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#1481067 - 10.10.21 15:24 Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13
Britta
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Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 229
Dauer:
Zeitraum:
Entfernung:1270 Kilometer
Bereiste Länder:fiFinnland


...oder: auf der Suche nach den „Zipp-Hosen“ Wetter… unschuldig

Auch in diesem Jahr waren wir mit der Urlaubsplanung noch verhalten. Unsere erstes großes „Hurra-wir reisen wieder“-Erlebnis hatten wir im Juli, als wir kurz nach Öffnung der norwegischen Grenzen kurz entschlossen für eine Woche in der Hardangervidda wandern waren. Bei strahlendem Sonnenschein und endlich mal wieder außerhalb Deutschlands. lach Das hatte dann auch die etwas in Vergessenheit geratene Vorliebe für Skandinavien wiederbelebt. Trotzdem konnten wir uns nicht so richtig für ein Reiseziel entscheiden. Als Urlaubszeitraum war Mitte September bis Anfang Oktober schon seit Monaten gebucht, bloß die Ideen zum Reiseziel variierten noch über alle vier Himmelsrichtungen und auch ob es nun eine Wanderung oder Radtour werden sollte, war noch nicht entschieden. Als dann Anfang September der Reisetermin immer näher rückte, fingen wir an, auszusortieren. Am Ende blieben drei Ideen: Radtour durchs Baltikum, Wanderung über die Abruzzen oder Radtour entlang der russischen Grenze in Finnland. Die Wahl für Finnland war am Ende dann eine Bauch-Entscheidung und glücklicherweise tickten unserer beider Bäuche gleich. Die Vorbereitung fiel mal wieder überschaubar aus: Flug nach Ivalo gebucht, Fährfahrt von Helsinki nach Travemünde gebucht, Track für den EV13 in Finnland im Internet gesucht. Hier die Tracks, die wir für unsere Planung genutzt haben und denen wir im Wesentlichen auch bis Kitee gefolgt sind.
EV13 Näätämo nach Kuusamo, EV13 Kuusamo nach Lieksa, EV13 Lieksa nach Vaalimaa
Dazu später mehr. Mitte September dann sitzen wir im Flugzeug nach Ivalo. Meine Wetterapp kündigte für die nächsten 3 Tage 6°C an, danach sollte es sich aber dann auf 12-14°C erwärmen. Zipp-Hosenwetter! lach

Tag 1: von Berlin nach Ivalo
Die Reise beginnt recht unspektakulär. Ok, der FEX-Zug zum BER fällt mal wieder aus und wir müssen mit der S-Bahn zum Flughafen gondeln, ich vergesse unseren Briefkastenschlüssel beim Nachbarn einzuwerfen und beim Verpacken der Räder am Flughafen reiße ich mir dann auch noch den Kabelschuh von SON-Anschluss ab, und als dann die Räder erstmal verpackt durch den Scanner gewandert sind, bin ich mehr als urlaubsreif...



Wir landen pünktlich am Abend auf dem nicht eben überfüllten Flughaven in Ivalo.



Dass mein Fahrradkarton zu groß für das Förderband ist und die Gepackausgabe komplett blockiert, sorgt beim Bodenpersonal für rat- und tatenloses Erstaunen und bei Bernd für zunehmenden Unmut, vor allem da jeder weitere Koffer von hinten drückt und den Karton in eine immer aussichtslosere Position schiebt. (Bernds Radkarton war noch größer…)



Aber irgendwann ist auch das behoben, die Räder montiert und wir rollen die letzten Kilometer gen Campingplatz – Der Urlaub kann losgehen.

Tag 2: von Ivalo nach Vuotso, 82 km
Unser erster Weg führt uns heute erstmal nach Ivalo. Wir müssen einkaufen. Einen neuen Kabelschuh für meinen Dynamo, eine Gepäckträgerschraube für Bernds Träger, die während des Flugs verschwunden ist (und von denen wir – wir sparen Gewicht und sind ja in einem zivilisierten Land unterwegs – auch keine Ersatzschrauben dabei hatten träller ) sowie bestenfalls auch einen neuen Reifen für Bernd. Den hatte er zwar erst kurz vor dem Abflug neu aufgezogen, ist aber offensichtlich ein Montagsprodukt, denn er eiert gewaltig was sich auch durch Neuaufziehen nicht beheben lässt.
Finnland ist das Land der Baumärkte, in Ivalo gibt‘s gleich deren drei. So ist zumindest das Kabel und Schraubenproblem schnell behoben. Kabelschuhe gibt es im 4er Pack und für die drei Schrauben nebst U-Scheiben (wir kaufen gleich mal 2 als Ersatz) legen wir ganze 15 Cent auf den Tisch.



Alle verfügbaren Reifen sind allerdings zu breit, so dass die 160 km bis zum nächsten größeren Ort wohl der Eier-Reifen herhalten muss.
Immerhin, mein Licht funktioniert wieder. Und das ist auch gut so, denn pünktlich also wir Ivalo verlassen fängt es an zu regnen und hört für den Rest des Tages auch nicht mehr auf. Finnland empfängt uns mit Dauerregen bei 4°C.



Leichte Erinnerungen an unsere Englandtour werden wach und zum ersten Mal fragen wir uns, warum wir uns eigentlich nicht für die Wanderung in den Abruzzen entschieden hatten. zwinker
Egal, wir haben Urlaub und irgendwie macht‘s trotzdem Spaß.



Im kleinen Örtchen Saariselkä, wo eines der offensichtlich mehreren Weihnachtsmann-Büros beheimatet ist, machen wir ausgiebig Pause in einem Burgerlokal um etwas anzutrocknen.



Während wir so schauen, wie draußen das Wasser in die Pfützen pladdert, zieht es uns nicht wirklich raus. Aber irgendwann kriegen wir dann doch die Kurve und fahren weiter.





Immerhin, was uns jetzt auffällt und wir irgendwie so gar nicht auf dem Schirm hatten: dass wir hier nun die Hochzeit der Ruska erwischt haben – die Zeit der Laubfärbung die die Bäume in allen Farben schillern lässt. Also irgendwie ist das jetzt so das, was wir eigentlich vor 2 Jahren in Kanada hatten sehen wollen.
Wir radeln noch ein bisschen weiter und steuern dann bei Vuotso einen kleinen Campingplatz an. Die Sauna ist heute leider schon belegt, die Grillhütte aber haben wir für uns.





