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#736486 - 02.07.11 22:38 Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard
barbara-sb
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Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 234
Dauer:15 Tage
Zeitraum:28.5.2011 bis 11.6.2011
Entfernung:1232 Kilometer
Bereiste Länder:frFrankreich

Hallo,
hier eine Zusammenfassung meiner jüngsten Tour, einmal quer durch Frankreich entlang der Loire und der Kanäle in Burgund.

Angenehme Lektüre wünscht
Barbara

Tag 1: Anreise
Samstag, 28. 5.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem ich den Zug von Saarbrücken nach Metz nehmen will, fährt er wegen Bauarbeiten erst ab Forbach. Schienenersatzverkehr und Fahrrad – das ist mir zu riskant, also noch etwas früher aufstehen und die ca. 17 km nach Forbach radeln. Der Bahnhof ist mit Aufzügen ausgestattet, so geht es problemlos ans Abfahrtgleis. Umsteigen in Metz (ebenfalls Aufzüge vorhanden, allerdings ziemlich eng), TGV nach Paris, Gare de l’Est. Von dort finde ich leicht die im Forum/Wiki beschriebene Strecke zum Gare Montparnasse. Nur das Abbiegen nach rechts in den Boulevard du Montparnasse verpasse ich (auf dem Straßenschild steht Boulevard du Port Royal, so heißt die Fortsetzung nach links) – ein kleiner Extrabogen, aber nichts entscheidendes. 70 Minuten hatte ich fahrplanmäßig zwischen Ankunft und Abfahrt, rund 20 Minuten davon blieben letztlich „ungenutzt“. Die Fahrt nach Nantes verläuft ebenso ereignislos wie vorher die nach Paris: monotone Landschaft, wenige Halte.
In Nantes gibt es großen Andrang: 3 Fahrradhaken, 6 Räder. Also müssen drei im Einstiegsbereich des Nahverkehrszugs bleiben, wo außerdem noch zwei Kinderwagen Platz finden. Irgendwie geht es – freundlich und gelassen. Der SNCF-Beschäftigte windet sich kommentarlos durch das Gewusel aus Rädern, Buggies und Menschen. Ich komme mit einem äußerst freundlichen und hilfsbereiten Paar aus Nevers ins Gespräch, die die Atlantikküste von Le Croisic nach Bordeaux unter die Räder nehmen wollen. Erste Tour dieser Art, neue Räder von Decathlon, neue Ortliebtaschen, neue Campingausrüstung – hoffentlich werden sie vom Radreise-Virus gepackt.
Zum Glück wird der Zug nach und nach leerer, insbesondere in St. Nazaire gibt es Platz (ist auch gut so, dort wartet nämlich eine Rollstuhlfahrerin). Für die Eltern mit Kinderwagen wird die offenkundig ziemlich altersschwache Rolltreppe angeworfen, von dieser Erleichterung profitiere auch ich – kein einziges Mal das Rad gebuckelt!
In St. Nazaire hatte ich ein Hotel vorgebucht. Ich erkunde erstmal die Umgebung zu Fuß: Einkaufsstraßen, ein Dolmen, zum Wasser hin ein massiver Betonklotz – der U-Boot-Bunker. [img][/img] In solch einem war während des Krieges mein Vater als Beschäftigter der Kriegsmarinewerft eingesetzt.
Die Stadt ist nach den Kriegszerstörungen einigermaßen gesichtslos wieder aufgebaut worden – ob sie jemals schön war? Ein Text von Lothar-Günther Buchheim, den ich in der von meinem Vater hinterlassenen Bretagne-Broschüre der Kriegsmarine fand, lässt zweifeln („ohne jegliche bauliche Tradition“, „schmucklos-armselige Häuser“).


Tag 2: St. Nazaire
Sonntag, 29. 5.

Am Morgen besichtige ich den U-Boot-Bunker gründlich: Die Auffahrt aufs Dach ist jetzt offen, Blick auf das Hafenbecken, den Pont de St. Nazaire, und auf Unmengen grauen Betons. Bemühungen, dem Grün entgegenzusetzen, sind noch nicht weit gediehen. Und auch die Ruhesessel mit Aussicht auf die Stadt inspirieren nicht zu recht zu einem entspannten Sonnenbad.
[img][/img]
Auf der anderen Seite des Hafenbeckens noch ein grauer Betonklotz – kleiner, wohl ehemals eine verbunkerte Schleuse. Darin liegt das französische U-Boot „Espadon“ und kann besichtigt werden.


Das Office des Tourisme (OTou) hat mich mit einer sehr brauchbaren Karte der Circuits vélos ausgestattet. Fahrt entlang der Strandpromenade nach Westen – schöne Sandstrände an der Mündungsbucht der Loire. Am Stadtrand biege ich ins Landesinnere ab. Entlang des „Etang du Bois Jaolland“ folge ich der (von ein paar Ausfällen abgesehen sehr guten) Beschilderung Richtung St. André-des-Eaux. Vor dem Ort biege ich ab nach Norden, nach La Chaussée Neuve, an den Rand der Brière, eines der größten französischen Sumpfgebiete.
Mit einer „barque“ geht es hinein in das Naturschutzgebiet. Viele Inseln, umgeben von Schilfgürteln und Kanälen, zum Teil landwirtschaftliche Nutzung, Gänse, Rinder, Ziegen und Pferde sind zu sehen.
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Ca. 45 Minuten sind wir unterwegs, zum Teil gestakt, zum Teil mit Motorkraft. Viele Vögel. Der Führer berichtet, dass Louisiana-Krebse eingeschleppt worden sind und sich stark vermehren; er zieht eine Reuse hoch, in der sich viele der Schalentiere gefangen haben. Die Bewohner der Anrainergemeinden haben Jagd- und Fischereirecht in der Brière, so sieht man auch einige mit Schilf getarnte Unterstände für Jäger.
Nun geht es wieder mit dem Fahrrad weiter. Ich fahre am südlichen Rand der Brière nach Trignac und versuche , dort die Auffahrt auf den Pont de St. Nazaire zu finden – ohne Erfolg. Der stellt sich erst ein, nachdem ich mir schon die Bahnverbindung nach Nantes besorgt habe und noch einmal an den U-Boot-Bunker herangefahren bin. Ich radle bis unmittelbar an die Zufahrt – und werde belohnt: ein dickes Frachtschiff schiebt sich gerade unter der Brücke durch.

