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#1372999 - 04.02.19 01:14 Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier
veloträumer
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Wo’s Wassr koschdbar isch

Fahrtenbuch eines ALB-DONAU-KURIERS


Alt wie neu gesammelte Eindrücke aus dem schwäbischen Jurakalk zwischen Neckar, Nördlinger Ries und anliegendem Donautal – zuweilen erweitert in das oberschwäbische Alpenvorland




Inhaltsverzeichnis

ALB-2011-09 Laichinger Alb – Roggental – Albuch – Schwäbisch Gmünd

ALB-2013-08 Welzheimer Wald – Albuch – Roggental – Stubersheimer Alb – Illertal – Eschachtal

ALB-2018-06 Bad Urach – Münsinger Alb – Schmiechtal – Hochsträß – Illertal – Eschachtal

ALB-2018-08 Rottenburg – Reutlinger Alb – Zwiefalter Alb – Großes Lautertal


Alle, die im Erdkundeunterricht einst aufgepasst haben, oder schon mal in im Alb-Donauraum unterwegs waren, dürften wissen, dass die Schwäbische Alb ein kalkreiches Mittelgebirge bildet mit charakteristischer Hochplateaustufe. Das so auch geologisch bezeichnete Tafeljura reicht im Südwesten weit in die Schweiz hinein, wo es südlicher ins Faltenjura und die Alpenfaltung übergeht, während es im Nordosten als Fränkische Alb weiter- bzw. ausläuft. Nicht weniger bekannt ist die teils markante nördliche Abbruchkante, die dort zu überwindende kräftige Anstiege verzeichnet, durch die Bahnlinie an der Geislinger Steige und die Autobahn am Drackensteiner Hang als Verkehrshindernis gefürchtet und bundesweit bekannt sind.

Hinzu kommen spezifische Bodenbewegung des Karstgesteins, die zu Höhlen und geheimnisvoll anmutenden Versickerungen führen. Entwässert wird das in den Hochlagen zuweilen eher wasserarme Plateau in Donau und Rhein und die Alb bildet somit die große europäische Wasserscheide, ohne jedoch einen klassischen Gebirgskamm aufzuweisen. Falsch ist das Gerücht, dass Karstgebirge keine Flusstäler haben, denn Wasser gibt es auch hier den Breitengraden zufolge genug, nur findet es manchmal etwas andere Wege. So gibt es auf der Alb ebenso charakteristische Heidelandschaften, die auf grundwasserarme Gebiete hinweisen, aber auch sprudelnde Bergbäche und Wasserfälle in üppig grünen Wäldern.



Wasser ist dann ein ebenso kostbarer Schatz wie auch eine Antriebsfeder von Manufakturhandwerk und Industrie gewesen, insbesondere der Textil- und Lederfertigung. Elektrische Energiegewinnung war durch Mühlräder möglich, im Schmiechtal etwas genialer gedacht als sonstwo auf der Welt: „Wo’s Wasser dâ Berg nauf läufd“. Der schwäbische Zusatztitel „Wo’s Wassr koschdbar isch“ ist also nüchtern betrachtet in mehrfacher Deutung Fakt, aber auch ironisch gewendet, wie ich den gerne den Schwaben nachgesagten Geiz im Aushang des Albkiosks in Ödenwaldstetten wiederfand: „Leitungswasser 0,5 l = 0,50 €“.

Die dörfliche Infrastruktur wirkt heute oft ausgedünnt, was aber noch nicht heißt, dass die Älbler so arm sind, dass sie selbst für ein Glas Leitungswasser abkassieren müssten. Eher beschafft sich der Pendler mit Familienhaus und Auto seine Vorräte unten in den Städten und wohnt uff d’ Alb um „Albgold“ zu horten – das ist dann gleich, erneut den Gedanken gewendet, auch eine renommierte Teigwarenfabrik in Trochtelfingen, Sinnbild kulinarischer Genüsse, die da und dort auch überregionale Gäste auf die Alb locken sollen. Dinkelkorn, Kartoffeln, Früchte und Kräuter der Alb finden auch in alten und neuen Veredelungsformen (Wellnessartikel, Snackfood, Chutneys, Pestos, Whiskey) immer mehr Anhänger einer naturnahen Regionalkost, die auch über die regionalen Grenzen Exportpotenzial hat.



Radreisen auf der Alb sind fast einsam verlassen und zur Meditation geeignet, doch wird die Stille häufiger gebrochen als vielleicht erwartet – Autos, Landmaschinen oder überraschend große Siedlungsgebiete sind gleichwohl anzutreffen. Dem Charme einer entschleunigten Region nimmt dies wenig, sind doch auch z.B. Schäfer als Pfleger von Kulturlandschaft wieder verstärkt unterwegs, setzt das „Biosphärenreservat Schwäbische Alb“ Schutzzonen, die auch zunehmend touristisches Interesse für Wanderer und Radler wecken. Ob die Alb eine spektakuläre Landschaft beschreibt, mag umstritten sein. Attraktive Naturbilder sind immer nur in Ausschnitten zu genießen, dazwischen liegen auch immer wieder großräumige Ackerflächen, die nur zur rechten Blütezeit oder Reifestand den Blick versüßen. Manche Superlativen bleiben nur deswegen weniger beachtet, weil sie sich gut verstecken. Das betrifft nicht nur die Höhlen, sondern auch einen Teil der spezifischen Albflora, die sich vom Rad aus kaum begutachten lässt, oder die selten ganz frei stehenden Kalkfelsen, aber trotzdem von Kletterern überregionalen Status genießen. Auch Wasserfälle und Burgen liegen nicht immer günstig zu durchgehenden Fahrrouten. Die Ausschilderung mancher Nebenroute und Natursehenswürdigkeit ist zumindest aus Radlersicht noch verbesserungsfähig



Das schwäbische Mittelgebirge ist den etablierten Forumistas durchaus bekannt, erlebten viele 2010 doch das Forumstreffen Schurrenhof in der Ostalb. Weitere Eindrücke gibt es immer wieder von Alb-Forumistas von Tagestouren und manche haben die Alb in ihre Radreise einbezogen, exklusive Albradreisen „only“ bleiben aber selten. Letzteres dürfte auch mit der Lage der Alb zu tun haben, die man als Nord/Süd-Barriere gerne einmal quert und nach Süden hin mit Allgäu und Bodensee die scheinbar attraktiveren Ziele warten. Als West/Ost-Achse hingegen bevorzugen viele Radler ausschließlich die Donau, ohnehin als Flußwegradler eine weitgehend andere Klientel. Für eine mäandernde Radwanderroute entlang der Albgebirgsachse mit den Plateaus und Tälern hingegen können sich wiederum Bergradler offenbar nicht genügend jenseits von Tagestouren begeistern.



Radlerisch halten sich gelegentlich auch Mythen zur Alb, die etwa in das furchteinflößende Label der öffentlichen Radrundfahrt „Alb-Extrem“ einfließen. Die Alb bietet zahlreiche Anstiege, die auch eine ausdauernde Bergkondition erfordern, bleibt aber sowohl im Steigungsmaß wie auch in den höchst denkbaren Höhenstufen deutlich hinter dem Schwarzwald oder üblichen alpinen Dimensionen zurück. Mehr als 300 Hm am Stück sind kaum denkbar, Steigungen über 10 % auf üblichen, tourentauglichen Wegen und Straßen selten und vermeidbar. Generell sind von Süden her die Anstiege flacher und länger gezogen, was aber für einige Tälern wieder relativ ist. Die Albhochflächen sind mitunter sehr zäh zu fahren, weil sie gleichwohl nicht eben sind, die Steigungen in der Weite des Auges verschwimmen und häufiger unangenehme Winde herrschen. So gesehen ist das Albrevier vielleicht etwas schwieriger zu beradeln als die Papierform besagt, ist aber alles andere als ein Höhenmetertorso, wenn man nicht künstlich aneinandergereihtes Anstiegssammeln an der mittleren nördlichen Abbruchkante betreibt. Für schwächere Radler gibt es neben dem üblichen Verkehrsbetrieb spezifische Angebote für Sonn- und Feiertage in der besseren Saisonzeit, etwa mit dem Radexpress, sowie der Rad-Wanderbus und Biosphärenbus, die jeweils Münsinger und Laichinger Alb, Lauter-, Schmiech- und Blautal verbinden.



Meine Albtouren gehören meist zu den weniger durchgeplanten Kurzreisen, sodass die Dichte attraktiver Routen nicht immer so gegeben ist wie es bei besserer Planung möglich wäre. Zur Improvisation gehört auch häufiges Wildcampen, wozu sich auf den Albhochflächen eher Waldränder anbieten, während es unten zuweilen viele Streuobstweisen gibt. Die Nächte sind nicht immer leise, denn Straßen mit rasenden Nachtschwärmern sind verbreitet und über die barrierearmen Flächen weit zu hören. Campingplätze sind wenige, aber vorhanden, nicht immer günstig zu den Routen gelegen. Insbesondere in früheren Zeiten suchte ich Jugendherbergen in Bad Urach, Blaubeuren, Ulm, Sigmaringen, Isny und Biberach/Riss auf, Hotels und ähnliche Unterkünfte lernte ich ebenso eher an den erweiterten Rändern in Rottweil, Trossingen, Mühlhausen/Donau, Langenau, Günzburg, Ottobeuren, Bad Wörishofen und Bad Waldsee kennen. Zur Feriensaison in Baden-Württemberg sind viele der ohnehin eher spartanisch vorhandenen Gaststätten noch geschlossen, was bei Reisen im August/September zu beachten ist.



