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#499021 - 11.02.09 12:44 Brand-Erbisdorf nach Polen und zurück
Triangel
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 39
Dauer:18 Tage
Zeitraum:13.5.2008 bis 30.5.2008
Entfernung:1510 Kilometer
Bereiste Länder:deDeutschland
plPolen

1.Tag Brand-Erbisdorf – Königsbrück 110 Km

Am 13.05.2008 gegen 10.00 Uhr war Abfahrt. Die Reise sollte mich auf die Spuren meiner Vorfahren mütterlicherseits in Schlesien führen und mal sehen was sich sonst noch unterwegs ergibt. Bei herrlichem Radwetter startete ich zusammen mit Günter Reichel, der bis Görlitz mein Begleiter sein sollte, Richtung Freiberg. Durchs Münzbachtal bis Großschirma fuhren wir den Muldentalradweg nach Nossen. Dort dann die Landstraße ins Triebischtal bis Meißen. Auf der Eisenbahnbrücke überquerten wir die Elbe und hielten kurz inne, um den Blick auf die Albrechtsburg zu genießen. Ein erstes Vesper machten wir am vielbefahrenen Elberadweg. Flußaufwärts fahrend bogen wir an der Gaststätte Boselblick ab. Über Sörnewitz, Niederau zum dortigen Wasserschloß, wo ich beinahe mit einem Trabi Kombi kollidiert wäre. Schwer beladen brachte der alte Mann seinen Trabi gerade noch zum Stehen. Auf dem Weg nach Moritzburg klassisch im Wald verfahren, so dass wir fast schon in Coswig waren. Kurz durchgefragt, erreichten wir über Umwege Schloss Moritzburg, wo wir kurz verweilten und dabei einem Schwan beim Revierverteitigen zusahen. Am Fasanenschlösschen vorbei, ging ´s dann über die Autobahn A13 auf einem schönen Feldweg bis Großdittmannsdorf, wo wir im Gasthof ein kühles Bier zu uns nahmen. Durch die Laußnitzer Heide auch ein wenig vom Weg abgekommen, so dass die Tour über Ottendorf Okrilla und Höckendorf, wo es noch mal kurz was vom Bäcker gab, bis Königsbrück ging.
Bei schönem Wetter erreichten wir den Markt gegen 17.30 Uhr. Das obligatorische Bier am Marktbrunnen tranken wir mit viel Genuss. Danach fuhren wir erst einmal nach Stenz zu Werner Lindner, dem Küster und Betreuer des örtlichen Armenhauses. Mitten in der Feldarbeit trafen wir ihn an. Nach kurzer Begrüßung und Empfang einer mit warmen Wasser gefüllten Milchkanne, bezogen wir unser heutiges Quartier. Werner gab uns noch ein paar einleitende Worte zur Geschichte des Armenhauses und seinem Tipp, den neuen Aussichtsturm der Königsbrücker Heide zu besichtigen, folgten wir prompt. Nach kurzer Odyssee im ehemaligen Militärgelände fanden wir den Turm dann doch noch. Bei schönstem Abendhimmel bot sich ein phantastischer Rundumblick auf die sehr waldreiche Gegend der Königsbrücker Heide. Wieder zurück im Armenhaus machten wir uns kurz frisch an der Zinkwanne und gingen in die Stadt zum Abendessen in die Gaststätte Ziegler. Auf dem Nachhauseweg unternahmen wir noch einen Versuch, meinen vor 1½ Jahren in einem Rohr versenkten Objektivdeckel zu bergen. Trotz Schweißdraht war nichts zu machen, da wird wohl mal ein Neuer fällig.

2.Tag Königsbrück – Zentendorf (Kulturinsel Einsiedel) 148 Km ∑ 258 Km

Gegen 07.30 Uhr von Werner Lindner mit einem leckeren Frühstückskörbchen geweckt. Kaffee aus dem Krug und ein leckeres Frühstücksei, so konnte der Tag kommen. Gegen 09.00 Uhr verließen wir dann Königsbrück und fuhren nach Norden bis Grüngräbchen, wo wir auf den Froschradweg stießen. Bei traumhaftem Radwetter fuhren wir über Bernsdorf an Wittichenau vorbei bis zum Teichhaus Zelder. Dort wollten wir natürlich eine Fischsuppe essen. Die gab´ s zwar nicht, aber dafür konnten wir uns am Büffet einer Firmenmittagspause bedienen, wo wir ordentlich zulangten. Mit schwerem Magen ging ´s dann durch Hoyerswerda bis Neustadt / Spree, wo wir im Gasthaus Hammer Kaffeepause machten. Über Schleife, Halbendorf fuhren wir bis Kromlau in den Rhododendronpark, mit der berühmten Rakotzbrücke. Da wir doch etwas gebummelt hatten reichte die Zeit für Bad Muskau nicht mehr, so dass wir von Kromlau direkt an die Neiße fuhren. Ein letztes gemeinsames Vesper in schönster Abendsonne und hinter Rothenburg erreichten wir gegen 19.00 Uhr die Kulturinsel Einsiedel, wo ich mich von Günter verabschiedete. Er wollte einen Freund hinter Görlitz besuchen. War gar nicht so einfach auf das Gelände zu kommen, der Haupteingang war verriegelt und verrammelt. Also blieb mal wieder nur die Hintertür. In einem kultigen Restaurant machte ich eine Nacht im Tipizelt klar und bestellte erst mal etwas zu essen. Die berühmten Baumhäuser sind auf lange Zeit im voraus gebucht und für eine Person unbezahlbar. Aber nach einer warmen Dusche schlief ich im Tipizelt auf Rindenmulch und Isomatte auch ganz gut.