Tag 3: von Vuotso nach Sodankylä, 105 km
Wir lassen es uns gut gehen. Der kleine Camping gehört zu einem B&B so dass auch Frühstück angeboten wird. Wir futtern uns erst mal durchs kleine Buffet bevor wir das nasse Zelt in seinen Packsack stopfen. Es hat zwar die ganze Nacht geregnet, inzwischen ist es aber trocken und der Wind weht sogar von Norden. lach
Das Thermometer zeigt 6°C und die Wetterapp verspricht mal wieder, dass es aber in 3 Tagen deutlich wärmer werden wird.

Wir verlassen den Ort vorbei an dieser Fahrradinstallation.



Und rollen für die nächsten Kilometer durch die unendlichen finnischen Wälder, die hübsch bunt gefärbt sind.



Gelegenheiten für Kaffeepausen nehmen wir wahr wann immer sie sich bieten. Was gescheit ist, denn sie werden sehr rar werden, je weiter wir gen Süden kommen.





Unterwegs passieren wir eine der vielen öffentlich zugänglichen Hütten, diese sensationell gut ausgestattet. Leider ist es noch zu früh am Tag, ansonsten wäre es ein perfektes Nachtquartier gewesen.





Frieren hätten wir auch nicht gemusst:




Für uns geht es aber noch weiter bis zum Städtchen Sodankylä. Dort findet Bernd dann auch endlich einen passenden Reifen. Wir rollen noch 10 km weiter bis zum nächsten Campingplatz und bauen – mal wieder als einzige – unser Zelt auf.



Es ist Dienstag – Stammtisch-Tag. Wir sind gut vorbereitet und versuchen, uns telefonisch nach Berlin einzuwählen. Allerdings hakt es irgendwie und wir müssen unser Bier alleine schlürfen.





Tag 4: von Sodankylä nach Savukoski 97 km
Wir verlassen heute die E75, der wir bisher gefolgt sind und biegen ab in Richtung Osten. Die Straßen werden kleiner, deutlich leerer und sind herrlich zu fahren. Es ist trocken, 6°C und die Wetterapp verspricht, dass es in drei Tagen wärmer werden wird.





Wirklich viele Menschen wohnen hier nicht. Allerdings haben die, die hier wohnen Sinn für Details.





Die Straßen werden kleiner und kleiner bis der Track schließlich im rechten Winkel von der Straße in den Wald abzweigt. Mit etwas gutem Willen ist hier tatsächlich eine Fahrspur zu erkennen.
Es entspannt sich in etwa folgender Dialog:
Bernd: „Bist du dir sicher, dass das der EV 13 ist????“
Ich: „ Ja, bestimmt! Ich hab den Track doch genau nachgezeichnet!“



Immer kleiner und schlechter wird der Weg, immer dichter der Wald.
Bernd: „Und du meinst wirklich, dass hier der EV13 – ein europäischer Fernradweg hergeht?????“
Ich: „Äh, ich schau vielleicht nochmal“….(kurze Kontrolle und Abgleich mit dem Originaltrack auf dem Handy) … „Öhm, also, hmmm, der EV13 verläuft ungefähr 10km südlich von hier über die Asphaltstraße.“ peinlich

Wir hoppeln noch etwa einen weiteren Kilometer durch den Wald bis wir wieder auf eine etwas breitere Piste gelangen. Und siehe da: das ist sogar ein markierter Radweg! lach







Irgendwann wird der Weg dann wieder besser, die Piste fahrbarer und die Aussicht ist herrlich. Und ja, tatsächlich, das war eine Radroute – vielleicht nicht der EV13 – aber eine Radroute! unschuldig



Irgendwann treffen wir dann aber auch wieder auf die Straße und folgen für ein kurzes Stück der E63 durch das Örtchen Pelkosenniemi. Wir kaufen kurz im Supermarkt ein als wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite an der Tankstelle einen Radfahrer sehen. Mit Rennrad und kleinem Gepäck. Solche waren uns in den letzten Tagen auf der E75 bereits mehrere entgegengekommen. Bernd spricht ihn an und wir setzen uns auf einen schnellen Kaffee in das Tankstellen-Café. Er erzählt, dass er an dem finnischen Rad-Event „Ruska“ teilnimmt. Es startet im Südwesten Finnlands und geht im Bogen über den Südosten, Nordosten zum Zielpunkt im Nordwesten. 2100 km und 8 Tage Zeit. Er ist trotzdem ziemlich entspannt. Er fahre nicht schnell, einfach so konstant vor sich hin und wäre nie vorher je 300km am Stück gefahren Aber jetzt langsam müsse er doch los, sind ja noch 150km heute. Es ist früher Nachmittag. Wir wünschen uns gegenseitig gute Fahrt und er strampelt los, während Bernd sich einen 2. Kaffee holt. Immerhin, ein paar Tage später sehen wir auf der Ruska-Webseite, dass er es tatsächlich geschafft hat! bravo
Für uns geht es weiter durch bunte Wälder und am Abend finden wir für unser Zelt ein Plätzchen in eben diesen.









Tag 5: von Savukoski nach Sallatunturi 103 km
Cool, als wir aufstehen scheint das erste Mal die Sonne. Blauer Himmel! 4°C. Die Wetterapp verspricht ein weiteres Mal, dass es in drei Tagen wärmer werden soll. Langsam kommen Bernd leichte Zweifel daran, ob es wirklich nötig war, die leichte Sommerhose einzupacken. Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Zipp-Hose bestimmt nochmal brauchen werde. Schließlich scheint heute immerhin die Sonne!
Wir rollen los und machen gleich wenige Kilometer weiter in Savokoski schon wieder Pause – immerhin gibt es hier ein Cafe und in dem läuft auch noch „Der Doktor und das liebe Vieh“ im Fernsehen. Eine meiner Lieblingssendungen.



