Auf Schotterpisten durch die Westalpen

von: lutz_

Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 05.09.12 21:02

Hallo zusammen!


Wir haben in den vergangenen Jahren diverse Touren in unterschiedlichen Ländern unternommen und haben dabei immer mehr Gefallen an einsamen Straßen und leichten Schotterpisten gewonnen. Unter anderem waren wir 2010 auf dem Kettle Valley Railway Trail in British Columbia (Kanada) oder haben 2011 und 2012 Korsika auf Abwegen bereist. Zu Hause bleibt das Rennrad immer häufiger stehen und statt dessen werden die Feierabendrunden auf dem MTB unternommen. Letztes Jahr habe ich mir ein Fully (Canyon Nerve) gebraucht gekauft und auch Madame hat mittlerweile ein Fully (Liteville 301). Wir sind also sowohl Reiseradler, Rennradler als auch Mountainbiker, gerne auch Wanderer, gelegentlich Autofahrer und eher selten Bahnfahrer.

Also warum nicht mit den MTBs quer durch die Alpen, schließlich gehört ein Alpencross zu den 100 Dingen, die man in seinem Leben mal gemacht haben sollte. Zwei Fixpunkte waren vorher fest eingeplant:

1. Der Rückflug von Nizza
2. Eine Woche lang Freunde in der Nähe von Guillestre besuchen

Die Deutsche Bahn beschert uns ein Freunde-Ticket für zwei Personen für 29 EUR nach Genf, zusätzlich jeweils 10 EUR pro Rad. Offenbar muss die Schweiz gezielt Touristen anlocken. So geht's also Anfang August für einen Monat auf die Reise, ein kleines Zelt, Isomatten, Kocher und ein Schlafsack (reicht für uns beide), 2 Bücher und Klamotten passen in jeweils 2 Ortlieb Backroller. Für Foto, Handy und GPS habe ich noch eine kleine Lenkertasche. Das muss reichen.

Die üblichen Alpencrosser mit kleinem Rucksack, die jeden Abend im Hotel absteigen und essen gehen, haben natürlich nur einen mehr oder weniger kleinen Rucksack auf dem Buckel. Deswegen habe ich im Vorfeld fleißig recherchiert, welche Pässe für uns mit Gepäcktaschen und deutlich mehr Gepäck überwiegend fahrbar sein würden. Außer diesem Forum hier war das Buch

http://www.amazon.de/Alpencross-West--Südalpen-Mountainbike-Alpen/dp/3765447730/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1346852129&sr=1-1

sowie die folgende Seite ein sehr hilfreicher Ratgeber bei der Vorplanung:

http://www.transalbino.de/westalpenpaesse.htm

Wir haben uns entschieden, die komplette Campingausrüstung mitzunehmen. Denn mit dem Zelt können wir einerseits zur Hauptreisezeit flexibel sein und zweitens ist uns das Zelt bei schönem Wetter wesentlich lieber als eine feste Unterkunft. Übernachtet haben wir schließlich dreimal in Hütten oder Hotels, ansonsten immer auf Campingplätzen im Zelt.

Die Strecke: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ohtxmtmhfuxlastc

Die Fakten: 1162 km, 33490 hm, darunter einmal eine Bahnfahrt von Bussoleno nach Oulx, zweimal mit dem Gratis-Shuttle-Bus im Alte Valle Susa und einmal mit dem Sessellift… ;-)



Anreisetag: Morgens um 9.29 Uhr in Reutlingen in den Zug eingestiegen, mit Umsteigen in Tübingen, Horb und Zurich erreichen wir am späten Nachmittag Genf.





Dort herrscht ein buntes Treiben in der Fußgängerzone und am Seeufer, offenbar ist heute abend ein großes Fest. Auffallend sind die vielen Personen in Business-Kleidern, die uns auf E-Bikes überholen. Eine solche hohe Anzahl von E-Bikes habe ich bisher nur in der Gegend des Kalterer See in Südtirol gesehen. Wir stoppen kurz beim Migros um uns noch zwei Exemplare der von uns sehr geschätzten Küchenmesser zu besorgen und pedalieren am Südufer des Genfer Sees entlang. Viele Villen und tolle Häuser gibt es dort zu bestauen, auch architektonisch gewagte Exemplare, allerdings nicht ganz unser Preisniveau. Kurz hinter der französischen Grenze machen wir auf einem kleinen Camping Municipal halt, der aber unweit des Badestrandes liegt. Nach einem kurzen Bad verbummeln wir den Abend am Seeufer und essen leckere Crepes an der Strandpromenade.



Am nächsten Morgen packen wir gemütlich zusammen und folgen dem Seeeufer. Das schön anzuschauende Städtchen Yvoire erreichen wir noch vor den einfallenden Touristenströmen, allerdings lässt sich dort keine Boulangerie finden, nur Restaurants, Galerien und Nippesläden.




Also machen wir einige Kilometer weiter eine ausgedehnte Frühstückspause an einem Strandabschnitt. Zwischen Thonon und Evian nimmt der Verkehr deutlich zu, wir weichen aber auf uns von früher bekannten Seitenstraßen aus. In Evian herrscht großer Andrang an einem Brunnen, vielleicht handelt es sich um heiliges Wasser? Jedenfalls kippe ich bei der nächsten Querstraße so unglücklich vom Rad, dass das Schaltauge in Mitleidenschaft gezogen wird. Also suchen wir erst das Office du Tourisme, dann den Radladen, der erst am späten Nachmittag wieder öffnet. Also nutzen wir die Pause um an der Seepromenade zu essen und zu lesen. Nachdem der Radladen wieder geöffnet hat, hilft uns der freundliche Besitzer das Schaltauge wieder gerade zu biegen, ich bitte noch um ein paar Schrauben und Muttern, da ich mein Säckchen mit den Reserveschrauben zu Hause habe liegen lassen. Mit reichlich Verspätung nehmen wir die Steigung nach Süden in Angriff, das GPS zeigt einen Campingplatz in St Paul en Chablais und wir beschließen hier hoch über dem Genfer See auf dem schön gelegenen und angelegtem Campingplatz zu bleiben.



Am nächsten Tag waren die ersten Pässe auf uns. Zunächst auf gleicher Höhe Richtung Thollon les Memises, bevor es dann steil bergan auf einem Schotterweg in den Wald hinauf geht. Auf einer schönen Wiese genießen wir unser Frühstück mit Croissant, Pain au Chocolat, Schokoladenpudding und Banane, lecker! Kurz vor der Passhöhe wird der Weg zum Pfad und zwingt uns zum Absteigen und Schieben. Die reichlich vorhandenen Himbeeren auf der Passhöhe des Col de Creusaz bieten ein ebenso leckeres zweites Frühstück. Statt dem Teersträßchen hinunter nach Bernex wählen wir ein weiteres Schottersträßchen das ein kurzes Stück bergauf führt. Anschließend zweigen wir auf eine ausgeschilderte MTB-Strecke ab, die auf einem sehr steilen Trail mit für uns teils unfahrbaren Serpentinen durch den Wald hinab führt.



In Bernex werden die Wasserflaschen gefüllt und zunächst auf Teer und anschließend auf gut fahrbarem Schotter geht es wiederum steil bergauf bis zur Alpe Pre Richard.



Ab hier führt der Weg steil auf Skipisten und an einem Wasserreservoir für die Schneekanonen bergaus, wir müssen teils schieben, und erreichen schließlich den unscheinbaren Pass.





Über einen netten Wurzeltrail, schöne Wiesen und schließlich eine Forstpiste geht es hinab ins Tal nach Vacheresse und auf der Straße noch wenige Kilometer bis Abondance. Hier mieten wir uns auf dem örtlichen Campingplatz ein, besichtigen die Abbaye und das nette Örtchen und goutieren den örtlichen Käse.






http://de.wikipedia.org/wiki/Abondance_(Haute-Savoie)

http://de.wikipedia.org/wiki/Abondance_(Käse)







Abends zieht es dann immer mehr zu, nachts regnet es in Strömen. Morgens packen wir in einer Regenpause alles zusammen und brechen auf, um in der örtlichen Bäckerei vom nächsten Guss überrascht zu werden. Wir stellen uns zunächst unter, suchen dann ein Café auf, nach der zweiten Runde heißer Schokolade regnet es noch immer. Die ursprünglich geplante Offroad-Etappe über den Col de Bassachaux und Col Chesery hinüber ins schweizerische Champery fällt sprichwörtlich ins Wasser. Gerade als wir uns entschließen ein Hotelzimmer zu nehmen reißt der Himmel auf und wir fahren weiter. Wir wählen jedoch die Straße über Chapell d'Abondance und den Pas de Morgins hinüber in die Schweiz. Der Blick zurück Richtung Dents du Midi mit den dunklen Wolken lässt uns dann zusätzlich Tempo machen und wir brausen auf bestem Asphalt hinunter nach Monthey ins Rhonetal.







Auf der Veloroute kurz hinter Monthey müssen wir nochmals an einem Bahnhaltepunkt abwettern, bevor wir Martigny erreichen. Da sich das Wetter wieder beruhigt wählen wir den örtlichen Campingplatz und besuchen die nahegelegne Fondation Pierre Gianadda . Dort wird derzeit eine sehr sehenswerte Ausstellung mit Werken von van Gogh, Picasso und Kandinsky gezeigt. Auch die mit Kunstwerken bestückten Außenanlagen sind sehr sehenswert.

http://www.gianadda.ch/wq_pages/fr/expositions/






Nach so viel Kultur gibt es dann abends im Fernsehraum des Capingplatzes noch Olympia und wir erleben den eindrucksvollen Sieg von Usain Bolt im 100-Meter-Sprint der Herrn live und mit französischem Kommentar mit.

Am nächsten Morgen können wir noch bei trockenem Wetter zusammenpacken. Leider gibt es Richtung Großer Sankt Bernhard keine Veloroute, also müssen wir auf die viel befahrene Straße ausweichen. Den Schlenker über Champex schenken wir uns bei trübem Wetter macht es keinen Sinn zusätzliche Höhenmeter in den tiefhängenden Wolken zu machen. Zwischen Orsieres und Sembrancher beginnt es heftig zu regnen und wir finden unter eine Straßenbrücke ein wenn auch nicht gerade lauschiges, so doch immerhin trockenes Plätzchen zum Unterstehen. Lange müssen wir ausharren bis der Regen zumindest nachlässt. Wir beschließen weiterzufahren, in Orsieres hat der Supermarkt nur wenige Minuten vor unserer Ankunft über Mittag geschlossen. Also beschließen wir trotz des Regens weiterzufahren. Bis La Fouly am Ende des schweizerischen Val Ferret warten noch etliche Höhenmeter. Bei schönem Wetter ist diese Strecke bestimmt sehr schön, im strömenden Regen allerdings stampfen wir in die Pedale, um einigermaßen warm zu bleiben. Ein Tag, an dem man die Kamera am besten nicht aus der Lenkertasche nimmt...





In La Fouly verwerfen wir angesichts der Wetterlage den schön angelegten Campinplatz und freuen uns, dass wir zum Schnäppchenpreis von 175 EUR im Hotel des Glacieres ein Doppelzimmer mit Halbpension bekommen. Trotz des anderslautenen Namens unserer Herberge ist es im Zimmer wohlig warm, die heiße Dusche sehr willkommen und der Blick aus dem Fenster bestärkt uns in der Annahme, dass jeder einzelne Euro für die Übernachtung gut angelegt war. Beim leckeren Abendessen kommen wir mit einem Itlaiener (auf englisch) ins Gespräch, der in Turin lebt und (wie fast alle anderen Hotelgäste ebenfalls) zu Fuß den Mont Blanc umwandert. Er kann uns einige Tipps zu unserer geplanten Strecke geben und es wird ein sehr netter Abend, den wir mit Olympia gucken ausklingen lassen.

Morgen soll es über den Grand Col Ferret gehen, die erste wirkliche Bewährungsprobe für unsere Tour. Hoffentlich wird bis dahin das Wetter besser…
von: Falk

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 06.09.12 01:47

Öffne doch mal die Bilder mit einem Bildbearbeitungsprogramm und löse dann die automatische Tonwertkorrektur (bei Fotoshop und Abkömmlingen Strg + Umsch + L) aus. Die Wirkung ist in der Regel verblüffend. Ein Versuch mit einem Paar von Deinen Bildern hat es deutlich gezeigt.
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 06.09.12 07:46

Kurzbeschreibung des Grand Col Ferret bei transalbino

Am nächsten Morgen sieht der Blick aus dem Fenster im Vergleich zum Vorabend (siehe letztes Bild im letzten Posting) doch gleich ganz anders auf. Yippieh, da fällt das frühe Aufstehen doch gleich viel leichter. Um 7 Uhr gibt es ein reichhaltiges Frühstücksbüffet. So frühstücken wir reichlich und es gibt leckere Ovomaltine zu trinken. Um 8 Uhr öffnet der kleine Supermarkt, ein frisches Brot, Käse und Schokolade werden noch eingekauft und kurz nach 8 sitzen wir auf den Rädern. Im Schatten ist es noch sehr frisch, doch die Asphaltstraße führt steil bergan, uns wird also bald warm werden. Kaum einen Kilometer später hört der Asphalt auf, der Wanderweg zweigt ab und wir wechseln auf die steile Fahrpiste, die zur Alp La Peule führt (auch hier kann man übernachten). Dank der hervorragenden Schweizer Signalisation ist die Wegfindung kein Problem.















Ab hier teilen wir uns den Wanderweg mit vielen Tour de Mont Blanc-Wanderern. Zum Glück sind wir früh dran, so dass wir erst im oberen Teil des Passes von Wanderern eingeholt bzw. uns Wanderer entgegenkommen. Nach dem Regenwetter der vergangenen Tage sind alle froh und begeistert über den stahlblauen Himmel und die zunehmend grandiose Kulisse des Mont Dolent.
An Mountainbiker ist man hier gewöhnt, an Gepäckradler eher weniger. Also werden wir häufig angespochen, angefeuert oder auch nur kopfschüttelnd gemustert. Das gute Frühstück und das Wetter und die Kulisse motivieren uns zusätzlich, so dass wir weniger Passagen schieben müssen als zunächst befürchtet. Den ersten Aufschwung direkt nach der Alm schieben wir nahezu komplett, jedoch ist der Weg in den anschließenden flacheren Passagen ohne größere Probleme fahrbar.



















Am Pass angekommen, bin ich doch sehr erleichtert, dass die Auffahrt so reibungslos vonstatten ging. Damit steigt die Gewissheit, dass auch die anderen geplanten Strecken für uns mit den MTBs und Gepäck (wenn auch mit Schiebeinlagen) machbar sind. Vor der Abfahrt hinunter zum Rigugio Elena, die Achim Zahn als "Höllenritt" bezeichnet stärken wir uns zunächst mit einem zweiten Frühstück und genießen die grandiose Aussicht auf den Mont Dolent, die Aiguille Triolet und die Petits Jorasses.
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 06.09.12 07:47

Hallo Falk!

In Antwort auf: Falk
Öffne doch mal die Bilder mit einem Bildbearbeitungsprogramm und löse dann die automatische Tonwertkorrektur (bei Fotoshop und Abkömmlingen Strg + Umsch + L) aus. Die Wirkung ist in der Regel verblüffend.


Habe deinen Tipp bei den neu hinzugefügten Bildern beherzigt. Ich hoffe, die Bilder gefallen...


Gruß LUTZ
von: Falk

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 06.09.12 09:42

Ja, der Unterschied ist richtig auffällig. Gut so!
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 06.09.12 16:51

Die Abfahrt vom Grand Col Ferret hinab ins italienische Val Ferret gestaltet sich trotz der vielen im Weg als Wasserablauf senkrecht gestellten Steinplatten als meist gut fahrbar, die Steinplatten lassen sich oft gut umzirkeln, schwieriger wird's mit den nun sehr zahlreich auftretenden Wanderern. Allerdings sind diese gegenseitigen Begegnungen im Gegensatz zur heimischen Alb von Respekt und gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt. Ein paar Mal müssen wir aus dem (nach unten gestellten) Sattel und kürzere Passagen schieben, aber unter einem "Höllenritt" hatten wir uns schwierigere Passagen vorgestellt. Der Hang ist teilweise sehr steil aber nie wirklich ausgesetzt. Die Blicke können wir aber nur in Pausen oder beim Fotografieren schweifen lassen, ansonsten sind wir mit der Suche nach der besten Fahrspur vollauf beschäftigt. Die Räder sind trotz der Gepäcktaschen gut navigierbar, nur in tieferen Gräben muss man aufpassen, dass die Taschen nicht aufsetzen oder hängen bleiben. Mein Vertrauen in die Gepäckträger wächst mit jedem vernichteten Höhenmeter. Am Rifugio Elena über dem Talschluss des italienischen Val Ferret ist die Hölle los, viele Tagesausflügler, die vom Ende der Teerstraße hier herauf wandern. Hier kommen wir ins Gespräch mit "echten" Mountainbikern aus Deutschland, die in 5 Tagen den Mount Blanc umrunden. Ihnen ist anzumerken, dass sie nicht so genau wissen, wie sie uns mit unseren mit Gepäcktaschen beladenen MTBs einordnen sollen zumal wir morgen auf der von Ihnen gestern zurückgelegten Strecke weiter wollen. Wir füllen an der Hütte nur die Wasserflaschen auf und suchen uns im Talgrund am Bach ein schönes und ruhiges Plätzchen für das wohlverdiente Mittagessen mit Baguette und reichlich Käse.
















Die Teerstraße führt uns stets bergab unter den Südabstürzen der Grand Jorasses hindurch an schönen Jausenstationen, dem örtlichen Golfplatz und schönen Campingplätzen vorbei. Doch wir wollen noch etliche Kilometer und ein paar Hundert Höhenmeter weiter nach La Thuile an der Passstraße des kleinen St. Bernhard . So rollen wir am Südportal des Mont-Blanc-Tunnels unterhalb der Aiguille Noir de Peuterey und dem gleichnamigen Grat sowie der Seilbahn, die hinüber zur Aiguille de Midi führt vorbei ins schön herausgeputzte Courmayeur. Der Rückblick zum 3000 Meter über uns aufragenden Gipfel des Mont Blanc ist äußerst eindrucksvoll. Das Eiscafé in der Fußgängerzone lassen wir links liegen, denn wir wollen den am frühen Nachmittag in der Regel schwachen Verkehr nutzen, um die Passstraße nach La Thuile unter die Stollenreifen zu nehmen. Also zunächst noch zum tiefsten Punkt in Pré St Didier und dann über schöne Kehren im schattigen Wald bequem bergan. Glücklicherweise ist der Verkehr nicht zu stark, so dass die Durchfahrt durch die Galerien und Tunnel nicht zu viele Stresshormone aussetzt. Das Tal wird enger, die Straße steiler und nach einem weiteren Tunnel sind wir in La Thuile angekommen. Nach einer Dreiviertel-Ortsumrundung finden wir schließlich den auf dem GPS falsch eingezeichneten Campingplatz. Am Spätnachmittag wird gemütlich gekocht, der abendlichen Kühle entgehen wir in einem gut besuchten Schokoladen-Laden und einer Bar in der Ortsmitte, bis wir schließlich nach einem anstrengen aber erfüllten Tag müde ins Bett fallen.












von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 07.09.12 09:36


Am nächsten Morgen ist es wolkenlos aber empfindlich kalt, einer der wenigen Tage, an dem die Dauenweste zum Einsatz kommt. Nach den Zusammenpacken brechen wir sofort auf und verschieben das Frühstück auf die erste Bank am Straßenrand, die bereits von der Sonne beschienen wird. Wenige Kehren folgen wir der Passstraße zum kleinen St. Bernhard bevor wir die unscheinbare Abzweigung ins Valle de Chavannes erreichen. Zunächst noch auf Asphalt geht es steil bergan, es wird schnell warm, die Daunenweste hat für's Erste ausgedient. Nach einigen Kehren biegen wir ins noch im Schatten liegende Seitental auf die gleichmäßig in gutmütiger Steigung hinaufführende Militärpiste an. Es ist immer wieder unvorstellbar, mit welchen Mühen seinerzeit der Wegebau vorangetrieben wurde um die Kasematten kurz unterhalb der Passhöhe zu errichten und zu versorgen. Wir profitieren jedoch von der Weganlage und kurbeln gemütlich bergan. Kurzzeitig sehen wir die Südabstürze des Mont Blanc Massivs über den Grat lugen, der Rückblick das Tal hinaus zeigt das vergletscherte Massiv der Testa del Rutor mit Chateau Blanc und Mont Paramont.











