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#893410 - 27.12.12 15:37 Vom Altai zum Baikal über die Mongolei
dcjf
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 2082
Unterwegs in Schweiz

Dauer:1 Monat, 14 Tage
Zeitraum:19.6.2011 bis 1.8.2011
Entfernung:0 Kilometer
Bereiste Länder:mnMongolei
ruRussland, Russische Förderation
Externe URL:http://bike-siberia.blogspot.com

Nachdem Patagonien abgearbeitet ist kann der nächste Reisebericht vom letzten Sommer kommen. Wie immer, ist hier eher eine knappe Beschreibung, die erschöpfenden Texte und mehr Bilder gibt es noch im Blog (Verlinkung am einfachsten über die blauen Titel oder UPDATE: über die interaktive Karte im ersten Blogeintrag, obiger Link).

Wir sind von Russland nach Russland gefahren, Ausgangspunkt war dabei ein Flug nach Novosibirsk und der Wunsch zum Baikalsee zu fahren. Dabei war schon klar, dass wir nicht die M53 nach Osten fahren wollten, allerdings ist es schwierig andere Wege zu nehmen und in Russland zu bleiben. Nachdem wir im Internet Horrorgeschichten zu Tuwa gelesen hatten, war auch dieser Weg für uns verschlossen. So blieb als Alternative nur die Fahrt über den Süden durch die Mongolei.
Das Visa besorgen war kein Problem und als wir auch noch eine gute Beschreibung zum Online-Fahrkartenkauf für die Russische Bahn gefunden hatten, wurde auch noch der Nachtzug nach Bijsk gebucht. Die Anschlüsse klappten zum Glück alle gut, so dass wir ihn auch erwischten. Für das Rad mussten wir in Novosibirsk noch den Segen von einer Vorgesetzten haben (hat nochmal ziemlich extra gekostet), aber am Zug selber wäre das wohl egal gewesen.

Anfahrt in den Altai

In der Früh waren wir schon in Bijsk, von hier geht es nur auf der Strasse in den Altai weiter. Nachdem Wochenende war, hielt sich der Verkehr leider nicht in Grenzen und auch die Hitze machte etwas zu schaffen, zum Glück gab es an der Grenze zum Altai einen Fluss zum abkühlen, wobei so erfrischend war das Wasser auch nicht mehr. Ab Gorno-Altaisk, bzw. Maima wurde es dann ziemlich touristisch, wir haben dennoch einen guten Platz am Flussufer gefunden, nachdem die Campings zum Teil zu waren. Am nächsten Tag ging es dann wirklich ins Altai, davor war nur Hügelgelände. Und die Strecke ist wirklich idyllisch, allerdings fühlt man sich hier noch fast zu Hause wie in den Alpen, so sind die Orte hier hergerichtet und auch viele Tourbasas für die Touristen hat es, die Saison hat gerade erst begonnen. Das geht so bis Chemal, ein grösserer Ort, der schon abseits der Hauptstrasse liegt, wir sind dem Fluss Katun gefolgt und nicht der M 54, die hier ins Bergland verschwindet. Leider ist es heute auch ein bisschen regnerisch. Kurz vor Chemal macht Dina leider auch noch einen Abgang, sie scheint wegen gerissener Kette ins Leere getreten zu haben. Unter einem Vordach eines Supermarktes werden Rad und Dina wieder hergerichtet. Hinter Chemal wird es deutlich einsamer und weniger touristisch, das Tal bleibt grün und Wälder, Felsformationen und Weiden lassen das Radeln kurzwillig sein. Der Regen droht trotzdem weiter, wir haben Glück und werden erst in einem ort von einem wahren Sturzregen erwischt. Der Abend wird dann noch ausgeradelt, bis wir hinter dem letzten Ort im Tal einen guten Schlafplatz finden.

Am Bahnhof in Bijsk

Katun von einer schönen Hängebrücke aus

Blick vom ersten Zeltplatz auf den Fluss in Abendstimmung

Ursprüngliches Dorf an der Nebenstrecke

Flusslandschaft am Katun

Unterschlupf vor Starkregen

Piste hinter Chemal

Es wird einsamer

Auf Pfaden dem Katun entlang
Bis hierher hat es noch eine Piste gehabt, diese wird in wenigen Kilometern aufhören und mutmasslich ein Pfad weiter gehen. Per google earth haben wir zumindest Photos von Radlern gesehen, die schon einmal hier entlang geschoben haben, leider war das Satbild nicht hochauflösend genug um die Pfade auch nachvollziehen zu können.
Da es am Morgen weiter verregnet ist, warten wir den Schauer erst einmal ab und fahren dann erst los. Nach wenigen Kilometern hören die Fahrspuren definitiv auf und es geht nur noch ein kleiner Pferdepfad weiter.Diesem folgen wir nun dem Flusstal entlang. Dabei entfernt er sich ab und an deutlich vom Fluss und wir machen einige Höhenmeter, die in einer langen Abfahrt wieder verloren werden. Wieder am Fluss machen wir Mittagspause. Als wir hier weiter wollen sieht es auf einmal gar nicht mehr so nach Weg aus, es geht einfach durchs Gehölz und es ist nicht klar ob wir da durchkommen. Nach einer Exploration ist erst einmal Krisensitzung angesagt. Sollen wir hier das Stück versuchen zu überwinden, in der Hoffnung, dass dann wieder ein Pfad kommt, oder ist umkehren besser. Eines ist klar, die ganze Strecke weglos würden wir wohl nicht schaffen. Wir hoffen darauf, dass am nächsten Grashang wieder ein Pferdepfad anfängt und tragen Gepäck und Rad einzeln durch die dichten Latschen und auch über 2 m Felsstufen. Die Aktion hat sich vorerst ausgezahlt, irgendwelche Tiertrampelpfade führen nun wieder weiter und wir können das Rad wieder samt Gepäck schieben. Als wir am Grashang etwas nach oben queren treffen wir sogar auf die Überreste eines alten Weges. Das stimmt hoffnungsvoll und so folgen wir diesem Weg nun für den Rest des Tages. Er führt uns noch durch steile Wälder und wunderbar offene Wiesenlandschaften, bis am Nachmittag ein nächstes Hindernis am Horizont auftaucht, eine ziemlich senkrechte Wand, welche bis zum Flussufer durchgeht. Als wir jedoch nahe genug daran sind, sehen wir, dass unser Weg wohl mitten durch die Wand geht, hier wurde wohl allerhand weggesprengt. An einer Felsengstelle ist sogar ein frisches Holztor angebracht, wahrscheinlich hat es hier also Vieh auf den Weiden. Nachdem wir mühevoll einen kleinen Pass erklommen haben und wieder zum Flusstal hinunterfahren, treffen wir auf eine Hütte, welche bewohnt ist. Nachdem die Hunde uns nicht näher lassen fahren wir nicht hinter (die Hütte ist etwas abseits vom Hauptweg dem Fluss entlang). Der Pfad ist nun deutlich ausgetretener und flott befahrbar. Bei einer Abfahrt kommt mir plötzlich ein Stock ins Hinterrad. Eine Vollbremsung ändert leider nichts, es sieht sehr übel bestellt aus um mein Hinterrad, das Schaltwerk ist in die Speichen gekommen und sieht nun sehr unnatürlich aus. Das Schaltauge ist zudem ziemlich verbogen. Das darf doch nicht wahr sein, nach 3 Tagen ein Totalschaden, wie sollen wir damit durch die Mongolei kommen? In meiner Wut, packe ich das Schaltwerk und verwende es als Hebel um das Schaltauge wieder etwas hinzubiegen. Nachdem das Schaltwerk in den Speichen war muss auch das Hinterrad nachzentriert werden. Nach der provisorischen Reparatur scheint das Hinterrad wieder zu drehen und auch das Schaltwerk einen Teil der Gänge zu schalten. Puh, dennoch habe ich nicht viel Vertrauen in die Angelegenheit, zumal wir in der Mongolei wohl kaum Ersatzteile finden werden. Nun geht es noch in den Abend hinein. Wir fahren bis zu einer grossen alten Hängebrücke, welche unser Tor aus dem Katuntal ist, irgendwie muss man ja ans andere Ufer. Da vorher kein geeigneter Zeltplatz mit guter Wasserversorgung war hoffen wir auf einen kleinen Nebenbach bei der Brücke, müssen jedoch mit dem Wasser aus dem Katun vorlieb nehmen. Da er recht viele Schwebstoffe hat ist das Wasser trüb. Daher will ich mit dem Filter für klares Wasser sorgen. Nachdem ein Liter gefiltert ist, realisiere ich, dass die Trübung noch nicht draussen ist. Moment, wie kann das sein, der Katadyn Pocket sollte doch wirklich Vieles rausbekommen. Der Filter wird zerlegt und ich teste ihn, indem ich durchpuste. Siehe da, man hört Blasenbildung, zwischen Keramik und Metall am unteren Ende scheint es einen Durchgang zu geben. Das müssen wir für die Mongolei sicher irgendwie reparieren. Für heute wird das Wasser ungefiltert genommen. Das war schon der zweite gebraucht gekaufte Wasserfilter, welcher beim ersten Ernsteinsatz in die Brüche ging.