Nach einem 2. Frühstück strampeln wir weiter gen russische Grenze.





Bei Sonnenschein ist alles nochmal doppelt schön!



Hier geht‘s links nach Russland. Die Grenze ist hier 2 km entfernt. Einen Hinweis darauf sucht man allerdings vergeblich.



Es geht flott voran und wir biegen nach rechts ab Richtung Salla – ein Städtchen dass mit dem eingängigen Werbespruch: „Salla – in the middle of nowhere“ wirbt. Um ehrlich zu sein: die Gegenden die wir weiter südlich durchfahren hätten diesen Spruch eigentlich weit mehr verdient.



Nach kurzem Einkauf fahren wir noch ein paar Kilometer weiter zum nächsten Campingplatz – dem größten, vollsten aber zweifellos auch dem mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis der Tour. Für 15 Euro gibt es Zeltplatz („ihr könnt das Zelt hinstellen wo ihr wollt“, was wir auch tun und uns direkt am See-Ufer platzieren), Sauna, Küche und Fernsehzimmer mit Kamin inklusive.



Tag 6: von Sallatunturi nach Kuusamo 110 km
Auch der nächste Morgen begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein bei leichtem Frost. Die Wetterapp kündigt für heute 6 °C an, aber in drei Tagen – ihr ahnt es vielleicht – soll es wärmer werden.





Nach nur wenigen Kilometern passieren wir eine Aussichtsplattform, die – gäbe es nicht diesen luxuriösen Zeltplatz nur wenig weiter – auch ein toller Schlafplatz gewesen wäre. Entworfen von einem norwegischen Architekten – wir müssen direkt an all die schönen öffentlichen Design-Toiletten denken, die wir auf unserer Nordnorwegentour gesehen haben.





Wir strampeln gen Süden Richtung Kuusamo. Für uns ganz persönlich ist das quasi historischer Boden, da wir hier vor knapp 12 Jahren unsere Hochzeitsreise gemacht haben – eine Schneeschuhtour auf der Bärenrunde

Kleiner Rückblick:



Damals starteten wir am Besucherzentrum direkt an der Straße, das wir auch heute ansteuern in der Hoffnung auf einen warmen Kakao.



Aus dem warmen Kakao wird nix – ausgerechnet heute ist Ruhetag und das Besucherzentrum geschlossen. So machen wir hier nur kurz Mittagspause, lassen den Wanderweg links liegen und rollen weiter. Die Straße ist gut zu fahren und bietet immer wieder schöne Ausblicke.





Am Nachmittag nähern wir uns Ruka, einem Ski-und Ferien-Hotspot in Nordfinnland. Hier endet die Bärenrunde und schon damals hatte uns der Trubel in diesem Örtchen leicht überrumpelt als wir nach einer Woche Waldeinsamkeit im Schnee plötzlich in diesem Trubel ankamen. Auch jetzt ist es nicht besser. Wir treffen auf die E63. Die Straße wird deutlich voller und auch im Ort herrscht reger Betrieb.



Die Straßenführung ist den örtlichen Gegebenheiten angepasst. Es gibt getrennte Fahrspuren für Skifahrer und Scooterfahrer.



Wir strampeln noch über Nebenstraßen etwas weiter, nehmen noch einige Höhenmeter mit und landen schließlich auf einem Campingplatz kurz vor Kuusamo. Der kostet das gleich wie der in Sallatunturi, bietet allerdings mit Ausnahme des Platzes am Wasser keine weiteren besonderen Annehmlichkeiten.



Tag 7: von Kuusamo nach Hossa 90 km
Am Morgen in Kuusamo kaufen wir erstmal wieder ein. wein



Der Ort ist genauso überschaubar, wie wir ihn in Erinnerung hatten. Ein Cafe gibt es zwar, das hat aber geschlossen. Dafür erklären wir die Tankstellengastronomie am Ortsausgang erst mal zu unserem Basislager für das 2. Frühstück.
Die Straße ist weiterhin nicht sonderlich toll zu fahren da recht voll und so testen wir ein paar Nebenwege. Dort gibts zwar keinen Autoverkehr, aber das hat auch Gründe…





Wir kehren zurück auf die Hauptstraße und folgen dieser dann doch für noch gut 30 km bevor wir wieder auf Nebenstraßen gen Osten abbiegen können.

Pünktlich zur Mittagszeit bietet sich eine schöne Pausengelegenheit in einer Angelhütte.





Kaum haben wir unser Mittagessen verputzt, kommt auch schon eine finnische Familie zum Sonntagspicknick vorbei. Wir plaudern noch eine Weile bevor wir aufbrechen



Hier auf den Nebenstraßen ist es wieder sehr schön zu fahren. Und was zu gucken gibt es auch ab und zu – Kunst am Weg:













Unterwegs treffen wir auf zwei weitere Reiseradler: Angi und Reini aus Österreich Die beiden sind auf dem Rückweg vom Nordkap und die nächsten Kilometer nach Hossa radeln wir gemeinsam. Während wir uns auf dem Campingplatz niederlassen um mal große Wäsche zu machen, suchen die beiden nach einer Schutzhütte für die Nacht im angrenzenden Nationalpark.



Tag 8: von Hossa nach Ala Vuokki 109 km
Die große Wäsche hat allerdings Folgen. Meine Softshell-Hose – also die warme Hose – hat sich nach dem Wasch-und Trockner-Durchlauf zumindest teilweise in ihre Bestandteile aufgelöst. Die Verklebungen der Seitentaschen haben sich durch die Hitze im Trockner gelöst und nun hab ich zwei kleidsame Löcher an der Seite. Für die nächsten Tage sind laut Wetterapp weiter 6°C angesagt, aber auch wenn es in drei Tagen natürlich wärmer werden soll ist das doch etwas luftig. Für den Moment hilft der Tacker des Besucherzentrums, dass es mir nicht zu kühl rein weht:



So frisch geflickt brechen wir wieder auf.









Gegen Mittag treffen wir wieder auf die beiden Österreicher. Wir radeln ein bisschen zusammen, merken aber bald, dass wir zu unterschiedlich schnell unterwegs sind. Wir verabreden uns für den Abend an einem Laavu/Unterstand zum Übernachten und machen uns auf den Weg. Uns führt der Weg wieder grenznah über Nebenstraßen.