3.Tag Zentendorf – Zlotoryja/Goldberg 106 Km ∑ 364 Km

Am nächsten Morgen bei guter Musik am offenen Kamin gefrühstückt. Anschließend einen kleinen Rundgang durch die Baumhäuser und Erdhäuser der Kulturinsel Einsiedel unternommen. Gegen 10.00 Uhr war dann Abfahrt und gleich im nächsten Ort fand ich einen Grenzübergang für Fußgänger / Radfahrer vor. Ohne lange zu zögern ging ´s über die Neiße und ich war in Polen. Der erste Ort hieß Piensk, wo ich mich mit Zloty eindeckte und noch eine Radkarte kaufen wollte. Alle meine Versuche führten zu keinem Erfolg, so dass ich das Ordern von Kartenmaterial aufschob, was natürlich ein großer Fehler war, wie sich wenig später rausstellte. Mit meiner groben Polenkarte landete ich nach einer Stunde friedlicher Landstraße plötzlich auf der E40, wo ich gleich die volle Breitseite vom polnischen Verkehr abbekam. Leicht genervt fuhr ich in Czerna dann einfach kurz raus und fragte an einem Kiosk nach Wasser, welches ich prompt in einem Glas serviert bekam. Das tat gut bei der Brut. Der Verkehr war schon heftig, hier war Umdenken angesagt. Nach der kurzen Verschnaufpause entschied ich mich für die nächst kleinere Straßenkategorie, was meine Karte gerade noch hergab. So erreichte ich dann Boleslawiec / Bunzlau, einen schönen Ort, wo ich an einem Teich in der Stadt mein erstes polnisches Bier verkostete.
Beim Verlassen des Ortes hatte ich leichte Orientierungsprobleme, so dass es auch über Stock und Stein irgendwann auf die Straße 363, Richtung Legnica ging. Eine halbe Stunde später bekam ich die Quittung für meine Abkürzung, als ich das erste mal Luft nachpumpen musste. Im nächsten Dorf ging dann nichts mehr und ich schob das Rad zum nächsten Kiosk (Skleb). Erst mal nachdenken, ein Kaffee musste her, aber im Kiosk gab es Keinen. Ein freundlicher Pole, nicht mehr ganz nüchtern, bot mir Hilfe an. Meiner Bitte nach einem Kaffee, bog er kurz ums Eck und sagte nur Moment, Moment. Wenig später kehrte er mit einem Glas frischgebrühten Kaffee zurück. Das tat gut! Zwecks Reparatur redete er immerzu von Kollega usw. Ich dachte mit dem Kaffee das klappte, so vertraute ich mich ihm an. Er schnappte sich sein klapprige Rad und fuhr wilde Achten auf der Dorfstraße vor mir her, bis zum Kollega. Dieser wollte natürlich nichts von uns wissen, so dass ich die Sache selbst in die Hand nahm. Hinterrad ausgebaut, Mantel runter und Schlauch geflickt. Zum Teil nickte mein polnischer Pannenhelfer friedlich neben mir ein, zum Teil packte er mit zu und redete dann immer von polnischer Intelligenz. Wir haben es hingekriegt und das Rad sollte die komplette Tour durchhalten. Nach der gelungenen Aktion tranken wir im Anschluss noch ein Bier gemeinsam auf meine Kosten. Zufrieden fuhr ich noch bis Zlotoryja / Goldberg, wo ich mich entschied zu bleiben. Nach kurzem Durchfragen und ein paar Missverständnissen fand ich eine Jugendherberge, die zwar fest verschlossen, aber mit viel Willen sich doch noch für mich öffnete. Schön warm geduscht und das Fahrrad in einem separaten Raum sicher untergebracht, ging es in die Stadt, wo leider nur noch Imbissbetrieb war. Gut gestärkt landete ich danach in einer Kneipe, wo ich in einen polnischen Karaokeabend geriet. Es war einfach amüsant.

4.Tag Zlotoryja/Goldberg – Wroclaw/Breslau 105 Km ∑ 469 Km

Gut geschlafen, war ich heute schon zeitig munter, denn die polnischen Wanderarbeiter, die auch in der Jugendherberge schliefen, verbreiteten ziemliche Aufbruchstimmung am frühen Morgen. Nachdem etwas Ruhe einkehrte stand ich auf und machte Frühstück. Gegen 09.00 Uhr war dann Abfahrt über Jawor, Richtung Wroclaw. Für diesen Bereich hatte ich eine schöne zweisprachige Karte, so dass ich gut über die Nebenstraßen nach Wroclaw fuhr. Dort angekommen kämpfte ich mich über eine Stunde durch die Vororte, um im dicken Berufsverkehr ins Zentrum zu gelangen. Die erste Amtshandlung war demzufolge erst mal ein Bier am Ryniek (Rathaus), das hatte ich mir verdient. Dabei schoss mir auch gleich die Information ins Auge. Ein äußerst kompetentes Mädchen verstand genau was ich wollte. Einen guten Jazzklub und die Adresse, wo ich evtl. schlafen sollte, zeigte sie mir. Zunächst wollte ich das Quartier ( Schulfreund von E. Lentwojt, mein Verwandter) festmachen, also fuhr ich unangemeldet durch die Vororte Richtung Norden. Leider war mein Stadtplan zu klein, so dass ich die Straße „Jana Brzechwy“ nur nach Gefühl suchen konnte. Ein freundlicher Herr half mir aber weiter und mit etwas Gespür fand ich die Adresse. Wie im wahren Leben, keiner zu Hause im Reihenhaus. Die Aktion verbuchte ich unter Stadtrundfahrt und wusste genau wo ich als nächstes hinfahre, in den Jazzklub.
Im Jazzklub angekommen empfing mich cooler Sound und ich brauchte erst mal ein Bier nach der kleinen Odyssee. Das Fahrrad konnte ich im Hinterhof abstellen. Der freundliche Barkeeper stellte mir auf Anfrage zu einer Übernachtung sein Laptop zur Verfügung, damit ich in aller Ruhe recherchieren konnte. Danach zeigte er mir noch ein gutes Restaurant, wo man die deftige polnische Küche bekam. Untergekommen bin ich dann in der Ruska Straße im „Boogie“ - Hostel. Ein neues Hostel mit freundlichem Personal in ruhiger Atmosphäre. Kurz geduscht und umgezogen. Danach ging ´s zurück in den Rura - Jazzklub zum Live-Konzert mit der Gruppe Madlove. Zurück im Hostel rutschte mir erst einmal das Herz in die Hose, denn mein Fahrrad war nicht mehr zu sehen. Nach einer Weile klärte sich die Situation aber auf, denn ein vorsichtiger Mitarbeiter hatte es einfach nur gut gemeint und in einem Abstellraum sicher untergebracht.

