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#692096 - 09.02.11 23:25 Lettland 2010
syltmatze
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 114
Dauer:19 Tage
Zeitraum:17.6.2010 bis 5.7.2010
Entfernung:775 Kilometer
Bereiste Länder:lvLettland
ltLitauen
Externe URL:http://tourenleben.de

Ich werde meinen "Einstand" hier mal über einen Reisebericht geben. Da ich gerade erst angefangen habe meine Reiseberichte zu veröffentlichen, freue ich mich über Feedback. Das Schreibfehler drin sind, schliesse ich nicht aus. Ich muss also nicht darauf hingewiesen werden XD


"Öfters mal was neues" muss ich mir gedacht haben, als ich mich dazu entschied mit der Fähre Richtung Baltikum (Litauen, Lettland, Estland) zu fahren. Diese Entscheidung fiel recht kurzfristig, da ich eigentlich mit jemanden zusammen von Bratislava nach Budapest fahren wollte....Aber da es oftmals anders kommt als man denkt...

17.6.2010 : Elmshorn - Neumünster - Kiel

Traumhaft blauer Himmel am morgen um 9 Uhr. Ich entscheide mich in Richtung Kiel zumindest bis nach Neumünster mit dem Liegerad zu fahren. Über die Qualität der Radwege kann ich nicht meckern, über gaffende Radfahrer die gerne mal stehen bleiben, schon.
Ich bin jedoch in Urlaubsstimmung und verzeihe großzügig. In Neumünster kurz ein Abstecher zur Oma, und dann weiter mit dem Zug nach Kiel. Hier angekommen offenbart sich meine "Flusigkeit"."Ostterminal" ist nicht gleich "Ostuferhafen". Fazit: Ein Umweg von 4 Kilometern. Ich erreiche dennoch um 19 Uhr die Fähre zum Check in. Ich finde recht schnell meinen gebuchten Schlafsessel. Den ignoriere ich anfangs und suche mir eine Stelle wo ich meine Isomatte ausbreite. Ich bin nicht der einzige Bodenschläfer. Außer kollektives Fussball gucken (WM, Deutschland gegen Serbien) und gelegentliches an Deck gehen, verläuft die Überfahrt ereignislos.
Nachts mache ich mir Gedanken ob ich die anderen durch mein Schnarchen wecke. Letztendlich kommt es dann ganz anders: Die anderen schnarchen, ich bin wach.

18.6.2010: Klaipeda (Litauen)

Ankunft um 18 Uhr in Klaipeda. Der Hafen ist verdammt lang. 12 Kilometer erst ein mal bis zur Hafeneinfahrt an die Küste zurück. Die ersten Kontakte mit litauischen Autofahrern machen mir Mut. Oft Rücksichtslos, aber sie lassen mich am leben.


Einfahrt in den Hafen von Klaipeda (Litauen)


Hafen Klaipeda (Litauen)

Mein Zimmer ist schick, mit Dusche und WC, inkl. TV. Das TV Programm verstehe ich nicht, dafür die Schreie aus dem Nachbargarten (ich blicke von der ersten Etage in ihm rein). Hier schlagen sich zwei Ü 30 Kerle. Der eine blutet schon aus einer Wunde am Kopf. Der Plastikgartenstuhl mit dem der andere ihn schlägt, sorgt nicht unbedingt für Besserung. Ich bin erschrocken und flitze runter in die Gaststube und bitte die Wirtin doch die Polizei zu rufen.
Nach dem Schreck esse ich etwas und und "entsorge" zwei mitgebrachte Dosen Becks Bier am Strand.


Strand von Klaipeda (Litauen)

Ich glaube mir gefällt es hier trotz der groben "Umgangsformen".

Nach einer gelungenen Ankunft, sich prügelnde Kerle und einen schönen Sonnenuntergang geht es nun erst richtig los!

