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#637129 - 12.07.10 20:24 Südostfrankreich
snowrider
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Themenersteller
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Beiträge: 115
Dauer:19 Tage
Zeitraum:8.6.2010 bis 26.6.2010
Entfernung:1410 Kilometer
Bereiste Länder:frFrankreich
chSchweiz
Externe URL:http://picasaweb.google.com/snowrider001/Sudostfrankreich2010?feat=directlink

Genf - Nizza, ist ja wohl ein Radklassiker,der spukte mir schon eine Weile im Kopf herum.

Wie dann in Kirgistan, meinem ursprüglichen diesjährigen Ziel, die Unruhen ausbrachen und die ersten Berichte kamen, dachte ich mir, ich wollte doch schon immer mal auch nach Frankreich mit dem Rad.

Dank vieler hilfreichen Berichte hier im Forum gelang die Planung noch rechtzeitig.

Los gings aber von Lausanne aus, einfach, weil ich lieber mit dem Rad an einem Se entlang fahre, als mit dem Zug.
Und angekommen bin ich schliesslich in Marseille, fast aus dem gleichen Grund, warum mit dem Zug zurück, wo's doch am Meer entlang so schön ist.

Wegen dem doch eher unbeständigen Wetter hatte ich einige "Ruhetage" extra, wie hier im Forum schon berichtet wurde, waren Mitte Juni unwetterähnliche Zustände im Gebiet Var.

Die Übernachtungsorte in Kurzform:

Lausanne - Genf - Angon(Lac d'Annecy) - Grènoble - Chabeuil - Orange - Roussillon
- Riez - Comp sur Artuby - Grasse - Nizza - Port Grimaud - Toulon - Marseille


Der Bericht wird in Etappen geschrieben, je nach Zeit. Einige Fotos sind schon mal bei Picasa online, siehe oben.

Wegen Blitz und Donnerwetter hier in Innsbruck gehts später weiter...
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#637178 - 12.07.10 22:52 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
snowrider
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Weiter gehts:

Von Lausanne nach Genf, 8.6.10 , 62km

Anreise per Zug von Innsbruck via Bregenz, St.Gallen nach Lausanne, problemloser Radtransport.

Endlich sieht man kurz vor Lausanne vom Zug aus den Genfer See, leider etwas trübe Sicht, regnet wahrscheinlich bald.
Prompt fängt es beim Aussteigen an, warm und wenig.

Ein Buisness-Mann erklärt mir den richtigen Weg, ich war schon unterwegs nach Bern natürlich bergauf! In Wahrheit gings flott bergab.
Unten beim Kreisverkehr gute Wegweiser, der Rhône-Radweg geht hier lang, nach Genf, wie praktisch. Er führt aber nur 10 min. verkehrsberuhigt lang, dann meist an der vielbefahrenen R1.

Nach etwa 4 Std. bin ich schon am Anfang von Genf, wo mich ein kleines Stück ein Rennradler begleitet, der wohl auch schon eine Weltreise mit Gepäck hinter sich hat.
Ein weiterer Reiseradler aus Wiesbaden ist gerade zum Bahnhof unterwegs.

Gute Radwegführung bis dorthin, führt mich direkt zum City Hostel am Bahnhof. Sehr empfehlenswert.


Von Genf zum Lac d'Annecy, Angon, 9.6.10, 68km, ca. 600 Hm

Frühstück in der wunderbaren Küche des Hostels, los gehts gegen 8h30 bei diesigen und schwülwarmen Wetter.

Bis Annemasse finde ich gut raus aus Genf, dann nehme ich gerne die Hilfe eines freundlichen Radlers an.

Will heute die erste Tour nach dem Cyklos Radführer fahren, die führt am Mt. Salève entlang.Nicht ganz einfach zu finden, aber irgenwann bin ich bergauf unterwegs auf der D15, die kontinuierlich ansteigt.

In La Muraz mache ich daher die erste Pause, es ist mir jetzt schon zu warm. Den höchsten Punkt erreiche ich bei 857m.
Immerhin meine erste Tour mit fast 30 kg Gepäck dieses Jahr.

Weiter nach Cruseilles und nach Annecy,wo's mir viel zu laut war und ich deshalb weiterfuhr nach Angon, Camping Le lac.

Unglaublich schön direkt am See gezeltet, für sagenhafte 8,20.- Euro!

Von Angon (Lac d'Annecy) nach Grènoble, 10.6.10, 123,5km, 557Hm

Beim Zelten braucht man Zeit, das habe ich heute früh gemerkt. Komme erst nach 9 Uhr los, es ist schon viel zu warm.

Entlang des Sees noch nicht viel los, ab dem See-Ende ein Radweg nach Ugine,der leicht mit dem Donauradweg mithalten kann. Richtig schön durch die Felder, durch Wälder, sogar Rennradler fahren hier, so gut ist der Weg. Mit dem vielen Gepäck bin ich jetzt am Anfang der Reise doch froh über die Unterlage.
Dazu kommt noch, daß heute ein ziemlich warmer Gegenwind bläst, ich komme kaum mit dem Trinken nach.

In Albertville fülle ich nur meine Vorräte auf, weiter entlang der Stasse auf einem abgetrennten Radstreifen bei wenig Verkehr.
Gegen Mittag zeigt mein Thermometer schon 35°C an, ziehe was langärmeliges drüber, denn Faktor 30 reicht heute nicht, die Sonne brennt one Wolken runter. Auf Siesta hab ich aber keine Lust. Mit regelmäßigen Pausen erreiche ich irgendwann Grènoble, nachdem ich zuvor rechts dran vorbei rauf gefahren bin, in der Hoffnung auf eine freie Unterkunft etwas ausserhalb.

Den Campingplatz bei La Terrasse hab ich nur gestreift, liegt er doch an der Autobahn.
Dann doch lieber in die Stadt, Pausetag wegen diversen Blessuren(muß mich erst "einfahren").

Abends werden schon die schweren Unwetter in Frankreich für die nächsten Tage angekündigt.

11.6.10 Grènoble, Sightseeing

Die Dauphiné kommt heute nachmittag hier in Grènoble an,Daniel Navarro gewinnt.

