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#1081752 - 17.11.14 12:26 Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien)
Tom72
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 403
Dauer:24 Tage
Zeitraum:20.9.2012 bis 13.10.2012
Entfernung:1450 Kilometer
Bereiste Länder:frFrankreich
esSpanien



Prolog

Bereits auf mehreren Touren hatte ich Frankreich und Spanien als für mich optimale Radreiseländer kennengelernt. Diesmal sollte es wieder eine Kombination aus Frankreich und Spanien sein. Ich hatte einschließlich An- und Abreise 24 Tage zur Verfügung. Als Startpunkt entschied ich mich für Lyon, vor allem aufgrund seiner guten Erreichbarkeit mit dem Zug (dank der damals neuen TGV-Direktverbindung Frankfurt-Lyon-Marseille, die ich im Frühjahr bereits für die Anreise zu einer Südfrankreich-Radtour genutzt hatte).

Ohne im Vorfeld allzu detailliert zu planen, sollte es dann Richtung Westen gehen, durch die Auvergne, entlang der Dordogne, ab Bordeaux entlang der Côte d’Argent bis zur spanischen Grenze (von der französischen Westküste kannte ich bereits den Teil zwischen Bretagne und Bordeaux und wusste, dass es auch im südlichen Abschnitt durchgehend Radwege abseits der Straßen gibt) und dann entlang der spanischen Nordküste.

Ein festes Ziel bzw. Endpunkt hatte ich nicht, ich wollte sehen, wie weit ich in der zur Verfügung stehenden Zeit kommen würde. Vielleicht bis Santander? Oder gar bis in die Picos de Europa, das höchste und landschaftlich spektakulärste Teilmassiv der kantabrischen Kordilliere, auf das ich durch Berichte hier im Forum aufmerksam geworden bin? Es war auch deswegen insofern keine feste Planung nötig, als es entlang der gesamten spanischen Nordküste eine landschaftlich sehr reizvolle Schmalspur-Bahnstrecke gibt und die Züge der Betreiber FEVE und Euskotren unkompliziert Fahrräder mitnehmen. So würde ich problemlos von dem Punkt, den ich an Tag 21 erreichen würde, nach Hendaye an der spanisch-französischen Grenze zurückkommen, von wo aus es mit TGV und ICE und einem Übernachtungsstop bei meinen Eltern in Stuttgart zurück nach Dresden gehen sollte.

Nun, ich habe es letzlich immerhin bis Kantabrien geschafft, bis ca. 40 km vor Santander, die Picos de Europa habe ich nicht erreicht – das war ohnehin ein sehr ambitioniertes Ziel. Weiter Richtung Westen habe ich die Küste dann im folgenden Jahr beradelt und habe die Picos de Europa dann auch mit Rad und Wanderschuhen erkundet. Aber das bleibt einem weiteren Reisebericht vorbehalten.

Radreiseerfahrungen in Frankreich und Spanien hatte ich bisher von sieben Touren: Freiburg-Marseille, Loire-Radweg und Bretagne, St-Nazaire-Barcelona, Paris-Barcelona, Südfrankreich von Menton nach Katalonien, Spanischer Jakobsweg und Andalusien .

Übernachten wollte ich möglichst oft auf Zeltplätzen, von denen es in Frankreich reichlich und in Spanien zumindest in den Küstenregionen ausreichend gibt. Ansonsten eben möglichst preiswerte Hotels und Pensionen. Gebucht habe im Vorfeld nur einen Platz für die erste Nacht in der Jugendherberge in Lyon, die ich schon von einer früheren Radreise kannte. Im Übrigen habe ich wegen der Reservierungspflicht die TGV-Fahrkarten Frankfurt-Lyon und für die Rückreise von Hendaye über Paris nach Stuttgart gebucht.

Sowohl zur Planung als auch für die Navigation vor Ort habe ich Michelin-Karten im Maßstab 1:200 000 bzw. 1:150 000 verwendet, die sich sich für mich seit jeher zum Radreisen als optimal erwiesen haben. Außerdem hatte ich die Reiseführer „Südwestfrankreich“ und „Nordspanien“ aus dem Michael Müller Verlag dabei, die mir gute Dienste geleistet haben.

Da ich sowohl die französische als auch die spanische Sprache beherrsche, war die Verständigung unterwegs sichergestellt, und es bot sich so auch die Gelegenheit zu mancher interessanter Unterhaltung. Letztlich sind die Sprachkenntnisse einer der Gründe, warum die beiden Länder mir als Radreiserevier bislang noch nicht langweilig geworden sind.



1. Tag (20.09.2012), Zugfahrt Dresden-Lyon

Heute geht es zunächst mit dem ICE von Dresden nach Frankfurt und von dort mit dem TGV nach Lyon. Die im Dezember 2011 eingeführte TGV-Verbindung von Frankfurt nach Marseille verläuft nicht über Paris, was weniger von der dadurch erzielten etwas geringeren Fahrzeit, als vielmehr deswegen interessant ist, weil der, gerade mit verpacktem Rad, zwar machbare, aber sehr umständliche Umstieg in Paris von einem Bahnhof zum anderen, quer durch die Innenstadt, vermieden wird. Und verpacken muss ich das Rad, da dieser TGV mit seinen Doppelstockwagen (TGV Duplex) nicht zu den wenigen TGVs mit Fahrradmitnahme zählt, und im ICE gibt es ja generell keine Radmitnahme. Die Methode „teildemontiert und im Fahrradsack verpackt“ habe ich aber schon zahlreiche Male in deutschen und französischen Hochgeschwindigkeitszügen praktiziert, so dass es inzwischen Routine ist. Gerade in den zwischen Dresden und Frankfurt eingesetzten ICE-Zügen (ICE-T) ist genug Platz für das verpackte Rad:



Abfahrt um 20 nach 8 in Dresden, in Frankfurt Hbf habe ich eine komfortable Umsteigezeit von über einer Stunde. Um 14 Uhr fährt der tägliche TGV Richtung Marseille. In den TGV-Duplex-Zügen gibt es im Oberdeck geräumige Gepäckregale, wo mein Fahrrad-Paket liegend hineinpasst:



Die Fahrt geht über Mannheim, Karlsruhe, Straßburg, Mulhouse, Belfort-Montbéliard TGV, Besançon Franche-Comté TGV und Chalon sur Saône. Die TGV-Verbindung Frankfurt-Marseille ist zeitgleich mit der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke vom Südelsass durch die Franche-Comté (LGV Rhin-Rhône) eingerichtet worden (Ende 2011); auf diesem Streckenabschnitt erreicht der Zug ausweislich der Anzeige in den Wagen zeitweilig eine Geschwindigkeit von knapp 320 km/h. Die Bahnhöfe an der Hochgeschwindigkeitsstrecke, Belfort-Montbéliard TGV und Besançon Franche-Comté TGV, liegen, wie in Frankreich bei Neubaustrecken üblich, weit außerhalb der Städte, deren Namen sie tragen.

Die Verpflegung im französischen Bordbistro ist leider so enttäuschend, wie sie teuer ist. Aber da ich schon etliche TGV-Reisen erlebt habe, bin ich bereits daran gewöhnt.

Kurz vor 20 Uhr steige ich am Bahnhof Lyon Part-Dieu aus,





baue das Rad auf und fahre durch die Innenstadt, über die Rhône und die Saône Richtung Westen und finde aus der Erinnerung ziemlich schnell die schön am Hang oberhalb der Saône gelegene Jugendherberge, wo ich bereits einige Jahre zuvor, auf meiner ersten Frankreich-Tour (Freiburg-Marseille) übernachtet habe und zu der eine extrem steile Straße hinaufführt.

Ich habe reserviert, ich bekomme ein Bett in einem Vierbett-Zimmer. Die Jugendherberge ist gut ausgelastet. Eigentlich wollte mich ich noch ein wenig in der Stadt umsehen und dort zu Abend essen, aber da es nun schon nach neun ist und die Jugendherberge über eine Bar verfügt, die auch einfache warme Snacks anbietet, bleibe ich hier oben und genieße auf der Terrasse den grandiosen Blick über Lyon.

2. Tag (21.09.2012), Lyon - St-Etienne

Strecke: 77,5 km (einschließlich Sightseeing in Lyon)

Fahrzeit: 4 Std. 30 min


Vom Jugendherbergszimmer bietet sich ein herrlicher Blick auf Lyon.



Ich bin bei den Reisevorbereitungen nicht mehr dazu gekommen, neue Bremsklötze einzubauen, also erledige ich das auf der Terrasse der Jugendherberge hoch über der Stadt. Man sieht im Vordergrund die Saône, dann die schmale Halbinsel zwischen Saône und Rhône, auf der die Altstadt liegt, und dahinter die Rhône.







Nun geht es los. Die Jugendherberge in Lyon kann ich allein schon wegen ihrer Lage hoch über der Stadt mit dem grandiosen Ausblick sehr empfehlen.



Ich fahre ein wenig kreuz und quer durch die sehr sehenswerte und mir ja bereits bekannte Stadt, vor allem entlang der Ufer der beiden Flüsse, wo es durchgehend Radwege gibt.



In Lyon gibt es Oberleitungsbusse.



Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Fenster an der schmalen Seite dieses Hauses nicht echt, sondern kunstvoll aufgemalt sind.



Erst als ich zwei Jahre später eine weitere Radreise von Lyon starte und mir das Haus noch einmal näher ansehe, stelle ich fest, dass eine weitere, viel größere und ebenfalls fensterlose Mauer auf dieselbe Art bemalt ist und sämtliche Figuren in den gemalten Fenstern und auf den gemalten Balkonen lebende und historische Personen mit Bezug zur Stadt darstellen (Paul Bocuse, Antoine de St.-Exupéry mit seinem Kleinen Prinzen, die Gebrüder Lumière und viele mehr). Aber das ist mir, wie gesagt, erst bei meinem folgenden Lyon-Besuch aufgefallen (siehe das Bild am Ende des Prologs, das zwei Jahre darauf – dieses Jahr – entstanden ist).

Das Rathaus (Hôtel de Ville) an der Place des Terreaux



Dieser Brunnen auf der Place des Terreaux ist eine Allegorie auf die beiden Flüsse der Stadt, Rhône und Saône.





Ich fahre am Rhôneufer entlang gen Süden und schwenke somit in Richtung meiner Reiseroute.







Lyon zählt zu den zahlreichen französischen Städten, die in den letzten Jahren (in diesem Fall im Jahr 2000) die Straßenbahn wieder eingeführt haben.







Nun folge ich der Saône, weiter Richtung Süden.



Hier, südlich der Innenstadt, fließen Rhône und Saône zusammen.



Nun geht es, mit mäßigem Autoverkehr und einigen Steigungen und Gefällen, auf der D 15 südwärts entlang des westlichen Rhôneufers, teilweise mit Blick auf den Fluss, bis Givors.



Ab Givors folge ich dem Fluss Gier, einem Zufluss der Rhône, Richtung Westen, sanft ansteigend über verkehrsarme Straßen parallel zur Autobahn, nach St.-Etienne.
St.-Etienne ist eine unspektakuläre, aber hübsche Stadt. Eine Besonderheit ist das Straßenbahnnetz, das einzige, das die Stillegungswelle der Nachkriegszeit, der ansonsten alle französichen Straßenbahnsysteme außer je einer Linie in Lille und Marseille zum Opfer gefallen sind, überlebt hat. Das Revival der Straßenbahn in Frankreich begann dann Ende der 1980er Jahre, angefangen mit Nantes und Grenoble, und inzwischen hat wieder fast jede große und mittlere Stadt in Frankreich die Straßenbahn in Betrieb, im Bau oder in der Planung.





Etienne ist übrigens die französische Form von „Stephan“, und so heißen der Sraßenbahnbetreiber „Société de transports de l'agglomération stéphanoise“ und die Einwohner von St.-Etienne „les Stéphanois“.

Ich finde ein einfaches und preiswertes, zentral gelegenes Hotel und lasse den Abend in der netten Altstadt ausklingen.

3. Tag (22.09.2012), St.-Etienne - Usson-en-Forez

Strecke: 61,5 km

Fahrzeit: ca. 4 Std.


Am nächsten Morgen schaue ich mich noch ein wenig in der Stadt um. St.-Etienne liegt auf der Wasserscheide zwischen der Rhône und der Loire und somit zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantik. Ein Teil der Flussläufe, an denen die Stadt liegt, fließt in erstere, wie der Janon, der in den Gier mündet, dem ich gestern von der Rhône aus aufwärts gefolgt bin, und ein Teil fließt in letztere. Ich fahre nun westwärts, überwiegend abwärts und erreiche über die D 3 und die D 25 schließlich die Loire.



Die Loire kenne ich von verschiedenen Radtouren, weiter nördlich sowohl von Orléans bis zur Mündung (St.-Nazaire) und von Sully bis Nevers sowie weiter südlich, stromaufwärts, oberhalb von Le Puy-en-Velay.