Kilometerstand: 104

Tag 3: St. Nazaire – Bouzillé
Montag, 30. 5.

Fahre ich über den Pont de St. Nazaire oder nicht? Die Dame im OTou hat strikt abgeraten – viel zu gefährlich! Sie bietet den Bus an; allerdings muss die Fahrradmitnahme am Vortag angemeldet werden – und für den Montag sogar schon am Freitagvormittag. Unmöglich für mich, da wusste ich noch nicht einmal von dieser Möglichkeit (Fahrplan hier: http://www.loire-atlantique.fr/upload/docs/application/pdf/2010-06/lignes_15-16-17-18.pdf). Meine Hotelbesitzer sind unentschieden; einerseits ja, ist möglich, andererseits hätten sie mal eine Dame als Gast gehabt, die es nie wieder machen will – und dann StefanS mit dem Reisebericht im Forum, der lediglich von der größten Steigung seit den Alpen schreibt.
Recherche bei FranceMétéo ergibt, dass mit wenig Wind zu rechnen ist, also Brücke! Neben der Fahrbahn gibt es einen ca. 1 m breiten Fahrradstreifen, der problemlos zu benutzen ist. Laut Tacho-Anzeige liegt die Steigung zwischen 3 und 5 Prozent (Fahrbahn ist laut Wikipedia in 67 m Höhe, die maximale Steigung beträgt 5,6 Prozent). Leider gibt es keine Möglichkeit, für ein Foto anzuhalten. Der nebenliegende sehr schmale Fußweg hat einen hohen Bordstein. Gefährlich oder nicht? Bei starkem Wind, Nebel oder Regen würde ich dort nicht fahren, bei vernünftigen äußeren Bedingungen jederzeit wieder.
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Von St. Brévin auf der Straße nach Corsept, wo ich die Ausschilderung für den Loire-Radweg finde. Über Paimbœuf geht es – später entlang des Canal Maritime de la Loire – nach le Pellerin. Mittagspause in der Bar am Fähranleger. Ein Sandwich und ein Kuchenstück habe ich mir beim Bäcker im Ort besorgt, dazu gibt es ein großes Glas Mineralwasser und ein kleines Glas Rosé, das erste zu 1,30, das zweite zu 1,20 Euro – ist ja auch weniger drin.
Bei Indret nehme ich die Fähre nach St. Herblain (kostenlos). Dort führt der ausgeschilderte Radweg zunächst auf einen schmalen, fast überwucherten Weg, der stellenweise sehr dicht mit Exkrementen bedeckt ist, dann durch ein Lager der „Gens de voyage“. Mit etwas mulmigen Gefühl fahre ich durch; Antwort auf das „bonjour“ gibt es nicht. Ein unnötiger Zacken, um vielleicht 500 m innerörtlicher Straße zu vermeiden. Durch diese Erfahrung gewarnt schaue ich fortan genauer hin, wenn die „Loire-à-vélo“-Ausschildung von der Hauptrichtung abweicht.
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Auf der Straße geht es nach Nantes; ich bleibe auf dem rechten Ufer. Fast durchgängig liegt neben der Straße ein Radweg oder Radstreifen. Die weitere Strecke verläuft auf dem Uferweg, ab Mauves-sur-Loire (-sL) direkt neben der Bahnlinie. Ab Oudon beginne ich, Ausschau nach einer Unterkunft zu halten, d.h. ich bleibe auf der Straße und fange mir auf diese Weise einige Steigungen ein, ohne sinnvolles Ergebnis. In Ancenis ist nichts, selbst das OTou hat geschlossen – montags werden wohl keine Gäste erwartet.
Ich fahre über die Loire hoch nach Liré – ebenfalls ein Schlag ins Wasser. Weiter nach Bouzillé, dort auf den ersten Blick ebenfalls nichts. Eine Dame verweist mich an den Bar-Tabac, dort hat der Wirt eine Liste der örtlichen Gewerbe, darunter eine Gîte, auf die er – gefragt nach Hotel oder Privatzimmer – verweist. Ich rufe an, die sehr freundliche Frau beschreibt den Weg – natürlich den Berg wieder runter. Das Zimmer befindet sich in einem Nebengebäude, vermutlich früher ein Stall, das Haupthaus wird gerade umgebaut. Im Gespräch stellt sich heraus, dass ich für den Aufenthalt doch nicht so recht ausgestattet bin: keine Bettwäsche, keine Handtücher. So macht sich die Dame daran, mehrere Privatvermieter anzurufen (zum Glück hat sie eine Liste). Bei Nr. 1 hinterlässt sie eine Nachricht auf dem AB, Nr. 2 ist complet, Nr. 3 meldet sich gar nicht. Schließlich ruft Nr. 1 zurück – und hat Platz für mich. Ein herzlicher Dank an die hilfsbereite Ferienhaus-Vermieterin und wieder hoch in den Ortskern. Ein gepflegtes Haus, gleich im Flur hängen mehrere Jagdwaffen, überall Tapisseriearbeiten. Die Wirtin zeigt mit 2 Zimmer zur Auswahl; das Bad ist über den Flur, aber offenbar für mich allein. Gefragt, ob ich im Hause essen will, stimme ich begeistert zu.
So komme ich zu einer repas en famille – Monsieur bietet selbstgemachten Apéritif an, es gibt eine Platte mit Rohkost (zum Teil aus eigenem Anbau) und hartgekochten Eiern (von eigenen Hühnern). Als Hauptgericht erhalte ich eine Portion Huhn mit Möhrengemüse und Kartoffeln. Käse und ein Pudding runden das Mahl ab; zu dem Monsieur noch eine Flasche Rotwein aufgezogen hat.

Kilometerstand: +126 (230), 548 Hm


Tag 4: Bouzillé – St. Mathurin sur Loire
Dienstag, 31. 5.