19.06:Klaipeda (Litauen) - Palanga - Bernati (Lettland) (84 km)

Wie soll es anders sein? Ich stehe morgens auf und es regnet. Wie schön das ich dieses mal meine kompletten Regenklamotten dabei. habe. Nach einem Pfannkuchen Frühstück mit Kaffee starte ich dann letztendlich (als Michelin Männchen verkleidet) meine Tour. Die ersten Kilometer ist der Radweg durch den Wald einfach nur miserabel.


nähe Palanga (Litauen)


nähe Palanga (Litauen)

Wie schön das ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste das der super angelegte Küstenradweg ganz in meiner Nähe verläuft...
Nun gut, später stosse ich auf diesen absolut genialen Radfahrer Highway. Insgesamt ist er 200 km lang und verläuft mehr oder weniger in der Nähe der litauischen Küste.

Mittlerweile ist der Regen der Sonne gewichen. Kurz vor Liepaja mache ich Mittag. Preise günstig, aber nicht enorm billig. Etwas später rolle ich durch Palanga. Touri Ort. Was soll ich sagen? Fressbuden, Spielbuden und Süsswarenbuden. Nun ja, und eine ziemlich lange Seebrücke.
Ein junges Pärchen hält mich an und stellt Fragen zu meinem Rad. Er ist ein ganz toller und ruft mit seinem Handy gleich die Herrsteller Seite auf. Wenn das so weiter geht, sollte ich mich wohl mal demnächst im Urlaub von Toxy sponsoren lassen, alleine nur für´s "gesehen werden".

Der Campingplatz liegt etwas abgelegen hinter einem größeren Bauernhof, unweit vom Strand. Der Empfang ist freundlich. Die Freude bleibt bestehen, als ich mangels landestypischer Währung (ich bin mittlerweile in Lettland) mit einen Littauischen 50 LitasSchein bezahle. Am nächsten Morgen geht mir aud das es rund 15 Euro gewesen sind die ich großzügig bezahlt habe. Scheiss Umrechnerei!
Der Gegenwert den ich bekomme ist okay. Drei Bier und etwas später bringt mir ein junges Mädchen frisch geräucherten Fisch. Ich entscheide mich das kochen sein zu lassen und satt zu sein. Nach einem Strandspaziergang bin ich dann um 23 Uhr in meine Penntüte gekrochen.


Abendbrot

20.06.:Bernati - Liepaja - Audari - Saldus (96 km)

Bei bestem Wetter um 8 Uhr los. Durch Liepaja durch. Paralell verlaufend zur vielbefahrenen Schnellstrasse A9 habe ich mir eine Alternativstrecke ausgewählt. Blöd nur das nach 10 Kilometern Schluss mit der Teerstrasse ist, es hügeliger und "schottriger" wird. Meine Begeisterung sinkt in den Keller.25 Kilometer fahre, bremse, rutsche und schiebe ich mich voran. Es ist heiss und der letzte Wassertropfen ist verzehrt. Die Fliegen um mich herum nerven einfach nur.


unterwegs

Nach geräucherten Fisch, Fliegen und Schotterpisten und einer Etappenplanung die nicht gehalten werden kann, geht es weiter, Richtung Riga. Und das in einer Etappe von 150 Kilometern.

21.6.2010 Saldus - Riga, ca. 152 km

Der Morgen beginnt mit schmerzenden Beinen und einem Hotelfrühstück. Der Kaffee lässt sich nur schwer vom Tee unterscheiden (geschmacklich). das Zimmer war im nachhinein ein kleines Highlight. Entweder ist in den Zimmern die Zeit stehen geblieben, oder jemand mit einem Faible für die 70èr Jahre hat hier eingerichtet.
Die Fahrradkette bekommt ihre Ölung, sicherlich nicht die letzte, auch wenn ich meine Kette und das Ritzelpaket schon recht gut "runter gefahren" habe. Ich besorge mir im Supermarkt in der Nähe Getränke und Bananen. Unterwegs kommt noch das eine oder andere Backwerk dazu. Mittlerweile habe ich einen Riecher für Bäckereien ;-).


Kurs auf Riga

Dieses Jahr bin ich ohne Tachometer unterwegs. Wozu wissen wie schnell ich gerade bin? Die Rechnerei die ich bisher immer angestellt habe (wann ich bei Geschwindigkeit "XY" in Ort/Stadt "Z" bin) ist in der Regel daneben gegangen. 10 Minuten Rad schieben versaut einen in der Regel jede ach so tolle Rechnung. Die grobe Schätzung anhand der Kilometerangabe auf der Karte reicht vollkommen.


