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#844724 - 12.07.12 22:09 La France à Velo - Nordfrankreich 2012
velOlaf
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 611
Dauer:12 Tage
Zeitraum:1.6.2012 bis 12.6.2012
Entfernung:1605 Kilometer
Bereiste Länder:beBelgien
deDeutschland
frFrankreich


La France à Velo - Nordfrankreich 2012




Zeitraum:01.06. bis 12.06.2012, 12 Tage

Länder: Deutschland, Frankreich, Belgien

Streckenlänge: 1605km

Karten:
Michelin Departements France gelb:
307 Meurthe et Moselle, Meuse, Moselle;
313 Aube, Haute-Marne;
304 Eure, Seine-Maritim;
301 Pas-de-Calais, Somme

101 Zoom France Banlieue de Paris
Ausschnitte aus Michelin Straßen- und Reiseatlas Frankreich
533 Michelin Regional Benelux Belgien Nord und Mitte
Stadtplan Paris von Galeries Lafayette

Orte:
Appenweier - Kehl - Strasbourg - Dabo - Nancy - Vaucouleurs - Grand - Chaumont - Troyes - Nogent-sur-Seine - Provinz - Lagny-sur-Marne - Paris - Neuilly-sur-Seine - Maisons-Laffitte - Verneuil-sur-Seine- Mantes-la-Jolie - Vernon - Les Andelys - Elbeuf - Quilleboef-sur-Seine - Honfleur - Le Havre - Etretat - Fecamp - Dieppe - Saint-Valery-sur-Somme - Abbeville - Naours - Amiens - Albert - Arras - Douai - Lille - Oudenaarde - Gent

eine Karte

Tag 1, Freitag 01.06.2012
Appenweier -> Dabo, 89km, Ø 18,7km/h
Start: 13:00, Ziel 18:40
Wetter: heiter bis wolkig, 24°C, Wind W / NW
Camping du Rocher in Dabo, 5,10 Euro zzgl. 1,70 Euro für heisse Dusche
Es gibt auch Etagenbetten in Mehrbettzimmern für 15 Euro.
Toller, sehr einfacher Platz unter dem Rocher de Dabo gelegen

Nackenstarre

Um 04:15 klingelt der Wecker… Bäähh, mitten in der Nacht. Um 05:59 fährt mein Zug ab Bielefeld, es sind 8 Grad, Nieselregen. Zum Glück fahre ich in den Süden. Bis auf den HBF in Dortmund verläuft die Bahnreise sehr gut. Am HBF Dortmund gibt es keinen Lift, vom Bahnsteig 18 führt eine Betonrampe hinunter in den Tunnel. Hier passiert auch fast das erste Missgeschick. Als ich versuche das vollbeladene Rad auf dieser Rampe langsam mit gezogenen Bremsen hinunter zu schieben, rutscht es auf dem glatten Beton weg. Ich kann es mit Mühe halten und stehe dort wie ein Clown. Ein Teenie kommt und hilft mir es hinunter zu tragen. Zum Bahnsteig 16 bemühe ich einen mürrischen Bahnbediensten. Es geht durch die Katakomben zu einem Lastenaufzug. Im EC7 nach Baden-Baden sind andere Reiseradler unterwegs. Da Räder stehen vollbeladen auf ihren und aber auch nicht deren Stellplätzen. Die Gepäckfächer sind ausnahmslos leer. Verstehe ich nicht, aber egal, ich bin nicht betroffen.

Um 12:50 Uhr erreiche ich Appenweier, um 13:00 sitze ich im Sattel. Endlich geht´s los. Es ist schwül. Ich fahre über das nette Kork nach Kehl, werfe einen Blick zurück auf den Schwarzwald. In Kehl geht es über die moderne Rheinbrücke für Fussgänger und Radfahrer, ich bin in Frankreich, in Strasbourg.

Zunächst fahre ich zum Europaparlament. Die Architektur mit der Glasfassade ist beeindruckend. Nebenan ist der deutsch-französische Fernsehsender ARTE. Habe ich doch dort in den vergangenen Wochen viele Dokus über Frankreich gesehen. Es geht weiter in die Altstadt. Im Vorfeld habe ich mich mit Strasbourg nicht beschäftigt, weiß nur, dass die Altstadt schön sein soll. Ist sie, in der Tat. Umwerfend. Beim Anblick des Münsters bleibt mir die Spucke weg. Dunkelroter Sandstein, der Turm ist 142m hoch. Um dort hoch zu schauen, muß man den Kopf weit in den Nacken legen, da die benachbarten Häuser recht nah darum herum stehen.



In Montagne Verte treffe ich auf einen neuen Voie Verte. Es geht auf perfektem Asphalt immer am Canal de la Bruche entlang bis Romanswiller. Sehr schön hier, nette Häuschen mit Grundstücken bis zum Kanal. Manche haben kleine Bootsanleger. Ein Rennradler überholt mich, lässt sich dann zurückfallen und spricht mich an. Auf Englisch, obwohl er Franzose ist. Wir reden miteinander für die nächsten 10 km.

Nach verlassen des Kanals geht es dann stetig bergauf. Kurz vor Obersteigen bekomme ich fast zwei Mal einen Wadenkrampf. Ich dachte, meine Fitness sei so gut wie nie zuvor. Kurze Pause, viel Trinken, getrocknete Datteln essen und dann geht es deutlich besser. Am Col du Valsberg sind die Steigungen dann auf 652m Höhe Geschichte. Es rollt sich überweigend bergab zum Camping de la Rocher kurz vor Dabo. An einer Fichte jagen sich zwei Eichhörnchen den Stamm hoch, ich muß an A-Hörnchen und B-Hörnchen denken.
Der Campingplatz ist toll. Ab 19 Uhr ist die Rezeption nicht mehr besetzt. Wer danach kommt, darf trotzdem bleiben. Kostenlos. Neben mir ist noch eine junge Familie mit umgebautem Feuerwehrwagen sowie ein Reiseradler aus Amsterdam auf dem Platz. Vom Zelt aus sehe ich auf den Rocher du Dabo hinauf. Oben auf dem höchsten Punkt steht eine Kapelle. Tolle Szenerie. War ein langer Tag, ich gehe früh ins Zelt.



Tag 2, Samstag 02.06.2012

Dabo -> Villey-le-Sec, 144km, Ø 21,1km/h
Start: 08:30, Ziel 17:45. Wetter: heiter bis wolkig, 25°C, Wind W / NW
Camping de Villey-le-Sec, 11,70 Euro
Sehr guter, neuer und sehr sauberer, gepflegter Platz. TOP

Endlich Sommer!

In der Morgensonne sieht der Rocher de Dabo noch toller aus. Ich nehme meine Essenstasche und fahre rund um den Felsen hoch zum Frühstück. Die Aussicht ist toll. Unten wieder angekommen, packe ich zusammen und fahre in den Ort Dabo. Im Cafe treffe ich den Holländer wieder. G. wurde von seinem Arbeitgeber freigestellt und nutzt nun die sieben Wochen bis zur Entlassung, um die 100 Cols Tour durch Frankreich zu machen. Sein Rad ist sauschwer, er hat zuviel Gepäck dabei. Ich wünsche ihm alles Gute und hoffe, dass er es schafft. Ich mag nicht mit ihm tauschen. Um den GCC (Grand Café Crème) zu bezahlen, gehe ich an die Theke und will das ordnungsgemäß auf französisch erledigen. Die ältere Dame dort erklärt mir in perfektem deutsch, dass ich im Elsass ruhig deutsch sprechen könne. Jeder hier würde mich verstehen. OK. Auf dem Markt finde ich ein Glas hausgemachte Mirabellenmarmelade bei einem Stand vom Bauernhof. Es sind zwei ältere Damen vor mir an der Reihe. Die erste spricht mit dem Standbetreiber elsässisch. Die zweite Dame spricht mit ihm französisch, er antwortet ihr auf deutsch, bzw. elsässisch. Nun will ich meinen Kauf abwickeln und spreche auch deutsch. Er antwortet mir… auf französisch… Aber sehr lecker war die Marmelade!

Bei Arzviller stoße ich auf den Canal de la Marne au Rhin. Kurz darauf verschwindet der in einem langen dunklen Tunnel. Wenig später findet in Troisfontaines ein Citroen 2CV-Treffen statt. Es gibt ein kleines Open Air-Museeum mit Enten unterschiedlichster Formen.

In Hesse treffe ich wieder auf den Kanal. Am Himmel kreisen mindestens 15 Störche wie Greifvögel. Ab hier finde ich für die nächsten 40 km keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. In Lagarde liegen deutsche und französische Gefallene des 1. Weltkriegs 500m auseinander. Traurigkeit kommt auf.



In Varangéville finde ich endlich eine Patisserie mit eisgekühlter Orangina Rouge und köstlichem Himbeertörtchen. Der Boden aus Mürbeteig, frische Himbeeren darauf gestellt und mit Puderzucker bestreut. So einfach mit sehr viel Geschmack.



In Nancy fahre ich zum Place Stanislas. Mein Gott, was für ein Prunk! Es ist unglaublich schön.



Die Ausfahrt von Nancy nach Maron ist extrem anstrengend. Es geht über viele Kilometer zum Teil sehr steil bergauf. Dafür gibt es kurz vor Maron eine schnelle Abfahrt hinunter zur Moselle. Ab dort führt ein sehr schöner neuer Voie Verte immer am Ufer entlang. An der Staumauer von Villey-le-Sec wechsle ich die Flussseite und fahre zum fantastischen Camping de Villey-le-Sec. Amtssprache ist hier niederländisch. Gefühlt sind hier 98% Holländer. Am Spühlbecken spricht mich eine Frau an, warum hier alle holländisch sprechen. Sie kommt aus Finnland.

