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#1051372 - 25.06.14 00:20 Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014
Tom72
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 405
Unterwegs in Spanien

Dauer:11 Tage
Zeitraum:23.5.2014 bis 2.6.2014
Entfernung:577 Kilometer
Bereiste Länder:deDeutschland
plPolen



Prolog

Letztes Jahr im Juli war ich von Dresden nach Danzig geradelt, über Poznan (Posen), Torun (Thorn) und Bydgoszcz (Bromberg) (siehe meinen Reisebericht hier im Forum). Das war meine erste etwas längere Radreise in Polen, abgesehen von einer dreitägigen Tour von Dresden nach Breslau; außerdem kannte ich Stettin und die Insel Wollin von einer Radreise Berlin-Stettin-Usedom-Rügen und hatte eine Riesengebirgs-Radtour von Tschechien kommend in Jelenia Gora (Hirschberg) beendet.

Nun sollte es der Ostseeküsten-Radweg Usedom-Danzig sein. Ich hatte 11 Tage zur Verfügung. Abzüglich der Zug-An- und Abreise also 9 Fahrtage. Angesichts der „reichlich 480 km“, die es laut Bikeline-Radreiseführer sind, dachte ich, ich komme vielleicht noch ein wenig weiter, die Idee war, hinter Danzig der Küste weiter zu folgen auf die Frische Nehrung bis kurz vor der russischen Grenze, wo es ohne Visum nicht mehr weitergeht und es sowieso keinen Grenzübergang gibt (und vielleicht auch noch Frombork (Frauenburg) und Elblag (Elbing) anzusehen) (Malbork mit der Marienburg hatte ich auf der letztjährigen Tour bereits ausgiebig besichtigt). Aber da ich nicht von Usedom, sondern bereits von Stettin starten wollte, den in den Bikeline-Kilometern nicht enthaltenen Abstecher auf die Halbinsel Hel (Hela) machen wollte und mich an mehreren Tagen heftiger Gegenwind und ein schmerzendes linkes Knie zu recht kurzen Etappen zwangen, war ich froh, es am Ende immerhin bis Danzig geschafft zu haben (gefahrene Kilometer „nur“ 577). Schön war es trotzdem.

An Kartenmaterial hatte ich noch von der letztjährigen Tour die Michelin-Karte „Polen Nordwest“ im Maßstab 1:300 000, zum Radreisen eigentlich nur bedingt geeignet gegenüber den Michelin-Karten im Maßstab 1:200 000 und 1:150 000, die ich regelmäßig für Touren in Frankreich und Spanien verwende. Aber bisher kam ich mit dem Maßstab in Polen recht gut zurecht. Als Haupt-Orientierungsmedium habe ich mir ohnehin den Bikeline-Reiseführer „Ostseeküsten-Radweg 3, Ahlbeck/Usedom nach Danzig“ aus dem Verlag Esterbauer besorgt. Aus Reiseberichten im Forum, die ein Blick in den Bikeline-Führer bestätigte, verläuft der polnische Ostseeküsten-Radweg über weite Strecken über unbefestigte Wald- und Feldwege. Nicht so ganz mein Ding. Ich habe daher geplant (und es dann auch so gemacht), auf diesen Abschnitten teilweise auf Straßen auszuweichen, etwas stärkeren Verkehr in Kauf nehmend. Für den Anfang, die Strecke von Stettin nach Usedom, hatte ich mir die Kompass-Fahrradkarte „Usedom Stettiner Haff Greifswald“ gekauft.

Der Ostseeküsten-Radweg ist in Polen gut ausgeschildert, als Rad-Fernwanderweg R 10 (EuroVelo-Route 10).

Anders als bei der letztjährigen Tour bin ich nicht im heimatlichen Dresden, sondern in Stettin gestartet. Sicher hätte man von Dresden aus noch den Oder-Neiße-Radweg „vorschalten“ können, aber soviel Zeit hatte ich nicht zur Verfügung. Für die Rückfahrt habe ich, wie letztes Jahr, einen Platz für mich und mein Rad im Berlin-Warschau-Express ab Poznan (Posen) am letzten Tag um 17.28 Uhr gebucht, und im Anschluss im Intercity von Berlin nach Dresden. Je nachdem, wo ich meine Tour beenden würde (wie gesagt, Danzig war ja noch nicht festgeschrieben), würde ich dann mit (fahhrad-)reservierungsfreien Regionalzügen nach Posen kommen. Für die Hinfahrt habe ich den Intercity von Dresden nach Berlin gebucht, Weiterfahrt dann mit Regionalbahn nach Stettin.
Was Unterkünfte betrifft, war davon auszugehen (was sich auch bestätigte und was sich aus meinen Karten und Reiseführern ergab), dass es an der Küste überall Campingplätze gibt, allerdings kam ich, vor allem wegen überraschend kalten Wetters an einigen Tagen, leider nur dreimal zum Zelten. Aber auch Hotels und Pensionen sind in Polen, auch in touristisch relevanten Gebieten wie der Ostseeküste, erfreulich preiswert (mein Vorteil war, dass ich nicht in der Hauptsaison unterwegs war). Vorgebucht habe ich nur ein Hotel in Stettin für den Abend der Anreise.

Neben dem Bikeline-Radreiseführer hatte ich den schon auf der letztjährigen Tour bewährten Reiseführer „Polnische Ostseeküste“ aus dem Verlag Michael Müller dabei (ich kann diese Reiseführer aus Erfahrung von zahlreichen Rad- und sonstigen Reisen sehr empfehlen). Außerdem hatte ich wie letztes Jahr den Sprachführer „Polnisch“ aus der Reihe „Kauderwelsch“ dabei, und wie letztes Jahr bin ich trotz guter Vorsätze unterwegs nicht über das Studium des Kapitels mit den wichtigsten Ausspracheregeln hinausgekommen. Ein paar hilfreiche Floskeln und wichtige Wörter hatte ich aber doch auf Lager, die im Falle von Deutsch- und Englischkenntnissen des Gegenübers immerhin Sympathiepunkte einbrachten und im Falle ausschließlich polnischsprachiger Gesprächspartner den Einsatz von Händen und Füßen etwas reduzierten, wie etwa bitte, danke, guten Tag, auf Wiedersehen, groß, klein, ja, nein, Bier [Piwo], Frühstück, Bahnsteig oder Fahrrad [Rower]). Außerdem hatte ich auf diese Weise eine gewisse Ahnung, wie etwa Ortsnamen auszusprechen waren, die sonst nur aus einer abenteuerlichen Aneinanderreihung von Konsonanten, gerne geschmückt mit Strichen oder Häkchen, zu bestehen scheinen.

Wie auch auf der letztjährigen Polentour, bin ich auch dieses Mal wieder von Mücken geplagt worden, vor allem an den drei Abenden, an denen ich gezeltet habe. Die Biester trieben jedesmal ausgerechnet in den Abendstunden während des Zeltaufbaus ihr Unwesen.

Da die meisten Sonderzeichen des Polnischen hier offenbar nicht korrekt angezeigt werden, werde ich bei polnischen Namen und Wörtern „reine“ lateinische Buschstaben verwenden.



1. Tag (23.05.2014), Bahn-Anreise von Dresden nach Szczecin (Stettin)

Der Eurocity nach Berlin kommt aus Prag.



In Dresden wird eine deutsche Lok und der Wagen mit den Fahrradplätzen angehängt.





So beginne ich meine Polenreise eigenartigerweise in einem tschechischen Speisewagen mit einem tschechischen Schwarzbier.



Ob ich meinen Anschlusszug in Berlin, die Regionalbahn nach Stettin, erreichen würde, bleibt bis zum Schluss fraglich, denn die fährt ab Berlin-Gesundbrunnen, wohin ich erst einmal mit der S-Bahn gelangen muss. Und wir sind bereits mit Verspätung in Dresden losgefahren, und da der Antrieb der Lok nur auf einem Drehgestell funktioniert, darf unser Zug aus Sicherheitsgründen nicht in den Tiergartentunnel, kann also nicht, wie planmäßig, Berlin Hbf Tief anfahren, sondern wird über den Ostbahnhof auf die Stadtbahn umgeleitet, um den Hauptbahnhof oberirdisch zu erreichen. Da der Fahrradwagen noch Fenster zum Öffnen hat, ist dieses Foto von der Einfahrt in den Berliner Hauptbahnhof möglich:



In Berlin gelingt es mir tatsächlich, mit einmal Umsteigen mit der S-Bahn (Friedrichstraße; ich muss von den Stadtbahngleisen mit Sack und Pack in den S-Bahn-Tunnel) am Bahnhof Gesundbrunnen die Regionalbahn nach Stettin zu erreichen. Gegen 16.30 Uhr bin ich in Stettin.





Die Gegend um den Hauptbahnhof (Szczecin Glowny) wirkt nicht besonders einladend, so wie auch die ganze Stadt aufgrund der starken Kriegszerstörungen kein wirklich als solches wahrnehmbares Stadtzentrum zu haben scheint, sondern es lediglich vereinzelt historische Gebäude gibt. Einen ersten Eindruck der Stadt hatte ich bereits von einer früheren Radreise von Berlin an die Ostsee. Mein bereits von zu Hause gebuchtes, sehr zentral gelegenes Hotel stellt sich als gute Wahl heraus.



Nach der Einquartierung sehe ich mich etwas am Oderufer um. Wirklich sehenswert ist der Uferbereich nur bei den Hakenterrassen (Waly Chobrego) mit der repräsentativen Bebauung aus den letzten Jahren des Kaiserreichs.