Jetzt weiß ich auch, warum ich in St.Ismier kein Zimmer mehr bekommen habe, denn am 12.6. startete die Dauphiné im Nachbarort Crolles!


Von Grènoble nach Chabeuil, 12. 6.10, 102km, 343 Hm

Heute starte ich früh, schon um 7h fahre ich los, bei tiefhängenden Wolken und +15°C, was aber angenehm ist.
Finde den Radweg nach Valence-Lyon, der führt direkt an der Isère entlang.

Die macht ihrem Namen alle Ehre und benimmt sich wie ein Wildbach, sieht khakibraun aus, mit unglaublichen Stromschnellen und Holz im Gepäck. Schon in Grènoble hatte sich vor einem Brückenpfeiler das mitgeschleppte Holz meterhoch aufgetürmt.

Im Fernsehen wurde von einigen Kühen berichtet, die jetzt auf den Kiesbänken festsäßen und dort auch von der Feuerwehr kaum zu bergen seien.

Der Radweg war schon wieder frei, man sieht aber noch die Schlammspuren.
Es geht ruhig entlang, mehr als 2 Std., nur Hasen hoppeln über den Weg und Enten.

Ich wechsle die Uferseite, muß aber oft den Weg selber finden, plötzlich gibts dann doch wieder ein Schlid. Aber nach 37 km ist Schluß, li. oder re. gehts weiter, aber keine Rede mehr von Valence-Lyon.

Andere Radler rätseln auch, ich fahre li. auf die Route Nationale, vor der mich vorher ein anderer Radler noch gewarnt hat. Es ist 10h30 und geht gut zu. Wie meist gibt es eine Radstreifen und jeder hält Abstand.

Kurz vor Romans sur Isère noch Pause an einem Rastplatz. Eine kleine Runde durch die Satdt, wo mich die Altstadt sehr an Hall in Tirol erinnert, mit den engen Gassen, in der Mitte der Staße eine Rinne, die Häuser sandsteinfarben.

Es ist gegen 13 Uhr , als ich wieder Richtung Chabeuil fahre. Hier wirkt alles schon viel trockener, der kleine Fluß im Ort ist fast versiegt.

Dieser Tag klingt aus mit Eis Essen, Schlendern durch die Altstadt und Katze streicheln, muß auch sein!
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#638383 - 17.07.10 09:35 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
snowrider
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Von Chabeuil nach Orange, 13.6.2010, 130km, 460Hm

Früh morgens schon 18 Grad, Sonntag morgen, nur Radler unterwegs, toll.
Bei Crest biege ich nach Montelimar ab, in der Hoffnung auf einen Radweg entlang der Rhône. Es wird die N7, wahrlich kein Radweg!

Ich komme gut voran und die Autos halten Abstand. Ein stetiges auf und ab, aber insgesamt fällt die Strecke jetzt. In Viviers ,Dep. Ardeche,fahre ich auf der anderen Rhôneseite auf der D86, es gäbe auch einen kleinen Weg entlang des Flusses, zu spät gesehen. Dann wieder zurück auf die andere Seite über eine alte scheppernde Eisenbrücke nach Donzère, hier steilaufragende Felsen am Ufer.

Die N7 führt nun direkt nach Orange, ich empfehle aber einen Halt in Mornas, kurz davor.
Im Schatten alter Bäume genieße ich einen petit café und mache mich danach auf eine kleine Runde im Dorf auf.
Wie Rattenberg in Tirol liegt es auch an einem Felsen, auf dem eine Burg mit langer Mauer thront.

Weiter nach Orange, per Rad durch den Triumphbogen, eine schnelle Sightseeing Tour zum römischen Theater, dann raus aus der Stadt bergauf zum Hotel mit Pool, Blick auf den Mt. Ventoux.
Ein Gewitter naht, es ist drückend heiß und regnet nur wenig.

Von Orange nach Roussillon, 14.6.10, 75km, 564hm

Es lockt der Lavendel und die Farben von Roussillon, beschliesse daher, Avignon rechts liegen zu lassen , keine Lust auf eine weitere Großstadt und morgendliches Gewimmel dort.
Mein Ziel ist heute erstmal das Lavendelmuseum von Coustellet.

Endlich mal schöne, kleine, wenig befahrene Strassen, z.B. nach Châteauneuf-du-Pape, die alte Strasse nach Avignon, oder nach L'isle-sur-Sorge gibt es genügend Möglichkeiten, auch noch mit viel Gepäck kleine Strassen zu fahren. Netter Ort, der zur Mittagspause im Schatten an der Sorge einlädt.

Das Lavendelmuseum tut das seinige zum Abkühlen und ein wenig "ruhiger" bin ich danach auch. So ruhig, daß ich mir noch Gordes anschaue, bekomme dort nicht mal einen Kaffee, ohne zu essen und verlassen dieses ansonsten schöne Fleckchen Erde ziemlich schnell.
Viel lieber hab ich heute als Zielort Roussillon, von dem ich in einem Film gehört habe, wegen den Ockersteinbrüchen, das will ich unbedingt sehen.

Eine soviel bessere Wahl!
Allein schon der Weg dahin, am Wegrand an einem Obststand noch ganz frische Kirschen uns Marillen gekauft, das Trinkwasser so abgefüllt bekommen und einen kleinen Weg dorthin hat man mir auch noch erklärt.

Es ist der GR6-GR97, auf dem mir sogar bei der Hitze am Nachmittag ein paar rotgesichtige Wanderer begegnen, die gerade im raren Schatten Schutz suchen. Wie schön ist es doch auf dem Rad mit dem Fahrtwind!

Roussillon liegt natürlich auch auf einem Berg wie Gordes, noch steiler, aber weniger lang. Das erstbeste Hotel, das absolut empfehlenswerte "Rèves d'ocre" , hat ein wunderbares Dachzimmer für mich , mit Dachterrasse, Blick bis nach Gordes, das mir gestohlen bleiben kann.

