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#1299441 - 24.08.17 15:28 Au Coeur de France
Flori
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Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 1061
Dauer:27 Tage
Zeitraum:8.7.2017 bis 3.8.2017
Entfernung:2260 Kilometer
Bereiste Länder:deDeutschland
frFrankreich
chSchweiz




Im Herzen Frankreichs liegen Brot und Wein und Käse auf der Straße. Zumindest auf dem von Klemens Franz gestalteten Plan des Spiels Orléans von Reiner Stockhausen. Nicole und ich lieben dieses Brettspiel, und wir lieben Frankreich. Wir wollen liebend gern mal selbst auf diesen Straßen, in dieser Gegend zwischen den Flüssen Loire, Cher und Indre herumradeln.

Und wann, wenn nicht 2017? In diesem Jahr haben wir aufgrund glücklicher Umstände vier Wochen Urlaub am Stück. Wir beschließen, von daheim aus mit dem Rad hinzufahren, dann die Region zu erkunden und schließlich entweder den Zug zurück zu nehmen oder vielleicht noch ein Stück des Rückwegs mit dem Rad zu machen. Ab Karlsruhe gäbe es etwa eine hervorragende Zugverbindung.

Aber ganz so weit planen wir im Detail lieber nicht vor. Es kann so viel dazwischenkommen. Nicole hat beruflich bedingten Trainingsrückstand, ich Probleme mit der Achillesferse.

Frust oder Feier

Das verschlafene Mindelheim wartet auf sein Frundsbergfest. Bis zu 100.000 Besucher sehen sich dann zehn Tage lang historische Umzüge an, probieren klebrigen Met und lauschen Lautenklängen. An diesem Sommerabend sind eher drei Dutzend Touristen vor Ort. Die meisten schlafen im Hotel Kunstmühle, attraktiver Preis bei Booking.com, und essen auch dort: leider eher mittelmäßige Pizza, Pasta und Burger.

Der Namensgeber des Fests, Georg von Frundsberg, ist hier gestorben. Überlebt hat sein Wahlspruch: "Viel Feind - viel Ehr!" Aus kleinem Adel stammend, wurde er für seine Erfolge als Feldherr vom Kaiser in den Ritterstand erhoben. Er erfand eine neue Truppenordnung, um einen Feind wörtlich "auf die Pike zu nehmen", das heißt, mit einer mehrreihigen Formation aus Trägern von Stangenwaffen abzustechen.

Frundsberg war Zeitgenosse von Martin Luther. Mehr aus Politikverdrossenheit und weniger aus Sorge um sein Seelenheil schloss er sich den Reformierten an. Zu seinen größten Erfolgen zählte die Schlacht von Brescia gegen päpstliche Truppen. Damals war er bereits über 50 Jahre alt. In Rom erlitt er dann einen Hirnschlag, als er mit nörgelnden Soldaten verhandelte.
Auf dem Sterbebett in Mindelheim wandelte sich Frundsberg zum Pazifisten, wie sich in seiner Lebensbeschreibung nachlesen lässt, wo er den Krieg verdammt.

Mindelheim ist froh darum. So kann es den Landsknechtsführer guten Gewissens alle drei Jahre feiern. Das nächste Mal 2018. Bis dahin blickt die Mindelheimer Burg von einem Frustberg herab.

Im Wald, da sind See und Hut

Erster Platten am zweiten Tag. Nicoles Hinterreifen ist ganz schön verschlissen. Zudem finde ich in meinem Werkzeugbeutel keine Vulkanisierlösung. Ich montiere einen von zwei Reserveschläuchen. Am Tag darauf kaufen wir einen Mantel plus ein Flickset. Was ich noch nicht weiß: Den Schlauch werde ich in Sancerre an der Loire flicken. Den Mantel werde ich montieren, nachdem wir zurück in Deutschland sind.

Im Allgäu finden sich zwischen den steilen Hügeln urtümliche Naturschutzgebiete wie das Wurzacher Ried. Hier gibt es Mischwälder mit hohem Laubbaumanteil, niemand räumt das Totholz beiseite, leitet das Wasser aus Schwemmgebieten ab oder beschneidet das Unterholz. Ich nehme das als Blick in die Vergangenheit wahr. So sah Süddeutschland um das Jahr 1000 herum noch zu weiten Teilen aus.

Wir schaffen es bis Bad Waldsee, mit gleich zwei innerstädtischen Seen. Bei heißem Wetter klingt das wie ein Versprechen. Zugang besteht vor allem zum namensgebenden Waldsee. Liegewiese und Badestege finden sich im Strandbad, man kann sich aber auch vom Spazierweg aus durchs Schilf in den See mogeln.

Am Morgen geht es hoch hinauf: Rechts blicken wir ins Donautal, links lässt sich die Bodenseelandschaft erahnen. Wir streben aufs westliche Seeufer zu und kommen bis Stockach, dessen größte Tugend ein Hotel ist. Schilder weisen in die Altstadt, wo sich zwischen lieblos behandelter alter Bausubstanz zahlreiche Neubauten befinden. Darunter die Sankt-Oswald-Kirche von 1932, die einen Zwiebelturm mit einem modernen Rechtecksaal kombiniert. Sie liegt an einer Straße namens Kirchhalde: Hier können sonntags Gläubige abgeladen werden.

Einer davon mag der unglückliche Italiener mit der Eisdiele sein. Ihm ist sein tägliches Geschäft so langweilig geworden, dass er seine Sorten im Gespräch umtauft. Wer Himbeereis bestellt, bekommt "Schinken" oder "Fisch". Ein Blick auf die rosafarbene Kugel beruhigt: Es muss sich doch um das bestellte Himbeereis handeln. Uns tut der Kerl leid, er wird nicht einfach am nächsten Tag weiterradeln können. Wir schon.

Fahrradautobahn mit Hindernissen

Unsere Route berührt den Obersee. Singen und den Hohentwiel lassen wir rechts liegen, wenden uns zum Rhein, den wir bei Hemishofen erreichen. Hier wird uns klar: Wir sind jetzt auf der Hauptroute des europäischen Radfernverkehrs, dem Eurovelo 6. Immer wieder weisen Schilder zum Schwarzen Meer respektive Atlantik. Unsere Richtung ist der Atlantik. Leider. Aufgrund des kräftig die Fahnen walkenden Westwinds wäre das Schwarze Meer attraktiver.

Der EV6 ist etwas Ähnliches wie eine Autobahn für Radfahrer. Kurios nur, dass diese Autobahn einen Aufzug einschließt: Die offzielle Wegweisung führt in einen Bahnhof hinein. Weiter geht es über die Treppe oder den Aufzug. So etwas mutet man dem Autoverkehr nicht zu.

Wir bleiben auf dem rechten Rheinufer und wechseln trotzdem immer wieder in die Schweiz und zurück. Viermal? Fünfmal? Den Ausweis zeigen wir nie vor. Dafür werfen wir nach Jahrzehnten wieder einen Blick auf den Rheinfall. Die konfuse Beschilderung lenkt uns hin, ob wir wollen oder nicht.

Trotz Wind halten wir die Richtung, kürzen auf hervorragenden Schweizer Radwegen einige Flusschlaufen ab und kommen bis Waldshut. Das gewählte Hotel hat Radstellplätze in einer Tiefgarage, zwei Straßenecken weiter. Die Rezeptionistin weist einen Weg über einen Treppenzugang. Da tragen wir die Räder hinunter. Die Zufahrt 100 Meter weiter lernen wir erst am Folgetag kennen.

Unten in der Garage verwirrte Blicke, bis uns der Fahrer eines E-Mountainbikes hilft. Er nutzt den Hotelstellplatz ebenfalls. Später am Abend sehe ich ihn im Hotel Kisten mit Weingläsern schleppen und spreche ihn an. Meinen nach seiner Funktion fragenden Blick beantwortet er mit "Chef des Hauses".

Hinter Waldshut wird der Radweg flacher. Der Wind lässt nicht nach. Böen jagen aus dem grauen Himmel Richtung Schwarzes Meer. Die wollen wir bitte auf der Rückreise auch. Ohne die Wolken.

Wir erreichen Basel und sind geschafft. Wir könnten jetzt ein Hotel nehmen. Nur haben wir den Schweizern ihre Hotel- und Restaurantpreise von früheren Touren her nicht verziehen. In der anderen Waagschale liegen Interesse an Basel und Dankbarkeit für Schweizer Radwege. Beide wiegen nicht schwer genug. Wir fahren weiter, am Rhein-Rhône-Kanal flach Richtung Mulhouse, und siehe da, die Sonne kommt heraus.

In Mulhouse erwarten wir Elsass, wie wir es in Colmar oder Ribeauvillé erlebt haben, aber wir bekommen Frankreich. Nicht einmal der Hotelportier spricht hier Deutsch. Umso besser. Wir waren fünf Jahre nicht für mehr als ein paar Tage in Frankreich. Wir wollen sehen, was sich verändert hat. Und neue Ecken kennenlernen. Das Herz des Landes, seine Mitte.

Der EV6 führt von hier nach Westsüdwest, den Rhein-Rhône-Kanal und Canal du Centre entlang über Besançon bis Digoin, wo er auf die Loire trifft, der man bis Nantes am Atlantik folgen könnte. Wir hatten vorab erwägt, über Beaune und das Mittelgebirge Morvan an die Loire abzukürzen, scheuen nun aber die Höhenmeter. Stattdessen machen wir Strecke.

Ich fahre mit dem Rad am liebsten bergauf. Die Faszination des Kanals kann ich mir selbst nicht erklären, und erst recht keinem Dritten. Man muss es ausprobieren, dieses monotone Fahren fast ohne Kreuzungen oder Abzweige, flach, auf Asphalt, ohne Anstiege, wie im Halbschlaf tretend, links, rechts, dann wieder links und dann wieder rechts das Pedal drückend, ohne es noch richtig zu merken, wenn der Sattel bequem, der Hintern daran gewöhnt ist, träumend, nachdenkend und mit Blick für die langsame Veränderung der Landschaft. Umgeben von Wasser, zwischen Kanal und Doubs. Schleusen, Hügel, etwas Gegenverkehr: eine Familie beim Ausflug, Damen auf E-Bikes, zwei Rennradler lassen es laufen, oder aber ein Paar auf dem Weg zum Bodensee, an die Donau, ans Schwarze Meer. Farben gleiten vorbei, im Fluss gespiegelt, Hänge und Bäume. Links violett, rechts weiß, links gelb, rechts eine Wiese ...

Gelb-Weiß-Violett ist die Tricolore der Straßenränder im Juli: Weiß wie Engelwurz, Violett wie Heidekraut und Wiesensalbei, Gelb wie Ginster und Färberkamille ... Diese Blütenfarben vor grünem Gräserteppich begleiten uns, jeden Tag. Als der August anbricht, mischt die Natur ein wenig Blau dazu.

Den Württembergern den Marsch geblasen

Die burgundische Pforte öffnet sich zwischen Jura und Vogesen. Sie trennte einst zwei streitbare Germanenvölker, die Alamannen und die Burgunder. Im Hochmittelalter musste sie nichts trennen: Das Burgund gehörte zum römischen Reich deutscher Nation. Später hatte das Herzogtum Württemberg hier einen Brückenkopf, die Stadt Mömpelgard, die heute Montbéliard heißt.

Wir erreichen Montbéliard am frühen Nachmittag. Gerade noch rechtzeitig für ein Mittagessen in einem einfachen Café-Restaurant. Bestellen zweimal das Tagesgericht und hören von der Kellnerin erstmals den Kommentar "Ça marche", also etwa "passt schon" oder "so wird's gemacht". Diese Floskel kannten wir von früheren Aufenthalten nicht, diesmal hören wir sie regelmäßig.

Im Namen der jungen Regierungspartei "La République en Marche" (kurz "En Marche") des Präsidenten Emmanuel Macron findet sich das Motiv wieder. Die militärische Herkunft des Worts "Marsch" scheint eher keine Rolle zu spielen.

Die Geschichte von Montbéliard lässt mich staunen: 400 Jahre lang blieb es württembergisch! Weit länger, als es jetzt französisch ist, nämlich seit revolutionären Aufständen im Jahr 1793. Nicht einmal Ludwig XIV., für seine nach Osten gerichteten Feldzüge bekannt, gelang die Eroberung. Niemand konnte sich damals vorstellen, dass es nach so langer Zeit die nationale Zugehörigkeit wechseln würde. Und dann kam doch der Umsturz.