Kurz vor Pistenende

Nun geht es auf Pferdepfaden weiter

Der Katun bleibt uns

Der Pfad wird undeutlicher

kein Weg mehr

Hoffentlich geht es auf der anderen Seite weiter

Zum Glück stossen wir auf Reste einer ehemaligen Piste

Diesmal werden die Felsen einfacher überwunden

Am nächsten Morgen queren wir die alte eindrucksvolle Hängebrücke. Sie scheint hier vor allem auch für das Vieh eingerichtet zu sein und führt recht hoch über den Fluss rüber. Auf der anderen Seite haben wir gemäss unserer Recherchen 2 Möglichkeiten, entweder den Katun flussaufwärts und den nächsten Nebenfluss entlang auf unbekannten Wegen und wahrscheinlich ohne Brücke, oder deutlich Höhenmeterreicher, es geht hier wieder über 1800 m aber über eine Piste, die wir auch in google Earth zum Teil ausgemacht haben. Wir entscheiden uns für die sicherere Variante und wählen die Höhenmeter. Gleich an der Brücke beginnt wieder eine echte Piste, die von Fahrzeugen befahren wird, zunächst geht es eher flach in ein kleines Tal, welches dann steiler nach oben führt. Obwohl es auch zwei Mal kleine Gehöfte gibt, treffen wir ausser einem Hund dort niemanden an. Die Fahrspur wird nun ab und an schlechter, insbesondere schlammiger und es geht steiler rauf. Hier scheint vor wenigen Tagen ein Raupenfahrzeug durchgekommen zu sein, die Abdrücke sind gut sichtbar. Wie die letzten Tage auch ist das Wetter wechselhaft, zum Glück führt die Route meist durch Wald, wo die Bäume hervorragenden Regenschutz bieten. Einmal treffen wir hier sogar auf zwei Reiter, wohin auch immer die unterwegs sind. Der Anstieg zieht sich und gerade der Runout zum Schluss ist anstrengend, doch dann stehen wir endlich an der Passhöhe, die mehr einem Gipfel entspricht. Eine alte Tafel mahnt die Besucher hier mit der Natur sorgfältig um zu gehen, anscheinend ist die Passhöhe einmal ein Ausflugsziel gewesen. In der Ferne sieht man auch gut die weiter entfernten höheren Altaigipfel, welche noch schneebedeckt sind. Uns macht das keine Sorgen, da wir ja in die Mongolei ausreisen wollen und nicht zum Trekken da sind. Die Abfahrt ist fast noch steiler als der Anstieg, einmal müssen wir nahe an einer Pferdeherde vorbei. Die schauen ganz interessiert und sind recht nah. Nachdem der Anstieg so lange gedauert hat, kosten wir die auch sehr lange Abfahrt voll aus und müssen erst wieder in der Ebene vor Ongudai in die Pedale treten. In Ongudai selbst bekommen wir im Basar sogar ein Ersatzschaltwerk (ich hätte zwischen 2 Modellen wählen können) und treffen noch andere Radler, zwei Schweizer und eine Japanerin, die mit ihren unterwegs gekauften Billigrädern Asien unsicher machen. Erstaunlich wie gut sie durchkommen, allerdings wollen sie sich im nächsten grösseren Ort neue Laufräder kaufen, das tägliche Reparieren scheint doch langsam zu nerven. Wir unterhalten uns lange und kriegen Tips für die Mongolei, sowie einen mongolischen Strassenatlas. Der ist von grossem Wert von uns, da wir nur eine einfache RKH-Karte und die russischen Generalstabskarten dabei haben. An einer der ersten Flussquerungen in der Mongolei haben sie wohl ungute Erfahrungen mit Mongolen gemacht, aber solche Stories haben wir auch schon vorher gehört.
Etwas verpätet geht es nun noch hinter Ongudai weiter, auf den nächsten Pass mit dahinter gelegenem schönem Zeltplatztauglichen Tal werden wir nicht mehr kommen. Es fängt bald auch ziemlich stark zu winden an und wenig später bricht noch ein Sturzregen los, nur sind diesmal die Bäume zum Unterstellen spärlicher.
Im übrigen erstaunt uns das Tal aus dem wir heraus gekommen wären, wenn wir die flache Alternative gewählt hätten, es sieht dort so aus, als ob eine 4spurige Autobahn gebaut wird, da wären wir also wohl doch ohne Probleme über den Fluss gekommen. Wir wissen allerdings immer noch nicht was da wirklich gebaut wird (eine Stromleitung, eine Pipeline?).
Die Schlafplatzsuche am Abend ist nicht ganz einfach, direkt an der Hauptstrasse wollen wir nicht zelten, so fahren wir an einer Kurve eine kleine Nebenstrasse hinein und schlagen uns dort ins Gras. Am Abend kommt noch ein Auto diese Strasse herunter, wir spekulieren, dass das die alte Passstrasse ist.
Die Nacht war dann leider weniger entspannend als erwartet, hinter dem Zelt gab es immer ein komisches nicht zuzuordnendes Geräusch das uns beunruhigte, so ein Summen oder Zischen, auch das darauf zugehen in stockfinsterer Nacht brachte keine Erkenntnis.

Hängebrücke am Katun

Auch für Kühe ausgelegt

Blick von der Brücke

Tal zum Pass

Wir folgen einem einfachen Forstweg

Immer wieder Pferde

Perfekter Regenschatten

Blick vom Pass

lange Abfahrt voraus, wieder Pferde

Unten angekommen

Ongudai

Blick zu einer grossen Baustelle

Auf dem Chuysky Trakt zur mongolischen Grenze

Am nächsten Morgen sieht es zwar weiter nach Regen aus, aber die ersten Kilometer bleiben wir verschont und wagen den Versuch auf der alten Passstrasse zu fahren (zumindest das GPS hat eine Route drinnen, welche wieder auf die Hauptstrasse führen sollte). Der Forstweg ist schön geführt und natürlich völlig verkehrsfrei.Als es zu regnen beginnt sind wir schon im Wald, der uns vorerst ein bisschen schützt. Weiter oben regnet es leider stärker, so dass wir uns als wir die Passhöhe erreichen, bei einem der Stände unterstellen können. Die Abfahrt ist feucht kühl und dauert ewig, es geht ja vom Pass zurück zum Katun. Diesen fahren wir wieder flussaufwärts, mit der Zeit zeigt sich die Sonne auch wieder. Nach der grossen Brücke über den Fluss geht die Chuya nach links ab, sie ist Namensgebend für die Strasse und ihr folgen wir nun bis Kosch-Agatsch. Bei wieder auftretenden Regenschauer wettern wir teils im Strassencafe oder in einer Betonröhre unter der Strasse ab. Am Abend schlagen wir an einem kleinen Nebenbach das Zelt auf, der nächste Ort ist ein gutes Stück weiter weg.
Die Nacht verläuft allerdings noch ungemütlicher als die Nacht davor. Nach Mitternacht knallen in unmittelbarer Nähe mehrere Schüsse und lassen uns fast senkrecht stehen. Nein, wir schmiegen uns vielmehr auf den Boden. Unser Zelt wird von Scheinwerfern erleuchtet. Als nochmal Schüsse knallen nehme ich die Stirnlampe und will raus gehen. Doch als ich draussen bin, knallen Türen und ein Auto rast davon. Wir hatten schon im Vorfeld von gefährlichen Begegnungen mit schiesswütigen Altaiern gehört und mutmassten nun erst einmal, dass jemand unser Zelten hier nicht dulden mag. Als nach einiger Zeit das Auto wieder zurückkommt, nehme ich Geld mit und gehe zu den Leuten. Sie winken mich zu sich und wollen mich im Auto auf einen Wodka einladen. Sie meinen sie wären Jäger und hätten auf einen Hirsch geschossen. Wodka lehne ich dankend ab, sie sind schon ordentlich betrunken und daher will ich nur sicher stellen, dass uns nichts Böses von ihnen erwartet. Das scheint erst einmal nicht so. Im Zelt versuchen wir dann wieder weiter zu schlafen, nur eine Stunde später kommt nochmal einer direkt bei uns vorbei, er will im Gelände nach dem Hirsch schauen, der muss wohl direkt hinter unserem Zelt gestanden haben.
Am nächsten Morgen wollen wir zügig weiter, da wir die Registrierung noch nicht erledigt hatten und hoffen das in Aktasch noch nachholen zu können. Auf der Asphaltstrasse geht es auch gut voran, so dass wir bei der Polizeistation noch vor Mittag sind. Nur leider scheint die Polizei hier doch keine Registrierung vorzunehmen und schickt uns zur Post weiter, der Polizist fährt uns sogar noch mit dem Geländewagen den Weg voraus um uns den schnellsten Weg zu weisen. Doch auch die Dame auf der Post kann nicht weiterhelfen, sie meint, dass wir bei ihr nur hätten registrieren können, wenn wir uns innerhalb von 3 Tagen nach Einreise gemeldet hätten und so werden wir auf Kosh-Agatsch verwiesen.
Um schneller dorthin zu kommen und um keine Probleme mit der Registrierungsfrist zu bekommen, stoppen wir unterwegs noch einen Uazik (Kleintransporter), der uns ein Stück mitnimmt. So kommen wir vor abends in Kosh-Agatsch an und können bei der Registrierungsstelle vorstellig werden, welche uns aber sagt, dass wir ruhig ohne Registrierung ausreisen könnten, da die Frist aufgrund von Wochenenden noch nicht abgelaufen sei. Das beruhigt uns und so machen wir uns an die nächste Information, man soll von der Grenzstation zur Grenze nicht Radfahren dürfen. Bei der Militärverwaltung in Kosh-Agatsch erkundigen wir uns daher ob das so stimme, bekommen vom Posten am Eingang aber nur die Antwort, dass man doch ohne Probleme fahren könne, die Strecke wäre ja sogar asphaltiert. Guten Mutes machen wir uns also auf dem Weg aus der Ortschaft heraus und legen in geradezu einzigartiger Abend- und Gewitterstimmung noch ein paar Kilometer zurück. Die Gegend macht alleine schon einen sehr abgelegenen Eindruck, die Wolkenstimmung der Schauerwolken in Kombination mit der untergehenden Sonne lässt sie aber noch surrealer erscheinen. Wir zelten nicht weit von der Strasse in einer Grube, welche der Kiesentnahme diente, so sind wir hoffentlich vor Blicken geschützt. Der Kontrollposten davor ist zufrieden als wir ihm unsere Pässe samt mongolischem Visum zeigen und lässt uns problemlos durch.

Morgenstimmung

Alte Passstrasse

Neue Passstrasse

Chuysky Trakt

Inja

Mit Sonne fährt es sich gleich besser

Betonleitplanke

Regenbogen an der Chuya

Kurz vor Aktasch

Eingeschnittene Chuya

Hinter Aktasch

Kosh-Agatsch

Abendstimmung

Fortsetzung in die Mongolei folgt noch

Geändert von dcjf (13.01.13 23:00)
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#893447 - 27.12.12 18:45 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
dhomas
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Beiträge: 1763
Wow. Cool!
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#893470 - 27.12.12 21:25 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
Radreisender
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abwesend abwesend
Beiträge: 792
Unterwegs in Panama

Ich bin begeistert bravo
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#893739 - 28.12.12 17:15 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
uwee
Gewerblicher Teilnehmer
abwesend abwesend
Beiträge: 1284
Unterwegs in Neuseeland

Schöner Bericht!
Tolle Bilder!!
Will ich auch machen!!!
Gruß
Uwe
hier nur privat, (gewerblich wg. 2 Radreisebüchern)
www.velo-traumreise.de
www.velo-traumreise.blogspot.com
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#893794 - 28.12.12 20:14 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
Rennrädle
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 6362
ja, echt ein toller Bericht.

Den Bereich "Reiseberichte" ist immer wieder super schön zu entdecken.

Rennrädle
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#895897 - 05.01.13 14:11 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
dcjf
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 2082
Unterwegs in Schweiz

Nun geht es mit der ersten Mongolei-Woche weiter.
Erst einmal müssen wir da aber rein.