Tag 3, Sonntag 03.06.2012
Villey-le-Sec -> Colombey-Les-Deux-Eglises , 155km, Ø 17,5km/h
Start: 07:30, Ziel 20:30
Wetter: Regen, 16-18°C, Wind W / NW. Z.T. starker Gegenwind
Chambre D´Hote La Fromagerie in Colombey-Les-Deux-Eglises 35 Euro inkl. Frühstück
Sehr schöne, neue und gepflegte Unterkunft

Der süsse Duft von Fritierfett

Um 5 Uhr werde ich vom Regenprasseln und Gewitterdonner geweckt. Normalerweise macht das um diese Uhrzeit das Krähen eines Hahns, oder mehrerer. Heute nicht. Hier nicht. Es geht also gleich schon im Regen los. So´n Mist. Völlig unerwartet finde ich in Blénod-les-Toul eine Boulangerie. Zum Frühstück gibt es ein Croissant und ein Chausson aux Pommes. Die nette Verkäuferin hat auf Nachfrage sogar einen Kaffee für mich.

In Plagny-la-Blanche-Cote treffe ich auf die Meuse. Irgendwie spannend, bin ich mit meiner Liebsten doch vor zwei Wochen erst in Holland diesen Fluß mit dem Tandem entlanggefahren. Dort heisst er Maas. Für diesen Abschnitt bis Chaumont habe ich mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten herausgesucht:

Domrémy-la-Pucelle: Geburtsort von Jeanne D´Arc. Daneben steht eine Kapelle mit bunten Fensterbildern, die den Werdegang von Jeanne darstellen.

Basilique du Bois Chenu: große und beeindruckende Kirche mit tollen Deckengemälden. Auf einer Anhöhe gelegen, direkt an der Straße. Absolut toll.



Chateau Bourlémont: Anwesen nicht zugänglich.

Grand: Gallo-romanisches Amphitheater: nicht lohnenswert. Der Dorfkern ist nett.

Die Route verläuft langweilig und dröge. Es geht immer mal wieder bergauf, bergab. Im Regen. Vor Reynel taucht ein Stadttor mit zwei seitlichen Türmen auf, ein wenig wie das Holstentor zu Lübeck, allerdings viel kleiner. Daran sind die angrenzenden Häuser gebaut. Ich fahre hindurch, links und rechts der Straße sind Verkaufsstände, es ist ein Flohmarkt. Die Menschen sind extrem freundlich, sie rufen und winken mir zu. Ich bleibe kurz stehen und quatsche mit einer Frau. Am Ortsausgang weist ein Schild zu einem Chateau. Es ist ein wenig heruntergekommen, die Lage jedoch phänomenal. Die Vorderseite steht auf einem ebenerdigen Grund, die Fassade ist links und rechts von zwei mächtigen Rundtürmen eingefasst. Der Hammer ist jedoch die Rückseite. Es führt ein Weg an einem Geländer entlang um das halbe Haus zu einer großen Terrasse. Von hier fällt das Anwesen steil hinab in einen Wald, dahinter liegt ein kleiner See. Wiederrum dort hinter öffnet sich die Landschaft und gibt eine weiten Ausblick über die Landschaft der Lorraine frei. Wahrlich der schönste Moment an diesem Tag, da damit nicht gerechnet werden konnte und kein Hinweis darauf in der Michelin-Karte verzeichnet ist.

Der weitere Verlauf der Route ist immer noch relativ dröge, lediglich die verfallene Ancienne Abbaye de Septfontaines ist noch sehenswert. Der abgebrochene Uhrenturm hat etwas gespenstiges.



In Bologne treffe ich auf den Canal de la Marne à la Saône. Daneben schlängelt sich die Marne durch Wälder und Wiesen. Der Voie Verte weist einige Schlaglöcher auf, verläuft jedoch sehr schön zwischen Kanal und Marne. Hier führt der Voie Verte auch durch einen Tunnel, zum Kanal nur durch ein Geländer getrennt.

Eine Schleuse unterbricht den Verlauf des Kanals. Als ich hier vorbeikomme, ertönt eine Schelle. Das bedeutet, das bald ein Schiff in die Schleuse einfahren wird. Ich sehe keins. Doch, dort, dieser relativ große Kahn. Mmmh, der bewegt sich ja doch. Der will doch nicht… nee, oder…doch!!! Der vermeintlich viel zu große Kahn will in die Schleuse einfahren. Frau am Steuer, Mann lässig mit Kippe im Mundwinkel läuft auf dem Deck von hinten nach vorne und gibt Anweisungen. Er wird immer unruhiger…und schreit… Sie bugsiert den Kahn in die Schleuse. Dabei ratscht er mit den Gummikanten am Rumpf an der Schleusenmauer entlang. Links und rechts sind jeweils maximal 10cm Platz. Am Bug reicht es für immerhin noch ca. 1,5 Meter bis zum Schleusenschott, am Heck verschließt sich das Schott mit einem halben Meter Abstand zum Seitenruder. Das Wasser läuft ein, der Kahn hebt sich, Schott geht auf, Schiff fährt hinaus. Ganz einfach. Was für ein Spektakel.

Der weitere Verlauf ist sehr schön, zwischen Kanal und Weg säumen gelbe Wasserlilien die Uferzone.

Nach Chaumont geht es dann kräftig bergauf. Die Altstadt ist nett, es riecht nach Fritten und Pizza und mein Hunger danach wird geweckt. Ich beschließe hier nach ca. 125km auf den Campingplatz zu fahren. Ich frage nach dem Weg, zwei Jungens erklären ihn mir. Es geht unter dem dreigeschossigen Eisenbahnviadukt hindurch, der Camping liegt im Tal…ist allerdings bis 15.6. geschlossen.



Also weiterfahren, diesmal auf der schnell befahrenen D619. Aus dem nichts taucht links eine Friterie auf. Der Duft nach heissen Fritten ist unwiderstehlich, Heisshunger auf Grand Frites und Orangina steigt in mir auf. Der Fritierchef erklärt mir, das in etwa 20 km in Colombey-Les-Deux-Eglises Chambre D`Hotes seien. Das erste was ich dort finde, soll 120 Euro für eine Nacht kosten. Bei der “La Fromagerie” sollen es noch 50 Euro inkl. Frühstück sein. Ich erkläre, dass ich eigentlich auf Camping eingestellt bin und soviel nicht ausgeben möchte. “Sind Sie Jakobspilgerer?” “Ähh, ja.” “Wieviel würden Sie für die Nacht ausgeben?” “35 ohne Frühstück” “Sie können für 35 mit Frühstück bleiben, ok?” “OK”… Ich muß dazu sagen, dass die Vermieterin recht stark alkoholisiert war, ihr Mann jedoch noch recht gut bei Sinnen. Nachdem ich mich “installiert” habe, werde ich zum Aperitiv eingeladen, wir quatschen ein wenig und dann lege ich mich zur Ruhe.


Tag 4, Montag 04.06.2012
Colombey-Les-Deux-Eglises -> Saint Hilaire sous Romilly, 148km, Ø 18,9km/h
Start: 08:50, Ziel 19:15
Wetter: stark bewölkt mit Schauern, 16-18°C, Wind W / NW. Z.T. starker Gegenwind
Camping in St. Hillaire, 7,00 Euro
Netter Platz, sehr weitläufig, Zeltwiese direkt am See, aber sehr weit von sanitären Anlagen entfernt

Contre le Vent : Hier ist immer Wind!

… sagte mir mein Vermieter, als ich mich am Morgen verabschiede. In Colombey-Les-Deux-Eglises steht in alle Richtungen weit sichtbar ein riesiges Lothringer Kreuz zu Ehren von Charles De Gaulle. Er hat hier viel Zeit auf seinem Landwohnsitz verbracht und verstarb auch dort. Ihm zu Ehren wurde hier ein riesiges Besucherzentrum gebaut.

In Lignol-le-Chateau fotografiere ich eine Installation aus “Champagnerlagerbrett” und Blumen. Ein Herr kommt auf mich zu, reicht mir die Hand und fragt, ob ich mich umsehen möchte. Er zeigt mir die alten Traubenpressen, die Abfüllung und den Lagerkeller seines kleinen Champagnerunternehmens.

Ich folge dem Verlauf der Aube auf kleinen Straßen bis Dienville. Ich beginnt ein Voie Verte entlang der Seen des Parc Naturel Regional De La Foret D`Orient. Es geht am Ufer der Seen entlang, immer auf dem Deich, absolut eben … gegen den Wind. Wo ich normalerweise mit min. 25km/h fahre, schaffe ich hier max. 16. Der Weg ist öde. Rechts Grashang, links zum Ufer große Gesteinsbrocken. Und heftiger Gegenwind für 25 lange Kilometer. Bei Geraudot hat das Elend ein Ende, der Weg führt durch einen Wald. Die Bäume stehen hier im Wasser, eine Brandung läft bis kurz vor den Weg auf. Schön hier.



Troyes lädt zur Pause ein. GCC in der Altstadt zwischen den vielen schönen uralten Fachwerkhäusern. Die Stadt ist sehr gepflegt. Ab Troyes führt ein sehr schöner Voie Verte zwischen Seine und dem Kanal de la Haute Seine entlang. Der Weg ist von großen Bäumen gesäumt, die den Wind fast komplett abschirmen. Gelegentlich wird einem der Blick auf die natürliche Seine gewährt. Wundervoll.

Auf der Zeltwiese des Camping in St. Hillaire bin ich mal wieder allein. Das Zelt baue ich unter einer großen Tanne direkt am Ufer des ein Sees auf. Mein Abendessen besteht aus Baguette Tradition, Jambon Persillé, Pate Entrecote, Camembert und Rotwein. Über dem See liegt eine friedvolle Ruhe. Ein sehr schöner Abend.



Tag 5, Dienstag 05.06.2012
Saint Hilaire sous Romilly -> Torcy, 134km, Ø 21km/h
Start: 08:30, Ziel 17:30
Wetter: stark bewölkt mit sonnigen Abschnitten.Am Abend Regen. 18-20°C, Wind W / NW
Camping Parc de la Colline in Torcy, 24,70 Euro
Netter Platz vor den Toren von Paris, aber etwas ungepflegt. Die sanitären Anlagen haben unbedingt eine Reinigung und Renovierung nötig!