Dass wir uns über Mömpelgards Gesichte informieren dürfen, müssen wir uns erst erkämpfen, nämlich den Zugang zum Schloss der Herzöge von Württemberg. Das Museum sei nur noch 25 Minuten geöffnet, erklärt uns die Kassendame, der Eintritt betrage aber 5 Euro pro Person, da würde sie sich als Halsabschneider fühlen und verkaufe uns lieber keine Karten. Am nächsten Morgen vielleicht? Nein, da fahren wir weiter. Nach kurzer Diskussion zahlen wir 10 Euro und nutzen die verbliebenen 19 Minuten.

Gar kein so großes Problem, lokale Maler und zeitgenössische Kunst sind jetzt nicht wichtig. Stattdessen sehen wir uns alte Ansichten der Stadt an und erfahren, dass die Befestigungsanlage vom württembergischen Hofbaumeister Heinrich Schickhardt stammt, wie Schloss Stammheim in Stuttgart. Er entwarf auch die Grundzüge der Unterstadt, streng parallele Straßenzüge links und rechts des Burgfelsens.

Wir nehmen keine Anhalter mit

Einkäufe können wir am Kanal nicht machen, nicht den kleinsten Kiosk gibt es. So fahren wir eines Mittags hinauf nach Baume-les-Dames, dessen Name ein Damenstift verspricht. Bars und ein Supermarkt sind vorhanden. Die ehemalige Abteikirche dient als Museum für zeitgenössische Kunst. Eintritt frei. Wir schrecken einen Studenten auf, der die Aufsicht führt und sich mangels Kundschaft tief in seine Bücher versenkt hat.

Sehenswerter finden wir die gotische Kirche Sankt Martin, aber würde sich allein wegen ihr ein Abstecher lohnen? Sie wurde im 19. Jahrhundert renoviert und erweitert, neugotisch-systematisch, nach Schema, ohne Raum für Improvisation. Gotik ist hier nicht eine Geisteshaltung, wie John Ruskin es definierte, sondern eine streng einzuhaltende Blaupause.

Als wir zurück auf den Radweg wollen, macht ein anderer Radler das Anhalterzeichen mit dem Daumen. Ich bin erst einmal gar nicht sicher, ob er mich meint oder eine Französin, die uns noch einige Radlängen voraus ist. Und dann vermute ich, er will uns verschaukeln, er fragt nämlich nach dem Kanalradweg, wo der sich denn befinde. Und er bleibt hartnäckig, lässt sich nicht mit Scherzen abfertigen. Ich erkläre ihm, dass er nach etwa 100 Metern geradeaus auf den Kanalradweg stoßen wird. Er blickt etwas ungläubig.

Spanier scheint er zu sein, in Konstanz habe er seine Tour begonnen, erzählt er. Er sei aber zuletzt nicht am Kanal geradelt, sondern über Belfast. Ui, denke ich. Ganz so groß war der Umweg dann aber nicht. Er meint Belfort am Fuß der Vogesen.

Wir fahren im Radtunnel unter Besançon hindurch und vom anderen Ende her wieder hinein, streiten ein wenig über die Restaurants, so viel Auswahl sind wir nicht mehr gewohnt. Wir vermissen die Buchhandlung, wo ich 2010 ein Haiku-Buch erstanden habe. Und wir kehren wie 2010 in der Brasserie du Commerce ein.

Service im Spiegel

Rechts - links - rechts - links. Infanterie im Gleichschritt? Nein. Dutzende Kellner eilen durch die langgezogene Brasserie, setzen die Sohlen im Takt auf den Steinboden. Doch es sieht nur so aus. Der Raum ist ein Schlauch, beide Längsseiten sind verspiegelt. Nicht mehr als zwei Kellner versorgen zwanzig Tische plus die Straßenterrasse. Alle anderen sind ihre Spiegelbilder.

Sie sind gut ausgebildet, präsentieren sich dem Gast gegenüber ohne Ungeduld. Die Strecke zur Küche ganz hinten müssen sie fast rennend zurücklegen. Die schnellen Schritte knallen, hallen zwischen den Spiegelwänden.

Das wird uns den Urlaub über begleiten: zu wenige Kellner für zu viele Tische. Dennoch halten die Franzosen an ihren strengen Tischsitten fest. Am Vortag, in Mömpelgard, haben wir schon gepatzt. Auf der Terrasse eines abseits gelegenen Restaurants erschien auch nach einer Minute Wartezeit kein Personal, und so nahmen wir an einem der zehn freien Tische Platz. Wir Anfänger, wir Barbaren! Sofort war die Bedienung da und wollte wissen, ob wir reserviert hätten.

Einen möglichen Grund für die Personalengpässe im Service nennt das Best-Western-Hotel in Tours auf einem Plakat an seiner Eingangsfront: "Überbesteuerung tötet Arbeitsplätze", heißt es dort. Nicht etwa Geldgier?

Investitionen ins Service-Personal täten Not. Während unserer Reise gibt die französische Regierung das Ziel aus, die Zahl ausländischer Touristen bis 2020 auf 100 Millionen im Jahr zu steigern, auch wenn Hotspots wie der Eiffelturm schon völlig überlastet sind, den mehr als 7 Millionen Menschen im Jahr besteigen wollen.

Vielleicht liegt es an der gebotenen Eile, dass die Franzosen inzwischen durchaus bereit sind, Englisch zu sprechen. Zumindest die im Service und Tourismus. Wir finden das eher schade, wir wollen unser rostiges Französisch auffrischen. Zumindest Nicoles Französisch ist auch besser als das Englisch der meisten Franzosen, sie hat mal acht Monate im Land gelebt. Und was stümpern sie an den Rezeptionen und hinter den Kellnerblöcken. "What do you want?" hören wir von einem Kellner. Oder von einer Rezeptionistin: "I will come to you after I finish this Mister." Gegenüber dem nuancenreichen Französisch mit seiner Palette an Höflichkeitsfloskeln ein enormer Verlust an Umgangsformen.

Parallel mit dem Englischen hat sich in den letzten Jahren das Fastfood einen Platz in Frankreich erobert. Hamburger stehen immer öfter auf der Speisekarte, Kebab prägt die Stadtbilder.

Die haben einen Knall

Wir werden die nächsten Wochen immer wieder über solche Fragen nachdenken. Für heute treibt es uns hinaus aus der Brasserie. Es ist der 14. Juli. Es ist Nationalfeiertag, das heißt, es wird knallen.

Schon am Abend des 13. geht es los. Ach was, am Nachmittag laufen die ersten Jugendlichen mit Krachern durch die Parks und Fußgängerzonen. An beiden Tagen gibt es auch ein öffentliches Feuerwerk, das Punkt 23 Uhr endet. Dann ist ausnahmslos Ruhe.

Warum wird geknallt? Soll der Sturm auf die Bastille akustisch nachgespielt werden? Oder entspricht es dem revolutionären Geist der großen Nation, die Nachbarn einmal gehörig aufzuschrecken? Es könnte auch ein Zeichen des zivilisatorischen Fortschritts beiderseits des Rheins sein, knallbegeisterte Jugendliche nicht gegen andere Nationen zu senden wie vor 100 Jahren.

Als Gast darf man nicht mäkeln, wenn das Gastgeberland seine Wiedergeburt feiert. Ich bemühe mich um eine tolerante innere Haltung. Man muss Franzose sein, um sich Proteste zu erlauben. In Besançon setzt sich eine junge Frau gegen eine knallend herumziehende Bande zur Wehr, verjagt sie mit "Non - non - non!" Ihr Kind habe Ohrenschmerzen.

Drei Tage später, im Stadtpark von Nevers: Jugendliche ziehen mit aufgehobenen Petarden herum, die sie möglichst überraschend zur Explosion bringen. Auf mich wirken sie lauter als Silvesterböller. Oder liegt es daran, dass sie so unerwartet knallen, ins Rauschen des Alltags hinein?

Familien fliehen. Wir auch. Unangenehme Assoziationen. An manchen Gebäuden hängen hier Hinweise auf erhöhte Terrorgefahr.

Sterneküche für Barbaren

Es ist Samstag, wie weit fahren wir den Kanal hinab oder hinauf? Dole böte sich als Ziel an. Gibt es dort eine Unterkunft? Nicole hätte da ein Hotel mit Gourmetrestaurant im Angebot. Zu Abend essen würden wir da auch, Menü für 47 Euro. Ach, da fühle ich mich bestimmt nicht wohl, sage ich, lass uns was Einfacheres nehmen. Sie findet diese sehr nette Unterkunft, anderer Ort, Verdun heißt er, ob das auf unserem Weg liegt. Doppelt so weit, damit kann man mich ködern, ich komme gern voran. Die nette Unterkunft erweist sich ebenfalls als Gourmetrestaurant. Das wusste ich nicht, sagt Nicole, das war auf Booking nicht zu erkennen. Das Menü kostet dort 57 Euro.

Wir speisen im idyllischen Garten an der Ausfallstraße von Verdun-sur-le-Doubs, hören immer mal wieder einen Lastwagen über den Asphalt donnern, sitzen zwischen Tischen aus allen Nationen. Unkomplizierte Amerikaner, junge Niederländer ohne Kenntnis des Französischen, sogar Franzosen sind da. Zwei kleine Mäuse bedienen uns, die hervorragend geschult sind: Immer herausfinden, was der Gast wünscht, und ihm dann dabei helfen. Nie selbst Vorgaben machen oder raten. Allerdings kennen wir es von früheren Besuchen in Gourmetrestaurants so, dass beim Auftragen jedes Gangs noch einmal gesagt wird, was da auf dem Teller liegt. Dafür bleibt den Mädchen keine Zeit.

Madame, die Chefin, spricht sogar Deutsch. Sie macht das geschickt, liefert die absehbaren Phrasen, über das andere Verdun, das berühmte Verdun, wo ... nein, nicht wo deutsche Scharfschützen und französische sich in Erdgräben liegend gegenseitig umbringen wollten. Das Verdun, wo sich Mitterrand und Kohl die Hand gegeben haben.

Gut, bisweilen wirkt sie überfordert. Kein Wunder bei der Zahl ihrer Aufgaben. Fragt uns nach unserer Zimmernummer, kurz nachdem sie uns selbst hinbegleitet hat. Oder redet die staunenden Amerikaner auf Deutsch an.

Nachts muss sie noch nach Dijon, großer Empfang, viele Persönlichkeiten, wichtige Leute. Ja, dafür hätten sie den Auftrag bekommen, ihr Mann sei schon dort, sie komme nach. Das werde bis drei Uhr gehen, schätzt sie.

Das Esssen schmeckt. Da ich laktoseintolerant bin, merke ich nachts, dass den Speisen wohl reichlich Milchpulver zugesetzt wurde. Drei Laktasetabletten reichen nicht. Einfach nur Sahne und Milch - das wäre kein Problem. Aber Milchpulver, insbesondere Magermilchpulver, hat einen weit höheren Laktoseanteil als natürliche Milchprodukte. Dieses Pulver findet sich oft in Gewürzmischungen, gerade denen hochpreisiger Restaurants.

Ach ja, stöhnen an dieser Stelle mitlesende Sterneköche. Das Problem mit den Deutschen ist, dass sie immer zu mäkeln haben. Achtung, der deutsche Tourist mäkelt weiter: Die Zimmer der Hostellerie sind ein Witz für den Preis, jedes Best Western verspricht mehr Privatsphäre. Unter der Türe ein zentimeterhoher Spalt. Auf dem Gang sprechende Nachbarn klingen, als stünden sie im Raum. Damit man es nicht so merkt, die Nachbarn nicht so deutlich hört und den Generator im Hof, spielt bis 23 Uhr laute Musik an der Bar, Blues, in meinem Barbarenhirn formiert sich ein obszönes Wort dafür.

Beim Frühstück fällt dann doch auf, wie dünn die Personaldecke ist. Berge von Würsten, Käsen liegen da, aber kein Schneidbrett, kein Messer. Eine Traube Gäste steht vor einem Rätsel. Der Amerikaner versucht es mit einem Brotmesser. Ich bewundere ihn für seine direkte Art, aber Nicole fragt lieber nach, als nach längerer Zeit jemand vom Service erscheint: "C'est moi qui coupe la charcuterie?" Soll ich die Wurst aufschneiden? Nein, nein, heißt es, und fünf Minuten später stellt man uns eine Wurstplatte auf den Tisch.