Am anderen Loire-Ufer geht es wieder aufwärts.



Es geht, landschaftlich reizvoll, sanft hügelig weiter, die Straße ist jetzt wieder als D 3 nummeriert.



St.-Bonnet-le Château



Weiter geht es auf der D 498. Ich erreiche den ersten als solchen bezeichneten Pass der Reise.



Noch ein wenig auf und ab,



dann erreiche ich Usson-en-Forez. In dem hübschen Ort finde ich eine nicht ganz billige, aber sehr schöne Privatunterkunft (Gästezimmer, Chambre d’hôtes), nett eingerichtet mit antiken Möbeln und einem riesigen Himmelbett.



4. Tag (23.09.2012), Usson-en-Forez - Issoire

Strecke: 93 km

Fahrzeit: 4 Std. 54 min


Das Wirtsehepaar der Chambres d’Hôtes hat ein reichhaltiges Frühstück vorbereitet.



In Usson ist heute Markt, und ich decke mich mit leckeren regionalen Produkten – Wurst und Käse – für unterwegs ein.



Dann finde ich für den Weg Richtung Westen kleine, landschaftlich wunderschöne Sträßchen praktisch völlig ohne Autoverkehr (D 92, D 251, D 111).







Von der Stelle aus, wo ich auf die hinunter ins Tal des Flusses Dore (die, nach Norden fließend, in den Allier mündet, der seinerseits bei Nevers in die Loire fließt) führende D 202 treffe, habe ich einen schönen Blick ins Tal und auf Dore-l’Église.



Nun genieße ich ein paar Kilometer zügige Abfahrt. Zum Glück bin ich unten, im Ort Dore-l’Église, schon wieder etwas langsamer, denn nun landet etwas auf meiner linken Schulter, das ich sofort als eine Gottesanbeterin zu erkennen glaube, für mich die widerwärtigste Ausgeburt der (süd-)europäischen Fauna. Ich kann zwar das Viech von der Schulter scheuchen (vor lauter Ekel schaue ich nicht genau hin und kann nicht ausschließen, dass es nicht doch einfach ein Blatt gewesen ist), aber der Schreck ist mir dermaßen in die Glieder gefahren, dass ich den Lenker verreiße und stürze. Das heißt, gestürzt ist nur das Rad, ich bin aufgrund erstaunlich guter Reflexe aufrecht geblieben, komme ein paar Meter vor dem nach rechts gekippten Rad zum Stehen und habe, wie sich abends herausstellt, nur einen winzigen und nicht schmerzhaften Bluterguss auf der rechten Kniescheibe, wahrscheinlich vom Kontakt mit dem Oberrohr des kippenden Fahrrads. Ich brauche ein paar Minuten, um mich zu beruhigen (nicht wegen des glimpflich verlaufenen Sturzes, sondern um die unheimliche Begegnung seelisch zu verarbeiten), und inspiziere dann das Rad. Keine ernsthaften Schäden, nur die metallene Versteifung der Lenkertasche ist gebrochen. Zum Glück hält die Tasche die weitere Tour trotz zunehmender Verformung durch, es ist aber ihre letzte Reise.

Dore-l’Église



Unterhalb des Ortes treffe ich auf die von Norden nach Süden verlaufende Hauptstraße D 906. Die unspektakuläre Kreuzung ist mir deshalb ein Foto wert, weil ich hier auf die Route einer Radreise vom Vorjahr stoße, als ich auf dem Weg von Paris nach Barcelona (ca. 3 Wochen) auf dieser Straße von Norden (Vichy, Thiers, Olliergues, Ambert, Arlanc) weiter Richtung Süden über den Pass bei La Chaise-Dieu und weiter nach Le Puy-en Velay gefahren bin.



Ich fahre ein paar Kilometer auf dieser letztjährigen Route entgegen der damaligen Fahrtrichtung, nordwärts, bis Arlanc, und schwenke dann wieder nach Westen Richtung Issoire. Verkerhrsarm und landschaftlich wunderschön geht es zunächst aufwärts über die D 300 zur Wasserscheide, die die Dore vom Allier trennt (die aber beide zum Flusssystem der Loire gehören).









Der Col de la Dételée mit 1075 m markiert den höchsten Punkt der heutigen Etappe.



Dann geht es über die D 999 abwärts ins Tal des Allier nach Issoire.



Issoire ist ein hübsches Städtchen.



Ich finde schnell ein nettes, preiswertes Hotel und lasse den Abend mit einer Pizza ausklingen.

Fortsetzung folgt...

Geändert von Tom72 (17.11.14 12:35)
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#1081761 - 17.11.14 13:49 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
veloträumer
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Beiträge: 12858
Danke schon mal für die ersten Zeilen und Bilder. Ich bin schon gespannt, welchen Weg du eingeschlagen hast. Ein paar Wegpunkte aus mir bekannten Revieren müssten ja noch folgen. Zur JH Lyon: Gewiss schön gelegen. Mit Vierbettzimmer warst du gut bedient. Als ich da war, war sie hoffnungslos überfüllt, Zigfach-Betten-Zimmer mit allen bekannten Nebenwirkungen - eher zum Abewöhnen. Leider ist Lyon besichtigen und gleichzeitig Camping nicht wirklich machbar. Als eine der Gourmetstädte Frankreichs lag mir natürlich an einem abendlichen Restaurant-Besuch. Leider gabs auch noch Wolkenbruch. Die bemalten Häuser hatte ich ja wohl schon mal als Bilderrätsel, sind mir noch gut in Erinnerung.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1081792 - 17.11.14 17:02 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Tom72
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Themenersteller
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Beiträge: 403
5. Tag (24.09.2012), Issoire-Neussargues

Strecke: 98 km

Fahrzeit: 6 Std. 6 min


Von meinem Hotelzimmer blicke ich auf die Kirche St.-Austremoine, der größte Bau der Romanik in der Auvergne.



Ich sehe mich ein wenig in Issoire um







und überlege mir beim Frühstück in einem Straßencafé, wie es heute weitergehen soll. Für die Auvergne habe ich mir im Vorfeld keine detaillierten Gedanken gemacht, sondern nur grob überlegt, die Dordogne über le Mont-Dore und den Pass Col de la Croix Morand zu erreichen. Die Strecke über Nationalstraßen ist in der Michelin-Karte grün, also landschaftlich reizvoll, gekennzeichnet, ist aber sicher auch recht verkehrsreich. Bei der Durchsicht der zahlreichen Info-Broschüren, die ich gestern im Tourismusbüro abgegriffen habe, stelle ich nun aber fest, dass es eine als Radroute ausgewiesene Strecke etwas weiter südlich, über den Pass Col du Pas de Peyrol (Puy Mary), nach Aurillac (ca. 50 km südlich der Dordogne), über kleine, verkehrsarme Sträßchen gibt. Von dem Pass hatte ich vorher noch nie etwas gehört oder gelesen, aufgrund der Fotos in der Broschüre (die Monts du Cantal scheinen mit der schönste Teil der Auvergne zu sein) und der Höhe des Puy Mary (1588 m; dass es sogar der höchste Straßenpass im gesamten Zentralmassiv ist, lese ich erst nach der Reise) entscheide ich mich spontan für diese Route.

Also geht es anstatt direkt nach Westen erstmal Richtung Süden über die schwach befahrene D 909 durch reizvolle, hügelige Landschaft bis Lempdes-sur-Alagnon. Ich bin bereits jetzt mit der Entscheidung für diese Strecke sehr zufrieden.





In Lempdes kommen mir zwei Radreisende entgegen.



Im Ort gibt es eine historische Markthalle, wie sie für viele Dorfplätze in Frankreich typisch ist.



Ab Lempdes folgt die Routenempfehlung dem tief eingeschnittene Tal des Flusses Alagnon aufwärts Richtung Westen.











Ein wenig abseits der Route liegt das wunderschöne Städtchen Blesle, zu Recht klassifiziert als eines der „plus belles villages de France“.







So malerisch und verwunschen der Ort mit seinen historischen Gebäuden und verwinkelten Gassen wirkt, so ausgestorben ist er aber auch um die Mittagszeit, es hat nichts geöffnet, wo ich einkehren könnte. Gut, dass ich Salami und Baguette dabeihabe. Beim Picknick auf einer Bank bekomme ich Gesellschaft von einer schwarzen Katze, die sich weniger für mich, als vielmehr für die Wurst interessiert. Obwohl ich ihr schon großzügig einen Bissen abgegeben habe, schnappt sie sich frech ein weiteres Stück.



Dann ist sie offenbar satt und verzieht sich, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen.

Für mich geht es auf winzigen Sträßchen, auf denen mir so gut wie kein Auto begegnet (D 8, D 55), zunächst aufwärts aus dem Tal des Alagnon heraus und dann über eine hügelige, windige und herrlich einsame Hochebene weiter nach Westen. Landschaftlich wunderschön.












Mir begegnet fast niemand außer laut bimmelnden Kühen einer recht urtümlich wirkenden Rasse.





Der bislang höchste Punkt der Reise; ohne das Schild hätte man gar nicht gemerkt, dass es sich bei dieser unscheinbaren Hügelkuppe um einen Pass handelt.



Der Himmel ist schon seit einigen Stunden bewölkt, und nun fängt es an zu nieseln. Ich muss aber nur noch abwärts nach Allanche, wo ich vorhabe, mich einzuquartieren.
Einen Zeltplatz gibt es in Allanche nicht, aber mehrere Hotels. Wie sich herausstellt, sind diese aber merkwürdigerweise alle geschlossen. Als ich schließlich einsehe, dass ich hier nicht unterkomme, ist es bereits fast acht, und ich fahre zügig Richtung Süden, das Tal des Flusses Allanche abwärts zum nächsten größeren Ort, Neussargues, da ich einen vagen Hinweis erhalten habe, dort gebe es auch noch ein Hotel. Das sind nun 13 km in die für mich völlig falsche Richtung; ich werde morgen diese Strecke, bergauf, ganz zurück nach Allanche fahren müssen. Ich erreiche Neussargues gerade, als es dunkel wird. Am Ortseingang komme ich an einem Campingplatz vorbei. Das wäre eine noch bessere Option, hier könnte ich das erste Mal auf der Tour zelten. Ich fahre aber erstmal in den Ort, um zu schauen, ob noch ein Restaurant geöffnet hat. Ich finde eine Pizzeria, aber sie schließen bald. Also erst essen, dann Zelt aufbauen, aber vorher schnell zurück zum Zeltplatz und schauen, ob, da die Rezeption um die Uhrzeit wohl schon geschlossen ist, man überhaupt noch auf den Platz kommt und es kein geschlossenes Tor gibt. Es gibt weder eine Umzäunung, noch sehe ich eine Rezeption. Prima.

Zurück zur Pizzeria. Ich kann noch bestellen, es hätte aber nicht später sein dürfen. Jetzt kann ich endlich in Ruhe essen, und Hunger habe ich nun wirklich. Spät am Abend baue ich schließlich mein Zelt auf. Der kleine Campingplatz ist gratis, wie ich nun feststelle und mir ein Ehepaar mit Wohnmobil, die außer mir die einzigen Camper sind, bestätigt; er hat daher keine Rezeption und keine Sanitärräume und ist wohl in erster Linie für Caravans und Wohnwagen gedacht. Ich bin zufrieden, ihn entdeckt zu haben.





6. Tag (25.09.2012); Neussargues-Aurillac

Strecke: 83 km

Fahrzeit: ca. 5 Std.


Ich baue das Zelt ab; vom Campingplatz hat man einen Blick auf eine imposante Felsformation.



In der Pizzeria von gestern Abend kann man auf der Terrasse frühstücken. Nun muss ich die 13 km aufwärts zurück nach Allanche, bevor es wieder auf der eigentlichen Reiseroute weitergeht. Ab Allanche ist die Radroute Richtung Puy Mary wieder ausgeschildert.



Nun geht es steil aufwärts aus dem Tal des Flüsschens Allanche



über eine kaum befahrene Straße (D 9) westwärts, wie gestern durch eine sanft hügelige, einsame Hochebene; lange sehe ich kein Auto, keinen Menschen, nur urtümlich wirkende Kühe mit großen, lauten Glocken.





Ein weiterer, nur durch das Schild als solcher wahrnehmbarer Pass.



Bei herrlicher Aussicht picknicke ich.





Schließlich komme ich an den Beginn der Straße (D 680), die zum Puy Mary hinaufführt (genau gesagt zum Pass Col du Pas de Peyrol; der Puy Mary ist der Gipfel etwas oberhalb des Passes). Auf der Passstraße gibt es für alles, was größer ist als ein PKW, eine Einbahnregelung: Die erste Tageshälfte nur in die eine, dann nur in die andere Richtung. Muss mich zum Glück nicht kümmern.



Die Steigung bleibt zunächst recht moderat, und ich frage mich, wann es denn nun wirklich richtig bergauf geht, denn gut 500 Höhenmeter sind es noch bis zum Pass.