Bonjour Monsieur le cycliste!

Die Kühltüme mit dem Dampfausstoß des Atomkraftwerks von Nogent-sur-Seine sind früh und sehr lange sichtbar.

Von Osten her fahre ich nach Provins hinein. Ich habe nur mitbekommen, dass die Stadt auf der Liste der UNESCO-Weltkurturerbe steht. Der Gemüseladen ist schon mal super. Beste Aprikosen und getrocknete Datteln, wie ich sie noch nicht besser hatte. Im Zentrum steht eine alte Kirche mit Figuren an der Eingangstür.



Die Gesichter sind zerstört. Auf einer Anhöhe scheint so etwas wie ein altes Kloster zu sein. Ich fahre dort hin und sehe jetzt erst, daß auf dem anderen, gegenüberliegenden Hügel eine große Kirche und ein prächtiger Wehrturm stehen. Von der Unterstadt aus schiebe ich mein Rad entgegen der Einbahnstraße steil den Berg hoch. Oben angekommen, werde ich von einer mittelalterlichen Stadt mit Häusern aus Fachwerk und Bruchstein empfangen. Überall stehen Rosen, der Duft ist betörend. Provins gilt außerdem als Hauptstadt der Rosenverarbeitung. Eine große Gruppe Kinder kommt mir entgegen. Sie sind vielleicht 6-8 Jahre alt, gehen in Reih und Glied und halten sich dabei an den Händen. Nacheinander begrüßen sie mich mit “Bonjour Monsieur le cyclist”. Einfach süß. Die Oberstadt verlasse im Westen ich durch ein Stadttor. Hier wird die Stadt von einer mächtigen Mauer umfasst. Das erinnert mich ein wenig an Carcassonne im Kleinformat. Ein Besuch ist absolut empfehlenswert!



Von Provins fahre ich zügig weiter nach Montevrain, in der Nähe des Disneyland. Mein Arbeitgeber hat hier im Val D`Europe eine Zweigstelle, die ich besuchen möchte. Um 15:45 Uhr öffnet mir jedoch niemand mehr die Tür, in Frankreich scheint man hier nicht so lange zu arbeiten wie bei uns. Als ich in meinem blauen Trikot, gelber Weste und vollbeladenem Rad auf dem Bürgersteig stehe und noch einen Schluck aus der Wasserflasche nehme, hält neben mir ein Auto. Ein Mann steigt aus und spricht ohne Punkt und Komma mit mir. Es dauert ein wenig bis ich verstehe, was er von mir will. Er denkt, ich sei von der Post und möchte gerne, das ich Briefe für ihn mitnehme. Ich muß ihn leider enttäuschen. Beide lachen wir los.

In Lagny-sur-Marne kaufe ich noch phänomenale Rillettes de Canard und Terrine de Campagne für das Abendessen und folge auf sehr schönem Weg der Marne zum Camping de la Colline. In der Nacht wird es wieder einmal regnen, daher baue ich das Zelt unter einem sehr großen Baum auf.





Tag 6, Mittwoch 06.06.2012
Torcy -> La Roche-Guyon, 138km, Ø --km/h
Start: 06:45, Ziel 20:00
Wetter: zunächst Regen, dann stark bewölkt, aber trocken. Ab mittags sonnige Abschnitten, nachmittags Regen. 18-20°C, Wind W / NW
Unterkunft privat.

Berühmte Tote, die Stadt der Liebe und Freundschaft

Vor 25 Jahren bin ich mal um 5 Uhr morgens in Paris angekommen. Da war ich 16. Es roch überall nach frischen Backwaren. Und Müll, da gerade die Müllabfuhr unterwegs war. Diese Gerüche habe ich noch heute in der Nase. Auf der Straße waren wir fünf mit einem damals schon alten und klapprigen 7er BMW unterwegs. Wir fuhren 10 Mal um den Triumphbogen. Nur noch ein Taxi drehte seine Runde.

Mein Wecker klingelt um 5:15 Uhr. Je veux…lalala… Noch dunkel. Ich drehe mich wieder um. Um 6 Uhr stehe ich aber auf. Schnell einpacken und ohne Frühstück losfahren. Der Weg am linken Ufer entlang der Marne ist sehr schön. Die Schokoladenfabrik von Noisiel ist toll, der Weg geht direkt vorher. Der Radweg verläuft zwischen der Marne und kleinen Straßen. Ein Pulk von zig Enten belagert den Weg und den Grünstreifen, ein alter Mann schleppt sich mit Tüten bepackt über den Weg. In den Tüten ist altes Brot für die Enten. An den Straßen stehen kleine Villen. Auf der Marne liegen zu Hausbooten umgebaute Binnenkähne. Sehr nett hier.

Über die Pont de Joinville führt ein Radweg, dann immer gerade aus über Ampeln. Dahinter biege ich rechts ab in den Bois de Vincennes. Dort stehen überall Übersichtstafeln mit Karten. Die Durchfahrt zum Chateau de Vincennes ist leicht. Nach Überquerung der Peripherique biege ich kurz vor dem Place de la Nation noch rechts ab in den Boulevard de Charonne und dann stehe ich vor einem Seiteneingang des Cimetiere du Pere Lachaise. Es ist 8:20 Uhr, der Friedhof ist soeben geöffnet worden. Ich schiebe mein Rad durch den Eingang, ein Friedhofsgärtner weist mich darauf hin, dass ich das Rad nicht mit hinein nehmen darf. Aber… wenn mich die Polizei erwischt, er hat mich nicht gesehen. Ich orientiere mich kurz anhand der Übersichtstafeln. Division 6, Place 30. Ganz in der Nähe von meinem Standort. Ich schiebe kurz über das Kopfsteinplaster des Friedhofs, links geht es steil bergauf. Das Rad lehne ich an einen Baum und gehe zu Fuß weiter. In zweiter Reihe ist das Grab, abgesperrt mit Gittern, an der Rückseite des schlichten Granit sind kleine Grafitties. Auf dem Grab stehen wenige, aber frische Blumen.

JAMES DOUGLAS MORRISON
1943 - 1971
KATA TON DAIMONA EAYTOY


Ich bin traurig, gerührt und mir wird plötzlich ganz kalt. Die nächsten Tage habe ich Light My Fire von The Doors auf den Lippen.

Nun beginnt meine Sightseeing-Tour durch Paris! Die Sonne kommt raus. Yeahh! Place de la Republic, Place de la Bastille, …Come on Baby light my Fire….Ile Saint-Louis, Notre Dame, Pantheon, Jardin du Luxembourg, Pont Neuf, Louvre, an den Quais die Seine entlang zur Pont Alexandre III, Place des Invalides, Av. De la Motte-Picquet,…Try now we can only lose… , Ecole Militaire, Tour Eiffel, Pont de l`Alma, Av. George V, Av. De Champs Elysees, Place Charles De Gaulle mit L´Arc de Triomphe, Av. De la Grande Armee, Place de la Porte Maillot, …If I was to say to you; Girl, we couldn't get much higher…Av. Charles De Gaulle, La Defense.…Come on Baby light my Fire….



Paris so zu erleben ist überwältigend. Man kann gut im Verkehr mitschwimmen und bei Stockungen kurzerhand durch kleine Lücken schlüpfen und sich damit ein wenig Platz verschaffen. Der Verkehr ist sogar rücksichtsvoll und das in dieser Mega-Stadt. An wichtigen Straßen können Radfahrer die Busspur benutzen, viele Einbahnstraßen haben Radwegmarkierungen entgegen der Fahrtrichtung.

Zwischen Bastille und Seine gönne ich mir das beste Croissant Amandes meiner Reise. Es ist zwar relativ weich und nicht sehr knusprig, aber die Füllung ist weltklasse! Ausserdem nehme ich ein Pepito, eine Blätterteigschleife mit Vanillecreme und Schokostückchen gefüllt… Den längst überflüssigen Café Crème nehme ich im Cafe am Pantheon ein. Der Kellner amüsiert sich über meine Flasche Rotwein in der Ortlieb-Zusatztasche.

Am Louvre verbringe ich die meiste Zeit. Hier steht für mich die faszinierendste Sehenswürdigkeit von Paris. Der Innenhof mit den U-förmig angeordneten Gebäuden ist sehr prächtig, dazwischen stehen die modernen Glaspyramiden.





Unter dem Eiffelturm wird es dann ernst, ich muß pinkeln… Ich überlege, ob ich bei einem deutschen Reisebus fragen soll, sehe dann jedoch die öffentliche Toilette direkt am Pilier Est. Daneben stehen drei Soldaten mit Maschinenpistolen. Ich vertraue ihnen für ein paar Minuten mein Rad an. Sie grinsen nur, kein Problem.





Ich passiere den Arc de Triomphe und Porte Maillot und bin wenig später in La Defense. Da das Radfahren hier untersagt ist und ich mich daran halte, schiebe ich bis zur Grande Arche.



Westlich von La Defense wird es dann für lange Zeit sehr chaotisch. Ab hier bis Maisons Laffitte empfinde ich die Strecke absolut unangenehm.

Ich plane den Campingplatz von Mousseaux-sur-Seine anzufahren, stelle dann jedoch fest, dass ich mich auf der falschen Seite der Seine befinde. Wie dämlich… Ein vorbeikommendes Paar erklärt mir, dass der Camping genau hier, aber auf der anderen Flußseite sei. Die Anreise dazu beträgt über die nächste Brücke jedoch noch 30km. Etwas später in La Roche-Guyon frage ich einen Mann, der an der Straße Strohballen aus dem Auto holt, nach einem Chambre D`Hote in der Nähe. Als Antwort bekomme ich, dass ich in seinem Haus schlafen könne, er hätte leerstehende Räume. Bei Wein und leckerem Essen verbringen wir einen tollen Abend. Wir verstehen und sofort bestens, haben viele Gesprächsthemen und haben uns bestimmt nicht das letzte Mal getroffen.



