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#1176428 - 11.12.15 13:11 Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr
Gerhard O
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 149
Dauer:1 Monat
Zeitraum:6.5.2015 bis 4.6.2015
Entfernung:1880 Kilometer
Bereiste Länder:beBelgien
deDeutschland
frFrankreich
luLuxemburg
chSchweiz

Vorbemerkung

Die Probetour im April hatte ich erfolgreich hinter mich gebracht und das Rad für die „Große Tour“ durchgesehen und fertig gemacht. Die jetzige Fahrt sollte wie schon im letzten Bericht erwähnt, zum Forumstreffen nach Offenburg gehen. Die Strecke hatte ich auf Wegen abseits vom Rhein durch das Bergische Land, den Westerwald und den Taunus geplant. Den Rückweg wollte ich nicht direkt antreten, sondern noch einen Radurlaub dranhängen. Da ich sowieso im Süden war, wollte ich meine Schwester und ein paar Schulfreunde besuchen und einige Tage bei meiner Mutter in Rheinfelden verbringen. Danach sollte es durch Frankreich und Belgien zurück ins Ruhrgebiet gehen. Die Detailplanung habe ich mit diversen Routenplanern und Streckendownloads aus dem Internet gemacht. Ebenso kamen Programme und Karten aus meinem PC zum Einsatz. Während der Reise habe ich festgestellt, daß die vorgeplanten Wege in ihrer Qualität sehr unterschiedlich waren. Leider konnte ich im Nachhinein nicht mehr rekonstruieren, welche Software oder Landkarte an den verschiedenen Stellen für die Planung zum Einsatz kam und die ich zukünftig evtl. meiden sollte.

Für alle Leser, die sich vorab einen Überblick über die gesamte Tour verschaffen wollen, habe ich hier eine Zusammenfassung der Tagesetappen erstellt.

Viele Bilder der Reise habe ich direkt im Bericht verlinkt. Wer noch mehr sehr sehen will, kann hier zur Bildersammlung dieser Reise wechseln. Bleibt man mit der Maus über einem der Bilder der Galerie stehen, kommt eine kurze Erklärung zum Foto. Draufklicken auf das Bildchen vergrößert! Ein Klick auf ein Bildchen im Bericht führt ebenfalls zum vergrößertem Bild. Das funktioniert auch für Leser mit einem Gastzugang, die die Bilder hier im Forum nur relativ klein sehen können. Die Fotos sind in chronologischer Reihenfolge durchnummeriert. Damit sollte eine Zuordnung zu den Gegenden und einzelnen Tagen möglich sein. (Falls durcheinander: Bilder in der Galerie nach Alphabet sortieren)

Ein Hinweis in eigener Sache: Die Rechtschreibreform ist erst teilweise bei mir angekommen und wird zusätzlich hin und wieder ignoriert. Die Schreibweise mag für jüngere Leute daher manchmal etwas ungewöhnlich sein. Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.



Teil 1: Von der Ruhr an die Kinzig


Tag 1: Mittwoch, 6.5.2015
Start: Oberhausen/Rheinland
Ziel: Campingplatz Brucher Talsperre , Marienheide
Strecke: ca. 99 km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=yeclqrcwmqpybufa



Kurz vor 8 Uhr war ich unterwegs. Ich wollte eine ähnliche Strecke fahren wie auf der Probetour im April, die Schleife über Schwelm allerdings nicht, denn die fehlende Brücke kurz vor Wuppertal sollte inzwischen wohl fertig sein!

Auf dem Grugaradweg in Essen war ich dann weit genug von zu Hause weg, um in Urlaubsstimmung zu kommen. Hinter der Brücke beginnt sozusagen die ‚Große weite Welt‘!



Inzwischen war ich an der Ruhr. Großfamilien von Kanadagänsen kreuzten an der Ruhr meinen Weg, ohne sich im Geringsten von mir stören zu lassen.



Ich mußte mit dem Rad vorsichtig durch den Familienverband hindurch manövrieren. Die Tiere gingen keinen Schritt zur Seite, zeigten sich aber auch nicht aggressiv.

Da ich deutlich später unterwegs war als 12 Tage zuvor, stand die Sonne schon hoch am Himmel und es gelang mir nicht, solch stimmungsvolle wie bei der letzten Tour zu erzeugen. Also gibt es hier keine weiteren Aufnahmen von der Ruhr. An der ‚Kohlenbahn‘ (zwischen Hattingen und Wuppertal) ist es aber auch schön.



Den ehemaligen Bahnhof Schee finde ich ebenfalls zeigenswert. Es wäre eine tolle ‚Jausenstation‘, wird aber nur als Wohnhaus genutzt.



Ab Schee beginnt die ‚Nordbahn‘ und bald war ich an der Stelle mit der ‚fehlenden Brücke‘ (siehe letzten Bericht). Meine Hoffnung, daß 12 Tage genug Zeit wären, eine fertige Brücke einzuhängen und an beiden Seiten den fehlenden Meter Asphalt einzufügen, erfüllte sich nicht. Ich hatte mir die Baustelle schon früher einmal angeschaut. Der Radweg war schon seit Monaten bis zu den Brückenfundamenten fertig. Aber immerhin war die schon bekannte Umleitung wieder offen, so daß ich wenigstens von unten einen Blick auf die Konstruktion werfen konnte.



Diese Uhr steht ebenfalls an der Umleitungsstrecke.



Ich fotografierte sie gerade, als mich ein Radfahrer, ebenfalls mit Gepäck, erreichte:
„Haben Sie diese Butterbrote da hinten auf der Bank vergessen?“
Die Brote sahen lecker aus: Schwarzbrot mit Schinken und Käse!
„Leider nein – meine Frau hat mich für heute noch gut versorgt. Aber Sie sehen auch so aus, als ob Sie heute noch einen weiten Weg hätten. Essen Sie sie doch!“
„Sie haben Recht. Ich habe für heute zwar noch Riegel, aber die Brote sehen besser aus.“

Somit fuhr er mit den Broten weiter. Hätte ich gewußt, daß ich bei dieser Tour zwei kg abnehme, hätte ich sie vermutlich genommen. Aber ich war wieder einmal zu ehrlich.

Bald war ich wieder auf der Nordbahntrasse, verließ sie aber schon im Zentrum Wuppertals, um der Wupper aufwärts Richtung Beyenburg zu folgen. Am Marscheider Bach bog ich ab und erklomm auf einem kleinen Sträßchen die Höhen des Bergischen Landes.



Es war erwartungsgemäß der einzige steile Abschnitt des heutigen Tages. In Lennep erreichte ich die ‚Balkantrasse‘ und befand mich wieder auf einem Bahntrassenradweg. Wie allgemein bekannt, untertunneln Eisenbahnen gerne die Anhöhen. Das ist für Radreisende sehr bequem, aber nur, wenn man den Tunnel auch befahren darf. Später auf der ‚Vennbahn‘ hatte ich einige Berge zu überqueren, weil der Tunnel für mich gesperrt war. ‚Umweltschutz zugunsten der Fledermäuse‘ war die offizielle Erklärung. Daß es auch anders geht, sieht man hier. Dieser Tunnel befindet sich auf dem Bahntrassenradweg von Lennep nach Marienheide in der Nähe von Hückeswagen.



Gleichzeitig diente mir dieser Tunnel auch als Unterstand gegen Regen. Ein trockener Tourstart wäre wohl doch zu schön gewesen. Es dauerte aber nicht lange, bis ich weiter fahren konnte. Da ich auf einer Bahntrasse war, gab es nur noch einen kurzen Anstieg direkt am Ende des Radweges in Marienheide. Um halb sechs Uhr stand ich am Tor des Campingplatzes, der mir vor 12 Tagen so gut gefallen hatte, aber welche Überraschung: Das Tor war verschlossen und kein Mensch zu sehen. Am Zaun hing ein Schild mit einer Telefonnummer. Der Anruf ergab: Bis zum Wochenende geschlossen – keine Übernachtung möglich!

Es blieb mir nichts anderes übrig, als den Platz aufzusuchen, wo ich vor Jahren schon einmal war. Hier kam ich bis zur Rezeption und stand ebenfalls vor einer verschlossenen Tür. Auch hier gab es eine Telefonnummer. Ich rief an, der Platzwart meldete sich und war in wenigen Minuten bei mir. Die Anmeldung war problemlos, wenn auch etwas unkonventioneller als gewohnt:
„Ich habe den Platz erst vor kurzem übernommen. Für einen Radfahrer mit Zelt habe ich noch gar keinen Preis. Geben Sie mir 10 € und ich gebe Ihnen noch 2 Duschmarken dazu. Für den Toilettenschlüssel brauchen Sie kein Pfand zu hinterlegen. Lassen Sie den Schlüssel einfach morgen hier liegen. So früh, wie Sie weg wollen, bin ich noch nicht da!“

Zum Essen war ich wieder im selben Restaurant wie früher. Ich bin da jetzt sozusagen ‚Stammkunde‘. Und der See war schön wie immer!



Es war das dritte mal, daß ich mit dem Rad nach Marienheide gefahren bin. Der hier beschriebene Weg ist eindeutig der schönste und bequemste!



Tag 2: Donnerstag 7.5.2015
Start: Campingplatz Brucher Talsperre , Marienheide
Ziel: Campingplatz Mittelhof
Strecke: ca. 55 km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=gnswpogzunjqidlf

Um acht Uhr machte ich mich auf den Weg und etwa eine halbe Stunde später fand ich in Windhagen kurz vor Gummersbach eine Frühstücksbäckerei.



Das Bild zeigt nicht die Bäckerei, sondern die Aussicht, die ich beim Frühstück hatte.

Auf kleineren und größeren Straßen durchradelte ich das Bergische Land von Norden nach Süden.



Ich sah Wälder und Wiesen, es ging hoch und runter, aber nirgends war es eben. Gegen 11 Uhr konnte ich vom Gipfel einer Anhöhe die Wieltalsperre erspähen.



Gegen 12 Uhr hatte ich bei Morsbach-Oberzielenbach den letzten Gipfel des Bergischen Landes erreicht. Von hier ging es eineinhalb Stunden bis Wissen nur bergab ins Tal der Sieg. Vor allem die erste Stunde war steil genug, um es allein laufen zu lassen. Leider war der Seitenwind so stark, daß ich höllisch aufpassen mußte, nicht von der Straße geweht zu werden. Die bremsende Wirkung des Windes war beachtlich. Immer wieder mußte ich zusätzlich treten.



Bis Niederhövels folgte ich der Sieg, um dort die Flußseite zu wechseln. Es war aber nicht diese Brücke, die ich zur Einfahrt in den Westerwald benutzte. Es war bei diesem Stolleneingang zu einem stillgelegten Bergwerk, wo ich erstmals westerwälder Boden betrat.



Und der Westerwald zeigte direkt, was er kann. Bis zum ersten Ort ist es nur 1 km. Die Straße dort hin hat aber größtenteils 10% Steigung. Auf der Hälfte der Strecke habe ich kapituliert und geschoben. Zum Campingplatz in Mittelhof geht es natürlich nochmal kurz runter und wieder hoch!

Den Platz hatte ich mir ausgesucht, weil er laut Eigenwerbung im Internet ein Restaurant besitzt. Das Restaurant war auch da, die Küche aber geschlossen. Zu wenig Nachfrage, erklärte mir der Wirt. Immerhin bekam ich eine Gulaschsuppe mit Brötchen. Bei einem Weizenbier unterhielt ich mich noch mit einem Radfahrer, der in der Gegend wohnte, aber ursprünglich aus Düsseldorf kam. Seiner Meinung nach braucht der ‚Westerwälder‘ überhaupt kein Restaurant, denn er geht sowieso nicht auswärts essen. Der Tourismus ist aber noch unterentwickelt und so lohnen sich Restaurants oft nicht!

Auf dem Campingplatz sah ich wieder die obligatorische Misteldrossel. Warum habe ich in freier Landschaft noch nie eine gesehen?



Interessant war die Beobachtung eines Kleibers. Es war das erstemal, daß es mir gelang, ihn zu fotografieren.



Die Nacht war übrigens kalt! Schließlich war ich im Westerwald.

Alte Volksweise: ‚ …..über deine Höhen pfeift der Wind so kalt…‘



Tag 3: Freitag 8.5.2015
Start: Campingplatz Mittelhof
Ziel: Lahncamping Limburg
Strecke: ca. 67 km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=venrdquwirmbibtu

Der Tag fing direkt mit einem kräftigen Anstieg nach Mittelhof an, natürlich ohne Frühstück. Eine Bäckerei war nicht in Sicht. Der nächste, etwas größere, Ort war Gebhardshain. Zunächst rollte ich 50 Höhenmeter nach unten. Dann aber wurde es heftig – es ging steil nach oben. 200 Höhenmeter mußten erklommen werden mit durchschnittlich 8% Steigung, manchmal auch deutlich steiler. Mehrere Male habe ich geschoben.

Im Hinterkopf rechnete mein automatischer Streckenkalkulator: ‚Ich bin jetzt eine Stunde unterwegs und habe 5km geschafft und keine Pause gemacht und noch nicht gefrühstückt. Etwa 65km liegen heute noch vor mir bis Limburg. Beim bisherigen Schnitt sind das 13 Stunden reine Fahrzeit. 2 Stunden Pause brauche ich mindestens, macht zusammen 15 Stunden. Jetzt ist es 9 Uhr. Das bedeutet, daß ich erst um Mitternacht in Limburg sein werde!‘

Leichte Panik breitete sich aus und in meinem Hinterkopf überlegte schon jemand einen Plan B. Dann aber übernahm mein Logiksektor die Planung und beruhigte: ‚Wo es hoch geht, geht es auch irgendwann wieder runter. Irgendwo auf der Strecke gibt es noch einen Bahntrassenradweg. Da läuft es auch schneller und Limburg liegt an der Lahn, also im Tal. Insgesamt sollte also eine Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen von 10km/h zu schaffen sein. Dann wäre ich um 18 Uhr am Campingplatz.‘

In Gebhardshain habe ich dann in Ruhe gegessen, wieder mit Blick auf die Kirche.



Als ich weiter fuhr, war ich 2 Stunden unterwegs und hatte 6 km geschafft. Trotzdem kam keine Panik mehr auf, denn schließlich war es erst 10Uhr und keine 65km mehr zu fahren!