Erste Mongolei-Eindrücke

An sich haben wir vor dem Übergang nicht so viel Respekt, wie andere. Wir hatten am Vortag ein Kiwi-Pärchen getroffen, welche noch eine kleine Ehrenrunde hier radelten, da ihre in die Mongolei bestellte Felge noch etwas Zeit brauchte (eine Felge hatte Risse und beim Basteln ist ihnen auch noch der Ring, der die Kasette anzieht kaputt gegangen). Die hatten sich schon mehr den Kopf um die Grenze gemacht, weil man mit dem Rad da bekanntlich nicht rüber kommt. Die Beschreibung von ihrem Grenzübertritt im Nachhinein auf ihrem Blog liest sich auch so, als ob das ein ganz grosses Highlight war. Nun ja, je näher wir auf die Grenze zukommen, desto mehr hoffen wir auf Verkehr, weil irgend jemand muss uns ja mitnehmen. Der erste LKW hat keine Lust, aber schon das nächste Fahrzeug, ein Uazik mit Pritsche, nimmt uns mit. Wir sitzen hinten samt Rädern unter der Plane. Aber wir hätten gar keinen Stress machen brauchen, an der Grenze warten schon ein paar Fahrzeuge auf die Öffnung. Insgesamt verzögert es sich noch etwas, zumal Ausländer noch an anderen Orten zur Immigration müssen. Als wir schliesslich im Inneren der Abfertigung sind, wollen die russischen Rechner auch nicht mehr, so dass es noch etwas dauert bis wir auf der Pritsche weiterfahren dürfen.
Die Russen waren recht korrekt, im Gegensatz zu den Mongolen, welche uns vorne und hinten das Geld rausziehen wollten. Im Niemandsland (es sind 25 km zwischen den Posten) wird noch ein LKW-Fahrer abgesetzt, der Reparaturmaterial für seinen dort liegenden LKW holen war.
Am Eingangstor der Mongolen werden wir abgesetzt, unser Fahrer hatte wohl genug Zeit um sich bei Kollegen zu erkundigen, was man für den Mitnahmedienst verlangen kann, er versucht es erst einmal mit dem Taxipreis von Kosh Agatsch bis Ölgi, aber wir geben ihm nur so viel, wie uns fair für die Strecke erscheint und nach ein paar Mal Nachhaken ist er zufrieden damit.
Bevor wir rein dürfen sollen wir erst einmal ein Formular ausfüllen, ausserdem will der Wachmann eine Art Eintrittspreis. Das Formularausfüllen wird zur Qual, da hier Myriaden von kleinen Sandflies herumfliegen. In Russland hatten wir die nicht und versuchten sie zunächst zu Ignorieren, jedoch beissen diese, solange man ihnen zu viel Zeit gibt. Wir waren also froh, als alles ausgefüllt war und wir auch ohne zu Zahlen rein durften. Drinnen ging es dann weiter, einer der Beamten wollte Geld für das Ausfüllen eines Formulars, mit ein bisschen Warten ging der Betrag immer weiter runter, so dass es wohl keine offizielle Gebühr war. Als Nächstes ist das Geldwechseln dran, zuerst wollen wir gar nichts wechseln, nachdem die Beamten jedoch meinen, dass heute Samstag die Bank nicht offen hat, gehen wir doch drauf ein. Der Kurs ist grottenschlecht und wenig später können wir dennoch in der Bank wechseln, wir mussten nur im Dorf die zuständige Frau ausmachen.

Wir sind froh als wir das Grenznest verlassen können und freuen uns auf die erste echte Piste der Reise, allerdings ist es oft angenehmer kleine Wege neben der Piste zu nehmen. Die Landschaft ist so, wie man sich die Mongolei vorstellt, Wiese, Hügel und ab und an eine Jurte (bzw. ein Ger, wir haben uns aber an den Begriff Jurte gewöhnt). Als wir nach ein paar Stunden beim nächsten Ort sind, wollen wir uns dort auch um Wasser kümmern, einen Brunnen sehen wir nicht, weshalb wir nachfragen. Und prompt führt uns ein Dorfbewohner zu sich nach Hause und füllt uns von seinen Vorräten die Flaschen auf. Er zeigt uns sogar einen Stein, mit dem er das Wasser desinfiziert. Zur Sicherheit geben wir trotzdem noch unser Certisil dazu. Auf dem Weg aus dem Dorf heraus verfahren wir uns etwas und müssen querfeldein auf die richtige Route fahren/schieben. Wir verlassen bald wieder die Hauptpiste, zum einen um abseits einen Zeltplatz zu finden, zum anderen weil wir für den Folgetag eine Alternativroute eingeplant haben. Am Abend bekommen wir noch Besuch von ein paar neugirigen Hirtenjungen, die wohnen auch der Reparatur des Wasserfilters bei. Die ist ziemlich nötig, da wir hier ja nicht immer auf sauberes (klares) Wasser stossen werden und nicht immer wählerisch mit der Wasserwahl sein können. Die defekte Kartusche wird daher mit Zweikomponenten-Uhu geklebt und über dem Kocher erhitzt, um den Kleber schneller härten zu lassen. Das ganze klappt zu unserer vollen Zufriedenheit, schon am folgenden Tag können wir den Filter brauchen.

Im Niemandsland der Grenze

Der mongolische Grenzort

mongolische Landschaft

Besuch
Die eigentliche Piste geht hier von Tsagannur zum Achitnur in östlicher Richtung und dann dem Achit Nur entlang nach Süden, also ein ziemliches Eck. Zudem soll es teils recht sandig werden. In alten Russenkarten haben wir auch Pfade gesehen, welche direkt nach Südosten an den Ausfluss des Achit Nur führten, diesen Wegen wollten wir folgen. Wir folgen daher erst einmal einigen Fahrspuren einen See entlang, bis diese steiler einen Gebirgszug hoch gehen. Hier verzweigen sie sich etwas, aber es hat noch genügend Spuren, welche in Richtung unseres GPS-Tracks gehen. Oben wird es so steil, dass wir schieben müssen, doch dann haben wir es auf das Hochplateau geschafft, auf dem die Piste wieder gut fahrbar weitergeht. Es ist wundebar zu fahren, zumal hier lauter kleine Blumen der Landschaft eine zarte Färbung einhauchen. Zwischendurch treffen wir sogar einmal auf eine Jurte und als wir einen Abschnitt eher weglos nehmen kommt uns noch einmal ein Hirte mit seiner Kuhherde entgegen. Wir folgen einem Trockental, welches uns wieder ins Becken des Achit Nur bringt, den man in der Ferne schon glitzern sieht. Anstatt zum See runter, fahren wir lieber weiter oben eine Querung weiter, welche wohl eine alte Piste ist. Es hat allerdings kaum frische Spuren. Dafür ist die Landschaft besonders reizvoll mit ihren freigewitterten Felsen. Als wir uns wieder in Richtung Hauptpiste zubewegen fängt leider der Sand an, ab und an muss geschoben werden, am längsten direkt am Ausfluss vom Achit Nur, wo auch einige Jurten stehen. Da es nach Regen aussieht stellen wir uns bei der Brücke etwas unter und filtern Wasser für den Abend.
Nach wenigen Kilometern wird dann einfach neben der Strasse das Nachtlager aufgeschlagen, ein Bus mit neugierigen Insassen hält noch für einen Plausch, doch dann ist Ruhe.

Am Morgen vor dem ersten Pass

Auf der Hochebene

Blumenwiese

Einsame Gegend

Querfeldein zum Achit Nur

Auf Nebenstrecken nach Naranbulag

Am nächsten Tag geht es in die erste grössere mongolische Ortschaft, Khovd (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen grösseren Khovd). Dort ist die Auswahl beim Einkaufen gar nicht so schlecht und auch Wasser ergattern wir am örtlichen Brunnen (nachdem uns erst jemand zum dreckigen Fluss geschickt hat).
Wir folgen nun wieder einer kleineren Piste mit wenig Verkehr, eine Flussquerung ist dabei, aber problemlos (dieses Jahr habe ich von einem deutschen Motorradfahrer erzählt bekommen, dass es unmöglich war über den Fluss zu kommen, zu viel Wasser). Ein Jeep kommt uns entgegen, es sind UN-Mitarbeiter aus Ulan-Bator, welche uns noch ein bisschen vom schweren Leben der Leute hier erzählen. Nach einem Pass geht es zu einem See herunter, wir wollen uns eine Gegensteigung sparen und müssen daher teils weglos am Ufer entlang schieben. Hinter dem See kommt wieder ein Pass, hinter dem wir dann den Weg etwas verlieren, bzw. wir fahren einfach unserem GPS-Track nach, doch die Piste ist schon seit Jahren nicht mehr befahren worden, dennoch rollt sie sich gut. An einer grünen Wiese wird Abend gemacht, die Abendstimmung ist wie so oft in der Mongolei super. In der Ferne hören wir noch einen LKW, der scheint auf der richtigen Piste unterwegs zu sein.
Diese erreichen wir morgen auch wieder und fahren in Ömnögov ein. Dort überrascht uns ein ziemlicher Schauer, so dass wir Unterschlupf in einem Vorraum eines Jugendcenters suchen. Nach einer Stunde warten geht es weiter nach Ölgi (wieder ein anderes, als das bekannte Ölgi). Das ist ein grösseres Zentrum hier, mit grosser Schule und auch einer Tankstelle. Die Tochter der Besitzer ist hier auf Urlaub und spricht ganz passabel Englisch, endlich wieder jemand, mit dem man sich unterhalten kann. Von Ölgi wollen wir weiter nach Naranbulag, dazu muss aber auch erst einmal die richtige Piste in die Berge gefunden werden. Sie ist wieder sehr einsam, dafür gibt es nach Überwinden des Bergkammes eine Stromleitung, welche den Weg weist. Die Abfahrt ist super, es geht immer leicht bergab und rollt sich gut. Die Landschaft wird allerdings immer trockener. Naranbulag ist noch weit und so schlagen wir unser Zelt mal wieder neben der Piste auf.