Hier bleibe ich drei Tage, denn die Wetterlage verschlechtert sich dramatisch , "Alert Orange" in France Sud-Est.
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#640034 - 22.07.10 18:58 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
snowrider
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Roussillon, 15.(zu Fuß) und 16.7.2010 (Rad,61km, 771Hm)

Am nächsten Tag schüttet es, ziehe alle meine Radl-Regensachen an, leih mir im Hotel einen Schirm und mache das Beste daraus.
Auf zum Conservatoire d'ocre, wo auch bei Regenwetter heute nicht viel los ist. Die Farben der Erde am Wegrand durch den Regen fast noch intensiver rot.
Mittags gibts eine kurze Regenpause, die ich für die Wanderung auf dem Sentier d'ocre nutze.
Gegen 16 Uhr regnet es dann unwetterartig wie schon tags zuvor angekündigt. Es soll so bis am nächsten Morgen um 4 Uhr weitergehen.

Abends kommen die ersten Meldungen aus Draguignan im Bezirk Var, wo schließlich über 20 Tote durch die Überschwemmungen zu beklagen waren.

Am nächsten Morgen gibt es dann die ersten Wolkenlücken, fahre wieder Rad, aber mit ganz wenig Gepäck, heute gehts auf Ocker-Tour, nach Rustrel und Gargas.
Erst dorthin, zu den Mines de Bruoux, wo gerade bei meiner Ankunft eine Führung der alten Steinbrüche, besser gesagt, Höhlen beginnt.

Mit gelbem Sicherheitshelm und umgehängtem Nummernschild folge ich den anderen 4 Teilnehmern und dem Guide. Die Führung ist auf Französisch, man kann aber gut folgen. Eine schöne Abkühlung, denn es hat drinnen gerade mal 10 Grad, draussen wird es schon wieder heiß, gewittrig.Drinnen an manchen Stellen Hochwasser, aber nur noch in Pfützen vorhanden.
Nach etwa einer halben Std. kommt man wieder ans Tageslicht, die nächste Gruppe mit grünen Helmen wartet schon.

Weiter gehts Richtung St.Saturin-les-Apt nach Rustrel, wo schon von weitem die Ocker-Steinbrüche leuchten. Heute hab ich Glück mit dem Wetter und auf den kleinen Strassen ist nicht viel los.

Beim Parkplatz vom Carrière d'ocre lasse ich mein Rad stehen und folge den Wegweisern für die Wanderer. Etwas umplanen muß man wegen der Streckenwahl, der kleine Fluß, den man überqueren muß, hat auch Hochwasser. Finde einen Rundweg, der erstmal ordentlich steil raufgeht, übrigens verlangt hier niemand Eintritt, anders als in Roussillon.
Niemand ist hier ausser mir unterwegs, nur ganz weit unten, in einem rotem Kessel läuft jemand.

Komme schliesslich wieder am Parkplatz an, das ganze dauerte etwa 1 Std., war aber bei weitem noch nicht der ganze Canyon.
Folge den Radwegschildern weiter bis Apt, von wo ich mich aber gerne wieder Richtung dem idyllischen Roussillon aufmache.
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#640042 - 22.07.10 19:45 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
snowrider
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Von Roussillon nach Riez, 17.7.2010, 86km, 1042Hm

Wieder hat es nachts heftig geregnet, es nützt nichts, ich will weiter.
Am Markt, der jeden Donnerstag hier in Roussillon stattfindet kaufe ich noch Obst für die Fahrt ein und trenne mich schweren Herzens von diesem ausgesprochen schönen Fleckchen Erde. Roter Erde!

Nochmal nach Apt, wo sich eine Riesen-Baustelle durch den Ort wälzt, zunächst Richtung Forcalqier, ab Les Granons biege ich auf die D907 nach Manosque ab.
Über den Col de Montferon gehts auch mit Gepäck gut dorthin. Weiter nach Valensole, wo vorher richtig große Lavendelfelder liegen.

Dann runter nach Riez, wo ich mir ein Appartement für eine Nacht nehme. Wie ich dazu gekommen bin?
Man frage am Strassenrand die Mitarbeiterin eines Outdoorladens nach einem Hotel, die sucht an der Pinnwand nach einer Telefonnummer und 5 min. später steht die Vermittlerin zwischen Vermieter und mir vor mir. Komme so in den Genuß, selbst kochen zu können und mich wie zuhause zu fühlen.


Von Riez nach Comps-sur-Artuby, 18.7.2010, 70km, 1454Hm

Freitag morgen, blauer Himmel, starte früh, heute kommt meine persönliche "Königsetappe", die Gorge du Verdon.

Kurz vor Moustiers-Ste-Marie überholt mich ein Reiseradler aus Ludwigsburg, wir trinken einen Kaffee im Dorf und jeder zieht wieder seiner Wege.
Habe mich für die Südroute entschieden, es geht erstmal bergab runter zum Lac de Sainte Croix, nach der Pont du Galetas erst richtig los. Hinter mir leuchtet bei bestem Wetter türkisfarben der See. In Aiguines mache ich Pause, es ist Mittags.

Eigentlich ist es ganz angenehm, hier zu fahren, es liegt wohl am Gepäck, daß die Autos genug Abstand halten, sicher aber auch, weil niemand etwas verpassen will und sowieso langsam unterwegs ist, an jedem Aussichtsplatz (und davon gibt es viele) wird zum Fotografieren angehalten.

Vom Verdon sieht man nur selten was vom Rad aus, bedauere schon, nicht die Nordroute gefahren zu sein. Muß also auch anhalten und schauen.
Bei der Pont d'Artuby erwischt mich fast ein Gewitter, es donnert heftig, zieht aber in die andere Richtung.
Erstaunlicherweise sind noch etliche Radler in Richtung Gewitter unterwegs

Müsste schon längst mal Pause machen, fahre aber wegen den aufgezogenen Gewitterwolken weiter, bis ich ausser Gefahr bin. Irgendwann gibts dann am Wegrand alles, was ich als Pause heute dabei habe.

In Comps-sur-Artuby angekommen , entscheide mich für das einzige Hotel, dort auch eine Rennradlergruppe aus Holland.
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#641926 - 29.07.10 20:47 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
snowrider
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von Comps-sur-Artuby nach Grasse, 19.6.2010, 63,5km, 669Hm

Es ist bereits nach 9 Uhr, als ich von Comps losfahre, beinahe die falsche Strasse, die nach Draguignan erwischt, dort wäre ja kein Durchkommen, die Strasse durch den Ort ist fortgespült und noch immer nicht alle Überschwemmungsopfer gefunden.

