 15.10.16 09:54

17.6.2015

Am Morgen sind nicht nur unsere Sachen trocken, sondern auch das Wetter hat sich eines besseren besonnen. Die Sonne scheint. Draußen herrscht schon allgemeiner Aufbruch. Viele Bekannte machen sich auf den Weg. Wir frühstücken noch gemütlich, bevor wir uns anschließen. Heute abend sind wir in Mulhouse.

Bald folgen wir wieder dem Canal und dem Doubs in der gewohnten Form. Es geht immer noch aufwärts, aber sehr moderat. Die Landschaft wird weiter. Wir nähern uns der burgundischen Pforte. An der Allan-Mündung verlassen wir den Doubs. Gemeinsam mit dem Canal du Rhone au Rhin. Und folgen dem Allan. Die Schleusen liegen zum Teil weit auseinander. Wir sind ein bißchen ungeduldig. Wie immer nach so langen Strecken möchten wir gerne unser Ziel erreichen. Und zunächst einmal dringend die Passhöhe.

Zunächst einmal kommen wir nach Montbeliard. Da gibt es ein Peugeot-Werk (das größte) und ein Peugeot-Museum. Interessiert uns beides nicht wirklich. Wir wollen zunächst also nur auf unserem Treidelpfad schnell durch. Finden aber auf unserem Weg einen sehr schönen Park. Das erfordert eine Rast. Dazu sollte man in die Stadt fahren und einen Bäcker aufsuchen? Und die Silhouette der Altstadt mit dem Schloss oben drüber ist doch eigentlich auch vielversprechend? Gedacht – getan. Ein netter kleiner Abstecher.

Und weiter geht es am Kanal. Man sieht jetzt in der Ferne links die Vogesen und rechts das Jura. Die burgundische Pforte. Dazwischen liegen 50 recht flache Kilometer. Wir fahren mitten durch. Es gibt ein paar nervige Umleitungen an Stellen, wo am Kanal gebaut wird und wir deshalb Bögen durch das Umland schlagen. Aber irgendwann huscht wieder eine Schleuse an uns vorbei. Und hoppsa, eine Schleuse abwärts. Wie schon gewohnt geht es erst einmal rasant abwärts, dann nur noch mäßig. Es wird etwas freizeitmäßiger. Mehr Radler. Mehr Boote. Ab und zu ein Ausflugslokal. Leider sind die alle geschlossen. Wir haben eigentlich Zeit heute.

So kommen wir relativ zügig nach Mulhouse und – immer am Kanal entlang- ohne weiteres auf den Campingplatz. Den kennen wir schon von früheren Besuchen. Aber heute ist er ziemlich voll. Statt „lasst euch irgendwo nieder“ bekommen wir eine nummerierte Parzelle zugeteilt. Auf der steht ein Wohnwagen. Zurück an der Rezeption heißt es nun doch „sucht euch einen freien Platz“. Längst suchen wir nach einem, der einen geeigneten Baum oder Busch hat, in den wir unser Tarp hängen können. Wir hatten schon lange keinen Tag ohne Regen mehr. Da ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Wir sitzen abends und beim Frühstück gerne gemütlich draußen.

Heute haben wir noch genug Zeit in die Stadt zu fahren. Mit dem Rad ist das keine Aktion. Wir bummeln ein bißchen herum und gucken uns Verschiedenes an, sind aber etwas besichtigungsmüde. So landen wir eher in den Ladengalerien und sitzen noch etwas in einem Straßencafe. Nach gelungenem Rückweg gehen wir folgerichtig im Campinglokal essen. Quiche natürlich.



Bitte sehr. Ich habe das gestern geschrieben und dachte, ich hätte es auch eingestellt.....bin etwas im Stress momentan. In diesem Glauben hatten mich die Kommentare zu Montbeliard bestärkt. Ich würde das gern sortieren. Geht aber nicht.
von: HeinzH.