Khovd

Flussquerung ohne Probleme

So ein grosser Baum ist selten

Hirte

Hier führen verschiedene Wege zum Ziel

Es sieht nach Regen aus

Am Ölgi Nur

Im Anstieg hinter Ölgi

Stromleitung als Wegweiser

Dem Khargas Nur entlang
Am nächsten Tag zieht es sich noch etwas bis Naranbulag, wo wir noch einmal Grosseinkauf machen, da es nun länger versorgungsfrei durch die Halbwüste gehen wird. Es hat sogar Bäume im Ort! wir sind nun wieder auf eine Hauptstrecke, von Norden führt diese ab Ulangom hierher. Dementsprechend hat die anschliessende Piste dem Khargas Nur entlang auch ziemlich viel Wellblech und ab und an überholt auch mal ein LKW oder Kleinbus. Der See ist abflusslos und daher auch eher salzig. Hier in der Gegend muss man mit Trinkwasser aufpassen und daher holen wir an einer besonderen Quellstelle auch nochmal ordentlich Nachschub. Diese Stelle ist kurz vor einem alten Hotel, man sieht am Abhang oben schon viel grün und einen recht ausgetrampelten Pfad nach oben. Aber so viel Arbeit hätten wir uns gar nicht machen müssen, hinter dem Hotel ist auch noch einmal ein Bach, den die Piste quert und die Nacht verbingen wir auch an ein paar kleinen Tümpeln.
Erst am nächsten Tag ist es dann kritischer mit Wasser. Die Piste führt noch ein bisschen den Khargas Nur entlang und am Ende des Sees hat es zwei Restaurantjurten, bei denen einige LKWs halten. Als wir dort nochmal nach Wasser fragen, werden wir zu einem Sumpfloch geführt, in welches schon allerlei Insekten gefallen sind und das auch einen eher modrigen Geruch verbreitet. Als Notreserve nehme ich eine Flasche davon. Zu allem Übel platzt uns auch noch der Apfelsaft und Dina darf ihren gesamten Tascheninhalt trocknen. Hinter den Jurten sollte nun unsere gewünschte Piste abgehen.
Es gibt hier im Norden vor allem 2 Radlerhauptrouten, die eine geht von Ulangom ostwärts nach Mörön, die andere ist die Piste von Naranbulag ostwärts. Hinter dem Khargas Nur soll diese allerdings nicht so spannend sein und zudem ist Wasser selten, sowie kein Ort zu erwarten. Daher hatten wir mal wieder die Russenkarte konsultiert und wollen vom Khargas Nur gegen Süden zu einer anderen ostwärts führenden Piste. Dort wird es auch Dünen haben und ein bisschen mehr Bergland, was die Sache abwechslungsreicher machen sollte. An der Restaurantjurte ist die Route zwar bekannt, sie scheint aber sehr wenig befahren zu sein.

Zum Glück sind die Schiebestrecken hier noch kurz

Naranbulag

WC

Es hat wieder Verkehr

Der Khargas Nur

Quelle

Das Grün ist verschwunden
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#895954 - 05.01.13 17:45 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
lytze
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 333
Na, das nennt man ja wohl Kontrastprogramm!!!
Ich beneide Euch um Eure Erlebnisse und genieße den ausführlichen Reisebericht.

Frage: Wie macht Ihr das mit den Detail-Informationen unterwegs? Mehrmals täglich kurze Stichworte zu aktuellen Erlebnissen usw. notieren? Oder am Abend kompletten Tagesrückblick als Tagebuch? Oder später anhand der Fotos die kommentare nacherinnern? Jeder hat ja eine andere Technik.

lytze
Wer schnell fährt, kann auch schnell schreiben...
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#896015 - 05.01.13 19:54 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: lytze]
dcjf
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 2082
Unterwegs in Schweiz

Hallo

tagsüber schreiben wir eigentlich nie etwas auf. Es wird aber unterschiedlich gehandhabt. Manchmal wird am Abend noch kurz was zum Tag geschrieben, manchmal mit ein paar Tagen Verzug und manchmal erst nach der Reise. Die Erlebnisse sind ja oft noch im Kopf und manche Sachen, die vielleicht unwichtiger sind, sind halt vergessen.
Bei der Tour hier, haben wir glaube ich nur bis zur mongolischen Grenze etwas geschrieben und hinkten dann immer gnadenlos hinterher mit Aufschreiben.

Dieses Jahr im Sommer war es so, dass ich während ich mit der Freundin unterwegs war, jeden Abend zu müde war um noch etwas aufzuschreiben. Erst als ich alleine unterwegs war, hatte ich dann die Zeit gefunden (und dabei bin ich da eigentlich grössere Strecken gefahren).

Bei vielen Touren habe ich aber bisher noch gar keinen Reisebericht geschrieben und auch keine Aufzeichnungen dazu. Für eine Tour bin ich gerade am Schreiben und habe noch nicht einmal vernünftige Photos und es ist 10 Jahre her. Insofern wäre das regelmässigere Schreiben schon etwas Schönes gewesen (man muss es dann aber auch mal wieder lesen wollen).

Grüsse

Christian

Geändert von dcjf (05.01.13 19:55)
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Off-topic #896199 - 06.01.13 15:04 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
lytze
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 333
In Antwort auf: dcjf
...man muss es dann aber auch mal wieder lesen wollen)...


Ich nähere mich ja mal so allmählich dem Schaukelstuhlalter und denke, dass ich in ein paar Jahren, wenn es dann insgesamt etwas ... ruhiger zugeht, froh über die Hinterlassenschaften meiner Touren bin. Von daher werden die Aufzeichnungen der Fahrten und Wanderungen nit zunehmendem Alter immer umfangreicher und detaillierter.

Jetzt habe ich mir ein kleines Diktiergerät besorgt (Philipps voicetracer 660), mit dem ich dann bei den Fotostopps oder einer Trinkpauseein paar Hinweise aufnehme.

lytze
Wer schnell fährt, kann auch schnell schreiben...
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#899619 - 15.01.13 17:07 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
dcjf
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Nun gibt es die nächste Mongoleiwoche im Schnelldurchgang. Im ersten Post des Blogs habe ich noch eine Karte mit der Route eingefügt, welche auch mit den Einträgen verlinkt ist.

Durch die Wüste nach Urgamal

Einen Kilometer hinter der Restaurantjurte machen wir Mittagspause, dummerweise ist der Saft in Dinas Tasche aufgeplatzt und die Ortliebs halten dicht. So wird der gesamte Inhalt über ein paar dürre Büsche zum Trocknen gelegt. Wir versuchen ein bisschen was vom Schatten dieser Büsche abzubekommen.
Dank GPS verlassen wir die Hauptpiste und folgen einer Nebenstrecke. Zunächst rollt es sich super über eine Tonebene. Dann folgt ein Anstieg, welcher immer wieder von sandigen Abschnitten unterbrochen ist, welche uns zwingen zu schieben oder im Schritttempo zu fahren. Da in der Russenkarte ein Brunnen eingezeichnet ist, halten wir nach ihm Ausschau. Die Brunnen heute früh waren allerdings trocken. Es hat tatsächlich einen Brunnen, wenn auch an anderer Stelle und er führt Wasser. Sogar ein Eimer liegt bereit, samt Schnur. Damit holen wir das kühle Nass nach oben, es ist klar und kalt. Gefiltert wird trotzdem, es hat allerhand Insekten reingeblasen. Damit sollten wir genug Wasser für morgen haben.
Der Weg wird nicht leichter und so schlagen wir an einer angedeuteten Passhöhe unser Lager auf. Ziemlich einsam ist die Piste hier, erst um Mitternacht werden wir aus dem Schlaf gerissen, als ein beleuchtetes Auto an unserem Zeltplatz vorbei fährt.
Vom Pass aus fällt die Piste nun fast unmerklich ab, am Anfang hilft das noch ein bisschen, später wird die Piste immer tiefer und wir lassen ein wenig Luft aus den Reifen. Das verhindert nicht jede Schiebestrecke, aber vielleicht bringt es ja trotzdem etwas. Während wir gestern noch über das Wellblech der Hauptpiste geschimpft haben, freuen wir uns heute darüber. Denn wo im Sand Wellblech ist, kommen wir meist noch ohne Schieben voran, wenngleich langsam und oft kurz vor dem Umfallen. Am Vormittag treffen wir dann die ersten Touristen seit der Grenze. Und was für eine Menge, eine Gruppe französischer Rentner auf ihrer Tour von Paris nach Ulan-Bator ist mit 14 Fahrzeugen unterwegs, welche an uns in 1er oder 2er Gruppen vorbeiziehen und meist halten. So bekommen wir noch ein bisschen Orangensaft aus dem Kühlschrank und Mineralwasser, leider ist kein Cola dabei. Nach einer Stunde ist das letzte Fahrzeug vorbei, komische Art in einer Gruppe zu fahren. Die Strecke wird monotoner, daher ist ein weiterer Brunnen eine willkommene Abwechslung, leider ist er trocken. als wir am Nachmittag einen Jeep in weiter Entfernung sehen, denken wir zuerst an die Franzosen, doch er entpuppt sich als einheimischer Jeep, der einen Haufen Jugendlicher zum Khargas Nur transportiert. Sie scheinen grosses Mitleid mit uns zu haben, sie deuten auf den Boden, was wohl heissen soll, es kommt noch mehr Sand. Dafür bekommen wir sogar eine grosse Pepsi von ihnen geschenkt. Leider sollen sie Recht behalten, wir hatten es schon fast vermutet, auf der Karte sind Dünen eingezeichnet. Die können schon was mit Sand zu tun haben. so mühen wir uns noch den ganzen Nachmittag auf der sandigen Piste ab und sind froh, als wir am Abend das rettende Ufer erreichen, hier fliesst ein wunderschöner Fluss am Rand der Dünen. Entsprechend belebt ist es hier, viele Jurten stehen herum und auch viel Vieh.


Wilde Kamele?

