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#563244 - 24.10.09 01:02 Straßburg-Paris
StefanS
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 2928
Dauer:9 Tage
Zeitraum:26.9.2009 bis 4.10.2009
Entfernung:600 Kilometer
Bereiste Länder:frFrankreich
Externe URL:http://radreise-wiki.de/Stra%C3%9Fburg-Paris

Mich hat es berufsbedingt von München nach Paris verschlagen, und zwar seit Anfang September. Eigentlich wäre ich gerne "standesgemäß" umgezogen und mit dem Fahrrad nach Paris gefahren, aber leider war dazu keine Zeit. So fuhr ich am 30. August bei schönsten Wetter noch eine Abschiedsrunde durch die bayerischen Alpen und lud am nächsten Morgen mein Fahrrad (und andere Mitbringsel) in München in den TGV und sagte Bayern nach zweieinhalb Jahren ade.

Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Zumindest den Abschnitt von Straßburg nach Paris wollte ich auf jeden Fall nachholen, allein schon, um zu sehen, was denn so zwischen meiner alten und meiner neuen Heimat liegt. Diese Reise habe ich Ende September/Anfang Oktober unternommen und möchte darüber berichten. Es handelt sich nicht um eine klassische Radreise, da ich die Strecke aus Zeitgründen auf zwei Wochen aufgeteilt habe. Aber für mich war es trotzdem eine einzige, logisch zusammenhängende Reise.

Die Erkenntnisse, die ich dabei sammeln konnte, habe ich bereits zu einer Streckenbeschreibung im Radreise-Wiki verarbeitet, siehe den obigen Link. Vielleicht ist das ja für den einen oder anderen hier von Interesse, zumal Straßburg-Paris auch als Teil des "Paneuropa Radwegs" von Paris nach Prag beworben wird, Informationen über denselben aber dünn gesät sind. Jedenfalls nutze ich diese Stelle, um noch ein paar persönliche Eindrücken loszuwerden. Fotos dazu gibt es im Wiki zu sehen.

1. Tag: Straßburg - Nancy: 185 km

Frühmorgens ging es von meinem Domizil im Pariser Umland zum Gare de l'Est, um 6:54 fuhr der Zug und brachte mich pünktlich um 9:13 in Straßburg an. Eine Stadtbesichtigung habe ich mir gespart, da ich Straßburg schon von früheren Radreisen kenne, und bin gleich auf einer vorher ausgeguckten Route zum Canal de la Marne au Rhin gefahren. Überhaupt habe ich zuvor ein paar Abende damit verbracht, mir eine Route zurechtzulegen und Informationen die zu fahrende Strecke und über Sehenswürdigkeiten zu sammeln.

Von Straßburg und ganz durchs Elsass hindurch ging's erstmal am erwähnten Kanal. Eine sehr schöne und idyllische Strecke war das, außerdem prima Radelwetter mit etwas über 20 Grad, so dass ich das Forumstrikot spazierenfahren konnte lach (Heute, vier Wochen später, ist der Gedanke an solches Wetter schon ganz und gar verflogen...)

So um die Mittagszeit war ich im hübschen Städtchen Zabern. Danach ging es entlang des Kanals durch die Vogesen und damit nach Lothringen. Der landschaftlich schönste Teil der gesamten Strecke war für mich das "Vallée des Èclusiers" (Tal der Schleusenwärter), ein mittlerweile aufgegebener Altarm des Kanals.

In Sarrebourg hat man Marc Chagall angeheuert, um eine alte Kapelle mit sehr großen Glasfenstern auszustatten. Die fand ich ganz sehenswert, wenngleich die Eintrittspreise in Frankreich generell recht hoch sind.