Weiter oben passieren wir zwei Almen und ein paar Hirten, ansonsten ist hier (im Gegensatz zum Val Ferret am Vortag) fast überhaupt nichts los. Nach der zweiten Alm wird die Piste dann etwas holpriger und schließlich zum Singletrail auf dem sich aber bequem bis auf eine zu querende Schuttrinne hinüber zur Passhöhe fahren. lässt. Kaum treten die grünen Grashänge des Valle de Chavannes zurück wird man vom Panorama des Mont Blanc Massivs förmlich erschlagen. Ein grandioses Finale dieser beeindruckenden Passauffahrt.









von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 07.09.12 16:50

Nach reichlich Bestaunen des nicht zu überbietenden Panoramas machen wir uns an die Abfahrt ins Val Veny. Die direkte Querung vom Col de Chavannes zum Col de la Seigne ist für uns definitiv nicht machbar, die ersten Meter sogar drahtseilversichert. Auch die erste Steilstufe des Weges hinab ins Val Veny bezwingen wir indem wir zunächst die Packtaschen über die ausgesetzte Stelle hinabtragen und dann die Räder nacholen. Dann werden die Taschen wieder am Rad befestigt und es geht über einen lustigen Wiesentrail unterbrochen von etlichen Fotostopps bergab. An einer Geländestufe wird der Hang deutlich steiler. Hier treffen wir eine französische Wandergruppe auf der Tour de Montblanc. Sie wollen ganz genau wissen, was wir hier tun und wir unterhalten uns ausführlich. Der Guide berichtet uns, dass man in Chapieux zelten kann, dort werden wir die Wandergruppe heute abend wiedertreffen. Auf der Weiterfahrt müssen wir vereinzelt bei Spitzkehren kurz absteigen, ansonsten ist der Weg bis zum Talgrund des Val Veny gut fahrbar. Nach der Überquerung des Talbachs an der Brücke unterhalb der Elisabetta Soldini-Hütte machen wir Mittag.




















Hier befinden wir uns wieder auf der Hauptroute der TMB und dementsprechend viel Wanderverkehr ist unterwegs. Wir treffen auch wieder einige Mountainbiker, einige davon fahren ebenfalls vom Col de Chavannes ins Val Veny ab. Während der Mittagspause haben wir reichlich Gelegenheit unseren Abfahrtsweg am Gegenhang zu studieren (der Col de Chavannes ist der rechte Grateinschnitt im nächsten Bild).




Bis zur Hütte der Parkverwaltung auf halber Strecke zum Col de la Seigne können wir noch großteils fahren, die letzten rund 200 Höhenmeter müssen wir dann allerdings das Rad durchgehend schieben und den steilen Weg hoch wuchten. Am Col de la Seigne angekommen öffnet sich das Panorama nach Westen, die Rückschau zum Montblanc über Val Veny und Val Ferret mit dem gestern überquerten Grand Col Ferret ist und hinüber zum Col de Chavannes ist gigantisch. Die anschließende Abfahrt 600 hm zum Refuge de Mottets hinunter wird von der Aiguille des Glaciers dominiert und ist in der Tat eine tolle und für uns nahezu komplett fahrbare Trailabfahrt mit viel Flow. Kurz hinter der Refuge de Mottets endet der Trail und wir rollen auf glattem Asphalt hinunter nach Chapieux.













Hier gibt es zwar keinen Campingplatz, doch auf der großen Wiese unterhalb des Weilers ist freies Zelten ausdrücklich gestattet. Auf dem großzügigen Gelände verteilen sich etliche Wohnmobile und einige Zelte. Es gibt ein Gebäude mit mehreren Toiletten, aber keine Dusche. In der nahegelegenen Refuge de la Nova kann man allerdings für 5 EUR pro Person duschen, bei Dazubuchen des Abendessens reduziert sich der Duschpreis um die Hälfte. Als Schwaben nehmen wir selbstverständlich diese Rabattaktion mit. Die Auberge ist komplett ausgebucht, duschen können wir noch vor dem großen Ansturm der Wandersleute. Frisch geduscht genießen wir die Abendsonne und palavern mit unserem polnischen Zeltnachbarn Pavel, der sich auf dem Heimweg von Hamburg nach Warschau mit dem Motorrad in die französischen Alpen verirrt hat. Nach Untergang der Sonne wird es wiederum sehr kühl, eingepackt in mehrere Klamottenschichten spazieren wir zu dritt zur Auberge, wo wir auf Grund des Andrangs auf der Terrasse ein leckeres Abendessen genießen.

Hier treffen wir auch wieder auf die Wandergruppe und verkosten gemeinsam als Digestif Genepi, einen Kräuterlikör, der aus der ährigen Edelraute gewonnen wird und sehr lecker schmeckt. Mit vollem Magen und voller Eindrücke sinken wir in den wohlverdienten Schlaf.
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 08.09.12 08:10

Am nächsten Morgen ist es wiederum sehr frisch und die Sonne wird die Zeltwiese in Chapieux erst spät erreichen. Also kochen wir einen heißen Tee und bauen frierend ab. Um 8 Uhr können wir das am Vortag reservierte Brot am kleinen Laden abholen, genehmigen uns ein schnelles Frühstück und verabschieden uns von Pavel. Es sind nur mehr wenige Kilometer die Südrampe des Cormet de Roselend hinab nach Bourg St Maurice. Aber wir sind ja hier um Pässe zu fahren, also biegen wir nach rechts ab und kurbeln stattdessen den Cormet de Roselend hinauf. Der Blick zurück zeigt nochmals die Aiguille des Glaciers oberhalb des Col de la Seigne. Bald erreichen wir die sonnenbeschienen Hänge und genießen die wärmenden Sonnenstrahlen. Schnell ist die Passhöhe des Cormet de Roselend erreicht. Der Blick nach Norden Richtung Genfer See macht deutlich, dass wir noch nicht wirklich weit vom Ausgangspunkt entfernt sind. Die Abfahrt Richtung Beaufort ist sehr kurzweilig. An der Staumauer des Lac de Roselend biegen wir von der Hauptstraße ab und erklimmen den Col du Pré mit tollen Blicken zum Montblanc.













Die schmale Passstraße führt auf der Westseite in vielen engen Kurven steil hinab, hier kommen uns viele viele Rennradler entgegen. Offenbar ist dies die gängige Variante für die Befahrung des Cormet de Roselend. Bei der Abzweigung eines Schotterweges checken wir das GPS, hier können wir abzweigen und später auf die Straße zum Cormet d'Areches treffen. Auf diese Weise sparen wir wir einige Höhenmeter. Nach der Schottereinlage erklimmen wir die Nordseite des Cormet d'Areches. Zunächst im angenehm schattigen Wald bis zur Staumauer des Lac de St Guerin. Unterhalb des Stausses in L'Ami füllen wir die Trinkflaschen bei einem einladenden Campingplatz auf. Aber wir wollen heute noch über den dritten Pass des Tages. An der Staumauer herrscht reges Treiben, mehrere Busse stehen auf dem Parkplatz neben dem Kiosk, viele Picknicker und ein paar Angler. Die Straße wird schmaler, ist aber noch asphaltiert. Erst kurz vor Erreichen des Lac des Fees wechselt der Belag auf Schotter. Mit dünnen Rennradreifen wäre hier Schluss, für ein normales Reiserad aber problemlos befahrbar. Auch hier sind viele Ausflügler und Fernwanderer unterwegs, einige davon auf der einwöchigen Tour du Beaufortain. An der Passhöhe sind wir nach knapp 2000 zurückgelegten hm ganz schön platt und führen uns auf der nahegelegenen Refuge de la Coire dringend benötigte Kalorien zu. Der Blick öffnet sich nach Süden auf die Gipfle des Vanoise-Massivs. Statt der Schotterstraße wählen wir als Abfahrtsvariante den netten Wanderweg. Zurück auf der Teerstraße geht es über viele steile Kehren hinunter. Oberhalb des Talbodens des Isere-Tals biegen wir nach Osten ab und sammeln auf der Höhenstraße noch schöne Ausblicke aber auch noch etliche Höhenmeter bevor die Straße nach Bourg St Maurice hinabführt.
















von: Wittmundertorfbrand

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 08.09.12 10:52

Hallo lutz,

mensch habt Ihr geiles Wetter gehabt!!!!!!!!

Super tolle Bilder!! Tolle Tour!!!!

Gruß Ralf
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 08.09.12 12:59

Hallo Ralf!

In Antwort auf: Wittmundertorfbrand
mensch habt Ihr geiles Wetter gehabt!!!!!!!!


Die Bilanz der einmonatigen Tour: zwei halbe Tage Regen, dreimal Gewitter abends bzw. nachts im Zelt

Tja, wenn Engel reisen...

Im Ernst: Wir hatten wirklich großes Glück mit Wetter, insbesondere auf den "Königsetappen" war es zumeist wolkenlos und stahlblauer Himmel. Einige hier haben die Alpen auch schon bei wesentlich schlechterem Wetter durchquert, das verdient meinen vollen Respekt. Unsere Motivation hängt doch sehr stark vom Wetter ab. Insofern waren wir auf dieser Tour (meist) hochmotiviert...


Gruß LUTZ

von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 08.09.12 13:03

Nach den vergangenen drei Tagen fällt der Spannungsbogen der Tour nun etwas ab. Bedingt durch das MTB-Fahrverbot im Herzen des Vanoise-Nationalparks bleibt als Alternative "nur" die Straße nach Val d'Isere und weiter über den Col de l'Iseran. Da wir in den letzten Tagen jeweils reichlich Höhenmeter gesammelt und an unsere konditionellen Grenzen gekommen waren beschließen wir die Auffahrt (knapp 2000 hm) in zwei Teilstücke zu unterteilen. Auf dem ersten Teilstück von Bourg St Maurice nach Val d'isere lässt sich die viel befahrenen Straße nur teilweise umgehen, Galerien und Tunnels auf (in Michelin-Karten) roten Straßen gehören auch nicht gerade zu unseren Tourenhighlights. In jedem Fall schlafen wir erstmal lang, trocknen die Wäsche und packen gemütlich zusammen. In einem Fahrradladen kaufen wir neue Cleats, da Madame gestern eine Schraube verloren hatte und daraufhin kaum mehr aus dem Pedal ausklicken konnte. Am Gare Routiere erfahren wir, dass es zwar Busse nach Val d'Isere gibt, den nächste aber erst um 14:00 Uhr fahre und niemand garantieren kann, dass der Bus auch Fahrräder mitnimmt. Na, dann eben nicht, fahren wir eben mit dem Rad. Aber nicht auf der Hauptstraße sondern zunächst auf einem Wanderweg, der auf der rechten Talseite bergauf führt. Ein erstes Hindernis stellt sich uns in Form von Holzfällarbeiten in den Weg, ist aber schnell überwunden. Der Wanderweg mündet später in ein schmales Sträßchen, ab hier geht es steil bergauf. Ein Schild "Route barrée" kündet weitere Bauarbeiten an. Madame interpretiert das Schild so, dass das Örtchen Villaroger nicht zu erreichen ist, ich hingegen meine, dass die Zufahrt bis Villaroger "accessible" sei. Eine gravierende Fehleinschätzung, wie sich später herausstellen sollte. Also folgen wir dem Sträßchen weiter bergan. Wir gewinnen schnell an Höhe und befinden uns deutlich über der großen Straße, die im Talgrund des Isere-Tals verläuft. Kurz hinter einer Abzweigung erreichen wir einen Zaun, der quer über die Straße verläuft und kein Durchkommen lässt. Dahinter befinden sich zwei Bauarbeiter, die sich über eine Felswand über der Straße abseilen und Sprengladungen anbringen. Sie machen uns unmissverständlich klar, dass hier kein Durchkommen ist: "pas d'accès à Villaroger!". Da hilft auch kein Bitten und Betteln. Also müssen wir mühsam erkämpfte 200 hm hinunter ins Tal und hier auf die große Straße wechseln. Mit Stimmung und Motivation geht es ebenfalls steil bergab. Aber es hilft nichts, wie kämpfen uns die viel befahrene Straße hinauf. Die auf einem Schild angegebenen Bestzeiten der Tour de France-Profis auf dem Weg nach Tignes werden wir so nicht unterbieten können. Erst weiter oben öffnet sich das Tal und man kann während der Auffahrt das Auge schweifen lassen. Endlich ist die Staumauer des Lac du Chevril erreicht und damit die Abzweigung nach Tignes erreicht.













Wir folgen der ebenen Straße am Stauseeufer entlang Richtung Val d'Isere. Hier passiert man etliche Galerien und Tunnels und wir sind froh, als uns der letzte Tunnel schließlich im Straßendorf Val d'Isere ausspuckt. Im Gegensatz zu Tignes gibt es hier fast keine Hochhäuser, die meisten Chalets und Feriensiedlungen sind im lokalen Baustil mit steinernen Wänden und mit Steinplatten belegten Dächern gehalten. Lang zieht sich der Ort die Straße hinauf, am Ortsausgang befindet sich endlich der sehr schöne Campingplatz auf einer sonnigen Wiese. Wir bauen unser Zelt neben einem französischen Reiseradlerpaar mit BOB Ibex-Anhänger auf und unterhalten uns ausführlich. Nach der Kurzetappe genießen wir den Nachmittag in der Sonne, gehen gemütlich einkaufen und degoustieren diverse Kräuterliköre.
von: DrKimble

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 08.09.12 13:40

Hallo,

das nenne ich einen Traumurlaub....ihr seid zu beneiden.
Gigantisch schöne Fotos....Danke fürs einstellen und die Mühe die ihr euch macht um andere daran teilhaben zu lassen.

bier
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 09.09.12 08:06

Hallo Frank!

In Antwort auf: DrKimble

Gigantisch schöne Fotos....Danke fürs einstellen und die Mühe die ihr euch macht um andere daran teilhaben zu lassen.


Bitte gerne, ich hoffe der Bericht gefällt genauso, wie uns der Urlaub gefallen hat... schmunzel


Gruß LUTZ
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 09.09.12 08:14

Dank der günstigen Ost-West-Lage des Isere-Tales bekommt der Campingplatz schon früh Morgensonne. Während wir zusammenpacken kommt dann das Bäckerauto vorbei und wir können direkt auf dem Campingplatz frühstücken. Auch unserere Zeltnachbarn sind schon auf und wir bekommen noch den Tipp im Arc-Tal nicht auf der Straße sondern stattdessen auf dem Chemin de Petit Bonheur zu fahren. Doch vorher muss zunächst der Col d'Iseran bezwungen werden. Schon am frühen Morgen sehen wir mehr Radler als Autos auf der Straße. Erst im Laufe des Vormtitags nimmt der Verkehr zu, da hier aber fast ausschließlich Touristen unterwegs sind ist der Verkehr kein Problem. Bald wird zum letzten Mal das kleine Flüsschen Isere überquert bevor sich die Straße in weiten Kehren den Berg hinauf schraubt. Hilfreich sind die Kilometersteine, die über die erreichte Höhe, die Entfernung zum Gipfel sowie die mittlere Steigung auf dem nächsten Kilometer informieren. Das Panorama wird mit jeder Pedalumdrehung besser, die vergletscherte Grande Casse im Vanoise-Nationalpark ragt weit über den Horizont. Ohne die allgegenwärtigen Skilifte sähe es allerdings noch besser aus. Es ist lustig, weil wir unterwegs immer die gleichen Leute überholen bzw. beim nächsten Fotostopp von diesen überholt werden. So treffen wir wiederholt eine Mutter mit ihrem 14-jährigen Sohn, die mit leichtem Gepäck auf der Route des grandes Alpes unterwegs sind. Eine sehr beachtliche Leistung von beiden! Auf diese Weise wird die Auffahrt bei bestem Wetter sehr kurzweilig.









Oben an der Passhöhe angekommen reihen wir uns zunächst in die Schlange der Passschild-Fotografen ein. Jedem steht nur ein schmaler Zeitslot für das begehrte Foto zur Verfügung. Wer zu lange braucht, wird von der nachdrängenden Menge aufgefordert sich zu beeilen und den beliebten Platz freizuräumen. Wir suchen uns ein windgeschütztes Plätzchen und machen lange Pause. Bald stürzen wir uns in die Abfahrt hinunter ins Arc-Tal. Auch hier müssen wir angesichts des Panoramas mehrere Fotostopps einlegen. Im Gegensatz zur Nordrampe befindet man sich hier streckenweise im Vanoise-Nationalpark, es gibt also keine Skilifte und die unverbaute Südseite ist wesentlich schöner also die Nordseite des Passes.











In Bonneval sur Arc, einem der schönsten Dörfer Frankreichs gibt es angesichts der vorherrschenden Temperaturen erstmal einen Eisbecher. Durch die wunderschönen steingedeckten Häuser des Ortskerns stoßen wir auf den Chemin de Petit Bonheur, auf dem wir weiter talabwärts rollen. Der Weg führt abwechslungsreich am Fluß entlang über schöne Wiesen und nette Wälder und beschert uns großen Bonheur, während der motorisierte Verkehr auf der asphaltierten Talstraße unterwegs ist. Zwischen Bessans uns Lanslevillard wechselt der Chemin auf die andere Talseite. Dieser Teil ist nicht auf der von uns benutzen Wanderreitkarte eingezeichnet aber gut ausgeschildert. So stoßen wir nach einem unerwarteten Gegenanstieg auch noch auf eine kurze mit "VTT" beschriftete Singletrail-Abfahrt bevor wir zunächst Lanslevillard und schließlich das Straßendorf Lanslebourg erreichen. Hier zweigt die Passstraße zum Col du Mont Cenis ab. Diesen wollen wir morgen auf Schotterpisten überqueren und mieten uns auf dem örtlichen Campingplatz ein. Wie üblich sieht der von uns gewählte Platz innerhalb kürzester Zeit so aus, als ob dort zwei Radfahrer explodiert seien. Wir bummeln noch durch den Ort, beobachten die Kinder, die mit Klettergurten gesichert auf Trampolinen springen, informieren uns über die Ereignisse bei Olympia und ich fotografiere wie üblich noch im Touristenbüro die für morgen benötigten Karten ab. Höhepunkt ist dann noch der Besuch der Cooperative Latiere de Haute Maurienne, wo wir uns mit einem käasekulinarischen Rückblick der bisher zurückgelegten Strecke eindecken: Abondance, Tomme de Savoie, Beaufort und örtlicher Ziegenkäse. Lecker lecker lecker!












von: Wittmundertorfbrand

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 09.09.12 13:01

Hallo Lutz,

einfach nur "geniale Tour" !!!

Suuuuupper!!!!!!!!!

Danke für die Bilder. Die machen süchtig!!!

Ralf
von: Charly 29

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 09.09.12 17:34

Hallo Lutz!

Gratuliere zu dieser Wunderschönen Tour.
Meine Frage! Welchen Gepäckträger benuzt Ihr?

Lg
Charly
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 09.09.12 23:01

Hallo Charly!


In Antwort auf: Charly 29
Meine Frage! Welchen Gepäckträger benuzt Ihr?


Wir haben das Modell Strela von Veloplus aus der Schweiz benutzt. Hier die ausführliche Montageanleitung. Gibt es offenbar nicht in Deutschland, habe also in der Schweiz bestellt und das Paket dann hier beim Zoll abgeholt und die Mehrwertsteuer nachbezahlt.

Der Träger lässt sich bei einem Hinterrad mit Schnellspannerachse sehr leicht montieren, ggf. noch Unterlagscheiben anbringen, damit der Träger nicht am Rahmen scheuert. Beim Liteville mit Steckachse hinten war etwas Bastelarbeit nötig. Auf der einen Seite haben wir einen Stehbolzen angebracht auf der anderen Seite ein Gewinde in den Träger geschnitten um die Steckachse zu befestigen. Beide Träger haben gut durchgehalten und das Gepäck ohne Murren und Wackeln transportiert. Einziger Nachteil: Bei einer Hinterradpanne wäre es nötig gewesen, den Gepäckträger abzubauen um, das Hinterrad ausbauen zu können. Aber wir hatten keine Reifenpanne! grins

Bis auf eine losgerüttelte Halterung, die durch eine improvisierte Lösung ersetzt werden musste gab es keinen Ausfall am Träger. Und auf manchen Pisten waren wir über die Hinterradfederung durchaus froh. Also von unserer Seite 5 von 5 Punkten für den Träger.


Gruß LUTZ
von: StefanS

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 10.09.12 17:02

In Antwort auf: lutz_
Der Wanderweg mündet später in ein schmales Sträßchen, ab hier geht es steil bergauf. Ein Schild "Route barrée" kündet weitere Bauarbeiten an. Madame interpretiert das Schild so, dass das Örtchen Villaroger nicht zu erreichen ist, ich hingegen meine, dass die Zufahrt bis Villaroger "accessible" sei. Eine gravierende Fehleinschätzung, wie sich später herausstellen sollte.