5.Tag Wroclaw/Breslau 0 Km ∑ 469 Km

Ausgeschlafen und in Ruhe gefrühstückt, danach ging ich in die Stadt. An einem Blumenmarkt ein schönes Cafe entdeckt und einen Capuccino getrunken. Lange verweilt und völlig entspannt einen Stadtrundgang gestartet. Da es sehr warm war entschied ich mich für eine Bootsfahrt auf der Oder. Sehr gemütlich ging es bis zum Zoo. Von dort lief ich zur Jahrhunderthalle, an welche sich ein Japanischer Garten anschließt, der bei dieser Hitze genau das Richtige für mich war. In einem Kaffee nahm ich noch einen kleinen Snack, um danach mit dem Schiff zurück in die Altstadt zu fahren. In der Information erkundigte ich mich noch mal nach dem kulturellen Angebot des Abends. In der Oper Wroclaw gab es Schwanensee von Peter Tschaikowski und am späten Abend war noch die lange Nacht der Museen. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und schon war ich mit meinen guten aber kurzen Hosen in der Oper. Ein paar böse Blicke konnte ich verschmerzen. Das Haus und die Vorstellung waren sehr beeindruckend. Im Anschluss ging ´s geradewegs ins Rathaus. Die ganze Stadt voller Menschen an diesem milden Abend. Zunächst hörte ich mir noch ein kleines klassisches Konzert an, um danach noch durch die schönen Rathausräume mit den vielen deutschen Spuren zu wandeln. Und weil es so schön war nahm ich noch einen Absacker im Jazzklub Rura.

6.Tag Wroclaw/Breslau - Kepno 129 Km ∑ 598 Km

Da ich auf meiner Reise keine Armbanduhr mit hatte, war ich heute ungewohnt zeitig draußen. Schon vor 08.00 Uhr hatte ich alles zusammengepackt und ging zum Frühstück und startete wenig später. Über Wroclaw lag noch ziemlich viel Ruhe. Außer ein paar Kirchgängern war keiner unterwegs und so fuhr ich aus der Stadt raus, Richtung Osten. Mit meiner groben Karte fuhr ich über Umwege im Nieselregen Richtung Bierutow. In einem Dorf machte ich Pause in einem Buswartehäuschen, als ein alter Mann ankam und mich ansprach. Nach kurzer Verständigung mit Händen und Füßen war ich auf einmal zum Mittagessen eingeladen, was ich mir bei dem Regenwetter nicht zwei mal sagen ließ. Auf dem Bauernhof gab es eine leckere Vorsuppe und es wurde extra noch ein Schnitzel für mich paniert. Nach dem Essen unterhielten wir uns noch eine ganze Weile und wälzten die Landkarte. Im Regen ging ´s dann weiter, potteben auf ewig langen Geraden. Gegen Abend landete ich dann in Bralin, wo ich mich in einem Kiosk nach dem Weg bis Juliusthal erkundigte. Ich wählte den Waldweg. Nach zwei kleinen Dörfern näherte ich mich Juliusthal von hinten. Im Regen fuhr ich ein. Ein kleiner Ort mit einer kerzengeraden Straße ca. 1 Km lang und links bzw. rechts vielleicht je 15 Häuser. Kein Mensch war zu sehen bei dem Wetter. Beim Versuch an einem Haus zu klingeln, bekam ich erst mal Eine vom Klingeltaster gewischt. Dann sah ich drei Jugendliche, sie halfen mir weiter beim Suchen einer älteren Person. Diese fand ich dann auch. Die Frau konnte etwas Deutsch und sie zeigte mir auch die Stellen wo die Familien Konczak und Lentwojt gewohnt haben sollen. Hof Konczak stand noch so da wie vor 64 Jahren verlassen und gleich gegenüber Hof Lentwojt, war nur noch Wiese, nichts mehr übrig vom Hof der Oma. Mehr war hier bei dem Wetter nicht zu machen und so fuhr ich weiter nach Kepno / Kempen. Eine Runde durch den Ort gedreht. Zwischen ein paar kleinen Geschäften entdeckte ich das Kaffee Melange und kehrte ein. Nach einem kleinen Kommunikationsproblem mit der Juniorchefin lernte ich Frantisek kennen. Er setzte sich zu mir und wir redeten den ganzen Abend in Englisch über Gott und die Welt. Er half mir dann auch noch bei der Hotelsuche im Ort. Den Portier mussten wir zwar rausklingeln weil ich der einzige Gast war, aber es war sehr ordentlich und ruhig.

7.Tag Kepno – Czestochowa 125 Km ∑ 723 Km

Am nächsten Morgen bekam ich dann in einem Nebenzimmer mein Frühstück serviert und musst mir die ganze Zeit das Gemecker vom Chef mit seinen Angestellten anhören. Viel Lust hatte ich nicht zum losfahren, denn es regnete schon den ganzen Morgen. Aber was soll ´s und so toll war Kepno nun auch nicht. Bereits im nächsten Dorf lernte ich wieder die Grenzen meiner polnischen Karte kennen, jetzt hatte ich es endlich begriffen und so kehrte ich noch einmal nach Kepno zurück, um in einem schönen Buchladen einen guten Straßenatlas zu kaufen. Nun konnte es weitergehen Richtung Czestochowa. Alles flach und oft kerzengerade fuhr ich im Dauerregen den ganzen Tag. Zwischendurch hielt ich an einer Gaststätte an, denn die waren hier scheinbar ziemlich rar. Außer einem heißen Tee und einem aufgewärmten Baguette mit Ketchup, gab es leider nicht viel mehr, denn die Kellnerin war schwer mit Putzen beschäftigt. Dennoch habe ich mich ganz gut saniert und fuhr weiter bis Czestochowa. Ich wollte einfach mal den katholischsten Ort der Polen erleben und fuhr direkt auf den Berg zum Kloster Jasna Gora. Ein gewaltiges Bauwerk. Da die Menschen gerade in die Kirchen strömten stellte ich mein Fahrrad ab und mischte mich unters Volk. Von Kirchenschiff zu Kirchenschiff ließ ich mich mit treiben, bis ich auf einmal in der Sakristei stand. Dort wurde ich wegen meiner kurzen Radlerhosen höflich darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich unauffällig am Rand aufhalten soll. Somit sah ich mir den Gottesdienst von der Empore an und staunte nicht schlecht wie emsig und zahlreich die Leute am Montag Abend ihrem katholischen Glauben nachgingen. Danach ging ich auf Quartiersuche und landete im Pilgerquartier gleich neben Jasna Gora. Eine freundliche Nonne nahm mich auf und ich bezog mein Zimmer. Frisch geduscht ging ich noch etwas essen und anschließend ins Bett.

