Radreise & Fernradler Forum
Radreise & Fernradler Forum
Wer ist online?
7 Mitglieder (derSammy, Pfannastieler, Dennis_3, Thomas S, noireg-b, cterres, 1 unsichtbar), 177 Gäste und 424 Suchmaschinen sind im Forum unterwegs.
Details
Erweitert
Rund ums Forum
Regeln
Die Regeln für dieses Forum
Nutzungsbedingungen
Vereinbarungen für die Benutzung
Das Team
Wer steht hinter dem Forum?
Verifizierung
Offenlegung deiner Identität
Beteiligte Homepages
Radreise-Seiten, die das Forum eingebunden haben
Mach mit!
Dieses Forum für deine Homepage
RSS Feeds RSS
Eine Übersicht öffentlicher RSS Feeds
Plauderecke
Zum Unterhalten und Plauschen
Die Geschichte
Die Geschichte des Forums
Spende
Unterstütze das Forum
Radreise-Wiki
Partnerseiten
Statistik
27990 Mitglieder
94057 Themen
1462075 Beiträge

In den letzten 12 Monaten waren 2976 Mitglieder aktiv. Die bislang meiste Aktivität war am 23.01.20 13:09 mit 2187 Besuchern gleichzeitig.
mehr...
Themenoptionen
#1469321 - 13.05.21 14:45 Carretera Austral und weiter bis Punta Arenas
uwee
Gewerblicher Teilnehmer
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 1359
Dauer:1 Monat, 3 Tage
Zeitraum:11.3.2019 bis 13.4.2019
Entfernung:2400 Kilometer
Bereiste Länder:arArgentinien
clChile
Externe URL:http://velo-traumreise.de









Wir sind nun seit fast einem halben Jahr unterwegs.
Hier auf dem Radforum finden sich ein paar Berichte über die bisherige Reise


  Karte Welt  



  Von München einfach nur westwärts

  Von Spanien nach Brasilien

  Costa Rica und Panama

   Kolumbien

  Ecuador  

 

Wir kommen gerade zurück von den Galapagos Inseln und bleiben noch ein paar Tage in Quito.
Und nun?
Wie machen wir weiter?
Wir sind erst vor zwei Jahren durch Südamerika geradelt. Fünf Monate von Lima nach Ushuaia. Die ganze Strecke wollen wir nicht noch einmal fahren. Zudem ist es zu spät im Jahr. Bis wir den tiefen Süden erreichen ist es viel zu kalt. Und zudem wollen wir auch noch neue Länder und Landschaften kennenlernen.
Geplant hatten wir eigentlich von Quito/ Ecuador direkt nach Neuseeland zu fliegen.
Das geht uns aber jetzt aber doch zu schnell. Ein wenig Südamerika soll schon noch sein. Zumindest der äußerste Süden, der uns besonders gut gefallen hatte.








 



Wir erreichen Puerto Montt. Hier beginnt die Carretera Austral.Von Quito aus flogen wir über Lima und Santiago viele Stunden bis hierhin. Wir fühlen uns hier ein wenig wie in Skandinavien, nur ohne Mücken. Umgerechnet auf die Nordhalbkugel befinden wir uns auf dem gleichen Breitengrad wie Neapel. Aber die Antarktis ist groß und beeinflusst auch noch hier das Klima.









 

 



Die Sonne, die gerade noch im Zenit stand, befindet sich jetzt plötzlich mittags im Norden!
Und dazu ist es auch noch so ungewohnt kalt geworden.
Mittags werden kaum noch die 20 Grad erreicht. Und das soll heute sogar noch ein besonders schöner Spätsommertag sein...




 

Der Ort Puerto Montt liegt etwa 1100 km südlich von Santiago.


 




Hier im Stadtzentrum von Puerto Montt beginnt völlig unspektakulär die Ruta 7, bekannt als die CARRETERA AUSTRAL




















 


Die Carretera Austral ist eine etwa 1350 km lange Straße, die die südlichen Landesteile Chiles an den Rest des Landes anbinden soll. Bis in die 90er Jahre waren viele der Ortschaften dort unten nur  zu Fuß, mit dem Pferd, dem Schiff oder Flugzeug zu erreichen.
Als auch noch Grenzstreitigkeiten mit Argentinien dazu kamen ließ Pinochet diese Straße durch eigentlich undurchdringliche Landschaften bauen. Der Bau dieses Trampelpfades forderte immense Summen an Geld..... Und viele Todesopfer.