Da habt Ihr wohl dasselbe Schild wie ich gesehen. Ich konnte dem auch nicht entnehmen, ob die Straße nun frei war oder nicht, so unklar war das formuliert. Bin dann auf der Straße weiter. Falls es Euch tröstet, Ihr hättet zwischen Villaroger und Sainte-Foy-Tarentaise ebenfalls wieder an Höhe verloren.

Danke für den Reisebericht und die schönen Fotos! Ich lese ihn mit besonderem Interesse, da ich im Juli auf der Route des Grandes Alpes unterwegs war (Bericht in Vorbereitung).

Viele Grüße,
Stefan
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 10.09.12 22:41

Am nächsten Morgen führt unsere Route auf einer Piste forestiere nur wenige Meter hinter unserem Zeltplatz vorbei. Aber ohne Frühstück wollen wir die über 1200 Höhenmeter zum Col de Sollieres nicht angehen. Also geht es zunächst zu einem schnellen Frühstück in den Ort. Wir rollen auf der Straße Richtung Mont Cenis und direkt nach der Brücke über den Arc-Fluss am Sessellift vorbei nach rechts in den Wald. Auf der anfangs gemütlichen und später aber recht steilen Piste Forestiere gewinnen wir an Höhe. Erst nachdem wir die Gipfelstation des Sesselliftes passiert und die Waldgrenze erreicht haben öffnet sich das Panorama nach Norden auf den Dome de Chasseforet im Vanoise Nationalpark. Dort würden wir gerne mal die Skidurchquerung "la Poule" in Angriff nehmen. Leider hat das dieses Frühjahr witterungsbedingt nicht geklappt. Im Gegensatz zu den vorangegangen Tagen ist es heute leicht überzogen und eine Wetteränderung vorhergesagt. Auf den Almen wird das Heu eingefahren und auch ein Traktor mit Anhänger quält sich die Piste hinauf. Leider lassen wir uns an einer Wegkreuzung von der VTT-Beschilderung verwirren und verpassen den oberen Weg, der auf der alten Militärpiste in gleichmäßiger Steigung durch ein Geröllfeld zum Col de Sollieres führt. So fahren wir zunächst nur mehr leicht bergaug und bleiben im Talboden. Nach dem Passieren einer Alm müssen wir die letzten 300 Höhenmeter zur Passhöhe schieben, hoch über uns zieht die eigentliche Route am Hang entlang.













Das letzte Bild zeigt die Militärpiste, auf der wir die Passhöhe erreichen wollten. Leider sind wir zuvor falsch abgebogen und mussten diesen Fehler durch einstündiges Schieben büßen. Dafür ist die Abfahrt vom Col de Sollieres ein Heidenspaß, ein komplett fahrbarer Wiesentrail hinunter zum Refuge du Petit Mont Cenis. Etwas unwirklich sieht die Landschaft aus mit den tiefliegenden Wolken, durch die wir den Lac de Mont Cenis nur ahnen können. Die Murmeltiere pfeifen und auf der Westseite des Sees führt eine ehemalige Militärpiste gen Süden. Auf nahezu jedem Gipfel, der über uns aufragt, befinden sich die Ruinen eines ehemaligen Forts. Leider können wir davon nicht allzuviel sehen, immer dichter wird der Nebel. Auf endlosen steinigen Pisten holpern wir dahin. Am im Nebel kaum sichtbaren Lac de Roterel überqueren wir die Grenze nach Italien, ab dem Lago d'Arpon beginnt ein steiles Schottersträßchen, auf dem wir kurz oberhalb von Bar Cenisio die Asphaltstraße des Col du Mont Cenis erreichen.

















Von der breiten Passstraße biegen wir bereits nach wenigen Hundert Metern auf ein kleines Sträßchen ab, das uns tendenziell bergauf nach Montcenisio führt. Hier befinden wir uns nun wieder unterhalb der Wolken und können tief unten im Tal bereits Susa erkennen. Nach dem Dörfchen Montcenisio stürzt sich die schmale Asphaltstraße förmlich bergab und die Scheibenbremsen müssen Schwerstarbeit verrichten. Unten im Tal wird es deutlich wärmer und bald ist Susa erreicht. In der Touristeninformation erfahren wir, dass es hier keinen Campingplatz gibt. Entweder 8 km Richtung Turin oder rund 20 km und 500 Höhenmeter talaufwärts in Salbertrand. Aber es gebe einen kostenlosen Shuttlebus mit Radtransport dorthin. Prima denken wir uns, um zur Abfahrtszeit des Shuttles an der Haltestelle festzustellen, dass der Bus nur zwar Personen aber keine Fahrräder mitnimmt. Zurück in der Touristeninformation stellen wir im Kleingedruckten fest, dass in der Tat die Linie Susa-Oulx des Shuttle-Verkehrs die einzige ist, die _keine_ Fahrräder mitnimmt. Auf allen anderen Linien ziehen die Busse Anhänger, auf denen bis zu 10 Fahrräder mitfahren können. Aber eben nicht auf der von uns gewünschten Strecke nach Salbertrand. Mittlerweile ist es spät geworden, auch die nächste Zugverbindung von Susa über Bussoleno nach Oulx tranportiert keine Fahrräder. Deshalb beschließen wir die paar Kilometer talabwärts nach Bussoleno mit dem Rad zum dortigen Campingplatz zu fahren. Gesagt getan und nach einiger Suche sind wir am hässlichsten Campingplatz angekommen, auf dem wir je übernachtet haben. Es gibt dort ausschließlich Wohnwagen, die in Holzpavillons fest eingebaut sind und sicherlich seit Jahrzehnten nicht mehr bewegt wurden. Auch die Bewohner des Campingplatzes scheinen die letzten 60 Jahre jede Sommerferien hier in ihrem Wohnwagen zugebracht zu haben. Obwohl nicht mehr die Jüngsten senken wir hier den Altersdurchschnitt deutlich. Wir "dürfen" uns für teures Geld auf einen schmalen Grasfleck zwischen zwei Wohnwagen quetschen. Wenigstens war die wohlverdiente Dusche heiß. Zum Glück wurde uns in der Touristeninformation in Susa eine Pizzeria im Nachbarort San Gioro di Susa empfohlen. Dort speisen wir am lauen Sommerabend vorzüglich und reichhaltig. Unseren hier eingeplanten Ruhetag wollen wir aber auf diesem Campingplatz definitiv nicht verbringen…
von: veloträumer

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 11.09.12 14:01

In Antwort auf: lutz_
Deshalb beschließen wir die paar Kilometer talabwärts nach Bussoleno mit dem Rad zum dortigen Campingplatz zu fahren. Gesagt getan und nach einiger Suche sind wir am hässlichsten Campingplatz angekommen, auf dem wir je übernachtet haben.

Da bin ich aber froh, dass ich diesen gemieden habe. Als ich seinerzeit 2007 auf eine meiner Alpentouren vom Finestre-Pass kommend zum Mont-Cenis-Pass weiter wollte, stand ich auch vor dem Problem der Unterkunft in Susa. Ich wollte damals einfach nicht noch weiter talabwärts von meiner Route kommen und hatte mich zu einer Hotelunterkunft entschlossen - war noch das preiswerteste in Susa, wo es nur wenig Unterkünfte gibt, die aber recht teuer - vielleicht wegen der Transitlage und bereits zu weit in der Ebene und zu städtisch (in Cesena Torinese habe ich da bessere Erfahrung gemacht trotz Wintersportort). Das Hotel liegt auch schon quasi auf halben Weg nach Bussoleno. Soweit mir aber durch andere Radler zu Ohren kam, soll es in Novalesa eine recht günstige und nette Unterkunftsmöglichkeit geben.

Auf dem Camping in Salbertrand war ich auch schon - 2009 auf meiner Westalpen-Tour, auf der ich auch die Montceniso-Straße gefahren bin (allerdings aufwärts) und einen Abstecher zum Col du Petit Mont-Cenis gemacht habe (allerdings nur teils auf Schotter am See, danach nur die Straße als Stichstraße gefahren und retour zum Col du Mont Cenis). Die beiden Strecken haben mir auch sehr gut gefallen. Um noch den Camping Salbertrand abzuschließen: Ist auch nur ein relativ häßlicher Transit-Camping, hat aber alle soliden Einrichtungen, die man als müder Radler braucht.

Danke für deinen ausführlichen Bericht mit den vielen grandiosen Bildern. bravo Einige Teile habe ich noch nicht genau gelesen - werde ich noch nachholen.
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 12.09.12 10:44

Am nächsten Morgen packen wir schnell zusammen und entfliehen dem kartenspielenden Rentnerparadies und den allgegenwärtigen Handtaschenhündchen. Wir fahren die kurze Strecke zum Bahnhof nach Bussoleno und besteigen samt Fahrrädern den nächsten Zug nach Oulx.

Dort angkekommen gibt es zunächstmal leckere Törtchen als Frühstück. Neben einem Sportgeschäft befindet sich im Kellerabgang eine Fahrradreparaturwerkstatt. Dort ersetzen wir die Halterung der Querstrebe an meinem Gepäckträger durch ein Provisorium. Die Halterung hatte sich offenbar gelockert und ist irgendwo auf einer Holperpiste am Mont Cenis abgefallen. Also öfter mal die Schrauben kontrollieren...

Anschließend kaufen wir ein paar kulinarische Leckereien für unseren Ruhetag und fahren die kurze Strecke wieder talabwärts zwischen Salbertrand und Oulx liegenden Camping Gran Bosco. Dort mieten wir uns für zwei Tag ein, schließlich soll heute ja unser Ruhetag sein. Der Platz ist groß und voll, auf der Zeltwiese hinter den obligatorischen holzverkleideten Wohnwägen finden wir aber so früh am Tag noch ein schönes Plätzchen mit Bank und Stühlen.

Wir verbringen den Tag mit Waschen, Essen, Lesen, Faulenzen und etwas Tourenplanung per iPod im Internet. Am Nachmittag laufen wir zur Bushaltestelle um den kostenlosen Shuttlebus nach Susa zu nehmen. Im Alta Valle Susa gibt es während der Hauptsaison zu Ferragosto einen kostenlosen Shuttlebus-Service mehrmals am Tag (u.a. nach Susa, Oulx, Bardonecchia, Sestriere und zum Col de Montgenevre). Der Bus der uns samt Rädern am Vortag nicht mitnehmen wollte bringt uns als Fußgänger bequem hinunter ins schöne Städtchen Susa. Leider sind zu Ferragosto viele Läden geschlossen. Trotzdem genießen wir zur Abwechslung einen Stadtbummel und einen Eisbecher.







Am späten Abend bringt uns der Bus wieder bequem zurück und wir können sogar direkt vor dem Eingang des Campingplatzes aussteigen. Der Platz ist fest in der Hand von italienischen Familien und deutschen motorisierten Offroad-Piloten mit zweirädrigen und vierrädrigen fahrbaren Untersätzen. Wir unterhalten uns noch sehr nett mit zwei Endurofahrern aus dem Rheinland, die hier eine Woche verbringen und die zahlreichen auch für Motorisierte erlaubten Schotterpisten abfahren.

Es ist schon recht spät, als wir endlich im Zelt liegen und schlafen wollen. Doch plötzlich dröhnt lauthals ein "Buona sera, benvenuti, benvenuti" durch die Lautsprecheranlage. Yippieh, quer über den Platz werden in unüberhörbarer Lautstärke die Gewinner des Fußballturniers von heute mittag gekürt. Und zur Belohnung gibt es noch ein ausführliches Musikprogramm. Unsere Zeltnachbarn beruhigen uns, das sei hier jeden Abend so, nach zwei Stunden sei aber alles vorbei. Und im übrigen sei morgen abend die allseits beliebte Kinderdisco, ebenfalls zu nachtschlafender Zeit zu der müde Schotterpistenpiloten üblicherweise längst in der Heia liegen.

Benvenuti, so ist das eben zu Ferragosto in Italien.

Konsequenter Einsatz von vorsorglich eingepacktem Ohropax (eher gegen Schnarcher bei evtl. Hüttenübernachtungen gedacht) ermöglicht uns dann doch noch eine geruhsame Nacht.
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 12.09.12 20:05

Nach dem "Ruhetag" mit Campingplatzumzug, Stadtbummel in Susa und abendlicher Animation fällt es uns nicht leicht morgens früh um 6:30 Uhr aufzustehen, aber wir wollen schließlich den 8 Uhr Shuttlebus von Oulx nach Susa erwischen.
Heute darf das Zelt nochmal stehenbleiben, wir wollen mit leichtem Gepäck über die Assietta-Kammstraße. Dir ursprüngliche Planung von Susa Richtung Col de Finisterre und weiter über die Kammstraße nach Sestriere war uns als Etappe zu heftig und die Möglichkeit mit dem Shuttlebus ohne einen Schweißtropfen zu vergießen nach Sestriere zu kommen war doch sehr verlockend. Also radeln wir am frühen Morgen die paar Kilometer nach Oulx, schlagen uns beim Bäcker die Bäuche voll und warten vor dem Bahnhof auf den Shuttlebus. 10 Minuten nach 8 Uhr werden wir langsam nervös und fragen uns, ob der Bus doch in der Stadtmitte hält? Gerade als wir die Hoffnung schon aufgegeben haben biegt der Bus doch noch um die Ecke. Die Räder werden auf den Anhänger gehoben, zwei Bügel über Vorder- und Hinterrad geschoben und mit Spanngurten befestigt. Dann geht es nach Cesana Torinese. Dort steigen wir in den Bus nach Sestriere um, also Räder abladen und wieder aufladen. Dafür haben wir um 9:15 Uhr bereits 1000 Höhenmeter "geschafft" und befinden uns in Sestriere. Sestriere liegt in über 2000 Meter Höhe und war Austragungsort der alpinen Wettbewerbe bei den Winterspielen von Turin 2006. Hier beginnt bzw. endet die über 35 Kilometer lange Assietta-Kammstraße bis zum Col de Finisterre. Die Straße führt als Schotterpiste über mehrere Pässe stets in Höhen über 2000 Meter über den Assietta-Kamm, der das Valle Susa und das Vae Chisone voneinander trennt. Tief unten im Val Chisone sind die Skisprungschanzen von Pragelato zu sehen.
















Während am frühen Morgen fast nur Mountainbiker auf der Kammstraße unterwegs sind kommen nach und nach auch die motorisierten Kollegen aus den Löchern. Geländewagen unterschiedlichster Ausstattung vom Kübelwagen bis zum High-End-SUV vollgepackt mit Familien mit Picknickkörben und viele Motorräder sind unterwegs. Am Denkmal für die Assietta-Schlacht kehren wir um. Auf dem Kamm haben sich im Jahre 1747 Zehntausende Soldaten gegenseitig die Köpfe eingeschlagen, da der Weg durch die Täler nach Osten durch stark befestigte Forts versperrt war. Also wählten die vorrückenden Franzosen den Weg über den Bergkamm. Dieser wiederum war durch die Piemontesen bereits besetzt und teilweise befestigt worden. Unvorstellbar, wie hier oben vor über 250 Jahren Krieg geführt worden war.












Wir fahren zurück zur Abzweigung der Strada dei cannoni. Hier führt uns ein schöner Wanderweg hinunter Richtung Valle Susa. Bis zur Waldgrenze mit schönen Blicken und dann steil hinab zum Weiler Montagne Seu. Ab hier ist der Wanderweg durch den Parco naturale de Gran Bosco für Mountainbikes gesperrt und wir halten uns selbstverständlich an dieses Gebot. Also bleibt nur den Höhenweg nach Montfol und über Sauze de Oulx hinunter ins Susatal. Dort lassen wir den Tag bei einem weiteren Eisbecher (könnte man sich dran gewöhnen), gemütlichem Kochen und Quatschen mit den Enduro-Nachbarn ausklingen. Die Kinderdisco setzt erst ein, als wir gegen zehn Uhr schon im Zelt liegen...

Andere Länder, andere Sitten! ;-)
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 15.09.12 18:58

Am nächsten Morgen packen wir auf dem Camping Gran Bosch in Salbertrand unsere wenigen Habseligkeiten zusammen und radeln zunächst wiederum nach Oulx. Dort steigen wir in den Shuttlebus ein, der uns in einer Viertelstunde nach Bardonecchia bringt. Auf dem Weg zum Einstieg in die Waldpiste zum Colle della Mulattiera passieren wir den Sessellift des örtlichen Bikeparks. Wir schauen uns kurz an und beschließen kurzerhand uns den Anfstieg mit Lifthilfe zu erleichtern. Am Kassenhäuschen müssen wir der Kassiererin klar machen, dass wir nur eine einzige Bergfahrt benötigen und auch kein Pfand für die Liftkarte bezahlen wollen, da wir ja nicht mehr an der Talstation vorbei kommen werden. Mit der Hilfe eines hilfsbereiten Italieners können wir schließlich unser Anliegen klarmachen und kaufen die Liftkarten. Auf meine Frage, ob die Bahn zur Punta Colomion fahre, heißt es "Si, si, Punta Colomion". Also gehen wir umgeben von Protektoren tragenden Downhillern samt ihren Bikes mit beeindruckenden Federwegen zur Gondel. Dort wird das Gepäck in einen Sessel geladen, die Räder an einem Haken aufgehängt (so ähnlich wie in manchen Zügen) und schon schweben wir gemütlich nach oben. Prima denken wir uns, bis wir nach wenigen Minuten bereits an der Bergstation ankommen. Nun schauen wir, wo die Anschlussgondel weiterfährt. Aber Pustekuchen! Nur 280 Höhenmeter beträgt der Höhenunterschied, offenbar genug für die Downhiller. Die Lifte, die weiter nach oben zur Punta Colomion führen sind nur im Winter in Betrieb. Na Spitze! Das ganze Gedöns für schlappe 280 Höhenmeter…

Naja, der Ärger über die teuer bezahlten Höhenmeter währt nur kurz und wir tauchen in den Wald ein und müssen uns ganz schön ins Zeug legen um die steile Waldpiste fahrend zu bewältigen. Zum Glück verläuft die Piste nahezu komplett im Schatten, trotzdem fließt der Schweiß in Strömen. Kurz vor der Hütte an der Punta Colomion verlässt die Piste den Wald und es öffnen sich schöne Blicke hinunter nach Bardonecchia und zurück über das Valle Susa zum Assietta-Kamm und zum Mont Jafferau, der direkt gegenüber liegt.








Wir haben uns zuvor entschieden die Piste von Salbertrand zum Mont Jafferau auszulassen, da uns hier an Ferragosto zu viele motorisierte Fahrzeuge auf den Pisten unterwegs sind. Hinter der Hütte an der Punta Colomion verfolgen wir die nun ruppiger werdende Piste Richtung Colle de Mulattiera. Ab hier herrscht dann auch Fahrverbot für die motorisierte Fraktion, die offenbar noch vor wenigen Jahren diesen Pass ebenfalls anfahren konnte. Kurz bevor wir in einen Hungerast hineinfahren wird auf einem aussichtsreichen Plätzchen Mittagsrast gehalten. Hier werden wir von 2 italienischen und 2 deutschen Mountainbikern überholt, die sich über unsere Gepäcktaschen wundern. Die Piste ist im mittleren Abschnitt sehr ruppig und zwingt uns einige Male aus dem Sattel, wird im oberen Teil mit vier weiten Kehren aber wieder flacher und besser fahrbar. Schon von weitem sieht man die Kasematten unterhalb der Passhöhe, die wohl der Grund für die Errichtung der Piste waren. An der Passhöhe angekommen durchstreife ich das zweistöckige Bauwerk und stelle mir vor, wie die Soldaten hier oben wohl gehaust haben.


















von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 15.09.12 21:19



Wir unterhalten uns während unserer ausgedehnten Gipfelrast nett mit den Bikerkollegen, die auf anderen Pfaden wieder hinunter nach Bardonecchia wollen. Wir hingegen fahren über einen schönen Wanderweg zunächst hinunter zum Col des Acles wo wiederum die Ruinen von französischen Militärbaracken verfallen.