Ich komme durch die Orte Dienne und Lavigerie, und es geht immer noch nicht richtig aufwärts. Endlich steigt die Straße merklich an, aber immer noch komfortabel bei geschätzt ca. 5 %. Der Pas de Peyrol als höchster Straßenpass des gesamten Zentralmassivs wird regelmäßig im Rahmen der Tour de France befahren, zuletzt im Vorjahr (2011), klassifiziert als Pass der 2. Katerogie. Man sieht die von den Fans auf den Asfalt gepinselten Namen der Favoriten.





Dann sehe ich vor mir den Puy Mary; rechts unterhalb des Gipfels liegt der Pass.



Die grünen Weiden des Cantal



Es wird langsam steiler, trotzdem frage ich mich, wie die etlichen noch fehlenden Höhenmeter auf der kurzen verbleibenden Strecke bis zum Pass erreicht werden sollen. Irgendwann muss es wohl richtig steil werden…





Ein Schild kündet für die letzten 165 Höhenmeter eine verbleibende Strecke von 1,7 km und eine mittlere Steigung von 9,42 % an. Da habe ich also noch etwas Arbeit vor mir…



Es folgt eine extrem steile Serpentine mit herrlicher Aussicht, die ich bewältige, indem ich Schlangenlinie fahre, was wegen des kaum vorhandenen Autoverkehrs möglich ist.



Dann wird es auch schon wieder etwas flacher, und der Pass ist erreicht. Das kleine Gasthaus am Pass ist geöffnet. Hier finde ich Zuflucht vor dem hier oben recht starken und frischen Wind und stärke mich.





Vom Col du Pas de Peyrol hat man einen herrlichen Blick auf die umliegenden Gipfel der Monts du Cantal. Direkt oberhalb des Passes ist der Gipfel des Puy Mary; man kann ihn wandernd über einen breiten, steilen Weg (oder besser: Treppe) erreichen.



Da es sich aber bewölkt, der Wind immer stärker und kälter wird und es außerdem schon recht spät (fast halb sechs) für die verbleibenden gut 30 km bis Aurillac ist, verzichte ich auf die Gipfelbesteigung. Mir ist jetzt schon kalt, für die Abfahrt packe ich mich daher so dick wie möglich ein, einschließlich lanfingriger Winterhandschuhe und Mütze unter dem Helm.



Dann genieße ich die lange Abfahrt mit weiteren herrlichen Ausblicken in die Landschaft des Cantal.





Im nächsten Ort, Lascelle, bis zu dem ich es rollen lassen kann, kann ich einen Teil der dicken Klamotten wieder ablegen. Nun muss ich wieder treten, aber es geht bis Aurillac eben bis leicht bergab, so dass ich die letzten ca. 20 km bei langsam einsetzender Dämmerung zügig mit knapp 30 km/h abstrample.

Aurillac ist ein Städtchen ohne besondere Sehenswürdigkeiten und auch sonst ohne besonderen Reiz. In einem Bistro gönne ich mir ein Bierchen und frage den Wirt nach Unterkünften. Zeltplatz gibt es nicht, aber Hotels seien wohl im Gewerbegebiet am Stadtrand preiswerter als in der Innenstadt. Das empfohlene Hotel Campanile kommt mir, als ich es schließlich finde, mit ca. 60 (oder waren es 70?) Euro leider überhaupt nicht preiswert vor, aber egal, nun bin ich hier, es ist spät, und mit der heutigen Etappe bin ich sehr zufrieden.

7. Tag (27.09.2012), Regentag in Aurillac

Als ich aus dem Fenster schaue, regnet es leicht. Also noch ein Stündchen weiterschlafen. Der Regen hat nicht nachgelassen, ist eher stärker geworden. Im Zimmer gibt es einen Wasserkocher und Instant-Kaffe, und etwas Wurst und Schinken habe ich auch noch dabei. Nach dem Frühstück im Bett ist das Wetter auch nicht besser geworden. Also packen und erstmal Richtung Innenstadt. Der Regen wird mir zu stark, also nutze ich die Gelegenheit, mich bei Mc Donald‘s erstmal richtig satt zu essen und auf Wetterbesserung zu warten. Drinnen ist es mir zu voll, aber draußen unter einem Sonnen-/Regenschirm ist es angenehm.



Bei immer noch leichtem Nieselregen fahre ich in die Innenstadt, setze mich in ein Café, bestelle einen Kaffee (dann noch einen und noch einen), lese Zeitung, studiere meine Landkarten für die kommenden Tage und warte ab. Macht es noch Sinn, heute weiterzufahren? Gegen 15.00 Uhr hört der Regen offenbar endgültig auf, ich entscheide aber, heute nicht weiterzufahren, da ich gerne von hier zur Dordogne ohne weitere Übernachtung gelangen möchte – die Strecke bis dorthin scheint reizlos zu sein, ich kann anhand meiner Karten die zu erwartenden Höhenmeter nicht richtig abschätzen, und ich bin mir auch nicht sicher, ob es nicht doch wieder anfängt zu regnen. Lieber morgen zeitig starten. Ich quartiere mich für meine zweite Nacht in Aurillac direkt in der Innenstadt in einem netten, preiswerten Zwei-Sterne-Hotel für ca. 40 € ein. Hätte ich mal gestern nicht auf den Tipp mit den angeblich preiswerten Hotels am Stadtrand gehört…



Nun muss ich irgendwie den restlichen Nachmittag rumkriegen. Aurillac bietet, wie gesagt, keine besonderen Sehenswürdigkeiten.



Im Tourismusbüro erfahre ich, dass man den Hügel südlich der Innenstadt mit dem markanten Kreuz-Monument, der mir bereits aufgefallen ist, besteigen kann. Ich fahre also eine steile Straße hinauf, dann geht es zu Fuß weiter. Der ausgeschilderte Wander- (oder besser: Spazierweg) führt als Trampelpfad über nach dem Regen klitschnasse Kuhweiden aufwärts. Vom Monument auf der von Kuhfladen übersäten Hügelkuppe hat man einen Ausblick ins Tal und auf Aurillac. Nett, aber nicht wirklich spektakulär. Hätte ich es mir aussuchen können, hätte ich mir interessantere Orte für einen wetterbedingten Pausentag vorstellen können…



8. Tag (27.09.2012), Aurillac-Liourdres

Strecke: ca. 100 km

Fahrzeit: 6 Std. 10 min.


Das Wetter ist deutlich besser, also fahre ich zeitig los.

Die Strecke Richtung Nordwesten über die D 120 und D 1120 bis Argentat an der Dordogne ist leicht hügelig und, wie ich erwartet hatte, unspektakulär. Ich habe für das Gebiet zwischen Aurillac und Souillac an der Dordogne, etwas weiter unterhalb von Argentat, keine detaillierte Karte, deshalb hatte ich gestern die Entfernung zur Dordogne etwas überschätzt; es sind nur ca. 55 km – das hätte ich gestern nachmittag doch noch schaffen können.

Die Straße fällt schließlich sehr steil ab ins Tal der Dordogne; wiederholt mahnen große Schilder, abwechselnd auf Französich/Englisch und Deutsch/Spanisch zum Herunterschalten und weisen auf die Gefahr heißlaufender Bremsen hin; es gibt auch sandgefüllte Notausfahrten für LKW mit versagenden Bremsen.



Unten, in Argentat, bin ich endlich an der Dordogne; von der Brücke über selbige bietet sich ein schöner Blick auf den malerischen Ort (ich werde noch erfahren, dass alle Orte an der Dordogne malerisch sind).



Am Dordogne-Ufer gönne ich mir ein Bierchen und eine Stärkung.



Dann geht es über die D 12 entlang des nördlichen Dordogne-Ufers bis Beaulieu-sur-Dordogne.









Baulieu ist (wie im Grund alle Städchen an der Dordogne) sehr sehenswert.



Einen Campingplatz scheint es allerdings nicht zu geben, und irgendwie finde ich auch keine vernünftige Unterkunft. Irgendwie erfahre ich, dass es ein paar Kilometer weiter einen Zeltplatz gibt. Im kleinen Ort Liourdres finde ich tatsächlich den herrlich am Dordogne-Ufer gelegenen Platz.



Der Platz hat ein sehr einfaches, sehr nett direkt am Ufer gelegenes Restaurant, das allerdings jetzt, gegen Saisonende, leider nicht geöffnet ist. Schade, das hätte hervorragend gepasst… Eine geöffnete Rezeption gibt es auch nicht, außer mir ist nur ein weiterer Gast, ebenfalls Radreisender, auf dem Platz. Zahle ich halt morgen, erstmal Zelt aufbauen. Da ich keinen Proviant dabeihabe und es in Liourdres keine Restaurants gibt, muss ich halt die 8 km zurück nach Beaulieu. Ich beeile micht, um auch die Rückfahrt noch bei ein wenig Tageslicht zu schaffen. Aber aufgrunddessen, dass ich mich weit im Westen der mitteleuropäischen Zeitzone befinde, hat man den angenehmen Effekt, dass es abends deutlich länger hell bleibt als in Deutschland (in Spanien, das ebenfalls zur mitteleuropäischen Zeitzone zählt, ist dies dann noch auffälliger). Schnell esse ich in Beaulieu eine Pizza und bin vor Sonnenuntergang wieder auf dem Zeltplatz. Ich setze mich mit einem Glas Wein ans Ufer und genieße den Sonnenuntergang. Obwohl es bereits Ende September ist, wird es erst gegen halb neun endgültig dunkel.

Schließlich kommt die Familie, die den Campingplatz betreibt (sie wohnen wohl auch um die Ecke), und sie zelebrieren im Restaurant ihr Abendessen. Sie meinen mir einen Gefallen zu tun, indem sie mir, der ich gedankenversunken und zufrieden im Dunkeln am Ufer sitze, die Lampen auf der Terrasse des Restaurants anschalten. Aber ich komme schließlich noch mit Magali, der Inhaberin des Zeltplatzes Magali-Plage, ins Gespräch. Sie meint, so richtig würde sich der Campingplatz nicht lohnen, und sie würde sich überlegen, ob sie ihn noch länger als ein oder zwei Jahre betreiben soll. Wäre schade; sofern er jetzt noch existiert, ist er auf alle Fälle zu empfehlen.

Fortsetzung folgt...
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#1081797 - 17.11.14 17:30 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
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In Antwort auf: Tom72
Der Regen wird mir zu stark, also nutze ich die Gelegenheit, mich bei Mc Donald‘s erstmal richtig satt zu essen und auf Wetterbesserung zu warten. Drinnen ist es mir zu voll, aber draußen unter einem Sonnen-/Regenschirm ist es angenehm.

Das habe ich aus einer Frankreich-Reise anders in Erinnerung: Nach einem McDonalds-Menü (grand) habe ich mich anschließend in einem französischem Restaurant satt gegessen. cool

In Antwort auf: Tom72
Der Regen wird mir zu stark,... Nun muss ich irgendwie den restlichen Nachmittag rumkriegen. Aurillac bietet, wie gesagt, keine besonderen Sehenswürdigkeiten.

Aber, aber - weltbekannt! - Eine Stadt der Regenschirme!!! grins lach
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1081815 - 17.11.14 18:13 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: veloträumer]
Tom72
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Tatsächlich, la "capitale française du parapluie"... Hatte ich vor Ort gar nicht mitbekommen, sondern bin erst jetzt durch Deinen Hinweis drauf gekommen. So was, ein Regentag in Frankreichs Regenschirmmetropole schmunzel
Gruß
Tom
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#1081829 - 17.11.14 18:39 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
veloträumer
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War das erste, was mir dort aufgefallen war. Normalerweise benutze ich keine Schirme, da quasi ja nur Radfahrer. Wenn, ist es der billigste aus einem dm-Markt oder so. Ich fand aber manche Designs in Aurillac so toll, dass ich sogar vielleicht einen erworben hätte, wenn es denn nicht sperrige Stockschirme gewesen wären, billig sind sie ja auch nicht. Ich glaube, es war auch gesschlossen, sodass ich nicht weiter zweifeln musste.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1081833 - 17.11.14 19:10 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Tom72
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9. Tag (28.09.2012), Liourdres-Sarlat-la-Canéda

Strecke: 77 km

Fahrzeit: 4 Std. 7 min


Beim Zeltabbau bekomme ich Gesellschaft von einer offenbar zum Zeltplatz gehörigen Katze, die sich bereits gestern Abend ausgiebig hat streicheln lassen.



Noch ein Blick auf den schönen campingplatzeigenen Dordogne-Strand,



dann geht es weiter Richtung Westen am nördlichen Ufer der Dordogne über die S 112 und D 803, allerdings etwas abseits des Flusses.



Schließlich steigt die Straße in einigen steilen Serpentinen die Hänge des Dordogne-Tals empor.



