Re: La Loire et La Vendée à Tandem Teil 2

von: velOlaf

Re: La Loire et La Vendée à Tandem Teil 2 - 08.08.13 21:40

Teil 2

Ein bisschen Sommer...

Etappe 9, Sonntag, 26.05.2013
La Tranche-sur-Mer -> Saint-Gilles-Croix-de-Vie
Start: 9:30 Uhr, Ende: 18:15
Strecke: 114km
Wetter: 23-26°C, Wind N / NW. Heiter bis wolkig

Kalte Nacht, sonniger Morgen. Es geht an gelbem Sandstrand, türkisem Meer und blauem Himmel entlang, weiter den Velodyssée auf guten Sandpisten durch Dünen und Wäldern. Jard-sur-Mer ist nett, nicht so viel Touri-Trubel wie in La Tranche. In Talmont Saint-Hilaire steht eine mächtige Burgruine aus dem 11. Jh. auf einem Felskamm. Es geht weiter in Richtung Les-Sables-d`Olonne. Das kenne ich nur von Bilder, muß schrecklich sein diese 70er Jahre Architektur an der Corniche. Auf dieser werden wir auf einem 4 Meter breiten Radweg zwischen der Strandbebauung und dem Sandstrand direkt in den Ort geführt. Links ist noch der Gehweg, rechts die nicht breitere Straße für den Autoverkehr. Gemütlich und stressfrei können wir immer entlang dem Strand fahren. Zwischen der achsohässlichen 70er Jahre Architektur finden sich immer wieder alte prächtige Häuser. Das Ensemble ist nun doch schon wieder interessant und bei diesem Spitzenwetter wirkt alles sehr angenehm. Les Sables ist doch spannend. Alles ist sehr gepflegt und heute am Sonntag ist Schaulaufen- sehen und gesehen werden. Teure Kleider, Handtaschen, Schuhe, Schmuck... die Spaziergänger zeigen was sie haben. Unser Tandem ist aber auch ein beliebtes Fotomotiv und für viele nicht uninteressant. Hinter Les-Sables wechselt die Landschaft, grasig, mit Kanälen durchzogen. Kleine Häfen für die Austernfischer. Nett und gemütlich ist es hier.
Ca. 4 Kilometer vor Saint-Gilles-Croix-de-Vie finden wir einen Camping, unser Zelt steht fast direkt am Dünenrand. Ein Weg führt dort durch, nach 400m sind wir am Meer mit feinstem Sandstrand- alleine.

Camping des Cypres ***
St. Gilles-Croix-de-Vie
14 Euro











Etappe 10, Montag, 27.05.2013
Saint-Gilles-Croix-de-Vie -> Pornic
Start: 10 Uhr, Ende: 19 Uhr
Strecke: 112km
Wetter: 20-24°C, Wind W. Sonne, Sonne, Sonne

Buaah, war die Nacht kalt und feucht! Um 7 Uhr hat es im Zelt 9°, draußen 5°, Ende Mai am französischen Atlantik.

An der Corniche Vendéenne sind schöne Aussichten auf die z.T. schroffe Küste und das Meer. Viele und schöne Sandstrände lauern zwischen den flachen Felsen. St. Jean-des-Monts ist abartig. An der schönen und neu gestalteten Promenade reiht sich ein 70er Jahre Bunker an den nächsten. Viel Beton und viele Rentner mit Yorkshire-Terrierratten. Der Strand ist in Abschnitte aufgeteilt, aber grundsätzlich ist der ziemlich klasse. Die Vororte Le Petit Bec und Le Grand Bec zeugen davon, dass hier zur Hochsaison auch sehr viel Englisch gesprochen wird. Es geht durch den schönen Foret des Pays nach Fromentine. Hier kann man über die Brücke zur Ile de Noirmoutier rüberfahren. Eine kurze Nachfrage im Tabac...jep, die Passage du Gois ist geöffnet! Von der Brücke ergeben sich fantastische Ausblicke auf die Meerenge zwischen dem Festland und der Ile. Bei perfektem Wetter erstrahlen alle möglichen Farben des Meeres, der Sandbänke, Bojen, Dünen und Grünpflanzen in unglaublichen Tönen.