Für mich ist die Alb zwar nah genug für Tagestouren, aber doch zu weitläufig, um so alle Ecken zu erreichen oder verschlungene Wege zu erkunden. Schließlich erreiche ich von Haus aus die Albränder erst nach 40-60 km, was ohne Bahnunterstützung von der „Albzeit“ noch abzuziehen ist, retour gleichwohl nochmal. Albtouren über Wochenenden von 2-3 Tagen wurden schließlich häufig als Durchfahrt bis nach Oberschwaben und ins Allgäu, gelegentlich bis zum Alpenrand, genutzt. Entsprechend weitläufig ist der Rahmen des Alb-Donau-Raums meiner Berichte hier auszulegen, wenngleich ich diese achtlosen Durchrasereien früherer Jahre längst nicht mehr mache. Diese Touren kann ich auch kaum als Albreisen qualifizieren, gibt davon auch keinerlei Fotodokumente. Mancher hat wohl auch schon mal meine spätherbstliche Novembertour Alb- & Sauna-Tour gelesen, auch ein Hinweis auf Albwasser – das von Heilquellen, derer sich in den Albtälern einige finden. Versteckte Berichte liegen schließlich noch in einigen meiner Bilderrätsel vor, vornehmlich zur Westalb.



Weit davon entfernt, hier alle Alb-Touren mit Übernachtungen zu präsentieren, folgen ein paar alte und neue Touren, auch offen, ob ich weitere hinzufügen werde, wenn solche in der Zukunft berichtenswert sein sollten. Zunächst einmal sind 4 Touren vorgesehen aus der aktuellen Dekade, zwei davon noch ganz frisch aus dem letzten Jahr und eigentlicher Anlass für den Berichtsfaden. Ich habe mir erlaubt, in wenigen Fällen zur besseren Dokumentation Bilder von anderen Touren auszuborgen, die hier nicht berichtet sind.

Fortsetzung folgt
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Matthias

Geändert von veloträumer (05.02.19 23:02)
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#1373000 - 04.02.19 01:18 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
veloträumer
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ALB-2011-09 Laichinger Alb – Roggental – Albuch – Schwäbisch Gmünd

Sa 10.9. Stuttgart – Leinfelden – Waldenbuch – Pfrondorf – Kirchentellinsfurt – Reutlingen – Eningen – Würtingen – Gächingen – Münsingen – Magolsheim – Laichingen (+)
121 km | 1450 Hm

So 11.9. Laichingen (+) – Geislingen – Böhmenkirch – Heubach – Schwäbisch Gmünd – Schorndorf – Schlichten – Winterbach – Baltmannsweiler – Weinstadt – Fellbach – Stuttgart
132 km | 1140 Hm

Das ursprüngliche Ziel der Tour war eigentlich Zwiefalten mit seiner bekannten Brauerei, wo ich mir entsprechend einladende Gasthöfe erwartete. Im Gefecht mit der nicht durchdachten Route und meinem Badepausenbedarf schnürte sich das Zeitfenster immer enger zusammen, dass ich irgendwann auf der Albhochfläche für Zwiefalten für unerreichbar erklären musste. So drehte ich den Tourgedanken und blieb auf der Albfläche, fand in Laichingen immerhin einen guten Italiener mit durchaus schickem Interieur – dem Klischee nach eher untypisch für einen Gasthof auf der Alb. Auch hier dreht sich halt die Zeit weiter, so muss ich mein Bild im Angesicht der mächtigen Windräder auf der Albhöhe korrigieren. An der Feldeinsamkeit der Nacht hallten doch mehr Autos vorbei, als man vermuten durfte – auch hier dreht sich die Zeit weiter, die den Geschwindigkeitswahn vom ländlichen Machismo nicht ausblenden will. Manchmal sind aber auch moderne Zeiten nicht Aufbruch sondern Sackgasse, weil bereits noch modernere Zeiten warten. Die Geschwindigkeit ist ja ein solches Verirren von Zeit, von dem, was Zeit bedeutet. Mit jeder Beschleunigung verliert der Wert der Zeit, der ihr inne wohnt, der Wert einer Verweildauer, die noch Gedanken und Fantasie entfalten lässt. Die nächste Zukunftszeit braucht mehr Zeit ohne Zukunftsversprechen – mehr zeitlose Zeit.

Die Alb nun näher dem Abgleiten zur Fils hinunter, schmeichelt hier in grünen Wiesenwogen dem Blick der Morgenröte, die sich in der gereiften Apfelfrucht spiegelt – oder ist es die Morgenfrische, die ihm rote Wangen verleiht? Der schönste Apfel hier ist aber der faule, wer hätte es gedacht? Wie kann das sein? – Vielleicht, weil Faulheit eine bessere Tugend ist, als ihr von der digital zeitvermessenen Postmoderne unterstellt wird? Der Apfel weiß die Antwort nicht, er bleibt so wie er ist – schokoladig faul mit weißen Ehrenpilzen.

In Geislingen sehne ich mich nach dem Backgeruch, der Radreisemorgende so festlich macht. Ich muss an den Morgen in Pistoia denken, dieser Duft nach einer Nacht, in der ich nicht schlief und eine Dauergespräch mit einem geduldeten, aber illegalen albanischen Obsthändler führte. Dann war da die Kaffeebar eines Radsportfreundes noch weit unterhalb des Passes mit dem eindringlichen italienischen Kaffeegeruch. Er hält nun schon fast 10 Jahre in meiner Nase (ich darf hier sagen, es sind mittlerweile noch mehr Jahre). Der Geruch des frisch gebackenen Brotes hingegen kam aus dem Tal darunter, am Rande der Stadt und schwängerte die Luft bis hin zur Kaffeebar. Solche Düfte habe ich viele gesammelt. Könnte man sie veröffentlichen, wären es Container voll von Riechkammern. Nie habe ich darüber nachgedacht, ob Frühstück ohne Duft auch so gut schmecken würde? Macht der Hunger die Nase empfindlicher?

Dem Elefantenbrunnen hat es die Spucke verschlagen – kein Tropfen! Die Fische drin tragen Schnauzbart und rauchen Pfeife und sitzen auf dem Trockenen. Ich sagte es ja bereits mit dem Titel: Hier isch s‘ Wassr koschdbar. In Geislingen, am Nordweststau der Alb gelegen, eine Fünftälerstadt, das alte Fachwerkgebälk unter ins Wasser hängenden Weiden verschleiert – hier spart man das Brunnenwasser! Der Wassermann ist schockiert und zieht weiter – zur Brunnengeschichte von Eybach. Da erfährt man, wer das Wasser von Geislingen geklaut hat. Der dortige Adlerbrunnen aus dem 19. Jahrhundert stand mal in der Geislinger Hauptstraße, Graf Ferdinand von Degenfeld spendete den Brunnen der Gemeinde Eybach weiter taleinwärts. Dort musste er nochmal weichen – für wen? Na klar, für eine Autostraße. Aber in Eybach schätze man den Brunnen doch so sehr, dass er heute einen dekorativen Platz bekam. Aber Wasser? – Nein, auch hier wird gespart, was nur wenig nebenan fließt und fließt und Fischreiher begeistert, weil da ihr Frühstück drin wartet.

Die Eyb fließt durchs Roggental – das verstehe wer will. Bei der Roggenmühle kann man bei einer Verzweigung wählen – Böhmenkirch, an den oberen Felsen vorbei, oder Treffelhausen, unten an der Eyb entlang, ein Stück feuchter und schattiger. Treffelhausen das nächste Mal, ich wähle Böhmenkirch. Bald wird es sommerheiß, die Alb offen mit Weizenfeldern, weit oben ein Sendeturm. Dann ist auch schon Afrika da: Der Lindenhof hält eine Straußenfarm! Wo es eine Bärenhöhle gibt, Kamele in Westerheim oder gar Dinosaurier – die waren mir mal in Reutlingen begegnet und leben ständig in Holzmaden – da ist auch Platz für Straußengefieder. Mit mir wissen sie aber nicht so recht was anzufangen, Radfahrer – sind das Straußenfreunde? – Also ja, ein Ei würde ich mal gern probieren und ein Straußensteaks vielleicht dazu. Freundschaft geht durch den Magen. Zum Glück können die Laufvögel nicht meine Gedanken lesen, wir sind ja zu unterschiedlich in der Fortbewegung.

Böhmenkirch feiert die Feldfrüchte und die Arbeit drumrum: Traktorenparade und Kartoffelkunde. Ein Sack Kartoffel ist fürs Radl zu schwer. Bei der Hitze ohnehin. Ich überlegte noch die Runde auszubeulen zum Brenztopf. Das hatte ich wohl mir am Morgen noch so ausgedacht. Falsch gedacht. Ich möchte an einen Badesee. Aber der ist weit. Erst mal ab nach Heubach. Burgruine oben, im Fels darunter scheint ein Kiosk kühn zu hängen. Wie kommt man dahin? Sieht aus wie einst der Kiosk, den mal Kurt Felix am Matterhorn installieren ließ, um Reinhold Messner bei all seiner Empörung abzuholen und hinters Licht des Humors zu führen. Doch wohl zeigt sich mit Tele, es ist nur eine Art Plakat, was im Felsen hängt. Also keine versteckte Kamera oder mitnichten ein luftiger Felsumtrunk.

Bin im Remstal angelangt, Sommer pur mit Sandstrand. Sandstrand? – Ohne Wasser, wir wissen es mittlerweile, wird gespart, weil ‘s was koschda. Also Sand und Plastikpalmen mitten auf der Piazza von Schwäbisch Gmünd, die Kinder freuts, ansonsten aber irgendwie gaga. Piazza schreib‘ ich nicht ohne Grund – ein Lebeplatz wie im lebendigsten Italien. Sommersonntag, die Geschäfte für die Durstlöcherlokale könnten nicht besser laufen. Die Stadt bietet einiges, ist ja eine alte Stauferstadt. So prall dekoriert hatte ich sie nicht mehr in Erinnerung – auch eher flüchtig die Besuche zuvor. Viele Brunnen lassen hier nackte Figuren tanzen. Das läge mir jetzt auch nahe. Hübsch das Rokokoschlösschen, markant der Fünfköpflesturm, ein alter Wehrturm, der auch mal in jüngerer Zeit Wohnhaus sein durfte.