Ab hier schlängelt sich ein toller Trail mit viel Fahrspaß hinunter in Richtung der Chalet des Acles. Dort treffen wir auf eine Schotterpiste die uns in mehreren Kehren steil hinunter ins Val Clarée nach Plampinet führt. Wir fahren noch wenige Kilometer bergauf nach Nevache und passieren dabei die Abzweigung des Col d'Echelle, der Nevache und Bardonecchia miteinander verbindet. Die Aire Naturelle des Campingplatzes in Nevache zieht sich über einen Kilometer am Bach entlang und wir zelten in der Nähe der Rezeption. Fasziniert beobachten wir, wie der dortige Shuttlebus unzählige Touristen im Viertelstundentakt vom Ende des Tals nach Nevache herunterbringt. Der zuvor vollbesetzte Parkplatz leert sich zusehends, der Campingplatz füllt sich entsprechend. Kein Wunder, denn auch in Frankreich ist am 15eme aout ein Feiertag. In der örtlichen Epicerie können wir jedoch trotzdem ein Feierabendbier kaufen. Den Abend verbringen wir in der etwas unorthodox geführten Pizzeria in lustiger Gesellschaft.




















von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 18.09.12 21:18

Am nächsten Tag wollen wir die die Gegend zwischen dem Claree-Tal und Briancon erkunden. Gewarnt durch veloträumers Bericht wussten wir, dass uns von Val de Pres Richtung Col de Granon eine steile und steinige Schotterpiste erwartet. Mit breiten Stollenreifen und in der kleinsten Über- bzw. Untersetzung 22-34 ist die Piste trotz Gepäck für uns bergauf aber gut fahrbar. Allerdings teilen wir veloträumers Einschätzung, dass die Piste im unteren Teil für Reiseräder definitiv nicht geeignet ist. Nach Erreichen des Weilers Granon geht die Steigung leicht zurück und oberhalb der Waldgrenze öffnet sich der Blick zum Col de Granon. Von dort führt eine Piste in leichtem Gefälle immer am Hang entlang zum Fort d'Olive.









Nach Erreichen dieser Piste folgen wir ihr ein kurzes Stück und biegen wir gleich darauf auf eine Militärpiste zum Fort de Lenlon. An diesem Abzweig werden wir später auf dem Weg vom Fort d'Olive wieder vorbeikommen. Das Fort Lenlon thront in beeindruckender Lage auf einem Berggipfel. Von hier aus hat man einen tollen Rundumblick. Nach einer ausgedehnten Rast nehmen wir den Serpentinentrail der hinunter zum Fort d'Olive führt. Es liegt direkt oberhalb des Val Claree und hier gibt es viele Gebäude, Munitionsdepots und kilometerlange Tunnel zu entdecken.

















Vom Fort d'Olive geht es kurz bergab bevor die Piste in angenehmer Steigung immer am Hang entlang kilometerlang bis zum Col Granon zieht. Hier ist das Ende der ca. 11 Kilometer langen asphaltierten Straße, die von Le Villard Late bei Briancon heraufkommt. Dort befindet sich ein großer, voll belegter Parkplatz und eine bewirtschaftete Hütte. Der Ausblick auf das Ecrins-Massiv mit Pelvoux, La Meije und Barre des Ecrins ist gigantisch und wir studieren in aller Ruhe die Orientierungstafel oberhalb der Passhöhe.











Ab hier führt das schmale Sträßchen rund 11 Kilometer steil hinunter ins Tal. Etliche Rennradler sind unterwegs und kurbeln hier die Sackgasse hoch, der Verkehr ist hier natürlich viel weniger als auf den großen Alpenpässen. Mit jedem Kilometer wird es wärmer und unterbrochen von etlichen Fotostopps genießen wir zur Abwechslung den glatten Asphalt, auf dem wir talwärts rollen. Die Barre des Ecrins verschwindet langsam aus dem Blickfeld, dafür öffnet sich der Blick auf den Talkessel von Briancon.











Im Tal unten angekommen wird zunächst der erste Brunnen angesteuert und ein paar Kleidungsschichten abgelegt. Anschließend fahrn wir noch die wenigen Kilometer nach Briancon auf den Camping des 5 Valees. Irritierend ist nur die Ausschilderung des Campings mit reichlich untertriebenen Entfernungsangaben. Im nahegelegenen Carrefour decken wir uns mit diversen Leckereien ein und verzweifeln an der Kasse ob der unglaublich umständlichen Zahlweise mit Schecks. Da weiß man das Tempo an einer deutschen Supermarktkasse mal wieder zu schätzen. Nur wenige Stunden nach Betreten des Supermarkts sind wir schon wieder draußen und genießen einen lauen Sommerabend auf dem Camping.
von: DrKimble

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 20.09.12 16:41

In Antwort auf: lutz_

Nur wenige Stunden nach Betreten des Supermarkts sind wir schon wieder draußen und genießen einen lauen Sommerabend auf dem Camping.

grins grins grins grins

Klasse Bericht und super Bilder...weiter so. bravo
von: velOlaf

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 21.09.12 09:11

Ja seid Ihr denn des Wahnsinns???
Ganz tolle Nummer die Ihr hier gemacht habt. Ich habe mir bisher nur die Fotos angesehen, aber die können mit den Aufnahmen der Berichte von Arte "Die Alpen von oben", die diese Woche im TV kamen, locker mithalten.
Spitzen Tour und unglaubliche Leistung. Chapeau! bravo
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 23.09.12 13:12

Am nächsten Morgen steht der Col des Ayes auf dem Programm, der uns an den Fuß der Südrampe des Col d'Izoard nach Arvieux bringen soll. Ich habe irgendwo gelesen, dass des Col des Ayes bis auf eine Schiebepassage vor dem Gipfel gut fahrbar sein soll. Am Vortag habe ich mir die Strecke wie üblich in der IGN-Karte angeschaut und für machbar befunden. Also geht es vom Camping in Briancon nach kurzem Warmrollen direkt bergan nach Villar Saint Pancrace und auf sehr steilem Asphalt-Sträßchen hinauf. Bevor wir in den Wald eintauchen öffnet sich nochmals ein schöner Rückblick auf Briancon. An einer Abzweigung wählen wir das geschotterte Sträßchen, das oberhalb des Baches steil durch den schattigen Wald hinauf führt. Nach einigen Kilometern und etlichen Höhenmetern erreichen wir den Weiler Les Ayes.









Hier teilt sich das Tal, der Col des Ayes befindet sich im östlichen Seitental. Die Piste führt aber zunächst in das westliche Seitental Richtung Lac de l'Orceyrette biegt aber dann an einer schönen Wiese ab und wechselt durch schönen Lärchenwald in das östliche Seitental . Wir erreichen die Chalets mit dem richtungsweisenden Namen "vers le Col". Hier endet die Piste, wird zunächst zum Wiesentrail und schließlich zum steinigen Wanderweg. Wegen vieler großer Stufen müssen wir bald schieben und schließlich auch tragen. Der gnadenlos brennenden Sonne ausgesetzt kämpfen wir uns schwitzend bergauf. Die letzten Hundert Höhenmeter laden wir die Gepäcktaschen ab und tragen diese zunächst den Berg hinauf um anschließend die Räder nachzuholen. An der Passhöhe gönnen wir uns eine ausführliche Pause und unterhalten uns nett mit einem Wandererpaar, das uns den zuvor bei der Tragepassage verloren gegangenen Croc mitgebracht hat.













Zum Glück ist die Singletrail-Abfahrt bis auf wenige Serpentinen komplett fahrbar, auch wenn die Scheibenbremsen auf dem steilen Weg hinunter viel arbeiten müssen. Unterhalb der Chalets de Clapeyto erreichen wir eine Piste, die über mehrere Serpentinen durch ein Geröllfeld talwärts führt. Wir erreichen nach nur 19 km Tagesstrecke den sehr schön angelegten Camping Le Planet im lichten Lärchenwald oberhalb von Brunissard auf knapp 1900 Metern. Da es auf der weiteren Strecke bis Arvieux keine andere Campingmöglichkeit mehr gibt beschließen wir hier den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Es ist so heiß, dass wir sicher sind, dass unser leichter Sommerschlafsack für die Nacht ausreicht. Seit Jahren reisen wir im Sommer stets nur mit einem Schlafsack, den wir als Decke benutzen.
















Glücklicherweise bietet die freundliche Rezeption eine kleine Auswahl an Lebensmitteln und sogar gekühltem Rosé-Wein, so dass wir uns den Weg hinab zum nächsten Laden nach Arvieux sparen können. Ich frage auch, ob ich die Karte mit unserer Route für den morgigen Tag abfotografieren darf und wir bekommen noch ein paar wertvolle Routentipps. Mit Hilfe der abfotografierten Kartenausschnitte und dem GPS studiere ich noch die Tour für den morgigen Tag. Dies ist zwar auf den kleinen Displays von Kamera und GPS etwas mühselig, spart aber das Transportieren von unzähligen Papierkarten, die man bereits nach wenigen Tagen nicht mehr benötigt und nur noch spazierenfährt. Für den Überblick haben wir nur die Michelin Carte 523 "Region Rhone-Alpes" im Maßstab 1:200 000 dabei. Diese "carte indechirable" ist sehr robust und lässt sich wahlweise auch als Tischtuch einsetzen grins . Leider sind auf dieser Karte im Gegensatz zu den alten Regionalkarten nicht mehr die Campingplätze eingezeichntet. Hierfür habe ich jedoch die POIs von archie (der auch hier im rad-forum aktiv ist) aufs GPS geldaden. Alternativ kann man aber auch auf den IGN-Karten nachsehen, wo sich Campingplätze befinden. Auf diese Weise haben wir alle benötigten Infos platz- und gewichtssparend an Bord.
von: Anonym

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 25.09.12 14:57

Wunderschön, aber mutig. Würde ich mich nie mit Gepäcktaschen trauen. Mit Rucksack ja.
Obendrein eine tolle sportliche Leistung die man dir im Verlauf der Fotos richtig ansieht. zwinker
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 25.09.12 17:04

Hallo Anna!


In Antwort auf: grüner fleck
Wunderschön, aber mutig. Würde ich mich nie mit Gepäcktaschen trauen. Mit Rucksack ja.


Die Gepäcktaschen waren der Kompromiss, weil wir einen Monat unterwegs waren und deshalb die komplette Zelt- und Kochausrüstung (wenn auch in Minimalausstattung) dabei hatten. Einen fetten Alpencross-Rucksack mit etlichen Kilogramm wollten wir unseren Rücken nicht zumuten...


Gruß LUTZ
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 25.09.12 17:13


Am nächsten Tag ist es früh morgens noch frisch. Wie üblich kochen wir uns morgens einen Tee, den wir während dem Zusammenpacken mangels Tassen direkt aus dem Topf trinken. Um 8 Uhr holen wir das am Vortag bestellte Brot samt dem obligatorischen Croissant bzw. Pain au Cohocolat an der Rezpetion ab und suchen uns ein sonnenbeschienenes Fleckchen zum Frühstück. In Brunissard stoßen wir auf die Straße, die vom Col d'Izoard herunterführt. Auf der Abfahrt hinunter nach Arvieux ist es im Schatten noch sehr kalt und wir müssen eine weitere Klamottenschicht anlegen. In Arvieux kaufen wir im Dorfladen noch kurz ein und suchen dann den Einstieg in die Piste zum Col de Furfande. Am Beginn der Piste steht gleich ein Auto, das offenbar den Straßenverhältnissen im oberen Teil der Piste zum Opfer gefallen war. So weiß man gleich Bescheid, was einen weiter oben erwartet. In der Sonne wird es schnell warm, doch glücklicherweise führt auch hier der erste Teil des Anstiegs durch schattigen Wald. So kurbeln wir uns langsam bergauf, leider zu langsam für die allgegenwärtigen Fliegen, die uns ständig umschwirren und nicht zu vertreiben sind.







Oberhalb der Waldgrenze verschwinden zwar die Fliegen, dafür wird die Piste steiler und holpriger, im oberen Teil für uns gerade noch mit großer Anstrenung fahrbar. Mittlerweile ist es wieder sehr heiß, die Schafe ziehen die Hänge hinauf, die Schäferhunde halten sich lieber im Schatten auf. Kurz vor der Passhöhe hat man einen tollen Rückblick auf die Südrampe des Col d'Izoard mit der berühmten Casse Deserte. An der Passhöhe endet die auch für Motorisierte fahrbare Piste an einem kleinen Parkplatz. Hier gibt es zunächst eine wohlverdiente Rast mit beeindruckendem Panorama.















Anschließend fahren wir auf bequemem Wanderweg bergab und lassen die Refuge de Furfande links liegen. Der Weg hinüber zum Col de Granier ist bereits gut auszumachen. Die letzten Meter zum Col de Granier müssen wir allerdings den steilen Wiesenpfad hinaufschieben. Naja, wer sein Rad liebt, der schiebt…

















Hier holt uns eine Mountainbikerpaar ein, die vom Maison du Roy auf einer Tagestour unterwegs sind. Wir unterhalten uns nett und erfahren, dass die beiden aus den Pyrenäen stammen. Eine MTB-Tour mit Gepäck quer durch die Pyrenäen wäre auch mal noch ein interessantes Projekt. Die Abfahrt vom Col du Granier führt zunächst steil Richtung Queyras hinunter, dann flacher am Steilhang entlang. Hier müssen wir an zwei Steilrinnen das Gepäck abnehmen und Räder und Gepäck einzeln herübertragen.







Auf der am Vortag abfotografierten IGN-Karte ist hier ein Abzweig eingezeichnet, der nach Norden zum Col de Lauzet führt. Wir erkunden zu Fuß das Gelände, finden aber keine Wegspuren. Wir müssten also weglos am Steilhang entlang Richtung Col de Lauzet schieben oder tragen. Also entschieden wir uns den Col de Lauzet bleiben zu lassen und statt dessen dem Wiesentrail nach Süden Richtung Maison du Roy zu folgen. Die Beschreibung der Abfahrt hört sich doch schließlich auch sehr verlockend an. Nach dem schönen Wiesentrail tauchen wir in den Wald, hier wird der Trail verblockter und schwieriger, bringt aber viel Abfahrtsspaß und die Scheibenbremsen fast zum Glühen. Oberhalb einer Bachschlucht ist eine Quelle und der dringend benötigte Wassernachschub gesichert. Die Passage vor und nach der Bachschlucht müssen wir zwar schieben bzw. tragen, dies trübt jedoch nicht den Gesamteindruck einer grandiosen Abfahrt.









Auf einer Terasse oberhalb des Guil-Tales verlassen wir die VTT-Route und fahren auf einer gemütlichen Schotterpiste und schließlich auf Asphalt oberhalb des Mont Dauphin bei Guillestre am Hang entlang Richtung St. Crepin ins Durance-Tal. Auf knapp 1000 Metern bläst uns hier ein glühend heißer Wind ins Gesicht. Glücklicherweise habe ich bei den Bikerkollegen noch deren Wanderkarte abfotografiert, so dass wir mit kurzen Zwischenstopps zum Checken der Karte ohne Probleme das Haus unserer Freunde oberhalb von St. Crepin finden.








Hier verbringen wir eine Woche mit viel Reden, Lesen, Wandern, Kajakfahren und opulentem Kochen (leider herrscht auf Grund der hitzebedingten Trockenheit striktes Grillverbot)…

Endlich Urlaub! ;-)
von: natash

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 25.09.12 19:59

Hallo Lutz, hallo Ulla,

da habt Ihr eine wirklich schöne Tour gemacht. Mir waren die Alpen ja meist zu voll, deshalb denke ich, dass man, will man hier noch abgelegene Flecken entdecken, kommt man vielerorten nicht an Schotterstrecken vorbei. War wirklich überall so wenig los oder habt Ihr für die Fotos die geeigneten Momente abgepasst?
Allerdings kommen ja nicht alle mit so spartanisch wenig Gepäck aus wie ihr, ich selbst muss da noch üben, vielleicht klappt das ja irgendwann noch einmal.
Merci jedenfalls für die schönen Eindrücke.

Gruß Nat
von: veloträumer

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 26.09.12 14:08

In Antwort auf: natash
Mir waren die Alpen ja meist zu voll, deshalb denke ich, dass man, will man hier noch abgelegene Flecken entdecken, kommt man vielerorten nicht an Schotterstrecken vorbei.

Ich glaube, da hast du immer noch ein recht verzerrtes Bild von den Alpen. Sicherlich ist man auf Schotterstrecken meist noch einsamer, aber es gibt eigentlich in fast allen Teilen der Alpen auch noch wenig befahrene und wenig besiedelte Asphaltstrecken. Die Westalpen sind grundsätzlich deutlich ruhiger als die Ostalpen. Selbst die bekannten Pässe wie Iseran oder Izoard sind weniger befahren als etwa eine Großglocknerstraße oder Bieler Höhe. Bergpässe sind dort keine Rummelplätze - am Iseran gibt es im Bistro nicht mal eine Toilette (Wasser wird aus Naturschutzgründen nicht hochgepumpt). Typische Motorradstrecken sind mir in den Westalpen ebenfalls unbekannt (natürlich fahren auch Motorräder, aber nicht in Massenaufläufen). Sogar direkt im Hinterland der Côte d'Azur findest du haufenweise Bergstraßen, auf denen man zuweilen nicht mehr als eine Handvoll Autos am Tag zählen kann.
von: Martina

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 26.09.12 15:55

In Antwort auf: veloträumer
Die Westalpen sind grundsätzlich deutlich ruhiger als die Ostalpen.


Ist natürlich nur eine Einzelbeobachtung, aber wir waren vor einigen Jahren im August in Tirol unterwegs. Unter anderem sind wir den Radstädter Tauern und die Nockalmstraße gefahren. Da war es nicht im Geringsten voll, offensichtlich geht man dort im Winter hin. Andererseits haben wir aber auch nicht massenweise Skipisten, die im Sommer furchtbar aussehen gesehen. Mit einem Wort: ich war sehr positiv überrascht.

Martina
von: Friedrich

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 26.09.12 16:28

In Antwort auf: veloträumer
Selbst die bekannten Pässe wie Iseran oder Izoard sind weniger befahren als etwa eine Großglocknerstraße oder Bieler Höhe. Bergpässe sind dort keine Rummelplätze - am Iseran gibt es im Bistro nicht mal eine Toilette (Wasser wird aus Naturschutzgründen nicht hochgepumpt)... Sogar direkt im Hinterland der Côte d'Azur findest du haufenweise Bergstraßen, auf denen man zuweilen nicht mehr als eine Handvoll Autos am Tag zählen kann.

Dem stimme ich zu.
von: veloträumer

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 26.09.12 17:52

In Antwort auf: Martina
Ist natürlich nur eine Einzelbeobachtung, aber wir waren vor einigen Jahren im August in Tirol unterwegs. Unter anderem sind wir den Radstädter Tauern und die Nockalmstraße gefahren. Da war es nicht im Geringsten voll, offensichtlich geht man dort im Winter hin. Andererseits haben wir aber auch nicht massenweise Skipisten, die im Sommer furchtbar aussehen gesehen. Mit einem Wort: ich war sehr positiv überrascht.

Also, das war dann schon mal nicht Tirol. zwinker Radstädter Tauern ist schon ein Transitpass - da kann man aber je nach Tageszeit durchaus Glück haben - hatte ich auch. In den Nockbergen gibt es schon einige Touri-Berge, die im Sommer richtig rummeln - Katschberg (Sommerrodelbahn, Familienhotels), Turracher Höhe (Nockyflitzer, große Hotelanlage) und Nockalmstraße. Nockalm ist reine Touristenstraße - wird abends gesperrt. Bei gutem Wetter ist aber der Motorradandrang tagsüber riesig und auch an den Verpflegungshütten wird viel Geld umgesetzt einschließlich mit Bustouristen. Wenn da wenig los war, habt ihr wirklich Glück gehabt. Fährt man in den Nockbergen aber z.B. über Hochrindl oder Schönfeldsattel, ist das schon wieder ziemlich ruhig, wenn auch noch mehr besiedelt als manche geradezu verwaisten Westalpenteile.
von: Anonym

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 26.09.12 18:11

GEILE Bilder...... bravo
von: Martina

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 26.09.12 20:43

In Antwort auf: veloträumer

Also, das war dann schon mal nicht Tirol. zwinker


Dass die Nockalmstraße nicht in Tirol liegt ist mir schon klar. zwinker Aber um hin zu kommen, muss man schon durch Tirol. Voll wurds jedenfalls erst am Millstädter See...

Martina
von: sugu

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 27.09.12 09:53

In Antwort auf: Martina
In Antwort auf: veloträumer

Also, das war dann schon mal nicht Tirol. zwinker


Dass die Nockalmstraße nicht in Tirol liegt ist mir schon klar. zwinker Aber um hin zu kommen, muss man schon durch Tirol. Voll wurds jedenfalls erst am Millstädter See...

Martina


Ich würde jetzt Stein und Bein schwören, dass die Nockalmstraße von Ebene Reichenau in Kärnten nach Innerkrems in Kärnten führt, und der weitere Weg nach Norden über den Katschberg oder den Schönfeldsattel (deutlich ruhiger) ins Salzburger Land geht.
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 27.09.12 21:30

Hallo Nat!