Oben gibt es zahlreiche Lokale mit Terrassen, und das Wetter gestattet es, draußen zu sitzen, so dass ich mir ein Bier gönne und den Blick hinab aufs Oderufer genieße. Anschließend würde ich gerne auch draußen zu Abend essen, aber aufkommender heftiger Wind und graue Wolken künden ein Unwetter an, und das Personal in den Restaurants räumt zügig die Tische auf den Terrassen ab. Gerade rechtzeitig, bevor der Regen losbricht, finde ich im überhaupt nicht sehenswerten Stadtzentrum eine nette Pizzeria, in der man zunächst noch unter der Markise draußen essen kann, sich später aber doch ins Innere zurückziehen muss. Als ich schließlich zu meinem Hotel radele, hat das Unwetter zum Glück bereits aufgehört.

2. Tag (24.05.2014), Szczecin (Stettin)-Ahlbeck
Strecke: 108 km
Fahrzeit: 6 Std. 11 min
Höhenmeter: 210
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,40 km/h


Am nächsten Tag ist es bewölkt, aber zunächst noch trocken. Ich sehe zu, dass ich zeitig loskomme, denn ich will heute bis Ahlbeck auf Usedom kommen, um morgen dann endlich mit dem Ostseeküsten-Radweg Richtung Osten beginnen zu können. Dazu muss ich die letzte Fähre von Uckermünde über das Stettiner Haff nach Kamminke auf Usedom um 14.50 Uhr erreichen (dass es (ungeplant) die mit Abstand längste Etappe der Reise werden würde, wusste ich noch nicht). In Stettin gibt es ohnehin keinen Grund, sich noch länger aufzuhalten. Ich sehe mir noch schnell das schön restaurierte Residenzschloss der Greifenfürsten im Renaissance-Stil an,







dann finde ich erfreulich schnell die Ausfallstraße nach Nordwesten.



Auf der Landesstraße (Droga krajowa) 115 verlasse ich die Stadt. Nachdem ich aus dem Ballungsgebiet heraus bin, verläuft die Straße ohne viel Verkehr landschaftlich reizvoll, aber auch etwas eintönig durch Waldgebiete. Schließlich fängt es doch an zu regnen, und so fahre ich eine gute Stunde, eingepackt in Regenkleidung, durch den Regen. Es wird die einzige Regenfahrt der gesamten Reise werden.

Kurz hinter Dobrieszczyn überquere ich die Grenze nach Deutschland.



Bei nun wieder trockenem Wetter geht es über kaum befahrene Straßen durch den Naturpark Am Stettiner Haff durch malerische Dörfer mit Fachwerkkirchen. Meine Route entspricht nun dem Oder-Neiße-Radweg.





Auch an einer Straußenfarm komme ich vorbei.



Über Ahlbeck (nicht das auf Usedom), Luckow, Vogelsang und Bellin (hier habe ich erstmals einen Blick auf das Stettiner Haff) komme ich nach Uckermünde. Ein nettes Städtchen.



Ich bin gut vorwärtsgekommen, bis zur Abfahrt der Fähre um 14.50 Uhr ist es noch fast eine Stunde. Also esse ich in einem Fischlokal, das auf einem Fischkutter im Hafen untergebracht ist, ein leckeres Fischbrötchen.



Leider erfahre ich nun, dass die Fähre heute nicht fährt, wegen Niedrigwasser in Kamminke, wenn ich es richtig verstanden habe. Die nächstgelegene Fährverbindung ist ein ganzes Stück weiter westlich, bei Kamp. Das bedeutet also einen großen Umweg Richtung Westen, während es von Kamminke aus nur noch ein paar Kilometer nach Ahlbeck gewesen wären. Kamp liegt ganz am Westende des Stettiner Haffs, am Übergang zum Peenestrom.

Über Mönkebude und Leopoldshagen folge ich einer größeren Landstraße nach Westen, dann geht es über übles Kopsteinpflaster nach Bugewitz und schließlich über recht gut befahrbare Feldwege Richtung Haff durch Deutschlands größten Moorwald. Landschaftlich sehr beeindruckend, immerhin ein gewisser Trost für den erzwungenen Umweg, über den ich aber schon gar nicht mehr böse bin, zumal es noch recht früh am Tag ist.















Von Kamp kann ich dann tatsächlich mit der winzigen Fähre über den hier nur wenige Hundert Meter breiten Peenestrom nach Karnin auf Usedom übersetzen. Hier verlief auch eine seit Kriegsende stillgelegte Bahnlinie vom Festland nach Usedom; von der ehemaligen Eisenbahnbrücke ist noch der als Hubbrücke ausgeführte Mittelteil als technisches Denkmal erhalten.





Ich komme durch den Ort Usedom.



Ich folge der Strecke, auf der gleich mehrere Fern-Radwanderwege verlaufen (Berlin-Usedom, Mecklenburgischer Seen-Radweg, Oder-Neiße-Radweg und Stettiner-Haff-Rundweg) auf verkehrsarmen Sträßchen durch die reizvolle, sanft hügelige Landschaft Usedoms nach Osten. Die Wegbeschaffenheit ist leider selten so gut wie auf diesem Bild.



Da es nach meiner Karte in Ahlbeck oder Heringsdorf keine Campingplätze gibt, entscheide ich mich für den Zeltplatz in Korswandt, im Landesinneren etwa zwei Kilometer südlich von Ahlbeck. Sehr netter Platz, sehr nettes Personal. Entgegen meiner Planung sind nun doch 108 km auf dem Tacho.



Nach dem Zeltaufbau fahre ich die recht steil abfallende Straße durch den Wald nach Usedom (trotz Fahrradverbots, aber ich habe keine Lust mehr, mich mit der für Radfahrer ausgewiesenen Route über Waldwege zu befassen). In Ahlbeck finde ich mich gut zurecht, da ich vor Jahren auf meiner Tour Berlin-Stettin-Usedom-Rügen bereits hier war. Im Restaurant auf der Seebrücke (bekannt aus der Schlussszene des Loriot-Films „Pappa ante Portas“) esse ich bei Sonnenuntergang zu Abend.





Durch den Wald, diesmal aufwärts, geht es dann zurück zum Zeltplatz.

3. Tag (25.05.2014), Ahlbeck-Dziwnow
Strecke: 72,22 km
Fahrzeit: 4 Std. 41 min
Höhenmeter: 278

Durchschnittsgeschwindigkeit: 15,40 km/h

Es ist sonnig. Im einfachen Campingplatzrestaurant wird Frühstück serviert. Die Rezeption des Platzes dient am heutigen Wahlsonntag (Europawahl, hier in Mecklenburg-Vorpommern auch Kommunalwahlen) als Wahllokal. Schon am Vorabend sind mir die bereitgestellten Wahlurnen aufgefallen.



Diesmal vorschriftsmäßig über den ausgewiesenen Radweg über Waldwege, der sich als wesentlich steigungsreicher als die gestern Abend gefahrene Straße herausstellt, fahre ich nach Ahlbeck. Entlang der Uferpromenade, die über einen Radweg verfügt, fahre ich zunächst westwärts bis zur Seebrücke von Heringsdorf. Von hier war ich Ostern 2008 weiter westwärts nach Rügen geradelt.





Im italienischen Restaurant auf der Seebrücke esse ich zu Mittag.



Dann geht es endgültig Richtung Osten, die Uferpromenade zurück nach Ahlbeck, und dann überquere ich kurz vor Swinoujscie (Swinemünde) die Grenze zu Polen.



Ich fahre von der Odermündung (Swine, der mittlere der drei Odermündungsarme) nach Süden in die Innenstadt mit dem Hafen, von wo die Fähre hinüber auf die Insel Wollin fährt. Man sieht die Hafenanlagen mit den Ladekränen und kommt an zwei historischen Festungsanlagen vorbei (Fort Zachodny und Fort Aniola).







Mit der Autofähre setze ich über die Swine auf die Insel Wollin über. Wer mit dem Auto die Fähre benutzen möchte, sollte beachten, dass außer nachts und am Wochenende die Fähre nur von ortsansässigen Kraftfahrzeugen benutzt werden darf.







Die landschaftlich reizvolle Hauptroute des Ostseeküstenradwegs verläuft nun bis zum nächsten größeren Ort, Miedzyzdroje (Misdroy), auf sandigen Waldwegen und Betonspurbahnen, wie ich dem Bikeline-Reiseführer entnehme. Zum Glück weist er auch eine Alternativroute über eine, wenn auch stark befahrene, Hauptstraße (Landesstraße 3) aus. Die kenne ich schon, da ich sie auf meiner Tour von Berlin über Stettin nach Usedom und Rügen bereits in umgekehrter Richtung gefahren bin. Da ich zügig vorankommen möchte, entscheide ich mich für diese eintönige Strecke und nehme in Kauf, wohl das meiste vom landschaftlichen Reiz Wollins zu verpassen.



Der Badeort Miedzyzdroje (Misdroy) ist einer der bedeutenderen Ferienorte an der polnischen Küste, aber ich bin froh, mich außer für einen kleinen Snack hier nicht länger aufhalten zu müssen. Nach meinem Geschmack zu viel Touristenrummel, eine hässliche Seebrücke aus Beton und eine Atmosphäre wie auf einer Kirmes.





Hinter dem Ort beginnt der Naturpark Wolinsky Park Narodowy. Nun gibt es keine Alternative zu Waldwegen, aber nur auf einer Länge von 7 Kilometern.



Am Weg liegt auch ein Wisentgehege, das aber uhrzeitbedingt schon geschlossen ist und zu dessen Besichtigung ich ohnehin keine Zeit gehabt hätte, da es nun schon auf sieben Uhr zugeht. Der Weg durch den Naturpark ist aufgrund des gestrigen Regens tatsächlich recht anstrengend zu befahren.