20 Minuten später erblickte mein Auges Seltsames: einen Förderturm auf einer Bergkuppe!



Mein bergmännisches Verständnis, geschult durch 40 Jahre Leben im Ruhrgebiet, sagte mir: ‚Der kann nicht echt sein! Den schaust du dir an!‘ Also bog ich ab und radelte den Berg hoch zum Turm.

Eine Infotafel vor Ort klärte mich auf. Dieser Turm stand einmal im Harz und förderte Blei- und Zinkerze. Als die Grube stillgelegt wurde, sollte der Turm verschrottet werden. Zum Gedenken an die bedeutenden Zeiten des Bergbaus im Gebhardshainer Land wurde er hier hin transportiert und als Aussichtsturm wieder aufgestellt. Schade, daß beim Wiederaufbau und der Restaurierung die entfernten bzw. defekten Verbindungen durch Schrauben (siehe hier) und nicht durch Nieten wie im Original ersetzt wurden.

Wie schon erwähnt, steht der Aussichtsturm auf einer Anhöhe. Bei uns im Ruhrgebiet würde man Berg dazu sagen. Mein nächstes Zwischenziel war Hachenburg. Das liegt in etwa auf der gleichen Höhe, aber einen Berg weiter. Das bedeutete, daß ich erstmal eine flotte Abfahrt hatte, um mich dann zur Mittagsrast zur Burg hochzukurbeln. Nebenbei werfe ich noch einen Blick auf das Landschaftsmuseum Westerwald direkt neben dem Burggarten.



Noch hatte ich den höchsten Punkt des Tages nicht erreicht. Diesen erreichte ich erst eine Stunde später bei Rotenhain. Das Schlimmste war überstanden. Wenn auch nicht jeder Weg mein uneingeschränktes Lob bekam,



Ab Rotenhain ging es, zumindest tendenziell mit einigen Zwischenanstiegen, bergab. Den erwarteten Bahntrassenradweg erreichte ich bei Elben und wenige Kilometer weiter bei Wallmerod war er schon wieder zu Ende!

Entgegen den Befürchtungen vom Vormittag erreichte ich den Campingplatz in Limburg



schon um 16.15Uhr, so daß mir noch Zeit zum Wäsche waschen blieb.

Hier traf ich auch den ersten Reiseradler dieser Tour. Wir saßen den Abend zusammen im Campingplatzrestaurant. Er war Franzose und kam aus Paris. Die Unterhaltung war etwas holprig in Englisch, deutsch und französisch. Er erzählte von seiner Fahrt über Straßbourg den Rhein abwarts bis Koblenz und die Lahn aufwärts. Er wollte noch bis zur Weser und weiter bis an die Elbe kommen.




Tag 4: Samstag, 9.5.2015
Start: Lahncamping Limburg
Ziel: Lahncamping Limburg
Strecke: 0 km

Heute ist Pausentag! Limburg ist eine sehenswerte Stadt, die ich mir unbedingt anschauen wollte. Als ich (zu Fuß) die Altstadt erreichte, wimmelte es von Leuten. Ich wollte den Dom besichtigen, aber man ließ mich nicht hinein: nur für Pilger geöffnet! Gleich kommt die Prozession.



Also besichtigte ich nur die Stadt. Die Bilder, die ich gemacht habe, würden, glaube ich, hier den Rahmen sprengen. Schaut auch das bei Interesse im Bilderhoster an. Das bescheidene Pfarrhaus des Bischofs habe ich mir natürlich auch angesehen, wenn auch nur von außen.

Abends war ich nochmal in der Stadt. Der Touristenrummel war vorbei, die Pilgermassen waren weg!



Der Dom war tatsächlich für Publikum offen.



Dafür fing es auf dem Rückweg an zu regnen. Ich kam gerade noch (fast) trocken zum Campingplatz.

Der Campingplatz liegt dicht neben der Autobahn, das heißt, eigentlich unterhalb der Autobahntalbrücke. Die Fahrzeuge waren die ganze Nacht gut zu hören. Gegenüber dem Zeltplatz auf der anderen Lahnseite verläuft in Sichtweite eine Eisenbahnline. Die Lokführer der Bundesbahn streikten gerade (mal wieder). Wenigsten die Bahn würde nicht fahren, hoffte ich. Doch hier irrte ich mich – es war eine Privatbahn. Die Züge führen bis spät in die Nacht und auch schon sehr früh am Morgen.



Tag 5: Sonntag, 10.5.2015
Start: Lahncamping Limburg
Ziel: Camping Steinrodsee, Weiterstadt
Strecke: ca. 84 km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=frovudfsopzvfqbl

Um 8 Uhr war ich wieder unterwegs, aber in der ‚falschen‘ Richtung. Mein direkter Weg an der Lahn war wegen
Brückenbauarbeiten gesperrt. An der Bäckerei, in der ich gestern gefrühstückt hatte, kam ich fast vorbei, aber ich verzichtete auf einen Besuch. So hungrig war ich noch nicht, als daß ich hier noch einmal hätte essen wollen.

In Dietkirchen, genau unterhalb St. Lubentius, erreichte ich wieder meinen vorgeplanten Weg.



Natürlich hielt ich die ganze Zeit die Augen offen, um ein Frühstücklokal zu erspähen. Dabei fiel mir bei einem einsamen Haus am Waldrand dieses Schild auf.



Verblüfft stellte ich fest, daß ich (als Steuerzahler) ein Ausflugslokal mitfinanziert habe. Bekomme ich als Sponsor hier wenigsten ein Frühstück? Die Tür war offen und es stand ein Fahrrad davor. Also versuchte ich mein Glück – und ich war erfolgreich. Nicht, daß ich hier als ‚Stiller Miteigentümer‘ besonders billig gegessen hätte, dafür aber sehr gut (vorher, nachher).

Bis Walsdorf folgte ich dem Emsbach. Es ging stetig bergauf, aber so moderat, daß ich es kaum merkte. Hinter Walsdorf überquerte ich einen kleinen Berg und ich war in Idstein. Idstein hat eine nette kleine Alststadt.



Natürlich gab es hier auch einen Dealer, der meine bevorzugte Droge verkaufte: Speiseeis! Genau das Richtige für eine Mittagspause.

Schon am Ortsrand von Idstein begann der Anstieg zur Taunusüberquerung. Hier war die Steigung etwas steiler, aber durchaus noch fahrbar. Am Gipfel dieses Anstiegs, sozusagen auf dem Kamm des Gebirges, erreichte ich das ehemalige Römische Imperium.



Erst am letzten Tag dieser Reise habe ich es wieder verlassen, um mein Zuhause in Germania magna aufzusuchen.

Den Main erreichte ich bei Flörsheim. Hier hatte ich die einzige ernsthafte Panne dieser Tour. Meine Kettenschaltung hakelte! Die Sichtprüfung ergab, daß eine Niete der Kette dabei war, ihre Position zu verlassen. Ganz langsam wanderte sie zur Seite und schaute schon etwa 1mm raus. Kein Problem, dachte ich: mit dem Nietendrücker zurück drücken und fertig! Also öffnete ich meinen Werkzeugbeutel, um den Nietendrücker zu holen. Aber welche Überraschung – es war kein Nietendrücker dabei! Aus mir heute unerfindlichem Grund hatte ich ihn irgendwann entnommen und nicht wieder zurück gelegt. Was nun? Es war Sonntag und mit einer offenen Werkstatt war nicht zu rechnen. Ich schaute mich um und stellte fest, daß ein Bahndamm in der Nähe war. Vielleicht konnte ich dort ein paar passende Steine finden.

In dem Moment sah ich 2 Radfahrer daher fahren – ein Mann und eine Frau. Meiner Schätzung nach waren beide deutlich im Rentenalter. Fragen kostet nichts, dachte ich und sprach sie an:
„Guten Tag! Hat jemand von Ihnen vielleicht zufällig einen Nietendrücker dabei?“

Er: „Nietendrücker? Was ist das?“
Ich zu ihm: „OK, der Fall ist klar. Sie haben keinen.“
Sie: „Einen Nietendrücker? Für 8-fach- oder 9-fach-Kette?“
Ich: „8-fach-Kette.“
Sie: „Müßte ich dabei haben. Ist was abgebrochen, geht aber noch. Habe ich letzte Woche noch benutzt.“

Ein Minute später hatte ich einen Nietendrücker und zehn Minuten später konnte ich weiter fahren.

Etwas später bei Mörfelden hatte ich noch ein spezielles Bundesbahnerlebnis. Der Weg führte über einen Bahnübergang, bei dem die Schrankenanlage mittels einer Sprechanlage ‚ferngesteuert‘ wurde. Die Schranke war geschlossen und ein paar Radfahrer warteten geduldig. Ein Zug fuhr vorbei, die Schranke öffnete aber nicht. Das Drücken der Sprechtaste brachte weder Antwort noch Erfolg. Auf der gegenüber liegenden Seite warteten jetzt ebenfalls Radfahrer. Auch dort wurde versucht, den Schrankenwärter mittels der Sprechanlage zu erreichen, aber ebenfalls ohne Erfolg. Ich schaute entlang der Schienen, um evtl. einen Zug zu sehen. Es war aber weder ein Zug zu sehen noch zu hören. Dafür entdeckte ich, daß ca. 1km entfernt die B44 über die Schienen führte und dort immer wieder Autos die Bahnlinie überquerten. Ein Blick auf die Landkarte zeigte, daß der Weg über die Bundesstraße ca. 3km Umweg bedeuteten. Da ich aber schon 10 Minuten ohne Erfolg an der Schranke gewartet hatte, beschloß ich, diesen Umweg zu fahren. Drei Minuten später war ich auf der anderen Seite der Schienen. Leider konnte ich nicht sehen, ob meine Leidensgenossen noch immer an der Schranke standen.

Kurz drauf war ich am Campingplatz bei Weiterstadt. Für die kulinarischen Bedürfnisse gab es in der Nähe ein italienisches Restaurant.


Tag 6: Montag, 11.5.2015
Start: Camping Steinrodsee, Weiterstadt
Ziel: Camping Freyersee, Philippsburg
Strecke: ca. 97 km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=gdthlahmnfpmwtyi

Beim Einchecken am Vorabend hatte ich (pfandfrei) ein elektronisches Schlüsselkärtchen erhalten. Mit diesem öffnete ich um acht Uhr das große Tor, um mit dem Fahrrad den Campingplatz verlassen zu können. Anschließend warf ich das Stück Plastik in den am Tor außen angebrachten Briefkasten und war wieder ‚on the road again‘ .

Mein zu Hause erstellter Track erwies sich bald als fehlerhaft. Am Stadtrand von Darmstadt stand ich plötzlich vor einem verschlossenen Fabriktor. Mein Weg sollte mitten durch die Firma führen. Das zwang mich, meine Weiterfahrt neu zu überdenken. Ich beschloß erst mal die nächste Bäckerei zwecks Frühstück anzufahren.

Hinter Pfungstadt blieb mein Blick an einem Lastwagen hängen. Er stand auf einer Wiese. Diese Wiese war aber so eben, unkrautfrei und kurz geschnitten wie ein bestens gepflegter englischer Rasen. In der Nähe des LKWs waren diverse Leute mit Traktoren am Arbeiten. Endlich begriff ich: Hier wurde Rollrasen ‚geerntet‘!



Etwas später erlebte ich die Ernte von Grünem Spargel. Bisher kannte ich nur das ‚Stechen‘ von weißem Spargel. Trotz moderner Maschinenhilfe erscheint mir diese Arbeit wesentlich anstrengender als das, was ich hier gesehen habe.



Zur Mittagszeit erreichte ich Lorsch.



Das Kloster war leider weitgehend eingezäunt. Irgendwelche Bauarbeiten waren im Gange und eine Besichtigung war unmöglich.

Dafür konnte ich in Lorsch einen Nietendrücker und ein paar Ersatznietstifte erstehen. Dabei habe ich den ‚ganz großen Woodoo‘teuflischangewendet: ich habe das Fahrrad beim Kauf zusehen lassen! Dem Rad war jetzt klar, daß es mich durch Öffnen der Kette nicht mehr ärgern kann. Es hat funktioniert: bis zu Hause hatte ich keinerlei Pannen mehr!

Den Neckar überquerte ich zwischen Ilvesheim und Seckenheim und kreuzte dort die Strecke meiner 2013-er Radtour.



Im Wald von Hockenheim hatte ich dann eine Begegnung, die ich seit meiner Kindheit nicht mehr hatte. Bisher galt für mich die Überzeugung von Reinhard May: Es gibt keine Maikäfer mehr! Ich habe an diesem Tag mehrmals welche gesehen und einen ‚Müller‘ kann ich per Fotodokument belegen!



Am späten Nachmittag erreichte ich den Campingplatz am Freyersee in Philippsburg. Wäre nicht das Atomkraftwerk direkt daneben, könnte die Lage sogar romantisch sein.



Der abendliche Stadtrundgang war ernüchternd. Ich fand weder ein schönes Restaurant noch kulturell interessante Bauwerke. Zum Essen blieb ich beim Italiener neben dem Campingplatz hängen.



Tag 7: Dienstag, 12.5.2015
Start: Camping Freyersee, Philippsburg
Ziel: Europacamping Sand, Willstätt
Strecke: ca. 109 km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=avszzpmcffhshgdi

Der gestrige Abendspaziergang war zwar bezüglich des Abendessens erfolglos, aber immerhin wußte ich heute, wo ich eine Bäckerei für das Frühstück finde!

Bald bin ich wieder unterwegs, vorbei an Dörfern und Feldern. Dabei fällt mir in der Nähe von Graben-Neudorf dieses einzelne Spargelbeet inmitten eines Weizenfeldes auf.



Spargel nur für den Eigenbedarf? Oder ist es gar kein Spargel, sondern was ganz anderes? Was immer es ist, es animierte mich zu einem Fotostopp und einer kleinen Pause!

Das nächste Zwischenziel sollte das Karlsruher Schloß sein. 2013 hatte ich darauf verzichtet, heute wollte ich es sehen. Der Weg dorthin führte mich wie damals wieder durch den Hardtwald. Extra für Natalie (Forumsname: Natash) habe ich ein ‚Bildle‘ gemacht! schmunzel



Das Schloß in Karlsruhe habe ich sozusagen ‚von hinten‘ erreicht. Natürlich habe ich es umrundet und auch von vorne betrachtet.