Zwischen Gondrexange und Réchicourt durchquert der Marne-Rhein-Kanal eine wald- und seenreiche Landschaft, hier hoffte ich, den Treidelweg benutzen zu können. Allerdings war der gesperrt, man sah sich veranlasst, das Verbot sogar auf Deutsch hinzuschreiben, damit auch dumme Ausländer wie ich keine Ausrede haben traurig

Schade drum. Auf den kleinen Landstraßen ging es um so flotter dahin, zumal ich Rückenwind hatte. Das war auch notwendig, denn bis Nancy war es noch ziemlich weit. Es folgte der erste von mehreren Abschnitten, wo man zig Kilometer nur über kleine Dörfer fährt. Mehr als im dichter besiedelten Deutschland muss man hierzulande öfters mal "Kilometer fressen".

Um für Kurzweil zu sorgen, machte ich einen Abstecher nach Lunéville, was eigentlich nicht direkt am Weg liegt. Geschichtskundige wissen, dass in Lunéville 1801 ein Vertrag unterzeichnet wurde, der die Annexion des linken Rheinufers durch Frankreich und die Säkularisierung in Deutschland zur Folge hatte. Zuvor schon war mir die deutsch-französische Geschichte in Form von Soldatengräbern des Ersten Weltkriegs begegnet: ein deutscher Friedhof am östlichen Ortsrand von Lagarde, ein französischer am westlichen.

Es war schon nach 18 Uhr, als ich von Lunéville wieder aufbrach. Die Basilika von St-Nicolas-de-Port vor den Toren Nancys konnte ich nur noch von außen und in der Dämmerung bewundern. Als es gegen 20 Uhr endgültig Nacht wurde, hatte ich den Rand der Agglomeration um Nancy erreicht. Ein Hotelzimmer hatte ich schon vorgebucht, ein Formule 1 am südlichen Stadtrand. Es dauerte aber eine Weile, bis ich's fand. Und als ich da war, musste ich nochmal zurück, um meine Lenkertasche zu holen, die ich an einer Imbissbude vergessen hatte peinlich

So war es 21:30, bis ich endlich auf dem Zimmer war. Ich nahm mir vor, am nächsten Morgen um 7 Uhr aufzubrechen, um mir in Ruhe das Stadtzentrum von Nancy anzuschauen, und dann gemütlich nach Bar-le-Duc zu fahren.

2. Tag: Nancy - Bar-le-Duc: 124 km

Aus dem Plan wurde jedoch nichts. Mit dem Zu-Bett-Gehen stellten sich rätselhafte, vorher nicht dagewesene Schmerzen im Zahnfleisch ein, die mich die ganze Nacht plagten und wach hielten. Als ich mich schon damit abgefunden hatte, ganz ohne Schlaf weiter zu ziehen, fand ich um fünf Uhr morgens dann doch noch etwas Ruhe.

Aufgewacht bin ich dann um halb zehn (den Wecker hatte ich ausgestellt, da mir mittlerweile alles egal war). Die Schmerzen waren wieder weg und blieben es auch, aber der Schädel brummte mir wegen Schlafmangel. Um halb elf war ich dann, nach Stärkung am Frühstücksbuffet, auf dem Weg.

Die Neustadt von Nancy, vor allem rund um den Place Stanislas, war absolut sehenswert (Unesco-Welterbe übrigens). Aber auch die Altstadt hat nette Ecken. Insgesamt war ich über eine Stunde da, erst um 12 brach ich zur Weiterreise auf. Jetzt war mein Tagesziel doch etwas in Gefahr, musste ich doch Bar-le-Duc erreichen, um von dort mit dem Zug zurück nach Paris zu kommen.

War die Landschaft am ersten Tag weitgehend flach, gab es aus Nancy heraus einen anständigen, längeren Anstieg, dann eine Abfahrt zur Mosel. Im unbewohnten Abschnitt des Moseltals ein wunderschöner Radweg zwischen Wald und Fluss. Bei Villey-le-Sec bin ich dann aus dem Tal wieder raus, um mir den Ort anzuschauen, der wegen seiner Befestigungsanlagen (auch hier wieder die deutsch-französische Geschichte) immerhin einen Michelin-Stern hat. Aber ohne Führung kommt man in das Fort nicht rein, und viel zu sehen ist von außen nicht. Dafür waren von hier die Höhenzüge bei Toul sehen, Teil der französischen Schichtstufenlandschaft, die ein Spiegelbild der süddeutschen ist.

