Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen

von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 06.09.12 16:51

Die Abfahrt vom Grand Col Ferret hinab ins italienische Val Ferret gestaltet sich trotz der vielen im Weg als Wasserablauf senkrecht gestellten Steinplatten als meist gut fahrbar, die Steinplatten lassen sich oft gut umzirkeln, schwieriger wird's mit den nun sehr zahlreich auftretenden Wanderern. Allerdings sind diese gegenseitigen Begegnungen im Gegensatz zur heimischen Alb von Respekt und gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt. Ein paar Mal müssen wir aus dem (nach unten gestellten) Sattel und kürzere Passagen schieben, aber unter einem "Höllenritt" hatten wir uns schwierigere Passagen vorgestellt. Der Hang ist teilweise sehr steil aber nie wirklich ausgesetzt. Die Blicke können wir aber nur in Pausen oder beim Fotografieren schweifen lassen, ansonsten sind wir mit der Suche nach der besten Fahrspur vollauf beschäftigt. Die Räder sind trotz der Gepäcktaschen gut navigierbar, nur in tieferen Gräben muss man aufpassen, dass die Taschen nicht aufsetzen oder hängen bleiben. Mein Vertrauen in die Gepäckträger wächst mit jedem vernichteten Höhenmeter. Am Rifugio Elena über dem Talschluss des italienischen Val Ferret ist die Hölle los, viele Tagesausflügler, die vom Ende der Teerstraße hier herauf wandern. Hier kommen wir ins Gespräch mit "echten" Mountainbikern aus Deutschland, die in 5 Tagen den Mount Blanc umrunden. Ihnen ist anzumerken, dass sie nicht so genau wissen, wie sie uns mit unseren mit Gepäcktaschen beladenen MTBs einordnen sollen zumal wir morgen auf der von Ihnen gestern zurückgelegten Strecke weiter wollen. Wir füllen an der Hütte nur die Wasserflaschen auf und suchen uns im Talgrund am Bach ein schönes und ruhiges Plätzchen für das wohlverdiente Mittagessen mit Baguette und reichlich Käse.
















Die Teerstraße führt uns stets bergab unter den Südabstürzen der Grand Jorasses hindurch an schönen Jausenstationen, dem örtlichen Golfplatz und schönen Campingplätzen vorbei. Doch wir wollen noch etliche Kilometer und ein paar Hundert Höhenmeter weiter nach La Thuile an der Passstraße des kleinen St. Bernhard . So rollen wir am Südportal des Mont-Blanc-Tunnels unterhalb der Aiguille Noir de Peuterey und dem gleichnamigen Grat sowie der Seilbahn, die hinüber zur Aiguille de Midi führt vorbei ins schön herausgeputzte Courmayeur. Der Rückblick zum 3000 Meter über uns aufragenden Gipfel des Mont Blanc ist äußerst eindrucksvoll. Das Eiscafé in der Fußgängerzone lassen wir links liegen, denn wir wollen den am frühen Nachmittag in der Regel schwachen Verkehr nutzen, um die Passstraße nach La Thuile unter die Stollenreifen zu nehmen. Also zunächst noch zum tiefsten Punkt in Pré St Didier und dann über schöne Kehren im schattigen Wald bequem bergan. Glücklicherweise ist der Verkehr nicht zu stark, so dass die Durchfahrt durch die Galerien und Tunnel nicht zu viele Stresshormone aussetzt. Das Tal wird enger, die Straße steiler und nach einem weiteren Tunnel sind wir in La Thuile angekommen. Nach einer Dreiviertel-Ortsumrundung finden wir schließlich den auf dem GPS falsch eingezeichneten Campingplatz. Am Spätnachmittag wird gemütlich gekocht, der abendlichen Kühle entgehen wir in einem gut besuchten Schokoladen-Laden und einer Bar in der Ortsmitte, bis wir schließlich nach einem anstrengen aber erfüllten Tag müde ins Bett fallen.