Karte Carretera Austral


Anfangs nur ein schmaler Matschpfad durch die Wildnis wurde die Strecke in den letzten Jahrzehnten immer besser ausgebaut.
Die erste Hälfte der Strecke bis nach Coyhaique ist inzwischen zu einem großen Teil asphaltiert.
Der Reiz für Wanderer, Motorradfahrer und besonders die Fahrradfahrer ist dennoch geblieben. Es ist eine der Traum-Straßen der Welt.
Auch wenn die alten Haudegen, in Gedenken an die alten Zeiten, nur milde lächeln können, so bleibt es weiterhin eine echte physische und psychische Herausforderung sich dieser Prüfung zu unterziehen.
Die Strecke geht zumeist durch dichten Regenwald. Dieser hat seinen Namen nicht von ungefähr.
Es gibt fast täglich heftige Schauer, nur unterbrochen von Episoden mit Dauerregen. Und dann kommt plötzlich und unerwartet doch wieder die Sonne. Die Temperaturen schwanken auch im Hochsommer zwischen 0 und 30 Grad. Und das mitunter an einem Tag. Dazu heftige Winde und Stürme, ebenso heftige Steigungen und noch immer viel, viel Matsch, Staub, Schlaglöcher und Wellblech.
Auf großen Teilen der Strecke gibt es weder Versorgung noch Telefonempfang. Man sollte schon für einige Tage Proviant mitführen.

Das erste Mal- vor mehr als zwei Jahren- fiel es uns schon sehr schwer...
Aber es war auch einfach wunderschön.
Eine unserer allerschönsten Reisen.
Und man vergisst auch schnell wieder. Schon wenige Tage nach Ankunft in Ushuaia hieß es: "Na ja, so schlimm war es eigentlich gar nicht...!.."
Das Ganze wollen wir nun noch einmal sehen, erleben, erfahren...
Jetzt ist es aber bereits Mitte März, eigentlich sehr spät im Jahr hier im Süden auf der Südhalbkugel. Vielleicht sogar zu spät.
Schauen wir doch Mal...
Ende offen.







Auch so präsentiert sich mitunter die Carretera. Allerdings nur ganz am Anfang.




















Auf dem Weg zur ersten Fähre.











Auch mit dem Camper kann man die Carretera erfahren. Nur nicht so weit wie wir Radler.

























An der Fährstation treffen wir ein nettes österreichisches Paar. Sie kommen von Ushuaia und sind daher fast am Ende der Carretera. Sie erkennen uns. Unser damaliger Bericht im Radforum inspirierte sie zu diesem Trip, der für die Beiden hier auch noch lange nicht enden soll.












Hier sehen wir vom Fahrrad immer wieder Delfine und Zwergwale.















Der Wind kommt von rechts. Also vom Meer. (Üblicherweise von Nordwest- wir fahren nach Südost)

















Anfangs erinnert auch die Landschaft an Skandinavien.
Die ersten vier Tage kein Regen und angenehme Temperaturen.
Ungewöhnlich aber durchaus angenehm.





































Wieder mal ein hübscher Platz um das Zelt aufzubauen.










An besonders kritischen Stellen kommen Fähren zum Einsatz.























Ein großer Teil der Strecke führt durch Nationalparks.Dort gibt es phantastische Campingplätze, z.T. mit überdachten Stellplätzen an den schönsten Stellen.Extrem saubere Sanitäreinrichtungen. Ohne Gebühren!












































































Happy Birthday bei 24 Grad.
Und als Geburtstagsmenü Kartoffelbrei aus der Tüte und Tomatensuppe.
Und eine Büchse Bier.
Echt lecker!















Wetterbericht: Die nächsten Tage Regenwahrscheinlichkeit 0%.







Fortsetzung folgt...