Am frühen Abend erreichen wir die abgesprochene Stelle des Laavu. Es ist auf dem Gelände eines Museums/einer Gedenkstätte zum Winterkrieg
Immer wieder sind wir auf unserer Tour bereits auf Mahnmale und Gedenkstätten getroffen. Ich muss gestehen, dass ich bis dahin von diesem Krieg noch nicht gehört hatte. Hier im Osten Finnlands allerdings ist er überall präsent.



Panzer, Geschütze und Schützengräben halten die Erinnerung wach.



Der Weg zum Laavu führt über einen kleinen, engen und zugewucherten Waldweg.



Es braucht eine ganze Weile bis wir die Räder die 800m dorthin gewuchtet haben. Wir sind die ersten und das Laavu ist nicht (mehr) existent.



Wirklich einladend zum Zelten ist die Stelle auch nicht. Wir schicken kurz Nachrichten hin und her was wir machen sollen. Als die beiden anderen zurückmelden, dass sie es wohl eh nicht mehr bis dort schaffen würden, entscheiden wir, noch ein bisschen weiter zu fahren und woanders ein schönes Plätzchen zu suchen.
Was wir auch wenige Kilometer weiter dann finden.



Tag 9: von vor Ala Vuokki nach Kuhmo 112 km
Am Morgen scheint wieder die Sonne.



Der Weg führt uns zunächst zum nächsten, gut 12 km entfernten Laden nach Ala Vuokki.
Hier gibt es fast alles – Elektrogeräte, Berliner Bier, und der freundliche Besitzer schmeißt auch noch extra die Kaffeemaschine für uns an.







Wir biegen bald von dieser „Haupt-Straße“



auf diese „Neben-Straße“ Richtung russische Grenze ab. Es war wohl irgendwo hier als Bernd mal äußerte: „Also so langsam hab ich mich sattgesehen...“



Und irgendwo hier als er sagte: „Also wenn da jetzt mal so ein Kaffeetassenschild käme, würde mich das sehr erfreuen...“



Es kam keins. Zwar war auf dem aus dem Internet geladenen Routenbeschreibung eindeutig ein Cafe-Symbol mitten im Wald eingezeichnet, allerdings erschien uns das schon vorher ob der hiesigen Menschenleere doch etwas unwahrscheinlich.
Zwar treffen wir, als wir die Kreuzung zur Grenze erreichen, tatsächlich auf ein Gasthaus - das ist dann allerdings leider geschlossen. Nun, so richtig viel Betrieb ist hier auch nicht. Auf den kompletten letzten 30 km hat uns kein Auto mehr passiert.



Wir machen Mittagspause im Windschutz der Terrasse bevor wir dann weiter in Richtung Kuhmo fahren. Die Stadt, die, wie dieses Schild verspricht, alles hat was man braucht.



Die Szenerie ändert sich auch im weiteren Tagesverlauf nicht wesentlich. Allerdings ist es hier, wo wir unsere erste und einzige Elch-Begegnung haben. Im vollen Galopp kommt er von rechts aus dem Wald geschossen - erschrickt mindestens so sehr wie wir - und stürmt mit schlitternden Hufen über die Straße und verschwindet wieder im Wald. Das Ganze dauert Sekunden - zu kurz für ein Foto, aber lang genug um zu realisieren, was für ein Koloss solch ein männlicher Elch sein kann. erstaunt
Auf waldigem Auf und Ab strampeln wir in Richtung Kuhmo, wo wir 5 km vor dem Ort einen Campingplatz ansteuern.







Auch auf diesem Platz sind wir wie immer die einzigen Zelter. Überhaupt waren – mit Ausnahme des Platzes in Sallatunturi die Plätze allesamt gähnend leer. Außer uns steht auf diesem Platz noch ein Wohnmobil. Preislich waren die Plätze auch in Ordnung, irgendwie kosteten sie für uns beide alle entweder 15 oder 21 Euro – ziemlich unabhängig davon ob mit oder ohne Sauna, mit oder ohne beheiztem Aufenthaltsraum oder mit oder ohne Feuerstelle.

Tag 10: von Kuhmo nach Nurmajärvi 92 km
Erstes Ziel für heute ist Kuhmo. Das Werbeschild an der Grenze hatte nicht zuviel versprochen. Der Ort hat alles was man braucht. - Also zumindest was wir brauchen. Einen Supermarkt und ein Lokal in dem wir für 10 Euro das Buffet plündern können.
Das machen wir auch ausgiebig bevor wir uns wieder auf den Weg machen.



Auch heute treffen wir immer wieder auf Mahnmale und Erinnerungsstätten an den Winterkrieg.



Die Geschichte ist hier ganz offensichtlich noch immer sehr präsent.

Das Landschaftsbild hingegen ändert sich jetzt etwas. Es wird offener und wir sehen immer mehr bewirtschaftetes Land und kleine Höfe.







Auch die Sonne zeigt sich heute mal länger und treibt das Thermometer auf fast schon sommerliche 8°C.



Einen Schlafplatz finden wir wieder abseits der Straße im Wald.

Teil 2 folgt...
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#1481068 - 10.10.21 15:24 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
Britta
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Beiträge: 229
weiter geht's:

Tag 11: von Nurmajärvi nach Hukkalampi 97 km
Auch heute Morgen blauer Himmel, das Thermometer zeigt -3°C.



Und tatsächlich treffen wir hier in der Einöde nach einigen Kilometern auf ein geöffnetes Café.



Beim Weiterfahren stellen wir fest, dass wir den Herbst auf seiner Reise gen Süden wohl so langsam überholt haben. Immer öfter fahren wir durch Gegenden, wo die Bäume noch grün sind.



Die nächste größere Ortschaft bzw. Stadt die wir jetzt ansteuern ist Lieksa.