Unterwegs Richtung Riga

Heute merke ich bei Kilometer 100 (ca.) das ich einfach nur absteigen will. Ich zwinge mich jedoch durchzuhalten. Ich stoppe nur für kurze Pausen, oder um mal wieder Regenkleidung an oder auszuziehen. Mit schmerzenden Muskeln und einer Wettermischung aus Schauer und grau rolle ich über einen sechsspurigen "Highway" in Riga rein. Die breite Strasse ist mir nicht geheuer, aber mit der gelben Neonweste die ich über mein Gepäck gezogen habe, fühle ich mich etwas sicherer.
Mein Hostel finde ich recht schnell. Es liegt unweit der großen Markthallen, mitten im Basar Areal. Nun denn...


Blick aus dem Hostelfenster in Riga


home sweet home



wäscheständerrad

Stinkend (schweiss) und mit dicken Beinen checke ich mich ein. Wieder eine kleine Zeitreise in die Udssr, zumindest von der Einrichtung des Hostels her. Mir gefällts. In frischer Kleidung und geduscht schaffe ich es noch zum Supermarkt um mein Abendbrot zu kaufen. Später möchte ich noch etwas Musik mit meinen MP3 Player hören. Der entscheidet sich doch mir ein "empty battery" anzuzeigen. Bei allen Batterien die ich einlege dasselbe. zensiert! In den nächsten Tagen schenkt er mir immer wieder ein paar Minuten, aber verabschiedet sich immer wieder recht fix. Erstaunlich: Auf der Rückfahrt funktioniert er ohne Probleme).
Nun gut, ich leiste mir den Gewichtsluxus und habe drei Bücher dabei, die ich nach und nach ablege sobald ich sie ausgelesen habe. Eine gute Alternative:).

22.6-23.6.2010: Riga

Nach einem bis 11 Uhr andauernden Ausschlafen habe ich erst einmal die nähere Umgebung erkundet. Mir fällt und fiel schon auf das ich in einem sehr sauberen Land unterwegs bin. Vieles ist alt und oft auch baufällig, aber sauber.


Leben in Riga


Park in Riga

Auf dem riesigen Basargelände um meinem Hostel herum bekommt man alles. Vom Gemüse über Obst, Parfüm, Kleidung oder Haushaltsbedarf. Auch nur einen Steinwurf entfernt befinden sich die Markthallen. Mir bereits bekannt aus der Ukraine. Hier allerdings mit Kühltheken.


Markthallentreiben


mampf mampf

Die Stadt gefällt mir, auch wenn statt größerer Plätze, sich überall mehrere kleine befinden. Es ist Markt in der Stadt (im Rahmen der Festivitäten zur Midsommernacht). Lebensmittel, Honig, Kleidung und natürlich Souvenirs können gekauft werden.


Midsommernacht naht...

Am Dom ist eine Bühne aufgebaut, auf und vor der Bühne tanzen recht rege alte Leute. Die Stimmung auf dem Markt gefällt mir.


Festivitäten zur Midsommernacht...

Ich finde in einer kleinen Gasse auf meinem Spaziergang Ein Kartengeschäft. Eine Karte mit einem geringeren Masstab ist fällig! Auf dem Rückweg ins Hostel kaufe ich mir noch eine Salami. Während mich der Käse bisher nicht begeistert hat, ziehe ich meinen Hut vor den hiesigen Wurstwaren.
Auch wenn ich genug Geld mitgenommen habe, irritiert es mich das meine Karte an den Geldautomaten nicht funktioniert. Komisch.