Zum Frühstuck – natürlich – selbstgemachte Konfitüren, vier Sorten! So gestärkt geht es talwärts, es ist frisch, ich bin froh, die Windjacke angezogen zu haben.
Die Strecke führt durch Felder und nur wenige Orte – und fast in jedem ein brauchbar aussehendes Hotel… Bei Montjean wechselt der Weg auf eine große Flussinsel, die Ile de Chalonnes. Landwirtschaft, einige Häuser. In Savennières fällt mir die interessante Kirchenwand auf – St. Pierre, 10. Jh.
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Ein Stück weiter neben einem Herrenhaus so etwas wie eine Scheune, aber mit Kreuz und Glocke; laut Anschlag ist in der Kapelle sogar einmal monatlich hl. Messe.
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In la Pointe mache ich Mittagspause im „Abri des Bateliers“- sehr befriedigend. Noch mit dem Rückblick auf ein gutes Mahl beschäftigt, verpasse ich in Bouchemaine die Brücke – statt der Loire ist auf meiner rechten Seite jetzt die Maine. Bis mir das richtig klar ist, bin ich schon fast in Angers, also fahre ich auch hinein. Vorbei am Schloss, wobei mich in der Steigung eine Frau mit dem Fahrrad derart dynamisch überholt, dass es mir so lange die Sprache verschlägt, bis mir das Wort e-bike einfällt. Zunächst kann ich den Loire-à-vélo-Schildern folgen, doch dann verliere ich die Route. Also muss ich so zusehen, in die richtige Richtung zu kommen. Kurz bevor die Straße zur Autobahn wird, kommt die Ausfahrt nach St. Barthélemy d’Anjou. Einigermaßen problemlos stoße ich nach etlichen Kilometern auch wieder auf die Radweg-Ausschilderung.
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Es geht an einigen schön anzusehenden Blumenfeldern vorbei. Schließlich mache ich in St. Mathurin-sL Schluss.
Das OTou vermittelt ein Chambre d’Hôtes. Mein Zimmer ist riesig, die Dusche high-tech mit Massagedüsen. Gemeinschaftlich mit einem zweiten Gästezimmer ist ein ebenfalls riesiges Wohnzimmer zu nutzen, mit Fernseher, Sofas, großem Tisch und Kochnische. Auch hier lasse ich mich bekochen. Zum Menü werden eine halbe Flasche Rotwein und ein kleines Fläschchen Wasser geliefert – ich werde schon richtig eingeschätzt.


Kilometerstand: +88 (318), 214 Hm


Tag 5: St. Mathurin sur Loire - Tours
Mittwoch, 1. 6.

Frühstück – wie erbeten – ohne Süßgebäck, dafür mit Schinken und Käse, und wieder mehreren Sorten selbstgemachter Konfitüre. Madame leistet mir Gesellschaft, so plaudern wir gut eine Stunde; ich erfahre, dass viele Radler bei ihr Rast machen, insbesondere viele Deutsche.
In der Nacht war es wieder recht kühl, so fahre ich auch heute die ersten Kilometer mit Jacke. Es geht über die Loire. Statt auf dem ausgeschilderten Radweg fahre ich auf der Straße und komme so durch interessante Ortschaften (le Thureil!, Cunault!!!).
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Im Felsen rechts häufig Wohnungen; Troglodyten oder kurz Troglos sind zur Zeit offenbar „in“.
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In Saumur bestaune ich die Vielzahl der Sektkellereien, die zu Besichtigung und Probe einladen – wäre durchaus einen Tag wert. Vorbei am Schloss von Montsoreau (das ich von außen anschaue) und durch Candes-St. Martin geht es über die Vienne.
Ich bleibe auf der D 7. Bei kräftigem Gegenwind schiebe ich mich langsam am KKW Chinon vorbei – gerade da fällt auf, dass meine Halogenbirne mal wieder durchgebrannt ist. Der Verschleiß ist bei „Tagfahrlicht“ durchaus auffällig, und wie viele Hinweise auf brennendes Licht ich von entgegenkommenden Radlern bekommen habe…
Weiter gegen den Wind auf der D 7, dann über den Indre und durch Auenwald, später auf dem Loire-Uferdamm einigermaßen eintönig – und wegen des Winds anstrengend – weiter nach Osten.
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Die Schlösser von Ussé und Villandry sehe ich aus Entfernung, beide habe ich auf früheren Reisen schon besichtigt. Schließlich geht es entlang des Cher nach Tours-Nord. Der Radweg wird durch eine Park- und Erholungslandschaft geführt. An einem Hallenbad verliere ich die sonst hervorragende Ausschilderung kurz, kann aber schnell korrigieren. Geradeaus geht es in die Stadt – neben dem Autoverkehr und sehr zügig: Die breite Einfallstraße hat Begleitstraßen für Anlieger und Radler.

Vom OTou lasse ich mir ein Hotelzimmer in der Innenstadt reservieren. Am Abend schaue ich in die Kathedrale, bummele durch die Altstadtstraßen. Eine angenehme, sehenswerte Stadt.

Kilometerstand: +111 (429), 193 Hm

Tag 6: Tours – Orléans
Donnerstag, 2. 6. (Himmelfahrt)