Schliesslich gehts auf der richtigen Strasse Richtung "Route Napoleon".

Anfangs noch auf der ruhigen D21, dann entlang der D6085 nach Grasse. Mir fiel ein, daß diese Stadt ganz gut zu meiner Reise passt, mit all dem Farben und Wohlgerüchen, die ich bisher schon erlebt habe.

Von der Ferne sehe ich unterwegs schon das Meer, und die sich dahinschlängelnde Strasse an den gegenüberliegenden Hängen hat schon was.

Kurz vor dem Pas de la Faye gehts gut bergab und dann nochmal rauf, hier beginnt es zu regnen.
Wie so oft, auf der anderen Seite wird es noch besser, es fängt es an, zu schütten. Zum Glück komme ich gerade nach St.Vallier-de-Thiey, wo ich in einem Bushäusl Schutz vor Blitz, Donner und schliesslich auch noch Hagel suche. Die Feuerwehr braust vorbei, ich mache mir mal kurz Gedanken, was ich tue, wenns hier so wird, wie in Draguignan.

Zumindest ist die Ortschaft nicht weit weg.
Nach einer guten halben Std. fahre ich trotz immer noch Regen weiter, noch 10km nach Grasse.

Kurz davor hört es auf, zu regnen, die Luft ist dampfig, es riecht nach Süden, sehr!
Die Einfahrt hinab nach Grasse, beeindruckend, die vielen großen Palmen, das Meer in der Ferne, die Oleanderhecken und was da sonst noch so blüht, echt was für alle Sinne.

Mit Hilfe der Tour-Info suche ich mir ein feines Hotel in der Nähe des Casinos.
Es ist noch Zeit, durch die Gassen zu bummeln, hier gefällts mir auf Anhieb super.
Das Parfüm-Museum hat bis 21 Uhr offen, schön zum Abschalten nach dem Radltag.


Ein weiterer Tag in Grasse, 20.6.2010

Es ist Sonntag, und was Besseres kann ich hier machen als "faire la grasse matinée à Grasse", n'est-ce pas?

Ich stehe natürlich trotzdem früh auf, bin schon um 8 Uhr unterwegs und bummle durch die Gassen.

Um 11 Uhr findet dann in der Cathedrale de Notre Dame de Puy eine Messe statt, in der der Opfer von Draguignan gedacht wird, es ist ja nicht weitweg. Beim Vorlesen der Namen steht immer jemand aus den Reihen auf und nimmt die bereitgehaltene rote Kerze und stellet sie auf den Altar. Am Schluß stehen da 27 Kerzen, inklusive der Vermissten. Mir laufen die Tränen runter.
Unbeeindruckt davon schläft ein Clochard hinter einer Bank.

Draussen strahlt wieder die Sonne und ich gehe bereits das dritte Mal durch die verlotterten Gassen, ein Bewohner erzählt, die Stadt würde nach und nach modernisieren, aber die Mieten steigen dadurch, eigentlich lebe es sich in den alten Häusern gut.
Unglaublich für mich, denn überall bröckelt der Putz. Natürlich tolle Motive, aber ob ich hier wohnen könnte?

Bevor sie schliesst, schaue ich mir noch die Parfümfabrik an, umsonst, aber er anschliessende Laden verführt dann wohl jeden zum Kauf.

Zum Schluß noch ein letztes Mal durch die Alstadt, Hendl kaufen am Sonntag um 18Uhr kein Problem hier in Grasse, für wenig Geld, mein Abendessen.


Von Grasse nach Nizza,nach Villefranche und zurück nach Nizza, 21.6.2010, ca. 75km


Wie schön, Bob Dylan spielt am 22.Juni in Nizza! Den hab ich nur einmal live gesehen, an meinem 18. Geburtstag in Nürnberg. Vielleicht bekomme ich ja noch eine Karte.

Also schnurstacks nach Nizza, nicht ohne wehmütigen Blick zurück in die Berge, wo es doch auch schön war und vermutlich auch ruhiger.
Aber , hilft nix, irgendwann ist alles vorbei.

Die Einfahrt nach Nizza gestaltet sich unspektakulär, wenn man mal davon absieht, daß jetzt Menschen an einem vorbeiflanieren, in Flipflops und mit übergeworfenem Badehandtuch. Fahre paralell zum Strand, aber doch ein Stück entfernt, erhasche also gerademal einen Blick aufs Meer.

Ich will ein Ticket!
Um 12 Uhr hab ich es, dank FNAC, so was wie ein Saturn hier. Auf einer Nobelmeile, die ich so schnell wie möglich wieder verlasse.

Heute findet auch noch eine Musikfestival in der ganzen Stadt statt, an jeder Ecke Lautprecher und Tribünen. An den schönsten Plätzen plärrt die vielfältigste Musik aus den Lautsprechern. Besichtigung der Altstadt damit gestrichen.

Auch das Hostel, das hier liegt, dient nur als Lager für mein Gepäck. Es liegt mitten in der Partymeile, wie ungünstig. Ich flüchte per Rad nach Villefranche zum Baden.

Übernachtet wird weit draussen beim Flughafen im Etaphotel nahe am Strand, im 10.Stock, Weitblick übers Meer und doppelte Fenster.
Von hier aus hab ich es morgen Abend zum Bob Dylan-Konzert im Palais Nikaia nicht weit.


Nizza - Monaco - Nizza, 22.6.2010, 60km, 1050Hm

Früh gehts raus aus der Stadt, Richtung Observatorium, die Grand Corniche
nach Monaco.
Jetzt in der früh kann ich mich mit Nizza anfreunden, noch wenig los, auf der Promenade des anglais.

Auf dem Boulevard de l'Observatoire viel Lasterverkehr, Baufahrzeuge, fahren ganz schön nah ran. Heute bin ich mit wenig Gepäck unterwegs, nur eine Tasche als "Puffer".

Immer wieder wunderbare Blicke auf die verschiedenen Buchten unter mir, Villefranche, Ezè. Dann entdecke ich eine gesperrte Strecke, nur für Pferde und - Radfahrer! Schnell umgedreht, am Schlagbaum vorbei und im Zickzack auf feinem Kies hinauf ins Naturschuzgebiet oberhalb von La Turbie, hier ist der Spass für Radfahrer dann vorbei.