23.6. Riga

Der Tag beginnt erneut nach einem längeren Ausschlafen mit einem guten Frühstück. Es gibt sogar Cornflakes. Diese zu kaufen waren keine Schwierigkeit für mich. Die Gefahr sich aber statt Milch sonstwas über die Cornflakes zu kippen, recht groß. Wie schön das ich dank einer Milchtüten sammelwütigen Kollegin gelernt habe, das Milch in russischer Sprache "Monoko" (o.ä.) heisst. Am Nachmittag bin ich in die Stadt gewandert ohne bestimtes Ziel. Ich stelle fest, das die Vorbereitungen für die Midsommernacht in vollem Gang sind.
Eine riesige Straße entlang des Flusses "Daugava" ist bereits gesperrt. Links und rechts entdecke ich weiße Pavillonzelte. Auch erspähe ich drei große Bühnen. Insgesamt macht es jetzt schon optisch einen guten Eindruck, ganz anders als die Optik unserer Sauf & Fressfeste...ähhh... Stadt und Hafenfeste.
Ab 20 Uhr soll es hier los gehen. nun denn. Ich nehme mir vor erst das Fussballspiel Deutschland gegen Ghana auf der riesigen Leinwand in der Stadt anzuschauen. Eine einstündige Schiffahrt auf dem Fluss gönne ich mir auch noch. Nicht spektakulär, aber doch reizvoll Riga mal mit etwas Abstand vom Wasser her betrachten zu können.
Um 18 Uhr habe ich dann in meinem Zimmer gekocht (Auweia, wenn das rausgekommen wäre...).Putensteak vom Markt geschnetzelt mit Kartoffelwürfeln sowie Zwiebeln und Knoblauch und eine Soße aus Schmelzkäse und Milch. Ich bin stolz auf mich, denn es schmeckt. Der Feuermelder an der Decke hat mich dank offener Fenster auch nicht verpetzt.


Kochen im Hostel schmunzel

Ich ziehe rechtzeitig vor dem Fussballspiel los um wieder in die Stadt zu gelangen. Natürlich bin ich nicht alleine als Deutscher vor der großen Leinwand um das Spiel zu sehen. Vom "geistigen Verbaleinzeller" bis hin zu angenehmen Gesprächspartnern ist alles vertreten. Nach dem Spiel ziehe ich zur gut gefüllten Festmeile. Überall riecht es nach Schaschlik.


Schaschlik

Es gibt auch andere Leckereien zu kaufen, ebenso Bier und Kaffee. Die turmartigen Holzstapel brennen mittlerweile. Das Wetter ist gut, die Himmelskulisse spielt mit.


Midsommernachtparty in Riga


Party


Midsommernachtsspektakel in Riga

Ich fühle mich hier wohl, erlebe ein ähnliches Feeling wie in Tschechien.
Auf den Bühnen wird für unterschiedlichste Zielgruppen etwas geboten. Ich schaue mir alles eine Weile an, eh ich mit einem Bier in der Hand den Heimweg antrete. Auf dem wie ausgestorben wirkenden Markt experiementiere ich noch etwas mit meinen Kameraeinstellungen und fotografiere die Markthallen bei Nacht. Um 2 Uhr bin ich dann schon am schlafen.


Nachts in Riga


Der Markt bei Nacht in Riga

24.6. Riga - Jurmala - Apsuciems (ca.53km)

Um 9.00 Uhr bin ich bereits am treten. Herrlich. Kaum Autos um mich herum. Das liegt sicherlich daran, das so mancher Autokutscher es gestern richtig krachen lassen hat und mit schweren Kopf noch im Bett liegt. Aus Riga komme ich zügig raus. Meine besten Freunde auf dieser Tour (die Fliegen) auch. Jurmala lässt sich recht einfach beschreiben: Hotels, Sandstrand, Fress und Amüsiermeile. Ich esse eine Pizza und lasse wieder einmal mehr mein Rad begucken. Die Orte werden hinter Jurmala immer kleiner. Irgendwann habe ich keine Lust mehr zu radeln und stelle auch mal wieder fest das ich in Sachen Geldtausch gepennt habe.
Eine nette Rezeptionistin erbarmt sich meiner und tauscht 50 Euro. Ich möchte nicht unhöflich sein und frage daher (um Sie mit meiner Gesellschaft zu erfreuen) ob ich auf dem Gelände des Hotels zelten darf.


Mein Zelt

Das ist kein Problem. Hinter einer Reihe von Bungalows kriege ich ein Stück Rasen zugewiesen. Unschön: Mücken. Schön: Ein Bistro. Ich verbringe den Abend mit der einen oder anderen Hopfenkaltschale und einem guten Buch.