Um 9 Uhr fahre ich aus Tours heraus, und der Gegenwind hat mich wieder. Die ersten Kilometer verlaufen ganz angenehm auf ufernahen Rad-/Freizeitwegen; ab Montlouis-sL bleibe ich auf der Straße, statt der Ausschilderung zu folgen. Eher langsam und mühsam erreiche ich Amboise, weiter auf der Straße nach Rilly-sL. Ab jetzt folge ich mal den Schildern; es geht etwas hoch und durch Weinfelder; vor Chaumont ist man wieder auf der Straße. Der folge ich jetzt auch – Condé-sur-Beuvron, eine ziemlich verlassene Straße an der Loire trifft ein Stück vor Blois auf die stärker befahrene Hauptstraße. Parallel dazu liegt die Loire-Velo-Strecke, auf die ich dann auch schnell wechsle.
Blois liegt am anderen Ufer der Loire. Bei einer kurzen Rast an der Brücke hätte es mich fast von den Beinen geworfen, so heftig weht der Wind. Dabei ist es sehr warm, um die 30 Grad – immerhin ein Unterschied zum Mistral! Zum Glück hatte ich mich am Vortag großzügig mit Wasser ausgestattet – 3 Liter gehen heute drauf.
Ich folge ein Stück der Loire-Velo-Strecke Richtung Chambord, orientiere mich dann an den Straßenwegweisern. Über Noëls (ganzjährig vorhanden), St. Claude-de-Diray und Maslives erreiche ich die Grenze des Chambord-Parks. Direkt hinter dem Pavillon de St. Dye werden Radler von der Straße weggeleitet, dann allerdings sich selbst und ihrem Orientierungssinn überlassen. Das Schloss ist ja nicht zu übersehen. Ich umkreise es, folge auch dem zugehörigen Kanal (Untergrund auf beiden Ufern nicht besonders gut) und verlasse den Park wieder über die Straße nach Muides-sL. Trotz des Rummels, der Menschenmassen – das Schlossgelände und den riesigen eingezäunten Park mit dem Rad zu erfahren, ist schon etwas Besonderes.
In Muides ist großes Getümmel – am Loire-Ufer findet ein Flohmarkt statt. Ich schiebe (! denn der Wind ist mir zu heftig) das Rad über die Brücke; auf ruhigen, aber leider auch gastronomie-freien Wegen geht es nach Beaugency. Chambres-d’Hôtes, bei denen ich klingele, öffnen nicht, das OTou hat geschlossen; immerhin hängen Telefonnummern aus. Ich rufe ein Hotel an und erhalte die Auskunft, dass wegen des langen Himmelfahrtswochenendes alles dicht sei – auch bei den Kollegen.
Die Auskunft erscheint mir glaubwürdig. Weiter fahren mag ich nicht mehr. So rolle ich zum Bahnhof. Um 18 Uhr bin ich da, um 18.25 Uhr gibt es einen Zug nach Orléans. Mein Versuch, mit deutschem Plastikgeld eine Fahrkarte zu lösen, scheitert. So geht es halt ohne Billet in den Zug – mit freundlicher Unterstützung einer Familie, die wohl mit den Rädern einen Tagesausflug unternommen hat. Der vorbeikommenden SNCF-Beschäftigten melde ich meinen Billet-Mangel; sie ermittelt den Fahrpreis mit 5,50, kann aber auf einen 20 Euro-Schein nicht herausgeben; sie werde wiederkommen, sagt sie. Vorher allerdings erreicht der Zug Orléans, und wieder hilft die Familie.
Das OTou hat schon geschlossen, so steuere ich ein Ibis-Hotel an, das einen durchaus akzeptablen Wochenendpreis bietet. Das Rad kommt in die geschlossene Tiefgarage. Ich bin heilfroh, nicht weiter fahren zu müssen: Zum ersten Mal auf einer Radreise habe ich mich wundgesessen. Das trübt die Bewegungsfreude, so bleibe ich am Abend im Hotel.

Kilometerstand: +116 (545), 400 Hm


Tag 7: Orléans
Freitag, 3. 6.

Die lädierte Sitzfläche darf sich heute weiter erholen. Zu Fuß erkunde ich Orléans (Kathedrale, Altstadt) und kaufe Getränke ein.
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In den Abendnachrichten höre ich, dass erstmals überhaupt an diesem Tag das Personal in Chambord gestreikt hat. Dieses historische Ereignis habe ich also um einen Tag verpasst.

Tag 8: Orléans - Gien
Samstag, 4. 6.

Ich frühstücke früh und bin schon kurz nach 8 Uhr auf der Strecke. Es geht zunächst durch ein Erholungsgebiet am Flussufer, dann wieder auf dem Uferdamm nach Jargeau, später über die Brücke nach Chateauneuf-sL. Auf der ruhigen Landstraße fahre ich nach St. Benoît-sL.
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Kurz in die Abteikirche, bewundernde Blicke auf die Kapitelle der Vorhalle, dann weiter. Auf nagelneuem Radweg, später wieder auf der Straße erreiche ist St. Père-sL und Sully mit seinem sehr schönen Schloss.
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Ich werfe von außen einige Blicke darauf, dann weiter – wieder auf der Straße – nach Gien. Mein (ausnahmsweise einmal vorgebuchtes) Hotel liegt weit im Norden der Stadt, inmitten von Einkaufsmärkten. Das gastronomische Angebot besteht aus McDonald und Buffalo-Grill – ich wähle das kleinere Übel. Da für diesen Tag, besonders für den Nachmittag, heftige Gewitter angekündigt waren, bin ich ganz froh, mein Ziel schon recht früh erreicht zu haben. Am Nachmittag Siesta und Getränkeeinkauf. An der Rezeption steht „complet“

Kilometerstand: +85 (630), 197 Hm

Tag 9: Gien - Nevers
Sonntag, 5. 6.

Wieder zurück an die Loire und über die Brücke. Ich bleibe auf der (am Sonntag morgen sehr ruhigen) Straße. In Briare geht es hoch an den Kanal und auf die historische Kanalbrücke über die Loire. Sie hat breite Seitenstreifen für Fußgänger und Radler.
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Ich verpasse bei der Ausfahrt aus dem Ort die Radbeschilderung und lande auf der D 2007, der alten N 7. Nicht so schlimm, ist ja Sonntag. In Bonny-sL wieder über den Fluss, Beaulieu und Belleville heißen die nächsten Orte – ihre Skyline beherrschen die Kühltürme des (wenn ich richtig gezählt habe) 4. AKW an der Loire. Auch jetzt nehme ich wieder die Autostraße, durch Léré und Bannay nach St. Satur. Die Fahrt hoch nach Sancerre unterlasse ich, fahre stattdessen über die Loire. Durch Weinberge und Winzerorte erreiche ich Pouilly-sL, wo es das Haus der Loire-Mitte gibt (wozu auch immer). Wieder über den Fluss und auf der wunderschön geteerten, aber auch ziemlich langweiligen Dammkrone nach Südost. Der Gegenwind bleibt mir treu.
In La Charité-sL mache ich Pause; ein Eis, vorher noch ein Blick auf die faszinierende Abteikirche, deren halbes Schiff irgendwann in die örtliche Bebauung einbezogen worden ist.U.a. das OTou hat dort seinen Sitz.
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Gestärkt gehe ich auf die nächste Etappe des langweiligen Uferdamms, u.a. liegt ein Ort namens Marseille an der Strecke. Ich wechsle auf die Straße, die neben dem Loire-Seitenkanal verläuft. Durch Cours-les-Barres, dann über die Loire. Durch Vorstädte und vorbei am Flugplatz schaffe ich mich nach Nevers. „Centre Ville“-Schilder sind dort offenbar Mangelware. Mit einem – wie ich später feststelle, unnötigen – Bogen erreiche ich das historische Zentrum mit Kathedrale, herzoglichem Schloss und OTou.
Kurz vor 18 Uhr noch ein schneller Besuch in der Kathedrale – heute hatte ich die unangenehmste Situation auf der Straße: Ein besonders eiliger Autofahrer überholte im Gegenverkehr; ich bin kurzfristig ins Grüne ausgewichen.
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Kilometerstand: +115 (745), 395 Hm

Tag 10: Nevers - Decize
Montag, 6. 6.