Wir treffen vor dem Supermarkt die Amerikaner wieder, die auch per Rad unterwegs sind und sich mit Wasser versorgen. Nicole hat Probleme, sie in Radklamotten (statt Kleid und Hemd) überhaupt wiederzuerkennen. Ihnen zeige ich mich natürlich nicht wie oben als mäkelnder Deutscher, nein, ich lobe einfach nur das Essen.

Sie sind in Gegenrichtung unterwegs. Die Dame schreibt Reiseführer, über die Loire hat sie schon einen verfasst, erwähnt auch einen Blog. Wow, sage ich. Ja, sie fahren jetzt weiter Richtung Bisänken. So spricht sie Besançon aus. Gibt uns noch ein paar Tipps, für die wir uns herzlich bedanken, aber die wir letztlich leider nicht berücksichtigen können. Denn die Orte, die sie für die nächste Übernachtung empfiehlt, erreichen wir zur Mittagszeit.

Auf Spurensuche

In Frankreich sehen wir vieles auf dem EV6, was auf einer Autobahn keinen Platz hätte. Immer wieder parkende Autos. Grillparties. Einmal eine Hochzeitsfeier: Eine Braut nimmt mitten auf dem Radweg die Glückwünsche ihrer Gäste entgegen.

Dass überall neben den Kanälen Wege entlangführen, ist kein Zufall. Bisweilen weist der Name noch auf ihre frühere Funktion hin: Chemin de Halage, Treidelpfad. Hier liefen die Pferde entlang, die manche Kähne zogen. Heute könnte keiner mehr treideln. An den Ufern sind Bäume gewachsen. Aber für den Gütertransport spielen die Kanäle auch keine Rolle mehr. Stattdessenfährt man sie mit dem Rad entlang, macht darauf Hausbootferien oder angelt.

Den Anglern gehören die meisten der Autos am Radweg. Sie stellen ganze Batterien auf, drei Ruten nebeneinander, es wirkt wie eine Geschützlafette. Daneben steht - niemand. Ich sehe sie unterm Sonnensegel dösen, einige Schritte entfernt. Angeln heißt für sie, herumzuliegen, bis ein Fisch seinen Todeskampf beginnt.

Ich habe mich seither erkundigt: In Deutschland sind nur zwei Angelruten erlaubt. Pro Person mit Angelschein. Wie bekommt man schlafend überhaupt mit, dass ein Fisch anbeißt, will ich wissen. Dafür brauche man einen elektronischen Bissanzeiger, erklärt mir mein Schwager. Piep, piep, piep.

Die Hausboote fahren etwas langsamer als wir. Zudem müssen sie an den Schleusen warten - auf Gegenverkehr, oder bis das Wasser eingelaufen ist. Aber für ein Ferienhaus bewegen sie sich flott. Viele haben Räder an Bord. Einige grüßen freundlich.

Schleuse heißt Ecluse. Ich denke an den Klausner, den Einsiedler, der sich von der Welt abgeschlossen hat. Vielleicht war das mal ein idyllischer Job, den ganzen Tag herumsitzen und auf Schiffe warten. Bisweilen Wasser ein- und ablassen, wie zuhause in der Badewanne. Inzwischen kann der Schleusenwart meditieren oder lesen.

Heute versorgen die Schleusenwärter mehr als nur eine Schleuse. Wir sehen junge Leute beiderlei Geschlechts. Vielleicht kann man das als Student machen, als Ferienjob. Zwischen den Schleusen fahren sie per Auto hin und her. Zu Fuß gehen sollen nur die Radfahrer: "à pied obligatoire", heißt es in manchen Departements.

Die Radwege werden schlechter, das Département Côte-d'Or legt keinen Wert auf Fahrrad-Infrastruktur. Uns überrascht das nicht, ich habe das natürlich vorab im Radreise-Wiki gelesen. Wir folgen einem dort eingestellten Track von StefanS, den mir das Outdoor-Navigationsgerät von Garmin anzeigt. Ich fahre also der virtuellen Spur nach, die ein anderer aufgezeichnet hat. Ähnlich war es am Rhein, wo Ulrich Lamm in seinem Projekt Radweit die besten Abkürzungen hinterlegt hat.

Zugleich fahre ich auf meiner eigenen Spur. Am nordostfranzösischen Kanalsystem bin ich 1990 erstmals entlanggefahren. Damals schrieb ich sogar eine Art Prosapoem, das einigen guten Freunden gut gefiel, über Menschen am Kanal und über Schiffe, die Kohle transportieren. Vielleicht kam auch ein einsiedelnder Schleusenwärter vor.

Den Namen der Bergbaustadt Montceau-les-Mines habe ich noch von damals im Kopf. Wir finden dort ein Hotel direkt am Canal du Centre. Nicht teuer, Zimmer ganz neu.

Im zugehörigen Restaurant werden wir nicht bedient, obwohl wir uns platzieren haben lassen. Macht nichts, essen wir eben einen Burger in der Fastfood-Kette, 300 Meter weiter.

Touristischen Reiz hat Montceau nicht. Der Bergbau wurde hier 2002 endgültig eingestellt. Ein Denkmal am zentralen Platz, wo ich noch ein Glas Wein trinke, übrigens einen Saint-Veran aus dem Maconnais, erinnert an die Bergarbeiter, die den Kräften der Natur zum Opfer gefallen seien, dem "Element". Nicht etwa der Geldgier? Aber ich habe leicht spotten, mit dem Weinglas in der Hand.

Kein Rennen, keine Eile

Die Tour de France hat eine Woche vor unserer Reise begonnen. Eine Woche vor uns sind die Profis durchs Burgund gerast, verfolgt von einer Autokarawane. Spuren haben sie nicht hinterlassen. Nur einmal sehe ich einen übrig gebliebenen Hinweis auf eine Ortsdurchfahrt.

Aber vielleicht hat die Tour Spuren bei der autofahrenden französischen Jugend hinterlassen. Im Kopf. Einmal ruft mir einer zu: "Allez, allez!" Ich habe es eigentlich nicht eilig, aber bevor ich den Satz auf Französisch formuliere, ist er längst weg.

Im Departement Cher werde ich später noch einmal etwas von einem gelangweilten Beifahrer hören. "Super condition", ruft der. Ich weiß nicht, wie wörtlich er das meinte, wir waren zum Zeitpunkt nicht gerade schnell unterwegs. Und natürlich bin ich kein junger Radrennfahrer. Aber Recht hatte er, nach zwei Wochen Fahrt, jeden Tag 40 bis 120 km, mit Gepäck, war meine Kondition dann schon ganz gut.

Von Kirchen und Tieren

Kurz vor Paray-le-Monial stürzt sich ein großer bunter Falter in mein Vorderrad. Ich kann nicht rechtzeitig reagieren und bin traurig. Jeder tote Spatz auf der Straße lässt schließlich in mir den Gedanken aufkommen, was Autos doch für Tötungsmaschinen sind.

Das Vorderrad rattert noch. Der Falter im Todeskampf? Eine Sekunde vergeht. Zwei. Jetzt wird es bald zu Ende sein. Drei Sekunden. Auch nach vier rattert es. Ich halte. Der Falter flattert auf - und davon.

Die Abteikirche von Paray-le-Monial hat als Kopie Karriere gemacht. Im 12. Jahrhundert ließ die Mutterabtei Cluny sie nach dem Vorbild der eigenen Kirche neu errichten. Als kleinere Ausgabe - schließlich stand im Reformkloster Cluny die größte Kirche der Welt, und das sollte so bleiben.

Das große Original wurde aber in der Französischen Revolution erst säkularisiert, dann privatisiert und von dem privaten Investor vollständig zerlegt, um die Steine einzeln verkaufen zu können. Seither hat die Aktie von Paray in kulturbeflissenen Kreisen zugelegt: Musterbeispiel der Romanik cluniazensischer Prägung, herrlich rhythmisierte Architektur des Osthauses. Nur die Kunsthistoriker Bernhard und Ulrike Laule vermissen "die enorme Weitläufigkeit und feingliedrige Eleganz von Cluny", wie man sie noch von Stichen aus dem 18. Jahrhundert kennt.

Aus dem gleichen hellen Sandstein wie die Kirche besteht das Rathaus von Paray. Die Fassade ist mit Porträts überzogen. Ich schaue näher hin: Sind das gotische Fratzen, Dämonen, Wasserspeier? Ganz falsch gedacht. Der Renaissancekünstler stellt den Mensch in die Mitte, er zeigt die Gesichter französischer Könige.

Charolais-Rinder mögen wir gern. Tags winken wir ihnen im Vorbeifahren zu, wenn sie auf der Weide unermüdlich grasen, abends bestellen wir sie "à point" vom Grill. Den namensgebenden Ort Charolles lassen wir links liegen. Nach Digoin machen wir die letzten Kanal-Kilometer, wie wir glauben. Nehmen Abschied. Uns ist noch nicht klar, dass wir am nächsten Tag den Loire-Seitenkanal entlangfahren werden.

Zur Vorbereitung auf die Loire, von der wir denken, dass sie unseren nächsten Urlaubsabschnitt dominieren wird, besuchen wir in Digoin das Museum Obervaloire, das programmatisch einen Blick von oben auf den Fluss bietet. Hier nehmen wir eine Französischstunde in Biologie und anderen Naturwissenschaften, lernen die Namen von Vögeln, die wir auf Deutsch nicht korrekt anreden könnten.

In meiner Erinnerung bleibt neben dem "heron", dem Reiher, der "balbuzard pêcheur" hängen, von dem ich vermute, dass er auf Deutsch Fischbussard heißt. Schon wieder falsch getippt, das ist ein Fischadler. In Frankreich war er ausgestorben, in den letzten Jahrzehnten sei er aber zurückgekehrt, heißt es. Das können wir bestätigen. Auch Reiher sehen wir in der nächsten Woche häufig. Es sind ja keine unauffälligen Vögel.

Das Museum steht neben einer 243 Meter langen Kanalbrücke, auf der die Schiffe in luftiger Höhe die Loire kreuzen. Nach einer halben Stunde kommt eins angefahren. Die Fotografen stürzen los. Es ist wirklich ein schönes Bild, ein Boot hoch oben auf der Brücke statt unten im seichten Fluss.

Es wird ein Wein sein

Nevers erinnert uns an das nahe Bourges, das wir vor Jahren einmal ausführlich besucht haben. Ärmer ist es, bescheidener, weit weniger Touristen kommen. Der spätgotische Herzogspalast ist kostenlos zu besichtigen. Diverse Geschäfte stehen leer, auch innerstädtisch. Herrliche Bauten warten auf einen reichen Käufer, der die nötige Sanierung stemmt. Nevers ist aber eine lebendige Stadt, wie die Vielzahl von Restaurants und Immobilienhändlern verrät. Die Cafés sind voll. Auch ohne Touristenströme. An einem Mittwoch.

Ich führe Nicole an den Rand des Zentrums, auf der Suche nach Saint-Etienne. Eine frühromanische Kirche, leider arg verstümmelt, die Turmspitzen fehlen, die Vorhalle gibt es nicht mehr. Wo sie einst stand, an der Westfassade, macht sich eine junge Frau an ihrem Gepäck zu schaffen. Sieben Säcke und Tüten trägt sie von der Kirchenfront zu einer nahen Treppe hin. Und wieder zurück. Spricht mit ihren beiden Hunden. Zieht eine Dauenenjacke an, bei immer noch 32 Grad am frühen Abend.

In Amboise treffen wir später noch einmal eine junge Obdachlose mit Hunden, die ohne Unterlass redet. Aber laut. Diese hier ist leise, nicht zu verstehen, schwer beschäftigt und von uns gestört. Wir gehen um die Kirche herum, das Ostschiff ansehen. Wie von einem heimlichen Regisseur als Kontrast herbeigerufen, überholt uns eine in ihr Iphone sprechende Geschäftsfrau, die einen Hosenanzug trägt.