Wie in allen größeren Ortschaften gibt es auch hier großzügige Fuß/Radwege die bereits einige Kilometer vor dem Ort beginnen und auch die Straßen innerorts begleiten. Wir sehen vergleichsweise viele Menschen, die in den Orten mit dem Rad unterwegs sind. Es ist entspannt hier zu radeln – ist es eh, weil auch die Autofahrer hier einen sehr entspannten Eindruck machen. Dennoch, die Rad-Infrastruktur hier gefällt uns.
In Lieksa schlagen wir uns ein weiteres Mal für wenig Geld am Mittagsbuffet den Bauch voll.
Dann biegen wir auf die 522 ab wieder in Richtung russische Grenze. Wirklich viel Verkehr ist auch hier nicht…





Gegen Nachmittag fängt mein rechtes Knie etwas an zu zwicken. Wir stellen meinen Sattel etwas höher und rollen weiter. Die Strecke ist schön, die Sonne scheint, und dass die letzten 10 km des Tages üble Baustellenschotterpiste ist, ist auch schnell vergessen als wir am See ein schönes Plätzchen fürs Zelt gefunden haben.





Tag 12: von Hukkalampi nach Ilomantsi 82 km
Die Nacht ist nochmal ordentlich frostig. Aber der Ausblick auf den See sehr schön.



Weitere gut 10 km geht es auf groben Schotter bis die Baustelle aufhört und es auf gutem festgefahrenem Lehmbelag weitergeht.





Wir erreichen die kleine Siedlung Hattuvaara. Ein paar Häuser und ein hübscher Kirchplatz.



Und eine weitere Gedenkstätte zum Winterkrieg. Das Straßenschild zeigt auch eine Kaffeetasse, also biegen wir ab.



Innen wird grade der Kamin angefeuert. Ein junger Mann begrüßt uns. Eigentlich sei geschlossen, aber er erwarte in einer Stunde eine Reisegruppe und daher wäre er hier und könnte uns auch einen Kaffee/Tee machen. Wir hocken uns vor den Kamin und er setzt sich zu uns. Er hat ganz offensichtlich Lust auf ein Gespräch und so erfahren wir eine ganze Menge über die Gegend und das Leben hier. Er selbst ist hier geboren und aufgewachsen. Hat 10 Jahre in der Stadt gelebt und ist nun zurückgekehrt, um dem Ort wieder etwas Leben einzuhauchen. Zusammen mit seinem Vater vermietet er Hütten und bewirtschaftet dieses Museum. Wir lernen, dass wir uns in der östlichsten Ortschaft von Finnland und der Festland-EU befinden, erfahren wann für welche Tierart hier Jagdsaison ist, dass es hier in der Gegend etwa 1000 Bären gibt, und nicht zuletzt, dass der Winterkrieg für die Finnen hier im Osten immer noch ein sehr wichtiges Thema sei und die vielen Mahnmale und Gedenkstätten diese Erinnerung wachhalten sollen. Dass so etwas nie wieder passiert.
Ein wirklich interessantes Treffen.

Aufgewärmt und gestärkt machen wir uns auf nach Ilomantsi. Mein Knie tut irgendwie immer mehr weh und wir haben überlegt, uns für heute Abend ein Hotel zu gönnen. Ilomantsi ist der nächste größere Ort, noch 40 km entfernt. Die Straße wird jetzt besser, allerdings zieht sie sich die letzten Kilometer wie Kaugummi schnurgeradeaus.



Das das Kurbeln wird zunehmend schmerzhaft und ich bin froh, als wir am gegen vier Uhr nachmittags den Ort erreichen.



Wir checken im örtlichen Hotel ein, dekorieren das Zimmer mit unserem Plunder und humpeln zum einen der zwei örtlichen Restaurants, das die reichhaltige Auswahl zwischen Burger, Kebab und Pizza bietet.

Tag 13: Ilomantsi 0 km
Die Nacht ist rum und das Knie tut immer noch weh – richtig weinend weh.
Die Treppe zum Frühstücksraum ist schon eine große Herausforderung. Schon beim Frühstück zeichnet sich ab, dass es heute wohl nicht weitergeht. Schweren Herzens buchen wir eine weitere Übernachtung. Maximal frustriert verziehe ich mich mit einer Packung Chips und einem Münster-Tatort aus der Mediathek ins Bett.



Ich könnte krank

Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Wir humpeln zur Apotheke, kaufen die Maxi-Packung Diclofenac-Salbe und Bandagen. Humpeln zurück. Ich hab massenhaft Zeit mir mit dem ebenso frisch erstanden Nähzeug meine Hose zu flicken. Humpeln abends zum 2. Restaurant der Stadt, dass ebenfalls Burger, Kebab und Pizza anbietet – diese Woche aber geschlossen ist. Ein freundlicher Einheimischer weist uns aber drauf hin, dass es im Zentrum (das sind die 4 Häuser etwa 100m weiter…) ein weiteres Restaurant gebe. Ja, dann gehen wir da wieder hin, kennen wir schon, war lecker. dafür

Anbei noch ein paar Eindrücke von Ilomantsi:



Das Zentrum:




Tag 14: von Ilomantsi nach Saarivaara 65 km
Am nächsten Morgen hab ich das Gefühl, dass das Knie nicht mehr ganz so schmerzt. Ich weiß, vernünftig sein geht anders aber ich will wieder aufs Rad. Wir laden Gepäck um, so dass ich jetzt nur noch 2 Taschen hinten habe und fahren los. Es tut zwar etwas weh, lässt sich aber aushalten und ich habe den Eindruck, dass der Schmerz mit der Zeit weniger wird. Es erwartet uns heute wieder ein Regentag bei lauschigen, inzwischen schon fast selbstverständlichen 6°C. Der Blick auf die Wetterapp verrät: - richtig!- In drei Tagen wird es wärmer!
Egal, ich sitze wieder auf dem Rad und bin glücklich – Regen hin oder her.



Die Strecke führt uns auf den nächsten 50 km wieder geradewegs in Richtung russische Grenze. Hier ist jetzt wirklich wenig los, Autos passieren uns kaum. Auch Häuser oder auch nur Grundstückseinfahrten werden sehr rar. Nach gut 20 gefahrenen Kilometern fällt mir ein, dass wir bei unserem Aufbruch im Hotel wohl sowohl unseren Käse, den Joghurt und auch die Bierdose im Kühlschrank vergessen haben. Prima, und nach Einkaufen schaut‘s hier erstmal auch nicht aus.