8.Tag Czestochowa - Krakow 130 Km ∑ 853 Km

Der Morgen ging bei Zeiten los, denn die über hundert Kinder, welche auch im Pilgerquartier waren, ließen es vor 06.00 Uhr schon richtig krachen. Als sie zum Morgengebet gingen, kehrte Ruhe ein, bis sie zurückkamen. Hier war kein Schlafen mehr möglich. Also stand ich auf, packte meine sieben Sachen zusammen und fuhr in den Ort hinunter, um zu frühstücken. Ich fand ein schönes Cafe, wo ich mit Kaffee und Kuchen in den Tag startete. Danach ging ´s los durch das Zentrum, ohne Beschilderung nur nach Gefühl fuhr ich Richtung Südost. Ein riesiges Gewerbegebiet durchquerte ich und danach fuhr ich eine gute Stunde durch den Wald. Eine Bahnlinie diente mir lange Zeit als Orientierung. Mitten im Wald kam dann ein Mountainbiker gefahren, der mir den richtigen Weg wies. Über Myszkow, Zawiercie, Pilica, Wolbrom fuhr ich im permanenten Nieselregen bis Krakow. Die Stadt ist groß und so brauchte ich wieder eine ganze Weile bis ins Zentrum. Obwohl gut durchnässt, wollte ich unbedingt eine ruhige Unterkunft finden. Mehrere Hostels suchte ich auf und überall fand ich etwas Verdächtiges. Beim 5.Versuch war dann alles voll. Die Rezeption gab mir eine weitere Adresse und so landete ich im Hostel „Good by Lenin". Machte eigentlich einen entspannten Eindruck und es gab auch keine lauten Straßen weit und breit. Also bezog ich ein Zimmer, welches ich mir mit einem Engländer für 2 Tage teilte. Nach dem Duschen ging ich noch etwas essen. Ziemlich kaputt setzte ich mich wegen des Regens in die erstbeste Kneipe und aß vor mir her. Zurück im Hostel war es vorbei mit der Ruhe. Im Keller lief Technomusik und aufgeheizte Schwedinnen sprangen durch´ s Haus. Hier war mit Schlafen nichts zu machen. Entweder mitfeiern oder ärgern. Leider war ich zu kaputt zum Feiern, so lernte ich meine Ohrstöpsel schätzen und schlief den Schlaf der Gerechten.

9.Tag Krakow 0 Km ∑ 853 Km

Nach dem Aufstehen erst mal das polnische Hostel-Standard-Frühstück zu mir genommen. Das ist sehr einfach und war überall gleich. Danach verweilte ich noch kurz bei einem Glas Apfelsaft. Eine freundliche Litauerin stellte mir ihr Laptop zur Verfügung, ich checkte kurz E-Mails und schrieb dem Einen oder Anderen. Anschließend ordnete ich meine Sachen, stopfte die nassen Schuhe mit Papier aus und ging auf Stadterkundungstour. Im Nieselregen erschloss ich mir zu Fuß die schöne Altstadt. Angefangen auf der Burg Wawel bis zum Marktplatz durchstreifte ich die Seitenstraßen. Das kulinarische Angebot ist riesig, ich entschied mich für eine nette Pizzeria. Danach ging ich noch einmal in eine Information, wegen Kulturprogramm am Abend. Im Galizischen Haus in Kazimierz war um 19.00 Uhr ein Klezmerkonzert. Vorher gab es noch eine Stärkung am Kiosk in Kazimierz. Baguette mit Ketchup und Kräutern, eine Spezialität, wie ich später erfuhr. Das Konzert war sehr angenehm. Eine kleine Runde lauschte einem amerikanischen Juden mit seiner Violine und gegen Ende sangen alle mit. Da bekommt man schon mal eine Gänsehaut, wenn man bedenkt, dass Auschwitz gleich um die Ecke ist. Danach ging´ s zurück ins Hostel und ich schaute mir das Championsleage-Finale Chelsea gegen Manchester United auf einem großen Bildschirm mit internationalen Gästen und bei guter Stimmung an.

10.Tag Krakow 0 Km ∑ 853 Km

Ausgeschlafen und gefrühstückt. Danach erfuhr ich, dass das Hostel ausgebucht ist. Da ich noch eine Nacht in Krakau bleiben wollte, ließ ich mir von einem freundlichen Mädchen an der Rezeption ein anderes Hostel vermitteln. So landete ich mitten im Zentrum ca. 100 m von der Marienkirche entfernt im Tutti Frutti Hostel. Gegen Mittag fuhr ich dort ein. Das Hostel war ganz schön, leider musste mein Fahrrad im Gang stehen bleiben, weil einfach kein Platz war. Ich bezog das Zimmer und weckte dabei einen netten Franzosen, der sich später als Ralf vorstellte. Wir plauderten ein wenig, er war gut drauf und hatte die letzte Nacht recht lange gefeiert. Leider hatte ich nicht viel Zeit zum plaudern, denn ich wollte doch die Stadtrundfahrt mit dem Rad machen. Ich buchte gleich unkompliziert im Hostel und fuhr zum angegebenen Treffpunkt. Heute war Fronleichnam, die Stadt war voll mit Menschen. Den ganzen Tag liefen die Gläubigen von Prozession zu Prozession. So viele verschiedene Nonnentrachten hatte ich noch nie gesehen. Gegen 12.50 Uhr kam ich unterhalb vom Wawel an, keiner da. Nach einer Weile fragten mich ein paar Jugendliche, ob ich der Guide sei, denn ich stand als einziger weit und breit mit Helm und Fahrrad da. Ein kurzer Wortwechsel verging bis wir merkten, dass wir doch deutsch sprechen könnten. Vier junge Münchner hatten die gleich Idee, dazu gesellten sich noch ein Mexikaner, zwei Amerikanerinnen, ein Australier und ein Brasilianer. Der Guide kam dann auch noch. Ein Amerikaner, der bereits 10 Jahre in Krakau lebt und als Englischlehrer arbeitet. Wir begaben uns zum Fahrradgeschäft, wo der Rest seine Räder in Empfang nahm. Ich ging in der Zeit in ein schönes Cafe und wartete bei einem Espresso und dezenter Chopin-Musik auf den Start. Nach einer Weile ging´ s los quer durch Krakau mit den Sehenswürdigkeiten Altstadt, Stadtmauer, Kazimierz, Ghetto, Schindlers Fabrik, Aussichtsberg, Drache an der Weichsel und dem Wawel. Über vier Stunden, alles in Englisch. Mir hat es gut gefallen und der Guide sprach auch sehr deutlich, man konnte ihm gut folgen bei seinen Ausführungen. Danach ging´ s zurück ins Hostel, kurz umgezogen und mit dem Franzosen Ralf ins Stadtleben gestartet. Über den Marktplatz nach Kasimierz. Dort in den Klub Alchemia eingerückt. Ein paar Bier bei guter Musik. An einem Grill lernten wir ein Pärchen Exil-Polen kennen, welches derzeit in England lebt. Zusammen verbrachten wir den Abend bei wilder Musik und feierten bis in die Morgenstunden. Auf dem Heimweg gab´ s noch einen Absacker im Park. Flaschensammler durchstreiften ihr Revier, die ersten Leute gingen schon zur Arbeit und wir mittendrin.