In Antwort auf: natash
Mir waren die Alpen ja meist zu voll, deshalb denke ich, dass man, will man hier noch abgelegene Flecken entdecken, kommt man vielerorten nicht an Schotterstrecken vorbei. War wirklich überall so wenig los oder habt Ihr für die Fotos die geeigneten Momente abgepasst?


Voll war es eigentlich nur am Grand Col Ferret und am Col de la Seigne auf der Südseite des Mont Blanc-Massivs. Dort waren Anfang August bei strahlend schönem Wetter eben viele Wanderer auf der Mehrtageswanderung Tour de Mont Blanc unterwegs. Wenn man aber morgens um 8 Uhr schon auf dem Rad sitzt, dann hat man gegenüber den Wanderern bald einen Vorsprung herausgefahren. Spätestens auf den Schiebepassagen wurden wir dann wieder überholt. Aber alles sehr entspannt, gut gelaunt und gegenüber uns Radlern auf den Wanderwegen sehr tolerant.

Auch im Susa-Tal war es zu Ferragosto sehr voll, aber das ist ja nun nicht wirklich überraschend, da ist in Italien ja fast überall die Hölle los. Hier war der Campingplatz gut gefüllt, aber Dichtestreß kam trotzdem nicht auf. Nur die abendliche Animation zu für uns nachtschlafender Zeit war etwas nervig.

Verkehr war definitiv kein Problem, allein die Strecke von Bourg St Maurice nach Val d'Isere ist uns in nicht so guter Erinnerung. War aber beim Blick auf die Karte schon vorher klar, dass in diesem Nadelöhr viel Verkehr sein wird.

Ansonsten waren wir oft allein unterwegs, häufig haben wir auf den Schotterpässen kaum eine Handvoll Leute getroffen. Ich hätte insgesamt mit mehr Wander- und Mountainbike-Verkehr gerechnet. Die erste kommerzielle Mountainbike-Gruppe haben wir auf dem Kamm zwischen Varaita und Mairatal getroffen. Und obwohl die bekannte Bikerunterkunft im Mairatal rappelvoll mit Mountainbikern war, haben wir am nächsten Tag bei Kaiserwetter auf der Maira-Stura-Kammstraße keinen einzigen Radler getroffen.

In Antwort auf: natash
Allerdings kommen ja nicht alle mit so spartanisch wenig Gepäck aus wie ihr, ich selbst muss da noch üben, vielleicht klappt das ja irgendwann noch einmal.


Naja, wir haben uns halt noch mehr zurückgehalten als sonst. Üblicherweise habe ich noch einen Ortliebssack zusätzlich als Rolle hinten drauf. In den Taschen stecken zwei Exped Downmats, ein Schlafsack als Zudecke, ein Einbogen-Zelt, Kochutensilien, zwei Bücher, der ganze Elektronik- und Ladekram, Klamotten, Regenzeug und noch etwas Krimskrams. Auch Lenkertasche durfte diesmal nur eine einzige und diese dazu nur in der Sparversion mit.

Aber wir hatten definitiv ein Riesenglück mit dem Wetter, wie gesagt: Wenn Engel reisen... ;-)


Gruß LUTZ
von: Anonym

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 28.09.12 00:02

aber man stösst doch ab und an mal mit den Taschen an den Boden an so steilen Hängen? oder? Da hätt ich echt Angst an solchen Klippen das Gleichgewicht zu verlieren und zu stürzen.
von: Martina

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 28.09.12 09:13

In Antwort auf: sugu
In Antwort auf: Martina
In Antwort auf: veloträumer

Also, das war dann schon mal nicht Tirol. zwinker


Dass die Nockalmstraße nicht in Tirol liegt ist mir schon klar. zwinker Aber um hin zu kommen, muss man schon durch Tirol. Voll wurds jedenfalls erst am Millstädter See...

Martina


Ich würde jetzt Stein und Bein schwören, dass die Nockalmstraße von Ebene Reichenau in Kärnten nach Innerkrems in Kärnten führt, und der weitere Weg nach Norden über den Katschberg oder den Schönfeldsattel (deutlich ruhiger) ins Salzburger Land geht.


OK, ich muss nochma präzisieren: *wir* kamen von *unserem* Startpunkt der Tour auf dem Weg zur Nockalmstraße durch Tirol. Wir sind nämlich über Achenpass und Gerlos gefahren. Und zumindest ersterer liegt in Tirol. Dass dazwischen noch ein Zipfel Salzburg ist und dass auch Radstadt im Salzburger Land liegt stimmt. Das ist mir damals irgendwie entgangen. peinlich

Martina
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 28.09.12 17:00

Hallo Anna!


In Antwort auf: grüner fleck
aber man stösst doch ab und an mal mit den Taschen an den Boden an so steilen Hängen? oder? Da hätt ich echt Angst an solchen Klippen das Gleichgewicht zu verlieren und zu stürzen.


Doch, das kommt natürlich ab und zu vor. Wir konnten aber schnell ziemlich sicher abschätzen, ob das Rad samt Taschen an einer Passage durchkommt oder ob Gefahr besteht hängen zu bleiben. Dann eben kurz einen Fuß auf den Boden absetzen und ein kurzes Stück zu Fuß. Ich kann mich an keine brenzlige Situation auf Grund von seitlich anstoßenden Taschen erinnern. Eher hatte ich manchmal Angst, dass wir mit dem hinteren Umwerfer an einem Fels hängen bleiben und der Antrieb dauerhaft beschädigt wird.

Am einem Pass haben wir einen italienischen MTBler mit Rohloff-Schaltung (ohne Kettenspanner) getroffen. Dort ist der Antrieb wesentlich weniger gefährdet.


Gruß LUTZ
von: Anonym

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 29.09.12 00:26

Danke, _lutz_ für die Rückmeldung. Wenn ich die Pfade da auf den Fotos sehe würde mir schon mit Rucksack schwindelig - aber darauf ein Reiserad schieben... ;-)...ihr bleibt schon tapfer in meinen Augen! Und belohnt mit einer wunderschönen Reise.
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 30.09.12 10:32


Während der "Urlaubswoche" bei unseren Freunden in St. Crepin wurden die Räder nur bewegt, um morgens Brot und Croissants unten im Dorf einzukaufen. In dieser Woche ist es schweineheiß und nachmittags häufig gewittrig, nicht gerade das beste Wetter, um sich auf Schotterpisten durch die Alpen zu bewegen. Mit Hilfe der neu gekauften Michelin-Karte Provence Cote d'Azur und eurer Beiträge in diesem Faden geht es an die Planung der verbleibenden Strecke. Der Col de Parpaillon steht zwar weit oben auf unserer Wunschliste, führt uns aber zu sehr Richtung Col de la Bonnette, den wir ein andermal bereits befahren haben. Nördlich der Cote d'Azur liegt in Frankreich der Mercantour-Nationalpark in dem ein striktes Mountainbike-Verbot abseits weniger Strecken herrscht. Hier ist also jenseits von asphaltierten Straßen kein Durchkommen. Also heißt die Devise vers l'Itlalie. Dort verlaufen das Po-, Varaita-, Maira- und Sturaral von West nach Ost Richtung Poebene und dazwischen gibt es etliche Berge zu erklimmen. Und schließlich führt dann die Ligurischen Grenzkammstraße RIchtung Mittelmeer Hört sich nach einem guten Plan an…

Am Samstag, 25. August, packen wir unsere bescheidene Ausrüstung also wieder zusammen und nutzen angesichts der noch immer gewittrigen Wetterlage das Angebot unserer Freunde uns ein gutes Stück Richtung. So passieren wir die enge Schlucht der Combe de Querays sowie den Abzweig zum Col d'Izoard statt auf dem Rad gemütlich im VW-Bus. Erst ein gutes Stück oberhalb von Chateau-Queyras verabschieden wir uns von unseren Freunden und pedalieren uns in Richtung des Col d'Agnel. Die winzige Passhöhe liegt nur unwesentlich niedriger als der Col de l'Iseran und sogar höher als der viel bekanntere Col de la Bonette, der nur du die zusätzliche Schleife um die Cime de la Bonette den zweifelhaften Ruf des höchsten Alpenpasses erlangt.











Von der Passhöhe schweift der Blick nach Nordwesten Richtung Brianconnais sowie auf die beeindruckende Felspyramide des nahen Monte Viso, dessen Anblick die kommenden Tage dominieren wird. Auf der italienischen Seite führt die Passstraße steil hinab. Die Steigung geht erst nach ca. 9 km ab der Bücke über die Varaita zurück und wir passieren das Dorf Chianale, dessen Häuser komplett mit Steinplatten gedeckt sind. Auffallend sind in den folgenden Örtchen die bunt bemalten Kirchen. Nach Passieren des Stausees Lago di Castello erreichen wir Casteldelfino und bald darauf die Talsohle des Valle Varaita. Auf nur mehr fast ebener Strecke rollen wir noch nach Sampeyre am Fuße des gleichnamigen Col.















Der Camping liegt direkt am Ufer der Varaita, leider durch einen Zaun getrennt. Die Rezeption macht Siesta, also machen tun dies auch und vespern in aller Ruhe. Um 3 Uhr dürfen wir dann unser Zelt auf einem Streifen Wiese jenseits der allgegenwärtigen mit Holz verkleideten Wohnwagen der Dauercamper aufbauen. Wir verbringen den Nachittag mit Lesen. Mittlerweile sind dunkle Wolken aufgezogen und wir versäumen über dem aufziehenden Gewiterguss fast den abendlichen Einkauf. Als wir aus dem Supermarkt kommen regnet es noch immer und steigert sich schließlich zu anhaltendem Starkregen. Wir wettern unter einem wenig einladenden Dach auf dem Campingplatz ab und beschließen dort auf einer Bank noch unser Abendessen zu kochen. Also schnell die Kochuntensilien unter dem nassen Zelt vorgekramt. Naja, hüllen wir den Mantel des Schweigens über das bescheidene Abendmahl in noch bescheidenerem Ambiente, ein Ausflug in die örtliche Pizzeria wäre im Nachhinein die deutlich bessere Alternative gewesen…
von: Anonym

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 30.09.12 23:21

oh, schade, leider sind die flickrfotos nicht sichtbar...vielleicht könnte die Moderation....?
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 01.10.12 12:21

In Antwort auf: grüner fleck
oh, schade, leider sind die flickrfotos nicht sichtbar...


Danke an die Moderatoren, die meine Fehler beim Verlinken der Bilder bereits zum wiederholten Male beheben mussten...
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 02.10.12 09:03



Nach den heftigen Regenfällen vom Vorabend ist am nächsten Morgen der Himmel wolkenlos. Es ist feucht und kühl aber die Täler verlaufen hier im Piemont alle von West nach Ost, so dass bereits früh am Morgen die Sonne rauskommt. Also wird erst einmal das nasse Zelt zum Trocknen an den Zaun aufgehängt. Nach dem Schmalspurfrühstück Tee und Kekse, das während des Zusammenpackens eingenommen wird stehen wir punkt 8 Uhr vor dem Supermarkt und kaufen den Tagesproviant ein. Leider kann die Qualität der Backwaren nicht mit den Leckereien einer französischen Boulangerie/Patisserie mithalten. Tunkt man das Brot allerdings in Schokopudding, dann schmeckt es trotzdem recht lecker. ;-)

In Sampeyre zweigt die schmale Straße zum Colle de Sampeyre ab. Im unteren Teil mit viel Schlaglöchern durch schattigen Wald, später in Kehren über schönen Wiesen und lichter werdenden Wald immer wieder den Verlauf des Skilifts kreuzend. Sowohl in die Tiefe hinunter nach Sampeyre im Varaita-Tal als auch hinauf zum Monte Viso, dem „cottischen Kaiser“ bieten sich tolle Blicke. Früh am Sonntag morgen ist noch nicht allzuviel los, doch der Ausflugsverkehr nimmt im Laufe des Vormittags deutlich zu. Wir werden von etlichen Rennradlern überholt, und mit manchen ergibt sich ein kurzes Gespräch. Kurz vor der Passhöhe hat man auch nochmal einen tollen Rückblick auf die Ostrampe des gestern überquerten Col d’Agnel oder Colle d’Agnello. Dabei lässt sich auch die Steilheit der Straße nach dem Stausee zu Passhöhe erahnen. Auf der Passhöhe des Colle de Sampeyre ist der Parkplatz voll belegt, viel Picknickvolk hat sich auf den umgebenden Wiesen niedergelassen.















Am unüberhörbar bayrischen Akzent lässt sich die Herkunft einer Moutainbike-Gruppe unschwer erkennen. Sie sind auf einer organisierten Tour Richtung Ventimiglia unterwegs und sind heute ebenfalls von Sampeyre aufgebrochen. Wir unterhalten uns kurz und erfahren, dass die Truppe heute noch den Übergang ins Stura-Tal angehen will. Strammes Programm, allerdings sind sie heute nur auf Asphalt unterwegs. Wir fragen uns, warum man auf einer MTB-Tour mit Gepäcktransport und leichtem Tagesgepäck die tollen Trails links und rechts der asphaltierten Straßen auslässt, sprechen diese Frage aber nicht aus. Jedem das Seine…

Nach einer ausführlichen Pause mit Verkostung lokaler Käse- und Wurst-Spezialitäten zweigen wir auf den westlichen Teil der hier geschotterten Varaita-Maira-Kammstraße ab. Wenige Meter von der Passhöhe entfernt reduziert sich das Verkehrs- und Wanderaufkommen schlagartig auf fast Null und wir genießen die aussichtsreiche Piste. Wir folgen dem GPS-Track der GTA3 aus dem Buch von Achim Zahn, der uns auf einer schönen Piste Richtung Tal hinabführt. Auf halber Höhe zweigen wir ab und erreichen mehr oder weniger höhehaltend einen kleinen Weiler von. Hier geht es auf einem schmalen Pfad steil hinab über einen Kreuzweg Richtung Elva.

































Der Singletrail endet auf einer Asphaltstraße, die uns zunächst etliche Höhenmeter wieder bergauf Richtung Elva führt, bis wir schließlich unterhalb von Elva wieder auf die Südrampe des Colle de Sampeyre treffen. Von hier geht es durch die beeindruckende Elva-Schlucht. Hoch über dem Bach führt die in den Felsen gesprengte Straße durch bizarr aufgefaltete Felsformationen. Durch mehrere kleine Tunnels erreichen wir schließlich die Talsohle des Maira-Tals an einem netten kleinen Picknickplatz am Bachufer.












Hier treffen wir ein Schweizer Radlerpaar, die ebenfalls mit Mountainbikes und Gepäcktaschen unterwegs sind. Im Gespräch ergibt sich, dass sie ebenso wie wir möglichst viele Schotterpässe fahren wir in weiten Teile gleiche Strecken zurückgelegt haben. Es ist schön endlich mal Personen zu treffen, die auf die gleiche Art und Weise unterwegs sind wie wir. Da wir auch morgen eine gleiche Strecke vor uns haben verabreden wir uns auf dem Camping von Marmora Vernetti. Während die Schweizer am nächsten Kiosk eine eisbecherbedingte Pause einlegen fahren wir wenige Hundert Meter weiter das Maira-Tal bergauf, bevor wir bei Ponte Marmora wieder nach links hinauf den Schildern zum Colle d’Esischie und [url= http://www.quaeldich.de/paesse/colle-dei-morti/]Colle dei Morti[/url] folgen. Durch mehrere Tunnel und Galerien geht es steil hinauf, bis sich die Straße im Talkessel von Marmora etwas zurücklegt. Wir biegen auf den schön angelegten Campingplatz und genießen die Nachmittagssonne. Später trifft auch das Schweizer Radlerpaar ein und abends gehen wir gemeinsam in die traumhafte Pensione Ceaglio. Der frühere Dorfplatz ist nun das Zentrum des Hotels, überall hängen Radlerhosen von den Balkonen, in den Liegenstühlen rund um den Dorfbrunnen genießt man den Aperitiv. Der schöne Innenraum des Posto Tappa füllt sich schnell und wir genießen ein sehr leckeres und reichaltiges Menü, unterhalten uns sehr nett mit den weitgereisten Schweizern und verbringen einen tollen Abend. Mit vollen Bäuchen und voller Vorfreude auf die morgige Königsetappe mit der Maira-Stura-Kammstraße fallen wir spät am Abend ins
von: Anonym

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 03.10.12 17:31

das ist aber auch ein wunderschöner Reisebericht! schmunzel
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 04.10.12 11:03

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, denn eine lange Etappe mit ca. 2000 Höhenmetern bergauf steht bevor (siehe hier und hier). Hier im Talkessel von Marmora dauert es lange, bis die Sonne unseren Zeltplatz erreicht. Bis dahin haben wir schon gefrühstückt und das vom Tau nasse Zelt eingepackt. Unsere schweizerischen Zeltnachbarn krabbeln erst aus dem Zelt als wir schon fast abfahrbereit sind. In der Rezeption fotografiere ich noch die Kartenabschnitte für den heutigen Tag ab und dann machen wir uns auf den Weg. Direkt am Ausgang des Campings überquert man den Bach, dessen Verlauf wir am schattigen Osthang talein folgen. Die Straße steigt zunächst in angenehmer Steigung. Im mittleren Abschnitt jedoch gibt es ein paar böse Rampen. Gemeinerweise sind die Kilometerschilder mit den Steigungsprozenten für den folgenden Kilometer durcheinander geraten. So führt die Strecke mit angekündigten 11 % mittlerer Steigung lange fast eben durch den lichten Lärchenwald. Wenn das zunächst so flach ist, was muss dann noch für eine Mörderrampe folgen, damit das im Mittel 11 % werden sollen? Aber es folgt keine Rampe, die Angaben sind schlicht falsch und irreführend. An manchen Stellen ahnt man, dass die Straße hier öfter weggespült wird, an wenigen Stellen wird das Fundament gesichert. Durch den lichter werdenden Lärchenwald taucht im Norden wieder der Monte Viso auf und beherrscht die Szenerie. Oberhalb der Waldgrenze durchfährt man einen schönen Talkessel, in dem sich zahllose Murmeltiere tummeln und auch fotografieren lassen. Als man über eine Brücke auf die Westseite des Tales wechselt befindet sich eine Alm mit einer beeindruckenden Sammlung an Kuhglocken. Die letzten der 1400 Höhenmeter zum Colle d'Esischie kann man die tolle Aussicht auf die Gipfel ringsum genießen. Erst hier oben werden wir von den ersten Rennradlern überholt, von den ganzen Mountainbikern gestern abend in der Posto Tappa keine Spur. Von der Passhöhe hat man einen schönen Blick tief hinunter in die Po-Ebene. Keine 50 Meter hinter der Passhöhe des Colle d'Esischie muss man in einer Linkskurve rechts abbiegen, um den Colle dei Morti zu erreichen. Dieser befindet sich nur etwa 100 Höhenmeter höher als der zuvor überquerte Colle d'Esischie. Das markante Denkmal für den berühmten italienischen Rennradfahrer und Tour de France-Sieger 1998 Marco Pantani ist schon von weitem zu erkennen. An diesem wunderschönen Tag herrscht hier doch nun einiges an Ausflugsverkehr. Die kleinen asphaltierten Sträßchen bieten vielfältige Möglichkeiten zu Rundtouren mit dem Rennrad.
























Wir aber wollen aber auf die geschotterte Maira-Stura-Kammstraße, die zu dem weiten Netz von historischen Militärstraßen gehört (näheres hier). Also biegen wir nach kurzer Abfahrt am Col de Valclavera auf ein unscheinbares Sträßchen, das durch einen schmalen Durchschlupf führt. Hier öffnet sich das Panorama und wir erkennen das weiße Schotterband der Maira-Stura-Kammstraße, die hier auf ca. 2400 Metern Höhe 17 Kilometer parallel zum Stura-Tal immer in Kammnähe verläuft. Obwohl für den motorisierten Verkehr geöffnet ist hier trotz des Kaiserwetters fast nichts los. Auf dem gesamten Streckenverlauf begegnen wir nur einer Handvoll Autos, die meist irgendwo an einem schön gelegenen Picknickplatz parken. Auch Radler treffen wir erst wieder am Rifugio La Gardetta. Die Kammstraße lässt sich problemlos befahren, bietet tolle Ausblicke in einsamer und wilder Landschaft. Ganz nach unserem Geschmack und unserer bescheidenen Meinung nach wesentlich schöner als die Assietta-Kammstraße bei Susa.
