Nach dem Schloß mußte ich Karlsruhe durchqueren. Es machte keinen Spaß - nur verkehrsreiche Straßen und Baustellen. Die B36 führte mich schließlich zur Stadt raus. In Rastatt konnte ich auf kleinere Straßen ausweichen und auch ein kurzes Stück an der Murg entlang fahren.



Hinter Rastatt war es die B3, die meine Nerven strapazierte. Ich betrachtete es als den Preis, den ich zahlen muß, wenn man heute noch den Gifizsee in Offenburg erreichen will! Immer wieder wich ich auf kleinere Orte aus, um schönere Wege zu finden, fuhr aber schlußendlich nur Umwege. Lieber so, dachte ich, als eingeklemmt zwischen Leitplanke und vorbei donnernden LKWs. Zu all dem kam noch ein kräftiger Gegenwind!

In Vimbuch hatte ich eine Pause nötig. Es gab einen Biergarten direkt neben der Straße und ich kehrte ein. Ein einheimischer Gast lud mich an seinen Tisch. Es gab ein angeregtes Gespräch und so war mir nicht langweilig, denn die Bedienung hat meine Bestellung vergessen. Danach war Schichtwechsel und ich bestellte nochmal. Insgesamt dauerte es ungefähr eine halbe Stunde, bis mein Bier kam.

Nach etwa einer Stunde fuhr ich weiter, kreuz und quer mit der groben Richtung Süden. Den vorgeplanten Track hatte ich längst verlassen. Als ich 100km auf dem Tacho hatte, war es 17 Uhr durch und Offenburg noch weit. Ich erinnerte mich an den Europacamping Sand und die türkischen Gaststättenbetreiber. Dieses Ziel wollte ich jetzt anfahren.

Ich erreichte es kurz vor 18 Uhr. Die Dame an der Rezeption erklärte mir, daß das Campingplatzlokal heute geschlossen habe. Allerdings würde man einen Bus voll Gäste erwarten, die im Restaurant essen. Da sollte ich einfach mal fragen, denn schließlich kann ein Gast mehr kein Problem sein.

Für die Campingplatzbetreiberin war das kein Problem, wohl aber für den türkischen Gastwirt. Er habe mit seinen Gästen so viel zu tun, daß es unmöglich wäre, mich auch noch zu verköstigen! Ich erfragte also in der Rezeption das nächste Lokal und die Dame schickte mich zum Sportverein. Mit den Sportlerportionen wurde ich dann gut satt!



Tag 8: Mittwoch, 13.5.2015
Start: Europacamping Sand, Willstätt
Ziel: Camping Gifizsee, Offenburg
Strecke: ca. 17 km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=xosevegmznzewzqw

Heute konnte ich mir Zeit lassen, schließlich war es nur ein kurzer Weg nach Offenburg. Ich wählte den Weg entlang der Kinzig. Hier fährt man entspannt nach Offenburg und auch verkehrsfrei direkt am Stadtzentrum vorbei. Ich entschloß mich aber, einen kleinen Abstecher zu Aldi zu machen, um noch ein paar Vorräte für den Feiertag und das Wochenende zu kaufen.

Um 10.30 Uhr hatte ich den Campingplatz erreicht. So früh wollte ich nicht einchecken. Ich fuhr also noch um den See herum, um ein paar Aufnahmen zu machen.



Das Anmeldung am Campingplatz verlief problemlos. Den Torschlüssel bekam ich pfandfrei, da der Computer noch nicht bereit war. Die Saison fing erst am Nachmittag an! Die Preisgestaltung war etwas undurchsichtig, da die Eintrittsgelder für das Schwimmbad und den kostenlosen Eröffnungsnachmittag und die Kombination mit dem Campingplatz für mich undurchschaubar waren. Insgesamt zahlte ich für 4 Nächte 60,--€ im Voraus.

Den Nachmittag verbrachte ich mit einem Stadtbummel, bei dem ich auch gegessen habe. Abends saß ich mit den ersten Teilnehmern des Forumtreffens im Gemeinschaftzelt beim Bier!





Tag 9: Donnerstag, 14.5.2015 (Himmelfahrt)
Pause: Camping Gifizsee, Offenburg
Strecke: 0 km

Soweit ich mich erinnere, war an diesem Tag keine gemeinsame Forumstour ausgeschrieben. Ich stand relativ spät auf und begab mich zu Fuß nach Offenburg. Dabei hielt ich meine Augen nach einer Frühstückmöglichkeit auf. Ich war schon auf der Fußgängerzone im Zentrum, bevor ich etwas fand. Auf dem Rückweg erhielt ich eine SMS von meiner Schwester. Sie hat mich eingeladen, die Nacht von Sonntag auf Montag bei ihr in Freiburg zu verbringen. Ich rief sie an und wir verabredeten einen Treffpunkt am Sonntag ca. 13 Uhr in Riegel am Rathaus. Von dort aus wollte sie mit ihrem Mann und mir zusammen nach Freiburg fahren.

Den Nachmittag verbrachte ich mit einem anderen Forumista in der Strandbar. Das Essensangebot war etwas eingeschränkt, aber in die Stadt wollte ich auch nicht mehr. So habe ich noch kurz vor Ladenschluß der Strandbadbar eine Currywurst mit Pommes und anschließend noch eine Bratwurst gegessen. Es war das einzige mal auf dieser Tour, daß ich diesen ‚kulinarischen Hochgenuß‘ genießen durfte.



Abends gab es im Gemeinschaftszelt einen Diavortrag von Detlef über seine Radtour entlang der Westküste der USA. Garniert war das alles mit Gewitter und Starkregen! Leider war das Gemeinschaftszelt nicht überall dicht!



Tag 10: Freitag, 15.5.2015
Ausflug: Camping Gifizsee, Gengenbach, Camping Gifizsee, Offenburg
Strecke: 26 km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=jxlvwdtxdxdwfnzs

Es regnete den ganzen Vormittag. Für so einen Fall hatte ich am Mittwoch bei Aldi vorgesorgt, und so ernährte ich mich aus der Packtasche. Es sollten an diesem Tag mehrere Ausfahrten stattfinden, aber im Regen wollte niemand so richtig starten. Während ein Trupp der ‚wasserdichten‘ Radler trotzdem los fuhr, versammelte sich eine kleinere Gruppe ‚Wasserscheue‘ am Gemeinschaftszelt und wartete auf besseres Wetter.

Um 12 Uhr klarte es etwas auf und man beschloß, einen Ausritt nach Gengenbach zu wagen. Zu dieser Gruppe hatte auch ich mich als bekennender Schönwetterfahrer dazu gesellt. Gerade als wir die Altstadt von Gengenbach erreicht hatten, begann es wieder zu regnen.



Wir flüchteten geschlossen in eine Cafeteria. Hier warteten wir bei Kaffee und Kuchen auf trockenere Zeiten. Eine Stunde später erbarmte sich der Wettergott. Wir verließen die gastliche Stätte und begaben uns in kleinen Gruppen zur Stadtbesichtigung. Ich hatte mich mit Andreas zusammen getan und wir durchstreiften das Städtchen zu Fuß kreuz und quer.



Selbst kleinste Gassen ließen wir nicht aus! Gengenbach ist einfach schön, gepflegt und gut erhalten.



Um 15.30 Uhr trafen wir uns alle wieder für die gemeinsame Rückfahrt – und wir kamen auch trocken am Campingplatz an!

Abends begab ich mich nochmals mit einer kleineren Gruppe in die Offenburger Innenstadt zum gemeinsamen Abendessen. Auch hier blieben wir bei Hin- und Rückfahrt trocken!



Tag 11: Samstag, 16.5.2015
Ausflug: Camping Gifizsee, Straßburg, Camping Gifizsee, Offenburg
Strecke: 72 km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=fiekpivscerbkpgv

Der Tag begann mit strahlendem Sonnenschein. Ich radelte schnell in die Stadt zum Frühstück, um pünktlich zum Start des gemeinsamen Ausflugs nach Straßburg wieder am Campingplatz zu sein.

Ca. 15 Leute fanden sich zu dieser Tagestour ein. Ich habe einiges in Straßburg gesehen, was mir bei mehreren früheren Besuchen entgangen war! Vom Fort Uhrich hatte ich vorher noch nie gehört.



Vielen Dank an den Leiter und Organisator dieser ausgezeichneten Fahrt.

Dieser ungewöhnliche Anblick des Münsterturms steht hier stellvertretend für all die Bilder, die ich in Straßburg gemacht habe und die ihr auf meinem Bilderhoster sehen könnt.



Während einer Pause habe ich in Straßburg auch das bisher teuerste Bier meines Lebens getrunken. Das war schon mal ein Vorgriff auf die Kosten bei meiner Rückfahrt eine Woche später. (Da wußte ich noch nicht, daß ich 5 Monate später in Italien noch viel mehr für ein Glas Bier bezahle.)

Um nicht nur Bilder zu zeigen, die von vielen Touristen veröffentlicht werden und die überall im Internet zu finden sind, gibt es hier noch ein Bild von ‚Kunst am Wegesrand‘.



Diese Kunst ist vergänglich und gehörte zu einer Aktion von Studenten der Kunsthochschule. Inzwischen wird wohl nichts mehr davon zu sehen sein.

Um 19 Uhr waren wir wieder am Campingplatz. Während sich die meisten Teilnehmer des Treffens zum Grillen bereit machten, war ich auf Selbstverpflegung am Grill nicht vorbereitet. Also begab ich mich zum nächstgelegenen Italiener am Sportplatz. Für den Lichtbildervortrag im Gemeinschaftszelt und für ein geselliges Bier in der Runde war ich rechtzeitig wieder da.


Fortsetzung folgt
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#1176453 - 11.12.15 14:33 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
Juergen
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Hallo Gerhard,
Du hast dir ne wirklich schöne Strecke nach Basel, abseits vom Rhein, ausgesucht, die ich mir so nicht überlegt hätte.
Ich bin gespannt auf die Tour durch Frankreich, die ich ähnlich auf dem Weg nach Offenburg gefahren bin. grins

Ich freu mich auf die Fortsetzung deines lebendigen Berichtes.
Jürgen

ps: der Lahnradweg ist zwar an der Autobahnbrücke in Limburg gesperrt, aber fahrbar grins
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1176474 - 11.12.15 16:43 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Juergen]
Gerhard O
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In Antwort auf: Juergen

Ich freu mich auf die Fortsetzung deines lebendigen Berichtes.

Nur Geduld! Fortsetzung ist fast fertig und folgt demnächst.

In Antwort auf: Juergen
ps: der Lahnradweg ist zwar an der Autobahnbrücke in Limburg gesperrt, aber fahrbar grins

Ich bin nur dieses kurze Stück an der Lahn gefahren. Ich meine, die Umleitung war so beschildert. Da ich aber GEGEN die allgemeine Fahrtrichtung unterwegs war, ist das nicht immer eindeutig zu sehen.

Gruß
Gerhard
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#1176516 - 12.12.15 10:16 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
cyclerps
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Lieber Gerhard, vielen Dank für deinen bisherigen schönen Bericht.

Was den Kettennieter betrifft: Mann sollte Frau nicht unterschätzen,lach.


PS: Von deinen Ausführungen bzgl. Navigationsgeräte träume ich heute noch....... bravo
Gruss
Markus
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#1176523 - 12.12.15 11:13 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: cyclerps]
Gerhard O
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Danke
In Antwort auf: cyclerps
PS: Von deinen Ausführungen bzgl. Navigationsgeräte träume ich heute noch....... bravo

Es ist ein schönes Spielzeug! schmunzel Solltest du Nachhilfe benötigen, melde dich.
Gruß
Gerhard
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#1176529 - 12.12.15 11:40 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
kaspress
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Bei den Bildern bekommt man Lust hinzufahren schmunzel
Mtb- und Wanderblog mit kulinarische Tipps:

www.kaspressknoedel.com
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#1176533 - 12.12.15 11:50 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
Gerhard O
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Teil 2: Von der Kinzig an den Hochrhein


Tag 12: Sonntag, 17.5.2015
Start: Camping Gifizsee, Offenburg
Ziel: Freiburg
Strecke: ca. 66km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=faxtzxvwqofvhvxm

Es war ein schöner sonniger Morgen. Das Treffen der Reisradler löste sich auf. Ich mußte meine Bierrechnung noch bezahlen, aber Roland als Organisator und Bierwart war schon weg. Bei meiner Suche nach einem verantwortlichen Kassierer traf ich auf Jürgen. Er erklärte mir glaubhaft, daß er ‚Getränkeprokura‘ hätte und berechtigt wäre, alle noch offenen Rechnungen zu kassieren. Damit war ich mein Geld los und die Abreise konnte beginnen!

Noch ein letzter Blick auf die Kinzig



und weiter ging die Fahrt Richtung Süden. Schon im nächsten Dorf sah ich eine Bäckerei der selben Kette wie in Offenburg, wo ich schon zweimal gut gegessen hatte. Doch welche Enttäuschung! Keine der diversen Frühstücksangebote waren hier zu bekommen. Letztendlich war ich froh, wenigsten einen Kaffee zu bekommen und ein paar Teilchen essen zu können.

Bei der Weiterfahrt verzichtete ich auf ausgeschilderte Radwege, denn diese führten recht hügelig am Rande des Schwarzwalds entlang. Ich blieb aber relativ eben im Rheintal und fuhr immer mitten durch die Orte. Dabei bekam ich in Kippenheim auch einen kleinen Nachhilfeunterricht in Statik.



Ich übersetze den Text auf dem Torbogen hier für Interessierte in lateinische Schrift (aber nicht in die neue Rechtschreibung). Außerdem ist durch die Kompression des Bildes so viel Information verloren gegangen, daß er auch mit Tricks kaum noch lesbar gemacht werden kann. Zudem tun sich viele junge Leute heute mit der alten Schrift schwer!

Nicht wegen dieses Bogens hier
Als Bollwerk stehe ich vor Dir
Mein lieber Freund der Sach zu nützen
Muß ich von hier den Giebel stützen
1901


Angehende Architekten, Bauingenieure und andere Statiker können sich jetzt den Verlauf der Kraftlinien überlegen!

Mittags erreichte ich Riegel.