Ich bin froh, schließlich den restlichen Teil der Etappe wieder auf Asphalt fahren zu können. Die Strecke bis zum Ostende Wollins ist recht hügelig; da es bereits etwa acht Uhr ist, strample ich zügig. Schließlich erreiche ich die Klappbrücke, die Wollin mit dem Festland verbindet.



Jetzt bin ich auch endlich wieder an der Ostseeküste. Auf Wollin habe ich nun nicht viel mehr als vier Stunden verbracht, eigentlich viel zu kurz, denn wirklich viel gesehen habe ich nicht. Die Insel verdient wohl einen längeren Aufenthalt.

Der Campingplatz im ersten Ort auf dem Festland, Dziwnow, hat die Tore geöffnet, aber die Rezeption ist geschlossen (es ist immerhin 21.00 Uhr), und auf dem Platz scheinen keine Gäste zu sein. Ist er in der Vorsaison noch gar nicht geöffnet? Mir kommt das seltsam vor, und so suche ich im recht ausgestorben wirkenden Ort (viele Restaurants sind geschlossen) ein Hotel. Nach einigem Suchen finde ich schließlich ein einigermaßen preiswertes, einfaches Hotelzimmer. Anders als in Misdroy oder in Ahlbeck und Heringsdorf ist hier in der Vorsaison aber überraschend wenig los, so dass ich froh bin, anschließend noch eine geöffnete Pizzeria zum Abendessen zu finden. Bei noch warmen Temperaturen kann man gut draußen sitzen.

Fortsetzung folgt...
Gruß
Tom

Geändert von Tom72 (25.06.14 00:29)
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#1051551 - 26.06.14 00:39 Re: Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014 [Re: Tom72]
Tom72
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Themenersteller
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Beiträge: 405
Unterwegs in Spanien

4. Tag (26.06.2014), Dziwnow-Mrzezyno
Strecke: 70 km
Fahrzeit: 5 Std. 0 min
Höhenmeter: 276
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,10 km/h


Heute komme ich nicht so gut vorwärts und nicht so weit, wie ich mir gewünscht hätte, aber heftiger Gegenwind erschwert heute das Fahren, und ich ahne noch nicht, dass die heutige recht bescheidene Durchschnittsgeschwindigkeit in den kommenden Tagen noch weiter sinken wird.

Es ist aber sonnig. Ich schaue mich am herrlichen Sandstrand von Dziwnow um, wo zu früher Stunde noch nicht viel los ist.



Der Ort liegt auf einer schmalen Landzunge, nur wenige hundert Meter südlich des Ostseestrandes bietet sich ein Blick über den die Insel Wollin vom diesseitigen Festland trennenden östlichsten Mündungsarm der Oder.



Nun geht der Ostseeküstenradweg beinahe 10 Kilometer über mal besser, mal schlechter befahrbare Waldwege. An den Bäumen weisen aber regelmäßig aufgemalte Symbole auf den Verlauf des R 10 hin.





Der Weg durch den Wald verläuft nahe der Küste, so dass man immer wieder über kurze Zugänge an den endlosen und hier, außerhalb der Orte, fast menschenleeren Sandstrand gelangt.





Ab Pobierowo geht es dann wieder über asphaltierte Straßen. In Trzesacz (Hoff) erinnert eine Kirchenruine daran, dass das Meer im Laufe der Zeit die sandige Steilküste erodiert. Bei ihrer Erbauung im 15. Jahrhundert stand die Kirche noch einen halben Kilometer von der Küste entfernt, in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde sie endgültig aufgegeben.



Von einer Aussichtsplattform über dem Strand aus kann man erkennen, dass die Steilküste unterhalb der Ruine künstlich stabilisiert wurde, um das Monument zu erhalten.



Ein paar Kilometer weiter, in Nichorze (Horst) kann man den Leuchtturm besteigen.



Es bietet sich ein herrlicher Ausblick entlang der Küste.



Ab dem nächsten Ort macht der Ostseeküstenradweg einen weiten Schlenker durchs Binnenland über überwiegend sehr verkehrsarme Sträßchen. Für mich aus persönlichen Gründen sehr interessant, da ich Ahnenforschung betreibe und in dieser Gegend im 18. Und frühen 19. Jahrhundert Vorfahren von mir lebten. Zwei der Orte liegen direkt auf der Strecke, zwei weitere sind über einen kurzen Abstecher zu erreichen. Die ersten der winzigen Orte, Konarzewo (Kirchhagen) und Zapolice (Wacholzhagen) liegen direkt an der Route, bieten zwar nichts Sehenswertes außer der alten Backsteinkirche in Kirchhagen, die auch „damals“ schon gestanden haben dürfte, aber für mich interessant, mal dagewesen zu sein. Ein kurzer Abstecher führt mich nach Süden nach Sadlno (Zedlin), in dessen Kirche im frühen 19. Jahrhundert Vorfahren von mir heirateten.



Zu einem weiteren Ort meines Abstechers muss ich dann kilometerweit eine malerische Kopsteinpflasterstraße nehmen, verkehrshistorisch interessant, aber zum Radfahren eine Katastrophe. Irgendwie überstehen Mensch und Material die Tortur.



Schließlich geht es über eine größere Straße (Landesstraße 103) in das hübsche Städtchen Trzebiatow (Treptow an der Rega), das einiges an historischen Sehenswürdigkeiten zu bieten hat und wo ich wieder auf die Route des Ostseeküstenradwegs treffe. Wie ich es von vielen polnischen Städten und Städtchen von der letztjährigen Polentour und auch aus Schlesien kenne, befindet sich im Zentrum ein großer rechteckiger Platz (Rynek) mit dem Rathaus in der Mitte.



Da es schon recht spät ist, halte ich mich nicht lange auf, um es heute wenigstens noch bis zum nächsten wieder an der Küste gelegenen Ort, Mrzecyno, zu schaffen.

Der kleine Fischerort liegt reizvoll an der Mündung der Rega.



Es gibt einen einfachen Zeltplatz, schön am Ufer der Rega gelegen, wo außer mir noch ein oder zwei Paare mit Wohnwagen stationiert sind und ein Pärchen polnischer Radreisender mit ihrem Zelt, mit dem ich kurz ins Gespräch komme. Es ist nach wie vor sehr windig, und jetzt ist es auch schon recht kühl geworden.



Im Hafen sieht man die Fischer ihren frischen Fang verarbeiten.



Ich sehe mir bei untergehender Sonne die Hafenmole und den schönen Sandstrand an.



Den Abend lasse ich in einem einfachen Fischlokal am Hafen mit einer leckeren Fischsuppe ausklingen. Man kann zwar noch draußen sitzen, aber es ist schon ziemlich kühl.



5. Tag (27.05.2014), Mrzezyno-Mielno (Großmöllen)
Strecke: 62 km
Fahrzeit: 4 Std. 58 min
Höhenmeter: 180
Durchschnittsgeschwindigkeit: 12,40 km/h


Der Wind von gestern hat sich zum Sturm entwickelt und weht natürlich immer noch von Osten, und es ist gegenüber gestern deutlich kälter geworden. Wegen des Windes ziehe ich mich zum Zusammenlegen des Zeltes in den Waschraum zurück. Im Hafen branden die Wellen schäumend an die Kaimauer.



Zum Frühstück gönne ich mir eine mit Erdbeeren und Sahne belegte Waffel. Solche Waffeln (Gofry) werden in den Küstenorten überall angeboten. Schwierig nur, sie mit dem mitgelieferten winzigen Plastiklöffel einigermaßen gesittet zu essen.



Zunächst geht es, halbwegs windgeschützt, über gut asphaltierte Wege durch den küstennahen Wald nach Kolobrzeg (Kolberg).



Hier nehme ich mir ein paar Stunden, um mich umzusehen. Über die geschichtsträchtige Stadt ließe sich viel schreiben – die Blütezeit als Mitglied im Bund der Hanse, die Verteidigung gegen die Belagerung Napoleons, der auf den daraus erwachsenden Mythos Bezug nehmende Spielfilm von Veit Harlan von 1944 als NS-Durchhaltepropaganda und kurz darauf die weitgehende Zerstörung der Stadt bei der Einnahme durch die Rote Armee. Ich schaue mir kurz die wichtigsten Baudenkmäler in der Innenstadt an, der man die Kriegszerstörungen ansieht. Das neogotische Rathaus basiert auf einem Entwurf von Friedrich Schinkel.



Auf der windgeschützten und überdachten Terrasse einer Pizzeria vor dem Rathaus nehme ich für das Mittagessen Zuflucht vor dem Sturm. Beeindruckend ist die wuchtige Kathedrale in Backsteingotik.



Wegen des sandigen Untergrunds hat sich das Bauwerk im Laufe der Zeit gesetzt, und man erkennt auf dem Bild, dass die Pfeiler auf der rechten Seite schief sind.



Schließlich fahre ich zum Hafen von Kolberg und besteige den Leuchtturm.



Hier oben bläst der Sturm mit Orkanstärke, man hat einen schönen Blick auf die Stadt und die aufgewühlte See.





Entlang der Uferpromenade von Kolberg führt der Weg durch ein Wäldchen und ist übersät von durch den Sturm heruntergewehten Blättern und Zweigen. Dann führt der Weg über etliche Kilometer direkt entlang der Steilküste. Erstmals auf der Tour bietet sich vom Radweg aus ein ständiger Blick auf den Strand und die heute sturmgepeitschte See, gerade bei diesem extrem windigen Wetter ein besonderes Erlebnis.







Dieser Baum mit aufgemaltem R 10-Wegweiser ist wegen der ständig erodierenden Steilküste über den Weg gekippt.