11.Tag Krakow – Rabka / Zaryte 76 Km ∑ 929 Km

Gegen 06.00 Uhr ins Bett und kurz vor 12.00 Uhr mit einem Riesenschädel aufgestanden. Geduscht und versucht zu frühstücken. Gegen 13.00 Uhr von Ralf verabschiedet und noch schnell ein paar Karten geordert. Instinktiv fuhr ich irgendwie Richtung Süden und verließ diese herrliche Metropole. Krakow ist sehr schön, ich komme bestimmt mal wieder. Zunächst erst einmal nach Wieliczka zum berühmten Salzbergwerk. Dort war mir dann eindeutig zu viel Rummel und mein Schädel war auch noch nicht wieder richtig hergestellt, so dass ich auf der Straße 964 nach Dobczyce fuhr, wo ich eine kleine Kaffeepause einlegte. Danach war ich wieder Mensch und fuhr durch eine schöne Bergwelt über Mszana Dln, Richtung Rabka Zdroj. Langsam wurde es Zeit für ein Quartier. In Zaryte kurz vor Rabka wurde ich fündig. Eine schöne Pension mit einem ruhigen Zimmer hatte ich heute bitternötig. Nach dem Duschen ging es noch zum Abendessen in eine nahe gelegene Gaststätte. Den Abend habe ich dann in der Pension mit einem polnischen Pärchen aus Warschau verbracht. Dort erfuhr ich viel über polnische Bräuche und Spezialitäten, z.B. den leckeren Zubrowka Wodka, mit Apfelsaft gemischt, ein Gedicht.

12.Tag Rabka / Zaryte - Zakopane 55 Km ∑ 984 Km

Gut geschlafen und mit meinen eisernen Reserven und ein paar Sachen von dem polnischen Pärchen, gefrühstückt. Gegen 09.00 Uhr war Abfahrt, hinter Rabka auf die Straße Nr. 47 Richtung Nowy Targ. Immer schön bergauf im dicken Verkehr bis nach Zakopane. Das lange Wochenende nutzten die Polen für einen Kurzurlaub. In den Bergen der Tatra lag noch Schnee, ein schöner Anblick. Zunächst hielt ich mich Richtung Zentrum, um mich nach einer Übernachtung zu erkundigen. Verschiedene Hostels standen zur Auswahl, die ich dann auch gleich der Reihe nach abfuhr. In der Fußgängerzone herrschte ganz schön viel Rummel, so verzog ich mich auf ein Bier und etwas zu Essen in einen Seitenhof. Das Wetter war prima und so suchte ich anschließend weiter nach einem Quartier. Es gab jede Menge freie Noglegis (Zimmer), zu guter letzt landete ich nach ein paar Stunden in dem Hostel, welches ich gleich als erstes anfuhr. Die Einrichtung war zwar schon ganz schön abgegriffen, dafür gab´ s eine Wanne und ich ließ mir spontan ein Vollbad ein. Wie neu geboren ging ich zurück in die Stadt. Aus einer rustikalen Schänke hörte ich schöne polnische Volksmusik. Ich ging hinein und schaute dem Treiben ein wenig zu. Riesenfleischspiese schien die Spezialität des Hauses zu sein. Mein Appetit nahm zu und ich mischte mich unters Volk. Die Stimmung war prächtig und das Essen herzhaft. Gut gestärkt durchlief ich noch ein paar Bars, bevor ich im Musikclub Prestige abstieg. Dort fand ich dann die Zeit zum Kartenschreiben. Leider war die Musik nicht ganz die meine, gegen Mitternacht verließ ich den Schuppen und ging ins Bett.

13.Tag Zakopane – Zywiec 108 Km ∑ 1092 Km

Gut geschlafen und zum Frühstück in den Keller,im Beisein von zwei schmatzenden Koreanern. Danach war Abfahrt, auf der Straße Nr. 958 ging ´s entlang dem Fluss Czarny Dunajec. Bei einem Bauern machte ich Halt und trank frische Buttermilch. Frisch geräucherten Käse bestimmt viel zu teuer kaufte ich ihm auch noch ab. Über Jablonka fuhr ich in die Slowakei. Die alten Lautsprechersysteme gab ´s noch immer in jedem Dorf. Eine beschauliche Ruhe herrschte dort. Der kleine Abstecher endete dann hinter Rabca, als ich wieder in Polen einfuhr. Mein nächstes Ziel war Zywiec in den gleichnamigen Beskiden, wo ich nach herrlicher Fahrt im Tal des Flusses Clinna am Nachmittag einfuhr. Der obligatorische Kaffe im beschaulichen Zentrum musste sein. Danach fuhr ich an den Zywiecer See . Ein kleiner Trampelpfad führte am Ufer entlang, ich riskierte es und gelangte eher schlecht als recht an eine Surfschule, wo ich mir gleich ein kühles Bier in schönster Abendsonne schmecken ließ. Wenn diese Leute nicht so neureich arrogant gewesen wären, der Platz hätte mir schon gefallen. So fuhr ich weiter und der Zufall führte mich auf einen Zeltplatz, wo ich mit viel Freundlichkeit empfangen wurde. Ein Mädchen sprach gut Englisch, so klappte auch die Verständigung. Mein Quartier war ein Wohnwagen (Bastei). Zum Abendbrot gab´ s eine herzhafte Suppe und ehe ich mich versah war ich auch schon mittendrin in einer gemütlichen Wodkarunde. Dazu gab´ s Surek, die leckerste Mehlsuppe, die ich in Polen bekam. Die Männer erklärten mir mit Händen und Füßen, dass man Surek in Verbindung mit Wodka ewig genießen kann. Als aber dann die vierte Flasche auf den Tisch kam, gingen bei mir die Alarmglocken noch rechtzeitig an und ich dachte an den nächsten Tag und meinen Kater von Krakau. Deshalb verabschiedete ich mich aus der lustigen Runde und ging zu Bett in meinen Wohnwagen.