Tag 7, Donnerstag 07.06.2012
La Roche-Guyon -> Jumièges, 115km, Ø 19,5km/h
Start: 09:30, Ziel 19:00
Wetter: Regen, nachmittags Starkregen. Ab 17:00 sonnig. 20°C, Wind W / NW
Camping de Foret in Jumièges, 13,00 Euro verhandelt (statt 17 Euro)
Schlechte sanitäre Anlagen. Der Platz ist mit 4 Sternen extrem überbewertet.

Der Fluß und die Berge

Die Gespräche vom Abend werden bei Frühstück weitergeführt. Dann verabschieden wir uns und versprechen uns wieder zu treffen.

La Roche-Guyon ist ein sehr schöner Ort. Am Ortsausgang steht ein Chateau, es wurde direkt an die Kreidefelsen gebaut. Auf den Felsen trohnt eine Burgruine über dem Chateau. Kurz hinter dem Ortsausgang bin ich bereits in der Normandie.

Der nächste Stop sind die Gärten von Chiverny. Hier ließ sich Claude Monet für seine berühmten Gemälde inspirieren. Die Gärten sind recht wild gehalten, mit Rosen, Mohn, Veilchen, Glockenblumen usw. Seitdem der französische Chefgärtner gegen einen englischen ausgetauscht wurde, werden nach und nach die langweiligen Geranien verbannt. Durch diesen Nationalitätenwechsel herrscht etwas Aufregung im Ort.



Es folgen weitere sehr schöne Orte wie Vernon und Les Andelys. In Les Andelys steht das berühmte Chateau Gaillard, das Richard Löwenherz erbauen ließ. Leider regnet es wieder und ich kann es nur wenig von unten genießen. Der Regen setzt nun so stark ein, dass ich Strecke mache und weitere nette Plätze auslasse, indem ich zwei Mäander abkürze. In Elbeuf werde ich zum nächsten Halt gezwungen. Starkregen. Unter dem kurzen Überdach eines Stadtplans finde ich etwas Schutz. Nach 10 Minuten reisst der Himmel auf, die Sonne kommt heraus und der Himmel ist endlich blau. In der gereinigten Luft sind die hoch aufgetürmten weißen Wolken imposant. Nun folgt einer der schönsten Abschnitte der gesamten Tour. In Orval fahre ich links ab, es geht durch Le Nouveau Monde (herrlicher Name) und anschließend in einigen Kehren bergauf durch einen Wald. Am höchsten Punkt ist ein kleiner Tunnel, der unter der Autoroute A13 herführt. Am Ausgang steht die Ruine eines Aussichtsturmes, der zu den Ruinen des Chateau de Robert Le Diable (Robert der Teuflische) gehört. Die Aussicht auf die etwa 95m tiefer liegende Seine ist grandios. Es folgt eine schöne Abfahrt nach La Bouille an das Ufer der Seine. Hier geht es für wenige Kilometer durch sehr schöne Dörfer. In La Ronce steche ich wieder links hoch in den Berg. In Kehren werden wieder 85 Höhenmeter auf 2km erklommen, genauso schnell geht es wieder hinunter zur Seine. Dort setze ich mit der Fähre über die Seine. In Jumieges sind die fabelhaften Ruinen der gleichnamigen Abtei leider schon geschlossen. In der Nähe ist ein Campingplatz, der seine 4 Sterne leider nicht verdient hat.




Tag 8, Freitag 08.06.2012
Jumièges -> Les Loges, 142km, Ø 18km/h
Start: 07:50, Ziel 20:15
Wetter: Heiter bis wolkig. Wind W. Sehr starker Gegenwind
Camping Les Loges, 12,00 Euro zzgl. 1 Euro für heisse Dusche
Platz ist ok.

Der Krampf mit dem Kampf mit dem Wind

Prima, die Sonne scheint! Die Laune steigt. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Es wird der mit Abstand härteste Tag dieser Reise.

Ich setze erneut mit einer Fähre über die Seine. Der junge Fährmann interessiert sich sofort für mich und mein vollbeladenes Rad. Er fragt, wie viel ich denn so fahre, ob das ein besonderes Rad sei. “Ja, ein Reiserad, das mit viel Gepäck beladen werden kann”. Ob es einen Motor hat…im Hinterrad. “Nein, das ist die Schaltung. Quatorze vitesse- pas de dérailleur, pas des disques”. Er versteht es nicht. Ich drehe am Schaltgriff, simuliere die Gänge. Un moteur… Es dauert die gesamte Länge der Überfahrt, bis ich ihn überzeugt habe. Noch nie gesehen…”produit allemand”. Ah, oh.
Auf der anderen Uferseite geht es gleich wieder steil bergauf in den Wald. Es ist noch sehr früh, durch den Foret de Jumieges führen sehr kleine asphaltierte Strässchen. Im Wald blüht pinkfarbener Fingerhut, auf der Straße krabbeln Tausendfüssler und Mistkäfer und mitten auf dem Weg eine große Damkuh. Sie wittert mich spät, da sie den Wind im Rücken hat und mich nicht riechen kann. Dann gibt sie einen intensiven Laut von sich, wie ein lautes Furzen, und trabt in den Wald. Als ich zurück an die Seine komme, erwarten mich bei Vieux Port traumhaft schöne Häuser. Alte Fachwerkhäuser im normannischen Stil, reetgedeckt und auf dem First wachsen und blühen Lilien und Steingartengewächse. Von der nächsten Anhöhe ist dann bereits der Ölhafen von Port Jerome und die Brücke von Tancarville zu sehen.





Ab Quilleboef wähle ich den Weg durch das Marais Vernier und ab hier bläst mir wieder extremer Gegenwind ins Gesicht. Hinter dem Ort Marais Vernier erwarten mich dann mal wieder 90 Hm auf 1,5km Länge. Die 16% Steigung schaffe ich… mit Schieben. In Fiquefleur kaufe ich noch mal für mein Mittagessen ein.

Honfleur- einer der schönsten Orte, die ich bisher in Frankreich gesehen habe. Ab Honfleur beginnt nun ein Abschnitt mit Orten, wo ich bereits mal mit dem Auto gewesen bin. Auf das Wiedersehen freue ich mich.

Um das Hafenbecken, auf dem kleine Segelyachten schunkeln, reihen sich uralte 4-5 geschossige Häuser, davor sind Terrassen, auf denen riesige Meeresfrüchteetageren von gefräßigen Touristen verschlungen werden. Ich jedoch lasse die Füße von der Hafenkante baumeln, schmiere daumendick die Rillettes und Neufchatel Fermier auf mein Knusperbaguette, dazu gönne ich mir ein Gläschen von meinem Rotwein. Zum Dessert esse ich provenzalische Aprikosen. Mmmhh.
Diese Stärkung war auch zwingend erforderlich, denn nun soll es über die Pont de Normandie nach Le Havre gehen.

Pont de Normandie:
Die Wettervorhersage für heute hat Westwind bis 70 km/h gemeldet. Erst einmal der Beschilderung folgen, da ich ja schlecht die Autobahn zur Brücke fahren kann. An der Brückenauffahrt angekommen, fahre ich auf den “Standstreifen” der vierspurigen, autobahnänlichen Straße, die über die Brücke führt. Auf dem Abschnitt der Brücke, ist dieser Standstreifen als Radstreifen gekennzeichnet und nach rechts hin mit einer flachen Mauer begrenzt. Rechts von diesem Mäuerchen ist dann wiederum der Gehweg mit Geländer. Ich fahre zunächst auf diesem Radstreifen, die Autos und LKW knallen mit 90km/h und einem Meter Abstand an mir vorbei. Das finde ich nicht so prickelnd und steige über das Mäuerchen auf den Gehweg. Hier ist der Asphalt pockenartig aufgebrochen. Dennoch, ich kann hier langsam fahren. Je höher ich nun auf die Brücke komme, um so stärker trifft mich der Seitenwind, aber voll rechtwinklig. Durch die vorbeifahrenden LKW entstehen dabei so starke Verwirbelungen, dass ich mich kaum auf dem Rad halten kann. Es ist mir nicht möglich, so weiterzufahren und schiebe bis zum höchsten Punkt der Brücke. Sogar im Stand kann ich das Rad kaum gegen diese Verwirbelungen halten. Ich beschließe nun, so schnell es geht hier weg zu kommen. Auf dem Oberrohr sitzend, rolle ich mit 8 km/h nun die Brücke hinunter und kämpfe weiterhin gegen die Verwirbelungen. Unten angekommen, brülle ich so laut ich kann meine Erleichterung heraus. Ich hatte schon etwas Angst. Das war das heftigste, was ich auf dem Rad erlebt habe.



Am Ende der Brücke fahre ich durch den Kreisverkehr und biege in die Straße nach Port 2000, bzw. Le Havre ein. Der Wahnsinn ist noch nicht vorbei. Zwar nicht so schlimm wie oben auf der Brücke, muß ich hier nun einige Kilometer frontal gegen diesen Wind ankämpfen. 12 km/h. Es gibt keinen Radstreifen, aber dafür ein Tanklastzug nach dem anderen. Das Verhältnis sind vielleicht 98% LKW und 2 % PKW. Ich möchte hier ein riesengroßes Lob an die französischen LKW-Fahrer aussprechen, die sehr rücksichtsvoll und mit viel Abstand an mir vorbeigefahren sind, sowie bei doch großen Lücken bis zum Gegenverkehr hinter mir gewartet haben. Und sie haben sich über meine Weinflasche in der Ortlieb Aussentasche gefreut. Das Gegurke durch die Hafenanlagen war nicht so doll, einmal roch es nach frisch geröstetem Kaffee. Le Havre habe ich nicht wiedererkannt. Anscheinend werden zur Zeit alle Hauptstraßen im Zentrum neu gestaltet.



Der Blick von Saint Adresse auf die Promenade von Le Havre entschädigt für die letzten Belastungen. Es ist ein Blick zurück, vom nahezu westlichsten Punkt meiner Tour. Hier endet die erste Woche und damit auch der erste Teil meiner Reise…

Grüße von Olaf
N'arrête pas. Le vélo, c'est la santé. (Luneau)
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#844746 - 12.07.12 23:22 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
inga-pauli
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Vielen Dank Olaf für deinen eindrucksvollen und mitreißenden Reisebericht! An manchen Stellen blieb mir fast der Atem stehen - puuhh!