Auch dieser Baum klammert sich nur noch mit den Wurzeln an die Steilküste, die unter ihm schon weggebrochen ist.



Weiter kämpfe ich mich gegen den Sturm über kleine Straßen und Waldwege, nun zwar weiter direkt entlang der Küste, aber ohne Meerblick. Bis nach Mielno, dem nächsten größeren Ort, will ich es heute noch schaffen, mehr ist wegen des Sturms nicht drin. Im letzten Ort vor Mielno fällt mir auf, dass, wohl weil noch nicht Hauptsaison ist, alle Restaurants geschlossen sind. Sollte mir das in Mielno etwa auch so ergehen? Vorsorglich decke ich mich in einem Supermarkt mit Proviant ein. In Mielno suche ich gleich ein Hotel, da es zum Zelten eindeutig zu kalt und windig ist. Da es spät ist, quartiere ich mich im ersten ein, das ich finde (Hotel Planeta). Mit 200 Zloty (etwa 50 Euro) zwar die teuerste Unterkunft der Reise, aber eine sehr gute Wahl. Ich schaue mich noch im Ort um, auch hier sind fast alle Restaurants geschlossen. Dass ich mich nicht vor einem der netten Lokale an der Uferpromenade niederlassen kann, bedauere ich wegen des Wetters aber auch nicht.



Zum Glück hat mein Hotel ein gutes Restaurant, das auch geöffnet ist (der vorhin eingekaufte Proviant dient dann eben die folgenden Tagen als Picknick unterwegs), in dem ich den Tag mit einem leckeren Beefsteak ausklingen lasse.

6. Tag (28.05.2014), Mielno-Darlowo (Rügenwalde)
Strecke: 39 km
Fahrzeit: 3 Std. 37 min
Höhenmeter: 94
Durchschnittsgeschwindigkeit: 10,80 km/h


Im Hotel Planeta ist ein ordentliches Frühstück im Preis inbegriffen. Leider bestätigt sich nun, was sich während der gestrigen Etappe bereits abzeichnete: Ich habe wohl mein linkes Knie überlastet, und es ist wohl entzündet, jedenfalls schmerzt es bei Bewegung, vor allem unter Belastung. Vernünftigerweise sollte man wohl gar nicht mehr weiterfahren. Dabei waren die bisher gefahrenen Etappen, außer der ersten, doch gar nicht so gewaltig, und ohne nennenswerte Höhenmeter… Selbst auf langen, gebirgigen Radreisen in Frankreich oder Spanien mit teilweise insgesamt 12 000 oder 16 000 Höhenmetern hatte ich mit den Knien immer Glück gehabt… Ich beschließe also, zu versuchen, irgendwie bis Danzig zu kommen, langsam und in kurzen Etappen, und die Pläne, noch bis auf die Frische Nehrung zu kommen, aufzugeben. Wenigstens bis Ustka (Stolpmünde) muss ich ohnehin kommen, da es dort erstmals die Möglichkeit gibt, den Zug zu nehmen. Gut, dass ich Voltaren dabeihabe, das ich prophylaktisch sowieso bereits allabendlich anwende. Zu allem Überfluss weht der Wind, wenn auch nicht mehr so stürmisch wie gestern, immer noch von Osten.

Ich setze mich also langsam in Bewegung und trete fast ausschließlich mit dem rechten Bein. So geht es sehr langsam, aber es geht.

Bei nach wie vor bewölktem, kaltem und windigem Wetter rolle ich langsam zunächst auf dem Radweg entlang der Straße über die schmale Landzunge, die die Ostsee von einem Binnensee, dem Jezioro Jamno (Jasmunder See), trennt.

Das schilfbewachsene Ufer des Jezioro Jamno:



In Lazy (Lasse) habe ich noch einmal einen Blick auf den Ostseestrand,



dann macht der R 10 einen weiten Schlenker ins Binnenland. Teilweise geht es nun über holprige Betonplattenwege, landschaftlich sehr schön, aber bei dem herrschenden Gegenwind und mit lädiertem Knie eher suboptimal.



Der kleine Ort Iwiecino (Eventin) kann mit einer hübschen Backsteinkirche aufwarten.



Nun geht es zum Glück bis Darlowo (Rügenwalde) wieder über mäßig befahrene Landstraßen, entlang derer teilweise auch ein gerade fertiggestellter, perfekt asphaltierter Radweg verläuft. In Dabki kehre ich in ein nettes Restaurant ein (es ist heute selbst tagsüber zu kalt, um draußen zu sitzen) und genehmige mir das polnische Nationalgericht, Piroggen, gefüllte Teigtaschen, in diesem Fall mit Hackfleisch.

Ich bin froh, trotz des schmerzenden Knies heute knapp 40 km geschafft zu haben und Darlowo (Rügenwalde) erreicht zu haben. Die sehr nette Altstadt weist auch hier einen großen zentralen, rechteckigen Platz (Rynek) mit dem Rathaus in der Mitte auf sowie die Marienkirche in der für die Region typischen Backsteingotik. Beim Ortsnamen „Rügenwalde“ erinnere ich mich an eine Fernsehwerbung für Wurst, und tatsächlich war das Städtchen für seine Rügenwalder Teewurst berühmt. Die Wurstfabrikanten zogen jedoch nach dem Krieg nach Westen; die heutige Rügenwalder Wurst wird laut Wikipedia in Niedersachen hergestellt.



Das Tourismusbüro hat noch geöffnet, und ich erkundige mich nach einem Hotel. Man verweist mich an das offenbar einzige vorhandene. Es stellt sich als sehr gute Wahl heraus; für nur 100 Zloty (umgerechnet etwa 25 Euro) bekomme ich ein sehr nettes Zimmer. Ich bin offenbar der einzige Übernachtungsgast; im repräsentativen Veranstaltungssaal aus dem Ende des 19. Jahrhunderts wird eine Beerdigung gefeiert.

Von der Terrasse des zum Hotel gehörigen Restaurants direkt am Ufer des durch Rügenwalde fließenden Flüsschens Wieprza (Wipper) hat man einen Blick auf das Schloss der Herzöge von Pommern. Hier draußen zu Abend essen zu können, wäre schön gewesen, aber bei diesem kalten, windigen Wetter ist die Terrasse natürlich verwaist.



Ich sehe mich zu Fuß noch ein wenig in der Stadt um (obwohl mein linkes Knie eigentlich nach Ruhe verlangt), esse in einer Pizzeria, in der die Bedienung nur Polnisch spricht, so dass mir meine ganz wenigen polnischen Wörter tatsächlich die Kommunikation etwas erleichtern, eine Pizza, und kehre anschließend im Restaurant meines Hotels auf ein Glas Wein ein. Ich bin der einzige Gast (so wie ich auch der einzige Übernachtungsgast bin) und komme mit dem Betreiber des Hotels ins Gespräch. Er spricht gut Deutsch und erzählt mir, wie er vor einigen Jahren das heruntergekommene Hotel, bestehend aus einem jahrhundertealten historischen Gebäude und einem Anbau mit Festsaal aus dem späten 19. Jahrhundert, gekauft und mit viel Engagement renoviert hat. Er ist zu recht stolz. Jetzt, in der Nebensaison, sei er schwach ausgelastet. Gestern und vorgestern haben auch Radreisende hier übernachtet. Sein größtes Problem sei, dass er trotz gut 30 Zimmern trotzdem zu wenig Kapazität für eine Busladung Touristen habe und daher Schwierigkeiten habe, von Reiseveranstaltern gebucht zu werden. Er bezeichne sich bewusst nicht als Hotel, da dies Auflagen mit sich bringe, die er als zu starke Einschränkung für die Gestaltung seines Angebots empfindet. Daher also habe ich mich vorhin trotz präziser Lagebeschreibung des Tourismusbüros so schwer getan, das „Hotel“ zu finden, ein Schild „Hotel“ war wirklich nirgends zu sehen. Schließlich muss er sich wieder, wie bei meinem Eintreffen, seiner Buchführung widmen, und ich widme mich beim letzten Schluck Wein über meinen Karten und Reiseführern der Frage, wie ich angesichts von Gegenwind und schmerzendem Knie die verbleibenden Reisetage so gestalte, dass ich es bis Danzig schaffe. Ich sollte wohl schauen, dass ich von Ustka bis Leba mit dem Zug abkürze.

7. Tag (29.05.2014), Darlowo (Rügenwalde)-Ustka (Stolpmünde)
Strecke: 41 km
Fahrzeit: 3 Std. 26 min
Höhenmeter: 195
Durchschnittsgeschwindigkeit: 12,10 km/h


Im Übernachtungspreis ist ein sehr reichhaltiges Frühstück inbegriffen. Den Vormittag nutze ich zur Besichtigung des Schlosses der pommerschen Greifengerzöge (die vor den Brandenburgern über Pommern herrschten) im Renaissancestil. Vom Turm hat man einen schönen Ausblick auf die Umgebung. Mehrere Schulklassen besichtigen das Schloss (so wie mir auch entlang der gesamten Küste überall polnische Schulklassen mit ihren begleitenden Lehrern aufgefallen sind).



Die Besichtigung lohnt. In den zahlreichen Sälen werden Kunstgegenstände, Alltagsgegenstände und Landkarten zu den verschiedensten Aspekten der pommerschen Geschichte ausgestellt. Die Ausstellung ist überraschend umfangreich. Jedesmal, wenn ich denke, ich bin durch, weist mir die freundliche Museumsführerin den Weg in einen weiteren Ausstellungssaal.