Der Himmel verdunkelt sich, es regnet ein paar Tropfen, bleibt aber heiß, als wir nach Sancerre weiterziehen. Ich verpasse die erste Auffahrt zur Stadt, so kommen wir über eine befahrene Hauptstraße steil in das Weinbauerndorf hoch auf einem Hügel über der Loire. Im Vorbeifahren nehme ich zur Kenntnis, dass sich hier das Herz Frankreichs befindet. "Coeur de France" prangt an einem Haus. Recherchen ergeben, es handelt sich um eine Sprachschule. Daneben verwendet übrigens eine Winzervereinigung den Begriff, und das in Deutschland als Schweinsohren bekannte Blätterteiggebäck nennen sie ebenfalls Coeur de France.

Gegen Abend kommen Regengüsse, Kinder kühlen sich begeistert ab, trampeln in frische Pfützen, während die Eltern sich unter den Sonnensegeln der Bars verstecken.

Wir retten uns in eine Weinbar, der Wirt holt Hocker von draußen, wischt sie ab, es war ohnehin Zeit, sie vor dem Regen zu retten. Ein irischer Herr macht uns an einem als Tisch genutzten Fass Platz, während seine Frau auf dem Smartphone Scrabble spielt. Hier sind wir richtig.

Ganz normale Sauvignontrauben bauen sie in der Gegend an, und Pinot Noir als Rotwein, was macht den Wein dann so besonders? Wir lernen das Wort "argilo-calcaire". Die Kalkböden, aha. Er schmeckt wirklich besser als ein durchschnittlicher Sauvignon. Ich tippe auch auf besser ausgebildete Winzer, bessere Fachleute als anderswo. Und wenn der Wein erst einem gewissen Ruf hat, wie in Sancerre der Fall, kann der Winzer höhere Preise abrufen, sich mehr Geduld leisten als etwa sein Kollege im Cher-Tal.

Die Weinbar ist zugleich Weinhandlung. Nebenan ein großer Verkaufsraum voller Kisten, von meinem Hocker aus kann ich durch fensterartige Öffnungen hinübersehen. Dort kann man gratis kosten, was wir nicht in Anspruch nehmen, schließlich werden wir keine Kiste Wein transportieren.

Einige kaufen unbesehen. Andere trinken ein paar Gläser und nehmen dann eine Sorte, die sie gar nicht probiert haben. Ein junges niederländisches Paar versucht in kurzer Zeit viele Sorten und lädt dann auch ganz schnell das Auto mit Kisten voll. Inzwischen sitzt der Freund der Tochter des Hauses still in einer Ecke und trinkt ein Bier.

Der Regen hat nachgelassen, es ist Zeit fürs Abendessen. Wir finden ein Restaurant, das zwei freundliche ältere Damen im Service beschäftigt. Ich höre mir ihre Warnungen an, das sei eigentlich nur etwas für Franzosen, und bestelle trotzdem eine Andouillette: eine Wurst aus Innereien.

Zwischendurch erzähle ich Nicole, was heute bei der Tour de France passiert ist, die ich ausschnittsweise am Fernseher und im Internet verfolge: Der Präsident bei der Tour! Minutenlang Bilder, wie Emmanuel Macron ins rote Auto des Tourchefs steigt! Die Hoffnung auf ein französisches Maillot Jaune! Aber es hat für den Fahrer Romain Bardet wieder einmal nicht gereicht. Macron bleibt der größere Star von beiden. Er muss dem in Kenia geborenen Briten Christopher Froome zur Gesamtführung gratulieren statt einem Landsmann.

Der Rest der Tour-Etappe war heiße Luft. Sicher auch wörtlich: Jede Menge Abgase. Am TV konnte ich sie zum Glück nur erahnen. Hoffentlich keine Diesel deutscher Herkunft.

Booking verdirbt den Charakter

Sancerre verlassen wir Richtung Westen: kein Radweg, kein Kanal, keine Loire. Wir wollen an den Fluss Cher, nach Vierzon. Zunächst geht es an Weinbergen und Crottin-Käsereien vorbei, in der zweiten Tageshälfte herrschen Wälder vor. An manchen Stellen sehe ich sie kaum ... vor lauter Farn. Ein drei Meter breiter Streifen Farn neben der Straße. Wo kommt nur plötzlich all der Farn her?

Die Frage werde ich mir nach der Rückkehr im eigenen Garten auch stellen.

Die öffentlichen Straßen zieren stets tote Tiere - der Roadkill. Gleich hinter Sancerre eine Maus, sie würde mir gar nicht weiter auffallen, wäre nicht ihre Pose bemerkenswert: Sie ist nämlich nicht plattgefahren wie ein Bärenfellteppich, sondern liegt auf der Seite, alle vier Beinchen von sich gestreckt.

Im Örtchen Henrichemont wundern wir uns, welcher Heinrich hier seinen Namen gelassen hat. Ein salischer Kaiser vielleicht? Das angevinische Gegenstück Montrichard werden wir zwei Tage später besuchen.

Kurz vor Vierzon fällt das Outdoor-Navigationsgerät aus. Künftig wird es nie länger als zwei Minuten am Stück laufen. Der Startvorgang dauert aber schon eine Minute. Gut, dass ich immer auch eine Karte an der Lenkertasche habe, die bessere Übersicht bietet als so ein kleiner Bildschirm. Aber in Städten ist ein Navi unschlagbar, um schnell eine wenig befahrene Route hinein oder nach draußen zu finden. Das wird uns in den nächsten Wochen einige Extrakilometer bescheren. Und zumindest drei Tage lang ärgere ich mich ganz gewaltig über die Unzuverlässigkeit der Elektronik.

In Vierzon gibt es genau ein Hotel, und zwar ein schäbiges, sowie ein B&B, das ausschließlich über Booking.com zu finden ist, wo es sensationell gute Bewertungen vorweisen kann. Wir sind im B&B. Allerdings stelle ich fest, dass die drohende Bewertung auf Booking ein Gespräch auf einer Ebene unmöglich macht. Madame ist überfreundlich, überbesorgt. Warum wir in Vierzon sind, will sie wissen. Wir erklären ihr, dass wir den Namen von einem Spielplan in einem Brettspiel kennen. Ich sehe ihr an, dass sie das nicht so ganz versteht. Ist ja auch kein Wunder. Bizarre Idee von uns. Aber sie findet es ganz toll! Und großartig! Auch noch mit dem Rad, total super! Obwohl sie selbst kein Rad zu besitzen scheint.

Um Vierzon kennenzulernen, folgen wir dem offiziellen Rundgang, von einer Texttafel zur nächsten. Viele handeln von Resten und Ruinen - oder gar von Bauwerken, die wir nicht sehen, die es nicht mehr gibt. In der Fußgängerzone ist jedes zweite Schaufenster leer, zu verkaufen oder zu vermieten. An der Hauptstraße reißt ein Bagger ein Haus ab, offensichtlich die Sensation des Tages, über hundert Schaulustige lassen sich den vielen Staub nicht entgehen.

Freundlich sind die Leute. Als wir eine unserer Sightseeing-Tafeln nicht finden, bietet gleich ein junger Mann Hilfe bei der Orientierung an. Abends zahlen wir für ein Dreigängemenü 15 Euro pro Person. Das ist uns geradezu peinlich, so viele Köstlichkeiten für so wenig Geld. Der kunstvoll aufgeschichtete Erdbeercremenachtisch würde anderswo allein einen zweistelligen Betrag kosten. Wir hätten durchaus das Menü für 21 Euro genommen, das billigere klang nur besser, wenn man nicht unbedingt Stopfleber als Vorspeise wollte.

Nichts als trocken Brot

Wellig geht es oberhalb des Cher-Tals nach Westen. Die Straße wird wohl alt sein, vielleicht römisch: Damals waren Flusstäler noch zu sumpfig für Straßen, und man reiste bevorzugt parallel oben auf den Hügeln.

Die einzige Bäckerei des Vormittags führt nichts als Brot. Keine Getränke, keinen Belag. Ein Hotel verkauft uns Wasser und Limo an der Hotelbar zu Preisen knapp über denen eines Supermarkts.

In Montrichard hat der sagenumwobene mittelalterliche Kriegsherr Fulko Nerra, Ahnherr des Hauses Anjou, eine seiner angeblich 100 Burgen bauen lassen. Die Ruine blickt breit auf eine Stadt hinab, die Touristen sonst wenig bietet. Trotzdem sind die beiden Zwei-Sterne-Hotels voll. Ist das nahe Chenonceaux ausgebucht?

Unser Hotel hat keinen Platz für Fahrräder, die große Bar beispielsweise ist für schmutziges Geschirr und die ausgestreuten Unterlagen des greisen Empfangschefs reserviert. Er schickt uns zum anderen Hotel, das gehöre dem gleichen Investor und habe eine große Garage mit viel Platz. Man handhabe das immer so.

Das andere Hotel sieht nur einen Hauch vertrauenswürdiger aus als unseres. Ohne irgendeinen Ausweis oder eine Referenz vorzuweisen, bekommen wir dort den Garagenschlüssel ausgehändigt. Tatsächlich, eine ganze Halle am Fluss. Vielleicht fünf Autos darin. Reichlich Platz. Wir sperren natürlich ab.

Mit dem Abendessen haben wir mehr Glück, die hübsche Crêperie in der Querstraße arbeitet mit lokalen Produkten. Der junge Kellner ist aber doch etwas erstaunt, als ich den Bio-Cidre statt des normalen bestelle.

Wir hätten gleich in Chenonceaux schlafen sollen, dem Ort am berühmten, fast gleichnamigen Schloss - Chenonceau. Nur acht Kilometer weiter liegt es am Fluss Cher. Eigentlich im Cher. Am nächsten Morgen sind wir dort die zweiten auf dem Radparkplatz. Feuchtes Wetter hält den Besucherstrom in Grenzen. Die engen Küchenräume des Schlosses sind dennoch gestopft voll. Jeder will die Kessel und Schöpflöffel knipsen, mit denen die Kressesuppe für die hochadligen Bewohnerinnen bereitet wurde.

Ein noch beliebteres Motiv: der Schreibtisch der Katharina von Medici, ein einfacher Holztisch, durch Plexiglas vor den Besuchern geschützt. Ich wende mich stattdessen den hochrangigen Gemälden an den Wänden zu. Rubens, Murillo und Veronese, auch van Dyck, del Sarto. Sind das Originale - oder hängt das jeweilige Original im Louvre? Ich finde keine Hinweise. Wenn es Kopien sind, dann gute. Wenn es Originale sind, kann Chenonceau ganz nebenbei als bedeutendes Museum gelten.

Die berühmtesten Schlossherrn waren weiblich: Henri II. quartierte hier seine Geliebte Diane de Poitiers ein. Die Umgestaltung zu einem Brückenschloss erfolgte unter der erwähnten Katharina. Die Ausstellung zeigt, wie ihre Schlafzimmer ausgesehen haben könnten. Prunkvoll, aber wenn man es recht bedenkt, lebten diese Happy Few nicht viel besser als wir Urlauber. Ständig bedient, Essen von ausgebildeten Köchen zubereitet, das Bett machen andere. Um den Alltag müssen auch wir uns nicht kümmern.

Ganz so groß und so schick wie diese Gemächer sind unsere Hotelzimmer nicht, aber der Unterschied ist längst nicht so bedeutend wie der zu den miesen Holzhütten, in denen Dianes und Katharinas Diener vermutlich hausten. Sie stehen nicht mehr. Nur einen steinernen Gutshof hat man konserviert, eine für die tägliche Versorgung wichtige Anlage. Im Schloss hatte das Personal selbstverständlich außerhalb der Arbeitszeiten nichts verloren, und selbst im Hof haben wohl nur wichtige Kräfte wie Verwalter und Unterverwalter mit Familien Schlafräume gehabt.

Bevor wir weiterfahren, wäre ein kleiner Imbiss recht. Wir studieren die Restaurants in Chenonceaux. Nur eines hat ein Hinweisschild für Fahrradplätze im Hof. Erste Tropfen kündigen Regen an. Das muss man belohnen, sage ich und fahre in den Hinterhof.

Ganz schön schick, das Restaurant. Stoffservietten, Tafelsilber. Wir lassen uns platzieren. Kein Mittagsmenü - ah, es ist Samstag, fällt mir ein. Vielleicht hätten wir draußen die Karte studieren sollen. Ziemlich hochpreisig für einen Mittagsimbiss. Nicole beschließt, das Beste draus zu machen und dann eben mal mittags richtig gut zu essen. Mit nur einer kleinen Karaffe Wein.