25.6. Apsuciems - Engure - Mersrags - Kalterne (ca.55 km)


on the road


ich

Um 10 Uhr los. Zunehmender Schweissgeruch und eine noch größere Fanschaar an Fliegen als noch am Vortag lassen mich von einer Dusche träumen. Pinkeln im Wald geht auch nicht klar, es sei denn man ist bereit den Druck der Blase gegen mindestens 200 Mückenstiche zu tauschen. Ich befinde mich in der "ich beiss in den Lenker" Stimmung. Blöd. Der ist beim Liegerad unter dem Sitz angebracht. Ich finde mal wieder den Campingplatz nicht (oder will ihn nicht finden). Die Nacht verbringe ich in einem Gasthaus für ca. 8 Euro. Sehr sauber und traumhafter Meerblick. Die Selbstversorger Küche lädt zum kochen ein. Gesättigt falle ich irgendwann abends (nach einem Bad im Meer) ins Bett.

26.6. Kaltene - Talsi - Spare (ca.75 km)

Ja, so soll es sein! Bei blauen Himmel um 9 Uhr gestartet. Das Frühstück fiel recht mager aus und bestand nur aus Obst und Müsliriegel. Ich hatte wieder mal ein Brot mit Kümmel am Start. Die Leute lieben es hier, ich hasse es. So einfach ist das. Etwas Gegenwind sorgt dafür das ich auch mal fliegenfreie Sicht habe. Fein. Meine Kette springt in unregelmässigen Abständen über einzelne Zahnkranzritzel. "Selber Schuld", denke ich, ich habe mich schliesslich vor dem Urlaub entschieden Kette und Ritzelpaket aufzufahren. Die Probleme werden allerdings nicht schlimmer. Durchhalten! Der Campingplatz auf dem ich mich nun befinde, ist top. Ein riesiges Wiesenareal umgeben von Wald. Etwas schwierig war die Anfahrt. Fast 4 Kilometer Schotterpiste und dann nochmal ein paar hundert Meter Sandweg. Hat sich aber gelohnt. Der Blick auf den See ist phantastisch.


schlecht zu fahren mit dem Liegerad...


praktisches toxy


dafür lebe ich!

Zum Abendbrot gibt es "Pelminis" (russische Teigtasche mit Fleisch gefüllt). Viele Libellen sind hier unterwegs, die einen gesunden Appetit auf Fliegen haben. Wohl bekomm´s!

27.6.: Spare - Ugale - Pope - Ventspils (ca. 60 km)

Entspannte Etappe, sonniger Tag wäre ein schönes Fazit, wenn mich nicht auch noch etwas in die linke Schulter gestochen hätte, was definitiv mehr Gift abgegeben hat als eine Mücke oder Bremse.


bildversion eins


bildversion zwei

Gegen Abend bin ich am Hafen entlang in die Stadt gelatscht. Schön. Und endlich mal keine Fressbuden und Amüsier Meile.

28.6.: Ventspils

Heute habe ich....nichts gemacht! Bis 15 Uhr lag ich auf dem Schlafsack vor dem Zelt, hab der Hitze beim flimmern zugesehen oder mir immer mal wieder heisses Wasser für einen Instant Kaffee geholt. Mein Platz genial. Inmitten eines Waldes. Nicht finster, aber auch nicht so heiß wie in der prallen Sonne. Ich bin so etwas von entspannt. Erstaunlich. Ich plane meine Etappen für die nächsten Tage, und bin gegen Abend schwimmen gegangen, an Europas längsten Badestrand.


ventspils


strand von ventspils

Mein Campingplatz ist mit über 5 Euro pro Nacht recht teuer für lettische Verhältnisse, aber dafür sehr sauber und mit angenehmen Sanitäranlagen und einer großen Selbstversorgerküche. Abends habe ich mich noch recht nett mit einem jungen Pärchen aus Cottbus (hi@Jan und Ninni) unterhalten. Die Unterhaltung war sehr hilfreich, da ich für meine nächste Übernachtungsmöglichkeit einen super Tip bekommen habe.