Bei der Ausfahrt aus Nevers war der Himmel zwar dunkel, aber es war noch trocken. Kaum habe ich die Stadt verlassen, prasselt es los. Immerhin habe ich die Regensachen schnell angezogen, so bin ich einigermaßen geschützt. Aber das Fahren ist unangenehm. Hinter Sermoise-sL schaffe ich mich an den Loire-Seitenkanal. Hier habe ich zwar keinen Autoverkehr, aber dafür auch eine keine gute Strecke. Zunächst geht es noch einigermaßen, dann wird es mir zu matschig. So wechsle ich bei nächster Gelegenheit auf die parallel zum Kanal laufende, sehr ruhige Straße und erreiche schließlich Decize.. Das OTou hat zu. In einem Café mit extrem unzugänglichen Besitzern warte ich einige Zeit ab; dann mache ich mich trotz des Regens wieder auf den Weg. Am Ortsausgang fällt mir das Hotel-Restaurant „Bel Air“ins Auge. Viele Autos, Lieferwagen, Lkw rundherum. Das Restaurant ist gerammelt voll, an großen Tischen sitzt ein sehr gemischtes Publikum, zum Teil in Berufskleidung. Ich miete mich ein – Zimmer mit Dusche, WC, groß genug, um auch das Rad mit hineinzunehmen. Der Preis: 45 Euro für die Vollpension, Getränke inklusive! Als ich mit dem (sehr guten) Mittagsessen fertig bin, scheint die Sonne. Nun denn, heute nur eine Halbetappe. Ich lese bis zum – wieder guten – Abendessen; alles sehr entspannt, sehr freundlich und absolut nicht vornehm. Meine jeweiligen Tischnachbarn sprechen mich an, lassen sich die Schönheiten einer Radreise schildern…

Kilometerstand: +45 (790), 109 Hm

Tag 11: Decize – Montceau-les Mines
Dienstag, 7. 6.

Ich nutze das Angebot, schon ab 6.30 frühstücken zu können, bin – bestens ausgeruht – um 7.15 Uhr auf der Strecke. Offenbar hatte ich gestern im Regen den Überblick über Flüsse und Brücken verloren, so bin ich nicht – wie eigentlich angestrebt – entlang des Loire-Seitenkanals unterwegs, sondern auf der D 979. Die ist wunderbar breit und unerwartet ruhig. Nun also über einige Hügel – einmal kommt eine entfernte Bergkette in den Blick, wohl der Morvan. Viele Käffer, in denen wohl nur noch geschlafen wird – keine Geschäfte o.ä. Einzige Ausnahme: Cronat. Dort versorge ich mich mit Mineralwasser. Aus der Ferne fällt mir ein Kirchturm auf: Vitry-sL (10./11. Jh.). Ich schaue die Kirche näher an und werfe auch einen Blick hinein.
Schließlich geht es mit einiger Anstrengung hoch nach Bourbon-Lancy – die sehr schöne Altstadt entschädigt für die Mühe. Abfahrt und auf die Voie Verte neben der D 979 – eine ehemalige Bahntrasse. Wunderbar zu fahren, wenn nicht vor jeder Kreuzung mit einem Ackerweg Stopp-Schilder und hölzerne Slalomschikanen stünden. Die wirklich etwas „gefährlichere“ Kreuzung mit der D 979 ist genau so „abgesichert“. Man glaubt nicht so recht, dass die Strecken für erwachsene Fernradler gedacht sind – andererseits: Kinder passen unter den sehr hoch angebrachten Holzschranken bequem durch…
In Diou endet die Voie Verte, weiter geht es auf dem hervorragend ausgebauten Treidelweg entlang des Loire-Seitenkanals. So erreiche und durchfahre ich Digoin und komme nach Paray-le-Monial, dem südlichsten Punkt der Strecke. Zuerst zum Essen beim Italiener, dann in die Basilika. Vorbei an bemerkenswert vielen kirchlichen Gebäuden, Klöstern und Kirchen geht es zurück an den Kanal. Zunächst autofrei, dann auf ruhiger Straße geht es entlang dieser Wasserstraße, die seit Digoin „Canal du Centre“ heißt. In Montceau-les-Mines vermittelt mir das OTou ein Privatzimmer mit Abendessen in einem sehr schönen Haus. Zunächst kann ich noch im Garten sitzen, gegen 18.30 Uhr beginnt der Regen – nach einem sehr heißen Tag mit Temperaturen um die 30 Grad.

Kilometerstand: +133 (923), 509 Hm

Tag 12: Montceau-les Mines - Seurre
Mittwoch, 8. 6.