Wegen des nach wie vor herrschenden Gegenwinds und des immer noch schmerzenden Knies fahre ich zunächst entgegen der Routenempfehlung des Bikeline-Reiseführers auf der recht stark befahrenen Hauptstraße und erspare mir so ein paar Kilometer, zahlreiche Höhenmeter und ein Stück Feldweg. Es verbleiben auf der recht hügeligen Tagesetappe ohnehin mehr Höhenmeter, als meinem Knie lieb ist. Gleich, nachdem ich die Hauptstraße verlasse und mich wieder dem R 10 zuwende, habe ich einen langen Anstieg zu bewältigen, für den ich aber mit einem schönen Ausblick belohnt werde.



Hier mache ich ein kurzes Picknick, dabei merke ich, dass ich bei dem immer noch kalten Wind recht schnell anfange zu frieren. Also schnell weiter.

Aber ich fahre langsam und genieße die Fahrt über endlose, einsame, kaum befahrene Alleen und durch winzige Dörfer, auch wenn ich erst am Schluss der Tagesetappe, in Ustka (Stolpmünde), wieder ans Meer stoßen werde.

Herrliche Landschaft. Über Stunden nur grün. Grüne Hügel, grüne Wiesen, grüne Felder, grüne Alleebäume. Dazu überwiegend perfekt asphaltierte Sträßchen, fast keine Autos. Selbst die zahlreichen Windräder geben der Landschaft einen interessanten Aspekt.











Die letzten Kilometer bis Ustka (Stolpmünde) fahre ich auf der (recht stark befahrenen) Hauptstraße, da die in meinem Radreiseführer ausgewiesene Strecke bzw. der R 10 (sicher landschaftlich sehr reizvoll) über Straßen und Feldwege mit schlechter Wegbeschaffenheit führt.



Bei der Einfahrt nach Stolpmünde überquert die Straße den Bahnhof; hier endet die Nebenbahn von Slupsk (Stolp) an der Hauptlinie Stettin-Danzig kommend. Ich habe bereits einen Zug morgen um 07.05 Uhr im Internet recherchiert; ich würde gerne morgen mit dem Zug die Strecke bis Leba abkürzen, mit Umstieg in Slupsk und Lebork (Lauenburg). Von dort verzeichnet meine Michelin-Karte eine Bahnlinie nach Leba. Es scheint hier aber keinen Fahrkartenschalter und keinen Fahrkartenautomaten zu geben. Also sollte ich heute abend noch herausfinden, wie ich an eine Fahrkarte samt Fahrradkarte nach Leba komme.

Ich rolle weiter in den sehr hübschen Ort. Das Tourismusbüro, wo ich mir Informationen zur geplanten Bahnfahrt nach Leba erhofft habe, ist schon geschlossen, also lasse ich mich erst einmal bei endlich mal wieder herrlichem Sonnenschein auf ein Bier im Hafen nieder. Es ist wunderschön hier. Ich habe keine Eile, ein Hotel werde ich schon finden (zum Zelten finde ich es immer noch zu kühl, außerdem habe ich keine Lust, wenn ich schon um 7 Uhr den Zug bekommen muss, vorher auch noch das Zelt abzubauen). Der Ort gefällt mir von allen an der polnischen Küste bisher am besten, und er erstrahlt in der Abendsonne in leuchtenden Farben.



Über die Mündung der Slupia (Stolpe) führt eine für die Durchfahrt von Schiffen seitliche schwenkbare Fußgängerbrücke.



Ich finde schnell ein sehr schönes zentral gelegenes Hotel im Hafenbereich für 120 Zloty (ca. 30 Euro). Die sehr nette Dame am Empfang spricht passabel Englisch und kann mir mit meinen Bahnfahrt-Plänen immerhin insoweit weiterhelfen, als sie mir versichert, die Fahrkarten von hier nach Slupsk werden im Zug verkauft. In Slupsk würde ich die weiteren Fahrkarten bekommen.

Nach dem Abendessen in einer Pizzeria schaue ich mir den herrlichen Sandstrand an und genieße in der untergehenden Sonne von der Hafenmole aus den Blick auf den Ort.







Diese Reisebekanntschaft stellt sich leider als äußerst wortkarg heraus. Sie ist wohl zu sehr damit beschäftigt, angestrengt suchend gen Horizont zu spähen. Auf wen sie wohl wartet? Sie verrät es mir nicht…





Die Fußgängerbrücke im beiseitegeschwenkten Zustand:



Später, bei Dunkelheit, gehe ich nochmal auf die Hafenmole. Ustka ist ein Fischereihafen, und nun tuckern vier oder fünf Fischkutter an mir vorbei aufs Meer auf nächtliche Fangfahrt, so nah, dass ich den Diesel riechen kann.

Im Hotel habe ich WiFi, aber ich bekomme mit dem Smartphone über das Auskunftssystem der Deutschen Bahn zwar meinen morgigen 7-Uhr-Zug und einen Anschlusszug von Slupsk nach Lebork mit komfortabler Umsteigezeit von einer guten Stunde recherchiert, aber Leba scheint das System nicht zu kennen, dabei gibt es laut meiner Karte eine Bahnstrecke von Lebork nach Leba. Ist die stillgelegt? Also morgen früh erstmal mit der Bahn bis Slupsk, und dann weitersehen.

Fortsetzung folgt...
Gruß
Tom
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#1051596 - 26.06.14 11:12 Re: Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014 [Re: Tom72]
Hulle
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Eine schöne Tour mit sehr vielen schönen Bildern.
Hoffe Dein Knie ist wieder ok, ansonsten weiter gute Besserung.
Gruß, Florian
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#1051801 - 27.06.14 09:25 Re: Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014 [Re: Tom72]
Helm
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Hallo Tom,

Dein Bericht steigert meine Vorfreude auf diese Tour ab der letzten Augustwoche. Allerdings starte ich ab Berlin entweder über den Berlin-Usedom-Radweg oder entlang der Oder. Vielleicht bekomme ich ja noch einen Hinweis, welcher landschaftlich reizvoller bzw. weniger Kontakt zum Autoverkehr enthält. Schlechte Wegoberflächen stören mich weniger als Autos.

Gruß
Helmut
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Off-topic #1051843 - 27.06.14 13:09 Re: Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014 [Re: Helm]
DebrisFlow
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In Antwort auf: Helm
Hallo Tom,

Dein Bericht steigert meine Vorfreude auf diese Tour ab der letzten Augustwoche. Allerdings starte ich ab Berlin entweder über den Berlin-Usedom-Radweg oder entlang der Oder. Vielleicht bekomme ich ja noch einen Hinweis, welcher landschaftlich reizvoller bzw. weniger Kontakt zum Autoverkehr enthält. Schlechte Wegoberflächen stören mich weniger als Autos.
Gruß
Helmut

Wie heißts so schön, die Mischung machts schmunzel
So könntest du von Berlin bis Marienwerder/Finofurt auf BU, dann den Oder-Havel-Radweg bis zur Oder/Hohensaaten und den Rest Oder-Neiße-Weg.
Alternativ noch meine Strecke quer durch die Landschaft auf ruhigen Straßen bis Oder-Neiße.
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Off-topic #1052106 - 28.06.14 18:04 Re: Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014 [Re: DebrisFlow]
Helm
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Danke Andy!

Gruß
Helmut
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#1052173 - 28.06.14 23:51 Re: Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014 [Re: Hulle]
Tom72
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Unterwegs in Spanien

Hallo Hulle,

danke der Nachfrage, hinsichtlich des Knies ist dann im weiteren Reiseverlauf deutliche Lindterung eingetreten, so dass ich am Ende nicht ganz, aber fast normal treten konnte. Und in den Wochen seitdem hat sich das Knie dann völlig normalisiert. Gerade heute bin ich die 141 km von Leipzig nach Dresden geradelt, das haben die Knie klaglos mitgemacht.

Morgen geht's dann wahrscheinlich weiter mit dem Reisebericht.
Gruß
Tom
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#1052292 - 29.06.14 15:32 Re: Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014 [Re: Tom72]
Tom72
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Unterwegs in Spanien

8. Tag (30.05.2014), Leba-Debki (Zug- und Busfahrt von Ustka nach Leba)
Strecke: 69,62 km (einschließlich Abstecher zur Düne von Leba)
Fahrzeit: 4 Std. 15 min
Höhenmeter: 284
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,20 km/h


Ich schaffe es, um 6 Uhr aufzustehen und zu packen. Ich rolle durch den hübschen Ort zum Bahnhof





und erreich problemlos den Nahverkehrszug. Der moderne Dieseltriebzug mit komfortablem Fahrradtransport bringt mich und mehrere polnische Schulklassen in einer guten halben Stunde nach Slupsk (Stolp).



Am Fahrkartenschalter kann ich mich einigermaßen verständigen, ich bekomme meine Fahrkarte und Fahrradkarte nach Lebork und erfahre, dass von dort tatsächlich kein Zug nach Leba fährt, sondern Busse. Ob die Fahrräder mitnehmen, erfahre ich nicht.

Ich nutze die Stunde Umsteigezeit, um mich in Stolp, der größten Stadt seit Swinwmünde, etwas umzusehen. Die Stadt bietet einige historische Sehenswürdigkeiten und architektonische Tristesse aus der sozialistische Ära. Hübsch ist das neogotische Rathaus. Leider hat zu der frühen Stunde noch kein Café für ein Frühstück geöffnet.



Der Schnellzug (TLK), mit dem es nun auf der Hauptstrecke Stettin-Danzig bis Lebork (Lauenburg) geht, besteht aus alten Abteilwagen, bei der Einfahrt sehe ich keinen Hinweis auf Fahrradplätze. Ich erinnere mich aus Berichten hier im Radreiseforum, dass in Polen in dem Fall die Räder in den Wagenübergängen am Anfang des ersten und am Ende des letzten Wagens mitgenommen werden können. Ich eile daher zum Ende des Zuges und stemme Gepäck und Rad durch den engen, hochgelegenen Einstieg. Der Schaffner bestätigt mir, dass es so richtig ist.