Mein Schwager und meine Schwester erwarteten mich schon am verabredeten Treffpunkt. Jetzt gab es so viel zu erzählen, daß ich kaum noch zum Fotografieren kam. Gemütlich fuhren wir zusammen nach Freiburg. Unterwegs haben wir noch eine längere Pause eingelegt, um mein Zelt zu trocknen. Schließlich bot sich das Wetter dafür an und das Zelt wurde jetzt für mehrere Tage nicht mehr benötigt!


Tag 13: Montag, 18.5.2015
Start: Freiburg
Ziel: Rheinfelden
Strecke: ca. 91km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=lcscqoubngztdqzi

Mein Schwager war schon Rentner und meine Schwester hatte sich diesen Montag frei genommen. Damit waren alle Voraussetzungen erfüllt, mich noch ein Stück zu begleiten. Gemeinsam fuhren wir bis zum Rhein, den wir an der ‚Natorampe‘ bei Neuenburg erreichten.



Hier trennten sich unsere Wege, ich war war wieder einmal allein. Mein nächstes Ziel war Weil am Rhein, wo ich mit einem Jugendfreund verabredet war. Für die Fahrt dahin hatte ich mir den Rheinradweg ausgesucht. Der Grund war einfach – ich wollte an den Isteiner Schwellen vorbei kommen.



Hier bin ich in meiner Jugendzeit öfter mit einem Schlauchboot gefahren, war aber schon über 40 Jahre nicht mehr da. Es waren sozusagen nostalgische Gründe, die mich hier entlang führten.

In Weil traf ich wie geplant meinen alten Freund Charly. Seine Frau hatte Kaffee und Kuchen vorbereitet! Hierfür an dieser Stelle nochmals Vielen Dank! Wir hatten einen entspannten unterhaltsamen Nachmittag. Anschließend hat Charly mich noch auf mir bisher unbekannten Wegen durch die Schweiz gebracht (die ‚Grüne Grenze‘ nördlich Basel ist etwas vertrackt. Man ist schneller in der Schweiz – und wieder draußen – als man denkt). Von Grenzach bis Rheinfelden fuhr ich dann wieder allein.


Tag 14: Dienstag, 19.5.2015
Start: Rheinfelden
Ziel: Rheinfelden
Strecke: ca. 40km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=niqhiymzxozxcbtp

Der Vormittag war meiner Mutter gewidmet. Nur nachmittags habe ich einen Kurztripp nach Bad Säckingen unternommen, um mit meinem Schulfreund Bernhard ein Eis zu essen. (Mit Bernhard hatte ich schon zweimal die ‚Tour de Ländle‘ -2012 und 2013 - und die ‚Tour de Osten‘ gefahren)



Das Wetter sah anfangs gar nicht nach ‚Eis essen‘ aus, wurde im Laufe des Nachmittags aber besser. So erlaubte ich mir auf der Rückfahrt auch eine kleine Pause am Rhein mit Blick auf das alte schweizerische Rheinfelden.



Das, was rechts im Hintergrund wie eine Burg aussieht, ist die größte schweizer Brauerei Feldschlößchen. Hier hatte ich früher gelegentlich in den Ferien gearbeitet.



Tag 15: Mittwoch, 20.5.2015
Familientag, keine Radaktivitäten
Strecke: 0km



Tag 16: Donnerstag, 21.5.2015
Start: Rheinfelden
Ziel: Rheinfelden
Strecke: ca. 68km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=uexcpqrseprotczw

Das Wetter sah so aus, als gäbe es einen trockenen Tag. So entschloß ich mich zu einem kleinen Ausflug in die Schweiz. Ich wollte eine Gegend erkunden, die ich zu meinen Schulzeiten zu Fuß nicht erreichen konnte, da zu weit, und mit dem Rad nicht fahren durfte, weil ich keine ‚Velonummer‘ hatte! Heute sind die Zeiten gottseidank anders – ich komme auch ohne Velonummer in die Schweiz.

Ich überquerte in Rheinfelden auf der alten Rheinbrücke die Grenze.



Durch das Obertor am anderen Ende der Stadt verließ ich das schweizerische Rheinfelden und erreichte


Möhlin, um dem Möhlinbach aufwärts zu folgen. Auf der Gipfelhöhe der Vorjuraberge, ca. 600m NN erreichte ich die erste innerschweizerische Befestigungslinie (die äußerste ist der Rhein und die Brücken mit Sprengstoffkavernen).



Bei Kienberg hatte ich die nächste Anhöhe überschritten und mein Bedarf an Berge war gedeckt. Ich folgte dem Dorfbach in das Fricktal.



Bevor ich allerdings in Frick war, überquerte ich nochmal die Grenzbefestigung, diesmal von der anderen Seite.



Bei Frick sah ich diese Gespinstmottenraupen. Sind sie dabei, von Deutschland aus die Schweiz zu erobern oder war das evtl. nur die Nachhut?



Übrigens, auf den Bergen hatte es hin und wieder getröpfelt, aber jetzt im Fricktal regnete es! Da täuschen die friedlichen Bilder vom Rhein, die ich in kurzen Regenpausen aufgenommen habe. Das Abschlußbild des Tages zeigt noch mal den Rhein oberhalb Rheinfelden.



Der Rhein ist aus gutem Grund zwischen Rheinfelden und Schaffhausen nicht schiffbar. Hier gibt es nur noch die Pontoniervereine mir ihren Kähnen.



Fortsetzung folgt
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#1176556 - 12.12.15 16:11 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
Keine Ahnung
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Danke für den schönen Bericht. Man sieht wieder einmal, dass man nicht unbedingt in die Ferne schweifen muss, um Schönes zu sehen.
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1176579 - 12.12.15 20:01 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
max saikels
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Ein bisschen besserwissern zu "Bundesbahn": die gibts seit 1994 nicht mehr. Deswegen hat der Begriff "Privatbahn" auch nicht mehr wirklich Bedeutung. Seit 1994 ist der Regionalverkehr Ländersache und dabei ist die DB (Deutsche Bahn) Anbieter wie jeder andere auch.
Grüße, Stephan
Taubergießen Moselotte
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#1176587 - 12.12.15 20:53 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: max saikels]
Gerhard O
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In Antwort auf: max saikels
Ein bisschen besserwissern zu "Bundesbahn": die gibts seit 1994 nicht mehr. Deswegen hat der Begriff "Privatbahn" auch nicht mehr wirklich Bedeutung. Seit 1994 ist der Regionalverkehr Ländersache und dabei ist die DB (Deutsche Bahn) Anbieter wie jeder andere auch.

Du hast natürlich recht: den Begriff Bundesbahn gibt es seit 1994 nicht mehr.

[BesserwisserModus an]
Heute heißt diese Firma Deutsche Bahn AG und ist zu 100% im Besitz der Bundesrepublik Deutschland. Man spricht in so einem Fall von einem 'privatrechtlich organisierten Staatsbetrieb'. Privat ist an dieser Bahn gar nichts .
[/Besserwissermodus aus]

Ich hätte wohl statt Bundesbahn besser 'Deutsche Bahn AG' schreiben sollen. Leider hat sich das in meinem Kopf noch nicht festgesetzt. In den Berichten meiner nächsten Reisen (irgendwann, wenn sie fertig sind) kann ich noch ein paar 'Dönikes' dazu schreiben.

Daß die 'Deutsche Bahn' im Reginonalverkehr mit den 'Privatbahnen' konkurrieren muß, ist wohl jedem klar.

Nichts für ungut
Gerhard
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#1176588 - 12.12.15 21:35 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
max saikels
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In Antwort auf: Gerhard O

Ich hätte wohl statt Bundesbahn besser 'Deutsche Bahn AG' schreiben sollen. Leider hat sich das in meinem Kopf noch nicht festgesetzt. In den Berichten meiner nächsten Reisen (irgendwann, wenn sie fertig sind) kann ich noch ein paar 'Dönikes' dazu schreiben.


"Die Bahn" reicht auch. Zum Lokführerstreik hatte ich hier paar Links zusammengestellt.

Was anderes: vor welchem verschlossenen Fabriktor bist du denn bei Darmstadt gelandet?
Ich benutze übrigens zum tourenplanen Basecamp mit openmtbmaps; das ist ziemlich zuverlässig, zumindest in Deutschland und in den Alpen.
Grüße, Stephan
Taubergießen Moselotte

Geändert von max saikels (12.12.15 21:36)
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#1176598 - 12.12.15 22:56 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: max saikels]
Gerhard O
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In Antwort auf: max saikels
Was anderes: vor welchem verschlossenen Fabriktor bist du denn bei Darmstadt gelandet?

Ich meine, es war die Kläranlage.

In Antwort auf: max saikels

Ich benutze übrigens zum tourenplanen Basecamp mit openmtbmaps; das ist ziemlich zuverlässig, zumindest in Deutschland und in den Alpen.

Ich hatte es schon im Vorwort geschrieben: Ich weiß nicht mehr, wo ich welches Hilfsmittel/Planungstool benutzt habe.
mtbmaps hat mich früher öfter auf MTB-Trials, sprich Trampelpfade, geschickt. Das nehme ich heute nur noch zum wandern (im Wandermodus!). Üblicherweise plane und fahre ich mit openfietsmap.

Gruß
Gerhard
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#1176618 - 13.12.15 07:34 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
cyclerps
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Teil 2 genau so klasse. Heute ist Sonntag und ich hab Zeit. Beide Teile ziehe ich mir nochmal rein.

PS: Auf dein Angebot bzgl. Navifragen komme ich gerne zurück.
Gruss
Markus
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#1176736 - 13.12.15 21:24 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
veloträumer
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Hallo Gerhard,
schön , dass du nochmal den Blick aufs Forumstreffen geworfen hast mit dieser Radtour. Ein ganze Reihe gelungener Bilder aus verschiedenen Landesteilen sind dabei. Interessante Erkenntnisse hast du unweit meiner Heimat gewonnen mit den Westerwäldern. zwinker Ich glaube aber eher, der moderne Westerwälder holt seine Blechkiste raus, um zum Essen zu fahren - da ist man schnell am Rhein oder im Taunus und das Gaspedal beherrschen die Westerwälder recht gut, böse auch wenn sie etwas langsam sprechen. lach So ganz blank dürfte es aber heute auch nicht mehr sein - die Gourmetstuben haben längst sämtliche Landregionen in Deutschland erreicht - sogar die schwäbische Alb. schmunzel
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1176747 - 13.12.15 22:24 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: veloträumer]
Gerhard O
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In Antwort auf: veloträumer
So ganz blank dürfte es aber heute auch nicht mehr sein

Stimmt! Weil es im Westerwald so schön ist, war in diesen Sommer noch 1 Woche mit meiner Frau dort wandern. Wir sind nicht verhungert.

Böse war nur, daß bei der Radtour der Campingplatz nichts bot und ich für eine längere Fahrradfahrt über die Hügel mit zweifelhaftem Erfolg keine Kraft (und/oder Lust) mehr hatte

In Antwort auf: veloträumer
die Gourmetstuben haben längst sämtliche Landregionen in Deutschland erreicht - sogar die schwäbische Alb. schmunzel

Es war keine Gourmetstube, aber ich habe bei meiner Albtour 2013 dort gut und preiswert gegessen!
Gruß
Gerhard
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Geändert von Gerhard O (13.12.15 22:32)
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#1176749 - 13.12.15 22:37 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
Gerhard O
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Teil 3: Vom Hochrhein an die Maas


Tag 17: Freitag, 22.5.2015
Start: Rheinfelden
Ziel: Camping de Masevaux
Strecke: ca. 86km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=fhzumjdkatoiqyzq

Der Wetterbericht hatte sonnige trockene Tage vorausgesagt und so machte ich mich auf den Rückweg nach Oberhausen. Der Plan war, in den nächsten Tagen die Mosel zu erreichen und dieser flußabwärts zu folgen. Ob bis Koblenz oder mit einer Abkürzung entlang der Saar oder einem Schlenker entlang der Maas, ließ ich noch offen. Das sollten Kondition, Lust und Wetter entscheiden.

Der Start in den Tag war entgegen der Wettervorhersage trübe.



Ich folgte dem Rheinradweg, allerdings fuhr ich in Basel durch die Vororte. In Weil am Rhein überquerte ich die Grenze nach Frankreich. Wie auf folgendem Bild zu sehen, hatte die Sonne den Nebel durchdrungen und das Land strahlte im Licht. Links sieht man die Schweiz, rechts ist das Elsaß und ich selbst stand für das Foto noch in Baden!



Ab der Grenze folgte ich dem Canal de Huninque Richtung Mulhouse.



Ab Niffer fuhr ich am Canal du Rhone au Rhin.



In Mulhouse hatte ich städtisches Gebiet zu durchfahren, denn ich wollte an die Ill und dann dem Doller bergwärts in die Vogesen folgen. Auch ein ausgeschilderter Radweg bewahrte mich nicht vor solchen Hindernissen. Mit letzter Kraft wuchtete ich das Rad hoch, ohne abpacken zu müssen.



Ab jetzt ging es immer leicht bergauf, hinein in die Vogesen. Das war aber nicht mein Hauptproblem, sondern der ständige kühle Gegenwind. In beinahe jedem Dorf machte ich eine kleine Pause. Der Wind war einfach nervig! Trotz der Kurzpausen hatte ich mein geplantes Tagesziel Guewenheim schon gegen halb drei Uhr erreicht. Der Ort wirkte trostlos und wenig anziehend. Ein Restaurant für die Abendverpflegung hatte ich auch nicht entdeckt.

Ich studierte die Karte (und die Campingplatzliste von Archie: Vielen Dank an Archie für die Mühe!) In Masevaux, nur 10km weiter und exakt auf meiner Strecke, gab es einen kommunalen Campingplatz. Diesen steuerte ich jetzt an.



Es war noch keine 16 Uhr, als ich mit dem Zeltaufbau beginnen konnte. Gegessen habe ich in der Postkutschenstation Relais de la Poste. Der Blick in die Speisekarte zeigte mir, daß ich für den Preis, den ich in Strasbourg für ein Bier bezahlt hatte, hier einen halben Liter offenen Rotwein bekomme. Frankreich fing gut an, so konnte es weiter gehen!