Trotz der Besichtigungen hast du ja ganz schön viel Kilometer am Tage "geschrubbt".

Wir waren ja auch gerade das erste Mal länger in Frankreich (Rhone) und Ende August wieder (Franche Comté) - dein Bericht lässt meine Erinnerungen lebendig und meine Vorfreude größer werden - obwohl die Gebiete sehr unterschiedlich sind. Aber Frankreich hat uns so sehr gefallen!

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung -

liebe Grüße
Ingrid ***


Geändert von inga-pauli (12.07.12 23:23)
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#844809 - 13.07.12 09:58 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
radlsonny
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merci, schöner Bericht. Die Normandie steht noch auf unsrer Wunschliste. Mit der Pont de Normandie hört sich nicht gut an, kann ich glaub ich meiner Gemahlsgattin nicht zumuten.

Gibt's ne Fähre von Honfleuer nach Le Havre?
Gruß radlsonny
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#844813 - 13.07.12 10:13 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: radlsonny]
Holger
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Ich glaube nicht, war vor zwei Jahren in Le Havre und hatte mal geschaut, allerdings bin ich mir nicht sicher.

Die Brücke ist aber glaube ich nicht sooo schlimm, wenn nicht so ein ein starker Wind bläst. Dann dürfte es auf dem Gehweg machbar sein.
Ernst Alexander Rauter hat recht. Das Adjektiv - wo es nicht zwingend ist, ist es falsch.
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#844818 - 13.07.12 10:29 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: Holger]
Fricka
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Vielleicht nicht genau an der Stelle. Aber es gibt dort Fähren....
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#844821 - 13.07.12 10:42 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
didiowl
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toller Reisebericht ... macht lust auf Frankreich.
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#844822 - 13.07.12 10:46 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
roul1
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Danke Olaf,

ein wunderschöner Bericht, ganz nach meinem Geschmack. bravo
Informativ. Gute Schreibe. Gute Bilder. Übersichtlich.
Macht richtig Lust wieder Rtg. Normandie/Bretagne aufzubrechen.
Sch..ß Fernweh traurig


Gruß
Roul

Geändert von roul1 (13.07.12 10:56)
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#844823 - 13.07.12 10:49 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: radlsonny]
velOlaf
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Stefan S hat mir berichtet, daß er bereits mehrfach unter normalen Bedingungen über die Brücke gefahren ist und dabei keine solche Erfahrungen gemacht hat wie ich. Daher sollte die Benutzung machbar sein. Ich halte allerdings den Radstreifen auch bei normalen Bedingungen für breite Räder mit Gepäck für recht gefährlich- ist halt wie auf der Autobahn.

Soweit ich weiß, gibt es keine Fähre. Ich habe Zuhause einen Fahrplan der Seine-Fähren. Ich schaue heute Abend oder morgen mal nach und berichte dann wieder.

Die Normandie ist toll zum Radeln. Ich habe es ein wenig bereut, nicht noch das Pays D´Auge mit einbezogen zu haben...
Falls Du Infos brauchst, gerne per PN anfragen. ich kenne die Normandie recht gut.
Grüße von Olaf
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#844885 - 13.07.12 13:55 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: radlsonny]
StefanS
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In Antwort auf: radlsonny
Gibt's ne Fähre von Honfleuer nach Le Havre?

Nein, die letzte Fähre ist in Quillebeuf, noch jenseits der Brücke von Tancarville. Nähere Infos zu Brücken und Fähren stehen auch im Wiki-Artikel zu Haute-Normandie. Was die Pont de Normandie angeht, bin ich bisher dreimal rüber und hab keine schlechten Erfahrungen gemacht. Bei sehr heftigem Wind wäre das möglicherweise anders, aber dann kann man immer noch auf dem Fußweg hochschieben. Kein Problem also, die Brücke zu benutzen.

Olaf: Schöner Reisebericht, ich bin gespannt auf den zweiten Teil schmunzel

Stefan
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#844955 - 13.07.12 18:33 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: StefanS]
velOlaf
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Hallo Stefan,
ich habe mir erlaubt, einen direkten Link mit den Fähren und deren Fahrplänen in den Wiki-Artikel Haute Normandie einzufügen.
Der zweite Teil meines Berichts folgt in Kürze...
Grüße von Olaf
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#845017 - 13.07.12 23:27 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
StefanS
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Ok, prima, ich hatte seinerzeit keinen stabilen Link zu den Fährplänen gefunden, deshalb der Link zu Wikipedia.

Stefan
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#845762 - 16.07.12 15:45 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: StefanS]
meterfresser
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Hi Olaf,
danke für den Bericht, jetzt hab ich ihn doch verpasst und erst heute per Suchfunktion gefunden. Starke Fotos! Ich hoffe, dass wir im September auch so gut durchkommen wie Du.
Was sagst Du zum Thema Wind in Frankreich? Wenn ich auf die Landkarte kucke, scheint nicht soviel Wald in F zu sein, da pfeifts dann eher so wie in Ostfriesland, hab ich Recht?
Schöne Grüße,
Christian
All we are is dust in the wind
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#847249 - 22.07.12 11:08 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
zulukurt
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Hi Olaf,

den Bericht hatte ich in mündlicher Form ja schon (zumindest Teilweise), schön noch paar Bilder dazu zu sehen.

Gruß
Jörg
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#852928 - 09.08.12 22:04 Teil 2: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
velOlaf
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...der zweite Abschnitt beginnt, die Tour ändert sich hiermit auch. Es geht nun irgendwie schon zurück. Das spüre ich nicht nur am Rückenwind.

Über kleine Sträßchen parallel zur Küstenlinie folge ich Radwegweisern bis Etretat. Bei praller Sonne und …Wind… schaue ich einigen Surfern vor den Falaises zu, bevor ich mir den nächsten Camping in Les Loges suche.



Tag 9, Samstag 09.06.2012
Les Loges -> Pourville-sur-Mer, 102km + rumgurken, Ø 18km/h
Start: 08:05, Ziel 16:45
Wetter: Heiter bis wolkig. Ab 15:00 sommerlich bis 23°C. Wind W
Camping Marqueval in Pourville, 12,00 Euro
TOP-Platz. Sehr schön gelegen und angelegt

Energie und Emotionen

Der Tag fängt doof an. Um 5 Uhr kräht der erste Hahn, viele weitere folgen in kurzen Abständen. Und das, nachdem ich mir am Abend zuvor in der Camping Bar drei Heineken bestellt hatte, bevor ich noch Rotwein zum Abendbrot, ähh Abendbaguette hatte. Mein Zelt hatte ich ganz dicht hinter ein Mobilhome aufgestellt, um mich vor dem Wind zu schützen. Nachdem diese Hähnchen die Stille provoziert haben, wird im Mobilhome ein Radio mit französischen Schlagern angestellt, darunter mischen sich Stimmen. Non, ich glaub´ es nicht. Ich schlafe noch mal kurz ein, aber um 6:30 Uhr ist dann doch die Nacht endgültig vorbei. Einpacken.

Ich freue mich auf die bevorstehende Fahrt, ich werde an viele Orte kommen, an denen ich früher schon einmal gewesen bin. Zunächst fahre ich zurück auf die Küstenstraße, dann fahre ich die Stichstraße hinunter nach Vaucottes und treffe in der Enge zwischen den Felsen auf das Meer. Ein Windsurfer bereitet sich am Kiesstrand vor. Das Licht ist perfekt, die Luft sehr klar und die von der Sonne angestrahlten weissen Wolken zeichnen sich gestochen scharf vor dem blauen Himmel ab. Der nächste steile Anstieg steht bevor, und schwupps bin ich darüber und fahre die traumhafte Küstenstraße mit den Kehren hoch über dem Meer nach Yport hinein. Ich mag diesen Ort sehr, so muckelig gelegen und sehr gemütlich. Im Tabac gibt es den ersten GCC, in der Boulangerie mit der grünen Front köstliche Croissants Amandes. Dem folgt ein kurzes genussvolles Verweilen an der Küste. In Criqueboef-en-Caux fahre ich auf das Grundstück des Chambre D´Hote, wo wir mal zwei Jahre hintereinander auf unserer Rückreise vom Cotentin zwischenübernachtet haben. Die doch nun schon recht alten Inhaber sind leider nicht daheim, aber alles deutet darauf hin, dass es sie noch gibt…Schade, ich hätte sie gerne begrüßt.



Ein Bauer sperrt kurz vor mir die kleine Küstenstraße ab. Rushhour am Morgen. Die Schwarzweißen sind etwas abgelenkt von mir und wollen nicht so recht. Der Bauer und ich halten einen kurzen Schwatz, kurz darauf führt der Weg durch ein Feld mit Leinen. Die feinen Halme wiegen im Wind hin und her, der Blick zurück fällt auf die Kühe. Es scheint so, als gehen sie in Reih und Glied über die Klippe ins Meer.



Im weiteren Verlauf folgt Fecamp. Dort ist Markt, es gibt Aprikosen aus der Provence zu kaufen, die ich wenig später am Hafen genieße. Danach bekämpfe ich erneut einen sehr steilen Anstieg zur Kapelle hinauf.