Eine gute halbe Stunde später bin ich in Lebork. Ich sehe gleich gegenüber dem Bahnhof den Busbahnhof. Ich erkundige mich nach der Busverbindung nach Leba. Um 10 Uhr, d. h. in 20 Minuten, und Fahrräder werden auch mitgenommen. Prima! Ob der Radtransport im Mittelgang allerdings unter Sicherheitsaspekten optimal ist…



Gegen elf Uhr bin ich in Leba, ein netter und auch jetzt, in der Vorsaison, bereits sehr belebter Ort. Ich esse am Yachthafen eine Pizza; an den Tischen um mich herum höre ich viel Deutsch, wie auch generell an der polnischen Küste viele deutsche Touristen unterwegs sind. Auch Leba hat natürlich einen wunderschönen Sandstrand.



Hauptattraktion sind aber die Wanderdünen, die mit einer Höhe von über 40 Metern zu den höchsten in Europa zählen. Das bedeutet einen Abstecher entgegen der Reiserichtung, nach Westen, ca. 7 km hin und dann wieder zurück durch den Slowinski Park Narodowy (Slowinzischer Nationalpark). Man muss ein paar Zloty Eintritt zahlen, dann geht es über einen kilometerlangen, für Autos gesperrten, breiten Waldweg vorbei an einem Museum über das deutsche Raketen-Versuchsgelände aus dem Zweiten Weltkrieg. Wer kein Rad hat und nicht zu Fuß laufen möchte, wird mit kleinen Elektrowägelchen zur Düne gekarrt. Am Ende des Weges gibt es einen Fahrradparkplatz.



Dann geht es zu Fuß weiter. Die Dünenlandschaft ist wirklich beeindruckend. Ich mache eine kurze Wanderung durch den weißen Sand an den Strand und zurück.











Dieser Abstecher hat sich wirklich gelohnt. Zwischen drei und vier Uhr bin ich wieder zurück in Leba und starte die eigentliche Tagesetappe Richtung Osten.

Auch heute geht es ausschließlich durchs Hinterland ohne Blick aufs Meer. Die Strecke ist sehr hügelig und führt, wie gestern, durch herrliche Alleen auf überwiegen sehr ruhigen Sträßchen. Mein linkes Knie schmerzt nach wie vor etwas, aber ich habe mich inzwischen an eine entsprechend langsame Fahrweise gewöhnt und genieße die Landschaft.











Ich habe mich als Etappenziel für den Strandort Debki entschieden, wo es laut meiner Karte einen Campingplatz gibt (es ist nicht mehr so kalt wie die vergangenen Tage). Als ich ankomme, ist es bereits nach acht. Der Ort scheint nur aus einer Straße durch den hinter den Dünen gelegenen Wald mit niedrigen, verlassen wirkenden Häuschen (Ferienhäuser?) zu bestehen, alle Restaurants und Strandbars, an denen ich vorbeikomme, sind geschlossen. Essen habe ich nicht dabei… Ich sehe keine Hotels, und wo ist der Campingplatz? Ich bekomme Bedenken, ob ich hier eine Unterkunft finde, und zum Weiterfahren ist es mir eigentlich zu spät. Aber ich sehe zahlreiche Urlauber zu Fuß und mit dem Fahrrad. Die müssen doch irgendwo wohnen… Schließlich komme ich an eine nett wirkende, einfache Bar, die geöffnet hat und wo auch gegessen wird. Man spricht Englisch. Ich frage, wie lange sie heute noch geöffnet haben. Auf alle Fälle bis 23 Uhr. Insoweit bin ich also schonmal gerettet. Der sehr einfache Campingplatz „Kaszub“ ist auch gleich um die Ecke.



Die Rezeption ist offen, aber nicht besetzt. Ich baue erstmal mein Zelt auf. Andere Camper sehe ich nicht. Ein junger Mann, der gerade vorbeikommt, telefoniert für mich den Platzwart herbei. Der kommt irgendwann, begrüßt mich freundlich und meint, ich könne natürlich bleiben, aber der Platz sei um diese Jahreszeit eigentlich noch gar nicht offen. Der Sanitärbereich sei daher noch geschlossen, es gibt aber eine Holzhütte mit einem Klo drinnen und einem Waschbecken außen dran. Das reicht mir, auf Duschen kann ich heute verzichten, ich habe jetzt sowieso Hunger. Der Platz ist mit umgerechnet 5 Euro die preiswerteste Unterkunft der Reise.

Ich esse in der Strandbar ein Steak und komme mit einer Gruppe junger Polen ins Gespräch. Es wird noch ein netter Abend. Einige aus der Gruppe sprechen Deutsch. Ich erinnere mich an Micheal, der 20 Jahre in Hamburg gewohnt hat und dem man den hanseatischen Akzent anhört und an Magda aus Gdynia, die, ohne jemals längere Zeit in Deutschland gewohnt zu haben, fast fließend Deutsch spricht – weil ihr die Sprache so gefällt, wie sie sagt. Einige Biere und einige Mixgetränke, die mir ausgegeben werden und deren Name übersetzt „Bienchen“ heißt (ich habe mir nicht gemerkt, was da alles drin war) sorgen dafür, dass ich, als ich schließlich gegen Mitternacht im Zelt liege, sehr gut schlafe…

9. Tag (31.05.2014), Debki-Wladyslawowo (Großendorf)
Strecke: 39 km
Fahrzeit: 2 Std. 43 min
Höhenmeter: 199
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,30 km/h


Heute ist es recht sonnig und einigermaßen warm.



Ich frühstücke in der Strandbar von gestern Abend



und sehe mich am auch hier natürlich wieder wunderbaren Sandstrand um.





Heute will ich wenigstens bis Wladyslawowo kommen, das am Anfang der ca. 35 km langen Halbinsel Hel (Hela) liegt. Die will ich unbedingt auf ihrer gesamten Länge befahren; vom Ort Hel an der Spitze sollen grundsätzlich Schiffe hinüber nach Danzig, Sopot oder Gdynia fahren. Ob sie das auch in der Vorsaison tun, kann ich meinen Reiseführern und auch dem Internet nicht eindeutig entnehmen. Es gibt aber auch eine Bahnlinie entlang der Halbinsel; das wäre auch noch eine Möglichkeit, nicht dieselbe Strecke auf der Halbinsel zurückfahren zu müssen. Mal sehen, was ich dazu vor Ort erfahre.

Die Strecke verläuft heute zunächst wieder abseits vom Meer über schöne Alleen durch die Kaschubische Schweiz







und dann über Straßen von stark wechselnder Oberflächenqualität immer entlang der Küste, vom Strand nur durch ein Wäldchen und die Steilküste getrennt.



Ich gönne mir in einem Café noch eine halbe Stunde Auszeit.

Dann erreiche ich in Jastrzebia Gora (Habichtsberg) den nördlichsten Punkt Polens.





Über eine Treppe gelangt man die Steilküste hinab an den herrlichen Sandstrand. Hier nehme ich mir eine gute Stunde Zeit und wandere barfuß den Strand entlang.



Das Meer hat zahlreiche interessant aussehende Steine an den Strand gespült. Ob da Bernstein dabei ist? Immerhin ist die Küste berühmt dafür, und Bernsteinschmuck wird hier überall an den zahlreichen Souvenierständen angeboten. Ich sammle eine Handvoll auf, um sie mir später genauer anzusehen. Ich glaube aber nicht, dass ein Treffer dabei ist.












In Rozewie kann ich nochmal einen Leuchtturm besteigen und den Blick entlang der Küste genießen.



Jetzt ist es nicht mehr weit bis Wladyslawowo. Ein recht großer Ort, nach meinem Geschmack zu touristisch. Aber ich will heute ohnehin noch ein paar Kilometer auf die Halbinsel Hel, dort soll es Campingplätze geben. Ich suche erstmal den Bahnhof, um mich nach der Zugverbindung vom Ort Hel auf der Spitze der Halbinsel zurück nach Wladyslawowo und am besten bis Gdynia (Gdingen) zu erkundigen.

Die Gleisanlagen und Bahnsteige des Bahnhofs sind eine einzige Baustelle. Die Strecke wird offenbar gerade komplett saniert. Hier fährt zur Zeit sicher kein Zug… Die Verständigung mit der Schalterbeamtin gestaltet sich mühsam, aber ich bekomme soviel heraus: Die Strecke von Hel über Wladyslawowo und weiter fast bis Gdynia ist wegen Bauarbeiten außer Betrieb, der Busersatzverkehr nimmt keine Fahrräder mit. Aber das war ja nur Plan B, Plan A sieht ja ohnehin vor, von Hel an der Spitze der Halbinsel mit dem Schiff nach „Trojmiasto“, der „Dreistadt“, bestehend aus Gdynia (Gdingen), Sopot (Zoppot) und Gdansk (Danzig) zu fahren. Die nötigen Infos werde ich schon noch irgendwie bekommen…

Ich fahre also auf die Halbinsel Hel (Hela). Die Straße und der parallele Radweg verlaufen am Südufer der nur wenige hundert Meter breiten Halbinsel bzw. Nehrung. Nach ein paar Kilometern kommt der erste Campingplatz, wunderschön am Strand gelegen mit einem kleinen Yachthafen und Blick auf die gegenüberliegende, von Wladyslawowo südwärts Richtung Gdingen und Danzig verlaufende Küste.