Auf der Höhe komme ich durch das wunderschöne Städtchen Martel. Es ist nach meinem Geschmack einer der sehenswertesten Orte im Bereich der Dordogne. Im Zentrum steht die historische Markthalle mit ihrem beeindruckenden Dachstuhl aus Kastanienholz. In ihrem Schatten picknicke ich mit Baguette und einer Dose Gänsefleisch, die ich unterwegs besorgt habe (ich nähere mich der Landschaft des Perigord, die für ihre Enten- und Gänsefleischprodukte berühmt ist).



Der Ort ist wirklich malerisch.







Dann geht es wieder abwärts zur Dordogne, weiter der D 803 folgend. Unten im Tal unterquere ich einen historischen Eisenbahnviadukt (Viaduc de Bramefond). Die Bahnlinie ist aber, wenn ich es richtig gesehen habe, in diesem Abschnitt stillgelegt.



Nun komme ich nach Souillac, einem der bekanntesten Orte an der Dordogne. Er ist sehenswert, kann aber nach meinem Eindruck nicht ganz mit dem Charme von Martel mithalten. Eine der Hauptsehenswürdigkeiten ist die Église Saint-Martin, deren Turm irgendwann im Zuge kriegerischer Ereignisse teiweise gesprengt wurde.





Kurz nach Souillac, in Peyrillac et Millac, beginnt eine Voie verte, ein Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse (es ist ein Teil der stillgelegten Bahnlinie entlang der Dordogne, zu der auch der Viadukt gehört, den ich vorhin unterquert habe). Ich kann nun gemütlich gut 30 km auf der Voie verte fahren, durch ehemalige Bahntunnel und über ehemalige Bahnviadukte, zunächst entlang der Dordogne (aber ohne Blick auf selbige), dann leicht bergauf nach Salat-la-Canéda, meinem heutigen Etappenziel, das nicht am Fluss, sondern etwas oberhalb liegt (ab hier ist die Bahnlinie Richtung Bordeaux noch in Betrieb).







Sarlat gefällt mir auf Anhieb. Ich bin nun im Périgord, das für seine Küche berühmt ist, vor allem für seine Enten- und Gänsefleischprodukte (ich werde mir morgen und übermorgen noch die eine oder andere der überall in Dosen erhältlichen Köstlichkeiten für unterwegs besorgen – Rillettes de canard, Bloc de foie gras etc…).

Etwas oberhalb der Altstadt liegt der Campingplatz. Ich bin, da es recht spät in der Saison ist, soweit ich es sehe fast der einzige Gast auf dem Platz. Als ich nach dem Zeltaufbau zum Sanitärgebäude gehe, sehe ich, dass es sogar ein kleines Hallenbad gibt. Hier kommt also die Badehose das erste Mal zum Einsatz (und im weiteren Reiseverlauf nur ein weiteres Mal, im Meer in Nordspanien), und ich entspanne mich ein wenig im warmen Schwimmbecken.

In der wunderschönen Altstadt herrscht reges Treiben, Sarlat zählt zu den wichtigsten Tourismusorten des Périgord bzw. der Region entlang der Dordogne. Wie mir nun und in den kommenden Tagen auffällt, ist die Gegend besonders bei Engländern sehr beliebt. Es ist auch spätabends noch warm genug, um draußen zu sitzen. Bei herrlichem Blick auf die historischen Fassaden gönne ich mir – nein, nichts regionaltypisches mit Ente oder Gans, sondern ein leckeres Pastagericht in einer Pizzeria.







10. Tag (29.09.2012), Sarlat-Beynac

Strecke: 33 km

Fahrzeit: 2 Std. 11 min


Heute ist die Strecke eher bescheiden, aber ich möchte durch den sehenswertesten Abschnitt der Strecke entlang der Dordogne nicht einfach nur kilometerfressend durchrauschen. Zumal ich mir heute vormittag erstmal in aller Ruhe die malerische mittelalterliche Altstadt von Sarlat ansehen möchte. Hier kann man tatsächlich einen halben Tag in den wunderschönen Gassen mit den herrlichen historischen Gemäuern umherschlendern und hat trotzdem noch nicht alles gesehen.

Heute ist Markt, so dass in der ohnehin von Schaaren von Touristen bevölkerten Stadt ein besonders reges Treiben herrscht.



An zahlreichen der Marktstände werden die für das Périgord typischen, leckeren Gänse- und Entenfleischerzeugnisse in kleinen und großen Dosen verkauft. Ich besorge mir einige kleine Döschen für unterwegs und auch als Reisemitbringsel. Neben verschiedenen Varianten des Fleisches des Geflügels ist eine besonder Köstlichkeit die (zugegeben umstrittene) Gänseleber (Foie gras), die auch ihren Preis hat (nach meiner Erinnerung 5-6 Euro für ein winziges Döschen Bloc de Foie gras). Aber sehr lecker.

Immerhin hat man dem edlen Federvieh, dem all diese Leckereien zu verdanken sind, fairerweise ein Denkmal gewidmet.



Die Kirche Sainte-Marie, der offenbar im Laufe der Geschichte der Turm abhanden gekommen ist, ist in neuerer Zeit in eine Markthalle umgewandelt worden, mit der architektonischen Besonderheit eines riesigen, den gesamten Querschnitt des Kirchenschiffes einnehmenden Stahltores, mit dem der erhaltene Gebäudeteil außerhalb der Marktzeiten verschlossen wird.





Es ist schon Nachmittag, als ich schließlich losfahre, aber der etwas längere Aufenthalt in Sarlat hat sich gelohnt. Ich rolle über die D 46 abwärts zurück zur Dordogne, überquere sie



und folge dem Fluss am Südufer ein paar Kilometer, landschaftlich sehr reizvoll (D 50, sehr verkehrsarm). Am Ufer picknicke ich mit einer Dose Rillettes de canard (irgendwas Leckeres mit Entenfleisch).



Nun geht es ein steiles Sträßchen empor zum hoch über dem südlichen Dordogne-Ufer gelegenen Ort Domme (der natürlich auch wieder mit einem sehr malerischen mittelalterlichen Stadtbild aufwarten kann).



Von hier oben bietet sich ein traumhafter Ausblick über das Dordogne-Tal.



Und wieder abwärts ins Tal…



Ich wechsle wieder aufs nördliche Ufer, und nach wenigen Kilometern auf der D 703 komme ich auch schon durch den nächsten malerischen Ort, La Roque-Gageac. Zwischen der Dordogne und dem steilen Felshang bleibt nur Platz für die Straße und eine Häuserzeile; die höher gelegenen Gebäude wirken wie an den Felsen geklebt.









Nun ist es nicht mehr weit bis Beynac. Der Ort wird von der mächtigen Burg auf dem auch hier steilen Felsufer dominiert.





Direkt unterhalb der Burg gibt es einen Campingplatz, der auch noch geöffnet hat (es geht gegen Ende September, da schließen einige Plätze bereits).

11. Tag (30.09.2012), Beynac-Bergerac

Strecke: ca. 90 km


Heute habe ich einiges vor, denn ich will mir mindestens zwei der zahlreichen Burgen ansehen, die hier überall hoch über der Dordogne thronen, und dann noch bis Bergerac kommen, das ein ganzes Stück flussabwärts liegt.

Direkt über dem Campingplatz erhebt sich das Château de Beynac, der erste Programmpunkt des Tages.



Ich steige durch das malerisch an den Felshang geschmiegte Dorf hinauf zur Burg.



Architektonisch interessant die aus Bruchsteinen errichteten Dächer einiger historischer Häuser im Ort.



Die mächtige Burganlage befindet sich in Privatbesitz und wird gerade restauriert, wobei offenbar Wert auf die Herstellung des historischen Zustands gelegt wird, zum Beispiel durch die wohl auch ursprünglich vorhandenen Holzpalisaden auf den Mauern.



Die acht Euro Eintritt lohnen auf alle Fälle. Die Burg hat als Kulisse für mehrere Spielfilme gedient. Der Schuppen, den man in der Bildmitte sieht, hat, wie eine dort angebrachte Hinweistafel verkündet, im Film „Johanna von Orléans“ von Luc Besson einen Pferdestall gespielt.



Von hier oben bietet sich ein herrlicher Blick hinunter auf die Dordogne und den Campingplatz, auf dem mein Zelt auf den Abbau wartet.









Im großen Saal hängen historische Wandteppiche. Da die Fenster nicht verschließbar sind, sind sie der Witterung ausgesetzt. Eigenartig.



Wieder unten, beim Zeltabbauen, wundere ich mich, dass alle Wohnwagengespanne und Wohnmobile sich abfahrbereit machen und den Platz verlassen. Ich erfahre, dass jedenfalls hier in der Region nun, Ende September, die Saison zu Ende geht und und dies die letzte Nacht war und der Platz heute schließt. Glück gehabt; ich werde im weiteren Verlauf, vor allem an der Atlantikküste, allerdings noch einige geöffnete Plätze finden.

Als nächstes steht Château Castelnaud auf dem Programm, in Sichtweite hoch über dem gegenüberliegenden (südlichen) Dordogne-Ufer gelegen. Ich fahre ein paar Kilometer die gestrige Strecke zurück bis zur nächsten Brücke und picknicke am Ufer mit Baguette und einer gestern in Sarlat gekauften Dose Bloc de Foie gras mit Blick auf die Burg.



Die Dordogne ist bei Kanusportlern sehr beliebt.



Zur Burg Castelnaud gelangt man, wie in Beynac, indem man die steilen Gassen des zugehörigen Ortes empormarschiert. Natürlich gibt es auch von hier oben wieder eine traumhafte Aussicht.



Eine Besonderheit auf der Burg sind mehrere Nachbauten mittelalterlicher Belagerungsmaschinen (Trébuchets). Eine Ausstellung zeigt anhand von Modellen die Funktionsweise. Bis zu einem Zentner schwere Steinkugeln können mehrere hundert Meter weit geschleudert werden.



Ein Film zeigt die originalgroßen Nachbauten, wie sie auch hier auf der Burg in mehreren Exemplaren zu bewundern sind, in Aktion. Es funktioniert tatsächlich verblüffend effektiv. Am kurzen Ende des langen Hebels ist ein mit mehreren Tonnen Steinen gefüllter Holzkasten befestigt, am langen Ende eine Art lederne Tasche an zwei Seilen, die das Geschoss aufnimmt. Das tonnenschwere Gegengewicht bewegt sich nach unten, der Hebelarm nach oben, am höchsten Punkt löst sich eines der Seile, die das Geschoss halten, von einem Haken und gibt es frei. Der Trick ist wohl die Kombination aus dem langen Hebelarm und der zusätzlichen steinschleuderartigen Aufnahme für das Projektil; so wird eine enorme Beschleunigung erzielt.

Ich bewundere das halbe Dutzend der Nachbauten der Trébuchets in Originalgröße, die mir bereits vom Tal aus beim Blick auf die Burg aufgefallen sind. Der Standort auf der Burg ist sicher nicht historisch, da die Maschinen ja der Belagerung dienten.







Nun ist es schon drei, und ich habe noch kaum Strecke gemacht, etwa 80 km sind es noch bis Bergerac.



Nach ein paar Kilometern komme ich am nächsten Schloss vorbei (Les Milandes), dessen Besichtigung sicher auch gelohnt hätte, aber die Zeit ist nun nicht mehr. Berühmt wurde Les Milandes, als es in den 1940er Jahren von Josephine Baker gekauft wurde, die hier nach Beendigung ihrer Karriere als Tänzerin mit einem Dutzend adoptierter Kinder aus allen Teilen der Welt lebte.

Die heutige Strecke entlang der Dordogne ist landschaftlich sehr reizvoll und führt mich, nachdem ich wieder auf das Nordufer gewechselt habe, über die D 703, einer etwas stärker befahrenen Hauptstraße, nach St.-Cyprien, dann weiter über kaum befahrene Straßen (D 703, E, D 51, D 31) bis zu einer engen Schleife der Dordogne, wo die Straße kurz sehr steil das hohe Ufer erklimmt. Hier gönne ich mir im schönen Örtchen Trémolat eine kurze Einkehr.



Ab Lalinde kann man ein paar Kilometer entlang eines alten, parallel zu Dordogne verlaufenden Kanals fahren.



Wieder am südlichen Ufer führt mich die D 37 schließlich nach Bergerac, wo ich kurz vor Sonnenuntergang eintreffe. Direkt am Ufer, gegenüber der Altstadt, gibt es einen Campingplatz, der, anders als der von letzter Nacht, die Saison noch nicht beendet hat. Perfekt. In den Gassen von Bergerac finde ich auch nach einigem Suchen ein nettes, wenn auch teures, Restaurant, vor dem man draußen sitzen kann. Die Portion ist überschaubar, aber lecker (ich kann mich nur nicht mehr erinnern, was es war…).