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 15.10.16 14:54

Moin Fricka,
habt Ihr in Mulhouse etwa das nationale französische Eisenbahnmuseum, Musée français du Chemin de Fer, verschmäht? Ich fand dieses Museum spannend genug, um vor etlichen Jahren mit einem meiner Söhne per Crossair von Hamburg aus nach Mulhouse zu fliegen, um einen ganzen Tag in diesem Museum zu verbringen...
Bis denne,
HeinzH.

von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 15.10.16 16:55

Ja, haben wir. Mulhouse ist zu nahe. Da denken wir immer, dass wir noch öfter vorbeikommen.
von: Friedrich

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 15.10.16 22:24

In Antwort auf: HeinzH.
Ich fand dieses Museum spannend genug, um vor etlichen Jahren mit einem meiner Söhne per Crossair von Hamburg aus nach Mulhouse zu fliegen, um einen ganzen Tag in diesem Museum zu verbringen...

Nicht minder spannend ist in Mulhouse die "Collection Schlumpf"
von: Fricka

Re: Zum EV 6 und bis Mulhouse - 06.11.16 09:43

19.6.2015

Frühstück auf der Terrasse klappt leider nicht. Das Restaurant ist nun geöffnet. Aber wir kommen auch so zurecht. Heute müssen wir bis nach Durmersheim, damit wir morgen rechtzeitig zum Stadtgeburtstag in Karlsruhe sind. Motiviert treten wir die Reise an. Auf dem Weg zurück zum Kanal hängt dichter Nebel über der Sucrerie. Herbst? Als wir ihn durchqueren, lagert sich auf Rädern, Taschen und uns, speziell meiner Brille ein hellgrauer ätzender Staub ab. Keine Ahnung, was die da rausblasen.

Den Kanal entlang geht es nach Straßburg. Das Zentrum ist ausgeschildert. Die Zeit für einen Stadtbummel nehmen wir uns natürlich. Straßburg ist immer wieder schön. Und mit Rädern leicht zu durchqueren. Schwierig ist es eher, sich wieder zu trennen. Wie erwartet, wird die Ausfahrt aus der Stadt nicht ganz einfach. Der Kanal führt letztendlich in die falsche Richtung.

Im wesentlichen geht es jetzt die D468 nordwärts. Ab und zu gibt es mal eine Nebenstraße, der man folgen kann. Es regnet. Und wir stellen fest, dass die Autofahrer hier nicht mehr so zuvorkommend sind, wie wir das bisher gewohnt sind. Kein Wunder, viele haben deutsche Kennzeichen. Trotzdem wollen wir noch ein Stück auf der französischen Seite bleiben. Soll die doch schöner sein.

Da die Zeit knapp wird, werden wir immer schneller. Endlich erreichen wir die gewählte Fähre über einen Dammweg am Rhein. Von der Auberge du Rhin setzen wir über zum Restaurant Rheinstrom. Unser Plan ist es, nun dort den Rhein-Radweg zu finden, um unseren Weg fortzusetzen. Wir müssen uns durchfragen. Weil heute Freitag ist, sind viele Menschen am Rhein unterwegs. So landen wir schließlich auf einem Radweg, der relativ gerade nach Norden führt. Erst heißt es noch „Durmersheim? Immer weiter geradeaus.“ Und als wir so richtig in Schwung sind, fragen wir gerade noch rechtzeitig mal wieder, um den Abzweig nicht zu verpassen.

Durmersheim ist jetzt ausgeschildert. Wir treten kräftig in die Pedale und erreichen bald das Ortsschild. Campingschilder finden wir nicht. Und die Spaziergänger wissen nichts von einem CP. Irgendwann gibt uns doch jemand eine Richtung an. Und wohin geht es? Natürlich steil nach oben.

Auch dieser Platz ist eine Festung. Auf einem Teil stehen Dauercamper. Der andere ist leer. Darauf steht nur ein riesiger LKW. Am Tor hängt ein Schild mit „Vereinsgelände“ aber immerhin einer Telefonnummer. Wir rufen an. Und kurz darauf fährt der Betreiber mit dem Auto vor. Er lässt uns auf das Gelände und meint, wir könnten im Windschatten des LKW zelten. Es käme noch ein heftiges Gewitter. Und gerne könnten wir uns an den Tisch unter der Überdachung vor dem Kiosk setzen.