Weiter am Kanal entlang, dann ein Stück hoch, unter der TGV-Linie hindurch und über eine Schnellstraße, wieder runter – am Kanal kommt jetzt die Schleuse Nr. 2 MED in den Blick: Die Wasserscheide Atlantik-Mittelmeer ist also überschritten.
Nun geht es nicht nur bergab, nun hilft auch Rückenwind. Über die gutausgebaute Voie Verte, dann ein Stück Straße, anschließend wieder Radweg erreiche ich den Entscheidungspunkt: Entweder weiter am Kanal entlang nach Chalon-sur-Saône oder in Richtung Beaune in die Weinberge. Gestärkt durch einige Nüsse und Rosinen verabschiede ich mich vom bequemen, aber auf Dauer auch etwas monotonen Kanal und mache mich daran, die Weinkarte abzuradeln: Santenay, Chassagne-Montrachet, Puligny-Montrachet, Meursault, Volnay, Pommard, schließlich Beaune. Die Strecke ist hervorragend ausgeschildert und – soweit ich es beurteilen kann – durchaus sinnvoll geführt. Die Baulichkeiten in den Winzerdörfern zeigen es deutlich: Burgunder Weine erzielen seit Jahren gute Preise.
Über Ste.-Marie-la-Blanche fahre ich zurück an die Radstrecke an Doubs und Saône. In Seurre kommt die Herrin des OTou gerade vom Briefkasten zurück, sie informiert über das Angebot des Ortes: 1 Hotel, 4 Gästezimmer. Ich entscheide mich für das Hotel, das allerdings erst in 1,5 Stunden wieder öffnet. Die Dame des OTou bietet mir einen Kaffee an, gräbt auch noch einige Plätzchen aus. So sitzen wir in ihrem Büro und plaudern. Im Lauf des Gesprächs erfahre ich, dass die oberen Etagen des historischen Gebäudes als Museum dienen.
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Für 3 Euro darf ich alles in Ruhe besichtigen, eigens für mich werden die Türen geöffnet und das Licht angeschaltet. Etage 1: Geologie, Archäologie, Geschichte bis ca. Mittelalter; sehr schön ein emaillierter Pokal des 15./16. Jahrhunderts. Im Nebenraum Gewerbe der Stadt, u.a. technische Keramik, darunter eine beeindruckende Destillationsspirale.
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Etage 2: Schifffahrt und andere Handwerke; Etage 3: noch mehr Handwerk, besonders Prothesenmacherei. Alles in Ruhe angeschaut, dann noch ein wenig mit der „Chefin“ geplaudert und ich kann mein Hotel beziehen.

Kilometerstand: +103 (1026), 347 Hm

Tag 13: Seurre - Besançon
Donnerstag, 9. 6. (Der Matschtag)

Ich verlasse Seurre, anders als von EV 6 vorgesehen, am östlichen Ufer des Saône-Kanals. Die Strecke ist zunächst ok, wird zunehmend schlechter. Am anderen Ufer liegt ein deutlich besserer Weg, auf den ich bald wechsle. Irgendwann stößt auch EV 6 darauf. Kurz vor Losne missverstehe ich die Karte und biege nach der Eisenbahnunterführung rechts ab – ein Fehler, die mich viel Zeit kosten wird. Der Holperweg endet im Nichts, so versuche ich, über einen Ackerweg auf die Straße zu kommen. Keine 10 m dort hinein geschoben, und ich stecke fest. Die Räder lassen sich nicht mehr drehen, extrem klebriger Matsch hat sich zwischen Reifen und Schutzbleche gesetzt. Ich schleppe das Rad auf den Weg zurück. Mit Bordwerkzeug und gefundenen Plastikstückchen versuche ich, die Räder frei zu legen – vergeblich. Also demontiere ich die Schutzbleche (vorne problemlos dank des zusätzlich zum Multitool mitgeführten 4er-Inbus, hinten muss ich auch noch das Rad ausbauen); Dreck wegschaben, wieder montieren. Während ich am werkeln bin, kommt ein Reiseradler; meine französische Warnung vor der Sackgasse versteht er nicht, aber auf Deutsch geht es einwandfrei – er hat offenbar die Karte genauso falsch gelesen wie ich.
Das Rad wieder zusammenschrauben, und zurück geht es. Ich hätte ganz schlicht geradeaus weiterfahren müssen, dann wäre ich problemlos nach Losne gekommen. Als ich das Rad wieder auf Pflaster stellen kann, setze ich die Reinigungsarbeiten fort, bekomme nun auch die externe Rohloff-Ansteuerung einigermaßen richtig aufgesetzt.
Einen Teil der verlorenen Zeit hole ich rein, indem ich zwischen Abergement-la-Ronce und Damparis alle Wegweiser und Verbotsschilder ignoriere und einfach am Kanal (hier übrigens der Rhein-Rhone-Kanal) bleibe. Der Weg führt wohl durch das Firmengelände von Solvay.
An der ersten Bank halte ich noch mal an, um Hände und Beine einigermaßen zu säubern und setze jetzt auch die Schaltung richtig zusammen. Nur die Verkabelung des NaDy widersetzt sich noch – also erstmal keine Hinweise anderer Radler auf brennendes Licht.
Am Kanal geht es weiter nach Norden, durch Dole. Die Ausschilderung ist durchweg gut, in Dole allerdings mit unfreiwilliger Komik: „Nantes par Centre Historique“ – da gäbe es schon noch einige erwähnenswerte Zwischenziele…
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Hinter Osselle nimmt mich eine Seniorengruppe auf Rennrädern (ausnahmsweise kann ich mit meinem Packesel gut mithalten) unter ihre Fittiche und bewahrt mich davor, an der abgeschnittenen Schleife des Doubs bei Thoraise von der Straße auf den Radweg zu wechseln – da sei eine giftige Steigung. Die Straße steigt auch, aber ungiftig, und bald verläuft da auch der Radweg.
Weiter in die Festungsstadt Besançon, die zunächst in einem langen Kanaltunnel unterquert wird. Die Wegweisung zum OTou ist wieder suboptimal, aber ein freundlicher Einwohner weist mir nicht nur den Weg, sondern trägt auch mein beladenes Rad hoch auf eine Brücke. Mein Hotelzimmer ist ein ziemlich lichtloses „Studio“ – das beste ist die Lage mitten in der Innenstadt. Abendessen in einem Restaurant mit sehr interessanter und origineller Küche. Die Köchin, die sich bei der Arbeit zugucken lässt, kann mit Geschmacksrichtungen und Gewürzen umgehen!

Kilometerstand: +107 (1133), 169 Hm

Tag 14: Besançon - Montbéliard
Freitag, 10. 6.