Tag 18: Samstag, 23.5.2015 (Pfingstsamstag)
Start: Camping de Masevaux
Ziel: Camping Les deux Ballons, SaintMaurice sur Moselle
Strecke: ca. 33km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ruebgfccimdknqxq

Frühstück brauchte ich heute nicht suchen. Meine Mutter hatte mir so viel eingepackt, daß es an nichts mangelte. Ich mußte unbedingt einen Teil davon essen. Zum einen, daß nichts schlecht wird, zum anderen, damit ich nicht alle Vorräte den Berg hochschleppen mußte. Heute galt es, den Ballon d’Alsace zu erklimmen. Auf beinahe 1200m NN quert die Straße den Vogesenkamm!

Es begann alles ganz einfach. Fast 10km bis Sewen folgte ich einem Radweg auf einer stillgelegten Eisenbahntrasse. In Sewen hatte ich die Möglichkeit, der Hauptstraße auf den Kamm zu folgen oder weiter auf einer kleinen Nebenstraße dem Flüsschen Doller zu folgen. Es war noch früh am Morgen und die Motorradfahrer offensichtlich noch nicht wach, aber ich befürchtete Schlimmstes: schließlich war Pfingstsamstag! Ich folgte der Nebenstrecke und hatte recht. Hier begegnete ich keinem einzigen Motorrad und die wenigen Autos sah ich nur im ersten Teilstück. Radfahrer habe ich hier übrigens auch keine gesehen!



Durchschnittlich lag die Steigung bei etwa 6%, aber zwischendurch stand immer wieder mal 9% auf meinem Navi. Bei meinem ersten Anstieg in den Westerwald hatte ich Steigungen dieser Art noch geschoben, jetzt war ich in der Lage, überall zu fahren. Trotzdem machte ich ca. alle 100 Höhenmeter eine Pause. Einen Wadenkrampf wollte ich nicht riskieren. (Meinen ersten Wadenkrampf bekam ich in meiner Jugend beim Schwimmen im Rhein. Das war nicht sehr spaßig und seitdem verfolgt mich die Angst.)

Langweilig wurde mir bei diesen Pausen nicht, schließlich hatte ich einen Fotoapparat dabei.



Gegen Mittag hatte ich die Haupstraße (D466) wieder erreicht. Von nun an waren die Rennradler die häufigsten Verkehrsteilnehmer! Reiseradler waren nicht dabei!



Autos und Motorräder sah ich relativ wenige, zumindest ist mir keines unangenehm aufgefallen! Dafür parkten auf der Gipfelhöhe der Passstraße diverse Oldtimer. So wie es aussah, hatten sie sich zu einem Treffen hier eingefunden.



Den Gipfel des Ballon d’Alsace habe ich gesehen, aber nicht mehr bestiegen. Dazu hätte ich das beladene Rad an der Straße stehen lassen müssen. Das habe ich mir nicht getraut!

Ab dem Col du Ballon d’Alsace geht die Straße (ab hier D465) steil bergab nach Saint-Maurice-sur-Moselle. Den deutschsprachigen Bereich habe ich jetzt endgültig verlassen. Trotz meiner wenigen Brocken französisch kam ich aber ganz gut klar, sowohl auf dem Campingplatz als auch abends im Restaurant.



Natürlich gab’s zum Essen wieder eine Karaffe Rotwein!

Der Wirt konnte etwas deutsch und wir haben uns über meine Radtour unterhalten. Er war beeindruckt, denn bisher hatte er nur Rennfahrer erlebt, die den Ballon d’Alsace überquert hatten. Daß man das auch mit Gepäck schaffen kann, hat ihn erstaunt!


Tag 19: Sonntag, 24.5.2015 (Pfingsten)
Start: Camping de Masevaux
Ziel: Camping de Masevaux
Strecke: ca. 18km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ejesmbbividqlfre

Ich hatte die Vogesen überquert! Ich war stolz auf mich. Ich gönnte mir einen Ruhetag. Andererseits war ich aber nicht so erschöpft, daß ich hätte gar nichts machen wollen. Ich wollte die Moselquelle sehen – jetzt, wo ich schon mal so nahe dran war!

Gemütlich machte ich mich fertig und radelte mit leichtem Gepäck auf dem Moselradweg (Voie Verte des Haute-Vosges) moselaufärts. Als ich die Quelle erreichte, hatte ich sie für einen Moment für mich alleine!



Die Moselquelle ist ähnlich der Donauquelle ein beliebtes Touristenziel. Man sollte nicht zu Pfingsten bei schönem Wetter hier sein!

Die letzten 25 Höhenmeter bis zum Col de Bussang hängte ich dann spaßeshalber noch dran – sozusagen ‚zur Erholung‘. In der Vorplanung hatte ich überlegt, diesen relativ leichten Weg über Bussang von Mulhouse zur Mosel zu wählen. Ich entschied mich dann aber für die Strecke über den Belchen, schließlich wollte ich noch einmal einen richtigen Berg fahren! (Das letzte mal, daß ich einen ähnlichen Berg mit dem Rad befahren hatte, war vor fast 50 Jahren. Damals fuhr ich von Rheinfelden aus mit einem 3-Gangrad auf dem Hochblauen (1165m NN) im Südschwarzwald).

Schon zur Mittagszeit war ich wieder auf dem Campingplatz. Jetzt war ‚wirkliche Erholung‘ angesagt: Lesen und ein bischen fotografieren.



Gegen Abend ergab sich noch etwas ‚Fachsimpeln‘ mit einem niederländischen Paar, welches mit dem Wohnmobil da war und die ihre Carbonräder dabei hatten.


Tag 20: Montag, 25.5.2015 (Pfingstmontag)
Start: Camping de Masevaux
Ziel: Campingplatz “Les Îles”, Charmes
Strecke: ca. 87km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=nhevdwmketklluvf

Den Campingplatz verließ ich durch den Hinterausgang und war damit direkt auf dem Moselradweg. Offiziell heißt dieses Teilstück Voie Verte des Hautes-Vosges und verläuft auf einer stillgelegten Eisenbahnstrecke. Entsprechend gut kam ich vorwärts. Hier aber mußte ich einen außerplanmäßigen Stopp einlegen.



Im ersten Moment hielt ich es für ein Wildschwein, dann flüchtete es aber vor mir und verschwand in einem Schweinestall!

In Remiremont war es vorbei mit der Herrlichkeit. Der asphaltierte Radweg war zu Ende und ich mußte auf die Straße ausweichen. Da aber wenig Verkehr herrschte, war es ein angenehmes Fahren. Aber nur bis Archettes. Dort fing es an zu regnen. Den ersten Guß konnte ich in diesem ehemaligen Waschhaus abwettern.



Nach dem Regen ging es auf kleinen Straßen weiter, immer parallel zur Mosel. Die Landschaft war durchaus sehenswert!



In Epinal regnete es wieder. Ich stellte mich mehrfach kurz unter. Hier beginnt auch der Stichkanal zum Canal des Vosges. Da, wo sich beide Kanäle treffen, gibt es eine Besonderheit: der Kanal überquert die Mosel auf einer Brücke.



Dem Canal des Vosges mit seinen vielen Schleusen folgte ich für den Rest des Tages. Entlang des Kanals hieß mein Radweg übrigens Veloroute 50 und befand sich in einem guten Ausbauzustand.



Zwischendurch hat es immer wieder geregnet. Nicht immer konnte ich mich unterstellen, so daß ich auch naß geworden bin! Bis ich den Zeltplatz erreicht hatte, war ich aber wieder trocken.

In Charmes erlebte ich mein erstes ‚Lothringisches Fiasko‘. Ich begab mich vom Campingplatz in die Stadt in der Meinung, auf überfüllte Lokale zu stoßen, denn schließlich war noch Pfingsten, und das ist auch hier ein gesetzlicher Feiertag! Das Gegenteil war der Fall. Alle Restaurants hatten geschlossen, auch die, die sonst montags geöffnet haben!

Zu essen bekam ich schließlich in einem türkischen Schnellimbiß: einen Döner! Es war das einzige Lokal, das offen war.

Nebenbei notiert: Die Toilette auf dem hiesigen Campingplatz hatte weder eine Brille noch gab es Toilettenpapier. Und so war das auch auf allen Toiletten, die ich im weiteren Verlauf dieser Reise in Frankreich und Belgien gesehen habe. Erst in Deutschland war alles wieder wie gewohnt!


Tag 21: Dienstag, 26.5.2015
Start: Campingplatz “Les Îles”, Charmes
Ziel: Camping de Villey-le-Sec
Strecke: ca. 54km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=rqxwtqcmbzfemhye

Gefrühstückt habe ich an der Rezeption des Campingplatzes. Ich bekam sogar einen großen Pott Kaffe in der Art, wie ich es von Deutschland gewohnt war. Das Wetter sollte wieder besser werden. Meine Kondition war so gut wie noch nie in diesem Jahr und gesundheitlich war auch alles bestens. Es sprach also nichts dagegen, die Radreise auf die ‚Große Runde‘ auszudehnen. Ich beschloß, die längste der vorgeplanten Strecken zu fahren. Für heute hieß das: zuerst weiter auf der Veloroute 50 (V50) und dann ein Stück Moselradweg LBM.

Nach dem Frühstück begab ich mich wieder auf den V50. Der Weg war, wie ich es vom Vortag gewohnt war, gut ausgebaut und asphaltiert. Leider nur für wenige Kilometer, dann sah es plötzlich so aus:



An der nächstmöglichen Stelle wich ich auf die Landstraße aus. Doch schon das erste Dorf ( Bainville-aux-Miroirs) ließ mich erschrecken. Es sah verlassen aus. Nur wenige Autos standen an der Straße. Selten zeigte ein Haus Anzeichen von Bewohnern.



Bei der nächsten Gelegenheit versuchte ich wieder auf den Moselradweg zu gelangen, doch die Schilder ‚Sauf Service‘ machten mir keinen Mut. Ich blieb auf der Landstraße.



Kurz vor Mittag hatte ich den LBM erreicht. Dieser Radweg sah deutlich besser aus, und so benutze ich ihn auch. Ich hätte auch auf die Straße ausweichen können, aber warum sollte man das bei einem geteerten Radweg entlang des Ufers tun? Schließlich bot die Mosel schönere Bilder als die trostlosen Dörfer.



Irgendwann bei Sexey-aux-Forges erwies sich der Weg als Falle. Ich hätte umkehren sollen.



Mit etwas Vorsicht habe ich den engen Abschnitt am Steilufer und den anschließenden Trampelpfad durch den Wald überwunden und erreichte schon am frühen Nachmittag den Zeltplatz bei Villey-le-Sec. Zum Einchecken mußte ich noch etwas warten, denn es war noch Mittagspause.

In Villey-le-Sec befindet sich eine Festungsanlage direkt am Dorf. Diese habe ich mir in der freien Zeit am Nachmittag noch angeschaut. Eine Innenbesichtigung war leider nicht möglich.



Die steile Auffahrt von der Mosel zum Dorf machte ohne Gepäck sogar richtig Spaß. Ich denke, ich muß mal versuchen, in Zukunft mit leichterer oder weniger Ausrüstung auszukommen!

Essen gab es gut und reichlich im Campingplatzrestaurant (natürlich mit Rotwein).


Tag 22: Mittwoch, 27.5.2015
Start: Camping de Villey-le-Sec
Ziel: Camping Lac-de-Madine
Strecke: ca. 54km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=hdxlbfiepgobpzzy

Still und friedlich zeigt sich die Mosel beim Aufstehen im Morgennebel.



Das nächste Zwischenziel war Toul. Hier wollte ich die Kathedrale und die Altstadt besichtigen. Da Toul an der Mosel liegt, benutzte ich für die ersten Kilometer des Tages den Weg entlang des Ufers. Der Asphalt hörte bald auf.



Die ausgebesserten Stellen zeugten davon, daß dieser Weg ‚gepflegt‘ und zumindest für Autos befahrbar gehalten wird (siehe Reifenspuren). Wo PKWs durchkommen, solle ich auch durchkommen! Und so war es.

Am Ortsrand von Toul kaufte ich noch etwas Tagesverpflegung. So konnte ich direkt neben der Kathedrale meine Frühstückspause machen.



Von Toul quer durchs Land zum Lac de Madine gab es keinerlei Radwege mehr. Ich mußte auf den D-Straßen fahren. Schnurgerade verliefen diese Straßen durchs Land, aber nicht eben. Dieses ewige Auf und Ab kann ganz schön an den Nerven zerren.



Langsam kam ich in die Kampfgebiete des 1. Weltkrieges. Daran erinnern Soldatenfriedhöfe und selbst die Kilometersteine am Straßenrand.



Schon am frühen Nachmittag war ich am Lac de Madine. Nur den Campingplatz, den ich hier erwartet hatte, fand ich nicht. In der Hochsaison scheint es hier einen Wohnmobilstellplatz zu geben. Im Moment war alles verlassen und leer. Evtl. zugehörige Gebäude waren verschlossen. Vielleicht hätte ich hier wild zelten können, aber ohne Wasser und sanitäre Einrichtungen wollte ich das nicht.

Drei Kilometer weiter nordwärts am Seeufer gab es einen Camping-Dauerstellplatz. Hier kam ich unter. Ein Restaurant gab es aber nicht. Macht nichts, dachte ich. Am Seeufer bin ich an einem Restaurant, einer Bar und einem Kiosk vorbei gekommen. Alles war geöffnet und überall war Publikum.

Gegen 18.00 Uhr, passend zur französischen Abendessenzeit, machte ich mich auf den Weg zu dem ‚Lustzentrum der leiblichen Bedürfnisse‘ am Seeufer. Ich ging die ca. 3km zu Fuß, um bedenkenlos dem Rotwein frönen zu können! Doch was sah ich, als ich ankam: das zweite ‚Lothringische Fiasko‘. Einen menschenleeren Strand und alle Lokalitäten geschlossen! Doch es kam noch schlimmer. Mein Navi kannte noch ein paar Restaurants etwas landeinwärts. Ich wanderte bis Nonsard-Lamarche und alle Lokale, die ich fand, waren geschlossen. Der Tiefpunkt war ein Restaurant mit einem Zettel an der Tür: „Nur Mittagstisch, abends geschlossen!“ (sinngemäß übersetzt)



Langsam wanderte ich wieder zu meinem Zelt. Wie gut, daß ich am Vormittag in Toul ausreichend eingekauft hatte.