Weiter bis zur Abzweigung nach Monaco, wos eine rauschende Abfahrt, wiedermal ins Gewimmel gibt.
Schnelle Runde zum Casino, raus aus der Stadt durch mehrer Baustellen und 2 Tunnel, entlang der Corniche basse, am Meer entlang, zurück nach Nizza.

Baden am Strand vor dem Hotel auf grobem Kies, da wars in Villefranche feiner.

Lustig, wiedermal zu einem Konzert mit dem Rad fahren.
Bob Dylan 2010, ein wenig Ernüchterung, lag an der Halle, ein einziges Gebrummel. Ich kenne nur 5 Lieder, wann hat er denn die anderen geschrieben? Klingt wie eine Jam-session, so, als wäre das Publikum gar nicht da.

Ach, und ohne Iphone zur lückenlosen Dokumentation des Konzerts komme ich mir direkt als Exot vor.
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#641932 - 29.07.10 21:27 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
natash
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Hallo Ursula,
dank dir für den kurzweiligen Bericht, auch viele Deiner Bilder gefallen. Tjach, auch im Westen Europas ist es sehr schön.
Bei deinen Gepäckmengen kommt bei mir fast Neid auf, allerdings schätze ich die Unabhängigkeit eines Zelt-Selbstversorger-alles-dabei-Konzepts und alles kann man ja nicht haben.
Gruß Nat
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#642002 - 30.07.10 07:43 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
shaugsburg
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Hallo Ursula,

tolles Bericht und schöne Bilder! Danke.

Sara
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#642024 - 30.07.10 08:37 Re: Südostfrankreich [Re: natash]
snowrider
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also, weisst Du, Natalie, Du und Michael habt ja auch nicht gerade wenig Gepäck dabei! Reiseradler wie Ihr beide brachten mich erst auf die Idee, all das mitzunehmen ;-)

Danke auch Dir Sara fürs Lesen,

LG Ursel
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#642035 - 30.07.10 08:55 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
Holger
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Hallo Ursula,

wirklich sehr schöner bericht, schön zu lesen. Und durch eine schöne Region, gehört ja zu meinen Lieblingsgebieten. Bin schon gespannt auf die Fortsetzung nach Marseille.

In Antwort auf: snowrider
[…]Entlang des Sees noch nicht viel los, ab dem See-Ende ein Radweg nach Ugine,der leicht mit dem Donauradweg mithalten kann. […]

Wärst Du mal auf der anderen Seite des Sees gefahren zwinker Der Radweg ist eine ehemalige Bahnstrecke und er beginnt schon in Annecy. Habe ich zufälltig gefunden, zum Glück.


In welcher Fabrik warst Du in Grasse? Fragonard?

Viele Grüße,
Holger
Ernst Alexander Rauter hat recht. Das Adjektiv - wo es nicht zwingend ist, ist es falsch.
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#642196 - 30.07.10 20:37 Re: Südostfrankreich [Re: Holger]
snowrider
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Hallo Holger,

erstmal Danke für die Inspriation durch Deine Reiseberichte, hab schon gesehen, daß Du dort auch schon warst.

Ja, ich war nur bei Fragonard in der Fabrik und in 2 Läden, denn ich bin dort als erstes vorbeigekommen. Der Duft hat mich förmlich "reingezogen" und nicht mehr losgelassen.

Molinard lag etwas ungünstig ausserhalb des Zentrums und Galimard auch nicht auf meiner Strecke. Vielleicht das nächste Mal, ich kann mir gut vorstellen, nochmal hinzufahren.

So eine stillgelegte Bahnstrecke hab ich vor Toulon noch erlebt, tolle Sache. Aber das kommt ja erst noch.

LG Ursel
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#642321 - 31.07.10 19:35 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
Holger
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Kenne auch nur Fragonard. Mehrere Kolleginnen (wirklich): Du riechst heute wieder so gut. Was iss'n das? grins

Die andere Bahnstrecke kenne ich auch, der Train des Pignes, da war ich letztes Jahr (allerdings nur bis Hyères). Bin schon gespannt auf die Fortsetzung.

Gruß
Holger
Ernst Alexander Rauter hat recht. Das Adjektiv - wo es nicht zwingend ist, ist es falsch.
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#642576 - 02.08.10 09:07 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
ex-4034
Nicht registriert
Hallo snowrider, tolle Bilder, da komme ich doch gleich wieder ins Schwärmen. Ich bin 1989 mir meiner Frau von Freiburg nach Nizza gefahren, auf ähnlicher Strecke. Schön zu sehen und wiederzuentdecken. Ich bin damals alleine über die Alpenstrecke zurück gefahren und denke heute noch daran. Weiter so und Grüße vom Niederrhein. Gleich geht unsere Fahrt nach Holland (Terschelling), und anschliessend ins Münsterland und Ruhrgebiet. [...]
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#642697 - 02.08.10 17:45 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
snowrider
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Weiter gehts hier:

Von Nizza nach Grimaud, 23.6.2010, 102 km, 521 Hm


Mag nach 2 Wochen noch nicht heim, beschliesse daher, weiter am Meer entlang bis nach Marseille zu fahren.

An den begleitenden Autoverkehr hab ich mich so gut es geht gewöhnt.

Wieder ein Traumtag mit Schäfchenwolken, früh morgens schon 20 Grad. Plage mich auf einer 4 spurigen Strasse raus, ertrage sie zeitweise nur mit Musik in den Ohren.

Bei Cagnes könnte man nach Grasse abbiegen, da kann ich kaum wiederstehen, fahre aber weiter entlang der Bettenburgen. Immerhin Weitblick übers Meer.

Die Festung von Antibes streife ich nur und auch durch Cannes bin ich schnell durch.

Mal bei einem Bahnhof nachgefragt, wegen der Heimreise, die soll über 200 Euro kosten.
Streik ist diese Woche auch noch, aber nicht am Wochenende, wo ich fahren will.
Ich hätte doch ein Rad, sagt, der Mann mit dem Streik-Infoblatt in der Hand.

Kurz vor Théoule-sur-Mer ändert sich die Landschaft, die Häuser rötlich angestrichen und auch die Erde am Wegrand wird rot. Gibts hier etwa Ocker, wie in Roussillon?