Am Morgen bekomme ich endlich auch das Kabel richtig in den Stecker - ab jetzt funktioniert das Licht wieder. Ich bin früh auf der gut ausgeschilderten Strecke, gut zu fahren, überwiegend autofrei. In Isle-sur-le-Doubs biege ich noch einmal falsch ab, aber dieses Mal keine Exkursion in die Botanik, konsequent umgekehrt!
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Zwischen Colombier-Fontaine und Dampierre-sur-le-Doubs bleibe ich auf der Hauptstraße; nur wenige etwas engere Stellen, zumal in der Mittagszeit völlig unproblematisch. Danach beginnt eine verwirrende Streckenführung, die vor allem ein Ziel hat: Die nach Montbéliard einfahrenden Radler so gut wie möglich von den Autostraßen fernzuhalten. Naja. Zugleich ist es der Abschied vom Doubs, der aus Richtung Südost kommt. Es geht entlang des Rhein-Rhone-Kanals in die Stadt.
Das OTou hat – löblich – eine Liste der Chambres d’Hôtes in der Nähe des EV 6. Das erste in meiner Richtung ist ausgebucht, das zweite meldet sich nicht, so bleibe ich in der Stadt. Recherchen bei Buchungsportalen ergaben, dass am nächsten Tag (Pfingstsamstag) offenbar schon einiges ausgebucht ist. Das interpretiere ich als Hinweis, dass die Tour nun lang genug war. Am Bahnhof besorge ich die Rückfahrkarte. Zu Hause wird aus dem leichten Kratzen im Hals eine dicke Erkältung…

Kilometerstand: +99 (1232), 238 Hm
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#736580 - 03.07.11 10:20 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: barbara-sb]
joey_66
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Unterwegs in Deutschland

Danke für den Bericht, den ich mir jetzt einmal gründlich durchlese, denn ich habe Gleiches vor, nur weiter bis zu Schwarzen Meer.
LG Jochen
Du kannst deinem Leben nicht mehr Tage hinzufügen, also füge Deinen Tagen mehr Leben hinzu.
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#737099 - 04.07.11 22:50 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: barbara-sb]
openear
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Hallo Barbara,

danke für Deinen schönen Bericht.

Ist die Eurovelo 6 in Frankreich eigentlich gut und durchgängig ausgeschildert oder muss man sich mit vielen Karten durch die Lande quälen ?
-------
Grüsse
Jörg
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#737267 - 05.07.11 20:43 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: openear]
barbara-sb
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Hallo Jörg,

die Ausschilderung ist eigentlich recht gut, aber ich würde nie ohne Karte fahren - da bin ich wohl altmodisch schmunzel Bei mir ist die Reihenfolge: erst auf der Karte sehen, dass ich abbiegen muss, dann schauen - und dann befriedigt auch noch den Wegweiser wahrnehmen... Außerdem mag ich gelegentlich auch mal von der ausgeschilderten Route abweichen.
Für die Strecke vom Atlantik an den Rhein gibt es einen Kartensatz (aus dem Huber-Verlag), der mir gute Dienste geleistet hat. Beschilderung und Kartenstrecke stimmen allerdings an einigen wenigen Stellen nicht überein, da scheinen neue Rad-Wege hinzugekommen zu sein.

Viele Grüße
Barbara
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#737289 - 05.07.11 21:52 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: barbara-sb]
olafs-traveltip
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Wenn Du trotzdem Karten möchtest: Für den Teil in Frankreich sind diese gar nicht teuer.

Für den Franche-Comté gibts die Karten sogar im kostenlosen Download:
hier

Geändert von olafs-traveltip (05.07.11 21:52)
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#737292 - 05.07.11 21:57 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: barbara-sb]
StefanS
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Hallo,

Danke für den schönen Bericht. Bei einigen Stellen musste ich schmunzeln, weil mir die Erfahrungen nur zu bekannt vorkamen. Außerdem sollte ich endlich die Beschreibung der Strecke fürs Wiki fertig machen, der Notizblock mit meinen Aufzeichnungen gammelt seit 10 Monaten auf meinem Schreibtisch herum...

In Antwort auf: schnauf
Von dort finde ich leicht die im Forum/Wiki beschriebene Strecke zum Gare Montparnasse. Nur das Abbiegen nach rechts in den Boulevard du Montparnasse verpasse ich

Zum Verständnis: Bist Du nach Karte oder nach Beschreibung gefahren? Wenn Letzteres, könnte man Deiner Ansicht den Text verbessern, damit es Anderen besser ergeht?

In Antwort auf: schnauf
Fahre ich über den Pont de St. Nazaire oder nicht? Die Dame im OTou hat strikt abgeraten – viel zu gefährlich!

Das werden Nicht-Radfahrer immer sagen... Klar ist da Verkehr, aber die Autofahrer halten sich hier nicht für Gott. Aber was den Wind angeht hast Du recht, bei starkem Seitenwind könnte die Querung unangenehm sein.

In Antwort auf: schnauf
Voie Verte neben der D 979 – eine ehemalige Bahntrasse. Wunderbar zu fahren, wenn nicht vor jeder Kreuzung mit einem Ackerweg Stopp-Schilder und hölzerne Slalomschikanen stünden.

Ja, speziell diese Strecke hat bei mir zur spontanen Wortbildung "Sperromanie" geführt. Gibt es irgendeine dämliche Norm, die nahelegt, umgebaute Bahntrassen mit solchem Schwachsinn zu verunzieren? (Achim Bartoschek hat eine ganze Seite zu dem Thema.)

In Antwort auf: schnauf
Die Ausschilderung ist durchweg gut, in Dole allerdings mit unfreiwilliger Komik: „Nantes par Centre Historique“

grins Der war echt gut.

Viele Grüße,
Stefan
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#737308 - 06.07.11 00:02 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: StefanS]
barbara-sb
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Hallo Stefan,

über Deine Rückmeldung freue ich mich besonders, hat mich doch Dein Reisebericht während der Tour begleitet.

Zu Deiner Frage bezüglich Fahrfehler in Paris: Ich habe die Routenführung auf Kopien meines Michelin-Paris-Stadtplans übertragen. Die Tücke ist halt, dass genau an der entscheidenden Ecke alle Straßen den Namen ändern. Man kommt den Bd. St. Michel hoch, und mein erster Blick fiel auf das Straßenschild vorne links: Bd. Port-Royal. Port Royal ist nicht Montparnasse, also weiter geradeaus - und damit war es passiert. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil; und noch besser ist es, wenn man auch noch an die richtige Stelle guckt grins

Viele Grüße
Barbara
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#737330 - 06.07.11 08:23 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: barbara-sb]
StefanS
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Hallo Barbara,

Ah, verstehe. Ich hab trotzdem mal die Beschreibung angepasst und den Straßennamen explizit mit reingeschrieben.

