15. Tag: Dschungelwanderung
Pilón – Niquero
Samstag, 18. November (diesig)

Um 6.30 Uhr saß ich nach einem mageren Frühstück auf dem Rad. Da ein Polizist auf der Hauptstraße stand, musste ich über ein nicht genutztes Industriegelände zur Hauptstraße gelangen. Ich wollte heute beizeiten losfahren, um den Anstieg vor der großen Hitze zu überwinden. Auf der Passhöhe wurde das Wetter schlechter. Bei strahlendem Sonnenschein war ich losgefahren, aber jetzt war es ziemlich diesig. Bis Niquero gab es überhaupt keine Steigung zu überwinden. Vielleicht hätte ich es gestern doch geschafft? In Niquero führte die Straße direkt am Hotel vorbei. Dies wäre meine Notfallunterkunft, falls der Campismo wieder keine Ausländer aufnehmen oder renoviert werden würde. Der Campingplatz in Playa Las Colorades wurde tatsächlich renoviert. Nichts desto trotz wollte ich im Meer baden. Das Meer war spiegelglatt und so flach, dass man 100 Meter weit hinauslaufen konnte, bis der Bauch nass wurde. So richtig zum Schwimmen kam ich da natürlich nicht, aber ich hatte mich wenigstens erfrischt.
Danach fuhr ich zum Nationalpark „Desembarco del Granma“. Am Eingang des Nationalparks stößt man auf eine Replik des Bootes Granma, das Original steht im Revolutionsmuseum in Havanna.. Am 25. November 1956 landeten 82 Revolutionäre hier in Kuba, um die Revolution fortzusetzen. Bei einem Gefecht verloren 70 von ihnen ihr Leben. Die Gebrüder Castro, sowie Che Guevara, überlebten und konnten in die Sierra Maestra fliehen. Von dort aus führten sie die Revolution erfolgreich fort. Ohne das angeschlossene Museum zu besuchen fuhr ich über die palmengesäumte Straße weiter in den Nationalpark hinein. Die Straße wurde nun sehr wellig. Auch der Asphalt wurde mit jedem Kilometer rauer und die Schlaglöcher und Schläge heftiger. Allerdings war die Beschilderung sehr gut, so dass ich den Eingang zum Wanderweg „Sendero Arquelológico Natural El Guafe“ auf Anhieb fand.
Die Ticketbude war nicht besetzt. Ich stellte das Rad in die Büsche, damit es von der Straße aus nicht zu sehen war, und prägte mir die Schautafel mit dem Wanderweg ein. Dann zog ich los. Als erstes erreichte ich die Ausgrabungen der Taíno-Indianer. Ein winziges Haus und ein paar runde Vertiefungen im Erdreich gab es dort zu sehen. Im Gegensatz zur Natur, mit ihren Pflanzen und Blüten, wirklich unspektakulär. Auf dem Pfad raschelte und zwitscherte es permanent. Zahlreiche Vögel und äußerst scheue Eidechsen verursachten die Geräusche. Ich versuchte sie zu fotografieren, aber ich schaffte es kein einziges Mal richtig nah ranzukommen. Beim Filmwechsel kam der GAU. Meine Kamera maß die Empfindlichkeit des Filmes falsch. Aber seit der Niagara Tour kannte ich die Ursache, warum manche Filme in den letzten Jahren durchweg überbelichtet waren. Ich hoffte, dass es mir gelingt, diesen Fehler mittels Belichtungskorrektur auszugleichen und ging weiter. Wieder traf ich auf einen riesigen, beeindruckenden Kaktusbaum. Obwohl ich heute nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt war, lief mir auf der Wanderung der Schweiß in Strömen herunter. Der Weg führte mich zu einer kleinen Karsthöhle. Ich stieg hinab und wunderte mich über komische Kratzgeräusche. Das musste ich näher erforschen und fand dann auch den Grund dafür. Hunderte von Einsiedlerkrebsen bevölkerten die kleine Höhle. Wenn diese ihr Haus über den Boden zogen, gab es die Kratzgeräusche. Faszinierend. Den Wanderweg musste ich mir mit ein paar Blattschneiderameisen teilen, die eifrig Blätter in ihren Bau trugen. An der nächsten Höhle thronte ein Geier wunderbar auf einem abgestorbenen Baum. Ein perfektes Fotomotiv. Ich wechselte in Ruhe mein Objektiv, stellte es manuell ein, reduzierte meinen Puls und in dem Moment, als ich auslösen wollte, flog der blöde Geier davon. Schade. In dieser Höhle gab es ziemlich brackiges Wasser und die Taínos hatten aus einem Stalagmiten eine Figur herausgeschnitzt. Außer der Vegetation gab es auf dem weiteren Wanderweg keine Attraktionen mehr.
Wieder am Rad angelangt nahm ich die letzten drei Kilometer zum Cabo Cruz in Angriff. Dort fotografierte ich den Leuchtturm und ein paar heruntergekommene Fischerboote. Ansonsten gab es hier nichts von Interesse. Zu meiner Überraschung fand ich ein Restaurant und entschied mich für ein spätes Mittagessen. Es war ein klimatisiertes Restaurant, in dem man mit Pesos bezahlen konnte. Mein Fisch mit Pommes kostete dort gerade mal sieben Pesos Cubanos (28 Euro Cent). Das Bier dazu für 18 Pesos Cubanos schraubte den Preis gewaltig nach oben. In einer Casa Particular zahlt man für die gleiche Qualität ungefähr 5 CUC (125 Pesos Cubanos). Ich musste mehr solcher Peso-Restaurants finden! Und tatsächlich gab es noch zwei Stück zwischen Playa Las Colorades und Niquero. In einem machte ich eine kurze Pause. Nach dieser stand ich auch schon an der Rezeption des Hotels in Niquero. 16 CUC kostete das schöne, große, klimatisierte Zimmer. Billiger und besser als viele Casa Particulares. Bisher war das mein bestes Zimmer, die Übernachtung in Varadero eingeschlossen. Ich gönnte mir eine heiße Dusche und legte mich anschließend etwas hin und schlief ein. Um kurz vor 20.00 Uhr öffnete ich die Augen. Da ich nicht hungrig war drehte ich mich um und schlief weiter.