Tag 23: Donnerstag, 28.5.2015
Start: Camping Lac-de-Madine
Ziel: Camping Les Breuils, Verdun
Strecke: ca. 46km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=jjmrtjtvxlbquhqc

Gemütlich machte ich mich auf den Weg, denn es war schließlich nicht sehr weit bis Verdun. Im ersten Dorf Vigneulles-les-Hattonchâtel fand ich eine Bäckerei, die auch ‚café à emporter ‘ anbot. Leider gab es dort keine Möglichkeit, das Gebäck und den Kaffee vor Ort an einem Tisch mit Stuhl zu verzehren. Also nahm ich alles mit auf den Dorfplatz und frühstückte dort.

Bei der Weiterfahrt sah ich vor mir eine Anhöhe mit ‚altem Gemäuer‘ oben drauf. Ein Blick auf die Landkarte zeigte, daß mein Weg auf diesen Berg und an dem Dorf vorbei führte.



Steil ging es hoch in das alte Hattonchâtel. Das ‚alte Gemäuer‘ entpuppte sich als eine ehemaliges Kloster, das jetzt als Dorfkirche diente.



Während ich vom Kreuzgang aus die Kirche fotografierte, kam ein Mann auf mich zu, der mich auf Französisch ansprach. Da ich ihn nicht verstand, redeten wir auf Englisch weiter, um dann festzustellen, daß wir beide Deutsche waren. Er erzählte, daß er ehemaliger Postbeamter ist und von der Post in Frühpension geschickt wurde. Hier im Dorf arbeitet er jetzt als ehrenamtlicher Küster und wohnt im ehemaligen Pfarrhaus. Er hält die Anlage in Ordnung, denn einen Pfarrer gibt es hier schon lange nicht mehr.

Er öffnete mir die Kirche, so daß ich auch Innenfotos machen konnte. Danach lud er mich zu sich nach Hause zum Kaffee ein. Da ich viel Zeit hatte, nahm ich an. Seine Frau hatte Kuchen gebacken und so hatte ich ein sehr leckeres zweites Frühstück!

Es war schon 11 Uhr durch, als ich mich wieder auf den Weg machte. Wie schon gestern fuhr ich meist auf kerzengeraden Straßen, diesmal weitgehend im Wald. Wieder ging es hoch und runter, aber die Höhenunterschiede waren größer und die Steigungen steiler. Da ich aber schon von einer Kuppe die nächste sehen konnte, nahm ich allein mit dem Schwung der Abfahrt wieder auf die halbe Höhe.



Mehrmals tauchten am Straßenrand Hinweisschilder auf zum ‚Fosse d’Alain-Fournier et ses Compagnons‘. Der Name sagte mir nichts. Andrerseits dachte ich, daß ein Mann, der so viele Wegweiser und auch noch ‚Kumpane‘ hatte, in Frankreich eine wichtige Rolle spielen mußte. Als der Wegweiser in einen Waldweg zeigte, fuhr ich ihm nach. Ich kam an verfallenen Schützengräben vorbei und stand plötzlich an dieser Gedenkstätte.



Es ist die Stelle, wo 1991 der Leichnam von Alain-Fournier und seinen Kameraden gefunden wurde. So wie ich das sehe, hat Alain-Fournier in Frankreich einen ähnlichen Stellenwert wie bei uns Gorch Fock. Immerhin ist dieser Ort für eine Klassenfahrt geeignet, denn während meiner Besichtigung traf auch eine Schulklasse hier ein. Leider sprach der Lehrer weder deutsch noch englisch und so konnte ich die Bedeutung dieser Anlage erst zu Hause genau ergründen.

Bald darauf erreichte ich Verdun. Das Erste, was ich von der Stadt sah, waren diese Festungsanlagen und die Denkmäler.



Das Zweite war ein Lidl. Den besuchte ich sofort, denn ich wollte meine Vorräte wieder auffrischen. Wer weiß, wann ich wieder aus der Packtasche leben muß? Heute war es aber nicht nötig, der Campingplatz bot alle Annehmlichkeiten einschließlich Restaurant.

Hier zeltete ich auch zum ersten mal neben anderen Reiseradlern – 2 Niederländer auf dem Weg nach Santiago de Compostela.

Als Tagesabschlußbild und zur Ablenkung von der kriegerischen Umgebung zeige ich hier noch das Campingplatzmonster –
Anklicken zum Enthüllen...
eine Marienkäferlarve.






Tag 24: Freitag, 29.5.2015
Start: Camping Les Breuils, Verdun
Ziel: Camping Municipal de Sedan
Strecke: ca. 87km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=imoyudiscwvjrxob

In Verdun hatte ich die Maas erreicht. Dieser wollte ich jetzt weiter folgen bis Belgien. Nebel lag über dem Wasser. Das ließ auf einen schönen Tag hoffen.



Ich verließ Verdun und folgte der Landstraße im Tal der Maas. Schon nach 6 km führte mich die Routenplanung auf ein kleines geteertes Sträßchen. Dies sollte eine Abkürzung sein, um eine Schleife der Maß abzuschneiden. Wieso der Routenplaner auf die Idee gekommen war, daß diese Abkürzung radtauglich ist, weiß ich nicht. Schon nach wenigen 100 Metern ging es steil bergauf und der Weg wurde weich und matschig! Ich kehrte um und folgte weiter der Straße.

Nach einigen Kilometern erreichte ich das Dorf Marre. Bisher hatte ich noch keinen Bäcker gesehen und hier gab es auch keinen. Zudem fing es an zu regnen. Es bot sich somit eine Frühstückspause an, um den Regen abzuwettern. Ich brauchte nur ein trockenes Plätzchen. Dieses fand ich dann, wenn schon nicht in einer Bäckerei so doch unter dem Torbogen der Dorfkirche. Die Verpflegung mußte wieder einmal aus meiner Packtasche kommen. Woher kommt bloß der Ausspruch: ‚Leben wie Gott in Frankreich‘? In Lothringen ist er vermutlich nie gewesen.



Der erste Weltkrieg hat diese Gegend so geprägt und auch verändert, daß man alle paar Kilometer an irgendeinen Soldatenfriedhof oder einer Gedenkstätte vorbei kommt. Kriegstourismus scheint hier ein großer Wirtschaftsfaktor zu sein!



Soweit ich weiß, ist von den damaligen Generälen und Befehlshabern nie einer vor ein Kriegsverbrechertribunal zitiert worden. Schließlich haben diese Leute, auf deutscher wie auf französischer Seite, hunderttausende von Soldaten bewußt in den Tod geschickt!

Dem Wetter war das aber egal. Es regnete mal wieder und wiederum hat mich der Torbogen einer Dorfkirche vor dem Regenguß gerettet. Somit hat diese Kirche auch Erinnerungswert und hat hier ein Foto verdient.



Das Land hier ist bäuerlich geprägt. Kunst ist vermutlich nicht das, wonach den Leuten der Kopf steht. Umso mehr erfreue ich mich an Kleinkunst am Wegesrand.



Und wenn wir schon von Kultur reden – auch die Römer haben Ruinen hinterlassen. Bei Moulins-Saint-Hubert wurden Reste eines gallorömischen Heiligtums der Flavier ausgegraben.



Auch das Mittelalter zeigt noch seine alten Gebäude. Zu sehen ist hier das Stadttor von Mouzon, aber auch die Abteikirche ist sehenswert (siehe auch die Bildergalerie).



Meine Fahrt entlang der Maas führte zwar durch das Tal, aber niemals direkt am Fluß. Die Straße schlängelte sich wie schon die letzten Tage die Hügel hoch und runter. Nach einer heftigen Steigung bei Petit Remilly hat die Verwaltung an die Radfahrer gedacht und einen Rastplatz errichtet – ‚nur für Radfahrer‘. Autos ist durch dicke Baumstämme die Zufahrt verwehrt!



In Sedan kampierte ich auf dem kommunalen Zeltplatz – billig, aber auch einfach. Primitive Duschen (Warmwasser im Preis!), Toiletten ohne Brille und natürlich ohne Papier. Der Platz liegt zentral in der Stadt. So bietet sich der abendliche Rundgang in das Zentrum geradezu an.

Auch hier darf das Kriegerdenkmal nicht fehlen. Das bedeutendste kriegerische Ereignis dürfte hier die Gefangenname des französischen Kaiser Napoleon III im Deutsch-Französischen Krieg 1870 gewesen sein.



Der Weg zurück zum Campingplatz fand wie schon öfter im Regen statt.



Tag 25: Samstag, 30.5.2015
Start: Camping Municipal de Sedan
Ziel: Camping Infuso Philippe, Rancennes
Strecke: ca. 104km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=qgsxgcmhtrfwowfb

Der erste Weg führte mich wie meist zum Bäcker. Den hoffte ich bei Le Clerc zu finden, aber hier war noch alles zu. Kurz drauf war ich bei Lidl, aber auch hier war ich noch zu früh. Dafür fand ich etwas später eine Bäckerei am Straßenrand, sogar mit Tischen und Stühlen. Kaffee und Sandwich mit Schinken und Käse gab es auch. Der Regen hatte in der Nacht aufgehört, die Sonne kam raus. Ein gelungener Start in den Morgen.

Laut Planung soll es hier (schon ab Verdun) demnächst die Veloroute 54 geben. Ich nehme an, daß sie auf diesem Schienstrang verlaufen soll, wovon aber, nach dem was ich gesehen habe, nur noch dieses Stückchen mit der alten E-Lok existent ist.



Ich fuhr also wie seit Tagen auf kleinen Straßen. Erst in Charleville-Mézières traf ich auf einen befahrbaren Weg neben der Maas.



Ab hier war die Veloroute 54 ausgebaut und geteert. Schon der Küster in Hattonchâtel hatte von diesem Weg geschwärmt. Er erzählte, daß der Weg gut gemacht wäre, aber links und rechts davon versperren Büsche und Bäume die Aussicht. Leider hatte er Recht. Die schöne Landschaft mit Fluß und Ardennen ist meist nur durch das Geäst zu erspähen. Hin und wieder ist der Bick auf die Landschaft aber frei.



Das war die Maas, die ich sehen wollte! Trotz des Bewuchses am Wegesrand ergab sich immer wieder mal ein gutes Motiv.

Besonderes Glück hatte ich zwischen Momthermé und Deville: ich fand Walderbeeren.



Eine Beerenpause war jetzt unumgänglich.

In Revin hat man für die Schiffahrt einen Tunnel gebaut. Die Radfahrer hat man dabei nicht vergessen! Die Beleuchtung ist allerdings sehr sparsam. (Ich will aber nicht meckern. In Deutschland bin ich schon in mehreren Tunneln ganz ohne Beleuchtung gefahren. Und dort konnte ich das ‚Licht am Ende des Tunnels‘ nicht schon am Eingang sehen.)



Eigentlich sollte die Tagesetappe in Revin zu Ende sein, es war aber noch früher Nachmittag. Dieser Teil der Maas ist touristisch gut erschlossen. Es gibt in beinahe jedem Ort einen Campingplatz. Ich beschloß, so lange zu fahren wie die Zeit es erlaubt.

In Fumay gibt es wieder eine große Flußschleife, aber diesmal keinen Tunnel. Der Radweg führt um die Stadt herum am Wasser entlang, ich nutzte jedoch die Abkürzung über eine Anhöhe durch die Stadt.



Etwas weiter flußabwärts bei Chooz steht ein Atomkraftwerk. In diesem Zusammenhang ist hier aus wenigen Häusern ein komplett neues Dorf im alten Stil entstanden. Auf dem Marktplatz steht eine Statue von Georges Saulterre. Inwieweit hier ein Bezug zum Dorf oder der Umgebung besteht, konnte ich nicht ergründen.



Kurz vor Givet befindet sich der letzte Campingplatz an der Maas in Frankreich. Hier kehrte ich ein. Der Campingplatz hatte keine Rezeption, aber nette Dauercamper brachten mich sofort zum Platzwart – und schon war ich eingecheckt. Toiletten und Duschen waren ok und ein Restaurant erwartete ich in Givet.

Zu einem Fußweg in das ca. 2km entfernte Givet hatte ich keine Lust, ich nahm abends das Rad. Damit ließ sich das Städtchen auch leichter erkunden. Erfolgreich war ich aber nicht. Bei einem Hotelrestaurant fing die Speisekarte bei ca. 35 € an. Das war mir zu teuer. Ein Italiener ließ mich gar nicht erst ein. Er meinte, er wäre voll! Ein arabisches Restaurant hatte eine Speisekarte, die mir nicht zusagte. Außerdem drang der Lärm von innen bis vor die Tür. Da wollte ich nicht. Blieb noch eine Imbißbude. Hier hatte sich eine Schlange von mehr als zehn Leuten gebildet, die gar nicht kleiner werden wollte. Da wollte ich mich nicht anstellen. Schließlich hatte ich noch genügend Vorräte in der Packtasche. Das war heute mein Abendesen.



Bei dem Rundgang durch den Ort hatte ich auch nach eine Frühstücksmöglichkeit für den nächsten Tag geschaut, aber nichts entdeckt.


Fortsetzung folgt
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#1176764 - 14.12.15 06:10 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
cyclerps
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Super! bravo
Gruss
Markus
Forza Victoria !
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#1176770 - 14.12.15 07:44 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
Mütze
Moderator Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 1548
Toller Bericht - und Du bist ja ganz in meiner Nähe durchgekommen.
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Schotter gehört in meinen Geldbeutel, nicht auf den Radweg. Grüßchen, Ruth http://missesvelominiservice.jimdo.com
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#1176808 - 14.12.15 13:33 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
veloträumer
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Beiträge: 12931
Gerhard, du hast deinen Ruhetag etwas seltsam am falschen Ort verbracht oder du bis geflogen. ;zwinnker: Ich glaube du hast bei deinen Angaben Masevaux und St-Maurice verwechselt bzw. ungünstig kopiert.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1176818 - 14.12.15 14:25 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: veloträumer]
Gerhard O
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Hallo Matthias,
In Antwort auf: veloträumer
Gerhard, du hast deinen Ruhetag etwas seltsam am falschen Ort verbracht oder du bis geflogen. ;zwinnker: Ich glaube du hast bei deinen Angaben Masevaux und St-Maurice verwechselt bzw. ungünstig kopiert.