Toul mit seiner Kathedrale war auch das nächste Ziel. Direkt vor der Kirche war der Zielbereich eines Volkslaufs, und jeder eintreffende Teilnehmer wurde per Lautsprecher angefeuert.

Das heutige Besichtigungsprogramm war damit abgehakt, bis Bar-le-Duc gab es mit einer Ausnahme nur noch kleine Dörfer. Mit der Maas überquerte ich nach Saar und Mosel einen weiteren Fluss, den ich bislang gedanklich weiter im Norden angesiedelt hatte. Zwischen Void-Vacon und Naix-aux-Forges fand ich eine überaus verkehrsarme Landstraße, die gegenüber dem "Paneuropa-Radweg" auch noch eine erhebliche Abkürzung darstellt. Das Trockental im östlichen Teil ließ Erinnerungen an die fränkische Alb aufkommen.

Ab Naix-aux-Forges dann nochmal am Treidelweg bis nach Bar-le-Duc, wo ich gegen 19 Uhr eintraf. Zeit für eine ausführliche Stadtbesichtigung war nicht mehr, da mein Zug um 19:35 fuhr. Übrigens war der Zug (TER Vallée de la Marne) im Fahrplan ohne Fahrradbeförderung eingetragen, aber es gab trotzdem ein Fahrradabteil.

3. Tag: Bar-le-Duc - Épernay: 135 km

Am nächsten Sonnabend ging es mit demselben Zug wieder von Paris nach Bar-le-Duc zurück, um die Tour fortzusetzen. Leider fahren die Regionalzüge in Frankreich am Wochenende nicht so früh los, wie man das aus Deutschland kennt - erst um 11 Uhr traf ich in Bar-le-Duc ein. Dort bin ich erstmal zum Michaux-Denkmal gepilgert - schien mir eine gute Quelle für ein Bilderrrätsel zu sein, aber da ist mir schon jemand zuvorgekommen. In der Oberstadt war die Kirche mit der berühmten Skelettskulptur leider erst ab 14 Uhr geöffnet, die musste ich daher auslassen.

Es folgte eine lange Strecke über die Dörfer. Der Himmel war zwar blau, aber gegenüber der vergangenen Woche hatte es sich merklich abgekühlt, so kam das Forumstrikot unter der Windjacke diesmal nicht zur Geltung. Außerdem war der Ostwind durch Westwind abgelöst worden. Hui... in der flachen Landschaft der Champagne war das eine kräftige Brise, die mir da entgegen kam.

Gegenüber der "kanonischen" Route, die Vitry-le-Francois berührt, habe ich erheblich abgekürzt und bin über St-Amand-sur-Fion gefahren. Unterwegs gab es ein besonderes Jubiläum: Mein Tacho übersprang die 50.000-km-Marke. Anlass für eine Rast am Straßenrand mit Gedanken über all die schönen Radtouren, auf den mich mein jetziges Rad seit fünf Jahren begleitet. Habe meinem Rad dankbar den Sattel und Lenker getätschelt (klar, klingt albern, aber mir war danach schmunzel ).

Erste größere Sehenswürdigkeit war die Kathedrale von L'Épine, einem kleinen Ort, in dem man eine so große Kirche eigentlich nicht vermutet. Dort hatte ich ein weiteres besonderes Erlebnis: Als ich die Kathedrale wieder verließ, kam mir ein Mann hinterher, dem meine Radbekleidung auffiel. Er begrüßte mich überschwänglich, gab mir die Hand mit den Worten "Vous êtes en vélo? Félicitations, félicitations, ..." und fragte nach dem Woher und Wohin. Es war nicht zu erkennen, ob er sich selber für's Radfahren begeisterte, aber er war offenbar sehr glücklich, dass sich jemand von Deutschland aus mit dem Fahrrad in sein Dorf "verirrt" hatte. So etwas Nettes hatte ich noch nie...

