Reifenwahl: Zwischen Genuss und Folter...

von: HeinzH.

Reifenwahl: Zwischen Genuss und Folter... - 02.08.20 12:46

Moin moin,
seit wenigen Wochen habe ich sie endlich auf die beiden Vorderräder meines ungefederten Trikes aufgezogen, zwei Primo Cometen (35x406) . Hinten passte er allerdings nicht, da die Felge zu breit ist, ich wählte stattdessen einen (faltbaren) Schwalbe Kojak 35x406...
Die Cometen werden vorn mit 7Bar aufgepumpt, der Kojak mit 4,5Bar.


Links Kojak, rechts Comet.

Die erste Tour, eine Exkursion auf einer künftigen Veloroute -rund 30km auf wassergebundenen Belägen, schlechtem Bitumen und Kopfsteinplaster- war für mich die reine Folter und ich fürchtete schon, daß die Cometen "die Grätsche machen"... Es ging alles gut.
Am letzten Dienstag nutzte ich die An- und Rückfahrt zum Stammtisch zu einer rund 30km langen Tour fast nur über glatt bitumisierte Pättkes, Wirtschaftswege und kleine Landstraße: Geil!
Es schnurrte nur so und ich flog im Vergleich zu meiner normalen Bereifung -vorn Marathon Racer nur so dahin. Ich will jetzt keine km/h-Angaben machen, aber mein Trike war deutlich schneller und leiser als mit meiner Standard-Bereifung (vorn Marathon Racer 40x406, hinten Marathon plus 35x406)... Dann fuhr ich wieder in die Stadt und auf dem münsterschem Brutalst-Kopfsteinpflaster wurde ich wieder gefoltert
Für mich ist die neue schnelle Reifenkombination vor allem etwas für Touren und Radreisen. Allein schon aus Kostengründen werde ich etwa Mitte Oktober d.J. wieder auf meine Robustreifenkombination zurückrüsten - bis Ostern 2021...
Gruß aus Münster,
HeinzH.
von: iassu

Re: Reifenwahl: Zwischen Genuss und Folter... - 02.08.20 13:08

Lieber Heinz, die Quintessenz deiner Information scheint mir zu sein: bei Regen besteht Nässegefahr, bei Trockenheit nicht. Wenn du solche Monsterdrücke fährst, wo ist da jetzt die Überraschung, daß kein Komfort zu finden ist? zwinker lach
von: Andreas

Re: Reifenwahl: Zwischen Genuss und Folter... - 02.08.20 13:14

Hallo Heinz,

lass Dich bitte nicht beirren. Ich finde es toll, dass Du Dich in Neuland vortastet und Zusammenhänge herausfindest, die den allermeisten Radfahrern völlig unbekannt sind. Weiter so!

Grüße
Andreas
von: AndreMQ

Re: Reifenwahl: Zwischen Genuss und Folter... - 02.08.20 13:49

... lässt sich auch die andere Richtung, also z.B. ein 62-406 (Super-Moto-X) oder wenigstens 55-406 (Big Apple) testen oder passen die nicht in den Rahmen?
von: MaikHH

Re: Reifenwahl: Zwischen Genuss und Folter... - 02.08.20 15:18

Moin Heinz!

Danke für deine Eindrücke schmunzel

Ich fahre an meinem Flux gerne Reifen im Bereich p>7bar. Bisher waren dies Conti Grand Prix (gibts leider nicht mehr), Schwalbe Durano (ebenso leider nicht mehr verfügbar) und Schwalbe One (jeweils als 406-28). Leider scheint die Auswahl in den letzten Jahren für 406 zu schwinden. Daher bin ich über deine Berichte über Material abseits des "Mainstreams" sehr dankbar!

Bei dem Druck ist der Kontakt zur Fahrbahn natürlich sehr direkt. Dass das bei Kopfsteinpflaster und auch auf nicht asphaltierten. Wegen nur noch suboptimal läuft, verwundert daher nicht wirklich. Auf meiner Arbeitsstrecke und auch bei meinen Ausfahrten komme ich damit aber gut klar. Ich fahre sie auch auf Tour (zuletzt den One), wobei ich da nun bei häufigeren Grus-Strecken einen doch sehr starken Abrieb zu verzeichnen hatte und mich nun nach Alternativen umschaue.

Fragen:
Wieso fährst du den Kojak nur bei 4,5bar und nicht bei 6,5bar, also nahe des Druckes deiner vorderen Reifen?
Welche Erfahrungen hast du mit den jeweiligen Reifen (Kojak bzw. Primo Comet) gemacht? Bei mir hatte sich der Kojak am Birdy als regelrechter Pannenreifen gezeigt, so dass ich ihn wieder aussortieren musste.