Du hast ja so recht! Am Tag 19 muß es bei Start und Ziel:
Camping Les deux Ballons, SaintMaurice sur Moselle
heißen.

Es freut mich natürlich, wenn meine Leser die Reise so genau mitverfolgen. Es ist aber noch ein zweiter 'Kontrollfehler' eingebaut, den bisher niemand gesehen (???) hat.

Am Tag 20 muß es bei Start ebenfalls Camping Les deux Ballons, SaintMaurice sur Moselle heißen.

Man sieht: 'paste and copy' ist nicht immer fehlerfrei. Selbst mehrfaches Korrekturlesen hat mir hier nicht geholfen.

Asche auf mein Haupt und weiter mit der lustigen Fehlersuche. Es kommt noch eine Folge.
Gerhard
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#1176824 - 14.12.15 14:39 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
Juergen
Moderator
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In Antwort auf: Gerhard O
Erst in Charleville-Mézières traf ich auf einen befahrbaren Weg neben der Maas.
Och, zwischen Sedan und Charleville hättest Du durchaus an der Maas bleiben können. grins Klick-1 100 Meter weiter Klick-2 .

In Antwort auf: Gerhard O
Nicht wegen dieses Bogens hier
Als Bollwerk stehe ich vor Dir
Mein lieber Freund der Sach zu nützen
Muß ich von hier den Giebel stützen
1901

Angehende Architekten, Bauingenieure und andere Statiker können sich jetzt den Verlauf der Kraftlinien überlegen!
Frag dich mal, wie beim gotischen Gesims das Wasser abgeleitet wird. unschuldig grins

Ich hab deinen Track mal üüber meine Sommereise gelegt und freu mich auf Bastogne-Linnich

Lieben Gruß
der Geldeintreiber mit Prokura schmunzel
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1176856 - 14.12.15 16:56 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Juergen]
Gerhard O
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Beiträge: 149
In Antwort auf: Juergen
In Antwort auf: Gerhard O
Erst in Charleville-Mézières traf ich auf einen befahrbaren Weg neben der Maas.
Och, zwischen Sedan und Charleville hättest Du durchaus an der Maas bleiben können. grins Klick-1 100 Meter weiter Klick-2

An deinen Bildern sehe ich, daß mein Navi mich richtig beraten hat schmunzel

Gruß
Gerhard
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#1176899 - 14.12.15 21:09 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
veloeler
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 492
Hallo Gerhard

Schöner Bericht! bravo

In Antwort auf: Gerhard O
Tag 11: Camping Gifizsee, Straßburg, Camping Gifizsee, Offenburg
Danke für die schöne Erinnerung. Beim hineinzoomen habe ich festgestellt, dass dein GPS schöner "rundet" zwinker

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung
Reiseblog: 2016 Nordamerika, 2015 Neuseeland & Australien, 2014 Dubai->Schweiz, 2013 Schweiz->Nordkap->Schweiz
Karte
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#1176900 - 14.12.15 21:13 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
natash
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 5142
Hallo Gerhard,

Dank Dir fürs Bildle- ich komme da gar bnicht mehr oft lang, weil ich nubn ein Stückle weiter südöstlich wohne schmunzel.
Die Rheinstrecke halte ich ja so ziemlich für das häßlichste, was die Region zu bieten hat, aber wenns schnell gehen soll, bliebe alternativ nur der Rheintalradweg (den Du ja bereits kennst).
Ich würde jedoch dennoch jedem empfehlen Karlsruhe östlich zu umfahren (Durlach-Ettlingen-Malsch-Muggensturm usw.
Ansonsten- bislang schöne Tour. In Maseveaux habe ich in diesem Jahr auch mal wieder übernachtet und bin von da (klar!) auch auf den Ballon hochgefahren. Das war jedoch im Herbst und es war alles in allem eine recht einsame Angelegenheit.
Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf Deiner Tour.


Gruß

Nat
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#1177005 - 15.12.15 13:52 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
Gerhard O
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Teil 4: Von der Maas an die Ruhr


Tag 26: Sonntag, 31.5.2015
Start: Camping Infuso Philippe, Rancennes
Ziel: Camping de la Lesse, Houyet
Strecke: ca. 52km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=auvezyethkgqaylh

Kurz nach acht war ich unterwegs. Auf der anderen Maasseite lag die französische Grenzfestung ‚Fort de Charlemont‘.



Unterhalb davon liegt Givet, der letzte Ort in Frankreich. Hier hoffte ich noch eine Frühstücksmöglichkeit zu finden. Erfahrungsgemäß gibt es selbst im kleinsten französischen Ort einen Laden, in dem man Brot kaufen kann. Diesen suchte ich jetzt hier. Kein Mensch kam mir mit einem Baguette unterm Arm entgegen. Überhaupt war kein Mensch auf der Straße, den man hätte fragen können. Dann erblickte ich ein Plakat: ‚Intermarché – Sonntagvormittag geöffnet‘. Hier müßte ich alles bekommen, was mein Magen begehrt. Ich bog also ab zum Supermarkt. Doch welch ein Reinfall! Der Sonntagvormittag beginnt für Intermarché erst um elf Uhr. Ich hatte noch Gebäck in der Packtasche, aber das wollte ich nur im Notfall anbrechen.

Da mein Hunger noch nicht unerträglich war, fuhr ich weiter. Dinant ist nicht mehr sehr weit und ein Touristenmagnet. Hier gibt es mit Sicherheit was. Ganz so schnell war ich dann doch nicht in Dinant, denn ich mußte mehrfach die Maas queren. Zum Teil geschah das auf den Fußstegen der Schleusenkammern. Verfahren habe ich mich dabei auch noch. Aber um 11 Uhr kam der Felsen von Dinant, das Wahrzeichen der Stadt, in Sicht.



Von der anderen Seite des Felsens habe ich natürlich auch noch ein Bild gemacht. Auf dieser Straße mußte ich zum Glück nicht fahren, es gab einen Radweg (Ravel 2) am Ufer.



Nun begann die Suche nach einer Einkehrmöglichkeit. Aber auch in Belgien war Sonntag! Am Vormittag hat hier noch niemand auf. Die Imbisse hatten noch zu und die Restaurants begannen, ihre Außenbereiche aufzubauen. Zu essen bekam ich nichts.

Jetzt war der Notfall. Ich öffnete meine Packtasche. Gut, daß ich vorgesorgt hatte. Es gibt in Mitteleuropa mehr kulinarische Notstandsgebiete als man denkt!

Die Zitadelle schaute ich mir nicht an, die Steigung war mir zu steil und die Seilbahn fuhr noch nicht. Ob sie auch Fahrräder mitnimmt?



Kurz hinter der Zitadelle bog ich ab ins Tal der Leffe. Ab jetzt begannen wieder die Berge, aber ich wollte es so: mitten durch die Ardennen. Ziel war Luxemburg und der Vennbahnradweg, natürlich nicht mehr heute.



Noch war die Steigung moderat, aber als ich die Leffe verließ, um ins Tal der Lesse zu wechseln, wurde es mehrmals anstrengend!

Es fing gerade wieder an zu regnen, als ich in Foy-Notre-Dame vor einem Restaurant stand. Dem Regen vom Lokal aus zuzuschauen, fand ich keine schlechte Idee. Also ging ich rein. Hier hätte ich ein überteuertes Menü essen können oder in der Bar eines der Vesper, die auf einer Schiefertafel angepriesen wurden.

Ich entschied mich für ein ‚Planche ardennais avec fromage de region‘ oder so ähnlich und was immer das ist. Bei der Bestellung hielt ich es für einen Käseteller. Was kam, war aber eine ausgewachsene Wurstplatte mit zusätzlichem Käse aus der Region. Dazu gab es verschiedenes schmackhaftes Brot und natürlich ein Bier. Ich war begeistert. Und das Beste war: als ich fertig war, hatte der Regen aufgehört.

Bei der Weiterfahrt stellte ich fest, daß ich wieder durch Kampfgebiete der diversen deutsch-französischen Kriege fuhr. Diesmal waren es Erinnerungen an die Ardennenoffensive vom Ende des 2. Weltkrieges bzw, der Niederschlagung derselben.



Am Nachmittag erreichte ich den Campingplatz in Houyet. Direkt an der Rezeption gab es ein Restaurant. Aus diesem Grund war ich zuversichtlich, abends hier essen zu können. Vermutlich hätte ich gleich beim Einchecken reservieren müssen, denn als ich kurz nach 18 Uhr wiederkam, hing ein Zettel an der Tür: ab 18 Uhr geschlossen. Dieser Zettel hing da definitiv nicht, als ich am Nachmittag hier war und das Lokal voller Leute war! Ein anderes Lokal gab es im Ort nicht. Die Bäckerei, an der ich vorbei gekommen war, hatte geschlossen. Außerdem war es am Regnen. Das stimmte mich nicht fröhlicher! Wie gut, daß in meiner Packtasche immer noch Vorräte waren!



Tag 27: Montag, 1.6.2015
Start: Camping de la Lesse, Houyet
Ziel: Camping de Renval, Bastogne
Strecke: ca. 78km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=fjjitsclctpiobnf

Der Regen des Vorabends hatte aufgehört. Dem Start in den Tag stand also nichts entgegen. Zuerst suchte ich die Bäckerei am Ortseingang auf, an der ich gestern Nachmittag vorbei gekommen war. Meine Vorräte in der Packtasche waren inzwischen weitgehend verbraucht! Aber welche Enttäuschung – die Tür war verschlossen. Die Infotafel mit den Öffnungszeiten erklärte die Situation: Montags geschlossen!

Mein Navi kannte noch einen Supermarkt. Als ich ihn erreicht hatte, stellte ich fest, daß er nicht mehr existierte. Ich fuhr weiter ins ‚Stadtzentrum‘ Richtung Kirche und traf auf diesem Weg eine zufällig vorbeikommende Passantin. Meine Befragung ergab: In diesem Ort gibt es nur die Bäckerei und die hat heute zu!

Eine Viertelstunde hatte ich vertrödelt und nichts erreicht. Es blieb mir nichts anderes übrig als mich auf den Weg zu machen. Immerhin begann hier ein Eisenbahntrassenradweg, der Ravel150B.



Der nächste Supermarkt auf der Strecke sollte mein Zwischenziel sein. In den Dörfern am Wegesrand gab es keine Einkaufsmöglichkeit, dafür aber immer wieder schöne Ausblicke auf die Lesse.



Erst in Rochefort gab es verschiedene Supermärkte. Schon weit vor der Stadt mußte ich den Radweg verlassen, denn im Stadtbereich verlief die ehemalige Eisenbahn kreuzungsfrei über Brücken und durch Tunnel. Das hatte mein Navi rechtzeitig erkannt und mich auf kürzesten Weg zum nächsten Supermarkt vor der Stadt geführt. Hier konnte ich meine Vorräte wieder auffüllen.

Mangels einer offenen Cafeteria oder ähnliches habe ich dann im Stadtzentrum vor der Kirche gefrühstückt.



In Jemelle war der Eisenbahnradweg zu Ende. Jetzt begann die wirkliche Durchquerung der Ardennen auf mehr oder weniger einsamen Straßen. Bereits der Anstieg nach Nassogne forderte alle meine Kraftreserven: 100 Höhenmeter mit 10% Steigung. Im Westerwald hatte ich solche Anstiege noch geschoben. Ich stellte erfreut fest, daß meine Kondition während der Tour tatsächlich zugenommen hatte. Die Gipfelhöhe des Tages hatte ich aber erst 6 km später erreicht, zum Glück nicht mehr so steil. Dafür war ich jetzt in einer komplett anderen Landschaft.



Bei dieser Ardennenquerung folgte ich dem Radweg Ravel 6. Die Strecke verlief durchweg auf Straßen, teilweise sogar Nationalstraßen. Trotzdem hatte ich sehr wenig Verkehr (und Radfahrer sah ich gar keine). Es ging nur ständig auf und ab.



Vielleicht macht diese Landschaft wehmütig. Der Glaube an überirdische Kräfte ist auf jeden Fall vorhanden. Die Grotte sah gut besucht aus mit vielerlei auf Zetteln geschriebenen Danksagungen. Die Wundertätigkeit und Heilkraft dieser Grotte ist bestimmt nicht geringer als die der Grotte in Lourdes.



Auch ich hing auf dieser Strecke immer wieder meinen Gedanken nach. Was bleibt auch übrig, wenn der Anstieg mal wieder nicht enden will und die Landschaft auch keine Abwechslung zeigt. Jede Änderung am Wegesrand erregt die Aufmerksamkeit. Kreuze und Blumen neben der Straße habe ich schon oft gesehen, aber kein Kreuz, das explizit auf den Tod eines Radfahrers hinweist.



Zu Hause habe ich recherchiert und gefunden, daß hier ein niederländischer Hobbyradfahrer an Herzversagen gestorben ist. Dieses Kreuz wurde von seinen Freunden an seinem Sterbeort aufgestellt!

Jeder traurige Gedanke muß mal zu Ende sein. Genauso geht es meinem Radweg Ravel 6. Er endet in Bastogne mitten im Stadtzentrum. Der Campingplatz liegt etwas abseits am Stadtrand. Bastogne ist eine Stadt, die alles bietet, was ein hungriger Reiseradler braucht. Ich machte mich wieder zu Fuß auf ins Zentrum. Den Spaziergang zurück ins Zelt empfinde ich immer als entspannend und einen schönen Tagesabschluß.





Tag 28: Dienstag, 2.6.2015
Start: Camping de Renval, Bastogne
Ziel: Camping Wiesenbach, St. Vith
Strecke: ca. 62km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=kmrcormiypsodjrd

Morgens hatte es noch geregnet, so daß ich die Wartezeit mit einem Frühstück im Zelt verbrachte. In der Nachbarschaft zeltete ein Niederländer, mit dem ich mich kurz unterhalten konnte. Er war auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Das scheint zur Zeit in den Niederlanden wohl ‚IN‘ zu sein.

Kurz nach der Abfahrt, als ich gerade die Stadtmitte erreicht hatte, regnete es noch einmal. Diese Zeit nutzte ich beim Bäcker, um die Vorräte für den Tag aufzufrischen.