Anschließend habe ich mir noch den größeren Ort Châlons-en-Champagne, die Hauptstadt des Departements Marne angeschaut. Die Kathedrale ist ein wilder Stilmix aus romanisch, gotisch und Renaissance. Mittlerweile war es sechs Uhr durch, und so musste ich etwas Gas geben, um rechtzeitig nach Épernay zu kommen. Da ich dort nämlich keine Bleibe unter 50 Euro finden konnte, war ich entschlossen, mit dem Zug hin und her zu pendeln und zu Hause zu übernachten. War aber letzten Endes kein Problem, bei Einbruch der Dunkelheit war ich in Épernay und konnte mich vor der Abfahrt noch mit einer typisch deutschen Köstlichkeit versorgen - einem Döner grins

4. Tag: Épernay - Paris: 160 km

Am nächsten Vormittag war ich um 10 wieder da und nahm erstmal Épernay in Augenschein. Die Altstadt gibt nicht viel her, dafür muss man sich wohl eher in die Kellereien begeben, denn Épernay ist als "Champagner-Hauptstadt" ekannt, viele berühmte Kellereien sind hier eheimatet und können teilweise esichtigt werden. Für mich eher nichts, so machte ch mich bald auf die Socken, icht aber, ohne auch Hautvillers einen Besuch bzustatten. In diesem schmucken örfchen wurde nämlich der Champagner erfunden. In er Ortsmitte saßen Touristen beim Frühschoppen, dem Dialekt nach Rheinländer.

Schon ein Stückchen vor Épernay ändert sich die Landschaft: War sie bisher eher offen und flach, folgt man nun der Marne in einem ausgeprägten Tal, in dem so ziemlich jede freie Fläche mit Weinbergen bebaut ist, selbst die Hänge auf der Südseite des Tals. Dabei bin ich der "Route touristique du Champagne" über die Weindörfer gefolgt. Eigentlich war das recht hübsch, wäre da bloß nicht der brutale Gegenwind gewesen. Zwei Stunden lang kam ich im Flachen kaum auf 20, erst dann ließ der Wind etwas nach. (Oder hatte ich mich nur daran gewöhnt?)

Abgesehen von der Landschaft gab es eigentlich keine touristischen Highlights. Nach 50 km kam mit Château-Thierry die nächste Kleinstadt, inzwischen war ich in einem Zipfel der Region Picardie angelangt, ohne dass sich die Landschaft geändert hätte. Nochmals grüßt unsere bilaterale Vergangenheit in Form eines großen (amerikanischen) Kriegsdenkmals hoch über dem Tal. Nochmal 30 km später, noch immer im Marnetal derselben Straße folgend, erreicht man die Region Île-de-France, in der Paris liegt.

Fast unmittelbar an der Regionsgrenze hören die Weinberge auf. Die Marne schlägt jetzt größere Schleifen, die man teilweise abkürzen kann. Zur Abwechslung bin ich dann mal auf einer größeren Straße, der N3, nach Meaux reingefahren. Der letzte größere Ort vor der Pariser Agglomeration, und auch hier gab es eine Kathedrale zu bewundern.

Inzwischen war es schon wieder 18 Uhr, aber Zeitdruck hatte ich an diesem Tag ja nicht. Gegen 19:30, bei Einbruch der Dunkelheit, war ich in Claye-Souilly, wo ein Radweg entlang des Canal de l'Ourcq beginnt, auf dem man bis fast ins Zentrum von Paris gelangt. Soweit ich das im Dunkeln beurteilen konnte, ist der Weg ganz nett, wenngleich es ein paar Ärgernisse gab (mehr dazu im Wiki). Gegen 21:30 erreichte ich dann die Île de la Cité mitten im Zentrum, und gegen 22:00 war ich sehr müde, aber glücklich zu Hause. Jetzt bin ich sozusagen richtig in Paris angekommen.