Mehr Kultur ward jetzt aber nicht. Die Durststrecke an der Rems ist mir lästig, aber nur so kann ich es noch ohne Zug bis daheim schaffen, Badepause mit eingerechnet. Ich denke, so ungeplant ist auch nicht gut, die zweite Tageshälfte ist dann nur noch ein Pflichtprogramm mit wenig Reiz und schlechter Aufteilung. Gar so schlecht war es aber auch nicht, ohne den Abschwung ins Lautertal gewiss ein wenig zu lange auf der langweiligeren Laichinger Albhöhe. Besonders gut gefallen konnte das Roggental, gewiss mir nicht ganz neu, und auch die Nordseite des Albuchs. Manche Orte hätten mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt, allen voran Schwäbisch Gmünd. Der See wartete noch in Plüderhausen und ist ferien- und witterungsgemäß voll belagert. Die Alb liegt nun hinter mir, nur die Schurwaldhöhe noch vor mir, mehr als eine Hebung schaffe ich nicht mehr, da sich die Sonne hinter den Horizont senkt.

Bildergalerie Tour ALB-2011-09 (50 Fotos, bitte auf Bild klicken; Fotostrecke nur vom 2. Tag!):



Fortsetzung folgt
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Matthias

Geändert von veloträumer (04.02.19 13:27)
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#1373097 - 04.02.19 18:06 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
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ALB-2013-08 Welzheimer Wald – Albuch – Roggental – Stubersheimer Alb – Illertal – Eschachtal

Fr 2.8. Stuttgart || per S-Bahn || Winterbach – Schorndorf – Plüderhausen – Lorch – Haselbach – Alfdorf – Adelstetten – Alfdorf – Adelstetten (Im Greut)
48 km | 400 Hm

Sa 3.8. Adelstetten – Schwäbisch Gmünd – Furtlepass – Weissenstein – Treffelhausen – Eybach – Waldhausen – Lonsee – Eiselau – Beimerstetten || per Bahn || Senden – Illertissen || per Bahn || Bad Grönenbach – Herbisried – Reichholzried – Kiesels/Haldenmühle
95 km | 1155 Hm

So 4.8. Kiesels/Haldenmühle – Reichholzried – Krugzell – Kempten – Buchenberg – Eschacher Weiher – Eisenbach – Leutkirch – Balterazhofen – Rotis – Legau – Lautrach – Dickenreishausen – Memmingen || per Bahn || Stuttgart
85 km | 915 Hm

Wetter mal hui, mal pfui. Nicht selten lag Dunst in der Luft, kumulierte am Samstagabend an der Iller in einem Nachtgewitter. Ungemein schwül wurde es etwa auf der Stubersheimer Alb, die Zeit schon vertendelt, sodass ich gleich zweimal Passagen mit der Bahn überbrückte, die mich schon häufiger langweilten. Anders gesagt, die Tour war zu knapp bemessen und von verschiedenen Zielen zu sehr überlagert. Um Alfdorf/Adelstetten zu erreichen, musste ich schon die S-Bahn ins Remstal nutzen. Noch zum Welzheimer Wald gehörig, war das Haselbachtal eine idyllische Entdeckung. Hier fuhr ich nur das untere Tal, die Auffahrt sodann nach Alfdorf ist gleichermaßen asphaltiert. Von einer anderen Tour kann ich berichten, dass auch der weitere Verlauf des oberen Haselbachtals empfehlenswert ist (bis nach Pfersbach). Dort ist aber ein guter Teil geschottert, von gut bis mäßig fahrbar.

Eine der Ideen war, zwei FKK-Campings zu begutachten. Also zu Schwäbisch a Naggde-Dour. Sowohl die Haldenmühle wie auch die FSG Alfdorf sind vereinsgebunden, also nur mit entsprechendem Ausweis zugänglich. Doch das reicht in Bayern nicht mehr. In der Haldenmühle erklärte man mir, dass ich als Solomann keine Zutrittsberechtigung hätte, der Bayerische Nudistenverband sei darin unabhängig vom Bundesverband. Wegen des drohenden Gewitters und der doch recht ungünstigen Tallage an der Iller (steile Zufahrt), ließ man mich dann für eine Nacht gewähren, wenn ich am nächsten Morgen wieder verschwinden würde. Gleichwohl sorgten sie sich um mein mein Wohl unter einem Zeltdach und überredeten mich im Matratzenlager zu übernachten. Zu essen bekam ich auch, es hat dort eine vollwertige Gastwirtschaft. Warum der ganze Kokolores, war denn nicht wirklich zu ergründen, und wäre ich auch ohne diese weltfremde, exklusiv bayerische Vorschrift am nächsten Morgen weitergeradelt. Über den Mitgliederschwund brauchen sich die FKK-Vereine nicht zu wundern, der ist hausgemacht. Statt mehr in die Gesellschaft hineinzuwirken, entfernen sie sich von ihr immer mehr im selbstgefälligen Nischendasein. Dass ich noch Jahre danach Weihnachtsgrußkarten von der Haldenmühle erhielt, macht die Sache schon sehr skurril.

Im Vergleich zur sehr abgeschiedenen Tallage der Haldenmühle liegt der FKK-Camp in Adelstetten etwas weniger abseits und zur Höhe, mehr oder weniger terrassenähnlich von den Feldern hinunter bis zum Waldrand, mit hübschen Naturwasserbecken. Gastronomie ist schwierig, aber an Wochenenden zur Saison in jedem Fall ein warmer Imbiss vorhanden. Es wurde dann noch ein heimeliger Lagerfeuerabend mit Singsang usw. Da die Anlage abgesperrt ist und man klingeln muss, kommt es vor, dass auch mal gerade keiner da ist zum Aufmachen. Da ja ohnehin weitgehend Stammgäste, fällt es kaum auf, aber eben doch ärgerlich für andere Gäste. Nachdem im Ortskern Alfdorf kein Bissen zu erhalten war, klappte der Einlass immerhin beim zweiten Versuch.

Um am Samstag überhaupt die Strecke zu schaffen, stieg ich erstmal ermattet in Beimerstetten in den Zug, um in Senden in einen Baggersee zu springen. Haldenmühle war so natürlich auch nicht mehr zu erreichen, und von mir stets gefürchtete Ebene zwischen Illertissen und den ersten Allgäuhügeln überbrückte ich mit einer weiteren Bahnfahrt. Am See war noch Sonne, in Bad Grönenbach wurde es dann dunkel ohne Nacht zu sein. Sogar das Eisschlecken am kultigen Alpenblick-Café zur Ausfahrt Herbisried (unbedingt empfohlen!) musste ich auslassen, um nicht ins Unwetter zu geraten.

Die Albroute verläuft nicht unähnlich zur 2011er-Tour (s.o.). Wieder stieg mir Backgeruch in die Nase – Schwäbisch Gmünd ist auch eine Stadt guten Brotes, einladende Cafés gleich mehrere. Den Furtlepass hatte ich schon mal sonniger überfahren. Sein Reiz liegt einmal im Panorama nach Norden, das man beim Aufstieg gewinnt und zur Südseite in einer typischen Albheidelandschaft. Einen besonderen Blickfang wirft zur Talsohle Schloss Weissenstein ab. In einer felsbegleiteten Aufstiegskurve trennt sich die Böhmenkircher Variante von der über Treffelhausen, wo man dann das komplette Roggental abgleitet. Das ist aber lebensgefährlich: Auf der Strecke könnte ein Wilderer den Radler erschlagen, wie einst den Förster von Eybach. Das legendenumrankte Mordloch liegt ziemlich unscheinbar (Radwegbeginn/-ende!) als dunkle Vertiefung im Fels. Ein Siphon versperrt fürs gemeine Volk den tieferen Gang in größere Höhlenkammern, Forscher habe 4,3 km Finsternis unter Fels beleuchtet, somit die zweitgrößte Höhle der Alb festgestellt. Noch einmal umgibt Wald und Fels den Aufstieg zur Stubersheimer Alb, die sodann eine Felderhochebene bildet.

Hier ist eigentlich die Albtour schon zu Ende. Es sei aber noch die Allgäuschleife des letzten Tages erwähnt. Nicht gerade selten bin ich die Strecke über den Eschacher Weiher gefahren, ein ca. 1000 m hoch gelegener Moorsee mit Bademöglichkeit vor entferntem Alpenpanorama, was auch etwas südlicher dem Alpsee zur Kulisse dient. An guten Tagen zieht er viele Besucher an, auch beliebt bei Radlern, obwohl Kuhweidegittern den Zugang mit Velo hürdenreich erschweren. Die Auffahrt ist zu beiden Seiten durchaus anstrengend, von Kempten in mehreren steileren Stufen via Buchenberg und recht offen, von Westen durch das forellenreiche Eschachtal in einer langen Anfahrt, die zum Schluss in einen steileren Teil mit Serpentine übergeht. Leider wurde das recht schattige wie erfrischende Eschachtal im oberen Teil seitlich der Straße jüngst so schändlich freigeholzt, dass es seine alpine Jungfräulichkeit etwas verloren hat. Nicht zuletzt ist dieses Weghacken von Straßenrandwald und -gebüsch eine ganz unangenehme Entwicklung, offensichtlich der Sicherheit des Blechkistenfahrers geboten, aber mit noch nicht bedachten Folgen für die Umwelt. Denn hier wird, auf die Gesamtfläche eines Landes hochgerechnet, beträchtliche Blattwerkfläche beseitigt und in Anbetracht von Heißsommern und davoneilenden Emissionswerten mit altbackenen Baudiktaten Raubbau an der Natur betrieben. Stattdessen läge es durchaus nahe, die Straße zwischen Kreuzthal und Eschach für den regulären Autoverkehr zu sperren.