Viele Grüße,
Stefan
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#739055 - 13.07.11 00:09 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: barbara-sb]
openear
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Hallo Barbara,

danke für die Info. Den Kartensatz habe ich bereits.
Ich werde im Rahmen einer Tagestour mal bei Mulhouse in den Eurovelo "einspulen" und die Beschilderung testen.
-------
Grüsse
Jörg
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#739115 - 13.07.11 09:43 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: openear]
Deul
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Die ist sehr gut. Bis Montbeliard geht es immer nur gerade aus am Rhein Rhone Kanal.

Detlef
Cycling is an addiction, it can drive you quite insane. It can rule your life as truly as strong whiskey and cocaine.Forumstreffen Edersee 2014

Geändert von Deul (13.07.11 09:45)
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#759188 - 23.09.11 15:59 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: barbara-sb]
sylvia
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In Antwort auf: schnauf
Hallo Jörg,

die Ausschilderung ist eigentlich recht gut, aber ich würde nie ohne Karte fahren - da bin ich wohl altmodisch schmunzel Bei mir ist die Reihenfolge: erst auf der Karte sehen, dass ich abbiegen muss, dann schauen - und dann befriedigt auch noch den Wegweiser wahrnehmen... Außerdem mag ich gelegentlich auch mal von der ausgeschilderten Route abweichen.
Für die Strecke vom Atlantik an den Rhein gibt es einen Kartensatz (aus dem Huber-Verlag), der mir gute Dienste geleistet hat. Beschilderung und Kartenstrecke stimmen allerdings an einigen wenigen Stellen nicht überein, da scheinen neue Rad-Wege hinzugekommen zu sein.

Viele Grüße
Barbara



Wie heißt der Kartensatz denn genau? Und waren es überwiegend Radwege?

Viele Grüße

Sylvia

Geändert von sylvia (23.09.11 15:59)
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#759205 - 23.09.11 17:18 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: sylvia]
B-Probe
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Hi Sylvia

hier ein link für die karten
EV6 Karten

überwiegend radwege, aber einiges an schotter dabei. der weg wird ständig ausgebessert/leinenpfade geteert usw

die route ist schon ein traum teilweise, bin vor 2 jahren da langgefahren

LG
Kevin
Hessenbummler
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#759225 - 23.09.11 18:26 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: sylvia]
barbara-sb
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Hallo Sylvia,
die Frage nach dem Kartensatz ist ja schon beantwortet; zur Frage nach der Oberfläche: nach meiner Erinnerung (die ich gerade mit einem Blick auf die Karten bestätigt habe) allergrößtenteils geteert. Mir ist die Oberfläche nirgendwo als bemerkenswert unangenehm im Gedächtnis geblieben.

Gruß Barbara
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#763345 - 13.10.11 23:58 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: barbara-sb]
ChiemseeMichl
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Der Reisebericht erinnert mich an vergangenes Jahr - ich fuhr von St. Brevin les Pins nach Basel, mit dem o.g. Kartensatz sowie dem Track für mein Garmin 450t.
Eine wunderschöne Reise, welche für mich sehr entspannt mit dem Versenden meines Rades mit DB Schenker (90,- € incl. Versicherung) sowei 150,- € (1. Klasse TGV, Schlafwagen - zu buchen bei www.gleisnost.de - sehr kompetent!!!) für mich war.

Die Jugendherbergen kann man - wie auch das Frühstück in Frankreich - getrost vergessen. Ich nahm mir meist Pensionen, welche bei ca. 40,- € begannen. Sehr zu empfehlen - ich wünsche euch viel Spaß bei der Tour! :-)
GreenMachine mit SON-Nabendynamo
GARMIN Oregon 450t mit TransAlp/TOPO Deutschland
Anhänger Cyclone IV von RadicalDesign

Meine letzte Tour: www.BavariatoRome.WordPress.com
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#887801 - 05.12.12 14:22 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: barbara-sb]
Flachlandtiroler
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"Mier sin' Saabrigger - on spiele Klicker ..." und ich bin aus "Dengmert". Beim Flippern bin ich auf Deinen sauber geschriebenen Frankreich-Bericht gestoßen, weil; in der Etappenübersicht standen lauter mir bekannte Namen: Montbeliard, Losne, Besancon, Dole etc. etc.. (Die Foto-Einbindung über i-shak ist mir zu "unruhig", überall flackert es auf und verführt zum Auswandern. Nur (m)eine Meinung, muss ja nicht stimmen.)
Interessant für www-Stöberer wäre vielleicht eine Skizze Deiner Tour, z. B. wie meine: http://www.wandernmithans.de/assets/images/mer-2012-skizze.JPG
Die dazugehörige bebilderte Story findest Du hier: "Dengmert - Mittelmeer"; eine Lustreise 2012
Im Gegensatz zu Dir habe ich für längere Radtouren, also länger wie nach Saargemünd oder Würzbacher Weiher keine Erfahrungen, sowie auch keine Ahnung vom "schrauben" und daher hatte ich auch kein Werkzeug/Flickzeug dabei. Dafür hatte ich, neben einer Gitarre, - Dusel, ich brauchte beides nicht, was sich somit gut traf.
Weiterhin viele schöne Touren und - immer schön langsam absteigen ;-)
Gruß - Hans, IGB

Karte in Link geändert. Rennrädle
"Die Hütte ist das Ziel!"

Geändert von Rennrädle (05.12.12 19:17)
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#887876 - 05.12.12 18:34 Re: Eurovelo 6: Von St. Nazaire nach Montbeliard [Re: barbara-sb]
freidurchatmen
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Unterwegs in Deutschland

Hallo Barbara

Im Frühjahr bin ich die Strecke von St. Nazaire bis nach Bad Säckingen gefahren. Du hast mich mit deinem tollen und sehr interessanten Bericht wieder mit auf die Strecke geholt.
Danke dir dafür. Im nächsten Jahr geht es für mich weiter von Ingolstadt bis nach Bukarest. In 2014 dann der Rest des Eurovelo 6 über Constanza, an der Schwarzmeerküste entlang, bis nach Istanbul.
Schaut doch mal rein bei: www.freidurchatmen.de
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www.bikefreaks.de