Zu meiner Enttäuschung ist der Platz nur für motorisierte Camper, nicht für Zelte. Aber man bietet auch Gästezimmer für nur 80 Zloty, umgerechnet 20 Euro, an. Es gefällt mir hier so gut, dass ich mich für das Zimmer entscheide, zumal der Platz auch ein geöffnetes Restaurant mit Blick aufs Meer hat, so dass ich zum Essen gar nicht mehr zurück nach Wladyslawowo muss.

Ich genieße die erste Dusche seit zwei Tagen und bestelle auf der Terrasse des Restaurants ein Steak und eine Fischsuppe.



Das Personal spricht englisch und ist sehr freundlich und zuvorkommend, und die Küche ist hervorragend. Ich werde nicht nur gefragt, wie ich mein Steak gebraten haben möchte, sondern auch, wie stark gewürzt die Fischsuppe sein soll. Sie ist wirklich sehr lecker.



Ich sitze noch lange draußen und genieße den Blick aufs Meer.





Jetzt muss ich nur noch den morgigen letzten Fahrtag planen. Hier auf dem Campingplatz gibt es WiFi. Optimal wäre eine Fähre vom Ort Hel (Hela) an der Spitze der Halbinsel Hela nach Gdynia (Gdingen) und von dort mit dem Rad die von der letztjährigen Reise bekannte Strecke entlang der Uferpromenade über Sopot (Zoppot) nach Danzig. Laut Reisefüher fahren die Fähren nur in der Hauptsaison, also jetzt wohl noch nicht… Auch aus der englischen Version der Website der Danziger Verkehrsbetriebe, die die Fähren als „Tramwaj Wodny“, „Wasserstraßenbahn“, betreiben, kann ich nicht eindeutig entnehmen, ob sie zu dieser Jahreszeit schon fahren. Die Zugfahrt von Hela zurük nach Wladyslawowo und weiter in den Großraum Danzig kommt wegen der Betriebsunterbrechung ja nicht in Betracht, die Ersatzbusse nehmen offenbar keine Räder mit. Ich will aber vermeiden, von der Spitze Helas aus die ganzen 35 km lange Halbinsel wieder zurückzuradeln. Ich werde also morgen erstmal auf die Halbinsel hinausfahren und schauen, ob ich irgendwie, spätestens in Hela, an die nötigen Informationen zu den Fähren gelange. Von Jastarnia in der Mitte der Nehrung soll es auch Fähren geben.

Bereits im Hotel in Ustka hatte ich den WiFi-Empfang genutzt, um ein Hotel für den letzten, also morgigen, Abend in Danzig zu buchen, da inzwischen ja feststand, dass ich es nicht über Danzig hinaus, etwa auf die Frische Nehrung, schaffen würde. Ich habe mich für Bekanntes und Bewährtes entschieden; es ist dasselbe Hotel, Hotel Gryf, in dem ich auch letztes Jahr die letzte Nacht der Reise verbracht habe.

Fortsetzung folgt...
Gruß
Tom

Geändert von Tom72 (29.06.14 15:35)
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#1052308 - 29.06.14 16:53 Re: Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014 [Re: Tom72]
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Danke, Tom, für den wunderbaren Bericht. Da ich selber mit einer Gruppe schon 2 x an der polnischen Ostseeküste unterwegs war, wenn auch in umgekehrter Richtung, erkenne ich Strecke und Orte natürlich wieder. Da werden Erinnerungen wach, wie man so sagt. Da ich mich selbst eher als Schönwetterradler bezeichnen möchte bzw. muss, sind deine Erlebnisse bei Regen, wahrscheinlich kaum 10 Grad und heftigem Gegenwind sehr interessant zu lesen.

In Erwartung der Fortsetzung
Alles Gute und weiterhin so schöne Touren

Thomas Schmidt
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#1052380 - 29.06.14 22:36 Re: Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014 [Re: Tom72]
Tom72
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Unterwegs in Spanien

10. Tag (01.06.2014), Wladyslawowo (Großendorf)-Hel (Hela), Sopot (Zoppot)-Gdynia (Gdingen)-Sopot-Danzig (Schifffahrt Hel-Sopot)
Strecke: 74 km
Fahrzeit: 4 Std. 34 min
Höhenmeter: 149
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,30 km/h


Bei strahlendem Sonnenschein kann ich auf der Terrasse des Campingplatzrestaurants frühstücken.



Mit der netten, perfekt Englisch sprechenden Kellnerin unterhalte ich mich über meine heutigen Pläne. Sie meint, die Fähre von Hel sei letztes Jahr bereits ab Anfang Mai gefahren und bittet ihre Kollegin von der Campingplatzrezeption, im Internet nachzusehen. So wie ich, findet sie nichts eindeutiges, meint aber auch, die Fähre würde wohl fahren. Also radle ich zuversichtlich los; ich kann erstmals seit Tagen wieder mit kurzen Hosen und kurzärmeligem Trikot fahren.

Die Halbinsel Hela ist, außer ganz am Ende, nur wenige hundert Meter breit. Die Fahrt ist landschaftlich sehr schön. Die Straße und der Radweg verlaufen am Südufer.



Über etliche Kilometer sieht man rechts den Strand mit Blick auf die gegenüberliegende Küste,



links vom Radweg die (recht stark befahrene) Straße, und parallel die Bahnlinie, die ja gerade außer Betrieb ist (man sieht, dass sie gerade komplett erneuert wurde), dann ein schmales Wäldchen (auf dem Bild Blick entgegen der Fahrtrichtung).



Dann kommt auch schon der endlose Sandstrand der Nordküste.



Die Fahrt entlang Helas stellt sich als einer der schönsten Abschnitte der Reise heraus.



In Kuznica mache ich bei herrlichem Sonnenschein Rast.



Weiter geht es auf dem schönen Radweg entlang der Südküste Helas







bis Jastarnia. Von hier aus soll es auch Fährverbindungen geben. Vielleicht bekomme ist hier ja endlich präzise Aussagen zu den Fähren von Hel? Im hübschen kleinen Hafen deutet nichts auf Fährbetrieb hin.



Im Büro der Hafenverwaltung erfahre ich immerhin, dass zwar von Jastarnia derzeit keine Fähren fahren, die Fähre von Hel nach Sopot aber eindeutig in Betrieb ist; die Uhrzeiten weiß man hier aber auch nicht. Es ist nun Mittagszeit, und ich sehe mich ein wenig im Ort um.



Die Straßenschilder sind zweisprachig in Polnisch und einer weiteren, offensichtlich ebenfalls slawischen Sprache. Das muss Kaschubisch sein.
Auch hier schaue ich mir kurz den sich entlang der gesamten nördlichen, zum offenen Meer gelegenen, Küste Helas erstreckenden Sandstrand an.



Schließlich gibt es zum Mittagessen einen gebratenen Dorsch.



Ich kenne nun zwar noch nicht die Abfahrtzeiten der Fähren von Hel, gehe aber davon aus, dass ich gegen Spätnachmittag noch eine bekomme. Trotzdem beschließe ich sicherheitshalber, nun zügig zur Spitze der Halbinsel zu gelangen.

Auch der nächste Ort, Jurata, hat einen schönen Strand mit Seebrücke an der Südküste. Der Ferienort ist bei der polnischen Politprominenz sehr beliebt, wie ich meinem Reiseführer entnehme.



Dann wird die Halbinsel breiter, und Straße und Radweg verlaufen nicht mehr an der Südküste, sondern durch einen Wald. Ein Schild verkündet, dass nun bis Hel der Radweg von schlechter Qualität ist und ständig auf und ab geht. Ohne mich, ich fahre bis Hel auf der asphaltierten Straße.



Auch das an der Spitze der Halbinsel Hel gelegene Hel (Hela) ist ein hübscher Ferienort. Im Hafen finde ich nach einigem Fragen den winzigen Verkaufsschalter für die Fährtickets. Es ist vier Uhr, um fünf geht die nächste (und letzte) Fähre nach Zoppot. Hervorragend.

Nun habe ich also nach eine knappe Stunde, um mich hier umzusehen. Ich fahre ca. zwei Kilometer über einen holprigen Waldweg zum Strand an der Spitze der Halbinsel und wate barfuß im Wasser den Strand entlang.





Schade, dass ich mich hier nicht länger aufhalten kann; hätte ich noch einen Tag mehr Zeit gehabt, hätte ich gerne hier übernachtet.

Die Fähre ist ein recht großes Schiff, und es ist ziemlich voll. Die Verbindung wird von Einheimischen und Touristen rege genutzt, und um mich herum höre ich Polnisch, Englisch, Deutsch und sogar Spanisch.

Der Blick zurück nach Hel



Ich bin nicht der einzige Fahrgast mit Fahrrad.



Hier draußen auf offener See ist es doch recht kalt und windig. Die meisten Fahrgäste ziehen sich unter Deck zurück, ich harre auf Deck aus und genieße den Blick auf die sich langsam nähernde Küste der Trojmiasto, der „Dreistadt“ Gdingen-Zoppot-Danzig. An der Seebrücke von Zoppot legt das Schiff an. Es ist etwa halb sieben. Ich erinnere mich, wie ich auf meiner letztjährigen Tour Dresden-Danzig am letzten Abend an der Uferpromenade entlanggeradelt bin und für den Zutritt auf diese Seebrücke einige Zloty Eintritt zahlen musste.



Ich lasse an gleicher Stelle wie letztes Jahr ein Foto von mir machen.