14.Tag Zywiec – Gliwice/Gleiwitz 136 Km ∑ 1228 Km

Heute Morgen ging es mir erstaunlich gut. Die Herren hatten recht mit ihrer Kombination aus Suppe und Wodka. Nach der Morgentoilette ging´ s ans Frühstücken, welches in Form von Bratwurst mit Sauerkraut gewöhnungsbedürftig aber lecker war. Anschließend fuhr ich weiter direkt am Zywiecer See bis Kety. Eine schöne Gegend zum Radfahren. In Brzeszce überquerte ich noch mal die Weichsel. Im beschaulichen Pszczyna fand ich einen wunderschönen Schlosspark vor, wo ich gerne verweilte und gleich noch ein paar Karten schrieb. Auf der Straße Nr. 935 fuhr ich über Zory nach Rybnik direkt ins Zentrum. Hier stand mir der Sinn nach einer Pause. Aus einem Hinterhof kam schöne Musik und ich kehrte auf ein Bier ein. Dabei kam ich mit ein paar polnischen Jugendlichen ins Gespräch. Auf meine Frage, was das sei, was sie da aßen, ließen sie mir einfach eine volle Schüssel kommen, die ich dann nicht mal bezahlen durfte. Gut gestärkt ging ´s weiter im Schlepptau eines Rennradlers, ohne Rücksicht auf mein Gepäck mit Volldampf aus dem Ort Richtung Rudy. Am Rybniker Stausee wollte ich campen, doch irgendwie war mir der Platz zu groß. Also wurde es wieder interessant, auf einmal wollte ich noch nach Gliwice. Hinter Rudy fuhr ich instinktiv in einen Wald, und bildete mir dabei ein, den kürzesten Weg nach Gliwice gewählt zu haben. Über eine Stunde durchquerte ich den Wald bis ich wieder Häuser zu sehen bekam. Das letzte Stück fuhr ich dann auf der Straße Nr. 78 bis nach Gliwice. Ich fragte mich nach den Studentenwohnheimen durch und fand dort auch eine preiswerte Bleibe. Ein freundliches polnisches Mädchen übersetzte für mich beim Blockwart und trug mir sogar noch meine Packtaschen mit auf das Zimmer. Kurz geduscht und ab ins Zentrum. Leider war am Montagabend nicht viel los und nach ein paar Ehrenrunden fand ich dann im Klub Hemingway ein nettes Lokal. Zurück im Wohnheim brauchte ich wieder mal meine Ohrenstöpsel, denn das Wohnheim war doch sehr hellhörig und ein paar Studenten haben eben immer etwas zu feiern.

15.Tag Gliwice/Gleiwitz – Opole/Oppeln 105 Km ∑ 1333 Km

Trotz der Ohrenstöpsel habe ich gut geschlafen. Frühstück gab´ s im Ort vor einem Cafe. Bei herrlicher Morgensonne ließ ich mir Cappuccino mit Kuchen schmecken. Ja und wo ich schon mal da war, bin ich auch noch zum Sender Gleiwitz raus gefahren, welcher in den ersten Tagen des 2.Weltkrieges in die Schlagzeilen geriet. Der Funkturm ist das weltweit höchste Holzbauwerk. Danach quer durch die Stadt Richtung Opole. Da waren sie wieder, die langen tödlichen Geraden. Der Zufall wollte es, dass ich noch über Annaberg, den alten schlesischen Pilgerberg fuhr. Über Gogolin fuhr ich im Tal der Oder direkt bis Opole. Im barocken Ort ließ ich mich zunächst in einem Biergarten direkt am alten Rathaus nieder. Der Ort war ganz beschaulich und gut besucht, das Leben pulsierte. Beim Bier überlegte ich, wo ich heute bleibe und dachte dabei an eine Jugendherberge. Ein freundlicher Herr half mir dann später eine, ganz in Zentrumsnähe zu finden. Ein schönes Zimmer in der Empore hatte ich für mich. Am Abend ging ich noch einmal los. Lange streifte ich um die Kneipen bis ich mich festlegte. Das Carpaccio und der Wein waren allerdings ein Reinfall. Gegen Mitternacht fand dann auf dem Markt noch ein Theaterspektakel mit Feuer usw. statt. Ich bin zwar fast im Stehen eingeschlafen, aber es war irgendwie beeindruckend.

16.Tag Opole/Oppeln – Arnsdorf(D) 35 Km ∑ 1368 Km (zzgl. Zugtransfer über Wroclaw/Zgorcelec)

Gut geschlafen, aber beim Aufstehen ging ´s mir schon im Magen um. Das polnische Jugendherbergsfrühstück bekam ich nur mit Mühe rein. Nachdem ich die Jugendherberge verlassen hatte setzte ich mich in einem kleinen Park auf eine Bank und schrieb noch ein paar Karten. Bei wunderbarem Wetter fuhr ich an der Oder entlang nach Norden. Als ich mich zunächst auf eine Halbinsel verirrte und beim zweiten Anlauf im Nirvana landete, habe ich mich vor Wut ins Gras geschmissen, um nachzudenken. Nach einer Stunde hatte ich es dann begriffen, dass ich in der Verfassung heute keine Meter mache und entschied mich für einen Zugtransfer. Beim Bahnhof war ich heute schon zum zweiten mal, denn die Post, wo ich am Morgen die restlichen Karten aufgab, lag gleich daneben. Manche Dinge müssen eben weh tun bis man begreift. Über Wroclaw ging ´s bis Zgorcelec. Die ganze Fahrt habe ich nur flach gelegen und versucht zu schlafen. Das Fahrrad musste wie so oft auf dieser Reise ganz alleine auf sich aufpassen. In Zgorcelec half mir ein freundlicher Schaffner beim Aussteigen und dann ging ´s erstmal brutal 40 Stufen nach oben. Jetzt war mir wieder wohler zu Mute und so fuhr ich auf der nächsten Straße nach Westen. Da waren auch schon die ersten Tankstellen mit den deutschen Sparfüchsen. Die Grenze konnte nicht weit sein. Ein Schild führte mich direkt zur Neiße. Am Fluss angekommen musste ich es erst einmal sacken lassen. Die Emotionen entluden sich. Gute 1000 Km durch Polen waren geschafft und ich habe so viel erlebt, die freundlichen Menschen, die herrlichen Städte. Keines von den vielen Vorurteilen kann ich bestätigen im Gegenteil, es ist alles gut gegangen. Ein älterer Radfahrer stand auf der Brücke, ein Tscheche wie sich nach kurzer Begrüßung herausstellte, der den Neißeradweg fuhr. Wir zeigten uns gegenseitig unsere Strecken und nach einer Weile bin ich weiter. Durch die schöne Altstadt von Görlitz fuhr ich auf dem Jakobspilgerweg noch bis nach Arnsdorf ins dortige Landkino. Die Herberge kannte ich vom Pilgern und nach einer Weile kam auch schon der Pfarrer und ließ mich ein. Breit wie ich heute war dauerte alles sehr lange. Von der Suppe und dem Bier nahm ich nur eine Kostprobe. Ein Glück hatte ich die Herberge für mich, um 21.00 Uhr ging ich ins Bett und wurde erst am nächsten Tag um 10.00 Uhr durch ein paar ABM-Kräfte geweckt.