Fortsetzung folgt...
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#1081919 - 17.11.14 21:51 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Keine Ahnung
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Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Schöner Bericht! Vielen Dank.
Gruß, Arnulf

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#1082171 - 18.11.14 17:27 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Tom72
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11. Tag (01.10.2012), Bergerac-Libourne (Zugfahrt Libourne-Bordeaux)

Strecke: 78 km

Fahrzeit: 4 Std. 12 min




Ich fahre in die gegenüber des Campingplatzes gelegene Altstadt von Bergerac.



Der schönste Teil der Altstadt ist die Gegend um die Place de la Myrpe. Hier findet man die offenbar gerade für Bergerac typischen maisons à colombages, Fachwerkhäuser, deren Fachwerk mit diagional angeordneten Ziegeln ausgefüllt ist.



Obwohl der Schriftsteller Cyrano de Bergerac (1619-1655), dem in einem Schauspiel Ende des 19. Jahrhunderts eine riesige Nase andichtet wurde und der vor allem durch die Verfilmung mit dem damals noch nicht russischen Schauspieler Gérard Depardieu bekannt geworden ist, in Paris geboren wurde und abgsehen von dem durch seine Vorfahren käuflich erworbenen Adelstitel de Bergerac nichts mit der Stadt zu tun hat, steht auf der Place de la Myrpe ein Cyrano mit langer Nase.



Und hier noch einer.



Ich fahre zunächst weiter dordogne-abwärts entlang des Nordufers über die etwas stäker befahrene D 32 bis zum recht netten Städtchen Ste-Foy-la Grande, dann wechsle ich auf das Südufer und folge dem Fluss weiter über eine sehr verkehrsame und landschaftlich sehr schöne Straße (D 130). Die Dordogne verläuft nun nicht mehr in einem engen Tal, die Landschaft ist flacher geworden. Ich komme durch ausgedehnte Obstplantagen und pflücke mir einen knackigen Apfel, den ich im Fahren genieße.









Wieder am Nordufer (D 936, größere, verkehrsreiche Hauptstraße), nähere ich mich langsam Bordeaux. Ich fahre, nun wieder über verkehrsarme Sträßchen, durch das Bordelais, das weltberühmte Anbaugebiet der Bordeaux-Weine. Es ist gerade die Zeit der Weinernte.



An den flachen Hängen des hier sehr breiten Dordogne-Tals und vor allem in der Ebene werden die roten Bordeaux-Trauben angebaut, von denen ich mir eine Handvoll pflücke.





Der bekannte Weinort St-Emilion



In Libourne nehme ich den Regionalzug, um die knapp 20 km bis Bordeaux abzukürzen, da ich mit meinem Zeitplan etwas in Verzug bin und um mir die Fahrt durch das Ballungsgebiet zu ersparen.





In Bordeaux steige ich, bereits in der Dämmerung, an einer Vorortstation in einem Stadtviertel auf dem rechten Ufer der Gironde (der gemeinsame Mündungsarm von Garonne und Dordogne) aus, um über den Fluss in die auf dem linken Ufer gelegene Innenstadt zu radeln.







Bordeaux kenne ich bereits von einer Radreise vor einigen Jahren, als ich von der Loiremündung aus südwärts entlang der Atlantikküste kommend hier übernachtet habe, um dann weiter entlang des Canal du midi und des Garonne-Seitenkanals über Perpignan bis Barcelona zu fahren. Ich steuere daher zielstrebig den Hauptbahnhof (Gare de Saint-Jean) an, da ich von meinem letzten Aufenthalt weiß, dass es dort zahlreiche einigermaßen preiswerte Hotels gibt. Ich bekomme auch im selben Hotel wieder ein Zimmer (ca. 40 Euro).

Nun mache ich mich mit dem Rad auf in Richtung Innenstadt, entlang des Ufers der Gironde, wo es durchgehend einen großzügigen Bereich für Fußgänger und Radfahrer gibt.
In der Innenstadt esse ich zu abend; vor den Restaurants kann man bei sehr warmen Temperaturen draußen sitzen. Ich beschließe den Abend mit einem Glas Wein



und radle am Ufer entlang zurück zu meinem Hotel.





12. Tag (02.10.2012), Bordeaux - Lacanau-Océan

Strecke: 89 km

Fahrzeit: 4 Std. 41 min


Heute werde ich die Atlantikküste erreichen. Es gibt entlang der gesamten Küste bis zur spanischen Grenze ein System aus Radwegen abseits der Straßen, das in seiner Gesamtheit als „Vélodyssée“ bezeichnet wird. Auch nördlich, von der Bretagne bis hierher, gibt es unter diesem Namen weitgehend zusammenhängend Radwege entlang der Küste; diese kenne ich bereits aus eigener Anschauung. Von Bordeaux aus erreicht man die Küste bei Lacanau-Océan über einen Radweg (Voie verte) auf einer stillgelegten Bahntrasse.

Aber erstmal fahre ich ohne Gepäck in die Innenstadt, um mich etwas umzusehen. Außerdem brauche ich neue Radhandschuhe, weil ich meine vor ein paaar Tagen irgendwo verloren habe. Das Beste, was ich schließlich im Decathlon bekomme, ist ein Paar schlecht gepolsterter Handschuhe aus Kunstleder. Wieder einmal zeigt sich, dass wirklich gute Fahrradartikel in Frankreich schwer zu finden sind.



Zurück im Hotel packe ich, und es geht los.



Auch in Bordeaux gibt es die Straßenbahn, hier vor der Gare de Saint-Jean.



Schnell treffe ich auf das Gironde-Ufer. Auf einer Bank sitzend, fällt mir ein seltsames Pärchen auf: Ein Hase und eine Katze spielen miteinander, es wirkt sehr vertraut und beihnahe so, als würden sie einander den Hof machen. Ich kann weit und breit niemanden sehen, dem die beiden als Haustiere zuzuordnen sein könnten; sie scheinen sich in freier Wildbahn angefreundet zu haben. Sehr bizarr.



Als der Hase schließlich versucht, die Katze auf mehr als nur freundschaftliche Weise zu beglücken, überlasse ich das traute Paar seinem Schicksal und mache mich auf, den Beginn der Voie verte Richtung Küste zu finden. Sie soll nördlich der Innenstadt anfangen, so dass ich Gelegenheit habe, noch einmal die gesamte Uferpromenade durch die Innenstadt entlangzufahren.









Aus ästhetischen Gründen wird die Straßenbahn im Bereich der Altstadt nicht über eine Oberleitung, sondern über eine zwischen den Schienen verlegte Stromschiene mit Elektrizität versorgt. Sie ist in einzelne Abschnitte unterteilt; eine spezielle Technik stellt sicher, dass immer nur der vollständig unter dem Fahrzeug befindliche Abschnitt Strom führt.





Wie in Lyon, gibt es auch hier einen Brunnen, dessen Figurenschmuck offenbar auf allegorische Weise die Lage von Bordeaux an der Gironde thematisiert, der die Stadt einst ihren Aufstieg als bedeutender Handelsplatz verdankte.



Nördlich der Innenstadt wird gerade eine neue Hubbrücke über die Gironde errichtet.



Schließlich fahre ich weiter nordwärts durch hässliche Außenbezirke, vorbei an verlassenen Industrieanlagen und riesigen Einkaufszentren. Der Beginn der Voie verte ist schlecht ausgeschildert; nach einigen Irrungen finde ich ihn schließlich.



Von hier sind es noch knapp 60 km bis zur Küste. Der Radweg führt zunächst entlang mehrspuriger Ausfallstraßen, dann durch verschiedene kleinere Orte und schließlich durch Wald.







Dass es sich um eine stillgelegte Bahnlinie handelt, sieht man an den ehemaligen Bahnhofsgebäuden entlang der Strecke. In diesem gibt es eine Snackbar, in der ich mich stärke.







Etwas eintönig wird schließlich die Fahrt durch die endlosen Kiefernwälder, die das Médoc, die Halbinsel zwischen der Gironde und dem Atlantik, prägen (die Weinanbaugebiete, für die das Médoc bekannt ist, liegen weiter nördlich). Aber daran werde ich mich gewöhnen müssen; die Kiefernwälder erstrecken sich entlang der gesamten Côte d’Argent bis hinunter nach Spanien.





Ich strample zügig mit knapp 30 km/h. Ein paar Kilometer, bevor ich die Küste erreiche, fängt es plötzlich an zu regnen. Ich bin zu faul, die Regenklamotten hervorzukramen und trete tapfer weiter, immer nasser werdend. Ich werde ja in Lacanau sicher schnell ein Hotel finden.

Schließlich erreiche ich Lacanau, der Regen hat aufgehört. Ich bin am Meer!



Ich finde sofort ein sympathisch wirkendes, einfaches Hotel direkt an der Strandpromenade. Es ist preiswert und betreibt auch ein Fischrestaurant. Passt! Vom Zimmer aus habe ich sogar Meerblick.





Nach einer heißen Dusche genieße ich den Sonnenuntergang über den Atlantikwellen.









Zum Tagesausklang gönne ich mir die mir von vergangenen Reisen an der französischen Atlantikküste schon vertrauten, immer wieder leckeren Moules-frites, Miesmuscheln mit Pommes Frites. Für ein paar Euro Aufpreis bekomme ich als Vorspeise sechs Austern. Köstlich!



Fortsetzung folgt...
Gruß
Tom
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#1082210 - 18.11.14 19:50 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Keine Ahnung
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Schön! Frankreich wird sicher auch wieder einmal von mir in eine Tourenplanung integriert werden. Hast Du Dir auch einmal "Coq au vin" gegönnt. Ich bin ja kein Weintrinker, aber mit einem Bordeaux kann man auch gut kochen zwinker
Gruß, Arnulf

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#1082243 - 18.11.14 22:21 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Keine Ahnung]
Tom72
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Nein, einen Coq au vin habe ich in Frankreich leider noch nicht genossen; ich komme als Spätaufsteher meistens so spät am Etappenziel an, dass für die abendliche Restaurant-Suche wenig Zeit verbleibt und ich selten bezüglich der nationalen/regionalen Köstlichkeiten fündig werde. Auf meiner diesjährigen Frankreich-Radreise habe ich aber in Romans-sur-Isère ertsmals (ohne je danach gesucht zu haben) auf einer Speisekarte Froschschenkel entdeckt. Sie waren leider schon aus, ich weiß nicht, ob ich etwas verpasst habe...
Gruß
Tom

Geändert von Tom72 (18.11.14 22:24)
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#1082251 - 18.11.14 22:38 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Keine Ahnung
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... Froschschenkel (und diverses anderes) kenne ich nur aus China. Viel ist da nicht von den Knöchelchen zu fieseln. In China gibt es allerdings auch größere Froscharten, wo sich das dann schon eher lohnt. Schlecht schmecken tut es nicht, aber deshalb würde ich nicht nach Frankreich (oder China) reisen.
Gruß, Arnulf

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#1082252 - 18.11.14 22:41 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Hansflo
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Ein sehr schöner und stimmungsvoller Bericht; vielen Dank dafür. Ich freu mich auf die Fortsetzung.

Hans
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#1082346 - 19.11.14 13:34 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
veloträumer
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In Antwort auf: Tom72
Auf meiner diesjährigen Frankreich-Radreise habe ich aber in Romans-sur-Isère ertsmals (ohne je danach gesucht zu haben) auf einer Speisekarte Froschschenkel entdeckt. Sie waren leider schon aus, ich weiß nicht, ob ich etwas verpasst habe...

Hängt wie immer von der Zubereitung ab. Schmecken ein wenig wie zartes Hähnchen, falls gut zubereitet auch saftig und nicht gummiartig. Der Eigengeschmack ist entsprechend gering, also eher neutral bis geschmacklos. Frittiert bekommen sie dann entsprechend krustigen Bratgeschmack, feiner wäre es in Cremesaucen - vielleicht mit guten Kräutern. Auch eine leichte Zitrus-/Säurenote schadet nicht. Grundsätzlich trinke ich ja zu nahezu allen Gerichten Rotwein (auch Fisch), allerdings wäre die ideale Weinbegleitung sicherlich ein Weißwein, der nicht zu säuerlich sein sollte. In Dalmatien bei großer Hitze schmeckte auch kühler Holundersaft ausgezeichnet dazu.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1082483 - 19.11.14 21:11 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
m.indurain
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Schöne Tour, schöner Bericht.

Zu den Froschschenkeln: Im Jugendalter sind wir mal einen Bach mit dem Rad entlang gefahren. Da entdeckten wir in der Wiese zwei Frösche. Denen wurden bei lebendigem Leib die Beine abgetrennt und sie wurden dann dort hin geworfen (sie waren noch am leben).

Früher war es üblich die Froschschenkel auf diese Art zu gewinnen. Sie wurden sogar ausgerissen und der Rest weggeschmissen. Inzwischen gibt es "freundlichere" Methoden. Ob die aber immer Anwendung finden?

Ich bin kein Vegetarier, aber Froschschenkel kommen für mich nicht in Frage.