Eine von mir neu erschlossene Route führt im ständigen Auf und Ab typischer Allgäuhügel und über kleinste Dörfer zur Iller bei Lautrach/Illerbeuren, wo nur wenig wenig weiter die Iller bis zur Donau in Ulm die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern leitet. Die Strecke ist anspruchsvoller als die östlichere Variante von Winterstetten über Legau. Von Illerbeuren findet sich ein lieblicher Übergang nach Memmingen mit Blick auf Schloss Kronburg, der nördlicheren Variante bei Aitrach vorzuziehen. Zurück wartet der Alb-Donau-Kurier der Bahn.

Bildergalerie Tour ALB-2013-08 (32 Fotos, bitte auf Bild klicken):



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Matthias

Geändert von veloträumer (04.02.19 18:07)
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#1373098 - 04.02.19 18:12 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
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ALB-2018-06 Bad Urach – Münsinger Alb – Schmiechtal – Hochsträß – Illertal – Eschachtal

Fr 1.6. Stuttgart – Echterdingen – Stetten – Plattenhardt – Aichtal – Neckartailfingen – Altdorf – Metzingen – Bad Urach
59 km | 700 Hm

Sa 2.6. Bad Urach – Grabenstetten – Römerstein-Böhringen – via ehem. Truppenübungsplatz – Böttingen – Gundershofen – via Radweg Schmiechtal – Schelklingen – Sotzenhausen – Papelau – Steinenfeld – Ringingen – Erbach – Donaustetten – Illerkirchberg – Senden (Waldsee) – Vöhringen – Illerrieden – Regglisweiler – Weihungszell – Hörenhausen – Wain – via Waldpiste – Weitenbühl – Gutenzell – Erolzheim – Tannheim
128 km | 1160 Hm

So 3.6. Tannheim – Aitrach – Aichstetten – Ottmannshofen – Hofs – Elemeney – Frauenzell – Winterstetten – Kreuzthal – Eschacher Weiher Parkplatz (1040 m) – Eschach – Wegscheidel (895 m) – Eschachberg (980 m) – Wiggensbach – Krugzell – Reicholzried – Bad Grönenbach – Memmingen || per Bahn || Stuttgart
94 km | 1005 Hm

Wer sich noch erinnert – der Heißsommer 2018 begann nicht sehr stabil, das späte Frühjahr war regenreich, Unwetter gab es europaweit. So drohte auch diesmal Ungemach, als ich noch abends mich entschloss, in die Alb einzufahren, ähnlich das Südziel Eschacher Weiher vor Augen wie in der vorigen Tour in 2013. Das Donnerwetter ereilte mich knapp vor dem Uracher Camping, nachdem ich zunächst noch überlegte, die Therme zu besuchen. Gleichwie, wäre das Gewitter danach vorbei gewesen wie auch tatsächlich nach der Verkostung der hausgemachten Maultaschen im Camping-Bistro. Die Platzmiete des Campings Pfählhof hatte sich gegenüber meinem letzten Besuch fast verdoppelt (14,80 €) – die Alb hält Anschluss an den deutschen Wohlstandsschub, der sich mir immerzu verbirgt. Es koschda halt, mit so viel Wasser erst recht.

Das geflügelte Wort vom reinigenden Gewitter zeigte faktische Wirkung: Himmelfrei-zu-Blau zwei volle Tage lang! Die nassen Gräser und aufsteigender Nebel machten mächtig Stimmung. In Grabenstetten auch noch ein Dorfladen mit Kaffeeautomat. Das ist auf der Alb schon mal sehr viel Luxus. Zum Glück war Samstag, sonntags kann es Mittag werden, bis Essbares zu finden ist. Koschda dann nix, aber gibd au nix.

Auch die Felderebenen können schön sein. Nach Römerstein ist hübsch. Dort wollte ich ja eigentlich auf den Camping, aber hätte ich tags zuvor früher die Koffer packen müssen. Hätte, hätte, Fahrradkette. Der Spruch steht mir zu, schließlich ist Fahrradkette mein Metier, mein Laufbalken, mein Hamsterrad. In Römerstein ist man dem Himmel näher, denn es liegt auf gut 800 m, der gleichnamige Berge nochmal 70 m höher, die höchste Erhebung der Mittleren Alb, sprich Kuppelalb. Wie Kuppel schon sagt, kein Berg, sondern unscheinbare Kuppe. Ich habe Mühe, den höchsten Punkt überhaupt zu entschlüsseln.

Nun folgen Radwege, teils Schotter, später weitgehend asphaltiert auf Straßen des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen. Parallel zur anfänglichen Schotterstrecke führt auch eine Straße, die ist für Radler wie auch Fußgänger verboten zu nutzen. Dass ausgerechnet auf der Militärstraße Munitionsreste liegen könnten, muss ich bezweifeln. Insofern nicht klar, warum gesperrt. Andere Lebensgefahrbereiche werden gar von Schäfern beackert. Wenn dumme Schafe nicht Minen zum Sprengen bringen können, warum dann ich, der wendige Fahrradfahrer, der Schlangenlinien nachzeichen kann? Ist der Velopedist noch dümmer als ein Schaf? – Unwidersprochen aber: Die Radroute ist eine Empfehlung, spätestens ab dem Wanderparkplatz südlich von Zainingen (wo ein Knick im rechten Winkel zu fahren ist, nicht zu verfehlen durch die Verbotsschilder in andere Richtungen; von Zainingen kommend kann man Schotter vermeiden). Die frühere Kampfspielwiese besteht aus flächiger Wacholderheide, von Schafen beweidet, Autos trauen sich nur wenige hin. Später, der Gefahrenzone bereits im Rücken, etwas Allee-Charakter.

Alb ist nicht nur poröser Kalk, sondern auch wertiger Marmor. Das lerne ich in Böttingen. Der rot gemaserte Marmorstein wurde u.a. am Neuen Stuttgarter Schloss verarbeitet. Wer weiß denn sowas? In Marmor geritzt auch die heimischen Opfer des Ersten Weltkriegs. Böttingen im Gedenken unter der Schiller-Linde. Gut, dass der Truppenkampfplatz der Natur übergeben wurde. Das Gedenken hat gelehrt. Eine eigenwillige Hausuhr hält Maß und befiehlt unsoldatische Weiterfahrt.

Es geht abwärts, nicht mit der Laune, sondern mit Rad. Wald und Felsen huschen vorbei, auch schluchtig bis alpin. Die Auentalöffnung bringt ein Schmuckstück hervor, das Schmiechtal. Ich war wohl mal in unteren Teilen da, doch die Erinerung ist verblasst. Radweg ist vorhanden, zuweilen Schotter, Straße geht auch. Auf dem Radweg aber die bessere Fotoperspektive auf Hütten, die Perle des Schmiechtals mit Schloss Justingen am Hang, freie Kalkfelsen, Heidehänge – ein Bilderbuchblick, ein „Albtraum“. Ich darf addieren: grünes Schlingpflanzenwasser, Mühlradromantik, Bahnbrücklein mit Züglein, Torbogenbaum, Türmchenkapelle in Terracottafarben. Ich bin gerührt und schäme mich, als Grünmännchen den Schatz nicht früher gehoben zu haben. Das Idyll endet in Schelklingen – hier muss das Geld verdient werden, Arbeit in einer Zementfabrik zum Beispiel.

Noch bevor ich zum Höhenzug Hochsträß aufsteige, flöte ich auf uralt: 40000 Jahre nicht verwester Geierknochen, von einer Venus dargeboten. Was genau, erfährt man nur Sonntagnachmittag im Schelklinger Hohlfelsen. Weniger bekannt der reizvolle Übergang über die Sotzenhauser Heide. Wacholder und Orchideen, Schmetterlinge und Pusteblumen, Wanderrevier, Ort für Verweilzeit. Dann wartet die Donaukultur, Erbach ziert Türmchen- und Schlossarchitektur. Als Eselsbrücke: Erbach ist ehrbar.

Ich bin in Eilzeit für Verweilzeit, wieder der Baggersee bei Senden. Die Pause hat mich erholt und ich wechsle erneut das Illerufer, dort ins hügelige Hinterland. Es ist nicht so anstrengend wie in den Nockbergen bei Aitrach, aber daher kamen sie vor 300 Jahren – nach dem Ende des 30-jährigen Krieges mussten die Protestanten die Kärntner Heimat verlassen, wollten sie nicht zum katholischen Glauben konvertieren. Wain lag im Bereich der Freien Reichsstadt Ulm, die sich dem Reformismus angeschlossen hatte, aber einen riskanten Alpenmarsch entfernt – es waren ja andere Zeiten noch, die Wege und Straßen rumpelten, niemand hätte damals Fahrrad fahren wollen. Neue Heimat für Österreicher, Emigration in solcher Richtung war mir auch neu. Obs die heutigen Österreicher selbst vernommen haben und verdenken wollen, was es uns lehrt? – Modelliert wurde der Flüchtlingszug detailreich und gelungen im Exulantenbrunnen.

Weiter voran stoße ich ungeplant auf Waldpiste. Die ist recht tief, auch mal grob und bergiger als die Straßen zuvor. Es wird spät, zu spät für den anvisierten Camping in Aitrach. Also Notbremse in Erolzheim für das Abendmahl. Radeln in die kühle Nacht, kaum freie Flächen, vor dem Umfallen noch ein Wiesenacker in Rauschweite der Straße. Aber nachts fährt hier weniger als auf der Alb. Nur das oberschwäbische Glockengeläut lässt den Sonntag laut erwecken – der Göttliche muss ein Frühaufsteher gewesen sein. Aitrach hätte sich wohl gelohnt, der Ort wirkt sympathisch, kleiner Sonntagsbäcker am noch frischen Morgen.