Aber irgendwie bin ich heute lustlos und ständig in leeren Gedanken. Komisch heute. Mmhh. Ich komme nur langsam voran, bleibe ständig stehen, komme nicht richtig in Tritt. In St- Pierre-en-Port ist ein kleiner Laden. Ich beschließe mein Proviant für heute einzukaufen. Als ich mein Rad an die Hauswand lehne, steigt eine sehr alte Frau die zwei Stufen aus dem Laden hinunter. Sie schaut zur Seite und erblickt mich. Dabei sagt sie sehr trocken “Un velo…ah, un pedalier.” Sie sieht aus wie mindestens 100 Jahre!!! Sie geht auf mich zu und reicht mir die Hand. Als ich meine Hand in ihre führe, verbiegt sich einer ihrer sehr langen gelben Fingernägel! Ich befürchte ihr weh getan zu haben, aber es ist nichts passiert. Alles heil. Sie möchte wissen, wie weit ich denn schon heute gefahren sei. “35km“. “Ohh“. “Wie weit noch?” “Bis Dieppe“. Wir plaudern noch ein wenig, sie macht einen sehr fitten und kontrollierten Eindruck. Ich sage ihr, dass ich nun noch Käse kaufen müsse -“pour l´energie!” Sie schaut an mir herunter, klappst mir mit der Hand auf meinen mittlerweile sehr flachen Bauch und meint, ich könnte es vertragen… Sie reicht mir erneut die Hand, verabschiedet sich und wünscht mir einen schönen Tag. Danach schleicht sie davon, wie ein Geist.

In Les Grandes Dalles freue ich mich über eine schöne schnelle Abfahrt durch den Wald. Am tiefsten Punkt geht es auf der anderen Seite wieder -genauso steil- bergauf. Der Verlauf der Straße ist spiegelbildlich- erst bergab, dann bergauf. Das Gelände verläuft ständig so. da kommen doch einige Höhenmeter zusammen. An der Ausfallstraße in St. Valerie-en-Caux passiert es dann. Es geht -natürlich bergauf-, bei langsamer Fahrt. Ich fummel an meinen zum Trocknen auf die Taschen aufgespannten Socken herum. Dabei schlenker ich herum und touchiere ich mit dem Vorderrad den Bordstein. Ich kann das Gleichgewicht nicht mehr halten, springe ab, rolle mich über den Gehweg ab und bleibe im Gras liegen. Nichts passiert, zum Glück. Bei nächster Gelegenheit trinke ich in Veules-les-Roses einen GCC und beschließe heute nur noch die 40km bis Pourville-sur-Mer zu fahren und dort zu bleiben. In Quiberville kommt wieder Leben zurück in meinen Körper, muß an der unmittelbaren Nähe zum Meer liegen und dem Geruch nach Algen und Fischernetzen. Kurz dahinter fahre ich von hinten an einen Rennradler heran. Er ist sehr langsam. Er nimmt mich wahr und fängt sofort an zu quatschen. Nun traue ich mich nicht mehr, ihn mit meinem schweren Bock am Berg nass zu machen, schließlich wurde ich gerade in ein Gespräch verwickelt… Ich schätze ihn auf mindestens 60 Jahre, er sieht ein wenig aus wie Laurent Fignon im Rentenalter. Seine Waden bestehen nur aus Sehnen und schlanken Muskeln. Er ächzt und schnaubt, ist viel zu langsam für mich…. Ich verstehe in fast nicht, er nuschelt so sehr, als hätte er am letzten Berg sein Gebiss verloren. Er möchte wissen, wohin ich fahre. “Zum Camping in Pourville”. Er erzählt viel, ich verstehe nichts. Eigentlich wollte ich sofort auf die Promenade, er aber verspricht mich zum Camping zu begleiten und biegt vorher rechts ab. Zwei Camping zur Auswahl, der eine links, der andere rechts der Straße. Vor den Toren bleiben wir stehen, “Fignon” reicht mir zum Abschied die Hand zum Brudergruß, haut mir auf den Rücken und schleppt sich davon. Der Camping ist toll. Das Zelt baue ich vor einem kleinen Teich auf, in der Mitte davon ist eine Halbinsel, auf der Esel, Pferde, Ziegen und Enten ihre Zeit verbringen.



Pourville-sur-Mer: Ich freue mich sehr, diesen Ort wiederzusehen. Es gibt sicherlich schönere Orte, aber Pourville hat eine sehr starke Wirkung auf mich. Das Wetter ist perfekt, der Himmel ist extrem blau, die Sonne gleißend hell, der Wind …fast schon extrem stark. Nach einem schnellen Zeltaufbau fahre ich sofort an die Promenade. Umziehen dauert mir zu lange. Die Terrasse des Bar Restaurant “Les Regates” ist mir vom Besuch in 2009 mit meiner Liebsten noch in bester Erinnerung. Der kantige Flachdachbau aus den 70ern hat echt Charme, der fast in schwarz gestaltete Innenraum sowieso. Auf den schwarzen Esstischen liegen Schallplatten als Telleruntersetzer, davor stehen schwarze Stühle auf dunkelgrauem gemusterten Teppich. Es gibt ein Paar bunte Platten als Raumteiler, in türkis, rot, gelb, magenta. Durch die lange Fensterfront wird der Blick direkt auf das Meer freigegeben. Die Decke ist weiß und … wie soll ich das beschreiben…mit x-förmigen hohlen Steinen besetzt. Nun, ich verbringe zunächst zwei Stunden in der Sonne auf der Terrasse bei zwei GCC und später einem Leffe und mache so meine Notizen in mein Reisetagebuch. Der Hunger ruft. Als die Küche geöffnet wird steuer ich in den stylischen Innenraum. Ich bin dort der einzige Gast, aber alle Tische sind reserviert. Am künstlichen Aquarium mit Fischen aus Metallfolie und Meerespflanzen aus Papier und Plastikfolie wird mir kurzerhand ein Platz zugewiesen. Ausgiebig verspeise ich Moules à la Creme mit Brot, einem üppigen knackigen Beilagensalat, Leffe und abschließend einen GCC. Für 20,50 Euros.

Nach dem Essen vertrete ich mir noch die Füße auf der Promenade und am Kiesstrand. Zwischen den Kieseln liegt der perfekte Kreidebrocken, um mich und meine Reise an der Mauer der Promenade temporär zu verewigen. Je tiefer die Sonne über dem Meer steht, desto besser wird das Licht. Im Westen ist alles gleißend hell, im Osten ist die Kreideküste so weiß wie das strahlendste Weiß und das Grün oben auf den Klippen so grün wie… mein Fahrrad. Auf dem Strand steht ein Traktor, der das letzte Fischerboot aus dem Wasser zieht, weniger als fünf Menschen sind auf dem Strand… es ist perfekt. Ich denke kurz darüber nach, noch einen Tag oder ein Jahr hier zu bleiben, entscheide mich dann aber dagegen, da es besser als heute nicht werden kann. Zurück auf der Promenade schaue ich noch einmal mit sehr viel Zeit und Ruhe in die Runde, um diesen perfekten Abend und seine Stimmung für lange Zeit zu konservieren.





Zurück auf dem Camping, sehe ich in einem Wohnmobil mit britischem Kennzeichen einen Fernseher mit dem Programm der Euro 2012. Deutschland spielt gegen Portugal. Ich mache mich bemerkbar und gestikuliere, um den Spielstand zu erfahren. Der englische Sir, der mich an den grauhaarigen steifen Mann aus der After Eight Werbung erinnert, schaut mich mürrisch an. In diesem Moment erzielt Mario Gomez das 1:0.

Der Abend geht mit einem Himmel in orange mit kleinen Schäfchenwolken zu Ende. Kein gutes Wetterzeichen.


Tag 10, Sonntag 10.06.2012
Pourville-sur-Mer -> Cocquerel, 124km, Ø 18,5km/h
Start: 08:20, Ziel 19:00
Wetter: bewölkt, später Regen. 15-20°C. Wind SO /O
Chambre D´Hote in Cocquerel, 30 Euro ohne Frühstück
Sehr schöne und gepflegte Unterkunft mit Küche.

Der Raub

Die Vögel sitzen bereits auf der Längsstange von meinem Zelt, der Esel iaaaht, das Pferd wiehert und die Enten schnattern. Es ist 6:30 Uhr. Nur die Ziegen schlafen wohl noch.

Der Himmel ist etwas zugezogen. Ich reise ab und fahre wieder zur Promenade. Die Farbe des Meeres verschwimmt in türkis, blau und grau. Ich folge der Straße nach Osten, am 70er Jahre Bau des “Les Regates” und am noch cooleren 70er Jahre Bau des “L´Huitriere” vorbei. Am Ortsende quält sich die Straße wieder in Kehren auf über 80 m Höhe, wenig später geht es sehr steil bergab am Chateau vorbei hinunter nach Dieppe. Auch nicht die schönste Stadt, aber auch hier fühle ich mich extrem wohl. Unter den Arcaden genieße ich den ersten GCC des Tages. In der Fußgängerzone ist es ruhig, ein kleiner Aufsteller weist den Weg zu einem Artisan Boulanger, E. Sagot. Und das ist er tatsächlich. In der mickrigen Boulangerie im Eckhaus stehen Vater und -vermutlich- Tochter eingeengt hinter dem viel zu kleinen Tresen. Nun erst erkenne ich einen Dritten, der soeben die Brote aus dem Ofen in der Ecke zieht. Der Laden ist schon extrem und die sehr dunkel gebackenen und unglaublich leckeren, feinknusprigen, buttrigen, warmen… Croissants Amandes extrem gut. Da das Chausson aux Pommes und das Kouing Amann nicht schlechter aussehen, sacke ich diese auch gleich ein. Es ist schließlich Sonntag und vielleicht gibt es bald nichts mehr zu kaufen…

An der Hafenkante verspeise ich mein erstes Gebäck, eine Möwe bettelt wie ein Hund einen Meter vor mir. Das Laden meines Handys mit dem E-Werk bereitet mir seit einigen Tagen Probleme. Nachdem ich aufgegessen habe, schaue ich mir die Einstellung am E-Werk unter dem Oberrohr an. Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel einen Schatten und das Rad wackelt. Als ich mich umdrehe, sitzt die Möwe auf der Rolle auf dem Gepäckträger. Als ich mich in der Hocke umdrehe, springt sie davon. Ich mache also mit meiner Überprüfung weiter. Momente später will ich dann weiter fahren. Nanu, warum liegt den mein Baguette auf dem Asphalt? Die Möwe blickt ziemlich doof rein… Na warte, wenn du das einmal versucht hast, dann traust du dich auch ein zweites Mal. Ich stopfe das Baguette wieder zurück tief in die Aussentasche, neben die Weinflasche. Das Baguette ist ziemlich fest eingeklemmt. Ich zücke meine Kamera, schalte sie ein und trete drei Schritte zurück. Die Möwe fliegt oder springt wieder auf die Rolle, packt mit dem Schnabel die Baguettetüte und reißt sie mit Inhalt heraus. Das Baguette fällt auf den Asphalt. Das ging so schnell, dass ich gar nicht mehr eingreifen konnte. Ich gehe auf MEIN Baguette zu, die Möwe schnappt es wie ein Hund, das Baguette hat sie nun quer im Schnabel, und fliegt damit über die Hafenkante. Sie hat es mir geklaut! Über dem Hafenbecken lässt sie es fallen…



Ich verlasse Dieppe über Puys die Küste entlang. Zwei Rennradler begleiten mich. Im weiteren Verlauf passiere ich Criel, Le Treport und Ault. Von Le Treport mache ich einen kleinen Abstecher nach Eu, um das doch sehr üppige Chateau d`Eu zu sehen.
Am Ausgang von Ault ist es wieder heftig steil. Es ist Sonntag Mittag. Es regnet. Am steilsten Stück liegt rechts ein kleines Restaurant und es duftet nach Muscheln. Ich kämpfe mich den Berg hoch, schau nach rechts. Die Restaurantgäste mit Fensterplatz schauen zu mir und feuern mich an… Danke. Bon Appetit.