Allerdings passieren wir mitten im Nichts einen nicht grade kleinen Friedhof. Eine möglicherweise dazugehörige Siedlung lässt dann aber eine ganze Weile auf sich warten.



Erst viele Kilometer später kommen wir durch eine Ortschaft am See – 500m entfernt irgendwo da gegenüber ist Russland.



Für eine kurze Regenpause geht es in – nein, nicht ins Klohäuschen – in die Bushaltestelle!



Es gibt Menschen, die sammeln Briefmarken, es gibt Menschen, die sammeln Fahrräder, und es gibt Menschen, die sammeln alte, rote Opel Kadett.



Nach gut 60 km fordert das Knie unmissverständlich den Feierabend. Wir suchen ein bisschen hin und her nach einem geeigneten Plätzchen und werden schließlich an einem „Strandbad“ am See fündig. Die Umkleidekabine ist für heute unser zu Hause.



Blick nach Russland – die Grenze verläuft hier mitten durch den Badesee:





Und am Abend gibt‘s dann Britta Chipse – extra für mich! lach



Tag 15: von Saarivaara nach Kitee 57 km
Immerhin, es hat aufgehört zu regnen. Mit Hilfe von Salbe und Ibuprofeen setzten wir uns wieder in Bewegung. Wirklich doll ist es nicht, aber immer noch überwiegt die Freude am Fahren und nach einigen Kilometern läuft es auch wieder ganz ordentlich.
Die Gegend wandelt sich wieder. Es gibt immer mehr Häuser und Höfe und deutlich mehr Landwirtschaft.









Gegen Mittag erreichen wir die Ortschaft Tohmajärvi. Ein Cafe finden wir nicht, selbst das Tankstellenrestaurant hat geschlossen. Aber es gibt einen geöffneten Supermarkt und da kaufen wir nochmal ordentlich ein. Und wer steht vor der Tür als wir wieder rauskommen?
Angi und Reini. Wir tauschen nochmal die Erlebnisse der letzten Tage aus, bevor sie dann im Laden verschwinden und wir uns in Richtung Kitee, der nächsten Stadt aufmachen.



In Kitee gibt es zumindest ein Tankstellen-Lokal, wo wir uns gleich mit Kaffee und Tee niederlassen. Das Ziel für heute ist wieder ein Badestrand an einem noch etwa 10 km entfernten See, der nach einem idealen Zeltspot aussieht. Als ich allerdings nach der Pause aufs Fahrrad steige merke ich schon, dass das schwierig werden wird. Das Knie zu beugen tut inzwischen so weh, dass ich irgendwie versuche zu fahren, ohne das rechte Knie beugen zu müssen. Radfahren ohne das Knie zu beugen ist aber nunmal schwierig. Das geht so etwa 50 m, da schaut Bernd sich um und spricht aus, was ich eigentlich so gar nicht hören will: „Schluss, Aus, Feierabend! Das hat doch so keinen Sinn. Wir hören hier auf und gehen ins Hotel“ Inzwischen ist die Bewegung aber so schmerzhaft, dass auch bei mir die Erkenntnis reift, dass er wohl recht hat. Nun, das Hotel im Ort ist gleich gegenüber und wenig später haben wir unser Zimmer bezogen.

Tag 16: von Kitee nach Kotka 15 Rad-km
Am Morgen ist es zwar wieder etwas besser, aber so wirklich belastbar ist der Zustand vermutlich nicht. Wir überlegen hin und her – so richtig anfreunden will ich mich mit dem Gedanken jetzt aufzuhören immer noch nicht. Allerdings weiß mein Kopf sehr wohl, dass es eigentlich keine andere Option gibt. Letztlich schlägt Bernd vor, mit dem Zug zur Südküste zu fahren, dort noch ein/zwei Tage zu verbringen, und dann von dort weiter nach Helsinki zu fahren. Gesagt getan. Zug gebucht, der Bahnhof ist glücklicherweise nur 8 km entfernt.



Ausgerechnet heute ist strahlender Sonnenschein und ja tatsächlich ist es heute sogar vergleichsweise warm – sicherlich 12°C. Zum Bahnhof fahren wir das erste mal auf dieser Reise ohne Handschuhe. Weil wir viel Puffer eingeplant haben sind wir viel zu früh da und haben noch massig Zeit, in der Sonne zu sitzen und beim Holz verladen zuzuschauen.



Die Zugfahrt verläuft planmäßig. Wir sind beeindruckt von der Bahn: den Fahrradaufhängungen, die über einen Federmechanismus die Räder eigenständig und ohne Kraftaufwand nach oben ziehen, von dem Kinderabteil, das sicher ein Drittel des oberen Waggonteils einnimmt und mit Rutsche und allerlei Spielzeug bestückt ist, und von der Freundlichkeit des Schaffners. In meinem Frust hab ich nämlich unser Ticket nicht für den heutigen Montag sondern für Donnerstag gebucht. Er quittiert es mit einem: Kein Problem – wir sollten nur bitte die Plätze freimachen falls jemand kommt, der die heute reserviert hat.







In Kotka, einer Hafenstadt an der Südküste steuern wir den dortigen Campingplatz an. Auch hier herrscht gähnende Leere und wir haben die Zeltwiese wieder für uns allein.



Tag 17: Kotka
Ruhetag. Wir verbringen den Tag mit Nichtstun. Der Sonnentag gestern war leider nur eine kurze Freude. Ein Strandtag wird es also nicht. traurig
Wir lesen, schreiben Postkarten und spazieren zum Mittagessen zum Lokal am nahen Hafen, das, wie sich raus stellt, quasi die Kantine für die Hafenmitarbeiter und LKW-Fahrer hier ist. Als kleines Kind wollte ich immer LKW-Fahrerin werden – so spannend schien das bei „Auf Achse“ zu sein. Jetzt kann ich hier immerhin in der Trucker-Kantine Mittag essen. schmunzel



Den Nachmittag verbringen wir mit einem kleinen Spaziergang am Meer und – ja – mit Minigolf träller und letztlich ein paar Dehnübungen für die verkürzten Muskeln.