In Bastogne beginnt der Ravel L163, ein Bahntrassenradweg Richtung Norden. Am anderen Ende könnte man auf den RV8 wechseln und bei St. Vith den Vennbahnradweg erreichen. Mein Wunsch war aber, den kompletten Vennbahnweg von Troisvierges bis Aachen zu fahren. Somit mußte ich den L163 an passender Stelle verlassen, um nach Luxemburg zu wechseln.

Der L163 war asphaltiert und gut zu fahren. Nur Schnecken kreuzten meinen Weg. Meine Aufmerksamkeit wurde voll gefordert, denn diese ‘schnellen Biester‘ stehen unter Naturschutz! Besonders aufgefallen sind mir diese weißen Exemplare. Sind das Albinos oder eine andere Gattung oder sind sie nur mangelernährt? Sind die weißen Schnecken vielleicht sogar besonders geschützt?

Bei all diesen Ausweichmanövern habe ich Stelle, an der ich abbiegen wollte, verpaßt! Ich bin also umgekehrt, um die Kreuzung mit der Straße nach Luxemburg zu finden. Kein Wunder, daß ich nichts gesehen hatte. Der Anblick war nicht das, was ich erwartete.



Hier war Kartenstudium gefragt. Die Navigationssoftware hatte versagt. Die ad hoc gefundene Lösung war nicht gut, aber machbar: Ein Stück weiter fahren bis zu einer passenden Stelle, das Fahrrad vorsichtig die Böschung runter schieben und auf dem Feldweg zurück zur Straße.



Jetzt wurde es wieder hügelig, aber dafür war Troisvierges und der Einstieg zur Vennbahn leicht zu finden. Dieses Schild ließ auf ein entspanntes Ende der Radtour hoffen: Keine steilen Anstiege mehr bis Aachen und zwischen Aachen und dem Ruhrgebiet gibt es auch keine Berge.



Hier war der Wunsch der Vater des Gedankens. Schon nach wenigen 100 Metern stand ich vor diesem Schild:



Schwerstarbeit war jetzt gefragt. Hinter diesem Berg sah es aber wieder gut aus. Die Landschaft lohnte für Fotstopps und die Steigungen waren gering.



Irgendwann stand ich hier. Mir schwante nichts Gutes. Ein gesperrter Tunnel.



Fledermäuse sollen geschützt werden. Dafür dürfen Radfahrer den Berg mit einer 10%-tigen Steigung überwinden.



Ihr erinnert Euch an den Start (Tag 1) meiner Radtour. Im Bergischen Land konnte man sehen, daß es mit ein bischen Wohlwollen auch radfahrerfreundlicher geht!

Die Gastronomie ist auch noch nicht auf Radtouristik eingestellt. Es gibt sie in Luxemburg einfach nicht oder der Zugang sieht so aus. Hier war ich allerdings schon wieder in Belgien.



25% Gefälle (und beim Rückweg natürlich Steigung) sind auch nicht jedermanns Sache. Besonders prekär ist die Lage aber wie in meinem Fall. An diesem Tag war der Schnellimbiß geschlossen!



Dafür ist die Landschaft abwechslungsreich und spannend, auch wenn der Streckenausbau noch nicht überall den gewünschten Endzustand erreicht hat. Von ‚familienfreundlich‘ kann meiner Meinung nach im luxemburgischen Teil des Vennbahnradweges keine Rede sein!



Immer wieder mal sind Ausblicke in das Moor möglich. Um aber einen tieferen Einblick zu gewinnen, sollte man im Hohen Venn wandern (am besten in der Gegend um Baraque Michel)



Der Camping Wiesenbach liegt direkt neben dem Vennbahnradweg am Ortseingang von St. Vith. Ich freute mich schon auf das Restaurant. Leider war es wegen Renovierung geschlossen. Der Spaziergang durch die Stadt war aber auch ganz nett und satt geworden bin ich auch.




Tag 29: Mittwoch, 3.6.2015
Start: Camping Wiesenbach, St. Vith
Ziel: Platz für Camping, Aachen
Strecke: ca. 91km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ggbtciuocqynjewd

Morgens hatte es wieder geregnet. Es bot sich daher an, im Zelt zu frühstücken, die Vorräte zu verbrauchen und das Ende des Regengusses abzuwarten.

Ab hier war ich wirklich auf einer ehemaligen Bahntrasse. Keine nennenswerte Steigung mehr über 2% bis Aachen. Geteert ist der Weg aber nicht überall.



Immer wieder gab es Ausblicke ins Venn. Auch Reste der alten Eisenbahnlinie sind an einigen Stellen erhalten geblieben. Manchmal hat man allerdings den Eindruck, daß die Strecke als Schrottplatz genutzt wird. Gerade in Belgien haben die Erinnerungsstücke keinen ‚musealen Charakter‘.



Die Rur entspringt auch in dieser Gegend. Dieses Bild zeigt die kleine Rur kurz vor dem Zusammenfluß mit der ‚richtigen‘ Rur.



Bei Raeren hat man die Bahnschilder stehen lassen, um den Eindruck, daß man sich auf einer Eisenbahntrasse befindet, zu verstärken. Das finde ich eine schöne Idee, auf anderen Bahnradwegen sieht man heute nichts mehr vom historischen Vorläufer.



Die abgestellten Wagen und Lokomotiven sehen allerdings ungepflegt aus.



Der Vennbahnweg zwischen Aachen und St. Vith war gut besucht. Radfahrer mit und ohne Gepäck waren unterwegs. Große Ausflugsgruppen auf Pedelecs sind mir begegnet. Der Weg ist gut angenommen, nur die touristische Infrastruktur fehlt weitgehend. In Roetgen fand ich dann doch einen Bahnhof, der als Biergarten ausgebaut war. Das nutzte ich zu einer Pause, denn es war der erste Biergarten seit Wochen. Ich war der Meinung, daß ich wieder in Deutschland bin, denn ein Lokal dieser Art hatte ich in Frankreich, Belgien und Luxemburg bisher nicht gesehen. Ein Schild an der Bahntrasse klärte mich dann auf. Roetgen liegt zwar in Deutschland, der Vennbahnradweg und der ehemalige Bahnhof gehören aber zu Belgien - ein Konstrukt aus den Folgen des 1. und 2. Weltkriegs.

Den Zeltplatz in Aachen hatte ich schon kurz nach 16 Uhr erreicht. Als erstes versuchte ich die Rezeption zu finden. Ein Camper im Wohnmobil erklärte mir dann, daß es keine gibt und zeigte mir die Zeltwiese. Irgendwann am Abend kam ein Bediensteter vorbei und kassierte pro Zelt 10€. Die Größe des Zeltes und die Anzahl der Personen, ob mit Auto oder Fahrrad, war ihm egal. Am Rand der Wiese stand ein Baustellenverteiler. Hier konnte jeder Camper ohne Extrakosten Strom entnehmen. Es waren Radtouristen mit Pedelecs da, die hier ihre Akkus aufluden! Duschen konnte man, indem man 1€ in den Münzautomat warf.

Irgendeine Art von Restauration gab es auf dem Campingplatz nicht. Ich fand in der Nähe in den Wohnbereichen eine Gaststätte.

Mit einem englischen Reiseradler saß ich abends noch zusammen und wir haben seine weitere Reise optimiert. Er war total verwirrt, bis sich herausstellte, daß er die Ruhr (mit h) mit der Rur (ohne h) verwechselt hatte. Nach der Aufklärung dieses Mißverständnisses saßen wir noch eine Weile zusammen, bis sein mitgebrachter Weißwein alle war.



Tag 30: Donnerstag, 4.6.2015
Start: Platz für Camping, Aachen
Ziel: Oberhausen
Strecke: ca. 115km
Track : http://www.gpsies.com/map.do?fileId=jqxigmbukyxedszp

Am Eingang des Zeltplatzes stand eine kleine Hütte. Daran war ein Schild befestigt:‘ab 8.30Uhr frische Brötchen und Kaffee‘

Pünktlich war ich zur Stelle, um eine Tasse Kaffee zu erstehen. Die Reaktion der Verkäuferin hat mich verblüfft: Ich habe heute keinen Kaffee! Ohne Kaffee wollte ich auch keine Brötchen! Hinter mir wartete ein Holländer, der nur Kaffee wollte und jetzt ebenfalls verärgert war. Wir haben unseren Unmut lautstark verkündet. Anschließend ging er zum Sanitärtrakt und ich zum Zelt.

Ich war beim Zelt abbauen, als der Niederländer mit 2 Bechern Kaffee kam und mir einen davon in die Hand drückte. Auf meine erstaunte Frage, wo der Kaffee denn so plötzlich herkäme, meinte er: „Eine Dame in einem Wohnmobil hat unsere Misere mitbekommen und Mitleid gehabt. Da hat sie aus ihrer Küche mal eben 2 Kaffee ausgegeben!“

Ich hatte noch Kekse in der Packtasche und wir saßen bis 10 Uhr zusammen. Es war 10.20Uhr, bis ich wegkam.

Ich war nicht das erste mal in Aachen, aber wenn man schon mal hier ist, muß man am Dom



und am Rathaus vorbeischauen.



Bis ich Aachen endgültig verlassen hatte, war es halb zwölf Uhr. Inzwischen war es warm geworden und so konnte ich eine halbe Stunde später in Alsdorf einem Eis nicht wiederstehen. Da Eis und Kekse aber als Grundlage für einen langen Radtag nicht reichen, blieb ich schon eine Stunde später in Baal beim Grillkönig hängen. Ich bestellte Gulasch mit Nudeln und Salat und bekam als Nachtisch noch Joghurt mit Obst. Ich muß sehr hungrig ausgesehen haben, denn die Portion war riesig!



In Erkelenz wollte ich mir die Altstadt anschauen und geriet mitten in eine Straßenkirmes. Es ist etwas nervig, mit dem bepackten Rad durch die Menschenmenge zu schieben, aber heute war mir alles egal. Ich hatte Zeit und wollte den letzten Tag genießen.

Gegen 18 Uhr war ich in Krefeld. Es war immer noch heiß und ich kehrte in einem Biergarten ein. Ich wurde sofort von einigen Leuten angesprochen, denn Reiseradler sind in der Innenstadt von Krefeld selten. Da das Lokal voll war, setzte ich mich zu ihnen an den Tisch und wir plauderten über das Radfahren im Allgemeinen und diese Radreise im Besonderen. Eine der Damen bemerkte, wie es denn sein könne, daß ich nach 4 Wochen Radreise im Zelt noch ein sauberes Hemd anhabe! Damit kamen wir auf das Thema ‚Wäsche waschen unterwegs‘. Für Leute, die niemals mehr als einen Nachmittagsausflug mit dem Fahrrad machen, ist das ein sehr interessanter Aspekt.

Von jetzt ab war ich wieder in heimatlichen Gefilden. Von Aachen bis hier war ich fast nur auf Straßen unterwegs, ab Ürdingen begab ich mich wieder auf die mir bekannten autofreien Wege.



Wie schon öfter kam ich an der alten Dorfkirche in Friemersheim vorbei. Die Kirche wurde 1147 erstmalig erwähnt. Wir haben hier einen Forumista, der meines Wissens in dieser Kirche ‚Schlüsselgewalt‘ hat. Vielleicht liest er hier mit und ist Willens und in der Lage, eine allgemeine Führung anzubieten. schmunzel

Gegen 21.00 Uhr hatte ich die Ruhr erreicht. Der Kreis war geschlossen.



Eine viertel Stunde später war ich zu Hause.

Schlußbemerkung:

Ich beteuere hiermit, diese Radtour komplett ohne motorische Hilfe gemacht zu haben. Es wurde nur meine Muskelkraft eingesetzt, keine Bahn, kein Schiff, keine Fähre, kein Flugzeug, kein Bus und auch kein Pedelec! schmunzel

Noch eine Schlußbemerkung:

Viel Spaß beim Lesen!
Gerhard
___
lieber ein gemeiner Berg als ein hinterhältiger Wind
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#1177006 - 15.12.15 13:52 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
heckte
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Beiträge: 120
Schöne Tour und toller Reisebericht!
Mal ein Danke dafür....

Aber am besten fand ich ja, das mal jemand durch mein Heimatdorf geradelt ist: Mittelhof!

Ach ja, essen (im Restaurant) kann man im Westerwald auch, man muss nur wissen wo.

Gruß
Martin
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#1177014 - 15.12.15 14:32 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
Juergen
Moderator
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Beiträge: 6428
Dankeschön! bravo
....... und wenn Du nochmal die Vennbahn fährst, kannst Du dir die fiesen Anstiege in Troisvierges und am Fledermaustunnel sparen, wenn Du von Bastogne bis Limerlé fährst und dort über Huldange zur Vennbahn. Du bleibst auf der Höhe und kannst dich in der Brasserie überm Tunnel prima satt essen. grins

LG
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1177024 - 15.12.15 15:17 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
Keine Ahnung
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 6533
Danke für den Bericht - das Lesen solcher Beiträge hilft die Zeit bis zur eigenen Tour besser zu überbrücken zwinker
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1177026 - 15.12.15 15:29 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
cyclerps
Mitglied
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Beiträge: 1908
Also Gerhard die Pirmasenser zollen Dir allen Respekt. Hättest Du uns in Offenburg erzählt was Du vor hast hätte es ein Bier und ein Korn gebraucht um es zu glauben.
Klasse Tour, klasse Bericht!!! Vielen Dank dafür.

PS: Sind eigentlich immer so gut wie alle Läden zu wenn Du kommst???
Gruss
Markus
Forza Victoria !

Geändert von cyclerps (15.12.15 15:29)
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#1177030 - 15.12.15 15:40 Re: Ruhr-Rhein-Mosel-Maas-Ruhr [Re: Gerhard O]
Margit
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 3767
In Antwort auf: Gerhard O
Schlußbemerkung:

Ich beteuere hiermit, diese Radtour komplett ohne motorische Hilfe gemacht zu haben. Es wurde nur meine Muskelkraft eingesetzt, keine Bahn, kein Schiff, keine Fähre, kein Flugzeug, kein Bus und auch kein Pedelec! schmunzel
Hallo Gerhard,

vielen Dank für deinen schönen Bericht - und schon wieder habe ich eine Wochentour für 2016 im Kasten. War ja ganz leicht mit deinen gpx-tracks zwinker Ich beteuere, dass ich die Radtour komplett mit dem Pedelec in einer sonnigen Woche machen werde. bier
Viele Grüße
Margit
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