Azurblaues Wasser umspült hier rostrote Felsen, Rosmarin und andere Kräuter in Grün als Kontrast dazu.

Da macht es mir auch nichts aus, daß es auf und ab geht, in einem Fort.

In St. Raphael angekommen, kaufe ich mir doch das Rückreiseticket für Marseille.

Hab keine Lust auf Fliegen und das Ganze Tamtam mit dem Verpacken und Benzin hab ich auch noch dabei. Dazu möchte ich mich noch gar nicht so schnell von hier entfernen.
Das kann ruhig langsamer gehen so wie mit dem Zug.

Werde 3 mal umsteigen müssen, in Lyon, Genf und Zürich, dabei von Mittags bis 1 Uhr in der Früh unterwegs sein.
Bis dahin bleiben aber noch fast 3 Tage.

In Fréjus komme ich über den Nartuby, der die Überschwmmungen in Draguignan verursacht hat. Unter der Bücke stapelt sich das mitgeschwemmte Holz vor dem Pfeiler bis ganz oben. Der Radweg hat noch Schlammspuren, hier war wohl alles unter Wasser.

In St. Maxime hole ich mir noch Rat in der Tour-Info, werde mir in Grimaud, kurz vor St. Tropez einen Campingplatz suchen.

Finde einen direkt am Meer, gegenüber von St. Tropez, kostet satte 25 Euro (Nebensaison, sonst 35).
Stelle mein Zelt auf, dann ab ins Meer. Das Wasser hier noch nicht ganz sauber, Holz schwimmt herum.

Abends im Strandrestaurant lecker essen und WM gucken, Deutschland-Ghana.


Von Grimaud nach Toulon, 120 km, 836 Hm


Heute bin ich so früh aufgestanden, um halbsieben und trotzdem erst um 8H30 losgekommen, das Packen beim Zelten dauert einfach bei mir.

St. Tropez sehe ich nur von der Ferne, denn die Strasse, die ich nehmen will, biegt vorher schon ab.

Werde auf der D 93 nach Ramatuelle fahren. Dank eines begeisterten Rennradlers gestern abend weiß ich nun, wo's am Besten langgeht.

Die Strasse steigt steig an, ich komme an Tahiti vorbei (!),es zweigen ständig kleine Strassen zum Strand ab, und einer heißt eben so.

Die Zikaden geben ein Konzert und es gibt fast nur noch Pinien hier.
Zwischen den Bäumen binzelt das Meer zu mir rauf.

Nach 30 km hat mich die D 559 wieder. Jetzt führt ein schöner Radweg entlang der Strasse, sogar durch Weinberge.

Mache jede Std. eine Pause wegen der Hitze. So gegen 15 Uhr komme ich nach Hyeres, hoffe auf einen schönen Campingplatz, kann mich aber nicht entscheiden.
Fahre sogar nach Giens rauf, nur um auf der anderen Seite wieder runter und zurück Richtung Toulon zu fahren.

Wenigstens gibts dorthin einen schönen Radweg, die alte Bahntrasse. Völlig unbehelligt von Autos fährt man hier bei gemässigter Steigung durchs Hinterland.

In Toulon wieder der übliche Gang zur Info und noch etwas mühselige Suche nach dem Hotel.
Zimmer mit Lachmöwen-Konzert.

Am schönen Strand gibts zur Belohnung heute Fisch, schliesslich bin ich am Meer.
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#642713 - 02.08.10 18:32 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
barbara-sb
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Hallo Ursel,
vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Er wird in meine Urlaubsplanungen für das nächste Jahr eingehen. Die eigentlich ganz gut bekannte Gegend ganz anders als bisher (nämlich mit dem Rad)zu erleben, das reizt sehr.
Viele Grüße
Barbara
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#642723 - 02.08.10 19:13 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
snowrider
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Von Toulon nach Marseille, 25.6.2010, 75 km, 877 Hm


Die Möwen haben mich schon um 4H30 aufgeweckt, mit ihrem Gelächter. Sie haben Junge, noch mit ganz grauem Gefieder und leben auf dem Haus gegenüber in Augenhöhe.
Mußte gestern mein Gepäck noch bis in den 3. Stock raufschleppen. Verlasse diesen Ort gerne schon um 6H30.

Es zieht sich 10 km lang, bis es etwas ruhiger wird. An einer Bäckerei erstehe ich die wichtigsten Sachen, Brot und Wasser.
Das Brot wird einem wie selbstverständlich geschnitten. Finde ich für unterwegs sehr praktisch. Es handelt sich um ein Mischbrot, nicht um ein Baguette.

Wieder ein strassenbegleitender Radweg, in manchen Ortschaften nur für kurze Strecken.
Solange ich noch am Wasser entlang fahre, halte ich so oft wie möglich.

Eine Fähre läuft hier ein, ein Cruiseship liegt dort in der Bucht, es gibt immer was zu entdecken.
In Bandol halte ich zum Obsteinkaufen, ein weiteres Grundnahrungsmittel unterwegs für mich.

Dann geht es bergauf, nicht das erstemal an diesem Tag. Mal 155m, dann 170m, 225m, und irgendwann , zum Schluß noch von 0 auf 315m.

Cassis will ich mir unbedingt anschauen, komme so kurz vor 12 Uhr unten im schönen Hafen an.
Tauchen wäre hier möglich, oder Bootsausflüge zu "les Calanques", ein anderes Mal.

Hier wimmelt es regelrecht. Stau , Markt und jede Menge Touris.

Meine Mittagspause wird daher sehr kurz, um 12 Uhr bin ich auf der wirklich steile Strasse raus aus dem Ort unterwegs.

Weiter auf der D 559 auf fast schattenloser Strasse, ich hangel mich von Baum zu Baum, der verspricht wenigstens etwas Schatten. Mittags zu fahren hat aber den nicht zu verachtenden Vorteil, daß wenig los ist.

Hinter mir die Weinberge von Cassis und der schöne, schräge Felsen von Ciotat. Die Gegend wird karger, graue Steinwüste, viel Rosmarin, kaum Bäume, Pinien.
Panzer auf einem Ortsschild, wohl ein Truppenübungsplatz.