Ich fahre die schon oben erwähnte alternative Hügelroute zum Fuße des Eschachtals. So ausgelaugt sind doch die Kräfte, dass eine Oma an mir vorbeizieht. Ich könnte ja auch schon Opa sein – also passt schon. In Winterstetten gibt es Radtaschen kostenlos, alle Formate und kunterbunt, liegen und hängen vor einem geschlossenen Laden. Ich vermerke, auch geschenkt ist der Nutzen manchmal klein. Selbst das kleine Täschlein, das ich mitnahm, brauchte ich bis heute nicht. Das Eschachtal glitzert und je schwerer der Berg, desto leichter tue ich mich. Vorfreude auf ein Bad im See? Die Rückfahrt nach Memmingen ist wieder neu. Über Eschachberg ein mühevolles Schleichen am Hang, belohnt von toller Aussicht, Allgäugenuss pur. An der Iller die Frage: Reichen die Kräfte noch bis Memmingen? – Ja, spätestens nach dem Eis vom Herbisrieder Alpenblick-Café läuft es wie auf frisch geschliffenen Kufen. In Summe Alb nur halb – aber alles top wie supi!

Bildergalerie Tour ALB-2018-06 (36 Fotos, bitte auf Bild klicken; Bildstrecke quasi ohne letzten Tag, endet bereits in Aitrach):



Fortsetzung folgt
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Matthias
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#1373101 - 04.02.19 18:35 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
Keine Ahnung
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Hallo Matthias,

Deine Berichte sind wie immer sehr ausführlich. Ich habe sie mir aber gerne durchgelesen (bzw. die Bilder angesehen), da ich diese Gegend eigentlich kaum kenne bzw. nur punktuell besucht habe. Nun kann man ja einen recht detaillierten Einblick gewinnen zwinker .

Ist denn wild Zelten eine legale Option in dem Alb-Gebiet?

Vielen Dank.
Gruß, Arnulf

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#1373108 - 04.02.19 19:29 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: Keine Ahnung]
veloträumer
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In Antwort auf: Keine Ahnung

Ist denn wild Zelten eine legale Option in dem Alb-Gebiet?

Wildzelten ist ja grundsätzlich in Deutschland eigentlich nicht explizit erlaubt. Insofern immer Grauzone. Spezielle, auch per Schild verkündete Campierverbote gibt es im Zusammenhang mit speziellen Schutzzonen, etwa dem "Biospärenreservat Schwäbische Alb" im engeren Sinne. Ich erinnere mich aber auch an eine lokale Schutzzone in der Nähe von Burladingen, schon länger her. Das ist aber nicht die ganze Alb, weil ein recht großes Mittelgebirge mit all den Tälern, Plateaus, Siedlungsräumen und Randgebieten. Das ist ja nicht alles Schutzzone - auch der Schwarzwald nicht trotz einem Nationalpark. Soweit ich auf den höheren Plateaueben wild gezeltet habe, waren das Ränder zwischen Wald und Acker - selten richtig schön, und nur kleine Wiesenstreifen dazwischen. Das Maximale wäre hier, in Konflikt mit Ackerbauern oder Förstern zu geraten, nicht mit dem Naturschutz.

Andere Plätze waren eher weiter unten, dort, was man als "Voralb" auch bezeichnet, etwa beleibt Streuobstwiesen. Da könnte Konflikt mit Eigentümern drohen, aber sicherlich auch eher unwahrscheinlich, wenn man die Lagen recht beobachtet und es ja auch nur Kurznacht-Biwakieren ist. Also auch kein Naturschutzkonflikt. Eher muss man dort im Spätsommer aufpassen, nicht zu viele Äpfel aufs Zeltdach zu bekommen oder in Wespen zu treten. Im Lautertal (kommt noch) gab es auch in Ortsnähe Gomadingen eine Hütte mit Picknickplatz und vermute, dass sie sogar ein Angebot zum Übernachten geben sollte. Da und dort könnte man sich auch an Grillplätzen usw. orientieren. Ich bin aber allgemein sehr unvorbereitet, die Ziele da oft nicht feststanden und die guten Plätze ich dann immer zur falschen Zeit entdecke.

An den Steigen findet sich meist gar keine Gelegenheit - topografisch und durch Vegetation ganz ungemütlich. Auch die Felderwirtschaft ist recht ausgedehnt, sodass die Möglichkeiten manchmal geringer sind als die Landschaft eigentlich hergeben würde. Zudem habe ich ja auch durchaus immer wieder Campingplätze genutzt, passt aber nicht immer und zuweilen eben eher jenseits der Alb. Hier ist der einzige echte "Alb"-Camping der in Urach (50-60 km von mir entfernt), oben auf war ich noch auf dem in Schömberg (Westalb) oder auf solchen an den (erweiterten) Rändern (Sigmaringen, Illertissen usw.). Auf der November-Sauna-Tour habe ich auch mal auf einem Spazierweg oberhalb eines Kurortes gezeltet - ich bin da recht unerschrocken und meide auch nicht Menschennähe.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1373111 - 04.02.19 19:49 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
Keine Ahnung
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Ich bin da in Deutschland etwas zurückhaltender wenn es um Wildzelten geht. Meist finde ich auch "normale Campingplätze". Im Ausland (z. B. Balkan) gab es doch immer wieder keine Alternativen. Wahrscheinlich bin ich hier "zu vorsichtig" zwinker .
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1373120 - 04.02.19 20:28 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: Keine Ahnung]
natash
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Der Tourismus auf der Alb ist eher überschaubar. Und die Campingplatzdichte ebenso.
Was es aber noch gibt sind etliche Naturfreundehäuser und die Wandererheime (manche sind auch zur Übernachtung gedacht)des Schwäbischen Albvereins. Sehr schön gelegene befinden sich zb auf der Teck und der Burg Derneck. Wer da übernachten möchte,sollte sich aber v.a. wochentags vorher anmelden,die Bewirtschaftung ist oft ehrenamtlich. Mehr Infos hats hier .
Sehr schön finde ich auf der Alb die typischen Wacholderheiden,die noch hier und da zu sehen sind.
Auch sehr viele Höhlen hat es,wie Matthias hier mit dem Besuch des Mordlochs bereits angedeutet hat und sehr viele bedeutende Funde zur Frühgeschichte der Menschheit,wie die hier präsentierte Venus vom Hohenstein oder der Löwenmensch vom Hohlenstein, wichtige Zeugnisse aus der Zeit der Kelten,wie die Heuneburg in Herbrechtingen ebenso und auch Fossilienfunde gibt es reichlich. Das ist nicht nur für Kinder spannend.
Die Alb ist also nicht nur für Wochenendbesucher aus Stuttgart,Ulm und Tübingen interessant.
Wer schauen will,wies da im Februar ausschaut kommt zum Wintertreffen nach Aalen .
Aber obacht:Uff dr Alb ischs zwei Kittel kälter schmunzel . Also :Pullover einpacken.
Und an Matthias:Dank Dir für die Präsentation dieses bundesweit wenig beachteten Mittelgebirges.
Gruß
Nat

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#1373122 - 04.02.19 20:46 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: natash]
Keine Ahnung
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In Antwort auf: natash

Aber obacht:Uff dr Alb ischs zwei Kittel kälter schmunzel . Also :Pullover einpacken.


Wer in "Bayerisch Sibirien" aufgewachsen ist (Fichtelgebirge - Frankenwald), der fühlt sich dort dann richtig heimisch grins .
Gruß, Arnulf

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#1373144 - 04.02.19 22:56 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
max saikels
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Das kommt ja passend. Ich hab mir nämlich nach meiner zweiten Schwarzwaldtour letztes Jahr überlegt, dieses Jahr wieder dort eine Tour zu machen und ein bisschen mehr von der Alb mitzunehmen. Werde ich mir deine Berichte in Ruhe durchlesen.
Grüße, Stephan
Radreisen und -touren
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#1373275 - 05.02.19 21:47 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
veloträumer
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Um vielleicht noch an einige Dinge oben anzukmüpfen, da natash auch die Anregungen für Kinder ins Spiel brachte. Das ist sicherlich nicht mein Hauptfokus, aber halte auch immer etwas Ausschau danach. Eine Kleinigkeit folgt dazu noch im folgenden Teil. Da ich oben bereits erwähnte, dass es Kamele in Westerheim gibt: Das bezieht auf einen Streichelzoo dort, auch Lamas zu finden. Nebst anbei auch eine Sommerbobbahn mit Lift.





Viele Angebote, die sich an Kinder richten, sind allerdings weit mehr Alb-spezifisch, etwa Wanderungen mit Naturkunde, Höhlenbesuche und -events usw. Im oberen Donautal ist neben Kletterei auch das Paddeln angesagt, gerne von Familien oder Jugendgruppen betrieben. Dementsprechend gibt es ergänzend zum normalen Camping - und Jugendherbergsangebot auch noch einige Jugenzeltplätze, nicht nur an der Donau, auch auf der Alb. Inwieweit die als Notnagel für individuelle Reiseradler aber ein Option sind, vermag ich nicht zu sagen - ich war noch nie auf einem.

Um die prähistorische Seite nochmal zu bestärken, die ich oben auch schon angedeutet hatte: Nicht nur für Kinder ist sicherlich das Urmuseum Hauff in Holzmaden zwischen Kirchheim/Teck und dem wiederum durch die Autobahn bekannten Aichelberg interessant.