Ab hier könnte ich für den weiteren Verlauf des letzten Abends (und nächsten Vormittags in Danzig) eigentlich auf meinen Bericht von letztem Jahr verweisen. Auf der letztjährigen Tour von Dresden nach Danzig über Poznan (Posen), Torun (Thorn) und Bydgoszcz (Bromberg) hatte ich es aus Gründen der knappen verbleibenden Zeit und des Wetters mit dem Rad nur bis Kwidzyn (Marienwerder) geschafft und habe nach Malbork (Marienburg), wo ich ausgiebig die Ordensburg besichtigt habe, und dann bis Gdingen den Zug genommen, um von dort die Küste südwärts über Zoppot nach Danzig zu radeln. Als ich in Gdingen aus dem Zug stieg, war es ähnlich spät am Abend wie heute, und da ich nicht sicher war, wie lange die Rezeption meines Hotels (dasselbe, das ich auch für heute Abend gebucht habe, vor drei Tagen in Ustka per Internet, Hotel Gryf) geöffnet sein würde, hatte ich mich beeilt und konnte die etwa 30 km lange Fahrt entlang der Küste der Trojmiasto nicht richtig genießen.

Ich fasse also für den verbleibenden Abend folgenden Plan: Ich will den Abend gerne an der Küste verbringen statt in Danzig. Inzwischen weiß ich, dass im Hotel Gryf die Rezeption rund um die Uhr besetzt ist. Ich werde also nordwärts bis Gdingen radeln, und anschließend wieder zurück nach Zoppot (passender wäre es gewesen, wenn die Fähre gleich nach Gdingen gefahren wäre). Hier werde ich an der Uferpromenade zu Abend essen, und es reicht ja, wenn ich gegen Mitternacht im Hotel bin (von Zoppot ins Zentrum von Danzig sind es noch etwa 12 km, und den Weg zu meinem Hotel kenne ich ja von letztem Jahr).
Kurz vor halb acht komme ich in Zoppot los.



Zwischen Zoppot und Gdingen gibt es keinen Weg an der Küste, man muss entlang einer vierspurigen Hauptstraße, die zwar über Radwege verfügt, die ich aber um des zügigen Vorankommens willen ignoriere. Die Strecke kenne ich noch von letztem Jahr und finde mich gut zurecht. Kurz vor Gdingen gibt es wieder eine Uferpromenade mit Radweg.



Das linke Knie ist wieder recht gut belastbar, ich schaffe die ca. 15 km bis kurz nach acht. Auf der Hafenmole im Zentrum von Gdingen mache ich dieselben Fotos wie letztes Jahr, wieder bei tiefstehender Abendsonne.







Dann geht es wieder zurück nach Zoppot, über die Uferpromenade



und die vierspurige Hauptstraße.



Wieder in Zoppot angekommen, ist es bereits nach halb zehn,



und die Restaurants an der Uferpromenade haben offenbar bereits geschlossen. Ich suche aber auch gar nicht weiter, als ich eine Bar direkt am Strand sehe, die noch geöffnet hat. Hier kann ich, obwohl es nun doch schon recht frisch ist, draußen sitzen mit Blick auf den Strand, das Meer und die Lichter von Danzig. Hier gönne ich mir einen Rotwein; dass kein Essen mehr serviert wird, stört mich nicht; sie haben noch Tortilla-Chips mit Käsesauce, das genügt mir so spät am Abend. Um halb elf schließt die Bar, ich kann aber mit meinem letzten Glas Wein auf der Terrasse am Strand sitzen bleiben und den Abend in aller Ruhe ausklingen lassen.



Nun geht es die ca. 12 km nach Danzig ins Hotel. Zunächst weiter entlang der Uferpromenade, dann finde ich schnell die Stelle, wo ich in die Stadt abbiegen muss. Ich finde den von letztem Jahr bekannten Weg ohne Probleme – immer geradeaus entlang der großen Hauptstraße „al. General Hallera“ und vor der Bahnlinie nach links, bis kurz vorm Hauptbahnhof. Als ich das Hotel Gryf erreiche, ist es tatsächlich Mitternacht.

Ich bin zufrieden mit dem Verlauf des heutigen, letzten Tages. Alles hat prima geklappt. Aus meinem Zimmer habe ich wie letztes Jahr einen Blick auf das Denkmal der gefallenen Werftarbeiter .



Den morgigen Vormittag habe ich noch zur Verfügung, um mir Danzig anzusehen. Für den Berlin-Warschau-Express ab Poznan (Posen) um 17.28 Uhr und im Intercity von Berlin nach Dresden habe ich schon vor einigen Wochen reserviert; für die Fahrt bis Posen habe ich gestern Abend im Internet eine durchgehende Schnellzug-Verbindung (TLK) ab Danzig um 12.48 Uhr recherchiert. Letztes Jahr hatte ich auch den Berlin-Wahrschau-Express ab Posen zur selben Uhrzeit, aber bis Posen ging es nur mit zwei Nahverkehrs-Bummelzügen, aus denen dann pannenbedingt drei wurden, und es ging in Danzig auch schon um kurz vor elf los. Gab es den durchgehenden TLK letztes Jahr noch nicht oder habe ich ihn übersehen? So habe ich jedenfalls morgen noch etwas mehr Zeit in Danzig und beschließe, jedenfalls bis neun auszuschlafen.

11. Tag (02.06.2014), Zugfahrt Gdansk (Danzig)-Dresden

Gegen neun stehe ich auf und packe. Der Tag verläuft fast genauso, wie der letzte Tag meiner letztjährigen Polenreise; wäre die Speicherkarte voll gewesen, hätte ich auch aufs Fotografieren verzichten können und hier die Bilder vom letzten Jahr verwenden können.
Auf dem Weg in die Innenstadt komme ich am Hauptbahnhof (Gdansk Glowny) vorbei und besorge mir Fahr- und Fahrradkarte für den TLK nach Posen.







Durch das Goldene Tor gelange ich in die Alte Rechtstadt.





Im selben Café wie letztes Jahr am Langen Markt (Dlugi Targ) bekomme ich dasselbe leckere englische Frühstück wie letztes Jahr.



Das Rechtstädtische Rathaus mit dem Neptunbrunnen





Da ich von letztem Jahr bereits einen Eindruck von der Stadt habe, muss ich mir nicht mehr allzu viel ansehen, sondern setze mich auf dem Langen Markt noch in ein Café und lasse in Ruhe die Szenerie vor den prächtigen Altstadthäusern auf mich wirken.
Das Ufer der Motlawa (Mottlau) mit dem berühmten Krantor





Rechtzeitig bin ich am Bahnhof.



Der TLK besteht aus Abteilwagen ohne ausgewiesene Fahrradstellplätze. Aber ich weiß inzwischen ja aus Erfahrung: Fahrradtransport immer am Ende des ersten und letzten Wagens. Also platziere ich mein Rad an der Zugspitze hinter der Lok.



Die Fenster der Wagen lassen sich noch öffnen, was es in Deutschland seit Längerem fast gar nicht mehr gibt.



Im Zug schreibe ich noch ein paar Postkarten, die beim Umstieg in Posen noch in den Briefkasten müssen. Der Umstieg in Posen klappt problemlos, ich habe etwa eine Stunde Zeit. Der Hauptbahnhof (Poznan Glowny) ist mir schon vertraut, ich bin letztes Jahr auf der Radreise hier eingestiegen, um ein Stück mit dem Zug abzukürzen, und auf der Rückfahrt hier ebenfalls in den Berlin-Warschau-Express umgestiegen.



Der kommt dann auch pünktlich.





Das Pastagericht im Speisewagen schmeckt hervorragend.



Wir überqueren die Oder bei Frankfurt.



Kurz vor halb neun bin ich am Berliner Hauptbahnhof.






Das letzte Fotomotiv ist fast dasselbe wie letztes Jahr, und auch den letzten Satz des Berichts kann ich wieder verwenden: „Dank der geräumigen Aufzüge gelange ich problemlos ins Tiefgeschoß, wo der Intercity nach Dresden abfährt. Kurz vor 23 Uhr bin ich wieder in Dresden.“

Epilog

Es war eine gelungene Reise, trotz überwiegend falscher Windrichtung und Knieproblemen. Die Tour entlang der Ostseeküste war abwechslungsreicher, als ich vorher gedacht hatte. Landschaftlich besonders gefallen haben mir die endlosen Sandstrände, die sich entlang der gesamten Küste erstrecken, und die kilometerlangen Alleen.

Es war wohl gut, dass ich nicht in der Hauptsaison unterwegs war, ich kann mir vorstellen, dass dann die Strandorte überfüllt sind und es schwer sein kann, eine Unterkunft zu finden, sei es in Hotels, sei es auf Zeltplätzen. Und der Verkehr auf den küstennahen Straßen dürfte dann auch stärker sein. Allerdings hatte ich in der Vorsaison eben bisweilen das Problem, dass in den kleineren Orten manche Hotels, Campingplätze und Restaurants geschlossen waren.

Schade, dass ich es dann doch nicht mehr, wie anfangs angedacht, über Danzig hinaus bis auf die Frische Nehrung geschafft habe, womit ich den gesamten polnischen Anteil an der Ostseeküste abgedeckt hätte. Und mit ein paar Tagen oder einer Woche mehr Zeit hätte man dann noch weiter nach Masuren fahren können, über das ich auch schon einige Radreiseberichte und Beiträge im Forum gelesen habe. Vielleicht das nächste Mal, wenn ich mal wieder nach Ideen für eine Polen-Radtour suche…
Gruß
Tom
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#1052414 - 30.06.14 09:51 Re: Polnische Ostseeküste Stettin-Danzig 2014 [Re: Tom72]
Tandemfahren
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Danke für den schönen Bericht! bravo Wir werden im August von Danzig aus nach Osten fahren, und Du hast die Vorfreude noch ein bisschen angeheizt... Mein Bericht folgt dann voraussichtlich gegen Ende des Jahres. schmunzel
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