.
hier nur privat, (gewerblich wg. 2 Radreisebüchern)
www.velo-traumreise.de
www.velo-traumreise.blogspot.com
Nach oben   Versenden Drucken
#1470197 - 20.05.21 11:34 Re: Carretera Austral und weiter bis Punta Arenas [Re: uwee]
Moreau
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 38
Sehr schön!
Irrwege erhöhen die Ortskenntnis.
Nach oben   Versenden Drucken
#1470265 - 20.05.21 20:51 Re: Carretera Austral und weiter bis Punta Arenas [Re: Moreau]
uwee
Gewerblicher Teilnehmer
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 1359
Danke!

Die Fortsetzung dauert noch ein wenig.
Sind erst mal - endlich wieder- auf Radreise!!!
Grüße
Uwe
hier nur privat, (gewerblich wg. 2 Radreisebüchern)
www.velo-traumreise.de
www.velo-traumreise.blogspot.com
Nach oben   Versenden Drucken
#1474401 - 13.07.21 22:47 Re: Carretera Austral und weiter bis Punta Arenas [Re: uwee]
uwee
Gewerblicher Teilnehmer
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 1359

















So viel also zu Regenwahrscheinlichkeit 0%! Das Wetter lässt sich hier tief im Süden Südamerikas kaum vorhersagen. Es wechselt oft mehrmals am Tag. Man muss das beste daraus machen, gute Ausrüstung haben und sich an so netten Dingen wie unserem kleinen Gast erfreuen.
















Diese Gegend um das Städtchen Chaiten wurde im Mai 2008 vom gleichnamigen Vulkan zu großen Teilen zerstört. Angesichts der Zerstörungen und andauernder vulkanischer Aktivität hatte die Regierung 2009 die Aufgabe der Stadt und den Aufbau eines neuen Chaitén an der Küste 10 km weiter im Norden beschlossen.
Nur, die Bewohner wollten sich nicht umsiedeln lassen und bauten ihre Stadt an gleicher Stelle wieder auf.







Und das Erstaunliche. Die Bäume, die wir vor zwei Jahren für tot hielten schlagen jetzt, 10 Jahre nach dem Ausbruch. wieder aus.
































Das Leben verläuft wieder relativ normal in Chaiten.





























Jetzt, Ende März gibt es bereits erste Schneefälle in den Bergen. Andere Radler treffen wir kaum noch. Und wenn dann sind es Chilenen, die nun auch allmählich beginnen die Carretera mit Rädern zu erkunden. Oft allerdings mit qualitativ minderwertigen Rädern. Dementsprechend viele Ausfälle gibt es.













Eine Bereicherung des Speiseplans.








Beim nächsten Dauerregen zelten wir in einer Schutzhütte.

























An manchen Orten wird Pinochet noch immer verehrt.








Mitunter flüchteten wir bei Dauerregen in eine trockene Unterkunft. Diese hier sogar mit Meerblick.













Viele Einwohner in diesem Teil des Landes haben deutsche Wurzeln. Und Namen.























Bei einem Landwirt fragten wir, ob wir hier unser Zelt aufstellen dürfen.
Und auch angeln?
Beides wurde uns erlaubt. Vor unserem Zelt laichen Lachse.
Ich war froh, dass bei mir nur Forellen anbissen. Für mehr war die dürftige Ausrüstung nicht geeignet.
















Kurz vor der Hälfte der Carretera. Der Stadt Coyhaiqui.









Coyhaique liegt rund 1650 km südlich von Santiago. Sie hat etwa 60.000 Einwohner. Das ist die Hälfte aller Menschen entlang der Carretera Austral.














Wir haben das Glück und sehen die extrem seltenen und streng geschützten Südandenhirsche (Hippocamelus bisulcus), auch Chilenischer Huemul genannt.












Bei unserer letzten Reise gefiel uns ein Seitenarm der Carretera besonders gut. Die Strecke führt über den Ort Chile Chico.














Die Stadt liegt am südlichen Ufer des riesigen Sees Lago General Carrera mündet. Die Stadt ist eine wichtige Grenzstadt zu Argentinien. Der See besitzt eine Fläche von rund 2200 km². In Argentinien, wo der größere Teil des Sees liegt heißt er Lago Buenos Aires.
Das Klima ist aufgrund der Seelage für die südliche Lage noch angenehm, man nennt die Stadt auch Ciudad del Sol. Hier wachsen sogar noch Pfirsiche und Aprikosen.










Und geschwommen ist hier nicht nur die chilenische Marine. Auch wir sprangen in die erfrischend kalten Fluten.