Beim Thema Autobahn und beim Aichelberg fällt mir auch noch Gruibingen ein, die dortige Raststätte wurde nach Feng-Shui-Kriterien verbaut und sorgte seinerzeit für größere Resonanz in den Medien (Zufahrt mit Rad gut möglich). Bei Gruibingen gibt es einen Camping, den ich auch mal besuchen wollte, weil nahebei zur Höhe der Roten Steige der besonders exponierte Gasthof/Hotel "Detusches Haus" liegt, wo sich mal eine Abendstimmung anbieten würde, da der Blick weit auf die Hohenstaufer Kaiserberge reicht. Bisher habe ich es dort nur zu Kaffee und Kuchen gebracht. Neben der Auffahrt von Weilheim kommt man auch flacher aus dem Filstal oder auch sehr steil von Bad Boll hin. Gruibingen und die Gasthofhöhe der Roten Stiege liegen beim Berg Boßler, der wiederum manchem Flugzeug zum Verhängnis wurde.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1373276 - 05.02.19 21:49 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
veloträumer
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ALB-2018-08 Rottenburg – Reutlinger Alb – Zwiefalter Alb – Großes Lautertal

Fr 10.8. Stuttgart – Leinfelden – Steinenbronn – Waldenbuch – Dettenhausen – Pfrondorf – Tübingen – Hirschau – Rottenburg – Ro.-Weiler
61 km | 750 Hm

Sa 11.8. Ro.-Weiler – Ofterdingen – Mössingen – Tal (651 m) – Wasserfälle – Talheim – Salmendingen – Kornbühl-Parkplatz (780 m) – Ringingen – Melchingen – Sonnenbühl-Genkingen – Gönninger See – Sonnenbühl-Genkingen – Erpfingen – Trochtelfingen – Steinhilben – Oberstetten
87 km | 1470 Hm

So 12.8. Oberstetten – Hohenstein-Ödenwaldstetten – Ho.-Eglingen – Dapfen – Gomadingen – Würtingen – Oberer Lindenhof – Eningen – Pfullingen – Ruoffseck (780 m) – Sonnenbühl-Genkingen – Gönningen – Reutlingen-Hochschulen – Betzingen – Kirchentellinsfurt – Pfrondorf – Dettenhausen – Waldenbuch – Steinenbronn – Echterdingen – Stuttgart
124 km | 1445 Hm

Von der An- und Abfahrt bis bzw. vom Neckar aus abgesehen, steckt in dieser Tour 100 % Alb drin, der Aktionsradius überschaubar. Schon wieder plante ich Zwiefalten zu besuchen und verfehlte es erneut. Auch hier mag Faulheit am Badeplatz den Ausschlag gegeben haben. Der Gönninger See war dabei gleich zweimal Ort der zeitvergessenen Untugend. Ohne diese Exkurse läge weit mehr Potenzial für weitere Ziele drin. Fast wäre ich aber gleich gescheitert: Auf der Anfahrt am Freitag versuchte mich eine leopardenkleidgetünschte Daimlerfahrerin in Steinenbronn vom Sattel zu stoßen. Der Sieger in diesem Duell mit der Cannstatter Blechkiste hieß allerdings veloträumer. James Bond in mission weiß das bad girl sicher abzuwehren.

Am Hirschauer Baggersee überlegte ich noch, mal den Camping in Tübingen zu probieren, entschied mich doch für eine zielgerichtete Weiterfahrt. In Rottenburg, zur Stadt Gratis-Musikfest open air, hat es zwar auch einen Camping, nach schlechten Erfahrungen mit Spätankünften auf Campings in Baden und Vorarlberg nach dem Abendessen fühlte ich mich allerdings nicht mehr motiviert, diesen aufzusuchen und weilte auf einer Streuobstwiese, die nicht weit davon entfernt gewesen sein kann. Was ich schon von der Laichinger Alb berichtete, gilt auch für die Zollernalb: In Dörfern erschallt Partymusik und die Straßen werden weit in die Nacht hinein mit Raserei aufgerieben.

Kaum habe ich am Morgen den Tritt gefunden, wird es Alb global. Ein Amerikaner auf Velotour durch Teile Europas, kam aus Frankreich herüber zur Alb. D‘ Wäld dreffat sich uff d’ Alb. Sein Ziel galt München, die Routenwahl aber schlecht. Seine Karte viel zu kleiner Maßstab. Ich suchte ihn zu beraten, er versuchte es sich zu merken. Im Katzenbach-Dünnbachtal (für den Amerikaner: cat creek & small creek valley) wurde ein neues Speicherbecken, aber auch ein neuer Radweg gebaut, mal im Wald, mal wenig neben der Straße – allerdings nicht asphaltiert. Eine eher überflüssige Ausgabe von Steuergeld. Ich kenne die Strecke als ruhige Straßenpassage durch ein sanft aufgleitendes Auental. Aber die Älbler-Autos haben zugenommen, ich spüre es sogar am frühen Morgen. Mehr Verkehr, mehr getrennte Wege.

Zurück aber zur Romantik: Es zirpt ein Harfenklang durch die Luft, der Gesang ergießt sich in Liebe, Leid und Lust. So könnte es zu hören sein, steht man unter der Andreas Futters Skulptur des Heinrich von Ofterdingen, seinerzeit einer der 12 besten Minnesänger. Als Romanfigur wird er unter der Feder von Novalis um 1800 zum Sinnbild der Romantik erhoben, insbesondere in der Blauen Blume, die die Sehnsucht verkörpert und hier der Figur zu Füßen liegt. Der Stoff inspirierte weitere Schriftsteller der Romantik und auch Richard Wagner zum „Tannhäuser“. Indes bleibt die Figur Heinrich von Ofterdingen auch ein Rätsel, welches zwischen Realität und Fantasie hin- und herpendelt. Ha so äbbes dôh!

Mössingen hat hübsches Fachwerk und verwunschene Plätze, doch erschweren aufgerissene Straßen die Ortsbegehung. Gleich dahinter steigen liebliche Streuobstwiesen auf, nicht nur dem Apfel gefällst. Diese alternativ verschwiegene Route nach Talheim führt über eine kleine Passhöhe mit dem widersprechenden Namen „Tal“, unweit auch ein Bergrutsch zu besichtigen. Die Alb bewegt – und bewegt sich. Vor Talheim fahre ich rechter Hand hinauf zum Waldrand, bald wieder hinunter, wo ein Bachlauf austritt. Man kann hier hinaufwandern zum Kornbühl, doch bereits unten mit wenig Schieberei finde ich die Talheimer Wasserfälle – über moosüberwucherte Tuffsteinstufen fließende Kaskaden – wenn es denn Wasser gäbe!? Wir erinnern uns: „Wo’s Wassr koschdbar isch“ – sogar die Wasserfälle sind abgestellt. Es sprudelt nur, wenn es regnet – der ist ja umsonst, auch auf der Alb. Das Grün hier ist aber auch ohne Wasser immer noch intensiv und unterirdisch feucht gehalten.

Die Talheimer Steige lässt zwei offensichtlich unerfahrene Rennradler zu hängenden Köpfen niederkeuchen. Oben geöffnet die Waldauffahrt mit Äckern und Hainen, verteilen sich mehrere Orte um den Kornbühl, eine recht markante Kuppe von gut 880 m, gekrönt mit der St. Annakapelle, die bis ins 19. Jahrhundert Einsiedler anlockte. Berg und Kapelle zu Ehren findet sich Brunnen (mit Wasser!, aber nicht dem Tranke freigegeben), Sonnenliege für Riesen und ein Fensterblick aus Holzschnitzwerk. Drumrum einsame Felder mit auch mal kräftigen Hebungen. Sonnen- und Kornblumen gedeihen kontrastreich neben Ackerkrumme und Weizenfeld. Der Fast-Rundkurs schließt sich in Melchingen, Ursprung der Lauchert und trotz seiner nur knapp 1000 Einwohner eine Kulturhochburg der Alb. Das Theater Lindenhof erwarb sich mit vielfältigen, auch kontroversen Inszenierungen, die beachtete Gastspiele bis nach Italien und Tadschikistan einbrachten, einen mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Ruf als ebenso heimatgebundene schwäbische Dialektbühne wie als gesellschaftspolitischer Vorhang. Einen Abend genoss ich schon mal im örtlichen Straßengasthof, noch aber wünsche ich mal eine Aufführung in diesem Theater zu erleben.

Den Badesee-Exkurs Gönningen mal ausgeblendet, wandelt der Radler wellig über die Alb-Hochfläche nach Genkingen, wo die Wasserscheide Rhein/Donau angeschrieben ist, und weiter hin nach Trochtelfingen, wo Nudelfabrik, Brauerei und mehrere Gasthöfe warten, das führende Hotel aber gar Ferienpause hat. Wahrlich ist die Alb daselbst noch nicht als Ferienregion entdeckt. So ist denn der weitere Weg von vielen geschlossenen Gastbetrieben gekennzeichnet, da ich mittlerweile Zwiefalten auch als zu weit entfernt einstufen musste. Erlösung für den knurrenden Magen schafft die Hocketse in Oberstetten – gewiss muss ich die Dorfmusi eher ertragen als genießen. Aber die Waffeln zum Nachtisch kosten nur 1 € – also koschda faschd nix.

Gefeiert wird auch noch umher irgendwo auf einem Hof oder Waldplatz, die Dorfmusi halt weit über die Ackerflächen. Das Licht am Morgen ist mal aus Silber, mal aus Gold, in Ödenwaldstetten der eingangs besagte Albkiosk, auch eine preisgewürdigte Braumanufaktur. Wo’s Wassr koschdbar isch, dôh isch d‘ Durscht fir a Kriagla grooß. Klein hingegen bekommt unweit ein eigenes Naturschutzgebiet. Eher ist es wohl ein Kinderlehrpfad zur Albnatur mit spielerischen Apparaturen. Auch Eglingen schön wie stillgeruht in der Morgenstund. Sonntagsbäcker ist da noch nicht, aber ein historisches Backhaus erinnert an alte Dorftreffpunkte zum Schwätzle machen. Anfang des 19. Jahrhundert wurde verordnet, die gefährlichen Backöfen auf Gemeinschaftsbackhäuser zu beschränken, die abseits von zentralen öffentlichen Wegen und Chausseen zu errichten seien. Ha noi, isch d‘ Alb gfährlich! Erschd a Mordhehl, dann des Milidär, jeddz no a Baggofa!