Grüße
Peter

Geändert von m.indurain (19.11.14 21:13)
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#1082496 - 19.11.14 21:40 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: m.indurain]
Keine Ahnung
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In China wurden meist die ganzen Frösche serviert - auch das muss man mögen. Zumindest kann in diesen Fällen die beschriebene Situation nicht eintreten.
Gruß, Arnulf

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#1082500 - 19.11.14 21:53 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Hansflo
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In Antwort auf: Tom72
... auf einer Speisekarte Froschschenkel entdeckt. Sie waren leider schon aus, ich weiß nicht, ob ich etwas verpasst habe...


Ich meine, du hast nichts verpasst - außer vielleicht der selbstgemachten Erfahrung, nichts verpasst zu haben. Ich habe sie einmal in Spanien gegessen. Von Farbe und Konsistenz ähnlich einem Hühnchen, von der Größe etwas mehr als ein Flügel, vom Geschmack eher nichtssagend.

Hans
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#1082623 - 20.11.14 12:49 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Hansflo]
Tom72
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Bevor das hier in eine Diskussion über die französische Küche ausartet, will mich mal meinen Bericht fortsetzen schmunzel
Gruß
Tom
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#1082626 - 20.11.14 13:10 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Tom72
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Eine kleine Korrektur muss ich noch nachschieben, bevor es weitergeht: Ich schrieb, dass Bordeaux an der Gironde liegt. Tatsächlich liegt es an der Garonne; Garonne und Dordogne fließen erst etwas flussabwärts (nördlich) zusammen und bilden dann den als Gironde bezeichneten Mündungstrichter.

13. Tag (03.10.2014), Lacanau-Océan - Arcachon

Strecke: 50 km

Fahrzeit: 2 Std. 41 min






Heute und die nächsten Tage geht es nun entlang der Côte d’Argent Richtung Spanien. Bis dorthin besteht die Küste aus einem durchgehenden, über 100 km langen, breiten Sandstrand. Dahinter erstreckt sich eine herrliche Dünenlandschaft, und dahinter ausgedehnte Kiefernwälder. Der Radweg („Vélodyssée“) verläuft ganz überwiegend durch diese Wälder. Man hat daher während der Fahrt keinen Meerblick, kann aber dafür fast die gesamte Strecke vollkommen unabhängig von Straßen fahren. In regelmäßigen Abständen gibt es durch die Dünen Zugänge zum Strand; dazu muss man aber jeweils mehrere hundert Meter über sandige Pfade schieben. Der endlose, breite und abseits der Ortschaften herrlich einsame Sandstrand entschädigt dafür allemal.

Ich habe die französische Atlantikküste bereits zwischen der Bretagne und hier kennen und schätzen gelernt, daher bin ich auf den nun kommenden südlichen Abschnitt gespannt. Eigentlich gefällt mir die Atlantikküste Frankreichs besser als die Mittelmeerküste, vor allem wegen der auch bei schwachem Wind stets aufgewühlten See. Den besonderen Reiz gerade der Côte d’Argent macht die Tatsache aus, dass es direkt an der Küste keine Straßen gibt, so dass eine küstennahe Route nur mit dem Rad möglich ist, und die Strandorte überwiegend von überschaubarer Größe sind, weitgehend ohne Hochhäuser und große Hotelanlagen, und jeweils mit einer bescheidenen Strandpromenade die endlose Dünenlandschaft nur für ein paar hundert Meter unterbrechen.

Die Saison neigt sich dem Ende zu, in den Küstenorten, so auch hier in Lacanau, ist es daher angenehm ruhig, die Strände sind angenehm leer, trotzdem wirkt es noch nicht ausgestorben, zuweilen eher etwas melancholisch. Die Spätsaison ist natürlich auch vorteilhaft für die Quartiersuche. Zum Glück haben die Campingplätze an der Küste noch geöffnet.

Die Radwege (Voies vertes) entlang der Küste sind gut beschildert, teilweise recht aufwendig gestaltet und offenbar überwiegend frisch asfaltiert. Allerdings hat an vielen Stellen die recht neue Teerschicht den Kampf gegen die Wurzeln der Kiefern schon wieder verloren.





Dann folge ich der piste cyclable Richtung Süden. Mir begegnen nur wenige Radfahrer und Spaziergänger. Schön, aber auf Dauer auch etwas eintönig, man sieht nur Kiefernwald.



Manchmal bieten sich Ausblicke auf die Dünen.





Ab und zu gibt es Zugänge durch die Dünen an den Strand. Hier picknicke ich. Außer mir ist weit und breit niemand. Herrlich!











Für die Übernachtung bietet sich Arcachon, der größte Ort an der Côte d’Argent (abgesehen von Bayonne und Biarritz ganz im Süden), an. Es liegt nicht direkt an der Küste, sondern an einer Bucht, dem Bassin d’Arcachon. Ich hatte überlegt, ob ich um die Bucht würde herumfahren müssen, oder ob es eine Fährverbindung über die schmale Mündung des Bassins nach Arcachon gibt, da eine solche in meiner Karte nicht verzeichnet ist. Irgendwie habe ich schließlich erfahren, dass es eine Fähre gibt, die auch Fahrräder mitnimmt. Ich bleibe also an der Küste bis Cap Ferret und finde schnell die Anlegestelle. Hatte ich den gesamten Tag über keine Reiseradler gesehen, ist hier am Landungssteg fast ein Dutzend vollbepackter Reiseräder versammelt, die alle irgendwie auf dem kleinen Bötchen untergebracht werden.





Wir nähern uns Arcachon auf der anderen Seite der Bucht.



In Arcachon angekommen, bin ich doch nicht ganz zufrieden; ich hätte lieber in einem der kleinen Strandorte vorne an der Küste übernachtet. Aber immerhin gibt es hier einen Campingplatz. Obwohl die gesamte Küstenregion überwiegend flach und maximal leicht hügelig ist, geht es zu dem Viertel, in dem der Campingplatz liegt, ziemlich lange und steil bergauf.

Nach dem Zeltaufbau rolle ich wieder hinunter und suche mir an der Uferpromenade ein Restaurant. Es ist wenig los, und ich esse ein relativ teures Fischgericht, das keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Aber als ich mich auf dem Weg zurück zum Zeltplatz noch auf ein Guinness vor einem Irish Pub niederlasse, komme ich noch mit einem jungen Franzosen in ein interessantes Gespräch. Er lebt und arbeitet in Paris und hat wie ich kein Auto und fährt gerne und viel Fahrrad. Er liebt das Großstadtleben nicht und fährt deshalb fast jedes Wochenende mit dem Zug hierher nach Arcachon, wo er irgendwie auch ein festes Domizil hat (Arcachon ist der Endpunkt einer TGV-Verbindung, von Paris aus in etwa vier Stunden zu erreichen).



Fortsetzung folgt…
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#1082630 - 20.11.14 13:40 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
radurlauberin
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Hallo Tom,
danke für den interessanten Bericht!
Viele deiner Fotos und Beschreibungen rufen Erinnerungen an unsere Tour von Bordeaux Richtg. St.Emilion, weiter entlang der Dordogne und dann über die Midi-Pyrenäen nach Toulouse hervor. Teilweise dem Canal du Midi folgend ging es weiter bis Sete, um später noch 1Woche den wunderbaren Luberon zu erkunden.
Schade, dass du mit dem Zug nach Bordeaux gefahren bist.
Nur durch Zufall hatten wir damals einen tollen Radweg auf alten Bahnstrecken entdeckt, der uns ganz entspannt abseits des Verkehrs aus der Stadt in das Bordelaise führte.
Die Atlantikküste müssen wir noch erkunden :-) und so lese ich jetzt erstmal deine Fortsetzung. ..
Viele Grüße
Isi
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#1082639 - 20.11.14 14:06 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Juergen
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Hi Tom,
ich habe gerade deinen Bericht mit großem Appetit gelesen. Dass mir dabei das Wasser im Munde zusammen gelaufen ist, versteht sich von selbst.
Die Tour könnte mich tatsächlich in Versuchung bringen, sie ab Offenburg zu erkunden. wein

Gruß
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
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#1083132 - 22.11.14 12:24 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Tom72
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14. Tag (04.10.2012), Arcachon - Mimizan-Plage

Strecke: 99 km

Fahrzeit: 4 Std. 50 min


Für die heutige Strecke entnehme ich meinen Notizen 99 km, was mir aber rückblickend deutlich zu lang erscheint. Ich kann es aber nicht mehr genau nachvollziehen.

Auf dem Weg vom Campingplatz zurück zur Uferpromenade von Arcachon komme ich durch ein Viertel mit wunderschönen Jugendstil-Villen.






Ich folge dem Radweg entlang der Uferpromenade Richtung Süden.



Etwas südlich von Arcachon liegt die berühmte Düne von Pyla. Vom Radweg aus kann man einen Blick darauf durch die Stämme der Kiefern erhaschen.



Leider ist mir nicht klar, dass es sich bei der Dune du Pyla um eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Côte d’Argent handelt, und so fahre ich weiter auf der piste cyclable durch die Kiefernwälder.



Ein paar Kilometer weiter lasse ich das Rad stehen, um mich an der Küste umzusehen. Sie besteht hier aus einer steilen Sandklippe, an deren Kante ich mich zu einem Picknick setze. Sicher nicht ganz ungefährlich, vielleicht könnte sie abrutschen…



Jetzt erst entnehme ich meinem Reiseführer nähere Informationen zur Dune du Pyla und erfahre, dass sie „Mit 2700 Metern Länge, 500 Metern Breite und etwa 110 Metern Höhe […] der größte Sandhaufen Europas“ und somit Tourismusmagnet ist. Man kann sie auch besteigen. Zu spät, zurück fahre ich jetzt nicht mehr.

Stattdessen setze ich die Fahrt auf der „Vélodyssée“ durch die Kiefernwälder südwärts fort.






Ab und zu gehe ich durch die Dünen vor zur Küste und genieße weitere Eindrücke des endlosen, einsamen Sandstrandes.



Bei Biscarosse-Plage verlässt der Radweg die Küste und verläuft, über Biscarosse und Parentis-en-Borne, um einen Binnensee herum, den Étang de Biscarosse et de Parentis. Dies ist einer der wenigen Abschnitte des küstenbegleitenden Radwegs, der entlang von Straßen (wenn auch baulich davon getrennt) verläuft.

Am Ufer des Étangs gibt es Badestrände und Yachthäfen.





Ich entscheide mich für die Übernachtung für den Küstenort Mimizan-Plage. Ich bekomme im einfachen, aber sehr netten Hôtel de France (2 Sterne) direkt an der Strandpromenade ein preiswertes Zimmer.



Nun genieße ich den Sonnenuntergang über den rauschenden Atlantikwellen.





Auf der Terrasse eines Restaurants an der Uferpromenade lasse ich den Tag bei einem leckeren Abendessen ausklingen.

Fortsetzung folgt…
Gruß
Tom
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#1083228 - 22.11.14 20:27 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
StefanS
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In Antwort auf: Tom72
14. Tag (04.10.2012), Arcachon - Mimizan-Plage

Für die heutige Strecke entnehme ich meinen Notizen 99 km, was mir aber rückblickend deutlich zu lang erscheint. Ich kann es aber nicht mehr genau nachvollziehen.

Wenn Du dem Radweg gefolgt bist, dann kommen 99 km durchaus hin. Der ist zwar teilweise ganz nett, macht aber auch bizarre Umwege.

Danke für den Bericht, den ich mit Interesse verfolge. In der Mitte Frankreichs bin ich meistens von Nord nach Süd gefahren, finde deshalb immer wieder bekannte Orte in Deinem Bericht wieder, die Du auf anderer Route, von Ost nach West bereist hast.

Viele Grüße,
Stefan
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#1085356 - 02.12.14 12:44 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Tom72
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15. Tag (05.10.2012), Mimizan-Plage – Messanges-Plage

Strecke: ca. 60 km


Auch heute folge ich der Küste weiter Richtung Süden. Langsam wird die Fahrt durch die Kiefernwälder tatsächlich etwas eintönig. Aber der endlose Sandstrand begeistert mich jedes Mal aufs Neue.











Vom kleinen, etwas abseits der Küste gelegenen Ort Messanges führt eine Straße etwa drei km zur Küste nach Messanges-Plage. Der winzige Strandort besteht eigentlich nur aus einem einsam am Strand gelegenen Restaurant, das recht gut besucht ist, und einigen Campingplätzen etwas abseits der Küste. Auf einem baue ich mein Zelt auf und esse auf der Terrasse des Strandrestaurants zu abend. Es ist so voll, dass ich eine Weile auf einen freien Tisch warten muss. Ich bin zufrieden. Dies ist wohl weit und breit der schönste Platz, um den Tag ausklingen zu lassen.