29.6.: Ventspils - Kuldiga (ca. 65km)

Um 8.30 Uhr los bei gefühlten 30C. Und das morgens! Bis auf das letzte Drittel ging die Strecke gut von der Pedale. Das letzte Drittel lässt sich ganz gut mit Wald+Fliegen+Bremsen(stiche) ganz gut beschreiben.
Das Hostel (mit Campingmöglichkeit) habe ich recht schnell gefunden. Der Oberkracher! Ich habe zwar nur auf der Wiese vor dem Haus campiert, durfte aber die Sanitäreinrichtungen und Küche mitbenutzen.


am "Wasserfall"


Ausblick


Wasserfall oder Stromschnelle?


komm bald wieder Sonne

Das Haus ist von innen sehr modern ausgestattet, von aussen sind die 100 Jahre erkennbar. Der Blick vom Zeltplatz aus traumhaft! Rechts blicke ich auf eine sehr alte, über 200 Meter lange Brücke. Zur linken Seite blicke ich auf "Europas breitesten Wasserfall". Er ist zwar nur etwas über einen Meter hoch, dafür aber 247 Meter breit. Eine beliebte Badestelle, die ich natürlich auch aufsuche. Genial.Rückenmassage for free!
Etwas traurig ist der Tod meiner über 4 Jahre alten Tourenschlappen.
Um 19 Uhr checkt sich dann noch eine dreiköpfige Familie aus Jena ein mit der ich mich noch recht lange unterhalte.

1.7. : Kuldiga - Pavirosta - Liepaja (ca.62km)

Um 9 Uhr habe ich bereits die ersten Kilometer hinter mich gebracht. Von wenigen Ausnahmen (die es in sich haben), ist die Strecke in Ordnung. In Liepaja weit und breit kein Campingplatz zu finden. An dem von mir angepeilten Hostel in der ehemaligen "Sowjetstadt Karosta" fahre ich mal wieder vorbei. Toll. In einer der großen Häuserruinen zu pennen hätte sicherlich auch Charme.
Irgendwelche Trümmer die mir beim schlafen auf den Kopf fallen allerdings weniger.


andere "Einblicke"

Dieser Stadtteil hat Charme. Ein Teil der Häuser ist bewohnt, ein Großteil am verfallen. Ursprünglich eine eigenständige "Stadt" mit eigenem Kraftwerk, eigenen Supermarkt und Krankenhaus.
Das "Bed & Breakfast" Hostel in Liepaja entecke ich eher zufällig. Für 10 Lats bekomme ich ein großes Zimmer inkl. TV. Ich bin der einzige Bewohner. Ich darf die Küche benutzen. Nach dem einkaufen ist dann auch erst einmal Omelett zubereiten angesagt.
Freundschaft schliesse ich mit der Esspressomaschine. Der Computer mit Internetzugang schenkt mir 5 Minuten Zugang ins www ehe er sich mit einem Blue Screen verabschiedet.
Mit niveauvollen TV Shows" Made in Germany" schlief ich ein.


Strand

2.7. : Liepaja - Likuma Ciems (ca. 43km)

Auch diese Etappe kennzeichnet das Auslaufen des Urlaubs anhand der Kilometer. Im Grenzbereich zu Litauen bin ich einem kleinen Schild gefolgt, welches mich durch einen Wald und über Felder, verfolgt von Bremsen und anderen großen Brummern zu einer kleinen Lichtung brachte, auf der sich ein Haus mit mehreren kleinen Mietbungalows befand. Ich baute mein Zelt auf dem Rasen auf, und verkroch mich auch recht zügig in dieses aufgrund des "Fliegzeugs".

3.7.: Likuma Ciems - Giruliai (Klaipeda) (ca.30km)

Schaulaufwen bzw. Schauradeln! 30 Kilometer sind entspannt. Dementsprechend locker radel ich über die Grenze zu Litauen und stosse kurze Zeit später auf den 200 Kilometer langen Küstenradweg.


nur schön!