17.Tag Arnsdorf – Dresden 86 Km ∑ 1454 Km

Den Schlaf habe ich gebraucht, heute ging es mir schon viel besser. In Ruhe gewaschen und gefrühstückt. Gegen 12.00 Uhr war dann Abfahrt. Bei herrlichem Radwetter und leichten Rückenwind fuhr ich über Buchholz, Maltitz, Wurschen bis Bautzen. Vom Radweg Sächsische Städtekette war weit und breit nichts zu sehen. Durch Bautzen durch und über die Dörfer Grubschütz, Gaußig, Putzkau landete ich in Oberottendorf. Im Gasthaus Grüne Tanne machte ich Mittag. Danach wollte ich über den Rudenberg abkürzen. Ein schöner Weg, aber eine Irrfahrt. In Weickersdorf beim Bäcker gab ´s dann erst mal Kaffee und Kuchen. Anschließend fuhr ich dann in Großharthau auf die B6 Richtung Dresden, wo ich gegen 18.00 Uhr in Pappritz bei Konni, meiner Bekannten landete. Da sie noch auf Arbeit war machte ich es mir im Garten des Vermieters gemütlich. Wir kamen ins Gespräch und ich umriss kurz meine Reise. Freundlicherweise wurde ich dann auch noch von ihm zum Abendbrot eingeladen. Als dann Konni von Arbeit kam, gab es nach dem Duschen viel zu erzählen bis weit nach Mitternacht.

18.Tag Dresden – Brand-Erbisdorf 56 Km ∑ 1510 Km

Schön mit Konni gefrühstückt. Sie musste zur Arbeit und ich hatte Zeit. Ganz in Ruhe den Aufwasch gemacht und zum Abschied noch ein paar Worte mit dem Vermieter gewechselt. Heute sollte es heiß werden. Bergab ging ´s ins Elbtal auf den Elberadweg. Über ´s Blaue Wunder drüber und auf der linken Seite weiter. An der Waldschlößchenbrückenbaustelle vorbei und vor der Altstadt abgebogen Richtung Süden. Die Beschilderung in Dresden war ganz gut und so war ich schnell durch. Über Freital, wo ich noch einmal die Wasservorräte auffüllte ging´ s nach Tharandt. Die Hitze war schon gewaltig heute, da lobte ich mir in dem Moment eine zünftige Regenfahrt, wie ich sie in Polen manchmal erlebt hatte. Am Tharandter Berg gab ich noch mal alles. Im Tharandter Wald fand ich ein schattiges Plätzchen für ein letztes Vesper. Jetzt war es nur noch ein Katzensprung bis nach Hause. Über Naundorf, Freiberg, wo ich beim Auerbachbäcker gleich noch Eierschecke für den Begrüßungskaffee im Garten orderte, fuhr ich gegen 15.00 Uhr in Brand-Erbisdorf ein. Alles in allem war es eine gelungene Runde durch Polen geworden. Wenn das Land auch nicht gerade zum Radfahren einlädt, sind es doch die vielen positiven Eindrücke die in Erinnerung bleiben.

Verwendetes Kartenmaterial: ADFC-Radtourenkarte 14 Lausitz Östl. Erzgebirge 1 : 150000 € 6,80 ADFC Große Deutschlandkarte mit Fernradwegen gratis zur Kartenbestellung BVA Bielefelder Verlag www.fahrrad-buecher-karten.de Ravenstein - Länderkarte Polen 1 : 750000 € 7,50 Höfer-Verlag - Polen Mittelschlesien 1 : 200000 € 10,90 Copernicus-Autoatlas Polen 1 : 250000 Zt 39,90 Streckenansicht kopiert aus Power Route 9 professional Bilder gibt es auch im Picasa - Webalbum ©opyright by Sven Vetters

pdf-Datei zum Download
Bilder zur Reise gibt es im Picasa Webalbum!
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#499215 - 11.02.09 23:19 Re: Brand-Erbisdorf nach Polen und zurück [Re: Triangel]
Falk
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Hm, solche Reiseberichte lese ich lieber als Textdokument oder gedruckt im Bett. Ich bin also noch nicht fertig - aber es geht schonmal gut los.
Eins ist mir aber nicht klar: Was bedeuten die kryptischen Streckenangaben?
Zitat:
148 Km ∑ 258 Km

Irgendein Zeichen scheint heftig entgleist zu sein.

Falk, SchwLAbt
Falk, SchwLAbt
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#499233 - 12.02.09 06:33 Re: Brand-Erbisdorf nach Polen und zurück [Re: Falk]
Triangel
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Beiträge: 39
Hallo Falk,

das ist das Summenzeichen!
Habe den Beitrag im Power Point erstellt und einfach Seite für Seite ins Forum kopiert. Wollte nichts mehr korrigieren.
Als pdf mit ein paar Bildern siehe ganz unten im Beitrag, ein Downloadangebot.

Tschüß Sven!
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#499322 - 12.02.09 14:31 Re: Brand-Erbisdorf nach Polen und zurück [Re: Triangel]
Falk
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Σ
Seltsam, in der Voransicht funktionieren griechische Zeichen, nach dem Senden sind sie kaputt.

Inzwischen habe ich den pdf-Link auch gefunden. Mit Bildern im Text ist es natürlich besser.