Ein Rennradler überholt mich, meint "C'est chaud!", na klar, antworte ich, es ist Sommer.

Bei Hm 315 die Abfahrt nach Marseille, ein Moloch, viele Hochhäuser von der Ferne und das Meer.

Geradeaus hinein nach Prada, finde mein ausgesuchtes Hotel sofort und habe noch genug Zeit für Sightseeing und Baden.

Am Strand von Prado gibt exta eine Seilsichrung zum Absperren des Rades und bei den Bademeistern eine kostenlose Möglichkeit, seine Sachen zu deponieren, hab ich noch nie gesehen. Das Meer hier wunderbar ruhig und angenehm warm.

Danach gehts per Rad am Meer entlang bis zum alten Hafen, vollgestopft mit Segelschiffen, wirkt es vom Gelände her wie in Hamburg, die Alster. Marseille ist auch mit Hamburg jumelé.

Nach einem Eis und Café im Hafen gehts noch weiter zur "Cathédrale de la nouvelle major", schön ruhig drinnen und tolles Licht.

Fast keine Touris, kein Vergleich mit Nizza, gefällt mir um so vieles besser hier. Eben eine richtige Hafenstadt.

Abendessen am Place de Castellane, Nudeln mit Roquefortsauce und Rosé-Wein, draussen in der Sonne.

Am Abend dann der Grund für diesen Hotelaufenthalt, in France3 kommt "Thalassa.tv" mit
einer Edition über die Aranui und die "Îles des Marquises", wo ich schon war.


Von Marseille nach Innsbruck, 26.6.2010


Der letzte Tag hier in Frankreich.

Geniesse das Frühstück im Hotel und besuche noch den Markt vor der Tür, um mir noch Kirschen vom Mt. Ventoux mitzunehmen.

Der TGV mediterrané geht gegen 12 Uhr, hat aber kein richtiges Gepäckabteil. Im 2. Stock des Wagens finde ich ein ausreichend großes Gepäckfach, in das ich das Rad ohne Vorderrad reinlegen kann.

Umsteigen in Lyon in einen Regionalzug, der schnell ziemlich voll wird, selbst neben meinem aufgehängten Rad sitzen noch Leute auf dem Klappsitz. Hier wird jeder Platz perfekt genutzt. Trotzdem stehe draussen noch schimpfende Fahrgäste, die nicht mehr mitkommen. Ist wohl der letzte vernünftige Zug heute nach Genf.


Hier muß ich mir noch eine Tagesradkarte kaufen und eine Reservierung für den Zug von Zürich nach Innsbruck brauche ich auch noch, das wird richtig teuer, alles zusammen nochmal fast 30 Euro.

Hier bei der SBB wieder ein ebnerdig zu beladender Radgepäckwagen.
Dann in Zürich nur 12 Min. Zeit zum Umsteigen inklusiv Aufzugbenützung, es geht sich aus, dank Dauerlauf neben dem Rad her.

Die Schaffnerin des Zuges weiß sich zunächst keinen Rat, wohin mit meinem Rad. Der Zug sei eigentlich ein Schlafwagen. Hat aber einige Großraumabteile dabei. Sie nimmt mich doch nach heftigem Bitten mit. Sucht mir einen vorläufigen Platz, auch fürs Rad und ist sichtlich bemüht.

Kommt später zurück und sagt, sie habe meinen reservierten Platz, auch fürs Rad gefunden. Es gäbe wohl neue Waggons, wo man die Räder am Anfang und Ende aufhängen könne, seien österreichische Garnituren, die sie noch nicht kannte. Also ziehe ich nochmal um und habe nun Rad und Sitzplatz nebeneinander.

Die Zugstrecke kenne ich noch garnicht, entlang des Zürichsees bei Sonnenuntergang.
Ein wenig zweifle ich schon, ob ich nicht Richtung Belgrad unterwegs bin, in Sargans werden die Waggons getrennt. aber ich sitze richtig und fahre bald über Bludenz und Feldkirch nach Innsbruck. Heimfahrt bei Vollmond um 1 Uhr nachts.


Fazit:


Frankreich ist ein Klasse Land für Radtouristen.

Kam gut mit den Karten des IGN zurecht, hab ein paar Touren vom Cyklos Radreiseführer ausprobiert.
Ob sich das mitnehmen all der Campingsachen gelohnt hat?
Das nächste Mal werde ich mit wenig Gepäck fahren, denn in den Bergen war es so schön ruhig.

Meine warmen Sachen habe ich nicht gebraucht, schon lange nicht mehr soviel in kurzen Sachen gefahren.

Für die Strecke von Nizza nach Marseille nehme ich mir mal richtig viel Zeit.

Viel Spaß an alle, die noch dorthin fahren.
LG Ursel
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#642765 - 02.08.10 21:59 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
veloträumer
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Hallo Ursel,
habe deinen Bericht gerne gelesen - die Gegend ist ja auch bei mir sehr beliebt, wenngleich ich wohl ein paar Berge mehr eingeschoben hätte, um ans Meer zu kommen... zwinker
In Antwort auf: snowrider
In St. Maxime hole ich mir noch Rat in der Tour-Info, werde mir in Grimaud, kurz vor St. Tropez einen Campingplatz suchen.

Finde einen direkt am Meer, gegenüber von St. Tropez, kostet satte 25 Euro (Nebensaison, sonst 35).
Stelle mein Zelt auf, dann ab ins Meer. Das Wasser hier noch nicht ganz sauber, Holz schwimmt herum.

Gewiss, wer kann es ahnen, dass in meinen episch-langen Berichten auch solche Infos stehen (Westalpen 2009, siehe im Profil): In naher Umgebung von St. Tropez gibt es mehre Campings à la ferme, die wesentlich günstiger sind als die großen Campings (allerdings nicht direkt am Meer). Im letzten Jahr war ich nahe Cogolin (etwas westlich - nicht Cogolin Plage!) dort inmitten von Weinfeldern und Pferdewiesen für 10 € zu Platz und Dusche gekommen (Ende Juni). Cogolin ist übrigens mindestens so hübsch wie Ramatuelle.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#642902 - 03.08.10 13:56 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
bergradler
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Grias di, Ursel!