Ganz wohl fühle ich mich nicht, bin der einzige Mann mit kurzer Hose im Raum, auch wenn hier keineswegs Krawattenpflicht herrscht - nein, Polohemden dominieren. Unsere Anwesenheit regt die Nachbartische hörbar zu Gesprächen an. Zwei Tische weiter referiert ein Kenner der Materie ausführlich über "die Deutschen". Hervorragende Techniker seien sie, schnappe ich auf, tolle Ingenieure, aber ... Den Rest bekommen ich nicht mit. An einem näheren Tisch ist man uns wohlgesonnen, das Paar dort malt sich Vor- und Nachteile eines Radurlaubs aus. Mit gedämpfter Stimme. Aber sie werfen uns freundliche Blicke zu.

Draußen schüttet es, während wir essen, und kurz nach Weiterfahrt stellen wir uns noch mal unter eine Autobahnbrücke, um Starkregen abzuwarten. Aber wir haben Zeit, heute sind nur 40 Kilometer eingeplant. Oben auf den Hügeln, die das Indre-Tal vom Cher trennen, erwartet uns dann die Sonne. Wir kommen durch ein vermeintlich unbedeutendes Kaff namens Chedigny, das sich als wunderschönes Dorf mit alten Häusern, üppigen Gärten und tausend Blumenkästen erweist. Ein paar streunende Touristen lassen erahnen, dass es sogar in einem Reiseführer steht.

Die Abfahrt führt nach Loches: Nomen non omen, das ist nicht das befürchtete Loch in der Art von Montrichard, das ist eine äußerst sehenswerte Stadt abseits der ganz großen Ströme des Loire-Tourismus. Die Zitadelle, die nur durch ein einziges Tor zugänglich ist, umfasst gleich die ganze Sammlung der touristisch relevanten Bauwerkstypen: Es gibt eine Stiftskirche mit romanischen und gotischen Elementen, einen mächtigen Donjon (was wir im Deutschen Burg nennen), errichtet von unserem kriegerischen Freund Fulko Nerra, und daneben auch ein Schloss, die Logis Royale, die es wohl mit anderen königlichen Residenzen der Loire-Region aufnehmen könnte. Für eine Besichtigung innen ist es zu spät. Macht nichts, wir waren heute schließlich schon in Chenonceau.

Zu den Bewohnerinnen der Logis zählte Agnès Sorel, später in Loches begraben, zu Lebzeiten die Geliebte Karls VII. und die erste offizielle Mätresse an einem französischen Hof. Nicht nur diese Mode führte sie ein, auch eine Kleidermode hat sie geprägt. Dabei bleibt eine Brust der Dame unverdeckt. Es gibt mehrere Gemälde von ihr in solcher Gewandung. Kehren nicht alle Moden irgendwann unwiderruflich wieder? Ich bin gespannt.

Wir sind Windschattenfahrer

Noch eine kurze Etappe steht an. Ich bin nervös, wir wollen in die Stadt Tours hinein, und ich habe nur eine Michelinkarte. Es gibt einfachere Aufgaben. An entscheidender Stelle ratlos herumstehend beschließe ich, einem Rennradfahrer zu folgen. Ich habe Glück, er wohnt offenbar nicht gleich um die Ecke, sondern ist auch auf dem Weg in die Innenstadt. Der Abzweig löst das Problem, der Rest findet sich fast wie von selbst.

In Tours war ich 1989 schon einmal, auf meiner ersten Interrail-Tour. Interrail, liebe Kinder, war ein Ticket, mit dem man als Jugendlicher einen Monat lang in ganz Europa Bahn fahren konnte. Zwei, drei Erinnerungen flackern auf, als ich durch Tours gehe. Damals hat mich die Straßenbahn am meisten beeindruckt, die schnurgerade die Stadt durchschneidet, um vor der Endstation jeweils wie in San Francisco einen Hügel zu erklimmen. Die Schienen glänzen im Regen, bevor sie sich im Unendlichen vereinigen.

Auch die Place Plumereau erkenne ich wieder, gebe aus Nostalgie dem herumziehenden Akkordeonspieler 30 Cent. Er wirkt unzufrieden, aber immerhin bin ich der einzige, der überhaupt etwas gibt.

Wir besuchen die Kathedrale, fotografieren das gewaltige gotische Strebewerk. Die Abteikirche St. Martin ist nicht erhalten, aber zwei Ecktürme von ihr. Auch sie hat einmal zu den ganz großen Kirchen gezählt, und es ist noch leicht vorzustellen, denn zwischen den beiden Türmen liegt ein gutes Stück Fußwegs. Wo das Kirchenschiff verlief, fahren heute Autos.

Den Rennradfahrer-Trick wenden wir abends noch einmal an, denn das von mir ausgesuchte Restaurant bleibt geschlossen. Wir folgen einem Ortsansässigen ins Bistro-Restaurant Dagobert und essen bestimmt nicht schlechter als die Merowingerkönige.

Oberhalb von Tours ist die Loire wunderschön: Sandbänke, Vögel, bewachsene Auen. Der Radweg zeigt die Pracht nur kurz, dann führt er uns durch die Büsche und in die Hügel hinauf. Die Wegweisung entdecke nicht immer gleich. Wir folgen also zwei Schweizerinnen, deren Navi noch funktioniert. Leider sind die beiden uneins, können sich nicht auf ein Tempo verständigen.

In Amboise geht es steil an der Rückseite des Schlosses vorbei, wo es sich noch als Burg zeigt. Fußgänger bewundern unsere "courage". Wenn die wüssten. Wir sind hier nicht freiwillig.

Mit Michelinkarte und den Straßennummern auf den Schildern fährt man in Frankreich besser. Wir wechseln auf die D571, eine wenig befahrene Uferstraße. Am rechten Rand immer wieder Caves: Hier wird Wein verkauft. Also deshalb will man die Radfahrer fernhalten, denke ich.

Ein besonderes Völkchen

Wie erhofft erreichen wir Blois noch am Nachmittag und besichtigen gleich das Schloss. Die Ausstellung hilft sehr, bruchstückhafte Kenntnis der französischen Geschichte in einen Zusammenhang zu bringen. Ja, das Schloss selbst ist eine Merkhilfe, die vier Flügel rund um den Innenhof stehen für vier Abschnitte der Geschichte: Einer ist mittelalterlich, mit einem Ständesaal aus dem 13. Jahrhundert. Es folgt ein spätgotischer Bau aus der Zeit Ludwigs des XII., abgeschlossen 1501. François I. ließ bis 1520 einen Renaissanceflügel folgen, mit einem prunkvoll in den Hof hineinragenden Treppenhaus. Es findet sich in jedem Bildband zu den Loireschlössern, und oft genug auf der Titelseite.

Den vierten Flügel ließ Gaston d'Orléans errichten, ein kunstliebender jüngerer Bruder von Ludwig XIII. Er nahm dafür reichlich Kredite auf, solange sein Bruder kinderlos blieb und er als Thronanwärter gelten konnte. Nach der Geburt eines kleinen Ludwigs, der als der 14. seines Namens in die französische Geschichte eingehen sollte, bekamen die Geldgeber kalte Füße, und Gaston konnte seine Umbaupläne verbrennen. Nur deshalb hat Blois heute noch vier Flügel aus unterschiedlichen Epochen.

Anders als viele der putzigen Loireschlösser war Blois nicht nur ein Aufenthaltsort für den Sommer oder für die aktuelle Favoritin des Königs, sondern lange Jahre Regierungssitz. Hier wurde verhandelt, geplant, intrigiert und gemordet. Das änderte sich erst mit dem Bau von Versailles unter Ludwig XIV.

Wir lesen über Historie und Histörchen auf den Tafeln des Museums. Zwischendurch sehen wir im Hof einem Fechtkampf zu. Am Abend bekommen wir eine Zusammenfassung in Ton und Bild.

"Son et Lumière" heißt das Zauberwort, Ton und Licht. Eine solche nächtliche Show hätte es schon an der Kathedrale in Tours zu sehen gegeben, aber bei starkem Regen ließen wir den Besuch bleiben. In Blois lösen wir gleich ein Kombiticket, kehren nachts in den Innenhof des Schlosses zurück.

Die Menschen versammeln sich in der Mitte des Hofs. Als Leinwand werden alle vier Flügel dienen, heißt es. Manche haben wohl vorab einen Tipp bekommen und Klappstühle dabei. Viele sitzen auf dem Boden. Ich stehe die meiste Zeit, denn so kann man sich am leichtesten drehen.

Ich erwarte ein bisschen pompöse Musik, ein bisschen Laser und Licht, wie Feuerwerk, ohne Knall. Falsch gedacht. Es folgt ein Hörspiel, und die Scheinwerfer erhellen ganze Schlossflügel auf einmal, überziehen sie mit Mustern, führen Protagonisten in comicartigen Zeichnungen vor.

Das Hörspiel ist natürlich auf Französisch. Ausnahmsweise verstehe ich richtig viel. Schließlich habe ich den Großteil des Nachmittags damit verbracht, genau diese Geschichten in dieser Sprache auf Erklärtafeln im Museum nachzulesen.

Die Autoren führen uns die Könige vor, die hier residierten. Auch Dichter haben ihren Auftritt. So veranstaltet der Herzog Charles d'Orléans einen Lyrik-Wettbewerb auf Blois. Er gibt eine verbindliche erste Zeile vor:

Ich sterb an Durst gleich neben einem Brunnen

und fährt mit einem Beispiel fort:

Zitternd vor Kälte im hellsten Liebesfeuer;
Obwohl ich blind bin, führ ich viele Menschen;
Bei all meinem Wissen fehlt mir stets der rechte Sinn.
Nachlässig bin ich, häng leeren Träumen nach.
Ja, ich bin sicher, auf mir liegt ein Zauber,
Im Guten wie im Schlechten führt mich Fortuna.


Alle bekunden Beifall, und nicht nur, weil Charles' Gedicht gut ist. Man will ja nicht dem Herzog unangenehm auffallen.

Der Hof ist nun gefordert, ebenfalls Gedichte mit dieser ersten Zeile zu verfassen und zu Gehör zu bringen. Auch ein Wilderer namens François Villon darf teilnehmen. Man habe ihn aufgegriffen und nur deshalb nicht gleich gehängt, weil er ein Gedicht bei sich trug, sagt Charles im Hörspiel. Villon trägt seine "Ballade der Widersprüche" vor:

Ich sterb an Durst gleich neben einem Brunnen,
Heiß ist mir wie im Feuer, ich klappre mit den Zähnen,
Obwohl bei mir zuhause, durchstreif ich ferne Länder,
Zittere am Ofen, wo hell die Glut aufscheint.
Nackt steh ich wie ein Wurm in meiner Richterrobe,
Unter Tränen lach ich und warte hoffnungslos.
Trost gibt mir noch die schwärzeste Verzweiflung,
Der mir irre Freude, doch kein Vergnügen macht.
Kraftstrotzend sieht man mich, machtlos und schwächlich,
Werd freundlich empfangen, und jeder jagt mich fort.


Im Anschluss hört man einen Einzelnen in die Stille hinein klatschen. Es ertönt die Stimme des Herzogs: Erstklassig, sagt er, formidabel. Daraufhin applaudiert dann auch der Hof.

(Über Villons Leben gibt es kaum Dokumente, aber viele Spekulationen. Fest steht, dass er in Blois gefangen war. Die beiden - von mir unter Verzicht auf den Reim übersetzen - Gedichte existieren wirklich, der Rückschluss auf einen Wettbewerb liegt nahe.)

In einer weiteren Episode zeigt man uns die Ermordung des Herzogs de Guise in Blois. Die auf Blois im Exil lebende Maria von Medici kommt zu Wort, und noch einmal trägt ein Dichter Verse vor: Pierre Ronsard weilte als Gast von François II. in Blois, verliebte sich dort in Cassandra Salviati. So behauptet er es zumindest in seinen Gedichten, wo er sie als Muse verehrt. Was die junge Frau davon hatte, ist unklar.