Viele Grüße,
Stefan

Geändert von StefanS (24.10.09 01:03)
Änderungsgrund: Daten im Kopf vervollständigt
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#563849 - 26.10.09 21:26 Re: Straßburg-Paris [Re: StefanS]
Wisohr
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 58
Hallo Stefan,
deine Streckenbeschreibungen hier Forum und im Radreise-Wiki sind ein großer Gewinn. Frankreich war bisher noch ein großer weißer Fleck in der Übersicht mitteleuropäischer Radfernwege. Da bleibt nur zu hoffen, dass hier im Forum einige auf den Geschmack gekommen sind und diese Strecke bei ihren Reiseplanungen für das nächste Jahr mit einbeziehen werden.
Dein Bericht, einige andere Reiseberichte über das Radreisen in Frankreich und eigene Erfahrungen im grenznahen Bereich erinnern mich an meine ersten Radreisen in Deutschland vor 30 bis 35 Jahren, als lediglich eine Generalkarte im Maßstab 1:200000 zur Orientierung diente. Radfernwege gab es nicht. Radwegweisungen hatt ich erstmalig in den Niederlanden gesehen und war überrascht, dass es so etwas überhaupt gab.
Inzwischen hat man das Radfahren in Deutschland neu erfunden, zumindest aber weiter entwickelt. Frankreich sehe ich in dieser Hinsicht da, wo Deutschland vor 30 Jahren auch war. Es kann also in Frankreich mit der Radreise-Infrastruktur nur besser werden, denke ich.
Als ich daran ging, das Roadbook für den Paneuroparadweg im Radreise-Wiki zu erstellen, hatte ich die Vorstellung, man könne ein großes Netz von Radfernwegen in Frankreich auch für ünser Radreise-Wiki übernehmen. Ich habe aber inzwischen den Eindruck, dass lediglich der Loireradweg dazu infrage kommen könnte.
Vielleicht kannst du ja mal über das Radfahren in Paris hautnah berichten. Vielleicht fällt dir ein großer Rundkurs durch das Zentrum ein, von dem aus man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ansteuern könnte. Das wäre aus meiner Sicht eine schöne Ergänzung der Strecke Straßburg-Paris.

In deiner neuen Umgebung alles Gute
Wilfried
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Off-topic #563854 - 26.10.09 21:38 Re: Straßburg-Paris [Re: Wisohr]
Holger
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 13507
Hallo Wilfried,

dass es in Frankreich kein so ausgeprägtes Radfernwegenetz gibt, liegt sicher ein wenig auch daran, dass die Franzosen eher Rennrad fahren. Franzosen mit Packtaschen sind mir auf meinen Radreisen durch Frankreich kaum begegnet, in der Regel kann man Menschen, die Ortliebtaschen am Rad haben, deutsch ansprechen zwinker (etwas überzogen, ich gebe es zu)

Aber es gibt schon ein paar regionale Angebote, sehr schön fand ich z. B. den Luberonradweg, der auf Nebenstraßen rund um den Luberon führt, auch sehr gut ausgeschildert.

Zu Radfahren in Paris kann ich auch was sagen, ich war vor einem Jahr für fünf Wochen dort und fast nur mit Rad (Velib) oder zu Fuß unterwegs. Es ist auf jeden Fall entspannter, als man es sich vorstellt. Diese Velib-Fahrräder sind inzwischen fester Bestandteil des Stadtbilds. Die von der Straße abgetrennten Busspuren sind verbreitert worden, so dass Bus und Rad nebeneinander passen, ohne, dass man den Rückspiegel über den Kopf gezogen bekommt. Eine Tour zu den Hauptsehenswürdigkeiten kann man ganz einfach mit dem Stadtplan planen. Aber natürlich muss man beachten, dass man in einer Großstadt ist, es gibt also jede Menge anderer Verkehrsteilnehmer, neben PKWs auch Lieferwagen, Fußgänger und vor allem Motorroller. Dennoch, ich habe es mir deutlich schlimmer vorgestellt, dort zu fahren.