Ich radel durch ein paar Küstenorte. Erstaunlich viele Campingplätze mit unterschiedlichen Standarts entdecke ich. Jede/r der eine Wiese besitzt, scheint auf Campingplatz zu machen.
Ich steuer einen recht teuren Campingplatz an, der einen recht hohen Standard fährt. Ich finde ein schattiges Plätzchen im Wald. Ich checke mich für 2 Tage ein. Um 17 Uhr schaue ich mit mehreren das WM Spiel Deutschlang gegen Argentinien. Arme Argentinier. Nicht mal das letzte Hemd wurde ihnen gelassen.
Und Maradonna hat richtig den A.....versohlt bekommen!. Herrlich!
Weniger herrlich ist das zu ende gehen meiner Barschaft. Ich komme gerade noch so aus.


back to the union


es war schön!

4.7.: Giruliai (Klaipeda)

Der Tag beginnt mit Frühstück und nichts tun. Zumindest bis 15 Uhr. Ich schmeisse mich aufs Rad und checke einen Teil der morgigen Strecke ab. Und sieh da: Ich finde einen Teil vom Küstenradweg den ich auf dem Hinweg übersehen habe. Vielleicht komme ich morgen so stressfrei zur Fähre? Denn auf einer mehrspurigen Strasse den Autofahrern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein, macht keinen Spass.
Am späten Nachmittag bin ich baden gewesen. Am Abend gab es dann "Pelminis".
Morgen geht es dann auf die Fähre, übermorgen bin ich dann wieder daheim. Mir hat es hier sehr gut gefallen. Die Menschen sind mir ähnlich entspannt gegenüber getreten wie in Tschechien. Sehr motivierend waren oftmals die Autofahrer die an mir vorbei fuhren und hupten oder mir etwas zuriefen.
Das Land erinnerte mich oft an Schweden, bis auf die fehlenden Seen, zumindest in größerer Anzahl.
Das ich es nicht nach Estland geschafft habe, ärgert mich etwas. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.


mit der fähre heim
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#692122 - 10.02.11 04:02 Re: Lettland 2010 [Re: syltmatze]
nöffö
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 1352
Moin Matthias,
sehr sehr netter Bericht, danke Dir für die Mühe! Lustig-locker geschrieben, schöne Fotos, wunderbar!

Alles Gute,
Thomas
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#692141 - 10.02.11 09:43 Re: Lettland 2010 [Re: syltmatze]
GlobalDave
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 19
Hallo!

Bin in diesem Forum noch ein heimlicher Leser.
Verfolge die Berichte anderer.
Dein Bericht gefällt mir auch sehr gut.
Freu mich auf weitere Beiträge von dir...

Gruss David

Geändert von GlobalDave (10.02.11 09:43)
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#692174 - 10.02.11 10:44 Re: Lettland 2010 [Re: GlobalDave]
Hanjok
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 136
Hallo

Sehr schöner Bericht und Bilder.
Mach weiter so ist schön zu Lesen.

Gruß Hanjok
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Off-topic #692812 - 11.02.11 23:12 Re: Lettland 2010 [Re: syltmatze]
xasso
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 104
Irgendwas stimmt mit der URL nicht, kann tourenleben.de nicht aufrufen
Null Ahnung von Technik!
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Off-topic #692844 - 12.02.11 08:51 Re: Lettland 2010 [Re: xasso]
syltmatze
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 114
Autschen, ich Vollhorst! Hab die url noch nicht solange......tourleben.de ist optimaler ;-)
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#1078494 - 03.11.14 14:38 Re: Lettland 2010 [Re: syltmatze]
Martini´s
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 1
Hallo Matze cool ,

wir sind die dreiköpfige Familie aus Jena, welche du am 29.6.2011 in Kuldiga getroffen hast. Auch wenn es Jahre her ist, wollen wir dir für den schönen Abend an der tollen Brücke danken und ein weiterer Dank gilt dir für den Tipp des Hostels in Riga. Herrlich Russisch, nette Menschen und jedem Morgen leckeren Pelmeni´s zum Frühstück. (Übrigens die Milch heißt Moloko, haben wir im Schulrussisch gelernt).Wir erinnern uns gern an dich und falls es dich nach Jena verschlägt, es findet sich im Garten immer ein Platz für dich und dein Radl. Wollen den Lettlandtrip im Sommer wiederholen, mal sehen wie es wird fünf Jahre später.
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