Grüße aus Hamburg schmunzel
von: Stylist Robert

Re: Reifenwahl: Zwischen Genuss und Folter... - 04.08.20 15:53

Welche Reifengröße kannst du denn hinten verbauen? Ein Grifter in 53-406 als Faltreifen bringt ordentlichen Komfort bei niedrigem Gewicht von 420gr. Die Profilform wird sich nicht soo sehr negativ gegenüber einem Slick bemerkbar machen aber bessere Traktion bieten.
Muß der Reifendruck bei den Cometen wirklich so weit ausgereizt werden? Absenken des Luftdrucks auf 6 bar würde ich auf alle Fälle auch einmal probieren - besonders, da die Last auf beide Reifen verteilt wird.
von: HeinzH.

Re: Reifenwahl: Zwischen Genuss und Folter... - 07.08.20 12:30

Moin Rober!
In Antwort auf: Stylist Robert
Welche Reifengröße kannst du denn hinten verbauen? Ein Grifter in 53-406 als Faltreifen bringt ordentlichen Komfort bei niedrigem Gewicht von 420gr. Die Profilform wird sich nicht soo sehr negativ gegenüber einem Slick bemerkbar machen aber bessere Traktion bieten.
Reifen, welche breiter als 47mm sind, würden hinten ein neues, breiteres Schutzblch erfordern.
In Antwort auf: Stylist Robert
Muß der Reifendruck bei den Cometen wirklich so weit ausgereizt werden? Absenken des Luftdrucks auf 6 bar würde ich auf alle Fälle auch einmal probieren - besonders, da die Last auf beide Reifen verteilt wird.
Der Primo Comet erfordert, auch laut Flankenbeschriftung 100psi, es gibt, auch nach Aussage meines Händlers der auf seinem Rennliegerad selbst Primo Comet fährt, keine Spanne nach unten.
Bis denne,
HeinzH.
von: HeinzH.

Re: Reifenwahl: Zwischen Genuss und Folter... - 07.08.20 14:09

Moin Maik!
In Antwort auf: MaikHH
(.....)Fragen:
Wieso fährst du den Kojak nur bei 4,5bar und nicht bei 6,5bar, also nahe des Druckes deiner vorderen Reifen?
Nur aus Komfortgründen im Alltag, vor Touren oder Reisen würde ich den Reifenruck erhöhen...

In Antwort auf: MaikHH
Welche Erfahrungen hast du mit den jeweiligen Reifen (Kojak bzw. Primo Comet) gemacht? Bei mir hatte sich der Kojak am Birdy als regelrechter Pannenreifen gezeigt, so dass ich ihn wieder aussortieren musste.
Grüße aus Hamburg schmunzel
Ich selbst habe mit beiden Reifen noch keine Langzeiterfahrungen. Beim letzten Liegeradstammtisch berichteten mehrere Teilnehmer, daß sich neue(!) Kojaks als pannenanfällig gezeigt haben, als regelrechte Splitsammler. Es gibt aber Abhilfe: Mehrmonatige Lagerung der neuen Reifen in einem kühlen, dunklen und trockenem Keller vor dem ersten Einsatz. Nach dieser Lagerung, so berichten einige Stammtischler, sei der Kojak wesentlich Pannen-resistenter als frisch nach dem Kauf. Wenn Du also im kommenden Frühjahr einen Kojak benötigst, solltest Du ihn am besten schon im Herbst des Vorjahres einlagern. Ich hoffe, daß mir mein Kojak bis Mitte Oktober kein Ungemach bereitet. Dann werd ich für die kühlere Jahreszeit ummontieren und den Kojak und die beiden Cometen erst wieder im Frühjahr aufziehen.
Die Cometen übrigens, manche Velomobilisten fahren sie ganzjährig, sollen ziemlich pannenunempfindlich sein. Mein Händler führt den Primo Comet direkt aus den USA ein, die Lieferzeit dauert dabei mehrere Monate. Ich selbst hatte meine Cometen bereits im November 2019 bestellt.

Abschließend kann ich noch berichten, daß sich der verringerte Rollwiderstand auch im Stromverbrauch (Wk/km) widerspiegelt. Es mögen Momentaufnahmen sein, aber aus den Werten* der letzten beiden Akku-Ladungen ergab sich (tlw. mit beladenem Anhänger am Trike) ein Verbrauch von 3,7 Wh/km bzw. 5,2Wh/km. Das ist auffällig wenig.
Bis denne,
HeinzH.


*Ich führe seit 2017 für jeden meiner vier Akkus eine Excel-Liste, in die ich alle relevanten Daten eintrage