Am Rifugio Gardetta gönnen wir uns eine dringend benötigte Stärkung. Hier sind nun auch wieder etliche Wanderer auf der Grande Traversata delle Alpi unterwegs. Wir genießen eine ausführliche Pause in der Sonne vor der Hütte. Allerdings liegen noch der Passo della Rocca Brancia sowie eine 1100 Höhenmeter Singletrail-Abfahrt ins Valle Stura vor uns. Also machen wir uns am frühen Nachmittag auf den Weiterweg...
von: StefanS

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 04.10.12 16:48

In Antwort auf: lutz_


Mehr Schilder sind denen nicht eingefallen? Ist ja langweilig schmunzel

Stefan
von: vinsamlegur

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 04.10.12 20:06

Hallo Ulla, Hallo Lutz,
Die Tour ist ja der "Hammer"! Tolle einsame Landschaften, in welche wahrscheinlich keine
Wanderer mehr hinkommen. Bei dieser Tour wurde euch ja alles abverlangt wie Kraft, Kondition, Sitzfleisch, Fahrtechnik und noch dazu mit Gebäcktaschen.
Die Landschaft schaut wie nach den Seealpen aus.
Schöne Räder, wahrscheinlich schon mit 30 Gängen!
Vielleicht hat einer geschwächelt in der geführten Gruppe und sind daher auf befestigten Weg gefahren.
Vielen Dank für diesen wunderbaren Tourenbericht und Bilder.
Schöne Grüße aus Südbayern
Anna
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 05.10.12 19:37

Hallo Stefan!


In Antwort auf: StefanS
In Antwort auf: lutz_


Mehr Schilder sind denen nicht eingefallen? Ist ja langweilig schmunzel


Hast Recht, am hintersten Pfosten wäre noch Platz für dieses Schild...

;-)


Gruß LUTZ
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 06.10.12 09:03

Vom Rifugio Gardetta folgen wir zunächst noch dem Fahrweg über die schönen Wiesenhänge zum nahegelegenen Passo della Gardetta. Dort bietet sich ein schöner Rückblick auf die Hütte und die dahinter liegende Rocca la Meja. Von der Passhöhe biegen wir linker Hand auf den schmalen und gerölligen Wanderweg Richtung Passo della Rocca Brancia ab.







Von hier ist der Weiterweg zum Passo della Rocca Brancia nun komplett einsehbar. Beeindruckend führt er quer durch ein Geröllfeld, dann unterhalb der steilen Felswand der Rocca Brancia entlang. Hier ist an einer Stelle der Weg durch einen Schuttkegel unterbrochen, in der Draufsicht sieht die Stelle allerdings schlimmer aus als sie dann tatsächlich ist. Erfreulicherweise ist der Weg bis auf wenige kurze Stücke komplett fahrbar. Am Schuttkegel müssen wir allerdings die Taschen abnehmen und herübertragen und dann die Räder nachholen. Die letzten Meter zur Passhöhe sind dann zu steil zum Fahren und wir schieben hinauf. Zwischen Rifugio Gardetta und Passo Rocca Brancia begegnen wir zwei Wanderern, auf der Folgestrecke 1200 Höhenmeter hinab bis ins Stura-Tal treffen wir niemanden mehr.

















An der Passhöhe öffnet sich der Blick zum Grenzkamm zwischen dem italienischen Stura-Tal und dem französischen Tinee-Tal, durch das die Straße von Nizza zum Col de la Bonnette führt. Wir folgen dem schmalen Steig über eine langgezogene Kehre und passen auf, dass wir den Abzweig des mit GTA markierten Wanderweges hinunter zum Lago di Oserot nicht verpassen. Hierbei erweist sich der Track auf dem GPS als große Hilfe. Zu viele Wege und Wegspuren gibt es hier oben.





















Hier tauchen wir langsam aus der Höhenstufe der Geröllfelder in die Wiesen und Weiden ein. Durch die Weidewirtschaft fasert der Weg in viele Wegspuren auf, die vielen Kuhtritte machen das Fahren auch nicht leichter. Die letzte Stufe hinunter ins Tal ist nochmal richtig steil. Hier verpassen wir mangels Kontrollblick auf das GPS den markierten Wanderweg, aber alle Wege führen ins Tal. Nach 1200 Höhenmetern Singletrail ist diese grandiose Abfahrt am Asphaltband der Talstraße zu Ende. Es ist spät geworden, zum Glück ist auf der gut ausgebauten Straße vom Col de Larche kommend kein großer Verkehr mehr. Wir machen noch einen Schlenker über Sambuco um einen Blick auf das dortige Posto Tappa zu werfen. Aber angesichts des perfekten Wetters und der mit jedem vernichteten Höhenmeter zunehmenden Temperaturen fahren wir noch weiter bis nach Vinadio, wo wir uns für unschlagbare 10 EUR auf dem Camping Municipal niederlassen. Nach dem Zeltaufbau und einer Blitzdusche zieht es uns in die nahegelegene und gut besuchte Pizzeria, deren Riesenportionen uns nach diesem Traumtag gerade angemessen erscheinen.











von: Reiseleiter1

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 07.10.12 14:48

Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Tour. Und absoluten Respekt. Eine Frage hab ich da mal (vielleicht habe ich die Antwort auch schon überlesen?) : Ihr habt, wenn ich es richtig verstehe Zelt, Isomatten und Schlafsäcke dabei gehabt. Und der Stauraum der Packtaschen war ausreichend? Ich frage das, weil mein Zelt nach einer extra Packrolle verlangt und die Isomatten ebenso. Über eine Antwort würde ich mich freuen.
Viele Grüße RL.
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 07.10.12 22:43

Hallo Reiseleiter!

In Antwort auf: Reiseleiter1
Ihr habt, wenn ich es richtig verstehe Zelt, Isomatten und Schlafsäcke dabei gehabt. Und der Stauraum der Packtaschen war ausreichend? Ich frage das, weil mein Zelt nach einer extra Packrolle verlangt und die Isomatten ebenso.


Ja, Bedingung war, dass das ganze Gepäck in je zwei Ortlieb Backroller passen musste. Dabei hatten wir im wesentlichen folgendes dabei:

- ein kleines Einbogenzelt (schon über 10 Jahre alt, aber immer noch gut). Die Zeltstangen habe ich einfach in den Rollverschluss der Ortlieb-Taschen mit eingerollt.
- zwei Isomatten (Exped Downmat 7). Die Matten haben zusammengepackt jeweils ungefähr das Volumen einer 1,25 Liter Cola-Flasche.
- einen leichten Schlafsack (reicht als Zudecke für uns beide)
- Kocher (Primus Omnifuel mit Stechkartuschenadapter). Das nächste Mal kochen wir wieder mit Benzin, denn die Gaskartusche liefert nur in brandneuem Zustand ausreichend Hitze, nach zwei Mahlzeiten wird sie träge und man kann dem Kampf Abkühlung vs. nachlassendem Druck stundenlang zusehen und sieht dabei die Chancen auf eine warme Mahlzeit oder einen heißen Tee schwinden.
- 2 Töpfe, eine Pfanne, Besteck, aber z.B. keine Tassen (den Tee haben wir direkt aus dem Topf getrunken)

Der Rest eher minimalistisch: Klamotten (inkl. Mütze, Handschuhe, lange Unterhose), Ladegeräte und Ersatzakkus für die elektronischen Gimmicks (Kamera, GPS, Handy, iPod), zwei Bücher als Lesestoff. Wasserfilter und Wassersack hatten wir zwar dabei, aber nie benutzt.

Auf dem Gepäckträger (außerhalb der Taschen) fuhren dann gelegentlich noch die Crocs-Sandalen, eine zusätzliche Wasserflasche, ein Baguette oder der Müllsack mit...


Gruß LUTZ
von: WildeHilde26

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 07.10.12 22:48

Ihr habt einfach die HAMMER Tour hingelegt. Ich hab jetzt Fernweh ohne Ende und werd vielleicht nie so eine anspruchsvolle Tour fahren können.

Ihr habt meinen vollen Respekt für die Planung, Durchführung und Dokumentation. Es ist ein Genuss euch virtuell zu folgen!!!

verliebt verliebt
von: Hasenbraten

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 09.10.12 14:13

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht und die tollen Bilder!
von: José María

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 09.10.12 16:30

Hallo Lutz,
vielen Dank für die Fotos und den Reisebericht bravo

Vor zwei Jahren bin ich die Alpen von West nach Ost gefahren (Straße), zum Schluss hatte ich die Schnauze voll von den Alpen. Zu viele Autos und Motorrädern. Seit 03.2012 existiert Cubito wo man mit wenig Gepäck auf so eine Terrain wie ihr gefahren seit fahren kann. Seitdem sind für mich die Alpen wieder interessant geworden.

Viele Grüße
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 09.10.12 19:51

Nach der Königsetappe über die Maira-Stura-Kammstraße vom Vortag mit über 2000 Höhenmetern sind am nächsten Morgen die Beine noch etwas schwer. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass der heutige Tag "nur" eine Überführungsetappe ist, nicht allzuviele Kilometer und kaum Höhenmeter. Um unserem Ziel, der Ligurischen Grenzkammstraße, näher zu kommen folgen wir dem Stura-Tal auf verkehrsarmen Sträßchen südlich der Stura Richtung Borgo San Dalamazzo. Diese Alternative zur Hauptstraße ist gut ausgeschildert, ruhig und sehr schön zu befahren.















Im netten Städtchen Borgo San Dalamazzo biegt die Straße Richtung Tenda-Pass ab. Bis hinter Limone Piemonte gibt es keine Alternative zur stark frequentierten Passstraße, auch wird die Nordseite des Tenda-Passes (im Gegensatz zur spektakulären Südseite mit den berühmten 48 Kehren) als wenig einladend beschrieben. Deshalb bummeln wir von Borgo San Dalmazzo durch die Dörfer weiter nach Osten bis wir in Chiusa di Pesio das Valle Pesio erreichen. Durch dieses führt die in der Mittagshitze kaum befahrene Straße (da Sackgasse für Autoverkehr) zunächst leicht ansteigend bergauf. Im letzten Dorf kaufen wir noch ein paar Vorräte, da wir frühestens am Abend des Folgetages wieder einkaufen können. Mangels Campingmöglichkeit im Parco naturale della Alte Valle Pesio beschließen wir noch bis zum Ende des Teersträßchens bergauf zu kurbeln, dort wird sich hoffentlich schon eine Übernachtungsmöglichkeit auftun. Hinter dem Kloster ist das schmale Sträßchen mit etlichen Picknickplätzen gesäumt und viel Wandervolk ist unterwegs. Auch der ein oder andere Rennradler kämpft sich die steilen letzten Meter des Teersträßchens bergauf. Hinter dem großen Parkplatz befindet sich das Rifugio Pian delle Gorre, wo wir für 80 EUR ein kleines Zimmer mit Halbpension bekommen. Auf der schönen Wiese unter steilen bewaldeten Berghängen vertrödeln wir den Nachmittag. Am späten Nachmittag verschwindet die Sonne und auch der Parkplatz leert sich zusehends. Beim leckeren Abendessen stellen wir fest, dass wir die einzigen Übernachtungsgäste sind, nur noch zwei andere Tische sind durch Tagesgäste belegt. Ich fotografiere wie üblich die Karten mit der Route für den nächsten Tag ab. Der Vollmond scheint in unser Zimmer, hoffentlich hält morgen das Wetter, die Prognose (per iPod im häuslichen WiFi abgerufen) kündigt im Tagesverlauf Regen an. Ein Gewitter am Ligurischen Grenzkamm steht nicht sehr weit oben auf unserer Hitliste. Also gehen wir früh ins Bett um am nächsten Morgen früh auf den Beinen zu sein. Schließlich stehen wiederum ca. 1500 Höhenmeter über den Passo del Duca und den Colla Piana zur Ligurischen Grenzkammstraße und zum Rifugio Barbera auf dem Programm.
von: sanntos

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 12.10.12 13:55

Hey, hey. Vielen Dank für den super ausführlichen Bericht und die vielen tollen wie anschaulichen Fotos. Es ist schön zu sehen, welche spektakulären Reiseziele es vor unserer hHustür, quasi jenseits der überfüllten und immergleich seichten Pauschal-Touristen-Zentren noch gibt.
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 12.10.12 16:58

Am nächsten Morgen genießen wir es mal zur Abwechslung nicht das Zelt einpacken zu müssen sondern einfach einen Stock tiefer zum Frühstück hinunter zu gehen. Naja, das was man in Italien eben so unter Frühstück versteht: Zwieback mit Butter und Marmelade. Für uns als Nicht-Kaffee-Trinker gibt es wenigstens einen großen Pott Tee. Zum Glück haben wir am Vortag noch Bananen, Brötchen und Schokopudding gekauft und können so das Frühstück noch etwas aufpeppen. Die paar Joule vom Zwieback wären ansonsten bereits nach wenigen Kurbelumdrehungen bereits verpufft. Ein paar Schleierwolken deuten schon den angekündigten Wetterwechsel an. Also machen wir uns auf den Weg. Gerade als wir aus dem Rifugio Pian delle Gorre treten fliegt ein Helikopter mit Fahrrad an Bord den Berg nach oben. Leider wollte er uns nicht mitnehmen, müssen wir eben selber strampeln. Direkt hinter der Hütte führt der Forstweg steil nach oben in den Wald. An ein paar Wasserfällen vorbei führt ein schmaler Wanderweg, der uns an die Steigen der heimischen schwäbischen Alb erinnert. An einer Schäferhütte füllen wir unsere Trinkflaschen nochmals auf, im Karstgebiet das wir heute durchqueren werden wir keine weitere Wasserstelle finden.

Über geschickt ausholende Kehren gewinnen wir auf einer bis auf wenige Stellen fahrbaren Alpinitrasse in einem schmalen Hochtal an Höhe. Der Blick nach Norden auf die Po-Ebene und den dahinter aufragenden Alpenbogen sind beeindruckend. Auf dem Kamm sehen wir auch das Fahrrad wieder, das heute früh noch am Helikopter baumelte. Zusammen mit einem Zelt, einem kleinen Bagger und einigen Gerätschaften arbeiten 3 Männer an der Weganlage zum Passo del Duca. Die letzten Hundert Höhenmeter müssen wir das Gepäck abnehmen und zum schmalen Durchgang des Passes tragen und die Räder nachholen.































Auf der anderen Seite des Passo del Duca führt der schmale Steig etliche Höhenmeter hinunter auf den Boden einer Karstebene. An einer weiteren Schäferhütte vorbei führt ein aus napoleonischen Zeiten stammender Militärweg ca. 400 Höhenmeter bergauf. Dabei schlängelt sich der Weg durch die unübersichtlichen Karsthänge. An mehreren Stellen müssen wir absteigen und die Räder schieben, an einer unübersichtlichen Stelle folge ich den falschen Wegspuren, bemerke meinen Irrtum erst spät und muss kostbar erkämpfte Höhenmeter wieder zurück. Im oberen Teil wird die Piste dann leichter und die (verschlossene) Hütte Capanna Morganitini wird sichtbar (kein Wasser!). An der Passhöhe des Colle Piana angekommen überqueren wir die Grenze von Italien nach Frankreich. Eine steile Jeepspur führt hinunter zum steinigen Band der ligurischen Grenzkammstraße, die vom Tenda-Pass und dem Fort Centrale herüberführt. Erst hier treffen wir wieder auf andere Menschen. Zum Glück hält das Wetter, auch wenn die Bewölkung nun doch stark zunimmt.

Auf der Grenzkamstraße müssen wir noch ein paar Meter bergauf, entgegen der Beschreibung von Achim Zahn sehen wir weder Mottorräder mit aufgeschlitzen Ölwannen noch Lenker normaler PKWs, die weder vor noch zurück können. Allerdings erfordert der Belag aus gerippten Karstfelsen und großen Felsbrocken konzentriertes Fahren, bergab sind wir nur unwesentlich schneller als bergauf. Von der Punta Margeis kommen einige Wanderer, die wir später an der Rifugio Don Barbera wiedertreffen. Die 2006 eröffnete moderne Hütte bietet eine schöne Unterkunft knapp unterhalb des Colle dei Signori. Die Hütte ist fest in der Hand von italienischen und deutschen GTA-Wanderern. Auf Grund der Schönwetterperiode herrscht akuter Wassermangel, dann gibt es eben statt einer Dusche eine Ganzkörperwaschung, da reicht auch 1 Liter Wasser dafür. Wir lesen draußen vor der Hütte in den letzten Sonnenstrahlen, die von den aufziehenden Regenwolken noch durchgelassen werden. Als wir unser letztes Buch in der Mitte durchschneiden, kommen wir mit einem deutschen Wanderer-Paar ins Gespräch, die statt Bücher zwei Amazon Kindles dabei haben und begeistert davon erzählen. Die Dinger sind in der Tat wesentlich leichter als unser "Schinken" und enthalten mehrere Titel, so dass genug Lesestoff für eine ganze Urlaubsreise an Bord ist. Akkulaufzeit ist offenbar kein Thema, da nur beim "Umblättern" Energie verbraucht wird. Mal schauen, bis Weihnachten ist es ja nicht mehr lang…

Das leckere Abendessen wird tischweise serviert und man unterhält sich nett untereinander, eine sehr angenehme Atmosphäre. Im Matrazenlager lässt sich trotz schnarchender Zimmerkollegen und einsetzendem Regen gut schlafen, Ohropax sei Dank!





































von: kettenraucher

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 12.10.12 18:07

Hey, auch ich finde eure Tour, den Bericht und die Fotos total großartig. Ich bin zwar nicht ganz so off road ausgelegt wie ihr, aber diese Tour werde ich noch vielfach studieren, um daraus so einige Anregungen für mich zu gewinnen. Ganz großes Kino und herzlichen Glückwunsch zu eurem Abenteuer! Und vor allem: Vielen Dank für die Infos und die Beschreibung hier im Forum. Lobenswert und beneidenswert bravo
von: :-)

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 12.10.12 20:58

WOW!!!

Schließe mich dem allgemeinen Lob mit Begeisterung an!

Tolle Tour und und tolle bilder und vor allem bewundere ich die geleistete Vorarbeit zum finden der Strecke. Bin selber für Vorarbeit meist zu träge und entscheide unterwegs wo es lang geht. Was mich leider alzu oft auf Asphalt zwingt. Ich nehm das mal als Anregung mehr Arbeit in die Vorplanung zu stecken, eure gefahrenen Strecken sehen überwiegend traumhaft aus.

Gruß
Jörg
von: vivelevelo

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 12.10.12 23:06

Hi ihr beiden Reutlinger,

supertoller Bericht, chapeau!!! Hab euch auf der Tour am Camping le Planet bei Arvieux getroffen. War mit Reiserad und etwas mehr Gepäck unterwegs. Eure Tour ist einfach bombastisch und macht mir zusammen mit meinem Trip auf den Schotterwegen zum Col du Parpaillon immer mehr Lust auf Schotterpisten. Vom Camping le Planet aus war ich noch zu Fuss am Col du Neal und am Col des Ayes, super schön, mit meinem Rad hätte ich da allerdings nicht fahren können.

Viele Grüße Caro
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 13.10.12 21:25

Hallo Caro!

Ja wir erinnern uns gerne, der Camping le Planet war sicherlich der schönste Camping auf unserer Tour. Wir hoffen, du hattest noch einen schönen Trip und gutes Wetter auf dem Weg von Aix-en-Provence zurück nach Hause. Den Col d'Izoard hast du ja bei Traumwetter überquert.

Der Col de Parpaillon steht auch noch weit oben auf unserer Wunschliste, aber das MTB-Verbot im französischen Mercantour-Nationalpark hat uns bewogen eine andere Route zu wählen. Es wäre dann nur über den Col de la Bonnette weiter gegangen, den haben wir aber schonmal überquert. Außerdem war das Ziel ja möglichst viel Schotterpisten zu befahren. Die Maira-Stura-Kammstraße war ein absoluter Höhepunkt unserer Tour, der Piemont hat uns insgesamt sehr gut gefallen. Aber es gibt so viele schöne Ecken...


Gruß LUTZ
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 13.10.12 21:34

Hallo zusammen!

In Antwort auf: kettenraucher
Ich bin zwar nicht ganz so off road ausgelegt wie ihr, aber diese Tour werde ich noch vielfach studieren, um daraus so einige Anregungen für mich zu gewinnen.


Die Offroad-Geschichten haben sich so über die Jahre ergeben. Beruflich bedingt sind wir oft in der Hauptsaison unterwegs und dann suchen wir gerne Strecken abseits der ausgetretenen Pfade.

In Antwort auf: :-)
Bin selber für Vorarbeit meist zu träge und entscheide unterwegs wo es lang geht. Was mich leider alzu oft auf Asphalt zwingt. Ich nehm das mal als Anregung mehr Arbeit in die Vorplanung zu stecken, eure gefahrenen Strecken sehen überwiegend traumhaft aus.