16. Tag (06.10.2012), Messanges-Plage – Saint-Jean-de-Luz

Strecke: 86 km

Fahrzeit: 4 Std. 35 min


Heute ist der letzte Tag an der Côte d’Argent und der letzte Tag in Frankreich; morgen werde ich die Grenze nach Spanien überqueren.

Als ich gestern abend auf dem Zeltplatz angekommen bin, hatte die Rezeption schon geschlossen, ich muss also noch bezahlen. Heute morgen hat sie aber auch um zehn noch nicht wieder geöffnet. Länger will ich nicht warten, und so fahre ich ausnahmsweise ohne zu zahlen los (die zweite Gratis-Übernachtung der Reise, nach dem auch offiziell kostenlosen Campingplatz in Neussargues in der Auvergne). In dem Restaurant, in dem ich gestern Abend gegessen habe, frühstücke ich mit Blick auf den Sandstrand.



In den Wellen tummeln sich Surfer.



Und weiter geht auf der piste cyclable durch die Küstenwälder südwärts. Heute fallen mir deutlich mehr Radfahrer auf als die vergangenen Tage. Die einzigen Reiseradler, denen ich begegne, sind eine Gruppe junger Franzosen.



Die Strandorte sind nun etwas größer als im nördlichen Abschnitt der Côte d’Argent. Es gibt daher häufig die Gelegenheit, in einer Strandbar auf ein Bierchen einzukehren.



Beim Blick entlang der Küste Richtung Süden kann man nun auch die „Kurve“ erahnen, die die Küste im französisch-spanischen Grenzbereich vollzieht, der Übergang zwischen der nord-südlich verlaufenden französischen Küste und der ost-westlich verlaufenden spanischen Küste (Costa Verde). Und auch die Pyrenäen kann man erkennen, die dort auf die Küste treffen. Ursprünglich hatte ich mir überlegt, auch einen Abstecher in die Berge zu machen, da ich von den Pyrenäen bislang nur den östlichen (katalanischen) Teil kannte, aber die nicht mehr allzuvielen verbleibenden Tage möchte ich dazu nutzen, an der Costa Verde noch möglichst weit nach Westen zu kommen. Auch dort wird es noch einiges an Höhenmetern zu bewältigen geben, im Unterschied zur Côte d’Argent ist die spanische Nordküste nämlich alles andere als flach.

Ich komme durch einige etwas größere Küstenorte (Hossegor, Capbreton). Ein Stück weit folgt der Radweg einem Kanal,



dann geht es weiter durch Kiefernwälder und Dünen.



Vorbei an einem eingezäunten Militärgelände erreiche ich das Ende des Radwegs am Stadtrand on Bayonne. Mit dem Ballungsgebiet von Bayonne und Biarritz erreiche ich erstmals seit Bordeaux wieder großstädtisches Terrain.



Über den hier mündenden Fluss Adour gelange ich in die Innenstadt von Bayonne.



Ich bin nun im Baskenland. Mir fallen zahlreiche mehrsprachige Schilder auf. Neben Französisch und Baskisch ist auch das Okzitanische berücksichtigt.



Die Altstadt von Bayonne ist sehr sehenswert. Historische Bedeutung erlangte die Stadt durch ihre Waffenschmieden. So ist nach der Stadt das auf den Lauf von Gewehren aufpflanzbare Bajonett benannt. Eine der Sehenswürdigkeiten sind die umfangreichen von Vauban, dem Festungsbaumeister Ludwigs des XIV, errichteten Befestigungsanlagen.

Ich sehe mich ein wenig in den Altstadtgassen um, vor allem um die Kathedrale Sainte-Marie.



Hier lasse ich mich vor einem Restaurant nieder und esse eine Kleinigkeit zu Mittag. Ich sehe mir kurz die Befestigungen an und die Gegend am Ufer des Adour.





Die Stadt gefällt mir, man sollte hier vielleicht etwas länger verweilen. Da aber die verbleibenden Tage langsam knapp werden, möchte ich heute noch ein ganzes Stück weiterkommen.

Ich verlasse also nach einigen Stunden Bayonne wieder und mache mich auf ins benachbarte Biarritz. Anders als die Altstadt von Bayonne liegt Biarritz wieder direkt an der Küste. Ich habe einige Schwierigkeiten, mich zu orientieren, dann finde ich schließlich eine verkehrsreiche innerstädtische Straße, die mich an die Küste nach Biarritz führt.

Für den mondänen Badeort habe ich noch weniger Zeit als für Bayonne, da ich es heute noch bis Saint-Jean-de-Luz schaffen will, das mir für die Übernachtung ruhiger und daher angenehmer zu sein scheint; zu Recht, wie sich herausstellen wird.

Noch immer sind die noblen Hotels der Belle Époque charakteristisch für die Seeseite von Biarritz. Es gibt Sandstrände;



im Übrigen wird die Küste von bizarren Felsformationen geprägt.





Ich folge der Küstenstraße und sehe mir als einzige Sehenswürdigkeit die Marienstatue auf dem Rocher de la Vierge an.



Dann verlasse ich Biarritz auch schon wieder. Es gibt nun entlang der Küste keine Alternative zur stark befahrenen Hauptstraße (D 810), die aber recht breit ist und teilweise über einen Seitenstreifen verfügt. Ich komme durch Guéthary und erreiche schließlich, schon in der Dämmerung, den Stadtrand von Saint-Jean-de-Luz.



Auf dem Ortseingangsschild ist der Name auch auf Baskisch angegeben. Trotz seines recht exotischen Erscheinungsbildes „Donibane-Lohizune“ bedeutet er dasselbe wie die französische Namensform: „Don“ ist die baskische Form des Heiligen-Titels, der nicht, wie in den romanischen Sprachen, von lateinisch „sanctus“ (französisch „Saint“), sondern von lateinisch „dominus“ (Herr) abgeleitet ist, „Ibane“ ist die baskische Form von „Johannes“, und „Lohizune“ (was auch immer es bedeuten mag) ist das baskische Wort, das in der französischen Version zu „Luz“ verkürzt wurde. Dem Ursprung des Ortsnamensbestandteils „Don“ aus dem Lateinischen zum Trotz ist Baskisch eine der wenigen Sprachen in Europa (und die einzige in Westeuropa), die nicht der indoeuropäischen Sprachfamilie angehören.

Einige Kilometer vor der Innenstadt von Saint-Jean-de-Luz gibt es einen wunderschönen Campingplatz direkt am Meer, wo ich mein Zelt aufschlage. Dann fahre ich, schon bei Dunkelheit, ins Zentrum des Ortes, der mir auf Anhieb sehr gut gefällt, und gönne mir ein leckeres Steak mit Pommes.



Die halbvolle Weinflasche nehme ich mit zurück zum Campingplatz und genieße den Rest am nächtlichen Strand beim Rauschen der Brandung.

Fortsetzung folgt…
Gruß
Tom

Geändert von Tom72 (02.12.14 12:48)
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#1086249 - 05.12.14 22:14 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Tom72
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17. Tag (07.10.2012), Saint-Jean-de-Luz – Donostia-San Sebastián

Strecke: 59 km

Fahrzeit: 4 Std. 17 min


Ich baue auf dem wunderschön direkt am Meer gelegenen Campingplatz zum letzten Mal auf der Reise mein Zelt ab; um diese Jahreszeit noch geöffnete Plätze finde ich im weiteren Verlauf nicht mehr.

Zum Hochwasserschutz verläuft die Uferpromenade von Saint-Jean-de-Luz auf einem Damm. Wie schon gestern Abend, macht der Ort einen sehr hübschen Eindruck.





Auf dem zentralen Platz kann ich mir einen Eindruck vom Klang der baskischen Sprache verschaffen: Ein Männerchor singt baskische Lieder.



Video; zum Anschauen hier klicken

Mit den Melodien des Chores im Ohr radle ich mit Blick auf den Fischereihafen über die Brücke, die über den hier mündenden Fluss Nivelle führt. Ich hätte mich in Saint-Jean gerne länger aufgehalten, aber der knappe Zeitplan…



Am anderen Ufer der Nivelle komme ich nach Ciboure. Nicht nur hier fällt mir auf, dass die Basken, vor allem später im spanischen Teil, besonders radsportbegeistert sind. Ich sehe in den kommenden Tagen noch viele Rennradler.





Als Kontrast zu den fast vier Tagen entlang der flachen Sandstrände der Côte d’Argent genieße ich hier den Anblick der zerklüfteten Felsküste.



Zwischen Ciboure und Hendaye gibt es eine Panoramastraße entlang der Küste, die Corniche Basque (D 912). Ein landschaftliches Highlight der Reise.



Der Autoverkehr hält sich in erträglichen Grenzen, und es bieten sich traumhafte Ausblicke auf die Felsküste. Erstmals, seit ich in Lacanau die Atlantikküste erreicht habe, fahre ich eine längere Strecke mit Meerblick.







Man kann sehr schön erkennen, dass ursprünglich waagerecht übereinander abgelagerte Sedimentschichten versteinert sind und dann im Laufe der Jahrmillionen durch die Kräfte der Plattentektonik „verbogen“ wurden und schließlich zu den heute zu bewunderten bizarren Felsformationen erodiert sind.



Die Corniche führt mich nach Hendaye, der Grenzstadt zu Spanien. Trotz der felsigen Küste gibt es regelmäßig Buchten mit ausgedehnten Sandstränden, so auch in Hendaye.



Am Strand von Hendaye gibt es repräsentative Hotelbauten der vorletzten Jahrhundertwende



und schöne Jugendstilvillen, die offenbar auch an regionale baskische architektonische Traditionen anknüpfen.





Etwas weiter westlich komme ich in die eigentliche Innenstadt von Hendaye. Hier liegt auch der Bahnhof. Das repräsentative Empfangsgebäude zeugt von seiner Bedeutung als Grenzstation. Er wird für mich auf der Rückreise eine bedeutende Rolle spielen, denn hier endet eine TGV-Linie aus Paris, und ich habe für die Rückfahrt in einigen Tagen bereits die TGV-Fahrkarten von hier nach Paris und weiter nach Stuttgart (Hendaye-Paris ist ohne Fahrradmitnahme, das heißt dann also wieder, wie auf der Anreise, „demontiert und im Sack vepackt“). Gleich neben dem SNCF-Bahnhof liegt die wesentlich bescheidenere Endstation der Schmalspurbahnlinie, die von Galicien bis hierher entlang der gesamten spanischen Atlantikküste verläuft und hier, im baskischen Abschnitt, von der spanischen/baskischen Bahngesellschaft Euskotren betrieben wird. Auf dieser Strecke werde ich Hendaye vom Endpunkt der Reise (der nach wie vor nicht feststeht) aus wieder erreichen. Für die Rückreiseplanung fotografiere ich die ausgehängten Fahrpläne. Ich will eigentlich auch schon ein Hotel für die Rückreise buchen, aber die Rezeption des Hotels im Bahnhofsviertel, das mir als geeignet und einigermaßen preiswert erscheint, hat über die Mittagszeit geschlossen.

Nun radle ich über die Brücke über die breite Mündung des Flusses Bidassoa und damit über den Grenzübergang nach Spanien. Das ist nun schon meine fünfte Überquerung der französisch-spanischen Grenze (die bishherigen vier Mal haben sich allerdings im östlichen, katalanischen, Bereich abgespielt, teils über die Pyrenäen, teils an der Mittelmeerküste).



Auf der parallel verlaufenden Eisenbahnbrücke sieht man einen Schmalspurzug von Euskotren; mit einem solchen werde ich in einigen Tagen wieder hier ankommen.



Die erste Stadt auf spanischer Seite ist Hondarrabia; ohne besonderen Reiz, aber ich lasse mich trotzdem auf eine Cerveza vor einem Café nieder. Ich genieße es, wieder einmal in Spanien zu sein (obwohl ich dieses Jahr bereits im Rahmen einer Südfrankreich-Reise zwei Tage in Katalonien geradelt bin); ich war in Spanien bereits mehrmals mit dem Rad unterwegs (und habe es als Radreiseland schätzen gelernt). Nach gut zwei Wochen des Französisch-Parlierens muss ich mich nun umgewöhnen und auf Spanisch umschalten, was allerdings nur Anfangs etwas schwerfällt. Die Bestellung der ersten copa de cerveza en Español funktioniert jedenfalls reibungslos.



Zwischen Hondarrabia und meinem heutigen Etappenziel, Donostia-San Sebastián, verläuft eine landschaftlich sehr schöne Passstraße, die immer wieder Ausblicke auf das Meer bietet. Ich hatte die Strecke entlang der spanischen Küste im Vorfeld nicht im Detail geplant, mich aber im Internet über auf dem Weg liegende Pässe informiert. Auf der Website „Quäldich.de“ bin ich dabei auf den Alto de Jaizkibel (455 m) gestoßen, der offenbar auch bei Radsportlern sehr beliebt ist, und habe beschlossen, ihn in die Tour einzubauen; eine gute Idee, wie sich nun herausstellt. An einem kleinen Flughafen vorbei, erreiche ich den Beginn der winzigen und kaum befahrenen Straße. Bei mäßiger Steigung (auf einem Schild für Radfahrer ist ein mittlerer Steigungswinkel von 5 % angegeben) geht es nun 8 km aufwärts. Die erste längere Steigung nach ca. einer Woche.