Auch Jeanne d'Arc darf nicht fehlen. In Blois erhielt sie 1429 den Oberbefehl über die französischen Streitkräfte. Die Schlossmauer zeigt uns, wie Henri Michel dies 1904 in einem Gemälde interpretierte.

Die Show endet mit Hinweisen auf die Bedeutung Frankreichs. Man muss wissen, dass das gängige Geschichtsbild der Grande Nation im 19. Jahrhundert von dem Historiker Jules Michelet fixiert wurde, der dem französischen Volk eine besondere Rolle in der Weltgeschichte zubilligt, ähnlich wie die Bibel dem Volk Israel. Mich wundert dieser Größenwahn gar nicht. Wenn man schon in einem Sechseck wohnt!

Das Ziel des Spiels

Wir wählen für die Weiterreise ein Seitental der Loire, umrunden Schloss Chambord. Es ist ein Sonnentag. Hundert Menschen stehen für die Schlossbesichtigung Schlange, über Tausend sind wahrscheinlich schon drin. Wir fahren weiter. Schluss mit dem Herumstreifen, unser Reiseziel ist nahe: Orléans.

Die letzten Hindernisse: ein paar sanfte Hügel. In der Vorstadt Olivet will man uns mit einem Kraftfahrstraßenschild für eine harmlose Brücke auf den Radweg zwingen. Nicht mit mir, du Grande Nation, auch in mir lodert die Flamme des Revoluzzertums!

Dann sind wir tatsächlich da. Oder? Orléans ist hell und steinern, große klassizistische Häuser, breite Straßen, eher wie München oder Paris als wie Tours oder Troyes. Keine Spur von Mittelalter. Die Stadt wurde in den Religionskriegen fast komplett zerstört. Das heutige prunkvolle Stadtbild ermöglichte der Reichtum aus dem Handel mit Zucker und Textilien ab dem 17. Jahrhundert. Das Orléans aus unserem Brettspiel, das mittelalterliche, das wir mit Nahrung versorgen, mit unseren Rittern gegen anstürmende Feinde schützen sollen, das kann niemand besichtigen, das gibt es außerhalb des Spiels nicht.

Wir bleiben zwei Nächte, verbringen in Orléans den einzigen Tag des Urlaubs ohne Radfahren. Als Standort haben wir das Hotel de l'Abeille ausgewählt. Abeille heißt Biene. Die Biene ist Programm. Sogar die Tapeten, die Gläser, die Vorhänge weisen Bienen auf. Die speziell gefertigten Gläser kann man auch kaufen, wenn man nicht gerade mit dem Rad unterwegs ist.

Beim Frühstück lesen wir in aller Ruhe Zeitung, La République du Centre, Ausgabe fürs Departement Loiret. So ein Pech, einen Tag nach uns wird Emmanuel Macron Orléans besuchen, dort mit Asylbewerbern sprechen und seine Asylpolitik konkretisieren. So ein Glück, wir werden dann immer noch im Département sein und können am nächsten Etappenort die Fotoseite studieren: mit Macron auf sieben von acht Bildern.

Aus La République erfahren wir auch von einer alleinerziehenden Mutter in Orléans, die durch Wanzen auf die Straße geworfen wurde. Während der Kammerjäger die Sozialwohnung reinigt, ist sie wochenlang obdachlos, denn ein Hotel kann sie sich nicht leisten. Am Folgetag gibt es Entwarnung, zahlreiche Leser haben Hilfe und Hilfsgüter angeboten. Auch beschleunigt die zuständige Behörde das Verfahren, der Frau eine neue Sozialwohnung zuzuteilen.

Was für eine spannende, eine spannungsreiche Stadt. Der Reiseführer bestätigt den Eindruck. Marcel Proust hat die mächtige Kathedrale die wohl hässlichste Frankreichs genannt. Aber wenigstens ist sie nicht neugotisch geprägt, denke ich, sie wurde schon vorher vollendet, im 18. Jahrhundert. Damals hat man eifrig, übereifrig, runde Elemente auf die Türme gesetzt, sind das Krönchen, runde Diakästen - oder doch eher Salatschleudern?

Hell und prunkvoll könnte man die Rue Jeanne d'Arc nennen, die von hier zur Statue der Retterin Frankreichs führt. Der Reiseführer zieht Adjektive wie glatt und langweilig vor. Im Jeanne-Museum gibt es nur einem Film zu sehen. Wir lösen trotz Warnung der Kassiererin ein Ticket, es gilt nämlich auch gleich fürs Kunstmuseum, das wir danach aufsuchen. Wo wir uns durch die völlig leeren Anstehbänder für Besucherschlangen winden. Fragenden Blicks an der Kasse vorbeiziehen. Aber keiner schenkt uns seine Aufmerksamkeit, der private Tratsch geht vor, ich muss dir noch von gestern Abend erzählen. Na gut, redet ihr nur, ein Ticket haben wir ja, wir gehen durch, aber das ist dann auch wieder nicht recht.

Schräg gegenüber findet sich das Hotel Groslot, prunkvolles historisches Rathaus. François II. ist in diesen Räumen gestorben, nein, kein gedungener Mörder, kein Stilett, kein Gift. Er erlag den Folgen einer Ohrenentzündung.

Wir retten uns am Nachmittag vor einem Platzregen hinein. Eintritt frei, wir schlendern durch die Schauräume. Und sehen uns eine "Ausstellung" an. Nur ein paar Poster, von Studenten der Universität entworfen, sie informieren über Kartografie im Mittelalter. Da bleiben wir eine Weile hängen, das finden wir spannend. Wegen einer Karte sind wir schließlich hier.

Einen Spieleladen gibt es auch, er trägt einen merkwürdigen Namen, Bella Ciao, aber der kleine Raum ist bis unter die Decke voller Spieleschachteln, auf zwei Etagen, ich komme kaum durch, Klassiker, moderne Sachen, deutsche Spiele.

Gibt es in Orléans auch das Spiel Orléans zu kaufen? Gerade auf Französisch herausgekommen, sagt uns der Besitzer, mit allen Erweiterungen, kleinen Moment, er müsse die Kartons ohnehin öffnen. Nicole kann sich so in Orléans mit Orléans fotografieren lassen.

Deutschland und Frankreich seien ja heute die führenden Brettspielnationen, sagt der Chef. Sein Bruder habe lange in München gewohnt, Volkardstraße, ob ich die kenne? Klar, im Krankenhaus am Eck zur Nymphenburger Straße bin ich geboren. Aber ich habe eine knifflige Aufgabe für ihn. Wir wollen ein Spiel, klein, es muss ins Radgepäck passen, nicht zu schwer, vielleicht ein Kartenspiel, und vor allem darf es noch nicht auf Deutsch erschienen sein. Da denkt der Vertreter einer der führenden Brettspielnationen lange nach. Aber sein Vorschlag, ein von einem französischen Verlag herausgegebenes Spiel eines Japaners namens Ninja Taisen, erfüllt am Ende alle Kriterien.

Soll er uns in seine Kundendatei aufnehmen, fragt der Inhaber noch. Er liefere weltweit, auch nach Deutschland, ausgenommen nur Länder wie Nordkorea. Das halte ich nicht für nötig.

Auch in Orléans fehlt es an Servicepersonal. Ein Kellner plus eine Barkeeperin versorgen ein komplettes Lokal mit 30 Gästen im Hinterzimmer, acht im Vorderzimmer plus zwei, drei Tischen auf der Terrasse. Das sind Wege wie auf einem Handballfeld. Eine Gruppe bestellte regelmäßig Cocktails: Für den Kellner jedesmal ein Tempogegenstoß. Bei mehr als 60 Minuten Spielzeit! Wir haben es nicht eilig, das Spektakel unterhält uns den ganzen Abend lang, wir essen drei köstliche Gänge (die Küche ist wohl besser besetzt als der Service) und sitzen fast drei Stunden.

Abschied von der Loire

Die letzten Meter an der Loire führen uns flussaufwärts zum Oratorium nach Germigny-des-Prés mit dem einzigen erhaltenen Mosaik der Karolingerzeit. Dieses zeigt eine wie skizzierte Bundeslade, über der zwei Engel schweben. Die Engel strecken die Arme aus, wie Fußballer, die ein Foul reklamieren.

Bauherr des Oratoriums war Theodulf, der Bischof von Orléans zur Zeit Karls des Großen. Der Baedeker nennt es die älteste Kirche Frankreichs. Die kunstgeschichtliche Bedeutung unterstreichen eine Touristeninformation, eine Toilettenanlage und eine Picknickanlage samt Regenschutzhütte in unmittelbarer Nachbarschaft. Neben uns sind noch fünf Radfahrer anwesend. Mit dem Auto kommt in der Stunde, die wir vor Ort verbringen, niemand.

Fünf Kilometer weiter ein romanisches Juwel, die Abtei Fleury, auf der Karte als St.-Benoit-sur-Loire ausgewiesen. Hierhin flüchteten die ersten Benediktinermönche vor den Barbarenplünderungen in ihrer italienischen Heimat. Nach ein paar Jahren kehrten sie kurz zurück, um die Knochen ihres Ordensgründers zu holen. Und wenn sie die richtigen erwischt haben, ruht der heilige Benedikt bis heute an der Loire, was die Kirche zur Pilgerstätte macht.

Uns interessieren die Gebeine weniger, wir beschäftigen uns mit dem Bildprogramm, das die Kapitelle der Vorhalle vorführen, suchen dort Szenen der Apokalypse: das Buch mit den sieben Siegeln, den Evangelisten Johannes, der sich vor einem Christus im Strahlenkranz auf den Boden wirft, und zwei Verdammte, die sich die Hand vor den Mund halten, um sich nicht länger schreien hören zu müssen.

Ein anderes Kapitell zeigt einen Engel und einen Teufel, die an einer Kinderseele zerren. Unser alter Freund Sankt Martin aus Tours ist auch abgebildet, er teilt seinen Umhang mit einem Bettler und wird dafür in den Himmel geholt. Die Farbe denke ich mir hinzu: Da Martin vor seiner Bischofslaufbahn als Offizier im römischen Heer diente, soll es sich um einen warmen roten Soldatenumhang mit Pelzbesatz gehandelt haben.

Wir fahren weiter, und siehe, der dunkle Himmel klart auf, die Sonne zeigt sich. Kann das der Einfluss des heiligen Benedikt bewirkt haben?

Montargis haben wir neulich in einem Prospekt als empfehlenswertes Ausflugsziel gesehen, neben Sancerre und Loches, zwei Highlights unter unseren Etappenstädtchen. Ein kleines Venedig soll es sein.

Nun ja, ein paar schmutzige Kanäle machen kein Venedig. Von der Burg ist nur ein Torhaus mit Mauerfragment übrig, dahinter ein Internat in einem Gebäude aus den Sechzigerjahren. Dass die Kommunistische Partei Chinas in Montargis gegründet wurde, sieht man der Stadt auch nicht an. Aber eines kommt mir dann doch kommunistisch vor: die Einheitsbeschallung des zentralen Straßenzugs. Diese Geschäftsstraße ist tagsüber für den Autoverkehr gesperrt. In dieser Zeit spielt Musik aus Lautsprechern - und zwar überall dieselbe Musik, vermutlich von einem zentralen Komitee in einem Fünfwochenplan vorgegeben.

Keinen Plan von der Strecke

In Orléans waren wir, dieses Ziel haben wir erreicht, nun verlassen wir auch den Spielplan. Die Champagne erwartet uns, und in ihr Nicoles unsichtbare Spuren, hat sie dort doch acht Monate lang gelebt. Das mittelalterliche Städtchen Troyes ist ihr in guter Erinnerung, mit einer strammen Fahrt könnten wir es von Montargis aus erreichen. Google Maps kennt eine besonders kurze Strecke, ich denke mir, das probieren wir doch mal, das wird uns viel Mühe ersparen.

Die ersten 15 Kilometer fahren wir einsam durch hügeligen Wald. Ich freue mich über die kluge Entscheidung. Dann weist uns Google Maps durch eine Unterführung. Die ist leider vergittert und mit einem Schloss versehen. Der Pflanzenbewuchs lässt vermuten, dass seit Jahren keiner mehr drin war. Für ein bepacktes Rad wäre sie ohnehin viel zu eng. Danach ginge es auf eine befahrene Fernverkehrsstraße. Nee, Google, das war nichts.