Falk, SchwLAbt
Falk, SchwLAbt

Geändert von falk (12.02.09 14:33)
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#499719 - 13.02.09 20:47 Re: Brand-Erbisdorf nach Polen und zurück [Re: Triangel]
michiq_de
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Beiträge: 620
Hallo, Sven,
toller Bericht, gefällt mir.
1. Frage: Warum lächelst du nicht auf der Reise? Die Bilder mit Dir sehen aus, als ob es Dir nicht soviel Spaß gemacht hätte.

2. Frage: Wie sind die Preise in Polen? Kann man da eine preiswerte "Low-Budget"-Reise machen?

3. Du hast immer in festen Quartieren übernachtet. Aus Prinzip, oder wolltest du das GEwicht der Campingausrüstung sparen?

4. Wie voll sind die Unterkünfte im Hochsommer?

Danke für Deine Antworten
mfg
michiq_de
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Off-topic #500050 - 15.02.09 12:56 Re: Brand-Erbisdorf nach Polen und zurück [Re: michiq_de]
Job
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In Antwort auf: michiq_de

2. Frage: Wie sind die Preise in Polen? Kann man da eine preiswerte "Low-Budget"-Reise machen?

Im Supermarkt Lidl, Kaufland, Plus... nicht anders als in Deutschland. Camping war auch nicht wesentlich billiger (und wenn dann auch nicht sonderlich gepflegt.)
Bahnfahrten und Dienstleistungen sind günstiger als in D.

In Antwort auf: michiq_de

4. Wie voll sind die Unterkünfte im Hochsommer?

In Pl gibts zentralferien, ähnlich wie in DDR oder F. D.H. dann sind in den Touristengebieten nur noch mit Mühe gute unterkünfte zu bekommen, oder die Preise sind entsprechend.
An der Ostsee im August, ist es ganz drastisch.

job
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Off-topic #500101 - 15.02.09 14:35 Re: Brand-Erbisdorf nach Polen und zurück [Re: Job]
mgabri
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Beiträge: 8973
In Antwort auf: Job

In Pl gibts zentralferien, ähnlich wie in DDR oder F. D.H. dann sind in den Touristengebieten nur noch mit Mühe gute unterkünfte zu bekommen, oder die Preise sind entsprechend.
An der Ostsee im August, ist es ganz drastisch.
Zusätzlich haben manche Zeltplätze nur in den Ferien offen. Ich war mal im September dort, da war fast alles wieder zu.
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#500248 - 15.02.09 20:58 Re: Brand-Erbisdorf nach Polen und zurück [Re: michiq_de]
Triangel
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Themenersteller
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Beiträge: 39
Hallo Michiq...

vielen Dank für Dein Lob.
Habe mich sehr darüber gefreut, nicht zuletzt weil ich es in der letzten Woche endlich mal geschafft habe, Dank der Hilfe einiger Bikefreaks, den Bericht zu veröffentlichen.
Bin gerade von einer ausgiebigen Wochend-Skitour über den Erzgebirgskamm zurück. Bis auf den kalten Wind war es phantastisch. Nur das beim Skifahren wahrscheinlich andere Muskelgruppen beansprucht werden, wie beim Radfahren, will heißen, ich bin ziemlich kaputt.
Nun zu Deinen Fragen:

1. Warum lächelst du nicht auf der Reise?

Die Reise hat mir sehr wohl viel Spass gemacht. Vielleicht liegt es an meinem Gesicht, es gibt aber auch andere Bilder "Mit Lächeln" von mir, die sind aber eher rar, weil ich nicht gerne die tollen Momente mit meiner Kamera, unterbrechen will. Deshalb gibt es z.B. vom Zywiecsee, wo der Wodka am Vorabend in Strömen floss, nur ein Bild vom Tag danach. Was ich auf jeden Fall sagen kann ist, dass die Polen ein sehr zugängliches Völkchen sind und sie verstehen es auch zu feiern.

2. Wie sind die Preise in Polen?

Meine Erfahrung war die, das es eigentlich erschwinglich ist, z.B. die Jugendherberge in Zlotoryja kam so um die 10,-€. Ein Hostel im schönsten Stadtzentrum von Breslau oder Krakow ca. 15-20 €. Der Wohnwagen am Zywiecsee wurde mir zum Zeltpreis überlassen..8,-€.
Es ist kein Billigland, aber ich fand, es war immer eine ordentliche Gegenleistung da.

3. immer in festen Quartieren übernachtet

Ich hatte das Zelt wie immer dabei, aber es ist nur meine eiserne Reserve, weil ich nicht der geborene Campingfreund bin und es hatte sich immer irgend etwas Festes ergeben.

4. Wie voll sind die Unterkünfte im Hochsommer?
Meine Reise war ja im Mai. Mein Motto ist immer, allein gibt´s überall einen Platz und wenn mal nicht, dann soll es so sein, da baue ich dann mein Zelt irgendwo auf, wo es ruhig ist.

Fazit:
Polen ist dort, wo ich unterwegs war kein Fahrradparadies, aber es ist sehr interessant, die Städte pulsieren und sind alleine schon die Reise wert gewesen. Und der Menschenschlag lag mir sehr, ich kam überall gut zurecht, meistens in Englisch, manchmal Deutsch und als Reserve hatte ich noch von "Reise Know How", "Kauderwelsch Polnisch" dabei, was mir immerhin den Zutritt zur Jugendherberge in Zlotoryja ermöglicht hat.
Ich hoffe Du bist jetzt wieder ein Stück schlauer, ansonsten melde Dich!
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#500505 - 16.02.09 20:47 Re: Brand-Erbisdorf nach Polen und zurück [Re: Triangel]
michiq_de
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Beiträge: 620
Hallo, Sven,
erstmal danke für Deine Antwort. (und an die anderen natürlich auch). Ich bin noch am Planen und überlegen.
Randbedingungen: Ich bin berufswegen an Ferien gebunden, fahre mit dem Lieger.
Ich war noch nie seit Einführung des Euro in einem Euro-Land vs vllt fahre ich in ein Low-budget-LAnd (PL oder Tchechien), S oder F interessieren mich auch.
Ich habe von meiner "weiblichen Regierung" die Genehmigung für 3...4 Wochen erhalten.
viele Grüße
michiq_de
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#500518 - 16.02.09 21:34 Re: Brand-Erbisdorf nach Polen und zurück [Re: michiq_de]
Job
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 17253
Polen hat aber noch Zloty, die Tschechen die Krone,
Euros gibts nur in der Slowakei.

job
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