Nach einigen Kilometern auf Schotterwegen durch Wiesen an der Küstenlinie entlang erreichen wir die Passage du Gois. Ich erinnere mich, dass vor einigen Jahren die Tour de France hierdurch geführt wurde. Die Bilder im TV zeigten, dass das Wasser beidseitig bis fast an die Straße reichte. Heute ist eine Grande Marée, also hat sich das Wasser extrem weit zurückgezogen. Links und rechts der Straße parken sehr viele Autos auf dem „Meeresgrund“. Ganz Frankreich scheint wieder einmal unterwegs zu sein und hebt alle Steine hoch, um zu schauen, ob dort nicht etwas Essbares darunter liegt. Die Passage erstreckt sich über fast 5 km und es ist ein Erlebnis, dort entlang zu fahren.

Etwas weiter, hinter Le Collet, stehen Stege mit Fischerhütten und Fangnetzen am Strand. Tolle Bilder. Den heutigen Abschluß bildet Pornic. Die kleine Stadt liegt gemütlich am Ende eines kleinen Naturhafens, der von Felsen eingefasst ist. Im Hafen dümpeln Fischerboote und kleinere Segeljachten vor dem Schloß und den netten Cafés. Es ist sehr schön hier.

Camping Accueil **
Pornic
14,60 Euro












Etappe 11, Dienstag, 28.05.2013
Pornic -> Nantes
Start: 9:30 Uhr, Ende: 18:30 Uhr
Strecke: 107km
Wetter: 20°C, Wind W. heiter bis wolkig

Der Regen in der Nacht war so stark, dass an Schlafen nicht zu denken war. Am Morgen dagegen wieder feinster blauer Himmel, wolkenlos. Nochmal durch Pornic gleiten, dann geht es immer die Corniche entlang, am Pointe de Gildas vorbei nach St. Brevin-les-Pins. Hier mündet die Loire riesig breit in den Atlantik, damit verlassen wir auch das Meer mit der guten Luft.

Mit viel Rückenwind knallen wir nach Paimboef. Es geht scheinbar endlos am Canal de Marteriere entlang. Unsere Aufmerksamkeit wird an einem Bio-Bauernhof erreicht. Hier gibt es selbstgebackenen Kuchen und Marmeladen in einem (Kühl-) Schrank. Betrag ins Buch eintragen, Geld in die Dose werfen, Reine-Claude-Marmelade einstecken, Schokokuchen von den Fingern ablecken und weiter geht´s. In Le Pellerin nehmen wir die Fähre und setzen über die Loire nach Couéron. Nun beginnt die Einfahrt nach Nantes, ist nicht sehr schön.

An einer Ampel kurz vor dem Zentrum spricht uns ein Mann auf dem Fahrrad an. Es gibt viele Radfahrer hier in Nantes. Er fragt, ob wir auf Reisen sind. Oui... usw. grins. An einer späteren Ampel ist er wieder neben uns. Ich frage ihn, ob er Hotels kennt. „Hier in der Nähe sind einige... Und dort am Stadtrand... Soll ich euch bei der Suche helfen?“ Viele der günstigen Hotels sind ausgebucht. Er nimmt sich 45 Minuten für uns Zeit, ein Hotel zu finden. In der Altstadt werden wir fündig. 20 Minuten später treffen wir uns mit unserem freundlichen Helfer wieder, auf ein Bier in der Eckkneipe. Wir quatschen ein wenig, er verabschiedet sich und fährt Nachhause zu seiner Familie. Unglaublich diese Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit. Wieder bin ich beeindruckt.