Also doch wieder Routenplanung per Michelin-Karte, wir nehmen die gelben und die weißen Straßen, möglichst die ohne Steigungspfeile - und ohne Höhenangaben, die auf einen Gipfel hinweisen, also auch auf einen Anstieg. So bin ich vor 25 Jahren durch die Lande gefahren. Zwei Tage später verbessern wir das Verfahren, erwerben einen gelben Textmarker und streichen die Route auf der Karte an, damit das Auge sich schneller orientieren kann.

Nicht alle Karten sind auf dem neuesten Stand. Eine trägt das Druck-Datum 1989. Seither hat sich nichts geändert, keine einzige Straßennummer. Aber die Autobahn, die wir mehrfach kreuzen, die gab es damals noch nicht.

Die Champagne, das sind hier keine Champagnerhügel, sondern große Felder, "champs". Zu dieser Jahreszeit abgeerntete Felder. Weizenstoppeln, so weit man blicken kann. Auf diesem Hügel, auf dem nächsten Hügel. Und auf der Kuppe dahinter auch.

Wer viel sät, wird viel ernten. Landmaschinen brauchen Platz, die Ernte muss gelagert werden, und so sind auch die Höfe der Champagne größer als anderswo. Ausgenommen vielleicht sowjetische Kolchosen, ausgenommen sicherlich der Mittlere Westen der USA. Wird nur schwierig, dort von zu Hause aus mit dem Rad hinzufahren.

In Troyes finden wir ein exzellentes lokales Bier und zehntausend Touristen vor. In der Umgebung der Kathedrale, etwas abseits, ist es ruhiger. Wir studieren die Speisentafel einer Kneipe. Die Köchin, gerade unterbeschäftigt, kommt heraus und berät uns. Ich sage ihr, sie habe mich überzeugt, und bestelle eine Andouillette, die sie als "5A" klassifiziert. Das verstehe ich erst nicht. Ach so, fünf Sterne sozusagen. Sie macht sich an die Arbeit. Ja, das ist eine gute Andouillette.

Die Champagnehügel haben uns gefallen, wir nehmen am nächsten Morgen noch einige davon. Dann queren wir einen bewaldeten Flusslauf. Endlich etwas Schatten. Wir folgen einem Bach, sehen ab und zu ein Wäldchen. So gelangen wir hinauf zum Lac du Der, dem größten Stausee Frankreichs. Wir vergleichen mit heimatlichen Stauseen, mit Walchensee und Sylvensteinsee. Unser Schluss: Der Lac du Der ist ganz schön groß.

Umso kleiner fallen die Badebereiche aus, mit Bojen markiert: ein Bereich in der Größe eines Handballfelds für die Nichtschwimmer. Ein zweiter in gleicher Größe für die Schwimmer. Ich muss an Jägerzäune um Vorgärten denken. Immerhin steht nirgends, was passiert, wenn man den markierten Bereich verlässt. Ich tauche schnell mal hinaus. Es passiert nichts. Ich tauche zurück.

Abends sind wir in St. Dizier, in einem bei Booking.com hoch bewerteten B&B. Nur die Stadt, heißt es in den Kommentaren, die sei langweilig. Nichts los.

Es ist Samstagabend. Wir kriegen gerade noch einen Platz in der beliebtesten Crêperie, im Zentrum. Nach Salat und Galette beginnt 100 Meter weiter ein Konzert. Wir bleiben noch auf ein Glas, hören zu, machen einen Spaziergang. Mehr muss wirklich nicht los sein.

Wie soll es weitergehen? fragt mich die Michelinkarte. Ich weiß aus meiner Vorbereitung: Nicht weit von hier, in Bar-le-Duc, verläuft die Radweit-Strecke von Paris nach Pforzheim. Zwei Täler weiter würden wir darauf stoßen. Auf die Mosel, auf ihre Zuflüsse, weitere Kanäle. Zwei Täler weiter. Aber diese Täler trennen lothringische Hügel.

Ich warne Nicole. Der Schweiß wird fließen. Es ist warm und feucht. Der Schweiß fließt. Die lothringischen Hügel gefallen uns. Es muss noch mehr davon geben. Wir beschließen, irgendwann wiederzukommen. Erreichen die Mosel, den Track von Ulrich Lamm. Das Navigationsgerät funktioniert weiter nicht, aber ich schaue bisweilen in der Gpsies-App auf meinem Smartphone nach, ob wir noch auf Kurs sind.

Keine Nachschubprobleme

Von Void nach Toul fahren wir in Autobahnnähe. Als wir sie zum zweiten Mal kreuzen, sagt Nicole: Endlich sind wir die los. Ich überbringe ihr die schlechte Nachricht: Wir werden sie bis Toul noch dreimal kreuzen. Und, falls wir nicht in Toul bleiben, auch noch ein viertes Mal.

Ein Kaffee wäre nicht schlecht, oder eine Orangina. Aber die einzige Bar, die wir passieren, ist von Lkw-Fahrern überlaufen.

Die Vorstädte von Toul: Kasernen. Derzeit ist dort das 516. Nachschubregiment stationiert. Schließlich ist Lothringen umkämpftes Grenzgebiet, spätestens seit Ludwig der Fromme sein Reich unter seinen Söhnen aufteilte und der Älteste, Lothar, den Mittelschlauch bekam, der damals bis nach Rom hinunter reichte. Daher der Name Lotharingien, Lothringen.

Die Geschichte ging feindselig weiter. König Heinrich II. eroberte Toul im Jahr 1552 für Frankreich, 1870 wurde die Stadt von deutschen Truppen belagert und erobert. Im Zweiten Weltkrieg folgte die nächste Belagerung.

Wir belagern niemanden, nicht einmal ein Hotel, wir haben noch ein paar Reserven, wir ziehen weiter, idyllisch an der Mosel. Kleiner Nachteil: Die Sonntagsspaziergänger dort erwarten keine Radfahrer und haben keine Ahnung, wie sie auf Klingeln oder Zurufe reagieren sollen. Ist das so schwer? Aber wir bleiben geduldig, werden an der Bar eines Ausflugslokals mit einer Cola belohnt.

Erstmals kommen wir in einem Kettenhotel in einem Industriegebiet unter, in Nancy-Sud. Das Hotel ist billig, die Crêperie daneben keineswegs. Die Portionsgrößen rechtfertigen die Preise. Auf meiner Galette mit Munster scheint ein kompletter Käse Platz gefunden zu haben. Vielleicht liegt das an der einzigen Konkurrenz, einem Diner im amerikanischen Stil. Im Industriegebiet isst man amerikanische Portionen. Neben Billighotels gibt es hier nur ein Multiplexkino und reichlich Parkplätze, um Gäste anzulocken.

Für uns ist praktisch, dass wir am nächsten Morgen einen Intermarché-Supermarkt vor der Nase haben und uns gleich eindecken können. Ulrich Lamm weist uns einen Weg um Nancy herum. Bevor wir einsame flache Landstraßen erreichen, passieren wir etliche Salinen. Schon wieder Salinen.

Salz und Schweiß

Salz, wir essen es, wir schwitzen es aus, duschen es ab. Tag für Tag. Im Mittelalter hatte es als Konservierungsmittel besonderen Wert. Aber heute? Die Salinen zeigen es, Salz ist noch eine signifikante Industrie, aber auch Touristenattraktion: die Salinenstadt Arc-et-Senans etwa, daneben aufgelassene Minen, wir sehen bei Nancy die Hinweisschilder, in Deutschland werden wir noch einmal eine passieren, bei Wimpfen.

Wie ist das mit dem Salz? Es kommt aus zwei Quellen: aus dem Meer oder aus dem Berg. Bequem hat es der Mensch, wenn er den Begriff Quelle wörtlich nehmen kann: In der Saline Arc-et-Senans im Jura verdampfte man das Wasser salzhaltiger Ströme. Das verbrauchte nur enorme Mengen Feuerholz. Ansonsten muss man graben, etwa im Becken von Nancy.

Ich mache mich schlau: Die großen Salzvorkommen in Mitteleuropa haben sich vor etwa 250 Millionen Jahren abgelagert, als die Nordsee, Norddeutschland und Polen noch von einem Meer bedeckt waren, das man heute Zechsteinmeer nennt. Plattenverschiebungen im Lauf der Jahrmillionen sorgten dafür, dass diese Vorkommen bis in die Alpen wanderten. Frankreich hat nur im Nordwesten große natürliche Salzreserven - als Ergänzung seiner Meersalzproduktion. Es war im Jahr 2014 der zwölftgrößte Salzproduzent weltweit. China führt die Statistik vor den USA und Indien an, Deutschland liegt an fünfter Stelle.

Mit zunehmender Deutlichkeit zeichnen die Vogesen sich am Horizont ab. Müssen wir über einen Pass? Eine Michelin-Karte ist keine topografische Karte. Mir ist unklar, wie sich die Strecke durch die Vogesenausläufer gestalten wird. Immerhin, ich sehe keine Steigungspfeile.

In Sarrebourg mehr Militär: Hier lagert das erste Infanterieregiment der Republik. Die Hotelsituation treibt uns weiter, schon vor den Vogesen geht es ganz schön hoch, in einen hübschen Ort namens Arzviller. Warum gibt es hier keine Unterkunft? Nur ein Ferienhaus, wochenweise zu vermieten ...

Überraschung! Hinter Arzviller fahren wir ausschließlich flach oder bergab. Ich hätte es der Karte bei genauem Studium entnehmen können, oder mich vorab informieren, aber ich habe ja nie geglaubt, dass wir so weit kommen: Es geht wieder an einem Kanal entlang, diesmal dem von der Marne an den Rhein. Zunächst am alten Kanal, ohne Wasser. Die Boote fahren mittlerweile durch einen Tunnel. Dann wieder auf Treidelpfaden. In Lutzelbourg weiß ich ein Hotel. Heute Morgen war laut Booking.com nichts frei, aber auf Nachfrage ist das kein Problem.

Neues Team, verspricht eine Banderole an der Fassade. Schöner Saal, freundliches Personal. Tolles Essen, ich bestelle Forelle im Mandelmantel. Das Zimmer ist nicht groß, das spielt doch keine Rolle ... aber das Bett. Eine durchgängige Matratze, die zu den Seiten hin abfällt. Ich liege auf dem Abhang, ich glaube zu rollen, rolle mich herum. Die Matratze gibt die Schwingungen weiter, der Berg wackelt, bergauf und bergab rollend halten wir uns gegenseitig den Großteil der Nacht über wach, ohne es recht zu merken, in einem unerquicklichen Halbschlaf. Am Morgen sind wir völlig erschöpft.

Dabei soll es heute zurück nach Deutschland gehen. Ich habe noch am Abend vorgebucht, in 120 Kilometern Entfernung, in Karlsruhe. Ohne Stornierungsoption. An diesem Morgen würde ich eine kürzere Etappe vorziehen.

Am Kanal geht es nach Saverne alias Zabern hinunter. Einkauf, zurück an den Kanal, ums Schloss herum. Was ist das, Roadkill auf dem Fahrradweg? Da liegt doch tatsächlich ein Fisch ...

Rendezvous in Sessenheim

Heute fühlen sich die Kilometer wie Meilen an - als hätte sie einer auseinandergezogen. Straßburg ist rechts ausgeschildert. Wir biegen stattdessen links Richtung Sessenheim ab. Diese Straße könnte Goethe damals entlanggeritten sein, von Straßburg nach Sesenheim (wie er das Örtchen schrieb), auf dem Weg zu Friederike Brion.

Am Waldrand im Graben liegt eine Perrierflasche. Vielleicht hat Goethe sie von sich geschleudert, von tausendfachem Mut beflügelt, im Stil eines Radrennfahrers, kurz vor dem Ziel. Ich stelle mir vor, wie Christopher Froome Interviews im Stil des jungen Goethe beantwortet.

Reporter: Glückwunsch zu Etappensieg, Chris! Wie hat sich das heute für dich angefühlt?
Froome: In meinen Adern welches Feuer! In meinem Herzen welche Glut!
Zweiter Reporter: Wir warten wohl besser das Ergebnis der Dopingkontrolle ab.