Auf halber Höhe hat man einen wunderbaren Blick zurück auf Hondarrabia, die Flussmündung, die die Grenze markiert, und auf Hendaye sowie auf die Pyrenäen.



Ich setze mich zu einem Picknick mit Meerblick an den Straßenrand (das Meer ist auf dem Foto leider schlecht zu erkennen). Auf der Wiese direkt vor mir grasen freilaufende Pferde.



Es geht weiter aufwärts fast ohne Autoverkehr.



Schließlich erreiche ich die Passhöhe des Jaizkibel.



Auch auf der Abfahrt hat man herrliche Ausblicke auf den Atlantik.



Die Passstraße endet in einem Industriegebiet. San Sebastián liegt auf der anderen Seite einer breiten Flussmündung. Eine Fähre ist in meiner Michelin-Karte nicht verzeichnet, der Weg durch das Ballungsgebiet Richtung Süden bis zur nächsten Brücke recht weit und sicher nicht sehr angenehm. Aber als ich den ersten Passanten nach einer Fährverbindung frage, bekomme ich den Weg zur nahegelegenen Anlegestelle erklärt. Schnell finde ich sie und kann mein Rad auf die Fähre verladen. Verglichen mit der Fähre über die Bucht von Arcachon ist dieses Bötchen winzig.



Nun radle ich in die Innenstadt von San Sebastián. Der offizielle Name ist „Donostia-San Sebastián“ und vereint die baskische und die spanische Form des Ortsnamens. Wie auch schon beim Namenspaar „Saint-Jean-de-Luz“/„ Donibane-Lohizune“, bedeutet der aus dem Lateinischen („Dominus“) stammende Namensbestandteil „Don“ dasselbe wie das spanische „San“, so dass sich auch hier der spanische und der baskische Name in ihrer Bedeutung entsprechen.

Ich komme an den Strand von Donostia-San Sebastián.



Da ich irrtümlich annehme, dies sei bereits der berühmte Stadtstrand, die Playa de la Concha („die Muschel“), während ich tatsächlich erst am kleineren, östlich der Innnstadt gelegenen Strand bin, wundere ich mich bei der Quartiersuche einige Zeit, dass die Straßennamen so gar nicht zu den Angaben auf dem Innenstadtplan in meinem Reiseführer passen wollen. Ich bemerke meinen Irrtum schließlich und finde die Altstadt und direkt in der Altstadt auch recht schnell ein preiswertes Zimmer (ca. 30 €) in einer sehr einfachen Pension (Pensión La Marina, ein Stern). Sie besteht nur aus vier bis fünf Zimmern im zweiten oder dritten Stock; ich muß mein Rad die Treppe hochtragen, darf es aber mit ins Zimmer nehmen. Ich bin sehr zufrieden; preiswerter und zugleich zentraler hätte ich kaum unterkommen können.

Ich verbringe den Abend in den Altstadtgassen. Vor und in den Tapas-Bars herrscht reges Treiben. Die Tapas heißen hier in der Region „Pintxos“ und bestehen aus einer Baguettescheibe oder einem kleinen Brötchen (Bocadillo), kunstvoll belegt mit den verschiedensten leckeren Zutaten, die durch einen Zahnstocher zusammengehalten werden. Eine sehr häufige Zutat sind kleine Sardellen. Gerade für mich als Alleinreisender ist es eine sehr angenehme Art der Abendgestaltung: Am Tresen aus dem dort aufgebauten reichhaltigen Angebot ein oder zwei Pintxos aussuchen, dazu ein Gläschen Wein, dann ein paar Straßenecken weiterziehen zur nächsten Pintxo-Bar, wieder ein oder zwei Häppchen, noch ein Gläschen, und so weiter. So treibe ich mich noch eine ganze Weile in den Altstadtgassen herum.







Fortsetzung folgt...

Geändert von Tom72 (05.12.14 22:15)
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#1086252 - 05.12.14 22:28 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Keine Ahnung
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Wirklich schön. Eine Teil der beschriebenen Tour war Bestandteil meiner ersten längeren Radtour (> 3000 km), die ich mit 19 mit drei Freunden gemacht habe. Das tolle an solchen "erkämpften" Touren ist, dass man sich auch Jahrzehnte danach noch an viele Details erinnert.

Mit Matthias kann ich da aber nicht mithalten. Der ist ein wandelndes (bzw. fahrendes) Radreiselexikon schmunzel

Ich werde Deinen Bericht weiter verfolgen.
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)

Geändert von Keine Ahnung (05.12.14 22:29)
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#1086253 - 05.12.14 22:30 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
veloträumer
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Ich wollte schon fragen, ob du mein Fußspuren noch im Sand von Hendaye gesehen hast, aber deine Reise ist ja schon quasi historische Vergangenheit... Die Corniche sieht im Herbst kaum anders aus als im Sommer, wenn ich die Bilder so vergleiche.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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Off-topic #1086254 - 05.12.14 22:34 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Keine Ahnung]
veloträumer
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In Antwort auf: Keine Ahnung
Mit Matthias kann ich da aber nicht mithalten. Der ist ein wandelndes (bzw. fahrendes) Radreiselexikon schmunzel

Falls du mich meinen solltest - es könnte natürlich auch alles Radlerlatein sein... (Latein hatte ich ja auch in der Schule) grins
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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Off-topic #1086256 - 05.12.14 22:53 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: veloträumer]
Keine Ahnung
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Genau Dich meine ich. Mir hilft mein Schullatein hier nicht weiter - mein Namensgedächtnis ist so schlecht, dass ich mir die Namen der Orte, durch die ich gefahren bin, nie lange merken kann. Ich erinnere mich dafür umso besser an Bilder. So sehe ich noch viele kleine Details vor meinem "geistigen Auge" auch wenn die Touren schon lange zurück liegen.

Dein Radlerlatein hat mir schon viel bei der Tourenplanung geholfen - Danke!!!
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1088318 - 13.12.14 21:37 Re: Radreise Frankreich/Nordspanien (Lyon-Kantabrien) [Re: Tom72]
Tom72
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Eine kleine Korrektur: Der erste Ort in Spanien, wenn man bei Hendaye die Grenze überquert, ist Irún, nicht, wie ich schrieb, Hondarrabia, durch das ich erst anschließend gekommen bin. Der Schauplatz meiner ersten Cerveza in Spanien war somit Irún.

18. Tag (08.10.2012), Donostia-San Sebastián – Getaria

Strecke: 31 km

Fahrzeit: 2 Std. 17 min.


Heute lasse ich es ruhig angehen, mache wenig Strecke und sehe mich dafür vormittags und Mittags in San Sebastián um. Die Stadt ist wirklich sehenswert und lohnt den halben Tag Aufenthalt. Wohl auch, weil seit dem 19. Jahhundert die spanische Königsfamilie hier regelmäßig ihre Sommerfrische verbrachte, hat sich San Sebastián früh zu einem bedeutenden und eleganten Badeort entwickelt, vom Flair mit Biarritz vergleichbar. Es gibt daher nicht nur die Altstadt mit den charmanten Gassen, in denen ich gestern den Abend verbracht habe, sondern auch prächtige Viertel, teils im Jugendstil, aus dem frühen 20. Jahrhundert. Einen Kontrast dazu bietet ein futuristisches Kongresszentrum, das aus irgendeinem Grund den deutschen Namen „Kursaal“ trägt.

Die Brücke Puente de la Zurriola im Jugendstil (Modernismo), im Volksmund auch „Puente del Kursaal“ genannt.



Nun gelange ich auch an den Hausstrand von San Sebastián, die Playa de la Concha („die Muchschel“), mit der ich gestern den kleineren Strand, an dem ich zunächst angekommen war, verwechselt habe.









Der Blick über die Bucht ist herrlich. Ganz rechts sieht man den Monte Igueldo mit seinem Leuchtturm. Über dieses kleine Gebirgsmassiv wird mich nachher mein Weg an der Küste entlang aus der Stadt heraus weiter nach Westen führen.



Ich sehe mich ein wenig kreuz und quer in der Stadt um, mache ein paar Besorgungen, hole im Tourismusbüro einige Informationen ein, insbesondere zum Zugfahrplan auf der Schmalspurstrecke für die Rückreise, und stärke mich in der Altstadt nochmal mit ein paar Pintxos (sie werden auch in den kommenden Tagen den Hauptbestandteil meines morgendlichen, mittäglichen und abendlichen Speiseplans ausmachen – sehr lecker und sehr praktisch). Dann verlasse ich nach drei Uhr endlich die Stadt Richtung Westen.

Meine Michelin-Karte verzeichnet zwischen San Sebastián und der nächsten Flussmündung, der des río Oria, eine kleine küstennahe Passstraße mit einem offenbar namenlosen Pass von 407 m Höhe, nur unwesentlich niedriger als der gestern befahrene Jaizkibel. Auch diese Straße stellt sich als Glücksgriff heraus – landschaftlich traumhaft, kaum Autoverkehr, immer wieder Ausblicke aufs Meer, im Grunde genauso wie gestern bei der Fahrt über den Jaizkibel. Hier der Blick zurück auf den Leuchtturm auf dem Monte Igueldo.



Autos begegnen mir fast nicht, das Sträßchen windet sich malerisch empor durch grüne Weiden mit Kühen und Pferden.







Der Blick Richtung Westen. Bei genauem Hinsehen erkennt man, farblich etwas dunkler abgesetzt, zwischen den grünen Wiesen im Vordergrund und der Küstenlinie ganz im Hintergrund die wegen ihrer Form „Ratón“, „Maus“, genannte Landzunge, die meinem heutigen Etappenziel, Getaria, vorgelagert ist. Die Entscheidung, wie weit ich heute kommen würde, ist aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefallen.



Ich komme über den Pass (407 m laut meiner Karte),



dann geht es landschaftlich genauso reizvoll wieder abwärts zur Mündung des río Oria, wo ich im Örtchen Orio den Fluss überquere. Ab hier muss ich einer etwas stärker befahrenen Nationalstraße (N 634) folgen. Die spanischen Autofahrer sind jedoch, gerade in Regionen wie dieser, die bei Radsportlern beliebt sind, Radlern gegenüber sehr rücksichtsvoll. Auch diese Straße verläuft mit regelmäßigen Ausblicken aufs Meer, und auch hier gibt es, wie im gesamten Verlauf der spanischen Atlantikküste, zahlreiche Höhenmeter zu überwinden.



Der nächste Küstenort ist Zarautz. Obwohl ich heute noch überhaupt nicht weit gekommen bin und es noch nicht allzu spät ist, überlege ich, die heutige Etappe hier enden zu lassen.



Irgendwie sagt mir der Ort für eine Übernachtung aber nicht wirklich zu, warum, kann ich nicht sagen, es ist mehr so ein Bauchgefühl. Meinem Reiseführer entnehme ich, dass das nur wenige Kilometer weiter gelegene, deutlich kleinere Fischerörtchen Getaria (spanisch Guetaria) wesentlich reizvoller zu sein scheint, was sich dann auch als zutreffend herausstellt. Die Straße verläuft bis dahin ohne weitere Höhenmeter direkt unten an der Küste, also fahre ich weiter. Man kann bereits von Zarautz den Getaria vorgelagerten Felsen sehen, der, da seine Form entfernt an eine Maus erinnert, „el Ratón“ genannt wird.



Dort angekommen, bin ich sofort zufrieden mit der Wahl des Ortes als Etappenziel. In den malerischen, verwinkelten Altstadtgassen dauert es etwas, bis ich ein preiswertes Zimmer finde, ich werde aber schließlich in einer einfachen, sehr netten Pension fündig.

Da es sich um einen Fischerort handelt, gibt es heute Abend keine Pintxos, sondern ich setze mich auf die Terrasse eines der zahlreichen Fischrestaurants direkt am für einen so kleinen Ort recht großen Fischereihafen. Zum Fisch gönne ich mir einen Txakolí, den Weißwein, der in dieser Region angebaut wird. Ein besonderes Geschmackserlebnis ist jedenfalls der, den ich hier serviert bekomme, aber nicht.



Jetzt, spätabends, herrscht im hellerleuchteten Hafen reges Treiben. Mehrere Fischkutter fahren hinaus auf nächtliche Fangfahrt.



Auf dem Weg zurück zu meiner Pension fällt mir eine Statue auf. Es ist der hier in Getaria geborene Juan Sebastián de Elcano (1487-1526), einer der Kapitäne von Magellans Weltumseglung. Sein Schiff war das einzige, das nach vollendeter Reise nach Spanien zurückkehrte.



Fortsetzung folgt…
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