Trockener Brunnen

Gut rollende Tonebene

Dieser Brunnen hat Wasser

Hier ist Schieben angesagt

Übernachtungsplatz, um Mitternacht kommt noch das erste Fahrzeug

Die Franzosen kommen

Leider sehr mühsam heute

Die passen alle in das Fahrzeug

Geschafft, Zeltplatz am Flussufer

Am Mongol Els entlang

In der Früh geht es zunächst nach Urgamal, wo wir erst auf die Ladenöffnung warten. Hinter dem Ort löst sich Dinas Gepäckträger vollständig, so dass wir den erst mal wieder fixieren müssen. Dann folgen wir einer Piste immer dem Fluss und den Dünen entlang. Leider nehmen wir wohl eine falsche Abzweigung und folgen einem kurz vorher durchgekommenen LKW. Das führt wieder ziemlich in den Sand. Ein bisschen können wir auf die grüne Ufervegetation ausweichen, bis der Weg dann wieder den Hang rauf geht. Zum Glück zieht, wie gestern, wieder Regen auf, vor dem wir uns in den Velosack verkrümmeln. Dafür sind danach die sandigen Abschnitte deutlich besser zu fahren, feuchter Sand trägt besser. Übernachtet wird wieder im Anblick der Dünen, hier sind sie noch spektakulärer, ein richtiges Dünenmeer. Der nächste Tag wird wieder mühsam und hält so manche Plage parat. Während ein steiler Berg noch das übliche Radlerbrot ist, folgt wieder Sand. Der nächste Ort nach Urgamal ist zwar in Sicht, doch die Strasse scheint hier einen ziemlichen Umweg zu machen. Statt doppelt so lange im Sand zu fahren, wollen wir den direkten Weg nach Zavkhanmandal einschlagen, der zudem mehr Wiese, also tragfähigeren Untergrund verspricht. Doch, oh weh, die grünen Wiesen sind von Büschen bestanden, in denen Myriaden von Mücken nur auf ein Opfer warten. Wir tappen voll in die Falle. Es ist so unerträglich, dass das Rad hingeschmissen wird und die Regenbekleidung aus den Taschen gerissen wird. Es ist zwar über 30 Grad warm, aber die Mücken sind schlimmer. Wir flüchten zurück auf die Sandpiste und sind nun sogar froh, mückenfrei durch den Sand stossen zu dürfen. Der Ort ist dann angenehmer als gedacht und hat auch einen gut sortierten Supermarkt.
Beim Rausweg verfahren wir uns ein bisschen, zum Glück treffen wir unterwegs zwei Familien auf zwei Mofas. Das ist aller Verkehr den wir bis zum nächsten Ort sehen. Sie klären uns über den Weg auf und wir geniessen einsame Pisten, müssen aber vor weiteren Gewittern flüchten. Die Landschaft ist nun so, wie man sich die Mongolei vorstellt, hügelig und Grasland ohne Ende. Schon früh sehen wir den nächsten Ort, doch er täuscht. Es dauert noch Ewigkeiten bis wir ihm näher kommen, er ist grösser als gedacht. Wir gewinnen noch einen Pass hinter dem Ort, wo wir das Zelt aufschlagen, so haben wir Sonnenuntergang und Sonnenaufgang garantiert. Ein paar neugierige Jugendliche vom Ort sind noch raufgekommen. Wir warten mit Zelt aufstellen bis sie wieder verschwunden sind.


Landmarke am Horizont

Fluss mit Dünen

Schöner Zeltplatz

Treffen auf der Piste

Grosse Weite

Auf der Flucht vor Gewittern

Sieht schon wieder besser aus

Egal wo man das Zelt aufstellt, hier gibt es nur schöne Plätze

Nur Fliegen ist schöner - über Lehmpisten nach Jaruu

In der Früh schauen noch Reiter vorbei, die jedoch einen anderen Weg einschlagen. Es folgen heute traumhafte Lehmpisten durch einsame Landschaften. Bis Ölgi hatten wir eigentlich immer relativ viele Jurten gesehen, in der Wüste war dann natürlich fast nichts los, aber hier bei dem saftigen Gras wundert es uns. Wahrscheinlich wird hier doch auch eine Wanderviehwirtschaft betrieben, an anderen Orten sah es oft sehr übernutzt aus, das Gras ist dann sehr kurz rasiert und fast keine Blume zu sehen. Mittags werden wir mal wieder von den kleine beissenden Fliegen genervt, nach einer Bachquerung hatten sie sich an uns geheftet und nicht mehr losgelassen, bis endlich mal wieder etwas mehr Wind aufkam. Ein weiteres Missgeschick ist, dass sich die Öse an der Dinas Gepäckträger angeschraubt ist, verabschiedet. Zum Glück hat das Rad zwei Ösen.
Etwas mehr los ist erst wieder, als wir in Jaruu sind, wo wir auch unser erstes mongolisches Restaurant besuchen. Hier ist nicht viel los und so muss die Inhaberin erst einmal nach draussen um die Zutaten zu besorgen. Daraufhin wird Teig gemacht, aus dem die Nudeln für die Suppe geschnitten werden. Nachdem wir bedient wurden, gibt es den Rest der angemachten Speise auch für die Familie.
Hinter Jaruu geht es ein Tal rein, welches voller Jurten steht. Daher haben wir etwas Mühe einen Schlafplatz zu finden. Wir lassen uns zwischen zwei Jurten nieder, welche jeweils einige Hundert Meter von uns weg sind. Doch gerade hier ist der Bach ausgetrocknet, oberhalb und unterhalb fliesst er. Zum Glück haben wir noch genug Wasser. Wir werden natürlich beobachtet. Jeder Mongole hat ein Ferglas, wir haben mitgerüstet und können zurückzielen. Am Abend kommt noch ein neugieriger Reiter vorbei, der sich vor allem für unsere Räder interessiert. Er kommt bald darauf mit einem Freund zurück. So wie sie sich auch untereinander verständigen, denken wir, dass zumindest einer von ihnen taubstumm ist. Sie dürfen gerne unsere Räder probieren, der Versuch gerät allerdings sehr kurz. Im Gegenzug darf Dina auch mal ausreiten.


Traumhafte Lehmpiste

Yaks

Stark beweidetes Nebental

Pferdetausch


Von Jaruu nach Tosontsengel

Die Nacht wird kalt, und zu unserem Erstaunen sehen wir am Morgen Schnee liegen. Da es dennoch aufklart machen wir uns auf, und die Schneegrenze wandert rasch nach oben.
Wir folgen den Spuren von gestern und gelangen auf eine geschobene Piste, die allerdings wenig befahren ist. Es geht über einen relativ hohen Pass (2500 m) und im Anschluss wieder über weite Wiesenflächen und Täler bis zur Hauptstrasse Tosontsengel/Ulistai. Dort ist es besser die Nebenpisten zu fahren, als die verwellblechte Hauptpiste. Nicht weit von der Strasse schlagen wir das Zelt auf und bekommen noch mehrfachen Besuch. Ein paar Autofahrer schenken uns noch eine Kakteenlimo, hatte ich noch nicht gekannt. Zudem besucht uns eine neugierige Pferdeherde. Einige der Pferde wagen sich besonders nah ans Zelt, aber immer mit grosser Vorsicht.
Die Nacht über werden wir aber nicht mehr gestört und fahren am Folgetag nach Telmen, das einen guten Markt hat. Wir befinden uns nun im Tal des Ider-Gol, dem wir noch eine Weile folgen. Dabei gelangen wir wohl auf eine alte Strasse, es hat keinen Verkehr mehr. Die eigentliche Route nach Tosontsengel geht wohl weiter westlich und nördlich. Das tut der Sache keinen Abbruch, weil die Lehmpiste gut fahrbar ist und hier auch wieder eine Blumenpracht herrscht. Nach einem weiteren Pass und einigen Kilometern Abfahrt gelangen wir auch wieder auf die grosse Strasse. Kurz vor Tosontsengel machen wir kurz Rast am Willkommensschild. Dort ist gerade auch eine Gesellschaft am Picknicken, oder wie man das bezeichnen mag, die meisten sind voll. Aber mit einem älteren Herren können wir uns ganz gut unterhalten, der erste Mongole, der Russisch kann. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass die Mongolen vom grossen Bruder die Sprache besser gelernt hätten. Er gibt uns noch einen Tipp für die Querung des Gebirgszuges zum Tsagan Nur. Es hat 3 Strecken, er empfiehlt uns die östliche Variante über den Sagastain Daba, da sei er früher schon mal drüber gefahren.
In Tosontsengel kann wieder eingekauft werden, Internet suchen wir erfolglos, auch wenn es angeschrieben ist. Die Computer werden jetzt aber lieber zum Spielen verwendet.
Ein bisschen müssen wir dann noch suchen, um das richtige Tal zu erwischen, die Wetterstimmung könnte nicht besser sein, es hat eine scharfte Wolkengrenze und wir sind unter klarem Himmel, die Sonne zaubert intensive Farbtöne daher. Nahe des Flusses suchen wir uns einen idyllischen Zeltplatz, der nicht einsichtig ist und freuen uns schon auf den Folgetag, da das Tal wirklich wunderschön ist.


Unerwarteter Schnee

Neugierige Pferde

Querung des Ider-Gol

Aufgegebene Gefährte

Abfahrt

Hier gehts rein, ins Tal von Arschant

Abendstimmung I

Abendstimmung II

Abendstimmung III



Geändert von dcjf (15.01.13 17:07)
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#899665 - 15.01.13 18:53 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
comanderhenne
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Echt Klasse,

super Bericht und schöne Fotos. grins

Stefan
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#900325 - 17.01.13 14:23 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: comanderhenne]
gerold
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Beiträge: 2322
In Antwort auf: comanderhenne
Echt Klasse,

super Bericht und schöne Fotos. grins

Stefan


Kann mich dem nur anschließen - da juckt es gleich in den Beinen. Geniale Tour !
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#901331 - 20.01.13 17:51 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
natash
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Hallo Christian,
eine sehr schöne Reise, vor allem durch einen gegend, die mich auch stark interessiert.
Wie hoch war eigentlich der Anteil nicht fahrbarer Strecken? Das schienen ja nicht wenige gewesen zu sein.
Gruß Nat
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#901395 - 20.01.13 20:24 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: natash]
dcjf
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Hallo Nat

ja, die Gegend ist wirklich schön. Der Altai war so toll, dass wir dieses Jahr nochmals da waren, für die Mongolei reichte die Zeit leider nicht. Der Anteil der unfahrbaren Strecken hängt natürlich auch vom Fahrer/Rad ab und zudem vom Wetter. Eigentlich waren es nur kurze Abschnitte, am extremsten am Katun, wo wir Gepäck und Rad einzeln durch Latschen und über Felsen transportieren mussten, über eine längere Strecke hätten wir das nicht gemacht. Die Sandstücke in der Mongolei waren nervig, aber wir konnten doch meist fahren, wenngleich teils Schieben nicht langsamer gewesen wäre. Einmal hat ein bisschen Regen geholfen.
Leider komme ich heute nicht mehr zu einer weiteren Wochenzusammenfassung, es folgt nämlich jetzt eigentlich das mühsamste Stück, wo wir schon aufgeben wollten. Dabei dachten wir, es wird eine stinknormale Passstrasse (im Blog kann man das aber alles schon nach lesen - im ersten Blogeintrag habe ich mittlerweile noch eine interaktive Karte installiert, mit der man ein bisschen besser navigieren kann).
Und ganz am Schluss der Reise war nochmal ein unquerbarer Abschnitt, bei dem wir umkehren mussten.

Grüsse

Christian




Geändert von dcjf (20.01.13 20:30)
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#906861 - 05.02.13 22:53 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
dcjf
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So, nun geht es weiter mit dem Bericht in der Mongolei.