Nur noch über die Autobahnbrücke, dann ist Friederike, ist Sesenheim erreicht. Gedenkt man hier Goethes, frage ich mich. Und wie! Da steht geradezu ein Goethe-Tempel, mit einer Büste im Mittelpunkt. Sie zeigt den alten, etwas breit gewordenen Geheimrat. In Straßburg schloss Goethe doch als junger Kerl sein Studium ab - Juristerei und Medizin. Hörte auch Philologie bei Herder. An den Wänden Zitate. "Sie sind ein Genie", hat Napoleon dem Schriftsteller gesagt. Kaiser Napoleon, der stets den Werther bei sich geführt haben soll. Nicht die höchste Instanz der Literaturkritik. Aber er hatte ja recht.

Die öffentliche Toilette wurde seit dem Sturm und Drang nicht mehr gereinigt. Auch ein privates Goethemuseum gibt es in Sessenheim, und einen Goethehügel. In Dichtung und Wahrheit kann man die Gespräche nachlesen, die Johann Wolfgang und Friederike dort führten. Die Küsse, die sie tauschten, werden nicht aufgezählt. Aber den Blick bis nach Straßburg, zum Münster, erwähnt die Selbstbiografie.

Wir rasten unterm Lindenbaum im Zentrum, statt den Hügel zu besteigen, auf einer seltsam wackligen Steinkonstruktion. Dorfjugend zieht vorbei: Kleine Jungs machen Wheelies mit ihren Rädern. Ein junges Paar geht zum Konditor. Ich schaue prüfend in die Gesichter: Könnten Nachkommen von Friederike darunter sein? Später finde ich heraus: Die von Goethe sitzen gelassene Friederike hat nie geheiratet, es gibt keine Nachkommen.

Durcheilen neue Ziele

Gleich hinter Sessenheim: der Rhein. Auf der Brücke hinüber nach Deutschland sehen wir Grenzkontrollen, schwer bewaffnet, vielleicht von Militär begleitet. Frankreich fürchtet weitere Terroranschläge.

Adieu, Frankreich. Wir haben gebraucht, um uns wieder zurechtzufinden. Wir waren zu lange fort. Wir kommen wieder. Hoffentlich schon bald. Wir lassen nicht noch einmal so viel Zeit verstreichen.

Aber jetzt haben wir einen Termin in Franken, eine Familienfeier. In diese Richtung ziehen wir weiter.

In Karlsruhe erwartet uns ein Springbockbett, oder heißt es Bockspringbett? Jedenfalls wieder so eine schwingende, in der Mitte hohe, zur Seite hin abfallende Matratzenkonstruktion. Um eine zweite schlaflose Nacht zu vermeiden, mache ich es mir auf dem Boden gemütlich.

Tags geht es über Ulrich-Lamm-Routen durchs Kraichgau, nicht ohne Mühe. Die Beine arbeiten noch, wie von selbst, aber eine Lähmung macht sich in mir breit, eine profunde Erschöpfung.

Wieder ist ein Hügel erklommen, wieder rollen wir bergab, da taucht ein UFO unter uns auf: die Hoffenheim-Arena in Sinsheim. Das ist das Gegenteil der Tour de France, denke ich, die sich rühmt, zu den Menschen zu kommen. Hier geht der Sport bewusst weg von den Menschen.

Wir erreichen Bad Wimpfen. Den Namen habe ich am Morgen beim Kartenstudium erstmals gehört. Während der Fahrt nenne ich ihn Nicole, die auch nichts von Wimpfen weiß. Seine Schönheit überrascht uns beide. Wir kommen bestens unter, mit Bockspringbett, aber jede Betthälfte hat ihre eigene Matratze, da liegt man gut. Ein letztes Glas Wein, ein Weißburgunder vom Weingut Schmidt am Kaiserstuhl. Das finde ich lustig, gerade den hatte ich auch in Bad Waldsee, an einem der ersten Reisetage. Jetzt muss ich feststellen, dass er mir vor Frankreich besser geschmeckt hat.

Anderntags geht es die Jagst hinauf. Ich flicke den lang erwarteten zweiten Platten des Urlaubs, montiere Nicoles neuen Mantel. Der drei Wochen im Gepäck verbracht hat.

Die Gegend kenne ich aus der Lebensbeschreibung des Ritters Götz von Berlichingen. Und aus Berichten im Radforum. Durchgefahren bin ich noch nicht. Jetzt reicht es nur für einen ersten Eindruck. Der lautet einmal mehr: Wir wollen wiederkommen. Beim Durcheilen entdecken wir neue Ziele.

Für heute fahren wir weiter. Wir fahren, bis wir nicht mehr können. Können könnten wir vielleicht noch. Wir fahren, bis es wirklich keinen Spaß mehr macht. In Lauda, kurz vor Würzburg, endet am Donnerstagnachmittag unsere Radreise nach Orléans im Summer of '17.

Epilog

Am Sonntagmittag meint mein Schwiegervater, das Familienwochenende in Bamberg mit einem Mittagessen auf der Altenburg abschließen zu müssen. Also radeln wir da hinauf, und zwar - weil wir anschließend zum Bahnhof wollen - mit vollem Gepäck. Was uns erwartet, wissen wir nicht.

Gleich im ersten Steilstück kommt eine Rennradgruppe entgegen. "Viel Spaß", ruft mir einer mit Blick auf die vier Ortliebtaschen zu. Bei Quäldich.de kann es man nachlesen: Es sind 150 Höhenmeter. Der Schlussanstieg hat im Schnitt 15 Prozent, die Spitzensteigung beträgt 18 Prozent. Alles machbar. Aber kein übliches Reiseradterrain.

Trainingsrückstand? Beschwerden mit Sehnen und Gelenken? Das war einmal. Wir kommen da hoch, langsam, im kleinsten Gang. Unsere Beine sind jetzt Belastungen gewöhnt. Auch wenn sie wirklich dringend eine Pause brauchen.
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#1299508 - 24.08.17 21:36 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
Joelle
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Bravo , super gemacht !
Da gab es eine Menge zu lesen, aber schön, weil ich dort in 2014 herum radelte : einen selbst gebastelte tour, an hand Michelin karten. Wir haben Frankreich auch so erlebt wie ihr es beschreibt.
Es hat seinen charme.
Danke fürs Reisebericht.
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#1299509 - 24.08.17 21:53 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
natash
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Hallo Flori,

ein wieder sehr charmant geschriebener ausgesprochen reichaltiger Reisebericht von Dir :), vielen Dank.
Und wenn Ihr das nächste Mal fast an unserer Haustür vorbeikommt, dann klopft Ihr mal an.
Seid Ihr das eigentlich mit den Bromptons gefahren?

Gruß

Nat
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#1299568 - 25.08.17 13:57 Re: Au Coeur de France [Re: natash]
Flori
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Danke für die netten Worte, Joelle und Nat!

In Antwort auf: natash
Und wenn Ihr das nächste Mal fast an unserer Haustür vorbeikommt, dann klopft Ihr mal an.

Ehrlich gesagt, ich hab sogar dran gedacht, aber wusste keine Adresse, und das war ja dann auch schon in unserer Durchrauschphase am Ende des Urlaubs. Aber machen wir nächstes Mal gern, danke für die Ermunterung.

In Antwort auf: natash
Seid Ihr das eigentlich mit den Bromptons gefahren?

Nein, an die passen keine vier Ortliebtaschen zwinker Die Frage ist berechtigt, aber seit Jahren kommen die Bromptons eigentlich nur noch für kurze Strecken zum Einsatz. Insbesondere ist meine große Bromptontasche auch ziemlich am Ende, ich hab da wohl öfter das Gewichtslimit überschritten mit meinem Gepäck.

Wir fuhren also ganz normale 28-Zoll-Reiseräder.
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#1299571 - 25.08.17 14:04 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
veloträumer
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bravo
Hallo Flori,
ein geistreicher Steifzug durch Frankreich und deutsche Anschlusswege, mit ausgewählten Geschichtsereignissen lehrreich verknüpft und doch auch immer der Leser atmosphärisch auf dem Sattel oder in die Örtlichkeiten mitgenommen.

Manches scheint mir irgendwie vertraut - dieses Aufkommen des Fastfoods in Frankreich - Kebab ist mehr im Norden, im Süden wachsen Take-Away-Pizzas aus dem Boden. Deutsch ist allerdings auch im Elsass im Rückwärtsgang begriffen - Frankreich bleibt französisch - immerhin. Tour de France: Schade, dass du nicht mal die Abgase der Begleitkolonne gerochen hast. bäh Ist genau auch meine Erfahrung (Galibier 2005) und es sind tatsächlich meistens Diesel! - und Renault kann auch VW... zwinker

Was ist mit der Bilderlink oben - es kommen nach Titelbild Krippenbilder und Winteroutfits - das kann ja diese Reise nicht gewesen sein?
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1299601 - 25.08.17 17:24 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
StephanBehrendt
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In der Tat ein lebendig geschriebener Reisebericht.
Boxspringbetten werden derzeit in der Hotele

rie gehypt.
------------------------
Grüsse
Stephan
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#1300621 - 02.09.17 21:26 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
Holger
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Viiieö zu lang!




Um das alles am Handy zu lesen ... grins

Ich hebe es mir für zu Hause auf, das ist ja schon übermorgen...

Viele Grüß aus Frankreich, genauer Bretagne, genauer Belle-Île-en-mer
Holgwr
.
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#1300627 - 03.09.17 09:07 Re: Au Coeur de France [Re: Holger]
Flori
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In Antwort auf: Holger
Viiieö zu lang!
Holgwr

Viiieö zu vieö Cidre? listig
Schönen letzten Urlaubstag und gute Heimreise!
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Off-topic #1300629 - 03.09.17 09:19 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
Holger
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Merci vielmals!

Nö, vieö zu docke Finger für Handytastatur. Und zu köeiner Bildschirm - wg. nix mobile Version Forum zwinker
.
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#1300631 - 03.09.17 09:52 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
Juergen
Moderator
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Hallo Flori,
heute, nach 4 Wochen Frankreich, die mit einem Ritt auf der Radautobahn in L’Isle-sur-le-Doubs endeten, habe ich deinen Bericht mit großer Freude gelesen und bin sehr erfreut über deine vielfältig tiefen Beschreibungen des Alltäglichen. Chapeau bravo bravo bravo

Danke und nen herzlichen Gruß
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1300650 - 03.09.17 16:01 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
Margit
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Servus Flori,

kurzweiliger, interessanter Bericht. Würde gerne "Au Coeur de France Bilder" ansehen, aber es werden nur die bekannten "Krippen Bilder" angezeigt.
Viele Grüße
Margit
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#1300687 - 03.09.17 22:58 Re: Au Coeur de France [Re: Margit]
Flori
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Liebe Margit, lieber Matthias, wenn es Fotos gäbe, hätte ich schon deutlich drauf hingewiesen. Aber ich hatte nicht mal eine richtige Kamera dabei. (Das Aufmacherbild ist nur einfach mit dem Gratis-Bildhoster verlinkt, für mich eine Frage der Fairness.)

Aber ein Foto verspreche ich Euch noch: eins von der Print-Ausgabe des Reiseberichts, sobald sie mir vorliegt (Auflage: 2 Exemplare). Auf der Rückseite finden sich nämlich Eure obigen Kommentare ...
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#1300950 - 05.09.17 21:08 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
Holger
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Beiträge: 13985
Nu hab ich's gelesen, am iPad geht's bequemer als am Smartphone. Deine Reiseberichte lese ich am liebsten, leider gibt's nur so wenige...

Mein Indikator für einen gut geschriebenen Bericht: ich vermisse die Bilder nicht. Da bist Du ganz das Gegenteil von iassu, bei ihm sind die Bilder so gut, dass ich den Text nicht vermisse.

Solche Reiseberichte gehören für mich zu den Highlights hier im Forum.

Viele Grüße,
Holger

der versucht, die stöben beendete Bretagnereise hier zu verewigen, okay, vielleicht nicht wirklich für ewig... Mit einem herkömmlichen Text-Bild-Verhältnis...
.
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#1301776 - 11.09.17 10:43 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
Flori
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Wie versprochen:



Und danke, Holger.
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#1301781 - 11.09.17 11:33 Re: Au Coeur de France [Re: Flori]
Flori
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Themenersteller
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Beiträge: 1061
Ah, und verspäteten Dank natürlich auch an Jürgen! Falls ich jemals noch ein Exemplar nachbestelle, wird die Rückseite des Büchleins gut gefüllt sein.
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