Im leichten Abschwung stehe ich bald im Großen Lautertal zwischen Wasserstetten und Dapfen – irisierende Lichtbrechungen im spiegelnden Auenglanz. Wieder ein „Albtraum“. Zum vielleicht beschaulichsten Verweilort mit Genussberechtigung an der Großen Lauter lädt das Lagerhaus ein – eine unorthodoxe Mischung aus Bistro, Café, eigener Rösterei, Chocolaterie und Seifenmanufaktur, den Biospärenprodukten der Alb besonders verpflichtet (trotzdem Kaffeesträucher und Kakaobohnen da noch nicht wachsen!). Die Öffnungszeiten richten sich an Spätaufsteher und Kaffeekränzchengänger am Nachmittag, schade. An einem Augustwocheennde wird rumdum ein Genussmarkt abgehalten, der ist just eine Woche später – schmoll. Muss ich wiederkommen, das untere Große Lautertal mit Zwiefalten bleibt ja noch in meinem Entdeckerfokus.

Die Landschaft mischt silbrig weidentränende Flussidylle und mit von dunkelgrünen Stumpen gesprenkelte Hügelhänge. Dieses aufgeräumte Landschaftsbild von Wacholderheiden erinnert ja auch ein wenig an die Zypressen-Toskana, nur schwäbisch bescheiden etwas mehr zusammengepresst. Kaum die nächste Kurve bewältigt, machen sich Pferde breit, von elegant muskulöser Statur. Kein Wunder, beherbergt das Landgestüt Marbach viele prämienwürdige Rassepferde, von denen einige die großen Rennbahnen der Welt gesehen haben, arabische Namen nicht selten. Die weitläufige Gestütsanlage selbst verdient einen kleinen Rundgang, zur Straße hin auch eine Gaststätte mit mageren Öffnungszeiten und gar eine öffentlich zugängliche Toilette. Sowas bereitet dem verwilderten Reiseradler durchaus Freude. Auf die Holzofenbäckerei Glocker musste ich hingegen noch bis Gomadingen warten. Einer der jungen Wilden hier hat sich den Food Rebellen angeschlossen. Ufschdändische mit Gschmaggswaffa! Ha noi, isch d‘ Alb gfährlich! Schnell weiter!

Allmählich entschwindet die feuchte Talidylle und die Haut brennt unter der erbarmungslosen Sonnenflut des offenen Albplateaus. Das Netz der Feld- und Radwege ist etwas unübersichtlich, aber ermöglicht manche Abkürzung gegenüber den Straßenfurten. Andere Wege machen eher einen umwegigen Knick, wie die Route über den Oberen Lindenhof. Der Körper ist erhitzt und doch jage ich ihn aus der Pfullinger Echazaue nochmal einen Albanstieg hinauf. Auch der Wald an der Auffahrt zum Sonnenbühler Ruoffseck wurde an den Rändern vielfach und weit ausgeschlagen, sodass der Schatten spärlicher beschirmt als früher. Dem vielleicht verdienten Bad am Gönninger See folgt noch eine recht charmante, eng gewundene Nischenfahrt durch Schrebergärten und Streuobstwiesen, die zwischen der Reutlinger Hochschule und Betzingen die letzten Albwellen unter den Pneu treiben. Der Neckar grüßt schon bald und Heimfahrt eilt. In Stuttgart wartet Leitungswasser vom Bodensee und koschda faschd nix.

I grieß eich, adéle, bis zur nächschde Dour uff d‘ Alb!

Bildergalerie Tour ALB-2018-08 (62 Fotos, bitte auf Bild klicken):

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Matthias
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#1373322 - 06.02.19 10:00 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
Keine Ahnung
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Gut, dass Dich die Leopardendame in ihrem Stuttgarter Gefährt nicht um diese Tour gebracht hat zwinker . Die Gegend würde mir gefallen. Das Auf und Ab durch schöne Landschaft und die netten kleinen Örtchen sind nach meinem Geschmack.

Dein Erlebnis mit dem Amerikaner erinnert mich an die eigenen "Kartenerfahrungen", wobei ich dann meist mit Karten von 1:200.000 (z. B. Generalkarte) unterwegs war. Tendenziell fährt man dann mehr auf den größeren Straßen, da die ganz kleinen evtl. fehlen oder der ständige Wechsel von einer Straße zum nächsten Weg irgendwie überfordert, zumindest, wenn man irgendwann nicht mehr weiß, an welcher Kreuzung man gerade ist. Das ist leider immer wieder mein Problem gewesen. Du weißt ja, dass ich mich inzwischen zum GPS-Junkie entwickelt habe grins .

Hast Du schon einmal daran gedacht, einen Reiseführer zur Region zu schreiben?
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1373355 - 06.02.19 13:00 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: Keine Ahnung]
veloträumer
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Dem Amerikaner hätte 1:200.000 gereicht, so wie auch mir das i.d.R. reicht. Alle Empfehlungen wären drauf gewesen. Der war mit 1:500.000 oder gar 1:1 Mio. unterwegs. Wohl dachte er, ist gut, wenn alles von frz. Atlantik bis Bayern drauf ist. Für ganz exotische Seitenwege wie "deine" englischen Radwege wäre sein Rad eher ungeeignet gewesen, das war so eine Art Halbrenner, eher zum Reiserad improvisiert, auch eher wenig Gepäck. Zudem hatte er einen ziemlich engen Zeitplan, also wenig Zeit für hübsche Schlenker oder schlechte Wege.

Generell wiederhole ich meine Leier: Mit Karten 1:200.000 bin ich die meisten meiner Touren vollkommen auskömmlich gefahren und habe damit auch das Meiste geplant. Das gilt auch für viele Wege, die die du als "geheime" und "kleine" Wege bezeichnen würdest, warum auch immer du sie nicht auf den herkömmlichen Karten finden würdest. Recht hast du, solche Radwege wie in England oder Einspurtrails auf Straßenkarten nicht zu finden. Bezogen auf deine Balkanrouten, wo ich auch unterwegs war, trifft das aber nicht zu. Im Gegenteil, gab es im Nachhinein einige Probleme mit den Digitalkarten, Wege nicht zu finden, die ich gefahren war. Ich glaube auch, dass die Kenntnis über den Detailreichtum von konventionellen Papierlandkarten zunehmend verloren geht (und daher gerne in Abrede gestellt wird), weil sie nur noch als "Sicherheit" in Taschen und Schränken verstauben statt studiert zu werden. Anscheinend ist auch unbekannt, ggf. nur wenige fehlende Routen bei der Planung (evtl. aus Digitalkarten) in Papierkarten einzuzeichnen. Wahrscheinlich ist das zu simpel und old fashioned.

GPS-Junkie wird man nicht wegen der angeblich überlegenen Karten, sondern aus einer Reihe anderer Gründe, die hier das Thema weit überstrapazieren würden. Das ist eine wenig vergleichbar mit der Musik ab Tonträger (Vinyl, CD) vs. Download/Streaming. Für gewisse Bequemlichkeitsfaktoren werde alle Inhalts- und Qualitätsmerkmale vergessen oder auch darauf kalkuliert verzichtet. In der Masse ist die Entwicklung auch nicht aufzuhalten, auch wenn sie rational betrachtet zumindest fraglich erscheint. Irgendwann sind kritische Fragen hinfällig, weil alte Systeme mit jungen Generationen ganz verschwinden können und sich Wertesysteme ganz verschoben haben.

Zurück zu meinen Albtouren: Manche Feld- und Radwege sind nicht auf üblichen, detailgenauen Straßenkarten zu finden. Für diese Fälle würde die Kompass-Karte Baden-Württemberg Süd 1:125.000 zur Genüge helfen. Ich mag diese Karten aber nicht, weil sie Radrouten so deutlich hervorheben, dass die Straßenhierarchien nicht mehr gut erkennbar sind und zudem die Entfernungsangaben nicht flächendeckend angegeben werden. Besser strukturiert und zu lesen sind die Radfahrkarten des Baden-Württembergischen Landesvermessungsamtes in 1:75.000, haben aber keinerlei Kilometerangaben. Für die gesamte Alb braucht es dazu 3 Karten, mit dem Donauraum und Anschluss nach Süden noch eine weitere. Der Schwarzwald wird hingegen von 2 Karten abgedeckt. Von der Alb habe ich derartige Karten aber nicht, nur Schwarzwald und Rhein-Neckar mit Kraichgau. Gefahren bin ich die Alb-Tour folglich mit mir üblicher Straßenkarte.

Im Unterschied zu Fremden kann ich aber darauf setzen, die Region bereits gut zu kennen. Ich hatte eine ungefähre Idee, was ich machen wollte, habe aber oft vor Ort entschieden, einer alternativen Ausschilderung zu folgen. Die Radroutenauschilderung ist auf der Alb schon ganz gut. Zusammen mit meine Ortskenntnissen und Orientierungssinn kann ich da auch Sachen einfach ausprobieren. Ich brauche also nur gelegentlich mal eine Unterstützung zur Übersicht und Himmelsrichtung, wo bestimmte Orte liegen, ob ich noch ein Zwischental übersehen habe, ob mein geplante Route noch bis zur Dämmerung zu schaffen ist usw. Insofern sind diese kurzen Albtouren auch recht verschieden von meinen gut geplanten längeren Touren in anderen Regionen, die nicht so heimatnah sind. Für dich wäre auf der Alb GPS sicherlich unverzichtbar, zumal dir einiges an Fremdsprache entgegen schlägt. grins

Reiseführer: Du wärest verblüfft, wenn du mal in Stuttgart im Buchladen Wittwer dir die Publikationen zur Alb anschauen würdest. Das wäre mein Beitrag so harmlos wie überflüssig, gemessen ander Professionalität usw. anderer Veröffentlichungen. Grundsätzlich ist in der Ecke Reiseführer/Radreiseführer kaum noch eine Nische - es sei denn, du willst alles selbst bezahlen. Ich arbeite immer noch an einem Buchprojekt, dass sich aber sehr weit vom Reisebericht entfernt hat, sogar von dem, was man gewöhnlich unter "Reiserzählung" versteht. Es geht noch mehr in Richtung Fiktion/echte Literatur, ein Bruch mit allen Genres. Ob das Widerhall findet, ist noch unklar. Wenn, dann nur in diese Richtung, denn das können nur wenige und ist im Zweifel auch einmalig. Die Frage, ob's jemand lesen will und noch dazu jemand daran glaubt, dass das mehr als ein Geschenkpapier wert sein könnte.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias

Geändert von veloträumer (06.02.19 20:52)
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#1373361 - 06.02.19 13:35 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
Margit
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GPS-Junkie wird man nicht wegen der angeblich überlegenen Karten, sondern aus einer Reihe anderer Gründe ..... weil alte Systeme mit jungen Generationen ganz verschwinden können und sich Wertesysteme ganz verschoben haben.
mag ich GPS-Junkie sein, aber ohne möchte ich nix mehr radeln. Gibt mir stets ein Gefühl der Freiheit und Sicherheit. Wo soll denn das Wertesystem sein?