Ab dem Ortsende ist es dann für etliche hundert Kilometer vorbei mit Asphalt und Beton.








Und oft müssen wir nun schieben.






















Sieht schön aus. Ist aber eine sehr umstrittene Mine.


















Die atemberaubende Straße wurde auf viele Kilometer in den Fels gesprengt.
































Hier erwartet uns an exakt an der selben Stelle das Gleiche wie bei der letzten Tour.
Das Wasser des Sees scheint zu kochen. Sturm wühlt es auf und schießt es über den See.
Ein Halten gibt es für uns Radler auch am Ufer nicht. Wir stürzen beide.












Es geht nicht weiter. Wir müssen trampen. Und das bei einer Frequenz von durchschnittlich einem Fahrzeug pro Stunde...



















Die Rettung. Eine Familie aus Santiago macht eine einwöchige Reise mit dem Pickup und nimmt uns natürlich sofort mit. Wartezeit für uns nur 20 Minuten. Nach einer Fahrt von nur 10 Kilometern ist es mild und fast windstill.

























Auch wer trampt braucht viel Zeit.




[img]https://lh3.googleusercontent.com/pw/AM-...7-no?authuser=0[/img]



Das Wetter wechselt weiterhin schnell. Asphalt gibt es bis zum Ende der Carretera nicht mehr.

Jeder von uns hatnun auch noch einen heftigen Sturz. Jeweils in einer Windböe bei solch einer Abfahrt. Ergebnis: Heftige Rippenprellung.Husten und Lachen geht gar nicht mehr. Nachts im Zelt umdrehen bleibt einige Wochen ein Problem. Das Radeln geht dagegen relativ gut.








Der Rio Baker ist der wasserreichste Fluss Patagoniens. Und eines der teuersten Angelgewässer weltweit. Für Radler aber kostenlos.



















Mit Heiligenschein

































Zwei Tage Dauerregen!








Wir dürfen in einem Schuppen schlafen und bekommen sogar Brot, Eier, Bier und Wein.















Ein letzter schwerer Anstieg zur letzten Fähre der gesamten Carretera. Ich schiebe 2/3 des Anstiegs. Isabel ist deutlich besser in Form.







Aber mitunter schiebt auch sie.










Hier bewundern und verwöhnen uns Mitreisende. Das genießt man dann schon.
















In einer der wenigen Nothütten finden wir Schutz vor Kälte und Nässe. Zum Glück haben wir noch genügend Benzin um das nasse Holz zu entzünden.
Spätabends erreicht auch noch ein völlig durchfrorener Ire unsere Unterkunft und freut sich über das Feuer und die angebotene Verpflegung.









Jetzt ist auch noch die letzte Kamera gestorben. Ab hier also nur noch Bilder vom alten IPhone.
Ersatz gibt es erst in Auckland.









Müssten wir hier wie in China bei jedem Wasserfall 20 $ Eintritt für jeden Wasserfall zahlen würden wir arm werden.






1.350 Kilometer fuhren wir seit Puerto Montt auf der Carretera Austral.
Sie endet hier im sympathischen Ort Villa O`Higgins.












Wir gönnen uns eine gemütliche Hütte mit Kaminofen














und genießen täglich ein heißes Bad.









Fortsetzung folgt




.
hier nur privat, (gewerblich wg. 2 Radreisebüchern)
www.velo-traumreise.de
www.velo-traumreise.blogspot.com
Nach oben   Versenden Drucken
#1474633 - 16.07.21 14:55 Re: Carretera Austral und weiter bis Punta Arenas [Re: uwee]
jochenfranke
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 506
Hallo,

vielen Dank für den Bericht und vorallem für die schönen Bilder.
Diese Strecke wird wohl für mich ein ewiger Traum bleiben.

Gruß Jochen
Nach oben   Versenden Drucken
#1475137 - 22.07.21 22:43 Re: Carretera Austral und weiter bis Punta Arenas [Re: uwee]
Hansflo
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 3356
Hallo,

vielen Dank wieder einmal für den intensiven Bericht. Gemütlich schaut diese Reise nicht gerade aus, umso beeindruckender finde ich sie.

Hans
Nach oben   Versenden Drucken


www.bikefreaks.de