Im allerersten Posting des Berichts habe ich ein paar meiner Informationsquellen genannt, außerdem bin ich bekennender Reisebericht-Verschlinger und Karten-Auswendiglerner... ;-)


Gruß LUTZ
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 17.10.12 17:27

Am nächsten Morgen werden wir vom Regen geweckt. Ein ungewohntes Geräusch, das hatten wir zuletzt in Abondance unweit des Genfer Sees. Zunächst gibt es allerdings italienisches Frühstück, Zwieback mit Marmelade, naja, wer's mag…

Glücklicherweise hört der Regen aus den tiefhängenden Wolken zunächst auf, so dass wir uns auf die Weiterfahrt auf der Ligurischen Grenzkammstraße Richtung Passo di Tanarello machen können. Während die Wanderer den direkten Weg über den Grat wählen folgen wir der Piste, die mal mehr näher mal weiter vom Grat entfernt entlang am Hang über Wiesen oder durch den Wald führt. Hier oben treffen wir bei diesem Wetter nur wenige Personen, einige Schäfer kümmern sich um ihre Herden, von den erwarteten Heerscharen in Geländewagen oder auf Enduros ist nichts zu sehen. Immer wieder gibt es einen Regenschauer, wir sind ständig damit beschäftigt die Regenklamotten an und wieder auszuziehen. Als der Monte Saccarello mit dem kleinen Skigebiet ins Blickfeld kommt biegen wir rechts ab und folgen den Serpentinen hinauf zum Passo di Tanarello. Hier oben wird der Regen wieder stärker und wir hören wir dumpfes Donnergrollen. Über Gewitter am ligurischen Grenzkamm haben wir die tollsten Geschichten gelesen, also schauen wir, dass wir weiter kommen. Die Piste führt zunächst steiler bergab Richtung Colle d'Ardente um dann wenig spektakulär im Wald weiter zu verlaufen. Nur hier und da tun sich schöne Blicke auf. Den Abschnitt Richtung Monte Grai und die Trailumfahrung des Monte Tarragio müssen wir wetterbedingt sausen lassen und sausen stattdessen auf Forstautobahnen hinunter Richtung La Brigue.





















Dort angekommen wird es deutlich wärmer und zunächst auch trockener. Auf ruhiger Straße kommen wir ins kleine Örtchen La Brigue. Hier gibt es eine gemütliche Mittagsrast, bevor wir uns weiter Richtung Tende aufmachen. Dort treffen wir auf die Tende-Passstraße, die - wie erwartet - stark befahren ist. Zwischen Tende und Breil sur Roya liegen zwei Tunnel. Der erste lässt sich auf der alten Straße mit schönem Blick hinauf nach Saorge umfahren, für den zweiten warten wir eine Lücke im Verkehr ab und bringen den Tunnel möglichst schnell hinter uns. Entlang der tief eingeschnittenen Roya erreichen wir Breil sur Roya und mieten uns dort auf dem Camping Municipal direkt am Flussufer ein. Wir bummeln noch gemütlich durch das etwas heruntergekommen wirkende Örtchen. Außer dem Tourismus in Form von Rafting-Anbietern und der Vermarktung des nahegelegenen Mercantour-Nationalparks scheint es hier nicht allzuviel zu geben. Genausowenig gibt es für uns eine Gaskartusche zu kaufen. Unsere fast leer gekochte Gaskartusche pfeift aus dem letzten Loch, schafft es aber gerade noch uns eine warme Mahlzeit zuzubereiten. Das war's dann mit Kochen, zwei Tage vor Abflug kaufen wir keine neue Kartusche mehr, die wir dann ggf. mühsam "leerkochen" müssten. Wir fallen bald ins Bett und wenig später in einen tiefen Schlaf…


… aus dem wir mitten in der Nacht plötzlich aufschrecken, weil sich jemand an unserem Zelt zu schaffen macht. Ein Blick nach draußen zeigt, dass eine Radtasche, die zwischen Innen- und Außenzelt verstaut war einige Meter vom Zelt entfernt liegt. Wer macht denn sowas? Ich hole die Tasche wieder zurück und stecke sie wieder zwischen Innen- und Außenzelt. Wenig später - wir liegen mit offenen Ohren im Zelt - wieder ein Geräusch und ein Rucken an der Tasche. Im hellen Schein der Taschenlampe ist niemand zu sehen, die Tasche aber nicht mehr an ihrem Platz. Gibt's doch gar nicht! Wir begestigen die Trageriemen der Ortliebtaschen an der Zeltstange, so dass niemand die Taschen wegstibizen kann, ohne dass das Zelt gleich mitwackelt. An Schlaf ist nicht mehr so richtig zu denken, sehr seltsame Situation. Irgendwann schlafen wir dann aber doch ein. Wieder ein Geräusch, aber es ist niemand zu sehen. Statt dessen stellen wir fest, dass einer unserer Radschuhe fehlt. Weg, einfach weg, nirgends zu sehen. Ich beschließe mich etwas umzusehen und mache mich mit mulmigem Gefühl Richtung Sanitärblock. Alles ist ruhig. Ich leuchte mit der Taschenlampe unter die unseren Zeltplatz umgebenden Hecken, kein Radschuh zu sehen. Was nun? Es ist finstere Nacht, wir sind müde und wollen doch nur in Ruhe schlafen. Einige Zeit später wieder ein Geräusch und einer unserer Crocs liegt einige Meter entfernt vom Zelt. Verdammt, wer klaut hier unsere Schuhe? Wir binden die Radschuhe an der Zeltstange fest, befestigen die Crocs auf den Gepäckträgern der Räder, checken das Fahrradschloss, mit dem die Räder an einem Baum befestigt sind, der Radschuh hingegen bleibt verschwunden. Die Nachtruhe jedenfalls ist dahin, einerseits erschöpft vor Müdigkeit andererseits aufmerksam nach draußen lauschend verbringen wir noch wenige Stunden in unruhigem Schlaf, immer um unsere Ausrüstung besorgt.
von: veloträumer

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 18.10.12 14:04

In Antwort auf: lutz_
… aus dem wir mitten in der Nacht plötzlich aufschrecken, weil sich jemand an unserem Zelt zu schaffen macht. Ein Blick nach draußen zeigt, dass eine Radtasche, die zwischen Innen- und Außenzelt verstaut war einige Meter vom Zelt entfernt liegt. Wer macht denn sowas? Ich hole die Tasche wieder zurück und stecke sie wieder zwischen Innen- und Außenzelt. Wenig später - wir liegen mit offenen Ohren im Zelt - wieder ein Geräusch und ein Rucken an der Tasche. Im hellen Schein der Taschenlampe ist niemand zu sehen, die Tasche aber nicht mehr an ihrem Platz. Gibt's doch gar nicht! Wir begestigen die Trageriemen der Ortliebtaschen an der Zeltstange, so dass niemand die Taschen wegstibizen kann, ohne dass das Zelt gleich mitwackelt. An Schlaf ist nicht mehr so richtig zu denken, sehr seltsame Situation. Irgendwann schlafen wir dann aber doch ein. Wieder ein Geräusch, aber es ist niemand zu sehen. Statt dessen stellen wir fest, dass einer unserer Radschuhe fehlt. Weg, einfach weg, nirgends zu sehen. Ich beschließe mich etwas umzusehen und mache mich mit mulmigem Gefühl Richtung Sanitärblock. Alles ist ruhig. Ich leuchte mit der Taschenlampe unter die unseren Zeltplatz umgebenden Hecken, kein Radschuh zu sehen. Was nun? Es ist finstere Nacht, wir sind müde und wollen doch nur in Ruhe schlafen. Einige Zeit später wieder ein Geräusch und einer unserer Crocs liegt einige Meter entfernt vom Zelt. Verdammt, wer klaut hier unsere Schuhe? Wir binden die Radschuhe an der Zeltstange fest, befestigen die Crocs auf den Gepäckträgern der Räder, checken das Fahrradschloss, mit dem die Räder an einem Baum befestigt sind, der Radschuh hingegen bleibt verschwunden.


Sieh mal einer an, überall diese Tierchen... grins - ich zitiere aus meinem letztjährigen Pyrenäenbericht:
In Antwort auf: veloträumer
Zeltübernachtungen bergen aber auch Gefahren, die man nicht alle vorausahnen kann. Die wohl kurioseste Geschichte meiner Radreisekarriere insgesamt ereignete sich beim Wildcampen auf der Passhöhe des Coll de Fadeilla (Tremp – Coll de Nargó). Bereits hier im Forum breit getreten, erdreistete sich ein katalanisches Tier – allen fundierten Hinweisen zufolge namentlich ein Fuchs – Dreiviertel meines Schuhwerkes unter der Apsis des Zeltes zu rauben. entsetzt böse Wahrscheinlich verhinderte nur mein nächtlicher Harndrang Schlimmeres. Im Morgenlicht konnte ich meinen zweiten Radschuh in gewisser Entfernung zum Zelt glücklicherweise wiederfinden – die Sandalen blieben indes verschollen. Nach fuchswissenschaftlichen Erkenntnissen liebt dieser Leder- und Schweißgeruch – der Radschuh war aber ohne Leder und hatte wohl nicht ausreichend gemüffelt, schmunzel sodass Meister Reinecke ihn fallen ließ.


Den Diebstahl hatte ich zudem unter dem Titel Schuhe weg - was nun?im Forum besprochen. In diesem Jahr habe ich übrigens wieder einen nächtlichen Fuchs-Überfall erlebt: Versuchter Radtaschenklau oder versuchter Radtascheninhaltsklau. Den Dieb habe ich leibhaftig auf frischer Tat ertappt und ließ sich mangels Unrechtsbewusstsein nur mit Mühe vertreiben. schockiert In diesem Fall konnte ich Schlimmeres verhindern, weil ich Einschlafprobleme hatte.
von: Deul

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 18.10.12 14:18

Ein Zeltnachbar hatt einen Schweren Fall von Restmüllvandalismus. Man sollte die Füchse doch mal auf gesetze und Vorschriften trimmen grins Schalu sollen sie ja sein, aber ob das mit dem lesen der texte klappt? D zweifel ich dann doch etwas lach

Detlef
von: Sagan

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 18.10.12 15:45

In Antwort auf: lutz_
Verdammt, wer klaut hier unsere Schuhe?


Ha, vor dieser Frage standen vor knapp zwei Wochen in der Toskana auch einige l´Eroica-Teilnehmer: Die vor den Zelten bzw. WoMos abgestellten Schuhe waren verschwunden, und nicht alle fanden sich wieder... Wir waren zum Glück verschont geblieben. Der Verdacht fiel auf schlichte Katzen, aber Füchse erzählen sich natürlich deutlich besser! zwinker

Ansonsten: Sehr, sehr schöner Bericht einer offenbar sehr schönen Reise. Inspirierend!
von: veloträumer

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 18.10.12 16:01

In Antwort auf: Sagan
Der Verdacht fiel auf schlichte Katzen, aber Füchse erzählen sich natürlich deutlich besser! zwinker

Katzen haben dafür zu kleine Mäuler. Sie können wohl mal einen Schuh wegziehen (Clocks!, Radschuhe!), aber nicht über längerere Distanzen tragen. Hund oder Dachs muss man aber auch immer noch als Übeltäter miteinbeziehen.
von: vivelevelo

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 19.10.12 18:46

Hallo Lutz,

ja zum Camping le Planet wollte ich genau deshalb nach der Reise vor 8 Jahren unbedingt nochmal hin, und meine Begeisterung hat sogar die Erinnerung getoppt. Sonst erkunde ich eigentlich immer gern "Neuland", und habe auf meinen Radtouren letztes und dieses Jahr ein paar Campings gefunden, die auch sehr sehr schön sind (kleiner Camping a la ferme in der Haarnadelkurve einige Kilometer vor dem Col d Ayen über den Steilabbrüchen des Verdon; Camping Val de Tamie; Camping du Villard,Thorame-Basse), am Eindruckvollsten ist es natürlich immer noch, bei schönem Wetter wild in den Bergen an einem schönen Platz zu zelten!

Jaja, das "Traumwetter" wurd ja immer traumhafter, da hab ich mich manchmal ganz schön gefreut, wenn ich wieder unterhalb der Baumgrenze Schatten gefunden hab.

Die Reise war noch toll, hab noch viele lustige Leute getroffen und bin am Sonntag, 19. August noch in den Trail du Galibier geraten. Da schnauft ma morgens den Pass von der "falschen" Seite hoch und wundert sich, dass einen oben das Militär mit nem Erfrischungsstand empfängt bis man merkt, was da eigentlich los ist.

Der Col du Parpaillon ist landschaftlich wunderbar, da habt ihr auf eurer Tour aber bestimmt noch tollere Strecken gehabt (die Fotos sind ja so spitze, da möchte man einfach gleich losfahren, mal schaun vielleicht wirds ja nächsten Sommer Realität). Andererseits ist der Parpaillon mit seinem schwarzen, vereisten und Pfützen übersäten über 500 Meter langen Felstunnel schon irgenwie besonders. Ich bin mehrmals durchgelaufen, der Effekt aus der Schwärze heraus in den sonnenbestrahlten bombastischen Ausblick zu treten - auf der Nordseite mit Blick auf das vergletscherte Pelvoux-Massiv hat mich einfach geflasht. Zusätzlich braucht man eine Prise Humor, es kommen gegen mittag dann doch viele All- und Motorrädler, da gibt es dann schon lustige "Gipfelfotos" zu beobachten. Am besten fand ich eine Familie mit halbwüchsigen Kindern, die vor dem Tunneleingang die Mountainbikes vom Jeep geladen haben, und dann die Kinder ausgiebig gefilmt haben, wie sie aus dem Tunnel geradelt kommen, na jedem seine Trophäe.

Gruß Caro
von: mstuedel

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 20.10.12 18:46

Auf einer meiner Touren im Massif Central ging auch mal ein Radschuh meines Mitradlers, höchstwahrscheinlich durch Fuchsraub, verloren. Das war eine ungute Situation mit reinen Klickpedalen und nur Sandalen als Ergänzung im Gepäck.

Vorbeugung ist schwierig, da man die Schuhe ja nicht unbedingt im Zelt haben möchte und Anbinden auch nicht ideal ist, da man ja in der Nacht mal so schnell reinschlüpfen möchte zum schnell austreten.

Gruss
Markus
von: :-)

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 20.10.12 19:10

Meine Schuhe kommen möglichst immer mit ins Zelt eben wegen dem Fuchs. Aber auch wegen Nacktschnecken die kriechen überall rein und den Schleim kriegst du kaum noch ab. Wenn ich ohne Zelt schlafe (was mit zunehmender Häufigkeit vorkommt) werden Schuhe in eine Radtasche oder in einem Müllsack gestopft oder zumindest angebunden.

Ein Fuchs hat mal versucht mir eine Radtasche zu klauen, aber als ich ihn verfolgt hab hat er sie wieder hergegeben... In der Nacht hat er sich dann gerächt und mir Sattel und Lenkerband zerbissen.

Immerhin hat er sich vorher noch als Fotomodel zur Verfügung gestellt. Besuch vom Fuchs
von: :-)

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 20.10.12 19:18

In Antwort auf: lutz_

In Antwort auf: :-)
Bin selber für Vorarbeit meist zu träge und entscheide unterwegs wo es lang geht. Was mich leider alzu oft auf Asphalt zwingt. Ich nehm das mal als Anregung mehr Arbeit in die Vorplanung zu stecken, eure gefahrenen Strecken sehen überwiegend traumhaft aus.


Im allerersten Posting des Berichts habe ich ein paar meiner Informationsquellen genannt, außerdem bin ich bekennender Reisebericht-Verschlinger und Karten-Auswendiglerner... ;-)


habs gelesen danke für die Infos. Touren stehen im Moment bei mir leider nicht an. Auf jeden Fall macht dein Bericht und die klasse Fotos richtig Lust auf eine Alpentour.

Gruß
Jörg
von: Anonym

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 20.10.12 19:55

Schließe mich an, super Tour und super Bildmaterial. Einige Berge kennen wir vom Bergsteigen wo ihr dran vorbei gefahren seid.
Allerdings sollte man eines klar sagen, die Tour wäre nichts für Anfänger. Und ohne das richtige Fahrrad würde ich sie auch nicht fahren. Somit nichts für Stahlrahmen ohne Federung ala Patria, Velotraum und Co.
von: WildeHilde26

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 21.10.12 12:17

Schönes Portrait eines Fuchses! schmunzel
von: mstuedel

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 22.10.12 13:02

Grandios! Vielleicht sind die skandinavischen Füchse noch eine Spur aufdringlicher als die mitteleuropäischen (oder ausgehungert?).
von: Anonym

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 22.10.12 14:53

Der kleine Fuchs war hungrig. Leider hat er wohl nichts bekommen und wurde verjagt. Wie im echten Leben halt.. traurig
von: DerZugvogel

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 22.10.12 18:21

Bei den coolen Fotos wird die Gegend gleich mal vorgemerkt zwinker
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 23.10.12 19:04


Mit der Morgendämmerung sind wir bald schon wieder auf den Beinen. Nach kurzem Ausrüstungscheck stellen wir fest, dass alles da ist, nur der Radschuh fehlt nach wie vor. Wir patroullieren über den Campingplatz und suchen unter Hecken, im Gebüsch, hinter dem Sanitärblock, ohne Ergebnis. Sowas aber auch! Naja, erstmal Frühstücken. Die Gaskartusche verweigert den heißen Morgentee, na dann eben nicht. Das nächste Frühstück gibt's sowieso im Café de Lyon in Nizza. Wir packen zusammen, hilft ja nix, muss Madame eben mit Crocs radeln… ;-)

Kurz vor der Abfahrt machen wir uns nochmal auf einen finalen Suchdurchgang über den langsam erwachenden Camping. Die Zeltnachbarn haben zwar auch nächtliche Geräusche vernommen aber nichts bemerkt. Kurze Zeit später aber stellen sie fest, dass auch bei Ihnen ein Schuh fehlt. Geteiltes Leid ist halbes Leid, bringt aber nicht die fehlenden Schuhe zurück. Hinter einem Holzbungalow schließlich werden wir fündig: 5(!) mehr oder weniger angenagte Schuhe finden sich hier. Ha! Zum Glück ist von unserem Radschuh nur die Klettlasche angenagt. Ansonsten ist der Schuh noch wohlbehalte und hocherfreut über die Heimkehr an den schmalen Fuß seiner Besitzerin. Es lässt sich nicht klären, ob hier ein Hund oder ein Fuchs am Werk war, der Rezeptionist schwört Stein auf Bein, dass sowas noch nie vorgekommen sei. Sehr lustig jedoch ist der Anblick der Spätaufsteher, die aus dem Vorzelt kommen und plötzlich ihre Schlappen suchen. Alle sind froh, dass die Schuhe wieder auftauchen und mit etwas Verspätung verlassen wir den Ort der nächtlichen Schuhattacke.

Wir kaufen in Breil sur Roya noch ein zweites Frühstück und folgen dann dem Tal der Roya nach Süden. Hier passieren wir wiederum die Grenze nach Italien, biegen aber kurz hinter der Grenze auf eine kleines Sträßchen ab, das uns hinüber ins französische Sospel bringen soll. Hier ist die Vegetation schon sehr mediterran und die Sonne brennt auf uns herab. Leider sind die Feigen an den Feigenbäumen noch nicht reif. Kurz nach einem kleinen Zwischenpass biegt linker Hand ein Wanderweg ab, der einige Höhenmeter spart. Also folgen wir dem Steig, der uns bald darauf in steilen Kehren zum Absteigen und Schieben zwingt. Hoch über dem Fluss entlang geht es dann an steilen Felsen entlang, ein Straßenschild warnt vor Steinschlag am Wanderweg. Kurz vor Sospel mündet unser Wanderweg wieder auf die Straße und wir rollen ins freundlich Sospel. Hier herrscht netter Trubel und wir machen Mittag und beobachten die flanierenden Leute.













Im Syndicat d'Initiative fotografiere ich noch einen Übersichtsplan mit MTB-Strecken in der Region und wir finden eine schöne Alternative zur Asphaltstraße. Statt der Passstraße über den Col de Braus folgen wir einem kleinen Sträßchen Richtung Campingplatz. Am Waldrand beginnt der Schotterweg, der in weiten Kehren durch den schattigen Wald nach oben führt. Im übrigen eine der wenigen von uns befahrenen Strecke, die nicht in der Wanderreitkarte (basierend auf den Daten von Openstreetmap) verzeichnet war. Nach rund 700 Höhenmetern öffnet sich der Wald und auf einem kleinen Singletrail rollen wir hinab zur Passhöhe des Col de Braus. Hier überqueren wir die Straße um auf der anderen Seite einem weiteren Schotterweg auf die kahlen Höhen zu folgen. Von hier oben hat man erstmals das Mittelmeer im Blick, deutlich ist der Flughafen von Nizza auszumachen. Dank des abfotografierten Pistenplans und der guten Wegmarkierung folgen wir einem schmalen und steilen Steig hinunter Richtung L'Escarène. Im unteren Teil verbergen sich tolle Villen mit Swimmingpools hinter hohen Mauern und Videokameraüberwachten Garagentoren, wir sind im Hinterland der Cote d'Azur angelangt.