Unerwartete Übergänge - Von Tosontsengel zum Tsagan Nur

Wir waren hinter Tosontsengel noch bei wunderbarer Abendstimmung in ein Tal hinein gefahren und wollten am folgenden Tag einen der drei möglichen Übergänge rüber ins Tal des Tsagan Nur (Touristenanziehungspunkt) machen. Uns hatte gestern ein Autofahrer dieses Tal empfohlen.
Der Morgen begann so schön, wie der Abend endete und so fuhren wir in das saftig grüne Tal hinein. Immer wieder stehen Jurten herum und tummelt sich Vieh an den hängen, auch Verkehr hat es noch, insbesondere kommt immer mal wieder ein Holz-LKW daher. Weiter drinnen stossen wir sogar auf die Zelte einer Gruppe russischer Touristen. Weiter hinten im Tal verzweigt sich dann der Weg, wir müssen nach Osten weg zu unserem Pass. Die Gegend wird schlagartig einsamer, keine Jurten mehr, nur noch die ein oder andere Holzstange, welche einen Zeltplatz markiert. Beim Mittagessen am Bach kommt uns ein herrenloses gesatteltes Pferd entgegen. Erst viel weiter taleinwärts treffen wir auf drei Leute auf zwei Pferden, womit die Herkunft des Pferdes geklärt ist.


Schöne Morgenstimmung

In das Tal geht es hinein

Yaks sind hier neben Schafen das typische Weidevieh

Sogar Brücken hat es hier

Hier wird es einsamer

An einer schlammigen Stelle an einem Bach ist ein Anhänger voll beladen mit Holz aufgegeben worden, den haben sie wohl nicht mehr frei bekommen. Wenig später biegt die Piste ein kleines Seitental ein. Eigentlich hatten wir erwartet im Haupttal zu fahren, doch dort ist kein Weg mehr zu sehen. Also werden erst einmal Höhenmeter gemacht. Weiter oben scheint auch ein Gefährt unterwegs zu sein. Als wir bei ihm sind, entpuppt es sich als eine Art Minitraktor mit einem Tankanhänger. Sie laden uns in ihre Jurte ein, für welche sie gerade Wasser holen. Dort soll es auch eine Karte geben. Wir haben nämlich das Problem, dass unsere gute topographische Russenkarte gleich aufhört und wir daher dem Autoatlas nachfahren, welcher aber hier in der Feinorientierung nutzlos ist.
An der Jurte nach einigen weiteren Höhenmetern angekommen wird erst einmal Tee gemacht. Sie sind hier wohl als illegale Holzfäller da, deshalb auch so versteckt gelegen. In der Jurte hat es dann allerdings doch keine Karte und auch der hinzukommende Vater meint, dass unser Weg nicht machbar wäre, wir sollten umkehren oder über den Bergrücken ins andere Tal fahren, dort kämen wir dann auf eine andere Passstrasse. Das entmutigt uns ziemlich, zumal der Bergrücken noch einige hundert Höhenmeter abverlangen würde, eventuell weglos.
Wir folgen also erst einmal den Wegspuren, eine Piste ist es nun leider nicht mehr. Irgendwie müssen wir jetzt wohl noch weglos durch den Wald über den Rücken, am Kartenrand sehen wir noch, dass es wohl bis 2700 m gehen sollte. Nachdem wir über einen nahen Rücken gekommen sind, entscheiden wir uns doch wieder um und queren erst einmal, in der Hoffnung, dass die Strasse im Nachbartal wieder ins Haupttal geht. Plötzlich sehen wir einen Holz-LKW einen ziemlich steilen Hang hinabfahren. Eigentlich hatten wir nicht mehr erwartet hier jemanden zu treffen.


im Schlamm versunken

Hier geht es doch nicht geradeaus weiter

Der Pfadfinder, gibt uns einen guten Rat

Der Fahrer des LKW spricht sogar ein paar Brocken russisch und so können wir ihn doch noch nach dem Weg nach Zachir fragen, der Name des Passes Sagastain Daba scheint hier weniger bekannt zu sein (erinnert auch eher an Bad Gastein). Wir bekommen eine halbwegs ermutigende Antwort, die Strasse existiert zwar nicht, aber es soll möglich sein mit Pferden über den Pass nach Zachir zu kommen. Also machen wir uns dankend in die Richtung des Passes auf, wir werden aber gleich zurückgepfiffen, weil wir nicht den richtigen Weg (welchen Weg??) einschlagen. Mit der Zeit kriegen wir ein Gefühl für die Wegfindung. Es hat hier tatsächlich einmal eine Piste gegeben, wie man teils an der Grasfärbung, aber auch an den Hängen an manchmal sehr zarten Trassierungen erkennt. Manchmal kann man im hohen Gras sogar radfahren und jeder Pferdeapfel wird bejubelt, da er als Wegmarkierung dient. Wir arbeiten uns so bis zur Dämmerung an einen grösseren Flussverzweigungspunkt vor, wo wir übernachten. Es hat sogar Überreste von Feuerstellen hier.


Auf der Passstrasse

Fahrt durchs Blumenmeer I

Fahrt durchs Blumenmeer II

Hier ist die Trassenführung gut zu sehen

Wohlverdienter Zeltplatz, nach nicht so vielen Tageskilometern

Am nächsten Morgen mussten wir erst einmal herausbekommen, welches Tal wir weitergehen sollen, es hatte an beiden Tälern Wegspuren, wir haben uns dann aber für das richtige Tal entschieden, man hat wieder teils eine Trasse gesehen und so ging es weiter bergan, durch Blumenwiesen und Baumgruppen. Vor dem eigentlichen Pass sah man von weitem schon eine Art Rampe, welche nach oben führte. Der Pass hatte dann sogar einen OVoo, der aber wohl nicht mehr so viel Besucher bekommt. Wir hatten gehofft auf der anderen Seite einen besseren Weg zu finden, doch das Gegenteil war der Fall.


Es geht weiter auf der grünen Trasse

Es hat uns sehr gut gefallen, nur die Ungewissheit des Durchkommens stört

Geschafft, zumindest auf die Passhöhe (inklusive Ovoo)

Nur wie geht es weiter?

Wir spekulierten auf eine Trassenführung, doch die vermeintliche Trasse ging dann durch Sumpfland inklusive Sträuchern und war äusserst mühsam, schiebend, teils tragend mühten wir uns voran, in der Hoffnung wieder auf Wegspuren zu stossen. Es kam aber nur Regen. Zum Glück geht der in der Mongolei meist schnell wieder vorüber. Als wir endlich am See angelangt waren (den hatten wir schon von weiterem gesehen), war immer noch nichts mit Weg. Erst am Hang hinter dem See und nach einer Flussquerung gelangten wir auf einen Pfad, der sich bald zu einer Fahrspur erweiterte. Im Talgrund stiessen wir dann auf die ersten Jurten. Als wir dem Familienoberhaupt erzählten, wo wir gerade herkamen tippte der nur an den Kopf.
Der Rest war dann wieder einfacher, wir trafen auf das Haupttal und folgten kleinen Pfaden am linken Ufer, bis wir einen Schlafplatz fanden.
Nach dem anstrengenden Tag (auch mental ein bisschen, weil man ja nie weiss, ob man gut durch kommt), wären wir am Abend gerne alleine geblieben, aber ein Hirte, der seine Schafe per Moped hütete, interessierte sich sehr für uns. Wir boten ihm etwas von unserem zu scharfen Essen an, doch er wollte unbedingt, dass wir zu seiner Jurte mitkommen. Nachdem wir ihn nach einer Stunde davon überzeugt hatten, dass wir zu müde sind, zog er von dannen. Nur um wenig später mit seiner Frau und seinem Kleinen wiederzukommen und uns Yakmilch und Pferdemilch anzubieten. Hier fehlten uns mal wieder sehr die Sprachkenntnisse, mit Händen und Füssen kann man zwar kommunizieren, aber es ist sehr unbefriedigend, immerhin realisierten wir teilweise am nächsten Tag, über was der Hirte mit uns gesprochen hatte (Zeitumstellung, Naadam...).


Über Stock und Stein

Und auch durch sumpfiges Gelände

Auch am See lässt es sich noch nicht Radfahren

Endlich wieder bei den Gers

Am nächsten Tag geht es zivilisiert weiter zum Tsagen Nur, die Gegend dort ist vulkanisch und hat daher einige schöne Landschaftsbilder. Der Ausfluss des Sees muss sich durch einen Lavastrom zwängen. Bis Zachir sind wir noch auf einer Nebenstrasse, dann kommt man auf die Hauptstrasse von Tosotsengel nach Tsetserleg. Hier wird eifrig gebaut, ein grosser Damm ist schon aufgeworfen, auf dem die neue Strasse verlaufen wird, allerdings ist die Piste am Damm, obwohl recht frisch, doch schon recht unangenehm aufgrund zahlreicher Schlaglöcher. Daher hat es wieder viele Nebenpisten. Wahrscheinlich wird die Dammpiste bald mit einer Teerschicht belegt. Bis zum späten Nachmittag gelangen wir an den Tsagan Nur und nehmen ein Bad. Im Ort wird nochmal eingekauft, aber unseren Schlafplatz suchen wir wieder ausserhalb. Wir fahren ein bisschen weg von der Piste und finden einen sehr idyllischen Schlafplatz an der Schlucht, bei einer alten Brücke, welche nur noch von Mopeds benutzt wird, diese müssen über ein Holzbrett balancieren um über die baufällige Brücke zu kommen.


Helmanprobe, der Junge hat auch ein schickes MTB

Mongolischer Singletrail, die Oberfläche ist besser als auf der Strasse

Bad im Tsagan Nur

Ausfluss vom See

Pferde findet man überall in der Mongolei

Zeltplatz

Der nächste Abschnitt führt dann zurück zur Teerstrasse
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#906866 - 05.02.13 23:05 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
HyS
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Ein Glück seid ihr nicht auf Umweltschützer gestoßen, so querfeldein durch die Wiesen. zwinker
*****************
Freundliche Grüße
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#906907 - 06.02.13 09:32 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: HyS]
dcjf
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Hallo Henning

die hätten da echt mal was zu tun, das Weidevieh ist das ganze Gras kurz und knapp zwinker
In manchen Gegenden dürfte Überweidung tatsächlich ein Problem sein, es ist oft kürzer als ein englischer Rasen und keine Blume mehr zu sehen.

Grüsse

Christian
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#907101 - 06.02.13 23:25 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
dcjf
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Vom Tsagan Nur aus wollten wir nun nicht der grossen Strasse nach Tsetserleg folgen, sondern über ein paar Nebenstrecken die Teerstrasse in der Nähe von Bulgan gewinnen. Die Gegend ist jetzt zwar weniger spektakulär als im Westen, aber durchaus reizvoll.