Tag 18/19: von Kotka nach Helsinki 14 Rad-km
Für die Fahrt nach Helsinki haben wir einen Bus gebucht. Wir haben Zeit und trödeln die 9 km zur Haltestelle.



Interessanterweise fährt der Bus auf einigen Abschnitten exakt auf unserer ursprünglich geplanten Route und wir stellen für uns fest, dass wir zumindest auf diesem Abschnitt nicht wirklich was verpasst haben.
Am frühen Nachmittag erreichen wir Helsinki. Der Bus hält ganz in der Nähe des Campingplatzes, so dass wir es hier nicht mehr weit zu fahren haben. Den Rest des Tages verbringen wir am und um den Campingplatz. Die Suche nach einem Cafe bleibt erfolglos, was ich bis heute erstaunlich finde bei der Menge an Leuten, die da wohnen. Aber außer einem Tankstellen-Lokal mit wässrigem Kakao finden wir nix.

Den nächsten Tag fahren wir mit der S-Bahn nach Helsinki rein. Da wir beide nicht zum ersten mal in Helsinki sind, sparen wir uns das große Sightseeing-Programm und schlendern nur ein bisschen durch die Stadt.





Tag 20-22: von Helsinki über Hamburg nach Berlin 24 Rad-km
Auch an diesem Tag haben wir es nicht eilig. Es regnet mal wieder in Strömen, so dass wir den Vormittag im Zelt verbringen und uns dann gegen Mittag langsam zum Fähranleger aufmachen. Einen Briefkasten für unsere Postkarten finden wir leider nicht mehr unterwegs. Aber die nette Dame am Fähr-Check In nimmt die Karten entgegen und versichert, sie im nächsten Kasten einzuwerfen. Wir checken die Räder ein und auch hier am Hafen gibt es eine Kantine, wo wir nochmal die Wartezeit überbrücken können bis um 17 Uhr die Fähre ablegt.





Was ich mit Sicherheit sagen kann: Eine Kreuzfahrt werde ich in meinem Leben nicht buchen. a) finde ich es zwar eine Weile ganz nett, durch die Gegend zu schippern. Aber so wirklich spannend scheint es mir auf die Dauer auch nicht. b) sind mein Magen und Schiff fahren zwei Dinge, die so gar nicht zusammen gehen. Schon das leiseste Schaukeln treibt mich in die Horizontale.

Trotzdem ist es ein schöner Ausklang der Reise – und deutlich entspannter, als ein Flug.



Der Rest ist schnell erzählt. Am späten Abend legen wir in Travemünde an, von wo wir mit dem Zug noch bis Hamburg fahren. Dort übernachten wir bei einem Freund und treffen uns am nächsten Tag noch spontan mit Brit (tirb68) zum Frühstücken.
Mit dem Zug geht es dann am Nachmittag zurück nach Berlin, wo – und da schließt sich der Kreis zum Beginn der Reise – der FEX (also der Flughafenzug der uns vom HBF nach Hause bringen sollte) mal wieder ausfällt.

Unterm Strich eine schöne, interessante und gar nicht langweilige Tour – auch wenn‘s viele Bäume zu sehen gab. Dass wir abbrechen mussten, hab ich inzwischen verdaut, hat mich aber einige Tage noch ganz schön gewurmt.
Zum Thema Zipp-Hose: Schon vor der Abreise zeigte meine Wetter-App an, dass es in drei Tagen in Finnland bis zu 14 Grad warm werden sollte. In freudiger Erwartung packte ich auch meine Zipp-Hose ein. Die Softshellhose quasi als Backup – falls es doch mal kälter würde.
Nun, die Wettervorhersage änderte sich über die ganzen drei Wochen nicht und zeigte jeden Tag konstant das gleiche an: für die nächsten Tage 6 °C aber dann, in 3 Tagen wird es wärmer. Und ich hab meine Zipp-Hose schön sauber und ungetragen wieder mit nach Hause gebracht. grins

Britta
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#1481071 - 10.10.21 16:00 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
oktopus
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Unterwegs in Österreich

Danke für den spannenden, sehr gut geschriebenen Bericht. Im Herbst in den Norden zu fahren, ist schon recht mutig! Noch dazu mit Zelt. Aber ihr hattet trotzdem auch regenfreie und schöne Eindrücke in die herbstliche Landschaft. Sehr schöne Fotos!!!

Habt ihr einen besonderen Bezug zu Finnland?

Gute Besserung für dein Knie!
Und in 3 Tagen wird es wärme (in der Wohnung, weil die Heizperiode beginnt :-))

Liebe Grüße
Gaby
Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt (oder dem ersten Tritt in die Pedale)
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#1481089 - 11.10.21 09:41 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
qrt
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Hallo ihr 2
Erst mal wünschen wir gute&schnelle Besserung für dein Knie, dann einen herzlichen Dank für den wunderschönen Bericht.
Ich hätte es da wie Bernd, irgendwann kommt der Punkt an dem man die Bäume gesehen hat. Ging mir in den baltischen Staaten so. Darina ist da aus ganz anderem Holz geschnitzt.
Ganz liebe Grüsse
Kurt und Darina
May the road rise to meet you
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#1481099 - 11.10.21 13:46 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
natash
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Servus Britta,
die vielen bunten Bäume (und ja, ich mag Wald und auch gerne viel davon) machen richtig Lust auf den finnischen Herbst, das Wetter hingegen nicht so sehr.
Vielleicht war die Witterung auch nachteilig fürs Knie (bei mir würden alle Gelenke maulen), aber das wriß Dein Doc sicher besser.
Dank Dir für den wie immer lebensnahen Bericht.
Gruß
Nat
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#1481104 - 11.10.21 15:26 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
kettenraucher
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Ich bin ein extrem großer Fan eurer Touren und Reiseberichte. Mir gefällt ganz besonders, dass es euch gelingt, die traditionell regnerisch, beinahe frostige Lage ziemlich humorvoll und schmunzelig rüberzubringen. Aber mal ganz im Ernst, habt ihr nicht mal Lust in den Süden zu fahren und euch wegen der Hitze und Trockenheit unter einem schattigen Baum mit Bier, Kokosmilch oder Wasser volllaufen zu lassen? Beim Lesen eurer Berichte bin ich ständig im Ungemütlichkeitsstress und würde euch gerne eine Wärmflasche unter den Hintern schieben. lach
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#1481105 - 11.10.21 15:27 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
Mooney
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Vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht, der einem die Fahrt mit allen ihren angenehmen und weniger angenehmen Aspekten sehr unmittel- und nachvollziehbar nahebringt und außerdem exzellent geschrieben ist sowie mit nicht nachlassender Akkuratesse die korrekte Schreibung der Ortsnamen einhält. Ich hoffe ebenfalls, daß es deinem Knie inzwischen wieder besser geht.