Hinter Ault wechselt die Landschaft. Die Kreideklippen senken sich ab und es beginnt eine Dünenlandschaft. Der Küste entlang folgt ein kleiner Radweg durch die Dünen. Der ist sehr schön, allerdings verschluckt der Regen sehr viel von der tollen Aussicht. In Le Hourdel mündet die Somme in den Atlantik. In St. Valerie-sur-Somme treffe ich im starken Regen auf eine Promenade an der Somme. Auf der Ecke steht ein kleiner Verkaufsstand mit frischen gebrannten Erdnüssen und Nougat. Es duftet so gut! Nachdem mich der Verkäufer mit einer Kostprobe verwöhnt hat, kaufe ich mir frische, gebrannte warme Mandeln.



Im weiteren Verlauf folge ich einem Radweg entlang dem Canal de la Somme. Der Weg geht schnurstracks geradeaus bis Abbeville und ist nicht so toll. Abbeville wird den Wettbewerb der schönsten Städte nicht gewinnen, dennoch ist die Kirche St. Vulfran phantastisch. Die nächsten Orte an der Somme sind unspektakulär, aber nett, In Cocquerel ist ein Wegweiser zu einem Chambre D`Hote. Hier beende ich meinen Regentag, trockne meine Ausrüstung und dusche lange sehr heiß.



Am Abend kommt doch noch kurz die Sonne raus und von meinem Zimmerfenster habe ich einen schönen Ausblick über die Picardie mit ihren sanften Hügeln und Wäldern.


Tag 11, Montag 11.06.2012
Cocquerel -> Plouvain, 153km, Ø 20,5km/h
Start: 08:15, Ziel 19:45
Wetter: Regen. Ab 16:00 trocken, aber bewölkt. 16-18°C. Wind NW
Camping in Plouvain, 8,56 Euro, mangelhaft

Land der Toten und die “Schimcher”

Kurz nach dem Aufstehen schüttet es wie aus Kübeln. Durch den Starkregen fließt das Wasser auf der Straße vor meiner Unterkunft wie ein Fluss den Hang hinab. Long ist ein sehr schönes Dorf. Nach fünf Kilometern habe ich eine Reifenpanne. Na super. Während ich den Hinterreifen flicke, hört es auf zu regnen. In Flixecourt steht an der Straße ein phänomenales Chateau. Nicht nachvollziehbar, warum das in der Michelin-Karte nicht benannt ist. Hier verlasse ich die Somme und fahre nach Naours mit seiner unterirdischen Stadt. Die 11 Euros für den Eintritt sind happig, dennoch lohnt der Besuch. Ausserdem habe ich die Möglichkeit, etwas Zeit im Trockenen zu verbringen. In über 30 Metern Tiefe wurden Gänge, Räume, Ställe, Brunnen, Kamine und eine Kapelle in den weichen Kalkstein geschlagen.



Die Weiterfahrt geht durch sanfte Hügel nach Amiens. Die Kathedrale- das größte Sakralgebäude Frankreichs- und der Tour Perret sind schon weitem sichtbar. In Amiens grüßt dann wieder die Sonne. Die Fußgängerzone ist schon sehr charmant. Auf dem Vorplatz der Kathedrale gönne ich mir eine kleine Pause, anschließend werfe ich einen Blick hinein. Der lichtdurchflutete Innenraum ist beeindruckend groß und prächtig. Wenn ich mir überlege, dass sich neben mir vielleicht noch zehn weitere Personen darin aufhalten und an Notre-Dame in Paris eine Menschenschlange von 100 Metern gewartet hat…



Über den Quai Belu mit seinen netten kleinen Kneipen und Restaurants verlasse ich Amiens und steuer Richtung Corbie. Mönche aus Corbie haben seinerzeit das Kloster Corvey in Höxter gegründet. Sein Name wurde von Corbie abgeleitet. Ausser der Abtei mit seinen Einschußlöchern aus dem Krieg gibt es hier nicht viel zu sehen. Ab Corbie folge ich der Ancre bis Albert. Alle paar hundert Meter ist die Straße von Soldatenfriedhöfen gesäumt. Im ersten Weltkrieg sind hier in dieser Gegend über 1 Million Menschen im Krieg gefallen. Die Friedhöfe sind so zahlreich, dass zum Teil nicht mehr nur nach den Nationalitäten getrennt wird, sondern auch nach Divisionen. Albert ist eigentlich ganz nett, jedoch durch den Veteranentourismus sehr stark anglisiert. Kurze Zeit später steht in Thiepval ein megagroßes Monument zur Erinnerung an die gefallenen französischen und englischen Soldaten. Das dunkle und graue Wetter passt zur Geschichte, es bleibt aber trocken. Der weitere Verlauf nach Arras ist wieder recht eintönig.



In Arras suche ich den Camping auf, der ist aber leider geschlossen. Ich verpasse es dadurch leider total, etwas von der netten Altstadt zu sehen. Am Bahnhof frage ich Polizisten nach einer anderen Unterkunft. Es gibt eine hinter der Brücke, links. Die Polizistin mit den Brandnarben im Gesicht erklärt mir den Weg zu einem Chambre D`Hote. Ich verstehe nichts. Sie sagt immer “Schimcher”….”Schimcher”… Ich weiß gar nicht, was sie meint, bis sie mir das Wort in mein Büchlein schreibt… “Cimetiere”. Alles klar im Pas-de-Calais…

Der nächste Camping ist in Plouvain, östlich von Arras. Hier sollte ich nun die Nacht verbringen. Ich werde von den “Gästen” freundlich empfangen. Hier scheinen bereits belgische Verhältnisse zu herrschen: Wer sein Heim verloren hat, der wohnt auf dem Campingplatz. Ich frage nach der Rezeption, die gibt es aber nicht wirklich. Neben den sanitären Anlagen steht ein Wohnwagen, hier wohnt der Betreiber. Er kommt angetorkelt. Er sieht nicht nur so aus wie ein Obdachloser, er stinkt auch von oben bis unten zugepisst in seinen zerrissenen Klamotten wie einer. Er ist nicht in der Lage, mir einen Preis zu nennen. Ich bleibe trotzdem. Später, nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, nennt er mir den Übernachtungspreis: 8,52 Euro. Auf die 20 Euro die ich ihm reiche, ist er nicht in der Lage das bereits passend abgezählte Geld herauszugeben. Das macht dann seine Frau. Die sanitären Anlagen sind im gleichen Zustand wie sein Betreiber. Ich packe nur den Schlafsack und die Isomatte aus und schlafe bald ein.


Tag 12, Dienstag 12.06.2012

Plouvain -> Gent, 151km, Ø 20,5km/h
Start: 07:15, Ziel 18:00
Wetter: bewölkt, ab nachmittags Regen. 16-18°C. Wind NW / N
Goeiemorgen B&B in Gent, 40 Euro ohne Frühstück und ohne Bettwäsche (verhandelt)
Sehr schöne und gepflegte Unterkunft mit Küche und Wohn- Esszimmer im Kunstenkwartier

Wohlfühlfaktor zum Abschluß

Um 07:15 Uhr sattel ich bereits auf, um 7:25 Uhr halte ich schon vor der kleinen Boulangerie an der Brücke in Biache-Saint-Vaast. Die Regale sind noch nicht eingeräumt. Ich bekomme mein Croissant Amandes direkt vom Regalwagen. Es ist noch fast heißt und macht noch süchtiger!

Douai ist nett. Eine gemütliche kleine Altstadt gibt es hier. Auf einer Terrasse eines Cafes am Place D´Armes gibt es meinen Starter in den Tag. Die Einfahrt nach Lille ist entlang der stark befahrenen D549 eine Katastrophe, aber ein einfacher und direkter Weg in die Altstadt. Am zentralen Grand Place rufe ich beim Bed on Boat / Bon Vivant in Gent an, um nach meiner Übernachtung in Gent zu fragen, aber leider sind die ausgebucht. Das bedeutet nun, dass ich rechtzeitig in Gent ankommen muß, um eine Übernachtung zu organisieren. Mehr als die alten Gebäude um den Grand Place bekomme ich nicht zu sehen, aber Lille werde ich bei nächster Gelegenheit etwas intensiver besuchen.