Der Campingplatz im Tal des Paillon stellt sich als heruntergekommene Baustelle mit etwas kauziger Besitzerin raus. Rechtzeitig vor einem enormen Gewitterguss bauen wir das Zelt auf. Der Guß erwischt mich unter der Dusche, der anschließende Starkregen verhindert meine Rückkehr ins Zelt, so dass ich in einem aufgebauten Pavillon neben dem Sanitärblock ausharre und dort alle ausliegenden Flyer für die touristischen Highlights der Region auswendig lerne. Stadtrundfahrt mit Segway durch Nizza gefällig?

Nach über einer Stunde lässt der Regen langsam nach, der Platz hat sich in eine Riesenpfütze verwandelt, einige Quechua-Zelte sehen nicht mehr gut aus, unser wohlweißlich auf abfallendem Gelände aufgebautes Zelt hat aber dicht gehalten. Bei schönem Abendlicht gibt es noch einen tollen Regenbogen zu bestaunen. Mangels Alternativen gibt es Pizza vom Pizzawagen, der sich allabendlich hier am Kreisverkehr positioniert. Nicht die schlechteste Wahl, nur Bier wollten sie uns dort nicht verkaufen…


















von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 26.10.12 11:36

Am nächsten Tag ist Madames Geburtstag. Zur Feier des Tages fällt gleich mal das Frühstück mangels heißem Tee und frischem Brot aus, stattdessen unterziehen wir die Räder mit Hilfe eines Gartenschlauchs einer Generalreinigung. Auch das vom Starkregen vom Abend von unten nass und dreckig gespritzte Außenzelt wird gereinigt und zum Trocknen aufgehängt. Wir packen unsere Sachen so zusammen, dass wir im wenige Tage zuvor online via HRS gebuchten Hotel in Nizza die Räder samt Gepäck abstellen und uns dort mit wenig Aufwand "stadtfein" machen können. Die wenigen Kilometer hinein nach Nizza sind nicht nicht sehr spannend, das GPS-Gerät führt durch den dichten Verkehr sicher ans Hotel. Unser Hotelzimmer ist erst am Mittag bezugsfertig, also deponieren wir die Räder dort im Frühstücksraum und gehen erstmal gemütlich frühstücken. Es macht großen Spaß dem geschäftigen Treiben im Café de Lyon zuzusehen und genüßlich seine chocolat chaude aus einem riesigen bol zu schlürfen. Auch statt mit Campinggeschirr vom Blechteller zur Abwechslung vom Pozellanteller zu speisen ist eine willkommene Abwechslung. Doch selbst die Portionen des "grand petit dejeuner" sind offenbar nicht an hungrige Radlermägen angepasst.

Wir lassen uns durch die Stadt treiben, besuchen unterschiedliche Geschäfte und auf dem Marché des Fleurs wird ein Geburtstagsblumenstrauß besorgt. Das Meer zeigt sich bei wenig sommerlichen Temperaturen nicht sehr einladend. Auf das in Alpencrosserkreisen übliche Finisher-Foto mit Rad im Mittelmeer verzichten wir deshalb dankend. Im Laufe des Tages zieht Regen auf, den wir im Hotelzimmer abwettern. Am frühen Abend bummeln wir bei toller Gewitterstimmung am Kiesstrand von Nizza entlang. Später besuchen wir ein leckeres Restaurant abseits der Touristenströme, das ich zuvor in einer Buchhandlung im Guide Routard ausgemacht und reserviert habe.













Der nächste Tag ist schnell erzählt: Wir packen zusammen und radeln vor Sonnenaufgang an Kehrmaschinen vorbei durch die langsam erwachende Stadt zur Promenade des Anglais. Hier genießen wir den Sonnenaufgang und radeln die wenigen Kilometer am Meer entlang zum Flughafen. Da wir dort nur wenig Pappe zum Verpacken unserer Räder finden können fliegen diese nahezu unverpackt nach Hause. Beim Heimflug betrachten wir erstaunt die mittlerweile schneebedeckten Berge, die wir noch vor wenigen Tagen bei hochsommerlichen Temperaturen mit dem Rad bezwungen haben. Zu Hause stellt sich raus, dass eine Bremsscheibe beim Ein- oder Ausladen ins Flugzeug verbogen wurde und getauscht werden muss. Dies ist letztlich als eine von wenigen nennenswerten Pannen unterwegs (zumal bei der Heimreise) durchaus verschmerzbar…

Fazit: Mit Gepäcktaschen auf Schotterpisten durch die Westalpen war unsere erste MTB-Tour in den Alpen, sicherlich aber nicht die letzte...



FIN - Merci beacucoup pour votre attention!


Gruß LUTZ
von: gerold

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 30.10.12 09:20

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht und die tollen Fotos - ich kenne die von euch beradelten Gegenden bisher nur vom RR aus.

Welche MTB-Reifen hattet ihr bzw. welche sind für die Schotterpisten der Westalpen empfehlenswert ?

Gruß Gerold
von: MikeBike

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 30.10.12 10:36

Wow, und dann noch dieses Abschiedsbild: Das ist ja zum Heulen schön...

Habe den Bericht eben erst entdeckt und kann mich den Superlativen nur anschließen. FANTASTISCH! bravo

Super Strecke, wunderbare Fotos, tolle Beschreibung: Da stimmt wirklich alles!!

Gratulation und Gruß

Mike
von: MikeBike

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 30.10.12 10:47

Was mich überrascht hat ist, daß ihr mit Packtaschen an Fullys unterwegs wart. Ich dachte bisher, das geht technisch nicht. wirr


Kannst du etwas zur Gepäckträgerbefestigung sagen?
Kommt es nicht vor, daß das Hinterrad gegen den Träger stößt?

Gruß

Mike
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 30.10.12 20:09

Hallo Gerold!

In Antwort auf: gerold
Welche MTB-Reifen hattet ihr bzw. welche sind für die Schotterpisten der Westalpen empfehlenswert?


Wir hatten folgende Reifen aufgezogen:

Liteville: Maxxis Larssen TT 26 x 3.5, siehe z.B. hier

Canyon: Continental Mountain King 26 X 2.4 (faltbar), siehe z.B. hier

Die Mountain-King hatte ich im Frühsommer bei Rose zum Schnäppchenpreis von 8,40 EUR pro Stück gekauft. Nach der Tour waren sie allerdings komplett runter (ich werde mal noch ein Vergleichsfoto (vorher <-> nachher) machen. Die Maxxis Reifen erscheinen mit da etwas langlebiger...

Empfehlenswert sind in jedem Fall grobe Stollenreifen, sonst hast du auf den steilen Anstiegen bzw. den Trailabfahrten wenig Spaß. Der Spaßfaktor mit diesen Reifen ist auf Asphalt dann eben weniger groß, du mit deinem Leichtgewichts-Renner hättest uns locker stehen lassen. Aber unsere Priorität lag bei dieser Tour ganz klar auf Offroad-Pisten und da wollten wir bei der Reifenwahl keine Kompromisse eingehen.


Gruß LUTZ
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 30.10.12 20:17

Hallo Mike!

In Antwort auf: MikeBike
Was mich überrascht hat ist, daß ihr mit Packtaschen an Fullys unterwegs wart. Ich dachte bisher, das geht technisch nicht. wirr

Kannst du etwas zur Gepäckträgerbefestigung sagen?
Kommt es nicht vor, daß das Hinterrad gegen den Träger stößt?


Hier hatte ich etwas über den Gepäckträger geschrieben. Der Montageanleitung kannst du entnehmen, dass die Montage bei Fullys i.d.R. problemlos funktioniert, da der Träger fest mit dem Hinterbau verbunden ist und so mitfedern kann. Der Träger hat sich auf unserer Tour absolut bewährt und war für uns die willkommene Alternative zum vollbepackten Alpencrosser-Rucksack.


Gruß LUTZ
von: gerold

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 31.10.12 09:50

In Antwort auf: lutz_

Die Mountain-King hatte ich im Frühsommer bei Rose zum Schnäppchenpreis von 8,40 EUR pro Stück gekauft. Nach der Tour waren sie allerdings komplett runter (ich werde mal noch ein Vergleichsfoto (vorher <-> nachher) machen. Die Maxxis Reifen erscheinen mit da etwas langlebiger...


Danke gut zu wissen, genau von den 8,40 Euro Contis hab ich mir auch ein paar zu- und auf Lager gelegt... Ich hätte ja für eine "Schottertour" Reifen mit noch gröberem Profil aufgezogen, aber wenn ihr gute Erfahrungen gemacht habt...

Gruß Gerold
von: sigma7

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 31.10.12 15:01

Hallo Gerold, ich habe mit Mountain King, als Protection oder Standard, mit Black Chili Gummi gute Erfahrungen gemacht. Sowohl in den Ost- als auch in den Westalpen. Die Haltbarkeit einfacher Continental Reifen (= kein Black Chili) war nicht zufriedenstellend.

Hallo Lutz, vielen Dank für deinen Bericht. Werde ich in Ruhe auf der nächsten Zugfahrt lesen.


andre
von: Rennrädle

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 23.12.12 13:20

Hallo Lutz,

danke für den klasse Bericht. Ich glaube ich habe jetzt 2 Stunden gelesen und die Bilder mit Staunen betrachtet. Eine tolle Leistung von Euch beiden. Echt Hut ab!

Auch das fahrtechnische Können ist neben dem konditionellen Aspekt sicher nicht ohne.

Rennrädle
von: Rapante

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 28.05.15 08:37

Danke für den tollen Bericht!

Mit was für Reifen wart ihr unterwegs?

Grüße
Regina
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 07.06.15 15:08

Hallo Regina!


Meine Frau hat Larssen Maxxis Reifen, ich war mit Continental Mountain King Reifen unterwegs. Ich würde mittlerweile aber auch die Maxxis-Reifen bevorzugen, sie sind offenbar etwas länger haltbar.

Zum Pannenschutz kann ich keine qualifizierte Aussage machen, da ich mehr Kilos auf den Rippen und in den Taschen habe...


Gruß LUTZ
von: Kettensalat

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 26.06.15 20:44

Wow....Was für tolle Bilder und natürlich die Tour.
Danke auch für den schönen Reisebericht.
Gruß
Robert
von: Keine Ahnung

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 26.06.15 21:59

Hatte ich diesen Bericht nicht schon vor langer Zeit bestaunt? Ich glaube, Ihr habt hier einen alten - immerhin recht beeindruckenden - Bericht wieder ausgegraben zwinker .
von: Cloude

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 03.10.15 21:43

Hallo Lutz,

Ich habe euren Tourbericht mal wieder ausgegraben und bin immer noch bezüglich der Leistung und der Tour im allgemeinen begeistert. bravo
Daher würde es mich reizen im nächsten oder übernächsten Jahr möglicherweise eine ähnliche Tour auf Abwegen zu unternehmen.
Kannst du ungefähr beziffern, wie schwer eure Taschen damals in etwa waren? Zum Inhalt hast du dich ja bereits geäußert.

Ein anderes Kapitel ist das Rad. Noch habe ich kein Geländetouren taugliches Rad, aber zeitnah die finanziellen Mittel um sich ein derartiges "Spielzeug" gönnen zu können.
Schwierig stelle ich mir die Trägerbefestigung vor, die ja schon bei dir durch die Steckachse nicht ganz unproblematisch war. Ein voll geländetaugliches MTB mit Steckachsen und Befestigungsmöglichkeiten für Gepäckträger hat glaube ich aber Seltenheitswert.
Wobei ich auf folgende Lösung von Thule gestoßen bin. Ich habe aber keine Ahnung wie der Hinterbau auf ein paar zusätzliche Kilogramm mit seitlicher Krafteinleitung auf die Rohre reagiert. Dort ist man zumindest nicht auf Anbauösen angewiesen.

Da ich wie ihr über Umwege zum MTB-Sport gekommen bin und bisher auf gutes Material beim Universitätssport zurückgreifen konnte, mache ich mir jetzt schon ein paar Gedanken um am Ende keine unbefriedigende Kompromisslösung zu haben. Denn das Rad soll am Ende primär zum MTBen dienen. Ein vernünftiges Tourenrad besitze ich ja bereits.

Vielleicht hast du ja bereits weitere Erfahrung zur Thematik sammeln können.

Gruß Claudius

P.S.: Leider werden viele der verlinkten Bilder hier im Forum nicht dargestellt, obwohl die Links beim draufklicken auf die richtigen Motive verweisen. Vielleicht kann das wieder in Ordnung gebracht werden
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 07.10.15 17:29

Hallo Cloude!


In Antwort auf: Cloude

Daher würde es mich reizen im nächsten oder übernächsten Jahr möglicherweise eine ähnliche Tour auf Abwegen zu unternehmen.


Viel Spaß, es lohnt sich!

In Antwort auf: Cloude

Kannst du ungefähr beziffern, wie schwer eure Taschen damals in etwa waren? Zum Inhalt hast du dich ja bereits geäußert.


Ich schätze mal grob: Madame hatte ca. 8 kg, ich hatte ca. 12 kg Gepäck in den beiden Taschen.


In Antwort auf: Cloude

Wobei ich auf folgende Lösung von Thule gestoßen bin. Ich habe aber keine Ahnung wie der Hinterbau auf ein paar zusätzliche Kilogramm mit seitlicher Krafteinleitung auf die Rohre reagiert. Dort ist man zumindest nicht auf Anbauösen angewiesen.


Wenn du am Hinterrad eine Schnellspannachse hast, dann ist die Montage des von uns verwendeten Gepäckträgers überhaupt kein Problem. Mit einer Steckachse wird es schon kniffliger, da hilft etwas handwerkliches Geschick beim Umbau einer Steckachse mit Stehbolzen zur Befestigung.

Ich kenne das verlinkte Modell nicht, würde aber gerne wissen, wie es dort um die Seitenstabilität bestellt ist, wenn beide Halterungen an den Sitzstreben befestigt sind. Ich gehe auch auf dem MTB (wo es der Untergrund zulässt) auch gerne mal aus dem Sattel. Da sollte der Gepäckträger dann nicht aufschwingen.

Der von uns verwendete Gepäckträger hat seine Befestigungspunkte an der Sitzstrebe und an der Achse. Durch den größeren Abstand der Befestigungspunkte würde ich annehmen, dass dort die Seitenstabilität höher ist als bei dem verlinkten Modell.

In Antwort auf: Cloude

Da ich wie ihr über Umwege zum MTB-Sport gekommen bin und bisher auf gutes Material beim Universitätssport zurückgreifen konnte, mache ich mir jetzt schon ein paar Gedanken um am Ende keine unbefriedigende Kompromisslösung zu haben. Denn das Rad soll am Ende primär zum MTBen dienen. Ein vernünftiges Tourenrad besitze ich ja bereits.


Dann empfehle ich die Anschaffung eines Fullys. Macht im Gelände einfach mehr Spaß!

In Antwort auf: Cloude

P.S.: Leider werden viele der verlinkten Bilder hier im Forum nicht dargestellt, obwohl die Links beim draufklicken auf die richtigen Motive verweisen. Vielleicht kann das wieder in Ordnung gebracht werden


Was muss ich tun, damit die Verlinkung wieder funktioniert? Hat da flickr was geändert oder warum kommt die Forumssoftware mit den seinerzeit erstellten Links nun nicht mehr klar?


Gruß LUTZ
von: veloträumer

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 07.10.15 18:26

In Antwort auf: lutz_

Was muss ich tun, damit die Verlinkung wieder funktioniert? Hat da flickr was geändert oder warum kommt die Forumssoftware mit den seinerzeit erstellten Links nun nicht mehr klar?

Hallo Lutz,
da gibt es wohl großes durcheinander. Die ersten 3-4 Bilder habe ich angeklickt, da kommen wohl richtige Bilder aus den Alpen, wie aber auch Bilder aus Korsika. wirr Ein Bild wird im Forum nicht dargestellt (das erste), der Link funktioniert, aber ebenso mit einer verwirrenden Bilderstrecke. Mehr habe ich nicht ausprobiert. Warum vermag ich schon gar nicht zu sagen. Tücken bei Fotoportalen sind mir nur allzu bekannt. traurig Vielleicht ist aber auch schon alles eine Folge der neuen Datenschutzlage (vgl. gestriges Urteil EU/USA-Datenschutzabkommen).
von: Cloude

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 07.10.15 18:42

Hallo Lutz,

Danke für deine ausführliche Antwort.


Zitat:
Ich schätze mal grob: Madame hatte ca. 8 kg, ich hatte ca. 12 kg Gepäck in den beiden Taschen.

Das ist ja schonmal ne recht konkrete Ansage. Die Größenordnungen um 10 kg hätte ich jetzt auch vermutet.


Zitat:
Ich kenne das verlinkte Modell nicht, würde aber gerne wissen, wie es dort um die Seitenstabilität bestellt ist ...

Bezüglich des von mir verlinkten Gepäckträgers habe ich auch so meine Zweifel, ob er wirklich etwas taugt. Er war mir bei der Suche nur erstmal in die Hände gefallen.


Zitat:

Wenn du am Hinterrad eine Schnellspannachse hast, dann ist die Montage des von uns verwendeten Gepäckträgers überhaupt kein Problem. Mit einer Steckachse wird es schon kniffliger, da hilft etwas handwerkliches Geschick beim Umbau einer Steckachse mit Stehbolzen zur Befestigung.

Was für ein Rad es werden wird steht jetzt noch nicht fest, aber ich vermute es wird auf eines mit Steckachse hinten hinaus laufen. Mit der Befestigung des "normalen" Gepäckträgers über einen Stehbolzen hatte ich gelesen, kann mir allerdings nicht so richtig vorstellen, wie dieser an/in der Steckachse befestigt ist. Wenn es soweit ist und ich keine andere elegante Lösung für den Träger finden sollte, komme ich nochmal auf dich zurück.


Zitat:
Was muss ich tun, damit die Verlinkung wieder funktioniert? Hat da flickr was geändert oder warum kommt die Forumssoftware mit den seinerzeit erstellten Links nun nicht mehr klar?

Die Sache mit den Bildern ist mir primär erstmal aufgefallen. Die Verlinkungen ins Flickr-Album funktionieren ja, allerdings scheinen die statisch erzeugten Bildadressen zur Anzeige im Forum bei einem Teil der Bilder im Laufe der Jahre nicht mehr aktuell zu sein. Um den Zustand zu beseitigen muss man bei allen nicht angezeigten Bildern die statischen Verlinkungen erneuern, die wie der folgende aussehen sollten.
https://farm9.staticflickr.com/8453/7930522242_80273955db_c.jpg
Ich konnte die Linkadressen reproduzieren, indem ich im Fotostream "Bild herunterladen" gewählt habe und dann bei einer der Größen mit einem rechtsklick "Link-Adressen kopieren" gewählt habe. Wenn man diesen Link in die Browseradresszeile einfügt muss nur noch die Buchstabenkombination _"Buchstaben".jpg durch _c.jpg ersetzt werden.
Vielleicht hilft dir aber auch dieser Link auf die Hilfeseite von flickr weiter. Auf jedenfall wäre dafür auch die Unterstützung der Moderation notwendig, da wir als einfache Benutzer die Beiträge nur kurz nach Veröffentlichung noch ändern können. Außerdem ist es bei der Masse der kaputten Links eine Abendfüllende Beschäftigung.
Vielleicht hilft das bisschen weiter. Sonst bleibt einem nur dein Flickr-Album so zu durchblättern.
@Veloträumer: Die Reihenfolge der Bilder passt schon einigermaßen. Auf Seite eins sind es in der Tat nur wenige kaputte Verlinkungen, die meisten folgen dann auf den Seiten zwei und drei.

Gruß Claudius
von: lutz_

Re: Auf Schotterpisten durch die Westalpen - 07.10.15 21:00

Hallo Claudius!


In Antwort auf: Cloude
Mit der Befestigung des "normalen" Gepäckträgers über einen Stehbolzen hatte ich gelesen, kann mir allerdings nicht so richtig vorstellen, wie dieser an/in der Steckachse befestigt ist.


Hier ein paar Bilder der modifizierten DT-Swiss-Steckachse:







Der einzige Nachteil: Zum Ausbau des Hinterrades musst du zwingend den zugehörigen Hebel zum Öffnen der Steckachse mitführen. Ich hoffe, das hilft dir weiter...


Gruß LUTZ