Vielen Dank für Deinen feinen Reisebericht und die stimmungsvollen Bilder. Weckt Erinnerungen an vergangene Tage am Verdon, an der Cote d'Azur und an französisches savoir vivre.
Im Herbst plane ich eine Woche durchs Hinterland von Frejus ( Esterel etc.)zu radeln. Dein Bericht hat mir richtig Appetit darauf gemacht.

Werner
(Innsbruck)
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#642990 - 03.08.10 17:13 Re: Südostfrankreich [Re: veloträumer]
snowrider
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Hallo Matthias,
kann mich so vage daran erinnern, sicher habe ich mit großem Interesse Deinen Bericht gelesen, ich reg mich ja garnicht über die Campingpreise auf. Was täte ich denn da bei den Hotelpreisen schmunzel

LG Ursel
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#643001 - 03.08.10 17:43 Re: Südostfrankreich [Re: bergradler]
snowrider
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Servus, Werner,
bis dahin sieht man hoffentlich nichts mehr von den Überschwemmungen dort. Wünsche Dir viel Spaß dort, schade, daß mein Urlaub für dieses Jahr schon rum ist.

LG Ursel
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#662468 - 17.10.10 20:04 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
Toury
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Hallo Ursel, schön, wieder von Dir zu lesen und Bilder zu sehen. Diese Jahr war bei mir radfahrtechnisch ein Wetterpechjahr (Oder Neisse im Mai verregentet)im Herbst in Ungarn hat es zwar nicht so viel geregnet, aber so warm wie letztes Jahr auf der grossen Tour war es auch nicht. Bin gerade dabei, nächste Ziele abzustecken, aber werde mich wohl auf 2012 für eine weitere richtig grosse Tour festlegen.
Aber das Stöbern hier in den Reiseberichten ist immer wieder spannend und bereichernd.

Alles Gute, LG Ute
Reisen ist tödlich für die Vorurteile (Marc Twain)
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#664195 - 24.10.10 11:55 Re: Südostfrankreich [Re: snowrider]
Gündirwas
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In Antwort auf: snowrider
Von Toulon nach Marseille, 25.6.2010, 75 km, 877 Hm


Fazit:


Frankreich ist ein Klasse Land für Radtouristen.

Ob sich das mitnehmen all der Campingsachen gelohnt hat?
Das nächste Mal werde ich mit wenig Gepäck fahren, denn in den Bergen war es so schön ruhig.

Für die Strecke von Nizza nach Marseille nehme ich mir mal richtig viel Zeit.

Viel Spaß an alle, die noch dorthin fahren.
LG Ursel



Hallo Ursel,
Herzlichen Dank für das Zusammenfassen Deiner Eindrücke, die meiner Frau und mir den richtigen Schub geben: ab dem 29.8.2011 wollen wir ohne Zelt die Rhône von der Quelle ab Andermatt bis zur Mündung befahren und dabei unspektakulär den Wegen dem Schweizer Vélo1 und Léman à la mer folgen. Dank Deines Berichtes werden wir dann bereits ab Aix bis Genua (Mailand?)auf 1500-1700km verlängern. Nochmals danke für Dein inspirierendes Fazit.
Herzlich
Günter
Immer eine Daumenbreite Luft unter den Felgen!
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#664315 - 24.10.10 21:09 Re: Südostfrankreich [Re: Gündirwas]
snowrider
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Gerngeschehen, viel Spaß dann bei Eurer Tour, bin schon gespannt auf Euren Bericht,
LG Ursel
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#664460 - 25.10.10 16:10 Re: Südostfrankreich [Re: Gündirwas]
bille
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Hallo Günter,
auch wir sind die Rhône von der Quelle bis zum Mittelmeer gefahren, letztendlich in drei Etappen. Falls es euch interessiert, kannst du unsere Erfahrungen nachlesen: http://www.rudiundbille.de dort: vers la mer 1 und vers la mer 2
Viel Spaß beim Planen Gruß bille :-)
Wer auf jede Wolke achtet, wird nie eine Reise machen!
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#664481 - 25.10.10 18:39 Re: Südostfrankreich [Re: bille]
Gündirwas
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Danke, Bille, für Deinen aufmerksamen Hinweis. Besonders beeindruckend finden wir die professionell strukturierte Aufmachung Deiner Homepage und der Touren, in denen man sich ausgesprochen schnell zurecht findet. Geschickt gelöst habt Ihr den Zubringerservice auf dxer Elbetour. Wie gut, wenn man Kinder hat! Im Übrigen fühlen wir wie Rudi, wenn er meinte, alles schon einmal mit dem Auto gesehen zu heben und sich später reumütig bekehrte. So isses, auf dem Rad erlebst Du jede Gegend neu. Tatsächlich haben wir mehrere Strecken, auf denen wir uns Zeit versetzt zueinander radelten. Vielleicht siehst Du die Parallelen unter http://picasaweb.google.com/RadtourenfreundeOBMH , worin wir die von uns organisierten Touren zeigen. Aber Mehrtagestouren wollen wir lieber wieder alleine machen, man bekommt mehr von Land und Leuten mit, oder?
Spätestens nach Lesen Deiner Berichte haben wir gleich den Flug nach Zürich (als Frühbucher DUS-ZRH nur 19€ pro Person + 25€ pro Rad- dafür ersparen wir uns den Bahnstress bis Zürich und auch noch Geld.) zum 18.8. gebucht- nun hält uns nichts mehr. Nur der Rückflugtermin mit den Fahrrädern ab bereitet uns Kopfzerbrechen: Dieses Jahr wären wir nach längerer Strecke in Wien eine Woche zu früh gewesen und haben uns zwischen Ungarn und Slowakei die Zeit vertrieben.
Jetzt schlafen wir noch mal bis morgen drüber, überdenken die Ehrenrunde durch die Provence mit Mont Ventoux mit und buchen wahrscheinlich vier Wochen später zum 25.9. zurück. Zum gleichermaßen günstigen Tarif. So schmerzt es nicht so sehr, wenn wir das Datum verpassen.
Danke nochmals für Deine Nachricht, als Ergebnis haben wir Anregungen zu Touren in Süd-Ost Österreich auf die Wunschliste gestellt.
Herzlich
Günter
Immer eine Daumenbreite Luft unter den Felgen!
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www.bikefreaks.de