Ein kurzer Gang durch die Altstadt ist sehr angenehm. Nantes ist toll, sicherlich gibt es schönere Städte, aber die Stadt lebt, pulsiert und ist nicht künstlich aufgehübscht. Nun geht ein heftiger Schauer nach dem nächsten herunter... Na toll!

Hotel D`Orleans
12, rue de Marais
44000 Nantes
55 Euro, Frühstück +5 Euro p.P.
Fahrradfreundliches Hotel, sehr nette Betreiber, super Lage am Rand der Altstadt.





Etappe 12, Mittwoch, 29.05.2013
Nantes -> La Possonière
Start: 11:30 Uhr, Ende: 19:15 Uhr
Strecke: 102km
Wetter: 11-16°C, Wind W. Schauer, Hagel, Sonne

Zunächst gibt es eine Sightseeingtour durch Nantes- ohne Rad. Nette Stadt, besonders die Passage Pommeraye ist ein Traum.

Die Ausfahrt aus Nantes führt an illegalen Siedlungen vorbei, hier setzt nun heftiger Hagel ein. Ancenis enttäuscht, der weitere Verlauf der Loire aber nicht so. Es ist Hochwasser, der Weg ist gelegentlich überschwemmt, was zu leichten Umwegen oder aber Fahrten an Straßen bedeutet. Chateau Serrant ist bereits geschlossen, uns bleibt nur der Blick auf die Rückseite von der Straße. In La Possonière finden wir einen gemütlichen Platz für die Nacht, in einem kleinen Hotel mit Restaurant, Bar und toller Aussenterrasse. Die nützt uns im Dauerregen aber sehr wenig. Wenigstens gibt es große Sonnenschirme und lecker Trappistenbier und Kaffee.

Taverne du Prieure
La Possonière
49,- + Frühstück 5,50 Euro p.P.













Etappe 13, Donnerstag, 30.05.2013
La Possonière -> Gennes
Start: 9:15 Uhr, Ende: 15 Uhr
Strecke: 76km
Wetter: 14°C, Wind W. Regen Regen Regen...

In der Nacht werde ich vom Regen geweckt, nein, nicht im Zelt sondern im Zimmer der netten Taverne. Frühstück gibt es auf der Terrasse unter den Schirmen- Regen. Losfahren- Regen, Regen, Regen... Die Landschaft ist hier echt schön und Angers erstmal! Tolle Stadt. Unten, am Fuße des Berges beginnt die Burg und zieht sich mit brutal dicken und hohen Mauern fast von der Loire hinauf zum höchsten Punkt des Berges. Es gibt einige alte Fachwerkhäuser, aber auch opulente Prachtbauten aus dem frühen 20. Jh. Östlich von Angers wird es wieder etwas dröge, viel Ackerbau. Ab St. Mathurin bis Gennes geht es an Felsen entlang, Le Thoureil ist traumhaft schön.

Gennes aber auch, der Grund liegt hier, weshalb wir unsere Tour anders herum fahren. In Gennes findet in dieser Woche die International Tandem Rallye vom Tandem Club England statt. Ich hörte etwas von 400 Tandems. Das Treffen ist zersiedelt, da die Loire den Campingplatz, auf dem das Treffen stattfinden sollte, mit ihrem Hochwasser überspült hat. Die Ersatz-Campingwiese hat etwas von Woodstock. Im Wohnwagen von Freunden wärmen wir uns bei einer großen Tasse Kaffee lange auf. Tut gut. Am Abend leeren wir in der Gemeinschaft die eine und andere Flasche Wein. Schönes Wiedersehen bekannter Gesichter!

Logis Hotel La Longue Vue **
Gennes
65,- Euro ohne Frühstück









Etappe 14, Freitag, 31.05.2013
Gennes -> Montlouis sur Loire
Start: 8:30 Uhr, Ende: 20:30 Uhr
Strecke: 148km
Wetter: 18°C, Wind W. bewölkt, teilweise sonnig

Am nächsten Morgen geht es gleich mit dem für mich beeindruckendsten Bauwerk der Reise los: Notre Dame de Cunault.