Gruß
Holger
Ernst Alexander Rauter hat recht. Das Adjektiv - wo es nicht zwingend ist, ist es falsch.
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Off-topic #564096 - 28.10.09 00:32 Re: Straßburg-Paris [Re: Holger]
Falk
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 30350
Zitat:
in der Regel kann man Menschen, die Ortliebtaschen am Rad haben, deutsch ansprechen

Wenn sie mit Rennbügel und Helm unterwegs sind, dann ist englisch meist sinnvoller. So ausgerüstet sind mehrheitlich Briten oder US-Amerikaner unterwegs.

Falk, SchwLAbt
Falk, SchwLAbt
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Off-topic #564164 - 28.10.09 14:33 Re: Straßburg-Paris [Re: Falk]
der tourist
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 3106
In Antwort auf: falk
Zitat:
in der Regel kann man Menschen, die Ortliebtaschen am Rad haben, deutsch ansprechen

Wenn sie mit Rennbügel und Helm unterwegs sind, dann ist englisch meist sinnvoller. So ausgerüstet sind mehrheitlich Briten oder US-Amerikaner unterwegs.

Falk, SchwLAbt

Bin meist auch so unterwegs (Aber halt "nur" Vaude).

Kannst mich auch gerne auf Englisch anreden, ich mach ganz komfortabel mit.

Grüße!


Sigi
Nic squis was maneth!
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Off-topic #564201 - 28.10.09 18:27 Re: Straßburg-Paris [Re: der tourist]
JohnyW
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 7013
Hi,

wenn Du Sandalen trägst dann ist Deutsch die erste Wahl...

Gruß
Thomas
Homepage: http://thomasontour.de
Neu 21.10.2009: 2. Bericht Projekt Hessen aus dem Jahr 2007
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Off-topic #564506 - 29.10.09 23:07 Re: Straßburg-Paris [Re: Holger]
BeBor
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 4813
In Antwort auf: Holger
...dass es in Frankreich kein so ausgeprägtes Radfernwegenetz gibt, liegt sicher ein wenig auch daran, dass die Franzosen eher Rennrad fahren. Franzosen mit Packtaschen sind mir auf meinen Radreisen durch Frankreich kaum begegnet...


Ist in Frankreich auch mein Eindruck gewesen. Was mir zusätzlich auffiel ist, dass die Gruß-Muffeligkeit mit der Anzahl der Farben auf dem Rahmen und dem Trikot zunimmt. Alte Säcke (wie ich) im schlichten Dress auf alten Peugeot- oder Motobecane-Eisenrennern haben immer fast herzlich gegrüßt und, wenn sich die Gelegenheit bot, auch angesprochen. Bei den farbenprächtigen Jungdynamikern hatte ich (mit Ausnahmen) eher den Eindruck, dass diese einem Kontakt außerhalb ihrer Dicke-Waden-Elite eher aus dem Weg gingen.

Bernd

Geändert von BeBor (29.10.09 23:07)
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Off-topic #564535 - 30.10.09 08:21 Re: Straßburg-Paris [Re: BeBor]
sstelter
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 640
Das ist aber kein rein französisches Phänomen. In Deutschland grüßen Rennradbeweger Reiseradler auch nicht. In Italien allerdings hat auch fast jeder rennradler gegrüßt.
mfg
Stephan
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Off-topic #564538 - 30.10.09 08:38 Re: Straßburg-Paris [Re: sstelter]
Martina
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 13624
In Antwort auf: sstelter
Das ist aber kein rein französisches Phänomen. In Deutschland grüßen Rennradbeweger Reiseradler auch nicht. In Italien allerdings hat auch fast jeder rennradler gegrüßt.


Und ich habe komischerweise genau in Frankreich die Erfahrung gemacht, dass mir jeder entgegenkommende Radler egal welcher Couleur ein begeistertes 'Bonjour' zugerufen hat...