Idyllisch zur Teerstrasse

Vom Tsagan Nur folgen wir erst der grossen Strasse nach Tsetserleg und werden auch mit ein paar Asphaltkilometern belohnt. Nach Passieren einer schönen Schlucht geht es bei Öndör Ulan vond er Hauptstrasse ab und wir gewinnen einen Pass, der uns in ein weites Tal bringt, welchem wir nun nach Norden folgen. Am Nachmittag ziehen einmal mehr dunkle Wolken auf, und in der Ferne regnet ist. Wir lassen uns vom Rückenwind treiben und haben Glück keinen Schauer zu erwischen.


Schöne Schlucht

Ausnahmsweise Teer

Die Räder wecken Interesse in Öndör Ulan

Passstrasse

Blumenwiese

Blick vom Zeltplatz

Am nächsten Morgen machen wir uns nach Erdenemandal auf, welches mittags erreicht wird. Es ist ein recht grosser Ort und wir hoffen auf Banken und Internet, leider werden wir enttäuscht. Wegen des Naadamfestes sind gleich mehrere Tage am Stück Feiertag.
Die Brücke über den Fluss bei Erdenemandal ist leider nicht mehr nutzbar, ein paar Kilometer südlich ist die neue Brücke, aber um mal wieder zu furten, gehen wir direkt bei der alten Brücke rüber, das Wasser ist zwar tief aber nicht stark strömend. Leider fehlt nach der Brücke ein vernünftiger Weg uns so mühen wir uns über Wiesen zur Hauptpiste. Diese führt wieder über einen Pass. In der Auffahrt treffen wir die ersten Reiseradler in der Mongolei. Zwei Schweizer, die sich einen englischsprachigen Führer samt Uazik geleistet haben und eine Runde von Ulan Bator aus fahren (Strecke fast ein bisschen so, wie von Britta und Bernd). Am Nachmittag wollen wir noch den nächsten Fluss gewinnen, leider liegt er an einer grösseren Siedlung, so dass wir doch noch ein Tal weiter fahren müssen. Erst in der untergehenden Sonne finden wir einen Platz an einem deutlich kleineren, fast ausgetrockneten Bächlein. Das Wasser sieht mehr nach Rinderpisse aus, daher sind wir froh als uns von der Nachbarjurte jemand mit warmen Wasser (zum Waschen) und Trinkwasser besuchen kommt.


Radfreundliche Piste

man begegnet häufig Hirten

Ein bisschen Kultur?

Diese Brücke ist nur noch für Schatten gut

Reiseradler mit Activity-Rucksack

Kurz vor dem vermeintlichen Schlafplatz

Heute geht es endgültig auf die Teerstrasse zu, wir planen über die Piste von Saichan zur Strasse zu fahren, aber bei dem Haufen an Pisten, sehen wir nie den richtigen Abzweig und bleiben daher auf der ausgefahrendsten Strecke, welche zu einer Mine führt. Durch die Routenwahl haben wir allerdings das Problem nicht am vorgesehenen Wasserauffüllpunkt vorbeizukommen. Die Teerstrasse ist am späten Nachmittag erreicht und nach ein paar Kilometern können wir an einem kleinen Pass zum Glück bei einer Raststätte Wasser nachfüllen.
Für die Nacht schlagen wir ein paar hundert Meter von der Hauptstrasse entfernt an einem kleinen Bach unser Lager auf.


Es geht weiter durch sanfte Hügel

Schafstransporter

LKW an der Raststätte

Camping am Bach


Der Weg zum Baikal folgt demnächst.
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#907407 - 07.02.13 22:15 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
BaB
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Hallo Christian,

toller Bericht. bravo Man bekommt sofort Lust wieder in die Mongolei zu fliegen für eine neue Tour, zumal wir diese Strecke auch schon in unsere "To Do Liste" aufgenommen hatten. Wir freuen uns schon auf die Fortsetzung schmunzel

Britta und Bernd
Wintertreffen 2019 - Forumstouren - Kettentest - Reiseradlertreffen Berlin
Leben ist was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.
When nothing goes right -> go left!
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#911350 - 19.02.13 18:47 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
dcjf
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Nun geht es endlich Richtung Baikalsee, leider muss dazu die Mongolei wieder verlassen werden.

Auf Teer zur russischen Grenze

Hier im Eck vor Bulgan sollte noch eine Piste ins Selengatal abgehen, da wir diese aber nicht identifizieren können, fahren wir einfach über die Teerstrasse nach Bulgan und Erdenet. Bulgan ist die erste grössere Stadt in der Mongolei, in die wir kommen, aber auch hier hat keine Bank offen und die Geldautomaten scheinen auch Nadaam zu feiern. So müssen wir nach Erdenet weiter, wo wir dann wieder Vollversorgung haben, es ist immerhin die zweitgrösste Stadt der Mongolei. Sie ist noch russisch geprägt, da zu Sowjetzeiten hier Bodenschätze erschlossen wurden. Sie war wohl so strategisch wichtig, dass sie in den alten Karten nicht eingezeichnet war. Auf dem Weg nach Erdenet werden geschlachtete Schafe direkt neben der Strasse angeboten.
In Erdenet ist dann endlich mal ein Internet verfügbar und ich kann mir auch noch was ausdrucken lassen. Mein Kindle war leider schon nach 2 Wochen kaputt gegangen, aber zum Glück sind die Daten noch lesbar.
Die Teerstrasse ist zwar gut zu fahren, aber die Landschaft hier irgendwie weniger spektakulär. Am Abend schlagen wir unweit der Strasse das Zelt auf


Vor Bulgan auf der Teerstrasse

Stadtplan von Erdenet

Zeltplatz nahe der Strasse

Am Morgen geht es früh los, da es schon gestern recht warm war. Die Gegend wird noch agrarischer, d.h. man sieht echte Felder auf denen etwas angebaut wird. Mittags versuchen wir in einem Ort etwas einzukaufen, aber die meisten Läden haben zu. Zum Glück findet Dina etwas ausserhalb doch noch etwas offenes. Mittagessen hätten wir vielleicht gleich dort machen sollen, die Strasse bleibt schattenlos und so gehen wir die steile Böschung des Strassendamms herunter zu einer Entwässerungsröhre, die uns Schatten und ein wenig kühle Luft spendet.
Bei den darauffolgenden kleinen Pässen wird jeder Schatten für eine kurze Abkühlpause genutzt. Hinter dem Hügelland findet sich am Nachmittag sogar noch ein kleiner Bach in dem wir uns erfrischen können.
Unterwegs lernen wir noch eien Amerikanerin kennen, welche hier wohl an die Mongolei gewöhnt werden soll. Sie ist die ersten Wochen hier in einer Gastfamilie und soll danach Englisch unterrichten. Von ihr erfahren wir, dass in einigen Kilometern eine moderne Minenstadt kommt. Bei dieser nutzen wir auch prompt das Strassenrestaurant für das Abendessen. Die Schlafplatzwahl ist, wie die letzten Tage schon, nicht ganz einfach, wir finden einen halbwegs geschützten Platz bei ein paar aufgeschütteten Erdhügeln. Bei näherer Betrachtung ist hier wohl Bauschutt zugedeckt worden.


Landwirtschaftlich genutzt

Schöner Ovo am Pass

Ein Baum macht noch keinen Schatten

Eine Schweinehitze

Wir hatten wenig vor der Einmündung in die Hauptstrasse von Ulan-Bator gezeltet. Wir erreichen daher am nächsten Morgen bald Darchan und sind damit an der Transsib-Trasse. Die Stadt ist gross und modern und die Einkaufsauswahl daher sehr gut. Hinter Darchan wird die Landschaft wieder trockener und bergiger. Zudem kreuzt ab und an ein Fluss die Strasse. Diesen nutzen wir wieder gerne zum Abkühlen, auch wenn in ihm einige Pferdeäpfel schwimmen, das stört aber auch einheimische Schwimmer nicht.
Der nächstfolgende Fluss ist dafür grösser und klarer und wird daher ebenfalls genutzt. Es geht nun auf den mongolischen Grenzort zu. Sukhbatar ist die Grenze, wo die Züge abgefertigt werden, Altanbulag/Kjachta jene für den restlichen Überlandverkehr. Wir kommen nicht ganz bis Sukhbatar und haben wieder Mühe geeignete Zeltdeckung zu finden. Tagsüber sind Dina noch zwei Speichen gebrochen, dabei waren wir heute die ganze Zeit auf Asphalt unterwegs. Nachdem schon vorher mal im Pistenteil der Mongolei sich ein paar Speichen verabschiedeten, wird es langsam knapp mit dem Ersatz.


Denkmal bei Darchan

Wir sind an der Transsib-Trasse

Auch Pferde brauchen Kühlung

Nächste Badegelegenheit

Am nächsten Morgen müssen wir noch dringend etwas Wasser besorgen, wir hatten am Vorabend fälschlicher Weise noch auf einen Laden spekuliert. In Sukhbatar ist das kein Problem und so sind wir immer noch am Morgen unterwegs nach Altanbulag. Wir wollen nicht zu spät dort sein um nicht in einer Schlange zu stecken, 2-3 Stunden sollten die anderen Leute ja schon von Ulan-Bator her haben. Vor der Grenze werden wir dennoch von einem grossen thailändischen Konvoi überholt, es sind Jeepfahrer auf dem Weg nach London, quasi die Gegenvisite zu so vielen westlichen Langfahrern. Diese treffen wir an der Grenze aber auch noch, ein australisches Tourunternehmen fährt ebenfalls nach London und schimpft über die chinesische Bürokratie und Korruption, die nächste Tour startet wohl nicht mehr in Peking.
An der Grenze muss ich mich dann etwas durchboxen. Der einheimische mongolische Taxifahrer meint, er könne eine Sonderbehandlung haben und seine Pässe vor alle Anderen platzieren. Da er damit durchkommt, mache ich das Gleiche mit unseren Pässen. So müssen wir doch nicht zu lange am Grenzposten verweilen. Die russische Abwicklung geht deutlich schneller und schon landen wir im erstaunlich hübschen Städtchen Kjachta. Von hier aus nehmen wir einen Kleinbus nach Ulan-Ude um für die letzte Etappe noch etwas Zeitreserve zu haben. Zudem müssen wir uns innerhalb der nächsten zwei Tage registrieren (Versäumnis aus dem Altai).
Wir sind am Nachmittag schon in Ulan Ude und nach der erfolgreichen Hotelsuche machen wir uns noch auf eine Speichensuche auf. Das ist erst einmal ein ewiges Herumfragen, bis wir auf einen Trialsport verwiesen werden. Dort hat es die Speichen zwar nicht in den Ersatzteilen, aber bei einem gerade eingespeichten Laufrad ist die Grösse doch noch vorhanden und so werden 6 Speichen herausgeschraubt.
Am Abend wird bei einem Stadtbummel noch burjatische Kulinarik versucht, dann fallen wir müde ins Bett.