In Antwort auf: veloträumer
Zurück zu meinen Albtouren: Manche Feld- und Radwege sind nicht auf üblichen, detailgenauen Straßenkarten zu finden.
da musst doch aber stets wissen, an welcher Kreuzung Du Dich momentan befindest! Habe mich mal in den Weinplantagen irgendwo am Kalterer See verirrt, kam wer mit einer Papierkarte 1:25000, für mich völlig nutzlos.
Viele Grüße
Margit

Geändert von Margit (06.02.19 13:36)
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#1373362 - 06.02.19 13:40 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
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Ich stimme Dir auf jeden Fall zu, dass es ausreichend Papierkarten gibt und diese auch eine sehr gute Qualität aufweisen. Auch ich nehme mir bei meiner Tourenplanung durchaus Papierkarten zur Hand, da schon alleine der Überblick auf so einer Karte besser ist.

Auch hinsichtlich der Gründe für die GPS-Nutzung kann ich zustimmen. Es ist zum Teil Bequemlichkeit. Aber bei mir ist es eindeutig auch der miserable Orientierungssinn. Als ich noch mit meinem Freund aus Freiburg unterwegs war, kam das deutlich zu Tage. Er wusste immer genau, wo wir waren und ein Blick auf die Karte genügte, um die verschlungensten Wegverknüpfungen zu finden und zu fahren. Ich war jedesmal verloren und am Ende dankbar, jemanden dabei zu haben, der mich vor Irrungen und Wirrungen bewahrte. Wenn ich dann alleine unterwegs war, landete ich immer wieder einmal dort, wo ich eigentlich nie hinwollte. Ab und zu brachte mich das auch an recht interessante Punkte, aber im Großen und Ganzen wäre mir ein Verfolgen der ursprünglich auf der Karte geplanten und sogar dort markierten Strecke deutlich lieber gewesen. Warum das bei mir so ist, weiß ich nicht. Meiner Frau, die einen sehr guten Orientierungssinn hat und die sich Karteninhalte auch leicht einprägen kann, ist das ebenfalls ein Rätsel zwinker .
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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Off-topic #1373367 - 06.02.19 13:57 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: Margit]
veloträumer
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Zurück zu meinen Albtouren: Manche Feld- und Radwege sind nicht auf üblichen, detailgenauen Straßenkarten zu finden.
da musst doch aber stets wissen, an welcher Kreuzung Du Dich momentan befindest! Habe mich mal in den Weinplantagen irgendwo am Kalterer See verirrt, kam wer mit einer Papierkarte 1:25000, für mich völlig nutzlos.

Ich sagte bereits, recht gut ausgeschildert. Außerdem heimatnah, also weitgehend grob bekannt. Nicht Nirvana. Keine Weinplantage. Wenn eine hochauflösende Papierkarte, die ja deinem stark gezoomten Display entspricht, für dich nutzlos ist, darfst du das der Karte nicht anlasten. Gäbe es solche Kartengrundlagen nicht, gäbe es für dich auch kein GPS-Signal mit deiner Nasenspitze, wo du stehst. Wenn du dich in einer Weinplantage verirrt hast, solltest du vielleicht weniger an den gegärten Trauben knabbern. zwinker grins
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias

Geändert von veloträumer (06.02.19 13:58)
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Off-topic #1373373 - 06.02.19 14:17 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: Margit]
veloträumer
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GPS-Junkie wird man nicht wegen der angeblich überlegenen Karten, sondern aus einer Reihe anderer Gründe ..... weil alte Systeme mit jungen Generationen ganz verschwinden können und sich Wertesysteme ganz verschoben haben.
mag ich GPS-Junkie sein, aber ohne möchte ich nix mehr radeln. Gibt mir stets ein Gefühl der Freiheit und Sicherheit. Wo soll denn das Wertesystem sein?

Weites Feld - nur Stichworte Vernetzung & Kommunikation ist wichtiger als vertiefende Hintergründe. Fokusiertes Ad-Hoc-Wissen ist gefragter als Zusammenhänge, die man ausblenden, wegzooomen kann. Schnelles Erfassen von Vielem ist wichtiger als sich mit wenigen Dingen tiefergehend auseinandersetzen. Wissen entsteht durch Vernetzung und Rechenmodelle, weniger durch Denken einzelner. Medien, Gerätefunktionieren verbrauchen mehr Zeit und Geld als Inhalte, was Strukturveränderungen erzeugt (Programmierer gewinnen an Bedeutung, Inhaltsschreiber verlieren an Bedeutung) - die Werteverschiebung äußert sich auch in Gehältern und Berufsbildern. Lagerung von Gegenständen, Eigentum verliert an Bedeutuung, weil laufend verfügbar und abrufbar. Eigentumsrechte werden verändert (Schutzrechte, Einnahmen von Autoren, Komponisten usw.).
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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Off-topic #1373374 - 06.02.19 14:17 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: Margit]
iassu
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Wo soll denn das Wertesystem sein?
Na da schließt sich ja der Kreis. Wenn du dich ohne die Stimme aus dem Gerät oder zumindest dem Richtungspfeil auf demselben nicht mehr zurechtfinden kannst, ist ja klar, daß du abhanden gekommene Fähigkeiten nicht anwenden kannst und nicht weißt, was das sein soll. zwinker schmunzel
Gruß Andreas

Geändert von iassu (06.02.19 14:18)
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#1373403 - 06.02.19 17:25 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
Thomas S
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Hallo Matthias,

ich hätte eine Bitte: Es wäre der Lesbarkeit Deiner Maßstabangaben ungemein hilfreich, wenn Du Tausendertrennpunkte verwenden würdest. So muss ich am Bildschirm immer wieder Nullen zählen um zu verstehen, welchen Maßstab Du nun meinst. 1:200000 und 1:2000000 schauen nun mal sehr ähnlich aus. 1:200.000 und 1:2.000.000 erkennt man auf den ersten Blick. Danke! zwinker
Gruß
Thomas
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Off-topic #1373462 - 06.02.19 21:01 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: Thomas S]
veloträumer
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Ist gerichtet. Jetzt hast du die Nullen umsonst gezählt. zwinker Ich bin sowohl mit Leertaste wie auch mit Punkt nicht ganz zufrieden, fehlt ein kleiner Leerzwischenraum, je nach Schriftart geht auch ein voller. Das geht hier natürlich nicht. Da ich da schwankend bin, mache ich es eher verschieden, je nach ästhetischer Laune. Aus dem Zusammenhang heraus und für Fahrrad im mittleren Europa wäre 1:2 Mio. schon ziemlich klar auszuschließen - also soooo schwer musstest du nicht rätseln, blieb eigentlich nur die Wahl zwischen 4 oder 5 Nullen.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias

Geändert von veloträumer (06.02.19 21:02)
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Off-topic #1373919 - 09.02.19 00:10 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: veloträumer]
max saikels
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Äscht, du fährst mit 20.000er Karten?
Und noch was zu GPS und Konsorten: die OSM-Karten sind nach meiner Erfahrung für die Alpen und Deutschland richtig gut, schon für Frankreich wirds deutlich dünner. Klar, liegt auch an der Menge Leute, die da unterwegs sind und beitragen.
Grüße, Stephan
Radreisen und -touren
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Off-topic #1373989 - 09.02.19 22:14 Re: Wo’s Wassr koschdbar isch - Alb-Donau-Kurier [Re: max saikels]
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In Antwort auf: max saikels
Äscht, du fährst mit 20.000er Karten?

Nö. Aber die Digitalkartenfahrer ständig. zwinker Als im üblichen Bereich, weit eher als 1:2 Mio. Für Papierkarten ist das aber auch im Rahmen der Wahrscheinlichkeit: Du bekommst nicht ideale Maßstäbe zum Radfahren von allen Regionen in Europa. Da muss man ggf. auf Wanderbereiche ausweichen. Auch kleinteilige Landschaften werden nur transparent, wenn man entsprechende Maßstäbe wählt. 1:35.000/1:30.000 ist da ein sinnvolle ein Option, besonders, wenn man noch Wanderungen mit Radeln mischen möchte. Habe auch solche Maßstäbe von Bardenas Reales (braucht man nicht zum Abradeln als solches, aber wenn man die Steinformationen beim Abradeln kennen lernen will. Vom Nationalpark Aigüestortes ist es sogar 1:25.000, dort aber zum Wandern. Wäre für MTBer auch notwendig, sofern es erlaubt wäre. Ähnliche Maßstäbe lohnen sich z.B für Sächsisch-Böhmische Schweiz, weill dort fast jeder Fels einen eigenen Namen hat. Weiteres Anwendungsfeld für Radler und für besonders große Maßstäbe sind Städte.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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