Ich denke ab sofort über eine Radtour in diesen Gegenden nach. Ich scheine geradezu prädestiniert zu sein, denn Kaffee brauche ich nicht und die Wälder in diesen Farben kann ich mir wochenlang ansehen, ohne mich zu langweilen.

Wolfgang
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#1481113 - 11.10.21 19:30 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
Rennrädle
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Ja eure Berichte sind immer lesenswert und bei mir kommt eher die Neugier raus wenn ich so mitlese.

Und immer wieder auch etwas Hochachtung wie ihr mit den Wetterbedingungen umgeht und vor allem man das Gefühl hat, dass ihr dann fast noch mehr Freude verspürt.

Bin schon gespannt auf die nächsten Erlebnisse von Euch, denn eure Lieblingsjahreszeit steht ja nun vor der Tür.

Viele Grüße Renata
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#1481118 - 11.10.21 20:54 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: oktopus]
Britta
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Danke Dir und all den anderen für die vielen netten Rückmeldungen und die guten Wünsche. Das Knie ist auf dem besten Wege der Besserung. schmunzel

Und nein, einen besonderen Bezug zu Finnland haben wir nicht. Ein Grund für uns dorthin zu fahren ist sicher, dass wir beide gern in eher dünn besiedelten Regionen unterwegs sind. Und da ist in Europa Skandinavien und ganz besonders Finnland einfach ein prädestiniert. zwinker

Viele Grüße
Britta
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#1481120 - 11.10.21 21:11 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
rayno
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Hallo Britta,
Lothar hat mir gerade deinen lustigen, teilweise mit Galgenhumor gespickten Bericht zu Lesen gegeben. Wir waren im Frühsommer 1974 zusammen in Finnland, auf einer Rundtour durch Skandinavien. Es war eine schöne Tour, vorbei an den vielen Seen und durch die endlosen Wälder. Genau wie bei euch. Leider war die Mückenplage so schlimm, dass wir schließlich nach Norwegen flüchteten.
Ihr habt fast genauso ein Hilleberg Zelt wie Lothar und ich bei unseren gemeinsamen Trekkingtouren, das perfekte Zuhause im Camping.
Wie schade, dass dein Knie gestreikt hat, ich wünsche dir gute und vor allem anhaltende Besserung. Gruß an Bernd.
Renate aus Nordhorn
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#1481121 - 11.10.21 21:20 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: kettenraucher]
Britta
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Vielen Dank! Wärmflasche wär ne gute Idee gewesen! lach
Ist eigentlich gar nicht so, dass wir nicht auch gern im Warmen unterwegs sind - die Abruzzen waren ja durchaus in unserer Final-Auswahl und wir haben uns schon manchmal gefragt, warum wir jetzt eigentlich nicht dort mit der Flasche Rotwein in der Sonne sitzen. zwinker
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#1481122 - 11.10.21 21:25 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: rayno]
Britta
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Hallo Renate,
vielen Dank, freut mich wenn ich da Erinnerungen geweckt habe. schmunzel Und ja, die Mücken sind zum Beispiel ein guter Grund, im Herbst nach Finnland zu fahren und nicht im Sommer! zwinker Die sind jetzt gar kein Thema gewesen.
viele Grüße nach Nordhorn!
Britta
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#1481140 - 12.10.21 08:05 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
Hansflo
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wie schön, wenn man trotz Wetter- und Knie-Unbill seinen Humor nicht verliert.
Vielen Dank für den unterhaltsamen Bericht und die schönen Bilder.

Hans
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#1481144 - 12.10.21 09:12 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
Juergen
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Beim Lesen und schauen fielen mir ne Menge anderer Titel ein.
"Mit Britta im Regen"
"Frieren ohne Mückenstiche"
"Hochzeitsreisen sind was wunderbares"
"12 Jahre Sehnsucht nach warmem Kakao"

Lass uns bei unserem nächsten Treffen mal über die Abruzzen quatschen. dafür

Danke für die gemachten und köstlich erzählten Erfahrungen und die doch unmissverständlichen Warnungen.

Liebe Grüße in die Hauptstadt
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1481161 - 12.10.21 14:34 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Britta]
Keine Ahnung
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Danke für den Bericht. In dem von Euch bereisten Gebiet möchte ich auch einmal mit dem Fahrrad unterwegs sein. Allerdings weiß ich nicht, ob die von Euch gewählte Jahreszeit ideal war. Andererseits dürften die Mücken im Sommer eine echte Plage darstellen. Die hatte mir schon in Norwegen ab und zu die Freude am Norden etwas gemindert.
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1481174 - 12.10.21 20:05 Re: Finnland 2021 Iron Curtain trail EV13 [Re: Keine Ahnung]
natash
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In Antwort auf: Keine Ahnung
Andererseits dürften die Mücken im Sommer eine echte Plage darstellen.

tun sie. Auf der russischen Seite der Grenze ebenso.
Ein echter Vorteil des Herbstes. Und die Farben verliebt sind schon toll.
Wenns nicht so weit weg wäre und einfacher anzureisen, würde ich eher schwach.
Leider habe ich auch im Gegensatz zu Britta und Bernd keine wahrnehmbaren Wikingergene vorzuweisen. Ich würde ständig in der Sauna hocken.

Gruß
Nat
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