Sukhbatar

Ulan Ude

Sowjetromantik im Hotel (bitte Nichts berühren)

Geändert von dcjf (19.02.13 18:48)
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#911653 - 20.02.13 15:25 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
dcjf
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Unterwegs in Schweiz

Nun geht es endlich zum Baikalsee.

Baikal

Heute ist Sonntag, auch wir haben es daher nicht so eilig. Leider sind daher auch alle Internetcafés geschlossen. Dafür können wir noch in einem grossen Einkaufszentrum Mückenspray und Mückenspiralen kaufen, wichtige Utensilien im Sommer in Sibirien. Erstaunlich rasch sind wir aus der Stadt und müssen einen Waldpass überwinden. Der zieht sich ziemlich und die Asfaltdecke ist an einigen Stellen wieder verschwunden. Als sie bei der Abfahrt wieder da ist, lässt ihre Qualität zu Wünschen. Die Hitze hat zu einigen fiesen Aufwerfungen geführt, die wie Geschwindigkeitsbrecher sind. Ein Auto, das in der Böschung liegt ist dem wohl zum Opfer gefallen. Nach der Abfahrt kommt die Kreuzung, welche nach rechts zum Baikalsee führt. Nur wenige Strassen in der Gegend sind wirklich nahe am See. So ist es auch mit unserer Strasse, wir werden wohl erst am Folgetag das Wasser zu sehen bekommen.
Bislang hatten wir kaum Verkehr auf dem Weg zum See, doch wir lernen sehr bald, dass Sonntag ist. Als einige Kilometer nach dem Abzweig die Teerstrasse aufhört und sich in eine Baupiste verwandelt, geht es langsam los, die Wochenendausflügler drängt es zurück nach Ulan-Ude. Das was in der Ferne nach Nebel aussah, war in Wirklichkeit aufgewirbelter Staub. Und mit dem Verkehr wird er immer dichter. Das ganze Szenario wirkt immer bedrohlicher, zumal die Autofahrer auf der breiten Baustellenpiste auch die ganze Fahrbahn ausnutzen, so kommen einem teils drei Autos nebeneinander entgegen. Wir flüchten uns soweit möglich auf Nebenwege, insbesondere durch die Ortschaften kann man andere Strecken nehmen. Die Dörfer liegen nämlich nicht direkt an der Hauptstrasse, sondern leicht abseits, wohl an einer früheren Route der Strasse. Wegen des vielen Verkehrs haben sie ihre Zufahrten teils abgesperrt, der aufgewirbelte Staub trifft sie trotzdem.
Hinter einem der Dörfer finden wir eine Lichtung an einem kleinen Bach, wo wir zelten können. Die Mückenspiralen bewähren sich dort gleich.


Auf dem Weg zum Waldpass

Oft mit Teer

Schöne grüne Landschaft

Horrormässiger Rückreiseverkehr auf der Baustellenpiste

Schicke Dörfer am Wegesrand

Noch ein Dorf

Der nächste Morgen beginnt nebelig und der Nebel lichtet sich erst nachdem wir den Baikalsee erreicht haben, was aber erst Mittags der Fall ist. Ein Bad im See ist dennoch Pflicht, aber ziemlich erfrischend und das bei mässigen Lufttemperaturen. Dafür bekommen wir von einer Familie, die hier campt, ein paar frisch gefangene und gegrillte Fische in die Hand gedrückt. Wir folgen nun dem See, der allerdings meist durch Wald verdeckt ist, obwohl die Strasse nahe am Ufer führt. Hinter Gorjatschinsk fahren wir noch in den Abend hinein und finden einen ziemlich idyllisch gelegenen und einsamen Zeltplatz. Am Wochenende ist wohl am gesamten Ufer mehr los, wie man unterwegs an den vollen noch nicht eingesammelten Müllsäcken sieht.


Baikalsee erreicht

Feldweg zurück zur Hauptstrasse

Schön gelegener Zeltplatz

Diese Nacht verläuft ruhig


Ins Bargusintal

Den nächsten Tag habe ich in schlechter Erinnerung, vielleicht hatte ich mich an der übergrossen Gretschka-Portion (Buchweizen) übernommen. Auf jeden Fall hatte ich ziemlich Magenschmerzen und mir war übel. Wir fahren noch ein Stück den Baikal entlang und treffen unterwegs auch endlich mal einen anderen Radler, ein Münchner, der vor einem organisierten Radwettbewerb in der Mongolei noch den Baikalsee erkundet. Er berichtet uns, dass er einen Russen getroffen hätte, der unsere geplante Route wohl vor einigen Tagen gemacht hätte und dass die Flüsse momentan überhaupt kein Problem wären, weil sie wenig Wasser führen würden. Während des Gesprächs entleere ich noch diskret den Mageninhalt hinter dem nächsten Busch. Entsprechend braucht es heute eine längere Mittagspause im Liegen. Die "super Strasse nach Ust-Barguzin" (Zitat Münchner Radler) ist dann doch mühsamer, da die Strasse noch ein wenig Wellblech vorrätig hat. In Ust-Barguzin wird noch eingekauft, der Strom scheint hier zwar grossflächig abgestellt zu sein, aber in einigen Geschäften laufen noch Generatoren.
Von Ust-Barguzin setzt man über den Bargusinfluss mit einer witzigen fähre, ein winziges Motorboot zieht das grosse Floss rüber. Da der Tag schon fast vorbei ist schlagen wir uns nach wenigen Kilometern ins Gebüsch, die Mücken warten schon auf uns.


Baikalblick

So viele schöne Strände haben wir gar nicht gesehen

Wir kommen wieder keine Frage

Die Fähre über den Bargusin

Zeltplatz

Heute geht es nach Bargusin, dem Hauptort des Tales, die Strasse ins Tal ist hübsch aber steht natürlich im Schatten des Baikals. Der Ort überrascht positiv und hat auch schon einige Tradition, er wurde bereits im 17. Jahrhundert gegründet, kämpft aber wohl heutzutage immer noch mit seiner relativ grossen Abgeschiedenheit, der Weg nach Ulan Ude ist lang, soll aber wohl bald durchgehend geteert sein. In Bargusin flüchten wir uns vor Regenschauern in ein Restaurant. Und auch am Nachmittag werden wir leider immer wieder vom Regen überrascht, der sich wohl in den Bergen festgesetzt hat. Kein gutes Zeichen für unsere noch bevorstehende Querung zur BAM.




Dem Bargusin entlang

Blick ins Tal

Hauptort Bargusin

Hier gab es vor kurzem einen Waldbrand

Der nächste Tag beginnt trocken und zwischendurch bekommen wir sogar noch einmal Asphalt unter die Räder, die Stadt Kurumkan hatten wir nicht so recht auf dem Radar und sind daher überrascht ob des gut sortierten Supermarkts, auch ein Café kommt an Mittag wie gerufen. Nachdem an meinem Stolz-Gepäckträger eine Strebe gebrochen ist, schauen wir noch bei einer Autowerkstatt vorbei. Die Reparatur ist leider nur Flickwerk, es wird nicht geschweisst, sondern eine Alustange in die Röhren des Gepäckträgers gesteckt, leider schlägt der Perforierungsversuch fehl (die Alustange sollte durch quetschen des Stahlrohres wohl fixiert werden. Zum Glück ist es keine sehr tragende Strebe. Der Reparateur will aber auch kein Geld für seine Arbeit annehmen. An der Garage ist immer viel los, so dass wir auch den Zustand des Bargusins erfahren, wir sollen wohl wenig Hoffnung haben ihn morgen queren zu können, er wäre mannshoch an der Furt.
Wir wollen eigentlich die Ostseite des Baikals entlang zur BAM fahren. Der 110 ist ein Simnik, welcher aber auch im Sommer befahrbar ist, allerdings den grossen Haken hat, dass man dann furten muss. Da Dina schon ein Ticket in Uojan in ein paar Tagen für die Heimfahrt hat, müssen wir es aber irgendwie zur Bahn schaffen.
Zurück auf der Strasse treffen wir noch einen LKW-Fahrer der uns noch bis Uljonchan (der letzte Ort im Tal vor dem 110) mitnehmen will. Wir schlagen sein Angebot aus, nehmen aber gerne drei angebotene Limoflaschen an. Mit dem LKW ist er von Ulan-Ude 2 volle Tage bis hierher unterwegs gewesen. Leider erwischt uns am Nachmittag wieder Regen. Dafür treffen wir am Abend noch einen Geländebus mit Letten, welche gerade den 110 gemacht haben. Sie haben insgesamt 12 Tage gebraucht! Das ist natürlich nicht die Normalzeit, ihr zweiter Geländebus, ein Uazik ist genau in der Mitte liegen geblieben und auch ihr Iveco ist ein trauriger Anblick, sie schleichen wegen kaputter Federn die Piste entlang. Sie mussten zu Fuss die 90 km zum nächsten bewohnten Haus raus gehen (Umchei) und dann einen Bergungstruck organisieren. Sie geben uns noch ein paar Tips mit, leider ist ihre Beschreibung zum Furten nicht ganz korrekt, sie meinten wir können ihn vom Heilbad in Umchei ganz einfach überqueren, weil ein Arm schon mit einer Brücke überwunden wird.
Die Gegend ist hier nun deutlich einsamer und der Abstand zwischen den wenigen Dörfern recht gross. So schlagen wir unser Zelt einfach ein paar hundert Meter neben der Strasse im Wald auf.


Immer noch keine Wetterbesserung

Gepäckträgerreparatur

Limonadenspender

Waldpiste

Geändert von dcjf (20.02.13 15:29)
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#911683 - 20.02.13 16:57 Re: Vom Altai zum Baikal über die Mongolei [Re: dcjf]
dcjf
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Unterwegs in Schweiz

Zum Abschluss des Reiseberichtes fehlt nun nur noch die Querung nach Uojan.
Da ich gerade in den Vorbereitungen für die nächste Tour bin und die Querung wirklich ein Erlebnis war, verweise ich am besten auf den entsprechenden Blogeintrag, zu viel würde ich da auch hier nicht kürzen wollen:

Wir brauchen ein Boot

Grüsse

Christian
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