Martina
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Off-topic #564556 - 30.10.09 09:53 Re: Straßburg-Paris [Re: Martina]
sstelter
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 640
Das war auch nicht meine Feststellung, sondern die von BeBor. Ich war noch nicht mit dem Rad in Frankreich.
mfg
Stephan
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#564569 - 30.10.09 10:47 Re: Straßburg-Paris [Re: StefanS]
KUHmax
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 1894
Hallo Stefan,
In Antwort auf: StefanS
Zumindest den Abschnitt von Straßburg nach Paris wollte ich auf jeden Fall nachholen, allein schon, um zu sehen, was denn so zwischen meiner alten und meiner neuen Heimat liegt. Diese Reise habe ich Ende September/Anfang Oktober unternommen und möchte darüber berichten.


Du machst ja richtig Lust darauf, mal einen Frankreich-Urlaub nicht mit dem Zug zu beginnen! Oder vielleicht auch zu beenden, wenn ich an die typische Windrichtung denke.

Gruß, Karin
------------
Radlergrüße, Karin
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#565026 - 01.11.09 17:45 Re: Straßburg-Paris [Re: KUHmax]
StefanS
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 2928
Hallo Karin,

Ja, der Wind war in der Champagne nicht ganz ohne. Allerdings hatte ich am ersten Wochenende Rückenwind und am zweiten Gegenwind, eine garantiert richtige Windrichtung gibt es also leider nicht.

Solltest Du mal Gelegenheit haben, den Weg selbst zu fahren, würde ich mich freuen, wenn Du Deine Erfahrungen mit in die Beschreibung im Radreise-Wiki einfließen ließest (z.B. Bestätigungen für bislang ungetestete Routenvarianten). Das gilt natürlich auch für andere Leser schmunzel

Viele Grüße,
Stefan
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#565044 - 01.11.09 19:04 Re: Straßburg-Paris [Re: Wisohr]
StefanS
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 2928
Hallo Wisohr,

Danke für Deine freundlichen Kommentare. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich antworten konnte, dafür ist es etwas ausführlicher geworden.

In Antwort auf: Wisohr
Inzwischen hat man das Radfahren in Deutschland neu erfunden, zumindest aber weiter entwickelt. Frankreich sehe ich in dieser Hinsicht da, wo Deutschland vor 30 Jahren auch war. Es kann also in Frankreich mit der Radreise-Infrastruktur nur besser werden, denke ich.

Oder schlechter. Eigentlich finde ich die bestehende Radreise-Infrastruktur in Frankreich ganz prima - breite Landstraßen, auf denen man bequem fahren kann, ohne jemals blöd angemacht zu werden. In Deutschland hat man zwar viel in touristische Radwege investiert, und viele davon sind ja auch ganz schön. Aber das hängt auch damit zusammen, dass Autofahrer die Straße als ihre Beute betrachten und sich ca. 97% der Bevölkerung überhaupt nicht mehr vorstellen können, dass man auch abseits von Radwegen unmotorisiert unterwegs sein kann. Ein ähnlicher "Fortschritt" bleibt Frankreich hoffentlich erspart!

Ich bin zwar erst seit zwei Monaten in Frankreich - hauptsächlich in der Île-de-France - und konnte mir daher noch kein abschließendes und repräsentatives Urteil über das ganze Land bilden. Aber mir scheint doch, dass Fahrräder auf der Fahrbahn hier als etwas ganz Normales gelten, und die vorsichtige Art der Kraftfahrer ist mir sehr positiv aufgefallen.

In Antwort auf: Wisohr
Vielleicht kannst du ja mal über das Radfahren in Paris hautnah berichten.

Geht eigentlich ganz prima hier. Erst recht, wenn man sich an ein paar subtile Unterschiede gewöhnt hat, z.B. ist Paris sehr eng bebaut, d.h. die Raumverhältnisse hier sind ganz anders, gefühlt hat man weniger Platz um sich herum, aber das liegt eher am Raumeindruck. Es gibt auch nicht so viele Spurmarkierungen, an großen Kreuzungen sucht man sich einfach einen möglichst geradlinigen Weg in Einklang mit den anderen Verkehrsteilnehmern. Das geht ganz gut, weil hier sowieso viel Stau ist und meistens entsprechend langsam gefahren wird.