In Lille suche ich den Kanal La Marque Canalisee, klappt auch zunächst, jedoch verliere ich die Weiterführung in Roubaix. Somit fahre ich einmal quer durch diese bekannte Stadt des Radsports. Überall sind Hinweise darauf zu finden. In der Nähe von Wattrelos treffe ich dann auf den Canal de Roubaix, der mich nach Belgien führt. Der Grenzübertritt ist nicht zu spüren. Erst, als die Beschilderung zweisprachig ist, weiß ich Bescheid. Kurz hinter der Grenze ist ein kleines gemütliches Cafe, oder eine Bar, am Wegesrand. Zeit für einen GCC in Wallonie. Nach maximal 10 km bin ich in Flandern und folge nun ab Spiere der Schelde. Entlang der Schelde ist es recht langweilig. Eine Ausnahme bildet Oudenaarde mit hübschen und prächtigen Gebäuden links und rechts vom Fluß. Mein besonderes Highlight ist jedoch die hydraulische Hubbrücke im Zentrum. Die Brücke ist auf vier riesigen Kolbenstangen von hydraulischen Zylindern gelagert. Diese fahren gleichmäßig aus und bewegen die Fahrbahn bis auf das eingestellte Maß senkrecht nach oben. Der Kanalfrachter, der unten darunter herrauscht, hat zwischen Dach der Steuerkabine und der Brücke vielleicht 30cm Platz. Dann wird die Brücke wieder abgesenkt und der Straßenverkehr darüber freigegeben. Im kleinen Altstadtkern gehe ich noch mal Einkaufen. Speculoos Crunchy für das Frühstück am Sonntag daheim. Mmmhhh.

Kurz vor Gent steht am Radweg ein Gedenkstein zu Ehren von Wouter Weylandt, Dimitri De Fauw und Frederiek Nolf, alle in Gent und Belgien unvergessene Radrennstars.



Wie so oft auf meiner Reise läuft es einfach rund. Ich habe noch keine Unterkunft und es ist ein internationales Fest in Gent. An einer roten Ampel spricht mich ein junger Mann an und interessiert sich für meinen Besuch in dieser tollen Stadt. Ich erkläre ihm, dass ich eine Unterkunft suche. Natürlich kennt er ein B&B in der Nähe, im Kunstenkwartier. Es ist noch ein Zimmer frei. Das Haus ist sehr modern und künstlerisch toll gestaltet und ist einfach…phantastisch. Im Erdgeschoß gibt es eine Gemeinschaftsküche und einen Wohnraum für die Gäste der drei Doppelzimmer. Els und Johan, die Betreiber vom Goeiemorgen B&B, sind unglaublich nett. Hier kann man sich nur wohlfühlen.

In den letzten 12 Monaten bin ich nun schon zum dritten Mal in Gent. Die Stadt ist einfach toll und ich komme immer gerne wieder. Im Kunstenkwartier esse ich dann zum Abschluß standesgemäß in einer Frituur einen Spieß mit Gehacktem im asiatisch gewürztem Teigmantel, eine Groote Frieten met Pindasaus und einem Duvel dazu.



Aus der nahegelegenen Eisdiele gönne ich mir zum Dessert noch ein Spekulaas-Eis. Den Abend lasse ich bei einigen Trappistenbieren ausklingen. Der Abend ist vorbei. Diese Reise ist vorbei. Es war einfach nur geil.



Tag 13, Mittwoch 13.06.2012
Rückreise

Mein Zug fährt gleich ab. Ich schiebe mich und mein Rad durch die wunderschöne Halle vom Bahnhof Gent-Sint-Pieters. Gäbe es dort nicht einen Stand, an dem mit Zartbitterschokolade überzogene Erdbeerspieße verkauft würden, hätte ich auf dem Bahnsteig länger warten müssen.

Die Heimfahrt über regnet es fast die ganze Zeit. In der Nähe von Verviers sind schon kleine Flüsse über die Ufer getreten, die Regenmassen fließen nur so die Felsen hinab. In ein Paar Stunden bin ich Zuhause. Ich habe alles richtig gemacht.
Grüße von Olaf
N'arrête pas. Le vélo, c'est la santé. (Luneau)
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#852942 - 09.08.12 22:55 Re: Teil 2: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
gibbi_affe
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Beeindruckende, fantastische Bilder! Frankreich ist ein tolles Land zum Radeln schmunzel
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#853541 - 11.08.12 20:06 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
westweg
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Habe mir gerade Deinen sehr interessanten Bericht angesehen.
Habe auch schon mal überlegt eine Tour durch Frankreich zum
Atlantik zu machen. Du hast nicht zufällig eine Übersichtskarte
gefertigt, wie Dein Weg verlaufen ist.

Bisher habe ich von Frankreich Abstand genommen, weil man
von der Westküste mit dem Flugzeug so schlecht weg kommt. Ist sehr
teuer. Und mit dem Zug ......? Das dauert.

Wie sind Deine Erfahrungen.
Michael - Niederrhein
Der Weg ist mein Ziel
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#853547 - 11.08.12 20:23 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
gibbi_affe
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Karte war doch im Bericht schon eingebettet zwinker Siehe:

In Antwort auf: felgenbieger

Geändert von gibbi_affe (11.08.12 20:23)
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#853568 - 11.08.12 21:24 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: gibbi_affe]
westweg
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Beiträge: 24
Wer lesen kann ist klar im Vorteil.
Mit der Karte kann ich etwas anfangen.
Mal schauen, ob ich daraus etwas für
mich machen kann. DANKE
Frage: Ist es schwer die Fotos in den
Bericht hineinzubekommen. Bin edv-tech-
nisch eine Niete.
Gruß
Michael - Niederrhein
Der Weg ist mein Ziel
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#853645 - 12.08.12 08:54 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
meterfresser
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 428
Unterwegs in Deutschland

Moin,
danke für den schönen Reisebericht und die klasse Bilder. Da freu ich mich schon gleich noch mehr auf unsere Tour in zwei Wochen, obwohl wir leider nicht an die Küste kommen werden.

Schöne Grüße,

Chris
All we are is dust in the wind
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Off-topic #853654 - 12.08.12 09:37 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: westweg]
Holger
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Beiträge: 13854
Du musst die Bilder irgendwo im Web abgelegt haben. Wenn Du sie nur bei Dir auf der Festplatte hast, geht es nicht.

Hier eine Anleitung: HowTo: Bilder in Beiträge einfügen (Forum)

Ansonsten noch ein Hinweis: Es ist nicht nötig, eine Zeile mit "Enter" zu beenden. Die Forensoftware übernimmt den Zeilenumbruch. Die "Enter"-Taste ist nur dort nötig, wo Du einen Absatz machen willst.

Viele Grüße,
Holger
Ernst Alexander Rauter hat recht. Das Adjektiv - wo es nicht zwingend ist, ist es falsch.

Geändert von Holger (12.08.12 09:37)
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#853713 - 12.08.12 12:56 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
radfieber
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Beiträge: 29
Toller Bericht. Ich will da auch hin.
--
Reiseberichte und Fotos:
http://radreisen.wordpress.com/
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#854035 - 13.08.12 09:09 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: westweg]
velOlaf
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Beiträge: 611
In Antwort auf: westweg
Wie sind Deine Erfahrungen.


Mit dem Bahnfahren und Reiserad in F habe ich keine Erfahrungen. Ich habe jedoch in der Vergangenheit vernommen, daß die Aussagen dazu weit auseinandergehen. Daher war es für mich wichtig, von Belgien aus mit der Bahn zurück zu fahren, da hier die Verbindungen sehr dicht und unkompliziert sind.

PS an alle: Freut mich, daß euch mein Bericht gefällt

Edit: Das noch zur Info. Vielleicht hilft es ja. Bahnverbindung im Sommer von Nantes nach Orleans. Von Orleans bis Paris sollte es immer eine gute Verbindung geben. Ich kenne diese Möglichkeit aber nicht.

Loire a velo
Grüße von Olaf
N'arrête pas. Le vélo, c'est la santé. (Luneau)

Geändert von felgenbieger (13.08.12 09:18)
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#855935 - 19.08.12 17:08 Re: Teil 2: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
westweg
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abwesend abwesend
Beiträge: 24
Hallo Olaf,

ich habe mich auch von Deinem Bericht inspirieren lassen und mir für das nächste Jahr für meine Radtour Frankreich vorgenommen. Meine Grobplanung steht. Das Ein oder Andere kann sich noch verändern. Hänge Dir einmal meine Überlegungen als Kartenübersicht an:

http://www.stepmap.de/karte/frankreich-2012-1163527

Gruß Michael
Michael - Niederrhein
Der Weg ist mein Ziel

Geändert von westweg (19.08.12 17:09)
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#855992 - 19.08.12 19:58 Re: Teil 2: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: westweg]
velOlaf
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Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 611
Hallo Michael,
schön das Dir meine Reise als Inspiration dient.
Den einen oder anderen Ort habe ich ja auch besucht. schmunzel
Ich vermute, Du möchtest gegen den Uhrzeigersinn fahren?? Denk daran, daß kann eine heftige Nummer werden. Der Wind sollte nicht unterschätzt werden und kann echt an die Nerven gehen. Ich bin gut trainiert und ausdauernd, aber jeder Wind ist unangenehmer als Berge. bäh

Denke doch mal darüber nach, ob Du den Schlenker entlang der Küste der Halbinsel Cotentin nicht fahren möchtest. Es ist wirklich sehr schön dort und wäre schade nicht besucht zu werden. Die Küste wechselt zwischen phantastischen Sandstränden bei Reville und schroffer Steilküste am Nez de Jobourg. Falls Du hier Tips brauchst, ich kenne das Cotentin recht gut. Es gibt viele Abschnitte direkt an der Küste entlang, gerade die Gegend ums Cap La Hague ist traumhaft und wesentlich schöner als die Gegend um Carentan.
Die Loire haben wir in Grobplanung für 2013 mit dem Tandem. Zur Info dazu hatte ich ja bereits den Link weiter oben angehängt.

Aber Deine Planung gefällt mir, möchte ich auch gerne fahren schmunzel
Grüße von Olaf
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Geändert von felgenbieger (19.08.12 19:58)
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#856841 - 22.08.12 14:27 Re: La France à Velo - Nordfrankreich 2012 [Re: velOlaf]
grüner fleck
Nicht registriert
Merci pour ce "Tour de France - Version Nord", Monsieur le Bicicletteur!
Sehr schöner Bericht. Macht Fernweh.
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www.bikefreaks.de