„ Schau mal das Schloß, in diesem wunderschönen Ort. Dahinter steht eine Kirche aus dem 11 Jh. Komm, laß uns mal reinschauen“. Die Kirche hat stattliche Ausmaße. Das besondere ist aber, dass der Eingang auf dem Niveau der Straße liegt und das Schiff die Böschung hinunter gebaut wurde. Beim Eintritt in die Kirche stehe ich ca. 2m über dem Kirchenboden und habe damit einen erhöhten Ausblick in die Weite der großen Halle. Ein unbeschreiblicher Effekt. Die Kirche ist aus hellem Stein gebaut, es gibt kleine Verzierungen an den Säulen. Die Fenster sind nicht bunt, dadurch dringt viel Licht hinein. Was für ein toller Bau!

Kurz hinter dem Ort biegen wir ins Landesinnere ab. Es geht durch Weinberge und an Steinmauern entlang nach Brézé. Hier steht ein Schloß, auf das ich mich lange gefreut habe. Chateau de Brézé. Nicht sooo groß, aber ein Graben umgibt das Bauwerk. Unter dem Schloß gibt es viele Gänge mit Räumen, ja, ein unterirdisches Dorf unter dem Schloß. Ausserhalb des Grabens ist der Fels auch mit Gängen und Räumen ausgehöhlt.

Wenig später erreichen wir Saumur. In den Vororten stehen viele bekannte Kellereien für die Schaumweinherstellung - Crémant de Loire. Natürlich gibt es auch hier ein Chateau, oben auf dem Berg. Natürlich eine steile Auffahrt, die Aussicht und das Schloß sind fantastisch. Später folgen Montreuil-Bellay mit ebenfalls tollem Schloß und wunderschönen alten Ortskern und Chinon. Die imposante Ruine der Burg Chinon trohnt über der Vienne, am Flussufer darunter ducken sich die Häuser. Schnelle Weiterfahrt durch Ussé mit fabelhaftem Schloß und Azay-le-Rideau. Letztes ist für seine Gärten berühmt, wir fahren jedoch weiter. Es folgt eine schnelle Fahrt durch die Vorstadt von Tours, Zentrum von Tours (kennen wir bereits). Nächsten Camping ansteuern und gut ist es für heute.

Camping Montlouis-sur-Loire ***
Montlouis-sur-Loire
14,50 Euro.
Viele böse Mücken



















Etappe 15, Samstag, 01.06.2013
Montlouis sur Loire -> Beaugency
Start: 8:30 Uhr, Ende: 18:15 Uhr
Strecke: 115km
Wetter: bis 24°C, Wind W. heiter bis wolkig

In Amboise, der alten Königsstadt, geniessen wir das Treiben und die sehr angenehme Atmosphäre in der Stadt. Dahinter ist der Loire-Radweg ziemlich doof, so unterhalb der Straße an der Böschung entlang und auf der Flußseite sind die Büsche und Bäume so dicht und hoch, dass man nicht darüber hinweg sehen kann. Kurz vor der anderen Königsstadt Blois ist der Weg wieder offen und frei, das Wasser reicht bis an die Kante des Weges. Der Blick auf Blois von der Loire ist schon imposant. Auch eine tolle Stadt. Ab dort führt noch ein kleiner Abstecher zum letzten und einem der größen Highlights der Reise, Chateau de Chambord. Am Samstag Nachmittag ist es hier natürlich schon etwas voller, dennoch können wir die Wege um das Schloß herum gut fahren. Noch ein Abschiedsfoto, das war´s. „Heim“radeln nach Beaugency, am letzten Kernkraftwerk vorbei und aus die Maus.

Doch, es passiert noch etwas: ein Hirschhornkäfer quält sich über die Straße, der muß gerettet werden! Und dann ist da noch das schöne Gefühl, über die älteste Loire-Brücke nach Beaugency reinzuradeln und dann den besten Café Crème im Le Balto zu genießen.

Fin.