Wegen der Staus kommt man oft nur stockend voran. Auf einer meiner Referenzstrecken brauche ich morgens um 6 Uhr nur 30 Minuten, gegen 14 Uhr aber 45 Minuten. Busspuren sind meistens für Radfahrer freigegeben und helfen bisweilen. Für Motorradfahrer ist es Usus, links am Stau vorbeizufahren und sich dann auf der Mittellinie zu positionieren, aber davon habe ich bislang Abstand genommen.

Durch die Abwesenheit von Radwegen hat man hier viel größere Bewegungsfreiheit als in Deutschland und ist genauso flexibel wie alle anderen Verkehrsteilnehmer. Wenn ich links abbiegen will, biege ich eben links ab und werde nicht durch zwei Ampelphasen gegängelt und ausgebremst. Ich hoffe, das bleibt so, aber Paris hat sich ja auch auf die Fahnen geschrieben, "fahrradfreundlicher" zu werden. Bislang gibt es an etlichen Straßen Markierungspfeile für Fahrräder auf der rechten Seite, aber die sind nicht so einschränkend. Hochbord-Radwege sind mir nur selten begegnet. An einigen Straßen (z.B. von Bastille Richtung Stalingrad) sind Wege durch bauliche Trennungen abgeteilt, mit den aus Deutschland bekannten Nachteilen und Folgen. War schon Zeuge eines Beinah-Unfalls mit Rechtsabbieger an dieser Straße. Vorsichtig sind die Franzosen, aber eben nur, wenn sie einen auch sehen.

Nicht so schön ist die schlechte Luft - vielleicht baut Frankreich Autos, die weniger Sprit fressen, aber meinem Gefühl nach sind hier viel mehr Abgase in der Luft. Außerdem ist die Agglomeration städtebaulich eine Katastrophe - nirgendwo hat man größere Grünflächen gelassen, es ist auf 30x30 km eben alles zugebaut, was man irgendwie zubauen konnte, inklusive der Flussufer. Sobald man die Agglomeration hinter sich gelassen hat, wird es sehr schnell sehr ländlich, ein totaler Kontrast.

In Antwort auf: Wisohr
Als ich daran ging, das Roadbook für den Paneuroparadweg im Radreise-Wiki zu erstellen, hatte ich die Vorstellung, man könne ein großes Netz von Radfernwegen in Frankreich auch für ünser Radreise-Wiki übernehmen. Ich habe aber inzwischen den Eindruck, dass lediglich der Loireradweg dazu infrage kommen könnte.

Ja, Radfernwege im deutschen Sinne gibt es hier kaum. Aber es gibt ja Landstraßen. Vielleicht komme ich mal dazu, ein paar Streckenvorschläge à la Radweit zu erstellen.

Wie andere schon gesagt haben, gibt es hier kaum Reiseradler. Die meisten Radfahrer sind entweder "normale" Leute, die zum Einkaufen o.ä. unterwegs sind (auch auf den Dörfern sieht man das viel), oder eben Radsportler. Leute, die mit dem Rad größere Strecken fahren, um sich die Umgebung anzuschauen, findet man fast gar nicht.

In Antwort auf: Wisohr
Vielleicht fällt dir ein großer Rundkurs durch das Zentrum ein, von dem aus man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ansteuern könnte. Das wäre aus meiner Sicht eine schöne Ergänzung der Strecke Straßburg-Paris.

Ein Rundkurs, ich weiß nicht. Die sind ja kreuz und quer verteilt, und so groß sind die Entfernungen innerhalb von Paris ja nicht. Aber Wege aus der Agglomeration heraus in alle Himmelsrichtungen, das stelle ich mir nützlich vor.

In Antwort auf: Wisohr
In deiner neuen Umgebung alles Gute
Wilfried

Vielen Dank! Und alles Gute zurück in die Heimat!

Viele Grüße,
Stefan
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